Ofenbauer legt falsche Fugen und verliert vor Gericht

In einem Streit darum, ob Fugen auf dem Kaminofen eines Münchner Ehepaares gewollt waren oder nicht, verlor ein Ofenbauer den Prozess vor dem Amtsgericht München.

In einem Werkvertrag über 9.000 Euro vereinbarte das Paar mit einem Ofenbauer, in das neue Eigenheim einen Kaminofen einbauen zu lassen. Auf einem Bild zeigte das Paar dem Verkäufer, wie der Ofen später aussehen soll: raumhoch, fugenlos und mit optisch gleichem Putz wie die Wand. Doch schon Monate später bei der Besichtigung des Neubaus durch die Handwerker war umstritten, was die Beteiligten mündlich vereinbart hatten. Nach erneuter Vereinbarung der Leistungen auf der Besichtigung sicherte der Verkäufer dem Ehepaar die problemlose Ausführung der gewünschten Leistung zu. Ein halbes Jahr später hieß es vom Ofenbauer allerdings, dass diese Leistung unmöglich sei. Es entstand ein Kaminofen mit einer Fuge zwischen Mauer und Kaminschürze. Daraufhin trat das Ehepaar vom Werkvertrag zurück, es beharrte auf ihrer ursprünglich verlangten Leistung. Die Handwerksfirma klagte auf Zahlung des vereinbarten Werklohns, abzüglich ersparter Aufwendungen. Sie behauptete, dass von einer fugenlosen Ausführung des Kamins nie die Rede gewesen sei: weder beim Vertragsschluss, noch beim Besichtigungstermin – sondern erst viel später. Da habe man den Kunden außerdem mitgeteilt, dass eine Acryldehnungsfuge zwischen Mauer und Kaminschürze zwingend erforderlich sei, um Risse zu verhindern.

Das Urteil

Das Amtsgericht München schlug sich auf die Seite des Ehepaares. Zwar hätten sowohl das Ehepaar als auch der Verkäufer glaubhafte Aussagen gemacht, jedoch habe man Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Verkäufers, da dieser als Angestellter der Klägerin „erkennbar in deren Lager“ stehe. Die Auftraggeber hätten anfangs das Prospektbild vorgelegt, auf dem ein dreiseitiger Kamin zu sehen sei, der wie die übrige Wand verputzt und nicht durch eine Fuge getrennt sei. Außerdem sei in dem Neubau bereits der Boden für den neuen Kamin vorbereitet gewesen, was ein nachträgliches Bereuen der Bestellung für das Gericht ausschließe. Somit sei das Paar zurecht vom Vertrag zurückgetreten, weil sich die Handwerksfirma weigerte, den Kaminofen so herzustellen, wie es bei Vertragsschluss vereinbart wurde. Die mündlich vereinbarten Leistungen wurden nicht schriftlich festgehalten, weshalb die vielen Missverständnisse aufkamen.

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