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Volle Auftragsbücher, leere Baustellen

Viele Handwerker und Bauunternehmer können sich zurzeit vor Aufträgen kaum retten – zum Ärgernis vieler Städte und Gemeinden. Ihre Baustellen bleiben oftmals leer.

Die gute Konjunktur sorgt bei vielen Handwerkern und Bauunternehmern dafür, dass die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass viele Handwerksbetriebe nicht gerade erpicht darauf sind, an zeitraubenden und komplizierten Vergabeverfahren teilzunehmen. Auch, weil die öffentliche Hand für eine eher späte Zahlungsmoral bekannt ist.

Für Städte und Gemeinden ist es daher immer schwieriger, geeignete Handwerksfirmen für ihre Aufträge zu finden. Nicht selten kommt es vor, dass Ausschreibungen erfolglos und Baustellen leer bleiben.

Vergabeverfahren zum eigenen Vorteil nutzen

Trotz der vielen Bürokratie kann es sich für Betriebe aber lohnen, an einem Vergabeverfahren teilzunehmen. Denn jährlich werden Aufträge in Höhe eines dreistelligen Milliardenbetrages per Ausschreibung vergeben. Über 95 Prozent hiervon finden dabei im sogenannten Unterschwellenbereich statt, müssen also nicht EU-weit und im offenen Verfahren ausgeschrieben werden, sodass noch weniger Konkurrenzdruck herrscht.

Da sich die verschiedenen Vergabeverfahren sehr ähneln, kommt bei regelmäßiger Teilnahme und beim Ausfüllen der Formulare schnell Routine ins Spiel. Aufgrund der aktuell eher überschaubaren Konkurrenzsituation, lohnt sich die Mühe meist. Und treten bei einer Vergabe doch einmal unerwartete (rechtliche) Probleme auf, stehen viele Handwerkskammern mit Rat und Tat zur Seite.

Sogar Vergabestellen sind manchmal überfordert

Nichtsdestotrotz stellt die Teilnahme an einem Vergabefahren eine zusätzliche Belastung für viele Unternehmen dar und hat durch ihre zunehmende Komplexität oftmals eine eher abschreckende Wirkung, meint der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Als anschauliches Negativbeispiel dient laut Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) in diesem Zusammenhang das ehemalige nordrhein-westfälische Tariftreue- und Vergabegesetz (TVgG). Denn bereits unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes wurde klar, dass die Regelungen praxisuntauglich waren. Sogar die Vergabestellen waren daraufhin mit der Anwendung des Gesetzes überfordert.

Erst eine Reform, mit der das gesamte TVgG gestrafft und auf die notwendigen Vorschriften reduziert wurde, brachte eine Erleichterung für Betriebe und Behörden. Daher fordert auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStB) deutliche Erleichterungen bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen – und zwar bundesweit. Die einzelnen Vergabevorschriften sind nämlich auch noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Bundesweit tätige Bauunternehmen müssen sich deshalb notgedrungen auf 16 verschiedene landesvergaberechtliche Regime einstellen. Lediglich Bayern verzichtet auf ein eigenes Landesvergabegesetz, sehr zur Freude des ZDB.

Neue Aufträge durch gute Vorbereitung

Natürlich ist nicht alles schlecht. So können sich Unternehmen die Teilnahme an Ausschreibungen erleichtern, indem sie sich in eine Präqualifizierungs-Datenbank (PQ-Bau und PQ-VOL) eintragen lassen. Hierin wird die Eignung eines Bieters für ein Jahr lang gespeichert, sodass das erneute Einreichen der Unterlagen bei der nächsten Vergabe ausgelassen werden kann.

Insgesamt sollte die öffentliche Hand als Auftraggeber nicht außer Acht gelassen werden, denn niemand kann sagen, wie die Konjunktur in Zukunft aussehen wird. Daher ist es ratsam, auch in guten Zeiten die Kontakte zu pflegen und sich breit aufzustellen. Nicht vergessen werden darf hierbei: Was heute gebaut wird, muss morgen instand gehalten werden – auch im öffentlichen Bereich.

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