Potenziale der Digitalisierung auf dem Bau kaum genutzt

Eine neue Umfrage zeigt: Die Bauunternehmen lassen viele Chancen der Digitalisierung ungenutzt. Die Gründe dafür liegen im hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand.

Bei knapp der Hälfte der Bauunternehmen hat die Digitalisierung eine positive Auswirkung auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das ergibt eine aktuelle Umfrage vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW), das im Auftrag vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und in Zusammenarbeit mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen eine Studie mit dem Titel „Zukunft Bau – Beitrag der Digitalisierung zur Produktivität in der Baubranche” vorgestellt hat. So seien die Chancen der Digitalisierung vielfältig und durchaus bekannt: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsfähigkeit oder höhere Arbeitsproduktivität. Realisiert werden laut Umfrageergebnissen jedoch lediglich grundlegende Digitallösungen wie eine elektronische Rechnungsstellung oder CAD-Anwendungen. Selten angewendet werden dahingegen bauspezifische Technologien. Gerade der hohe Zeit- und Geldaufwand spiele eine Rolle dabei, wieso die Unternehmen die vielfältigen Chancen noch nicht wahrnehmen.

Große Hoffnung auf Zukunftsfähigkeit

Insgesamt 57,5 Prozent der befragten Unternehmen gehe davon aus, dass sich ihre Wettbewerbsfähigkeit in drei Jahren positiv mit der Digitalisierung entwickeln wird. 46,9 Prozent sehen außerdem schon jetzt eine positive Auswirkung der Digitalisierung auf den Unternehmenserfolg, 56 Prozent erwarten diesen Unternehmenserfolg in den kommenden drei Jahren. Beim Einfluss auf die Innovationsfähigkeit liegt das Verhältnis bei 40,7 zu 48,9 Prozent – beim Einfluss auf die Arbeitsproduktivität bei 40,5 zu 47,3 Prozent. Der tatsächliche Anteil an Digitalisierungsinstrumenten in den Unternehmen selbst sieht allerdings verhalten aus. So nutzen zwar 38,5 Prozent die elektronische Rechnungsstellung und 36,2 Prozent verwenden CAD-Anwendungen. Die tatsächlich innovativen Lösungen allerdings bilden in der Branche noch die Ausnahme. So nutzen nur 7,5 Prozent der Unternehmen Virtuelle Realität und 2,8 Prozent den 3D-Scanner. Die Gründe für die seltene oder gar fehlende Nutzung liegen für die Unternehmen mit 62,4 Prozent am zu hohen Investitionsaufwand. 61,5 Prozent sahen einen zu hohen zeitlichen Aufwand. Andere Gründe sind zu strikte Datenschutzregeln (57,5 Prozent), ein unzureichender Breitbandausbau (55,6 Prozent) sowie fehlende Standards und Schnittstellen (54,9 Prozent). In diesen Hindernissen sieht Prof. Dr. Irene Bertschek, Projektleiterin und Leitung des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ eine große Hürde. „Dabei wäre es wichtig, sich auf konjunkturell weniger gute Zeiten vorzubereiten und gerade die Digitalisierung kann dazu beitragen“, so Bertschek.

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