Wirtschaftswachstum stagniert ab 2040

Die Corona-Krise lässt uns andere Herausforderungen der deutschen Volkswirtschaft vergessen, aber der Fachkräftemangel stellt ein großes Problem dar.

Eine Studie von KfW Research hat die aktuellen Fachkräfteengpässe und die mögliche Entwicklung bis 2040 analysiert. Die Studie zeigt, dass der Fachkräftemangel weite Teile der Wirtschaft ergriffen hat. Im Vergleich zu dem Fachkräfteangebot von vor zehn Jahren können heute zwei Drittel der Berufe als Mangelberufe eingestuft werden. Bauberufe gehören zu denjenigen Berufen, in denen der Engpass am stärksten ist.

Die Ursachen des Fachkräftemangels

Diese Entwicklung hat zwei Hauptursachen. Zum einen hat die inländische Bevölkerung seit 2004 bereits um 2 Millionen Menschen abgenommen und mit einer schrumpfenden Bevölkerung schrumpft auch das Angebot an Fachkräften. Deswegen wird die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte immer wichtiger. In den letzten drei Jahren ging die Hälfte des Beschäftigungszuwachses auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurück, Tendenz steigend. Zum anderen ist die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem in Deutschland zwischen 2005 und 2019 um nur noch 0,5 Prozent pro Jahr gestiegen. Für ein stärkeres Wachstum des deutschen BIP ist also entweder eine Steigerung des Produktivitätswachstums oder der Erwerbstätigenzahl notwendig.

Was passiert, wenn sich nichts ändert?

Zwar würde die Wirtschaft bei unveränderten Bedingungen vorerst weiter wachsen, spätestens bis 2040 würde das Wachstum allerdings gegen Null tendieren. Dies würde zu zunehmenden Lücken im Güter- und Dienstleistungsangebot führen. Dazu kommt, dass immer weniger Erwerbstätige die Rente von immer mehr Menschen zu bezahlen hätten. Durch die geburtenstarken Jahrgänge und die Zunahme der Lebenserwartung steigt die Bevölkerung im Alter ab 67 Jahren bis 2040 um mehr als 5 Millionen Menschen auf über 21,4 Millionen. „Die deutsche Wirtschaft kann dem Fachkräftemangel und der Produktivitätsschwäche vor allem mit mehr Investitionen, Innovationen und Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen entgegenwirken. Diese Zutaten benötigt unsere Wirtschaft auch, um die Corona-Krise und ihre Folgen möglichst schnell zu überwinden. Wir brauchen deshalb für die kommenden Jahre eine langfristig angelegte Wachstums- und Investitionsinitiative von Staat und Wirtschaft – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Zentrale Handlungsfelder sind Krisenfestigkeit, Klimaschutz, und Produktivitätssteigerungen durch Innovation und Digitalisierung“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW Bankengruppe.

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