Wenn Baubedingungen geschönt werden

Baubeschreibungen gehen mitunter von unzutreffenden Idealbedingungen aus, sodass ein unerfahrener Bauherr später mit hohen Mehrkosten belastet wird.

Seit Anfang 2018 das „neue“ Bauvertragsrecht eingeführt wurde, haben private Bauherren, die ein schlüsselfertiges Haus auf ihrem eigenen Grundstück ohne eigenen planenden Architekten bauen, das Recht auf eine detaillierte Baubeschreibung. Viele dieser Baubeschreibungen werden allerdings geschönt, indem sie nicht an das Grundstück angepasst werden. Die Baukosten werden kalkuliert mit der Annahme eines ebenen, gut befahrbaren Grundstücks, einer Schneelastzone 1 mit wenig Schnee, einer Windzone 1 mit geringer Windstärke, eine Erdbebenzone 0 ohne seismische Erschütterungen und/oder einer idealen Bodenfeuchte, die keine besonderen Baumaßnahmen erfordert. Dipl.-Ing. (FH) Marc Ellinger, Sachverständiger und Leiter des Freiburger Büros im Verband Privater Bauherren (VPB) beobachtet: „Baufirmen setzen bei ihren Angeboten Idealbedingungen voraus, die nicht den Gegebenheiten vor Ort entsprechen – obwohl die Anbieter den zukünftigen Standort des Hauses kennen.“ Fast nirgendwo in Deutschland gelten tatsächlich diese idealen Voraussetzungen und so kommen nach Vertragsabschluss nacheinander die resultierenden Mehrkosten auf den Tisch.

Schon bei der exemplarischen Betrachtung der Bodenfeuchte wird die Tragweite dieser Schönung sichtbar: Ein tatsächlich wasserdichter Keller kostet 8.000 bis 12.000 Euro mehr als ein normaler Keller mit einfacher Abdichtung. „So etwas sollte nicht mehr passieren“, kritisiert VPB-Vertrauensanwalt Holger Freitag. „Denn die im Bauvertragsrecht vorgesehenen Baubeschreibungen sollen nicht nur schon vor Vertragsschluss einen verlässlichen Vergleich mehrerer Angebote in Bezug auf Preis und Leistung ermöglichen, sondern auch die für den Bauunternehmer erkennbaren Kostensteigerungsrisiken bei den angebotenen Leistungen erwähnen. Für die Beschaffenheit des Baugrunds steht das sogar ausdrücklich in der Begründung des Regierungsentwurfs des Gesetzes. Immer wieder setzen sich Baufirmen aber darüber hinweg oder machen Angaben, die Laien nicht verstehen.“ Im schlimmsten Fall erfahren die Bauherren erst nach Vertragsunterzeichnung, dass für sie andere Vorgaben relevant sind.

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