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Reparatur statt Rauswerfen

Ersatzteile für Elektrogeräte sollen zukünftig schneller und länger verfügbar sein. Dafür nimmt die EU die Hersteller in die Pflicht. Das Ziel? Mehr Nachhaltigkeit.

Eine Sache, die viele Kunden schon lange beklagen: Elektrogeräte gehen kaputt, im schlimmsten Fall unmittelbar nach Ablauf der Garantie. Oft bekommt man dann nicht nur den entsprechenden Reparatur- oder Austauschservice nicht kostenlos, es gibt auch eine generelle Absage vom Hersteller – „Eine Reparatur ist leider nicht möglich“. Bleibt also nur die Option eines neuen Gerätes. Nachhaltig ist das aber so gar nicht. Genau dagegen will die EU jetzt angehen. Die neue Ökodesign-Richtlinie soll nun verhindern, dass technische Geräte auf dem Müll landen, obwohl sie repariert werden könnten. Ab 2021 soll die Richtlinie auch in Deutschland eingeführt werden.

Sieben Jahre verfügbar

Vorrangiges Ziel ist es, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen stark zu erhöhen. Dafür hat die EU mit der Richtlinie spezifische Reglungen für die einzelnen Sparten von Elektrogeräten aufgestellt. Für Leuchten, Kühlschränke und Displays stehen sie schon fest. So sollen die Ersatzteile zukünftig sieben Jahre lang verfügbar und innerhalb von 15 Tagen lieferbar sein. Zusätzlich sollen die Hersteller entsprechende Reparaturanleitungen online bereitstellen. Dabei bleiben die sicherheitsrelevanten Bauteile den Profis, wie zum Beispiel dem Elektrohandwerk, überlassen. Heimwerker und Bastler erhalten aber Zugriff auf die nicht-sicherheitsrelevanten Einzelteile und können so auch wieder mehr Reparaturen selbstständig durchführen.

Noch einige Hindernisse

Alexander Neuhäuser, Geschäftsführer Recht und Wirtschaft beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), sieht das Ganze etwas kritischer. Grundsätzlich ist auch der Verband der Ansicht, dass mehr Elektrogeräte, wenn möglich, repariert werden sollen. Ebenfalls ist er auch der Meinung, dass hier die Hersteller am Zug sind und mehr qualitativ hochwertige Ersatzteile für Elektrokleingeräte und bessere Anleitungen bereitstellen müssen. Nichtsdestotrotz ist Neuhäuser der Überzeugung, dass weder die Verfügbarkeit der Ersatzteile die Lösung der Problematik sei, noch das sich automatisch bei jedem Elektrogerät eine Reparatur lohnt. Weiter findet er, dass die Unterscheidung in „sicherheitsrelevante“ und „nicht-sicherheitsrelevante“ Bauteile noch zu unklar sei. „Das ist bislang noch ein unbestimmter Rechtsbegriff – auch wenn der Türgriff eines Kühlschranks im Vergleich zur elektrischen Steuerung noch relativ leicht zu definieren wirkt“, erläutert er. „Bei einem Gehäusebauteil, das auch isolierende Funktion haben kann, wird es da schon schwieriger.“

Auch die festgesetzte Lieferzeit von 15 Tagen sieht er als schwierig an: „Das ist nur im Direktvertrieb der Hersteller leistbar und nicht für die Händler, die selbst auf die Lieferung der Ersatzteile angewiesen sind. Die meisten Kunden werden sich aber an denjenigen vor Ort wenden, bei dem sie die Geräte gekauft haben. Und der kann nicht alle Ersatzteile bevorraten, sondern muss diese gegebenenfalls erst über eine Lieferkette beschaffen.“

Reparaturen steuerlich geltend machen

Mit der Ökodesign-Richtlinie hat die EU rechtliche Rahmenbedingungen für die bessere Reparierfähigkeit von Elektrogeräten geschaffen. Das Umweltbundesamt (UBA) fordert in seiner 7-Punkte-Strategie zusätzlich eine Änderung im Steuergesetz, um professionelle Reparaturen für Handwerker noch attraktiver zu machen. So sollen nicht nur Reparaturen, die Zuhause beim Kunden durchgeführt werden, sondern auch Reparaturen, für die Fachkräfte die Geräte mitnehmen müssen, steuerlich geltend gemacht werden können. Diese Änderungen sieht die EU-Richtlinie bisher nicht vor.

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