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Modellprojekt: DBU fördert Holzhochhaus „Carl“

Nachhaltiges Bauen macht auch vor der Höhe nicht halt: Mit dem neuen Hochhaus „Carl“ soll nun ein neues Leuchtturmprojekt für die Holzbaubranche geschaffen werden.

Es tut sich was im nachhaltigen Hochhausbau. Nachdem sowohl im Baden-Württembergischen Heilbronn als auch in Hamburgs Hafencity neue Hochhäuser in Holzbauweise angekündigt wurden, zieht die Baugenossenschaft Arlinger in Pforzheim nun nach: Mit dem 14-stöckigen Hochhaus „Carl“ soll hier ein neues Modellprojekt entstehen – gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Läuft der Bau erfolgreich, kann er dank seines Modellcharakters ein Leuchtturm für die Holzbaubranche werden. Gleichzeitig wird mit Hilfe dieses regionalen, nachwachsenden und klimaschonenden Materials dringend benötigter Wohnraum geschaffen“, erwartet DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, anlässlich der Bewilligungsübergabe zum Projektstart.

Das von Peter W. Schmidt Architekten geplante Projekt wird mit insgesamt 330.700 Euro gefördert. Geplant sind neben dem eigentlichen Hochhaus auch zwei flachere Gebäude, sodass am Ende 73 neue Wohnungen, eine Kindertagesstätte für rund 100 Kinder sowie eine Bäckerei mit Café entstehen sollen. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2020, die Fertigstellung für Ende 2021 geplant.

Brandschutz- und Statik-Konzepte sollen bundesweit übertragbar sein

„Konventionelles Bauen mit Stein, Stahl und Beton benötigt sehr viele Ressourcen und Energie. Der Holzbau stellt dazu eine ökologische Alternative dar, die wirtschaftlich konkurrenzfähig werden soll“, erläutert Sabine Djahanschah, DBU-Fachreferentin für Architektur und Bauwesen. Doch bisher seien die Bauvorschriften noch so formuliert, dass Hochhäuser aus Holz in der Regel gar nicht oder nur mit vielen Ausnahmeregelungen genehmigt werden. Das mache diese Bauweise für Bauherren aufgrund zusätzlicher Kosten unattraktiv.

Arlinger-Vorstand Carsten von Zepelin sieht allerdings gerade hier einen neuen Ansatzpunkt: „An dieser Stelle wollen wir mit Carl in eine neue Richtung weisen: Unsere Konzepte sollen später auch von anderen genutzt werden können und so den Holzbau insgesamt fördern.“ So sollen vor allem technische Lösungen hinsichtlich des Brandschutzes und der Statik bundesweit übertragbar werden. Als Beispiel könne die Ausbildung eines Vorsprungs als Verlängerung der Geschossdecke genannt werden, einer sogenannten Krempe. Die soll das Überspringen eines Feuers an der Holzfassade von einem Stock zum anderen verhindern können und somit unter Einhalten aller Brandschutzvorschriften bodentiefe Holzfenster und eine Holzfassade ermöglichen.

Schneller bauen und Rohstoff sparen durch modulare Bauweise

„Fassade, Kern, Inneres: ‚So viel Holz wie möglich‘ ist bei diesem Bau die Devise. Doch da es sich um ein sogenanntes Holz-Hybrid-Hochhaus handelt, kommen auch Stahl und Beton zum Einsatz. So setzen wir beispielsweise bei dem Kern des Treppenhauses aus Brandschutzgründen Beton ein“, erklärt von Zepelin. Hiervon allerdings deutlich weniger als in konventionellen Bauwerken. Dies spart zusätzlich eines der mittlerweile knappsten Rohstoffe der Welt: Sand!

Zudem sollen vorgefertigte Module einen schnelleren Bau ermöglichen. Die Verwendung von Holz als Baumaterial liege gerade in Lagen wie Pforzheim am Rande des Schwarzwaldes auf der Hand: In der Gegend sei viel regionales Holz vorhanden, welches bisher beim Hausbau selten verwendet werde.

Knapp 2.000 Tonnen CO2 einsparen

Die Vorteile für die nachwachsenden Ressourcen direkt vor der eigenen Haustür liegen auf der Hand: „Holz ist stabil, hat bei wenig Eigengewicht eine hohe Tragkraft und steht Stahl damit in nichts nach“, erklärt von Zepelin. Zudem sei auch die Ökobilanz vom Baustoff Holz sehr gut. So würden Berechnungen ergeben, dass der geplante Neubau pro Lebenszyklus, also 50 Jahre, rund 2.000 t Kohlenstoffdioxid-Emissionen weniger verursache als ein konventionell errichtetes Gebäude. Zudem wachse Holz nach und sei vollständig recycelbar.

„Carl hat das Potenzial, ein starkes Signal für den Holzbau und zugleich das heimische Holz als Material ins ganze Land zu senden. Das macht den Bau zu einem geeigneten Leuchtturm, auch fernab der Küste“, resümiert DBU-Generalsekretär Bonde. Die DBU fördere konzeptionelle Mehraufwendungen im Rahmen des Projektes.

Der Name „Carl“ leitet sich von der Adresse Carl-Hölzle-Straße ab, die den Mitbegründer der Baugenossenschaft Carl Hölzle ehrt. Außerdem trage der Name die ersten drei Buchstaben von ARLinger, dem Namen des Stadtteils und der Baugenossenschaft in sich.

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