Stabiler Hightech-Baustoff durch Destabilisierung?

Einem Forschungsteam ist es gelungen, ein stabiles Holzmaterial zu entwickeln, das sich beliebig verformen lässt und trotzdem dreimal stärker ist, als natürliches Holz.

Die Methode, um diese Stabilität zu erzeugen, ist dabei gleichermaßen verblüffend wie genial. Die Forscher entziehen dem Holz dabei nämlich genau den Teil, der ihm in der Natur seine hohe Stabilität verleiht: Lignin. Die Forschungsgruppe von Ingo Burger an der Empa in der Schweiz und der ETH in Zürich gingen mit ihrer Forschung der Frage nach, wie Holz noch mehr und noch besser im Bau genutzt werden könne. Eine Lösung dieser Frage käme vor allem dem Klimawandel zugute. Möglich wird die Verbesserung des Holzes durch eine „Delignifizierung“ und Verdichtung des Materials. Denn Holz besteht chemisch aus den drei Bestandteilen Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Das Lignin sorgt dafür, dass die langen Zellulosefibrillen im Holz stabilisiert werden und nicht knicken. Genau diesen Stoff entziehen die Forscher dem Holz allerdings. Was übrig bleibt? Weiße Zellulose, die sich im nassen Zustand in jede X-beliebige Form bringen lässt. Diese Verformbarkeit erreicht man durch Zugabe von Wasser, das sich in den Zellen verteilt, wo vorher das Lignin für Stabilität gesorgt hat. Wird das delignifizierte Holz anschließend wieder getrocknet, verhaken sich die Zellen ineinander und sorgen für eine erneut stabile Verbindung. Durch das Pressen danach wird das Material zusätzlich verdichtet und so laut der Empa rund dreimal steifer und zugfester als naturbelassenes Fichtenholz. Durch eine wasserabweisende Beschichtung könne außerdem verhindert werden, dass das Holzinnere wieder feucht wird und das Material somit die gewünschte Form beibehält. Da das Material das Potenzial für weitere Eigenschaftserweiterungen bietet, kommt es vor allem für Innovationen in der Automobilindustrie infrage.

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