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Streit bei öffentlichen Projekten: Jetzt greift Bauindustrie durch!

Bei öffentlichen Bauprojekten werden Kosten- und Terminabsprachen oft verletzt, was Unternehmen viel Geld kostet. Aber reicht die neue Initiative der Bauwirtschaft?

Elbphilharmonie, Stuttgart 21, Flughafen Berlin-Brandenburg: Bei öffentlichen Bauprojekten in Deutschland scheint das Einhalten des Kosten- und Terminrahmens praktisch nie zu funktionieren. Doch es kann auch anders gehen, wenn Bauunternehmen und Bauträger partnerschaftlich die Umsetzung des Projekts angehen, glaubt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). Der Verband hat deshalb nun die Partnerschaftsinitiative „Bauen statt streiten“ ins Leben gerufen, die das erreichen soll.

Kooperation statt Konfrontation

„Bauen statt streiten – dieses Angebot macht die Bauindustrie, um öffentliche Bauprojekte effizienter im Termin- und Kostenrahmen umzusetzen. Dies setzt einen Kulturwandel am Bau voraus. Wir setzen dabei auf Partnerschaftsmodelle, bei denen sich alle Projektpartner auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam für den Projekterfolg einstehen“, beschreibt HDB-Präsident Peter Hübner das Projekt.

Dazu hat der Verband eine Broschüre mit dem Titel „Bauen statt streiten – Partnerschaftsmodelle am Bau: kooperativ, effizient, digital“ veröffentlicht. Hier werden Beispiele von deutschen Bauunternehmern vorgestellt, die Hand in Hand mit einem öffentlichen Träger ihre Projekte verwirklicht haben und auch mit entsprechenden Verträgen die rechtliche Basis dafür geschaffen haben. „Die Best-Practice-Beispiele unserer Mitgliedsunternehmen zeigen, dass ein partnerschaftlicher Umgang auf der Baustelle bereits heute möglich ist. Wir möchten unsere öffentlichen Partner ermutigen, diese Modelle gerade bei großen Infrastrukturprojekten noch stärker zu nutzen“, so Hübner.

Digitale Plattformen nutzen

Bessere Absprachen sollen vor allem im virtuellen Raum getroffen werden. Hier sollen Projekte schon früh eingestellt werden, sodass die Träger ein passendes Unternehmen finden können, das dann wiederum an Planung, Bau und Instandhaltung beteiligt werden kann. Dadurch soll der ganze Ablauf effektiver und reibungslos vonstattengehen. „Uns ist bewusst, dass dies eine Veränderung der bisherigen Praxis bedeutet. Doch gerade im Zeitalter der Digitalisierung müssen traditionelle Leitbilder des öffentlichen Bauens, wie die Trennung von Planung und Bau, überdacht werden“, betont Hübner.

Wenn ein Projekt eingestellt ist, soll der Träger ein bestimmtes Partnerschaftsmodell auswählen können – von der Fach- und Teillosvergabe über Generalunternehmerverträge, Design-and-Build-Verträge und Funktionsbauverträge bis hin zu Öffentlich-Privaten Partnerschaften – und sich dafür ein passendes Unternehmen suchen. Beide sollen dann im Rahmen dieses Modells partnerschaftlich an der Umsetzung der geplanten Maßnahme arbeiten. „Am Ende sollte jeder Partner die Aufgaben und Risiken übernehmen, die er am besten beherrschen kann. Wenn wir dieses Motto beherzigen, werden am Ende auch die Steuermittel der Bürger am wirksamsten eingesetzt“, so Hübner abschließend.

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