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Deutschlands höchstes Holzhochhaus heißt „Wildspitze“

Umweltschutz trifft Wohnraumverdichtung: In der Hamburger Hafencity soll mit der sogenannten „Wildspitze“ Deutschlands höchstes Hochhaus aus Holz entstehen.

Die allgemeine Landflucht, also das Wegziehen vieler Menschen vom Land in die Städte, beschäftigt nicht nur die Politik, sondern vor allem auch (Stadt-)Planer und Architekten. Um dem immer größer werdenden Wohnraumbedarf in Großstädten auch in Zukunft gerecht werden zu können, ist das Nachverdichten ein viel diskutiertes Thema. Auf der anderen Seite wird auch der Umweltschutz zunehmend wichtiger und gerade der Bau von Gebäuden benötigt ein beachtliches Maß an Rohstoffen und Energie.

Vor diesem Hintergrund soll in der Hamburger Hafencity Deutschlands höchstes Holzhochhaus entstehen. „Wildspitze“ heißt das ehrgeizige Projekt, das vom Unternehmen Garbe Immobilien-Projekte (Hamburg) ausgeführt und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 492.000 Euro sowohl finanziell als auch fachlich gefördert wird. „Wenn das Projekt erfolgreich läuft, ist dieser Holzbau ein innovatives Modell für die gesamte Baubranche. Zusätzlich setzt es einen umweltfreundlichen Impuls gegen die Wohnungsnot und verknüpft damit zwei der großen Probleme unserer Zeit“, begründet DBU-Generalsekretär Alexander Bonde das Engagement der Stiftung.

Mit 19 Etagen zum höchsten Holzhochhaus Deutschlands

„Bezahlbarer Wohnraum ist nicht nur in deutschen Großstädten mittlerweile ein kostbares Gut. Eine Lösung für dieses Problem sehen viele Experten im Nachverdichten von Flächen“, erläutert Sabine Djahanschah, DBU-Fachreferentin für Architektur und Bauwesen. Neben viel benötigten Rohstoffen und Energie, fallen bei herkömmliche Bauten beträchtliche Mengen an Staub, Schmutz und Baulärm an, was die Anwohner zusätzlich stört. Zufahrtsstraßen blockierende Lieferfahrzeuge schmählern ebenfalls die Akzeptanz gegenüber der Nachverdichtung. Hier könne der modulare Holzbau eine umwelt- und anwohnerfreundliche Alternative sein.

Auf einer Fläche gegenüber dem Baakenpark in der Hamburger Hafencity soll das Holzbauverfahren nun im größeren Rahmen getestet werden. „Wir wollen auf einen dreigeschossigen Sockel einen länglichen Komplex mit sieben sowie einen Turm mit 19 Etagen setzen – alles aus nachhaltig zertifiziertem Holz. Das wäre das höchste Holzhochhaus Deutschlands“, erläutert Fabian von Köppen, Geschäftsführer der Garbe Immobilien-Projekte.

Car-Sharing Konzept mit Elektrofahrzeugen geplant

„Von den insgesamt 180 Wohnungen sollen 60 als öffentlich geförderte Mietswohnungen entstehen, so dass auch Menschen mit geringerem Einkommen die Chance haben, dort ein neues Zuhause zu finden“, so von Köppen weiter.

Darüber hinaus will auch die Deutsche Wildtier Stiftung in das Gebäude einziehen. Eine multimediale Ausstellung zu Themen wie Nachhaltigkeitsstrategien im Umweltschutz und der Landwirtschaft sind in diesem Zusammenhang ebenfalls geplant. Ergänzt werde diese um Lehr- und Schulungsräume für Kinder und Jugendliche, einen Kinosaal sowie Gastronomie- und Büroflächen. Weiterer Pluspunkt: In der Tiefgarage sollen rund 100 Stellplätze entstehen, welche für Elektromobilität vorgerüstet sind, 23 davon würden ausschließlich für ein Car-Sharing Konzept vorgehalten.

Smarte Logistik und Modulbauweise für weniger Lärm und Stau

„Dank des Holzes können wir voraussichtlich 26.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen, die ansonsten bei Herstellung, Transport oder auch im Rahmen der Entsorgung anderer Baumaterialien anfallen würden. Zudem versuchen wir, sparsam mit dem Holz umzugehen, so dass wir möglichst wenig davon benötigen“, sagt Garbe-Geschäftsführer Köppen.

Durch die modulare Bauweise sollen viele Bauelemente in Werkstätten bereits vorgefertigt werden, sodass sie vor Ort nur noch montiert werden müssen. Zusammen mit einer smarten Logistik auf der Baustelle werde dadurch noch umweltfreundlicher gebaut. DBU-Fachreferentin Djahanschah sieht in dem Projekt ein Vorhaben mit Modellcharakter: „Im besten Fall helfen die Ergebnisse, die Planungssicherheit im Holzbau zu verbessern und diese umweltfreundliche Alternative weiter zu verbreiten, wenn die Ergebnisse gut auf andere Vorhaben übertragen werden können. Zudem wird das Gebäude an einer markanten Stelle entstehen und so den Holzbau als Teil des Stadtbildes noch bekannter machen bei den vielen Besuchern, die täglich diese Stelle passieren.“

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