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Geschenke: Aufmerksamkeit oder Bestechung?

Dass Firmen ihre Geschäftspartner mit kleinen oder teils auch größeren Geschenken bedenken, ist Gang und Gäbe. Aber ab wann gilt ein Geschenk eigentlich als Korruption?

Bestechung und Korruption sind Begriffe, die man mit großen Konzernen und zwielichtigen Politikern in Verbindung bringt. Nicht vergessen darf man dabei aber, dass man sich in jedem Unternehmen und in jeder Position strafbar machen kann, wenn man sich nicht an die Regeln hält. Wo aber die kleine Aufmerksamkeit endet und die Bestechung beginnt, ist oftmals gar nicht so einfach zu erkennen.

Keinen Vorteil verschaffen

Zu allererst: Anders als im öffentlichen Dienst, wo es klare Regelungen zu Geschenken gibt, sind solche Grenzen in der freien Wirtschaft nicht eindeutig gesteckt. Dies bedeutet, dass es keine feste Summe gibt, ab der ein Geschenk zwischen zwei Personen in verschiedenen Unternehmen als Bestechung oder Korruption gilt. Trotzdem kennt das Gesetz den Unterschied zwischen Aufmerksamkeit und Bestechung.

Diese Grenze liegt dort, wo eine Person beschenkt wird, die über die Vergabe von Geldern oder Aufträgen entscheidet. Wenn die Chance besteht, dass das Geschenk dem Schenkenden einen Vorteil bringt, können schon geringfügige Gefälligkeiten als Bestechung gewertet werden. Deshalb sollten alle Mitarbeiter das Annehmen von Aufmerksamkeiten vermeiden, wenn sie in irgendeiner Weise Einfluss auf die Stellung des Schenkenden nehmen können.

Tipps für Angestellte

Dabei sind gerade die Unternehmensbereiche, in denen es um Geld und Waren geht, besonders kritisch zu sehen. „Vertrieb oder Einkauf waren schon immer korruptionsanfällig. Wer hier arbeitet und Geschenke oder Gefälligkeiten annimmt, sollte darauf achten, dass das Geschenk die Größenordnung einer reinen Aufmerksamkeit nicht überschreitet“, rät Rechtsanwältin Janika Sievert von der Steuerberatungsgesellschaft ECOVIS in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Sie betont auch, dass gerade teure Geschenke schnell unter Verdacht fallen. Auch wenn zwei Unternehmen sich wechselseitig Aufmerksamkeiten zukommen lassen, wird dies öfters als Korruption gewertet. Zuletzt sollten Mitarbeiter außerdem darauf achten, dass bei legalen Einladungen zu besonderen Events auch nur Firmenangehörige erscheinen. Anders gesagt: Wenn man einem Geschäftskunden mit einem edlen Abendessen für etwas dankt, sollte man nicht auch den Partner einladen! Hier wird die Grenze zwischen Unternehmenshandeln und Beschenkung überschritten.

Dies soll aber nicht heißen, dass man von Geschenken generell Abstand halten sollte. „Zwar gilt in der Wirtschaft die Vorteilsgewährung, um konkrete Wettbewerbssituationen zum eigenen Nutzen zu beeinflussen, als Straftat. Grundsätzlich sind hier kleine Aufmerksamkeiten zur Beziehungspflege oder bei der Akquise von Neukunden anerkannt“, weiß Sievert. Bei Beamten und öffentlichen Stellen dagegen sind solche Dinge dagegen grundsätzlich verboten und können beide Seiten in Schwierigkeiten bringen.

Geschenke steuerlich absetzen

Außerdem rät die Steuerexpertin allen Chefs, schon aus finanziellen Gründen einen Überblick über die Geschenke des Unternehmens zu behalten. Geschenke für Kunden sind nämlich bis zu 35 Euro netto pro Person und Jahr absetzbar – ganz davon abgesehen, dass man so mögliche Bestechungsversuche seiner Mitarbeiter aufdecken kann.

Wer sich vor dem Verdacht der Korruption im eigenen Unternehmen schützen will, sollte über so genannte Compliance-Regelungen nachdenken, die das ethische Handeln im Betrieb festhalten. Hier kann für alle Mitarbeiter vorgeschrieben werden, ob und in welcher Größe Geschenke vergeben und angenommen werden dürfen.

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