Image: NASA/Tony Gray and Tom Farrar

Deutsche Industrie plant Bergbau im Weltall

Was haben die USA, Luxemburg, Peru und die Mongolei gemeinsam? Ein Weltraumgesetz. Deutschland sollte hier nachziehen, meint der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Fremde Planeten, Monde, Asteroiden – das klingt nach Science Fiction, doch immer mehr Augen richten sich auf die unendlichen Weiten des Weltalls. Grund dafür ist die Ausbeutung von Rohstoffen, die sich auf diesen Himmelskörpern finden lassen. Viele Länder haben deshalb bereits Weltraumgesetze erlassen, die dortigen Unternehmen den Bergbau im All erleichtern sollen. Deutschland ist noch nicht so weit.

Industrie drängt auf neues Gesetz

Auch wenn es utopisch klingen mag, die Erforschung und Ausbeutung interstellarer Ressourcen wird schon bald Wirklichkeit werden, glaubt auch der einflussreiche Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Wenn Deutschland seine Schlüsselposition in der Luft- und Raumfahrt behalten und ausbauen will, muss die Bundesregierung rasch ihren im Koalitionsvertrag angekündigten Plan umsetzen und ein Weltraumgesetz mit einem gesonderten Kapitel für Weltraumbergbau verabschieden“, zitiert die Welt aus einem BDI-Positionspapier, das anlässlich des 6. Rohstoffkongresses am 3. Juli veröffentlicht werden soll.

Aber was soll ein solches Gesetz eigentlich genau regeln? An erster Stelle stehen hier Finanzierungsmöglichkeiten und Haftungsbeschränkungen. Letzteres soll verhindern, dass Unfälle und Missgeschicke die durchführenden Firmen in den Bankrott treiben. Denn bei Abstürzen, Havarien oder dem Verlust der Ladung können an der Unglücksstelle und den beteiligten Raumtransportern schnell Milliardenschäden entstehen.

Firmen und Investoren anlocken

Nur durch Haftungsgrenzen für solche Fälle ist es überhaupt möglich, dass Firmen in das Geschäft des überirdischen Bergbaus einsteigen. Investoren suchen deshalb schon heute Länder, in denen ein Weltraumgesetz diesen Industriezweig reguliert, also Förderungen verspricht und Haftungen minimiert. Überraschenderweise trifft dies genau auf Deutschlands kleinstes Nachbarland zu: Luxemburg wirbt bereits heftig um internationale Geldgeber, während diese um den Hochtechnologie-Standort Deutschland noch einen Bogen machen.

Zu bedenken ist dabei, dass es hierzulande durchaus Vorreiter in der Luft- und Raumfahrtbranche gibt, denen mit einem neuen Gesetz geholfen wäre. So erinnert der BDI daran, dass die beiden europäischen Trägerraketen Ariane 5 und 6 in der Bundesrepublik entwickelt und produziert wurden. Trotzdem fehlt eine rechtliche Regulierung, die es in den USA und Luxemburg, aber auch in Peru, Russland und der Mongolei bereits gibt.

Umweltfreundliche Rohstoffgewinnung

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen denkt der BDI auch an die Rohstoffgewinnung selbst, denn nicht nur gibt es auf der Erde nur eine begrenzte Zahl an Ressourcen, auch können diese manchmal nur mithilfe von massiven Umweltzerstörungen geborgen werden. Im Weltraum hat man diese Probleme natürlich nicht, denn auf Monden und Asteroiden gibt es weder Flora noch Fauna.

Rohstoffe dagegen lagern hier massenhaft, denn die meisten Asteroiden haben einen Kern aus Eisen, an dem sich andere Stoffe ablagern: Vor allem Edelmetalle wie Gold und Platin und Seltene Erden finden sich hier in großen Mengen. Auf dem Mond der Erde dagegen könnten Helium und Titan im Überfluss abgebaut werden. All diese Elemente sind für die Entwicklung hochtechnologischer Produkte und Arbeitstechniken wichtig und könnten in der Industrie der Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

Deutschland steht noch ganz am Anfang

So weit ist es aber noch nicht, denn in Deutschland ist noch keine rechtliche Grundlage für den Weltraum-Bergbau geschaffen. Zwar heißt es im Koalitionsvertrag: „Wir werden ein Weltraumgesetz auf den Weg bringen, um Investitions- und Rechtssicherheit für nicht-staatliche Raumfahrtaktivitäten zu schaffen“, doch ist bislang noch nichts in diese Richtung unternommen worden, berichten verschiedene Medien.

So herrscht in der deutschen Raumfahrt-Industrie eine sehr merkwürdige Situation: Manche Unternehmer würden gerade lieber in der Mongolei beheimatet sein als in Deutschland.

Next Articleifo Institut setzt Konjunkturprognose deutlich herunter