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Immer mehr offene Stoßfugen auf dem Bau

Auf rund 70 Prozent aller Ein- oder Mehrfamilienhausbaustellen findet ein Experte fachliche Fehler. Aber was haben beispielsweise offene Stoßfugen eigentlich zur Folge?

Wurden beim Mauern früher die Steine vermörtelt, werden sie mittlerweile oftmals nur noch in der Lagerfuge verklebt. Die Sachverständigen des Verbands Privater Bauherren (VPB) überprüfen des Öfteren, wie gut diese Leistungen erbracht wurden. Sie beklagen, dass immer mehr Fehler beim Mauern auftreten. Diplom-Ingenieur Johannes Deeters, Leiter des VPB-Büros, fand bei rund 70 Prozent aller begutachteten Ein- und Mehrfamilienhäusern Fehler an den Stoßfugen. Beauftragt wird er dazu von privaten Bauherren. „Die vertikalen Stoßfugen zwischen den Steinen im Mauerwerk klaffen über ein zulässiges Maß hinaus auseinander. Oft kann man direkt zwischen den Steinen hindurchsehen“, kritisiert der Experte.

Das Problem

Deeters führt das Problem auf mangelnde Fachkenntnisse zurück. So hätten viele auf dem Bau Beschäftigte das Maurerhandwerk nicht mehr richtig erlernt und wüssten demnach nicht, wie wichtig Stoßfugen für die Qualitätseigenschaften der Wand sind. Die Lücken würden später einfach überputzt, was nach dem Bauingenieur nicht passieren darf: „Breitere, offene Fugen sind ein technischer Fehler, der behoben werden muss.“ Die DIN EN 1996/NA- Norm legt fest, wie ein Mauerwerk bemessen und gelegt werden muss. So müssen Steine mit Nut- und Federsystem ohne Stoßfugenvermörtelung knirsch verlegt, das heißt ineinander verzahnt werden. Nach Deeters könnte man das auch von jedem Handwerker erwarten.

Mögliche Folgen

Die größten Probleme, die langfristig durch solche Fehler auftreten können, betreffen den Schallschutz und die Standsicherheit des Hauses. Treten vermehrt Lücken in den Fugen auf, so ist der Schallschutz nicht mehr vollständig gewährleistet. Das kann bei zwei aneinander angrenzenden Mietparteien zu viel Nachbarschaftsstreit führen. Kommen andere, parallel auftretende Fehler zu den fehlerhaften Fugen, können Schubkäfte nicht mehr ausreichend aufgenommen werden und die Standsicherheit des Hauses wird beeinträchtigt. Das kann sich später durch treppenförmige Risse im Putz bemerkbar machen. Bei Fehlern wie Lücken an den Stoßfugen fordert Deeters ganz klar zum Handeln auf: „Solche Fehler müssen fachgerecht nachgebessert werden. Im Extremfall bedeutet das Rückbau und Neubau der Mauerwerkswand. Alles andere ist häufig Flickschusterei!“

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