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Lkw-Maut auf Bundesstraßen trifft Handwerksbetriebe

Seit dem 1. Juli 2018 müssen alle Lkws ab 7,5 Tonnen Gewicht auch für die Nutzung von Bundesstraßen die Maut entrichten. Was bedeutet das jetzt für deutsche Handwerker?

Seit Mitte des Jahres müssen Betreiber von Lkws ab 7,5 Tonnen sowie von Gespannen mit diesem Gewicht die Maut, die bislang nur auf Autobahnen galt, auch auf Bundesstraßen bezahlen. Besonders betroffen sind davon nun auch Handwerksbetriebe, die nur regional tätig sind und mit ihren Fahrzeugen die Autobahn nicht nutzen. Hier stellen wir die wichtigsten Informationen zusammen.

40.000 Kilometer Strecke

Die Ausweitung der Maut auf Bundesstraßen vergrößert das mautpflichtige Streckennetz in Deutschland deutlich: Bislang waren nur 12.800 Autobahnkilometer und rund 2.300 Kilometer autobahnähnliche Bundesstraßen von ihr betroffen, doch nun wird dieses Netz um 40.000 Kilometer Bundesstraßen erweitert. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer verspricht sich hierdurch Mehreinnahmen in Milliardenhöhe, die in neue Infrastrukturprojekte und den Erhalt deutscher Straßen fließen sollen.

Die Ausweitung trifft nun viele Unternehmen, die mithilfe von Lkws Waren transportieren. Während überregional tätige Betriebe aber in den meisten Fällen bereits als Mautzahler registriert sind, über die nötige Erfassungstechnik verfügen und deshalb „nur“ mehr Gebühren zahlen müssen, haben viele kleinere Firmen bislang die Maut umgehen können, indem sie die Autobahnen nicht nutzten. Gerade Bauunternehmen, Wäschereien, Bäckereien und Zulieferbetriebe nutzen Lkws auch abseits der Autobahnen. Auch Gespanne mit schweren Maschinen auf dem Anhänger, wie im Landschafts- und Gartenbau üblich, können betroffen sein.

App oder OBU?

Wie schon zuvor bei der Autobahnmaut praktiziert, können Unternehmen ihre mautpflichtigen Kilometer auch weiterhin online an das Mautunternehmen TollCollect senden. Viele Handwerksbetriebe, die die Autobahn nur sporadisch nutzen, tun dies schon jetzt und müssten dies nun auch für Bundesstraßen erledigen. Dafür kann man seit dem Frühjahr 2018 auch eine App nutzen, die das Zahlen per Smartphone und Tablet erlaubt.

Aber ist das noch praktisch? Betriebe müssen wohl von nun an für fast jede Fahrt Maut aufbringen, nicht nur in wenigen Fällen. Ebenfalls aufwändig ist das manuelle Zahlen an den TollCollect-Terminals, die man oft in Raststätten und Tankstellen findet. Deutlich leichter haben es Lkw-Besitzer, die ein eingebautes Maut-Gerät haben, das die gefahrenen Kilometer automatisch misst und weitergibt. Diese so genannte On Board Unit (OBU, engl. An-Bord-Einheit) wird kostenlos von TollCollect gestellt, allerdings muss der Besitzer einige einhundert Euro für den Einbau aufbringen.

„Die betroffenen Betriebe sollten mit der Ausdehnung des mautpflichtigen Streckennetzes prüfen, ob der Einbau einer On Board Unit zur automatischen Mauterfassung Sinn macht“, wird Dr. Carsten Benke vom Zentralverband des Deutschen Handwerks im Handwerksblatt zitiert.

Wer zahlt was?

Grundsätzlich muss die Maut für die Nutzung jedes Transportfahrzeugs entrichtet werden, das 7,5 Tonnen oder mehr wiegt und auf einer Bundesstraße unterwegs ist. Unter Transportfahrzeuge fallen in erster Linie Lkws und Gespanne von diesem Gewicht – egal, ob beladen oder leer. Keine Maut zahlen allerdings die Polizei und Feuerwehr, der Straßenunterhaltungs- und Betriebsdienst, Fahrzeuge des Schausteller- und Zirkusgewerbes sowie viele land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge. Auch selbstfahrende Arbeitsmaschinen (beispielsweise Erntemaschinen, Autokräne, Kehrmaschinen, Schneepflüge oder Bagger) sind befreit. Elektrofahrzeuge sollen bald ebenfalls keine Maut entrichten müssen, plant die Bundesregierung.

Wie viel gezahlt werden muss, ist in festen Mautsätzen geregelt, die man online bei TollCollect nachsehen kann. Sie bemessen sich nach Schadstoffausstoß und Achszahl des Fahrzeugs und liegen zwischen 8,1 und 21,8 Cent pro Kilometer. Ab 2019 müssen Lkw-Besitzer allerdings tiefer in die Tasche greifen, denn ab dann sollen höhere Sätze gelten. Während die LKW-Maut auf Autobahnen weiterhin über die bekannten Traversen über der Straße erfasst wird, werden an Bundesstraßen im Moment zahlreiche blaue, mehrere Meter hohe Säulen installiert, die dieselbe Funktion übernehmen.

Kritik von Verbänden

Wie zu erwarten war, kritisierten Wirtschaftsvertreter die Ausweitung des mautpflichtigen Streckennetzes. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft Karl-Heinz Schneider nannte die neue Regelung „Wegelagerei“ und versicherte, dass die Betriebe die Baukosten weiter erhöhen müssten. „Wir sprechen ständig mit der Bundesregierung über kostengünstiges Bauen und Wohnen. Gleichzeitig werden wir von derselben Regierung einmal mehr mit Kosten überzogen, vom bürokratischen Aufwand ganz abgesehen. Und wenn dann die Preise steigen, wird mit dem Finger auf uns gezeigt“, klagte Schneider.

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