Beton ohne CO2-Fußabdruck

Der Baustoffproduzent Holcim hat den bundesweit ersten CO2-neutralen Beton entwickelt. Erreicht wird dies unter anderem durch eine veränderte Betonrezeptur.

Widerstand gegen Druck, im Verarbeitungszustand gießbar und somit formbar – diese und viele weitere Vorteile bietet das robuste Baumaterial. José Luis Moros beschreibt in seinem Fachbuch „Baukonstruktion – vom Prinzip zum Detail“ auch, wie Beton es erlaubt, fugenlose monolithische Strukturen in größeren Maßstäben zu schaffen, bis hin zum kompletten Bauwerk. Betrachtet man die Auswirkungen von Beton auf das Klima und die Umwelt, kommen allerdings auch immer mehr Nachteile zum Vorschein. So entstehen bei der Produktion von Beton etwa fünf bis zehn Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Bauwerke allgemein sind sogar für ganze 40 Prozent der Treibhausgasemissionen und des Energieverbrauchs verantwortlich. Auch sorgt die Gebäudesparte für 50 Prozent der Rohstoffentnahme aus der Natur sowie der Abfallmassen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Bauwende Bündnis. Statista, das die Treibhausgasemissionen des deutsche Baugewerbes in den Jahren 1995 bis 2017 ermittelt hat, kommt ebenfalls zu einem solchen Ergebnis: Im Jahr 2017 verursachte das deutsche Baugewerbe rund 4,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Viele Hersteller arbeiten bereits an CO2-neutralem Beton

Alternative Bauweisen, wie beispielsweise die Bauweise mit Holz, nehmen seit jeher zu. Aber auch im Bereich des Zements und Beton geben viele Hersteller nicht auf. So hat der Baustoffproduzent Holcim erst im Januar 2020 bekanntgegeben, dass der bundesweit erste CO2-neutrale Beton entwickelt worden sei. Auch gibt das Unternehmen an, seit 2019 bereits mehr als 90 Prozent seiner Betone mit CO2-reduzierten Zementen zu produzieren. Der Name des Produktes verspricht viel: Ecopact Zero heißt der neuartige Beton. Noch im ersten Quartal 2020 soll er erstmals innerhalb Deutschlands ausgeliefert werden. Eine tragende Rolle bei der Produktion habe der Einsatz klinkerreduzierter Zemente und die Optimierung der Bindemittel-Gehalte gespielt, heißt es von dem Hamburger Unternehmen. Das allein soll allerdings nicht ausgereicht haben. So werde der weiterhin unvermeidbare CO2-Fußabdruck bei der Produktion von Ecopart Zero beispielsweise durch den Erwerb von MoorFutures-Zertifikaten kompensiert. MoorFutures fördert Wiedervernässungs-Projekte von Mooren in verschiedenen Bundesländern. So könne eine Wiedervernässung der drainierten Moore Deutschlands theoretisch bis zu 35 Millionen Tonnen CO2- pro Jahr einsparen, schreibt Stefan Zerbe in seinem Buch „Renaturierung von Ökosystemen im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt“.

Bundesverkehrsministerium in der Kritik

Beim Einsatz Öffentlich-Privater Partnerschaften ist sich die Bauwirtschaft uneinig. So übt das Baugewerbe daran Kritik aus, die Bauindustrie weist die Vorwürfe zurück.

