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Kältemittel-Verbot fällt auf Handwerker zurück

Fast 200 Länder haben sich 2016 auf die Abschaffung von klimaschädlichen Kältemitteln geeinigt. Eine gute Nachricht für die Umwelt, eine schlechte fürs Kälte-Handwerk.

Jeder, der im aktuell sehr heißen Hochsommer in den Genuss einer Klimaanlage kommt, weiß die kühlende Wirkung der Geräte zu schätzen. Erzeugt wird dieser Effekt durch Kältemittel, in den meisten Fällen mithilfe von teilfluorierten Kohlenwasserstoffen (HFKW). Leider haben diese Stoffe, auch wenn sie zur Kühlung dienen, in der Atmosphäre den gegenteiligen Effekt und gelten als mitverantwortlich für Temperaturanstiege und Klimawandel. Die EU und andere Länder haben deshalb einen Ausstieg aus der Nutzung dieser Stoffe beschlossen, was den deutschen Kältebauern derzeit viel Ärger einbringt.

Umstieg auf natürliche Stoffe

Im Gegensatz zu den Chemikalien sollen ab 2030 nur noch Kältemittel mit natürlichem Ursprung genutzt werden. Geregelt ist dies in der EU-Verordnung Nr. 517/2014, auch F-Gase-Verordnung genannt, in welcher der stufenweise Abschied von fluorierten Gasen (F-Gase) festgehalten ist. Eine dieser Stufen stellt das aktuelle Jahr 2018 dar, denn bis zum Jahresende sollen 30 Prozent weniger F-Gase verbraucht werden als im Jahr zuvor.

Die Industrie muss diesen Vorgaben nachkommen und tut dies auch: Derzeit fahren die großen Hersteller für Kältemittel ihre Produktion der bald verbotenen Stoffe deutlich zurück und konzentrieren sich auf umweltfreundlichere Alternativen.

Handwerker im Kreuzfeuer

Unter dieser Entwicklung leiden insbesondere Kälteanlagenbauer und ihre Kunden. Denn auch wenn das Kältemittel in Klimaanlagen im Normalfall nicht getauscht werden muss, ist dies im Schadensfall sehr wohl der Fall. Da es aber immer weniger Vorräte an den alten Kältemitteln gibt, können viele Anlagen schon jetzt nur noch ausgetauscht statt repariert werden. Für die Kunden ist dies natürlich extrem aufwändig und teuer, weshalb ihr Zorn meist auf die ausführenden Handwerker gerichtet wird.

So passiert es oft, dass Altanlagen mit Bestandsschutz vom Kunden gern weiter betrieben werden möchten, dies aber bei einem Defekt nicht möglich ist. „Wir bekommen oft zu hören, dass wir unsere Versprechen nicht halten, dass eine Anlage mindestens zehn Jahre nutzbar ist, wenn wir sie nun doch nach fünf Jahren tauschen müssen“, berichtet Heribert Baumeister aus dem Vorstand des Bundesinnungsverbandes des Deutschen Kälteanlagenbauerhandwerks (BIV). Er weist darauf hin, dass die deutschen Betriebe lediglich nach europäischen Vorschriften handeln und keinen Einfluss auf die Verfügbarkeit von Kältemitteln haben.

Potentiale nicht nutzbar

Darüber hinaus trifft auch der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel das Gewerk schwer: Zu der derzeitigen Umrüstungsphase kommt nämlich auch noch ein generelles Nachfragewachstum nach Klimaanlagen in Wohngebäuden. Es ist also sehr viel Arbeit vorhanden, doch fehlt es den meisten Betrieben an Arbeitskräften, um diese Potentiale auch auszuschöpfen.

„Die Auftragslage ist auch ohne zusätzliche Nachfrage stark. Immer mehr Privatleute wollen den Komfort einer Klimaanlage nutzen und auch ein großer Teil der Wirtschaft setzt Anlagen ein, die ohne Kühlung nicht auskommen – etwa die gesamte Kunststoffindustrie oder die Lebensmittelherstellung“, berichtet Baumeister in der Deutschen Handwerkszeitung.

Auch Autos betroffen

Neben Gebäuden gibt es auch in Fahrzeugen Klimaanlagen, die auf Kältemittel setzen. Allein in Deutschland fahren noch mehrere Millionen Autos, in denen das Mittel R134a verwendet wird, auch wenn dies in neueren Fahrzeugen nicht mehr zum Einsatz kommt. R134a gehört zu den besonders klimaschädlichen Stoffen, da es eine 1430-mal so hohe Treibhauswirkung wie CO2 aufweist, und wird deshalb ebenfalls nicht mehr produziert. Autobesitzer, die künftig ihre Klimaanlage bei Reparaturen oder Wartungen neu befüllen lassen müssen, müssen sich deshalb auf deutlich höhere Preise für Kältemittel einstellen.

 

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