So teuer ist energieeffizientes Bauen

Die CO2-Emissionen im Gebäudesektor müssen dringend gesenkt werden. Doch die Bauwerkskosten steigen mit der Energieeffizienz und übersteigen oft das Einsparpotenzial.

Etwa ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland stammt aus dem Gebäudesektor, vor allem das Heizen ist dafür verantwortlich. Dabei gibt es laut Klimaschutz-Experten und Politikern in diesem Sektor ein enormes Potenzial, was das Einsparen der CO2-Emissionen angeht. Bis 2030 sollten diese um rund 40 Prozent auf 72 Millionen Tonnen gesenkt werden. Doch dafür ist längst nicht genug passiert, das Ziel ist in den nächsten zehn Jahren also kaum noch erreichbar. Denn um die Ziele bis 2030 zu erreichen, müssten entweder die CO2-Emissionen von 40 Prozent aller Gebäude auf null sinken oder von rund 80 Prozent aller Gebäude halbiert werden.

Baubranche warnt vor hohen Kosten für Energieeffizienz

Im Rahmen der aktuellen Diskussion, wie sich Gebäude schnell energieeffizient gestalten lassen, veröffentlichte der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) eine Analyse zu den Baukosten. Das Fazit aus der Studie „Auswirkungen energetischer Standards auf die Bauwerkskosten und die Energieeffizienz im Geschosswohnungsbau in Deutschland“: je effizienter das Haus, desto höher auch die Baukosten. Durchgeführt hat die Studie die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE). Dabei wurden mehr als 35.000 Wohnungen mit über 2,8 Millionen Quadratmetern Wohnfläche berücksichtigt. Die Analyse stellt eine Kostenübersicht für die aktuell gängigen Baustandards nach der Energieeinsparverordnung (EnEV 2016) bis hin zum energiesparendsten Niveau, dem KfW-Effizienzhaus-40-Standard, auf.

Fast 300 Euro mehr pro Quadratmeter

Wie hoch die Kosten liegen, fasst Reinhard Quast, Präsident des ZDB zusammen: „Bei einer Anhebung der Standards von dem derzeit geltenden EnEV 2016 auf das Effizienzhaus 40 steigen allein die Bauwerkskosten um 260 Euro pro Quadratmeter. Das sind bei 100 Quadratmetern Wohnfläche 26.000 Euro.“ Laut der Analyse liegen die Bauwerkskosten im EnEV-2016-Standard bei 1.666 Euro im Median pro Quadratmeter, beim Effizienzhaus steigt der Wert auf satte 1.926 Euro. Und dabei sei das Energiesparpotenzial mit jährlichen 18 Kilowattstunden pro Quadratmeter vergleichsweise gering. „Die Entwicklung bei Kosten und Verbräuchen laufen nicht linear. Bei ambitionierten energetischen Standards steigen die Kosten aufgrund des hohen baukonstruktiven und anlagentechnischen Aufwands exponentiell an, während die Kurve des möglichen Einsparpotenzials beim Energieverbrauch immer weiter abflacht“, sagt Dietmar Walberg, Geschäftsführer der ARGE. Rechnet man zu den Zahlen dann auch noch die Grundstücks-, Erschließungs- und Nebenkosten hinzu, komme man beispielsweise in Hamburg schon mit den heute gängigen Standards auf 4.000 Euro Baukosten pro Quadratmeter, erklärt Walberg. „Das führt dazu, dass sie heute kaum noch einen Mietwohnungsbau hinbekommen, in dem für unter zehn Euro pro Quadratmeter vermietet werden kann.“

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