Für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hagelt es momentan viel Kritik wegen des geplanten Vorgehens beim Autobahnbau. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wurde vereinbart, die noch nicht fertiggestellten Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP) der ersten bis dritten Staffel nur dann zu realisieren, „wenn deren Wirtschaftlichkeit auf Basis der mit dem Bundesrechnungshof abgestimmten Regularien transparent nachgewiesen worden ist”. Ferner heißt es: „Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und die Konzessionsverträge werden wir nach Vergabe bei Zustimmung des Konzessionsnehmers im Internet veröffentlichen.” Wie die Tageszeitung „Welt“ berichtet, habe das Verkehrsministerium lediglich mitgeteilt, dass eine mit einem fiktiven Beispiel unterlegte Musterwirtschaftlichkeitsuntersuchung erstellt und veröffentlicht werden solle. Aus Sicht des haushaltspolitischen Sprechers der Grünen, Sven-Christian Kindler, ist das „ein offener Bruch mit dem Koalitionsvertrag”. Aus Sicht des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) entstehe dieser Vorwurf aufgrund einer bisher fehlenden Umsetzung des Auftrags im Koalitionsvertrag, „ÖPP-Verträge offenlegen zu wollen“. So wundert sich HDB-Hauptgeschäftsführer Dieter Babiel: „Ich bewundere jedes Mal aufs Neue die Kreativität der Oppositionsarbeit, bereits nach der ersten Halbzeit das Endergebnis sehen zu wollen.“ Aus Sicht Babiels weisen Projekte mit Öffentlich-Privater-Partnerschaft bereits jetzt ein hohes Maß an Transparenz auf, da jedes Projekt im Bundesfernstraßenbereich mit allen Kosten und für jeden nachlesbar im Bundeshaushalt stehe.

ÖPP-Projekte im Autobahnbau seien intransparent

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) nennt die ÖPP-Projekte im Autobahnbau außerdem intransparent, unwirtschaftlich und mittelstandsfeindlich. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Bundesregierung „die Wirtschaftlichkeit von ÖPP-Projekten nicht anhand konkreter, real existierender Bauvorhaben belegt“, erklärt Felix Pakleppa, der Hauptgeschäftsführer des ZDB. So müssten sich Bauprojekte an der Praxis messen lassen und am konkreten Fall durchgerechnet werden. Ginge es nach Pakleppa, wären ÖPP-Projekte längst Geschichte. Sein Hauptargument liegt dabei vor allem in der wirtschaftlichen Ineffizienz von Öffentlich-Privaten-Partnerschaften. Außerdem würden mittelständische Unternehmen bei einer ÖPP-Ausschreibung aus seiner Sicht vom Bauprozess ausgeschlossen werden. Demnach müsse man die Ausschreibung so ausgestalten, „dass auch mittelständische Firmen und nicht nur internationale Großkonzerne am Autobahnbau beteiligt bleiben“.

Systematischer Betrug auf dem Bau

Schwarzarbeit ist auf dem Bau längst keine Seltenheit mehr. Dem NDR liegen nun erstmals konkrete Zahlen zur systematischen Verschleierung mit gefälschten Rechnungen vor.

So hat der Zoll in Bonn unter 18.000 Ermittlungsverfahren mehr als 1.800 Fälle aufgedeckt, in denen gefälschte Rechnungen zum Einsatz kamen. Diese Zahlen gab die Generalzolldirektion Bonn nun erstmals an das NDR Politikmagazin „Panorama 3“ weiter. Nach Schätzungen von Prof. Friedrich Schneider von der Universität Linz werden jährlich bis zu 120 Milliarden Euro in der Baubranche „schwarz“ verdient. Sogenannte Scheinrechnungen, die in der Branche „Abdeckrechnungen“ genannt werden, gehören zum ausgeklügelten System der Firmen, um „schwarz“ entstandene Kosten abzudecken. Mit diesen illegalen Rechnungen machen sogenannte „Servicegesellschaften“ sogar Geld: Die Bauunternehmen bestellen bei diesen Unternehmen eine Scheinrechnung. Sie überweisen dann die geforderte Rechnungssumme, ohne eine Leistung dafür erbracht zu haben. Später erhalten sie den Betrag abzüglich einer Provision von fünf bis zehn Prozent in bar zurück. Mit dem rückgezahlten Geld bezahlen die Bauunternehmer dann ihre Schwarzarbeiter für die tatsächlich erbrachten Leistungen. 2019 wurde bereits ein Bauunternehmer auf zwei Jahre Haft auf Bewährung verurteilt, der auf diesem Weg Finanzämter und Sozialkassen um mehr als 3 Millionen Euro betrogen hatte. Seine Firma war unter anderem am Bau der Hamburger Umweltbehörde beteiligt. Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Carsten Boddin bezeichnet diese Verflechtung von illegal agierenden Bauunternehmern und Servicegesellschaften im Interview mit dem NDR-Magazin als „Teil der organisierten Kriminalität“. „Dieses System von Servicefirmen, die genutzt werden, um Abdeckrechnungen zu schreiben, besteht ja nicht nur für diesen Fall“, so Boddin, „sondern es wird nach unseren Erkenntnissen in der gesamten Branche genutzt.“

