Einwanderungsgesetz kann Handwerk helfen

Bereits seit Anfang März können beruflich Qualifizierte aus Nicht-EU-Staaten leichter in Deutschland arbeiten. Auch das Handwerk profitiert, das Baugewerbe ist optimistisch.

„Unsere Wirtschaft braucht dringend Fachkräfte“, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Das neue Einwanderungsgesetz bezeichnet er deshalb als Meilenstein. Um vor allem in kleinere Fachbetriebe so viele ausländische Fachkräfte wie möglich zu integrieren, sollte man vor allem Qualifizierte gewinnen, die sprachlich und beruflich schnell integrierbar sind. Das Baugewerbe hat angesichts der Pläne derweil noch keine hohen Erwartungen: „Bis Fachkräfte über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz einreisen können, wird es noch geraume Zeit dauern“, sagte Heribert Jöris, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Der Kammerpräsident für Oberfranken, Thomas Zimmer, befürwortet das neue Gesetz: „Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist ein weiterer – wenn auch kleiner – Baustein, der dazu beitragen kann, den hohen Fachkräftebedarf im Handwerk zu decken.“ Zwar stehe die Gewinnung von Fachkräften aus dem eigenen Land im Vordergrund, dennoch sei der Zuzug von Fachkräften und Ausbildungsinteressierten, egal ob aus der EU oder aus Drittstaaten, notwendig.

Das steht in dem Gesetz

Der wohl wichtigste Aspekt des neuen Gesetzes ist die Abschaffung der Beschränkung auf Engpassberufe und eine Vorrangprüfung. So sind Einwanderer bei ihrer Arbeitssuche nicht mehr auf die so genannten Engpassberufe beschränkt. Beruflich qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten können mit dem Gesetz nach Anerkennung ihrer Qualifikation durch eine zuständige Anerkennungsstelle in Deutschland hier arbeiten. Qualifiziert sind sie dann, wenn sie einen Arbeitsplatz vorweisen und deutsch sprechen können. Und selbst, wer noch keinen festen Arbeitsplatz hat, kann zur Arbeitssuche für sechs Monate einreisen. Das geht allerdings nur für diejenigen, die entsprechende Sprachkenntnisse (B1) vorweisen und ihren Lebensunterhalt selbst aufbringen können. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), freut sich über das Gesetz: „Das deutsche Handwerk wie die Wirtschaft insgesamt brauchen mehr denn je beruflich qualifizierte Fachkräfte – auch aus Drittstaaten. Deshalb ist es gut, dass deren Beschäftigung in Deutschland mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz nun deutlich erleichtert wird.“ Welche Chancen sich aus dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz für das Handwerk ergeben, werde ein Pilotprojekt zur Gewinnung bosnischer Fachkräfte zeigen, das der ZDH zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit im Februar diesen Jahres gestartet hat.

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