Wie die Digitalisierung die Baubranche retten kann

Nicht nur der Fachkräftemangel ist eine Herausforderung der Branche. Dabei gibt es viele digitale Lösungen, um diesen Problemen entgegenzuwirken.

Wie sich in den letzten Monaten gezeigt hat, ist die Baubranche weitgehend krisensicher, aber digitale Transformation und technologische Entwicklungen fordern die Branche heraus. Bauen 4.0 sorgt in großen Bereichen der Baubranche immer noch für Stirnrunzeln. Dabei gibt es vor allem fünf wesentliche Herausforderungen in der Baubranche, die durch digitale Technologien zumindest ein großes Stück weit entschärft werden können. Deswegen gilt: Große Baustoffkonzerne, Architekturbüros und Handwerker müssen digital auf Augenhöhe gebracht werden und in einem einheitlichen System vernetzt werden.

1. Sicherheit

Die Baubranche ist prädestiniert dafür, dass sich hier besonders viele, auch tödliche, Unfälle ereignen. Hier wird in schwindelerregenden Höhen und mit schweren Maschinen gearbeitet. Eine technische Möglichkeit zur Prävention ist die Vor-Ort-Bildgebung. Durch Geräte wie Drohnen oder CCTV-Kameras können Millionen von Bildern auf der Baustelle aufgenommen werden. Durch Künstliche Intelligenz werden diese analysiert und beispielsweise Orte, an denen die Absturzgefahr besonders hoch ist, identifiziert. Auch können so Personen identifiziert werden, die noch nicht ausreichend über Praktiken und Vorschriften zur Sicherheit am Arbeitsplatz aufgeklärt sind, um diese zu einer Schulung schicken zu können.

2. Ausrüstungsüberwachung

Mal weiß man nicht, wo ein Gerät ist und ein anderes mal springt es einfach nicht mehr an. Durch Sensoren können Geräte überwacht werden, um so zu ermitteln, wann es Zeit für eine Wartung oder Reparaturarbeit ist.

3. Produktivität

Die Produktivität hat sich in den letzten 20 Jahren branchenübergreifend um 25 Prozent verbessert. Da erschreckt es zu sehen, dass diese im Bausektor um lediglich fünf Prozent gestiegen ist. Dies liegt zum Beispiel daran, dass Fehler im Gebäudeentwurf zu erheblichen Verzögerungen führen oder es schwierig ist, den Zeitrahmen abzuschätzen, wie lange beispielsweise Beton zum Trocknen benötigt. Um Fehler in der Planung zu vermeiden, eignet sich das Building Information Modeling, kurz BIM. Mithilfe eines 3D-Modells, in das alle Beteiligten ihre Informationen einspeisen, können Planungsfehler vermieden und frühzeitig festgestellt werden, wenn die Arbeiten in Verzug geraten. Auch gibt es Programme, die durch Temperatursensoren feststellen können, wann der Beton ausgehärtet ist, sodass die Bauleiter ihre Aktivitäten zuverlässig planen und den Personaleinsatz optimieren können.

4. Nachhaltigkeit

Die Bauindustrie war 2018 für 39 Prozent der CO2-Emission verantwortlich. Auch die Corona-Konjunkturpakete zeigen wieder, wie wichtig die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind. Digitale Initiativen können der Branche helfen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. So hilft zum Beispiel „Grünes Bauen“ dabei, den CO2-Ausstoß zu minimieren. Dazu gehört nicht nur die Verwendung nachhaltiger Materialien, auch beim Bewohnen des Gebäudes gibt es noch hohes Potenzial. So gibt es Lösungen, die ungenutzte Systeme automatisch abschalten.

5. Mangel an Kompetenz und Arbeitskräften

Die Arbeit am Bau hat leider einen schlechten Ruf, sodass der Fachkräftemangel immer bedrohlicher wird. Die Babyboomer gehen in den Ruhestand, die Millennials und Generation X wollen studieren, statt bei weniger attraktiven Arbeitsbedingungen körperlich schwer zu arbeiten. Aber durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und anderen Technologien kann das Image des gefährlichen und langweiligen Berufsfeldes revidiert werden. Auch können beispielsweise selbstfahrende Lastwagen und Bagger, wie sie zurzeit immer mehr getestet werden, Menschen ersetzen. 

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