Vielseitige Naturfaser als Allrounder-Dämmstoff

Pflegeleicht, atmungsaktiv, antistatisch und robust: Sisal kann nicht nur wunderbar zu Teppichen verarbeitet werden, sondern findet auch auf dem Bau seinen Einsatz.

Die Pflanze aus der Unterfamilie der Agavengewächse wird heute vor allem auf Plantagen in Kenia und Tansania herangezogen. In Teppichen eignen sich die Sisalfasern vor allem für stark besuchte Bereiche wie Eingänge und Korridore. Das zumeist antibakterielle und antistatische Naturmaterial ist atmungsaktiv und sorgt für ein gutes Raumklima. Dabei ist die Agave eine sehr genügsame Pflanze: Bis zu zwölf Jahre kann sie genutzt werden. Lediglich auf die erste Ernte müssen die Bauern drei bis vier Jahre warten. Nachdem die 1,10 bis 1,30 Meter langen Blätter geerntet und der mittlere Ständer der Pflanze übrig gelassen werden, wächst die Pflanze weiter. Nach der Blüte stirbt sie dann ab. Die geernteten Blätter werden in einer Presse ausgedrückt, bis schlussendlich nur noch die Fasern der Blätter ohne jegliches Fruchtfleisch und Wasser übrig bleiben. Die Fasern werden dann getrocknet, gekämmt und geglättet. „In dieser Form sind die Sisalfasern bereit für die Weiterverarbeitung. Für den Versand werden sie deshalb in 250 bis 500 Kilogramm schwere Ballen gepresst. Damit endet der Bearbeitungsprozess in Afrika“, erläutert Axel Riester vom Teppichhersteller Terr’Arte AG.

Nun lassen sich diese Fasern neben Teppichen auch wunderbar zu Dämmstoff weiterverarbeiten. Die Naturfaser wirkt wärmeisolierend und trittschalldämmend. Dafür wird das Material zu Matten gepresst. Sisal findet bereits in der Schweiz in der Klosterkirche in Menzingen Verwendung. Die Schwestern zum Heiligen Kreuz wünschten sich für den Umbau der Kirche natürliche Baustoffe, die Ruhe, Wärme und Beständigkeit verinnerlichen. Dies brachte den Architekten Herbert Mäder zu dem Schluss, Sisal einzusetzen, 2020 soll das Projekt fertiggestellt werden. „Konstruieren ist ein genetischer Drang. Er liegt den Menschen sozusagen in den Händen und im Blut. Es ist auch die Freiheit, Materialien wählen zu können, sich nicht nur programmiert auf Steine beschränken zu müssen. Somit kommen die Naturfasern ins Spiel“, meint Andrea Deplazes vom Büro Bearth & Deplazes Architekten AG. „Pflanzenfasern lassen sich spielerisch bearbeiten, auch wenn anfangs nicht dieser Sinn im Vordergrund stand.“

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