Neues Gütezeichen für bestimmtes Sicherheitsglas

Heißgelagertes Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) nennt sich das Glas, für das es jetzt ein neues Gütezeichen gibt. Der Hauptgrund ist vor allem die Zukunftssicherung.

Der Bundesverband Flachglas (BF) und die Gütegemeinschaft Flachglas (GGF) wollen mit dem neuen RAL Gütezeichen ESG-HF jetzt sicherstellen, dass heißgelagertes Einscheiben-Sicherheitsglas auch in Zukunft mit geprüfter Sicherheit verwendet werden darf. Zuvor hat bereits die deutsche Bauaufsicht in der Bauregelliste A die zusätzlichen Anforderungen „ESG-H“ an den Heißlagerungsprozess von SG definiert. Wesentliche Punkte, die sich von vorher geltenden Bestimmungen unterscheiden, sind zum einen eine längere Haltezeit mit höherer Temperatur und zum anderen eine obligatorische Fremdenüberwachung.

„Solche nationalen Zusatzanforderungen in der Bauregelliste wurden bekanntlich mit dem Urteil C-100/13 des Europäischen Gerichtshofes vom 16. Oktober 2014 für unzulässig erklärt. Das Produkt ‚ESG-H‘ als deutsche Besonderheit gibt es daher nicht mehr“, bestätigt der GGF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs und führt weiter aus: „Es gibt derzeit unter Experten keine Einigkeit, ob die erhöhten Anforderungen an die Haltezeit tatsächlich die Versagenswahrscheinlichkeit des Produktes durch Spontanbrüche […] verringern. Die Fremdüberwachung wird aber weiterhin als wesentliche Voraussetzung für das in Deutschland angestrebte hohe Sicherheitsniveau angesehen.“ In den Entwürfen „Technische Baubestimmungen“ vom August 2017 und dem Entwurf der DIN 18008 vom Januar 2019 sind einige aktuelle Bestimmungen für ESG festgehalten. Unter anderem wird folgender Punkt ausführlich beschrieben: ESG-Scheiben, deren Oberkante mehr als vier Meter über einer Verkehrsfläche liegt, dürfen nur im Rahmen einer Mehrscheiben-Isolierverglasung verwendet werden. Ansonsten sind konstruktive Maßnahmen zur Gefahrenabwehr im Versagensfall vorzusehen, wie zum Beispiel eine Splittersicherung, Vordächer oder ähnliches. „Damit ist die Verwendung von heißgelagertem ESG also eingeschränkt“, so Herr Grönegräs. Um das Produkt „Heißgelagertes ESG“ weiterhin nutzen zu dürfen, appelliert der GGF-Geschäftsführer an alle betroffenen Hersteller: „Zum einen kann ich nur dazu raten, Mitglied in unserer Gütegemeinschaft zu werden. Außerdem sollten sie sich an eines der genannten Prüfinstitute wenden und mit ihm einen Vertrag über die Fremdüberwachung ihrer Produktion auf der Grundlage der RAL-Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 525 abschließen. Vertragspartner hierfür ist das jeweilige Prüfinstitut direkt. Für die Zukunft hängt die Berechtigung zum Führen des RAL-Gütezeichens dann vom positiven Ergebnis der Fremdüberwachung ab, über das die Prüfinstitute der Gütegemeinschaft berichten.“

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