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Haus aus dem 3D-Drucker – Das Ende des Handwerks?

In Frankreich ist das erste Haus aus dem 3D-Drucker bezogen worden, das in der Herstellung günstiger ist, als bei herkömmlicher Bauweise. Ist das das Ende des Handwerks?

Die Automatisierung trifft zunehmend auch das Handwerk. Die Verwendung neuster 3D-Drucktechnologien im Bauwesen ist dabei keine neue Idee. So wurde beispielsweise bereits 2017 vom US-Militär eine 3D-gedruckte Kaserne mit dem Namen „B-Hut“ erstellt. In Alcobendas bei Madrid entstand mit rund 12 Metern Länge und 1,75 Metern Breite die erste gedruckte Fußgängerbrücke. All die bisherigen Projekte hatten dabei gemein, dass bei den angewandten 3D-Druckverfahren ausschließlich Betonmischungen zum Einsatz kamen.

Volle Isolierung durch neues Verfahren

Im französischen Nantes wurde nun das erste 3D-gedruckte Haus fertiggestellt, das verschiedene Baumaterialien vereint. Das eigens hierfür entwickelte additive BatiPrint3D Fertigungsverfahren verwendet einen vier Meter langen und lasergesteuerten Roboterarm, mit dem verschiedene Baumaterialien in vorbestimmte Formen abgeschieden werden. Hierbei druckt der 3D-Drucker in verschiedene Schichten vom Boden bis nach oben und erzeugt so eine Strukturierungsschicht aus einer speziellen Betonmischung, eine Isolierschicht sowie eine Schalungsschicht aus einem schaumstoffartigen Material. Hieraus ergibt sich am Ende dann eine beständige, dicke und voll isolierte Wand.

Das 3D-gedruckte Wohnprojekt mit dem Namen „Yhnova“ entstand aus einer Kooperation zwischen dem Stadtrat, Bouygues Construction, der Nantes Metropole Habitat Organisation, der Universität von Nantes, Lafarge Holcim und TICA architectes & urbanistes.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Auch wenn Yhnova nicht das erste gedruckte Haus war, so ist es doch das günstigste. Rund 20 Prozent günstiger als bei herkömmlicher Bauweise soll es laut Hersteller sein. Dies war auch das vordergründige Projektziel: Nicht nur grundsätzlich lebenswerte Wohnbauten können mit der 3D-Drucktechnologie gebaut werden, sondern auch bezahlbare.

Insgesamt bietet das gedruckte Haus 95 Quadratmeter Platz, verteilt auf fünf Zimmer. Hierfür benötigte der Roboterarm rund 54 Stunden Druckzeit, die sich laut Projektteam aber noch auf rund 33 Stunden optimieren ließen.

Sind Handwerker bald arbeitslos?

Nein! Denn ein komplettes, schlüsselfertiges Haus kann auch das Team aus Nantes noch nicht drucken. Neben den vorher benötigten arbeiten am Fundament, müssen vor allem Fenster, Türen sowie das komplette Dach hinterher immer noch auf traditionelle Art eingebaut werden. Dennoch hat der gesamte Hausbau nur 18 Tage gedauert.

„Ist das die Zukunft? Es ist eine Lösung und ein Konstruktionsprinzip, das interessant ist, weil wir das Haus direkt vor Ort bauen und dank des Roboters auch Wände mit komplexen Formen herstellen können“ sagte Benoit Furet von der Universität Nantes der britischen Nachrichtenagentur Reuters.

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