Digitalisierung auf dem Bau hat jetzt ein Zentrum

Das nationale Zentrum „BIM Deutschland“ wurde offiziell eröffnet. Es dient als Kompetenzzentrum und soll einheitliche Vorgaben im Infrastruktur- und Hochbau erstellen.

Das nationale BIM-Kompetenzzentrum wurde am 29. Januar vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Berlin eröffnet. Die selbsterklärte Aufgabe des Zentrums soll es sein, in Sachen digitaler Planungsmethoden (in Bezug auf das Building Information Modeling – BIM) zu beraten, zu schulen und die digitale Transformation zu normen. Die erarbeiteten Informationen, Standards und Produkte sollen offen zur Verfügung gestellt werden. Das Zentrum wird gemeinsam von den Bundesministerien für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beziehungsweise des Innern, für Bau und Heimat (BIM) betrieben. „Mit BIM Deutschland schaffen wir die Grundlagen, die Potenziale der Digitalisierung auszuschöpfen und Synergieeffekte zu nutzen“, sagte die Staatssekretärin des BMI, Anne Katrin Bohle: „Wir wollen im Bundesbau hier eine Vorreiterrolle einnehmen“. Mit „Open BIM“ und über das „BIM-Portal“ sollen alle erarbeiteten Produkte, offenen Standards und Konzepte, Informationen, Muster, Vorgaben und Werkzeuge sowohl dem öffentlichen Bau als auch „der gesamten Wertschöpfungskette Bau“ zur Verfügung gestellt werden, ergänzte die Staatssekretärin des BMVI, Tamara Zieschang.

BIM ab Dezember 2020 verpflichtend

Zumindest für Infrastrukturbauten wird das digitale Planungstool BIM Ende dieses Jahres verpflichtend. Die Bundesregierung hat das bereits im Koalitionsvertrag 2018 vereinbart: Künftig soll bei der Vergabe öffentlicher Aufträge für den Bundesinfrastrukturbau und den infrastrukturbezogenen Hochbau stärker auf die Methode Building Information Modeling (BIM) gesetzt werden, um Kosten zu minimieren und Risiken zu reduzieren. Die Fraktionen CDU/CSU und SPD schreiben zudem, dass mit dem Einsatz der Methode BIM in der Planung, Ausführung und später bei der Bewirtschaftung leichter mit allen Beteiligten kommuniziert werden könne. Die FDP-Bundestagsfraktion geht noch weiter und möchte das Tool spätestens ab 2022 verpflichtend einführen, damit die Bundesregierung den für Infrastrukturbauten entwickelten Stufenplan „Digitales Planen und Bauen“ auf die Hochbauten des Bundes überträgt.

Influencer sind in der Bauindustrie angekommen

Influencer werben in ihren sozialen Medien für so einiges. Nun scheint das auch in der Bauindustrie angekommen zu sein. Im Februar findet das erste „Baufluencer“-Forum statt.

Am 19. Februar versammeln sich 30 sogenannte „Baufluencer“ beim ersten offiziellen „Baufluencer-Forum“ in Berlin. Sie treffen dort auf Unternehmen der Bauindustrie. Bisher erhielt das neue Veranstaltungsformat durchweg positive Resonanz. Sowohl die Influencer als auch die anwesenden Unternehmen freuen sich darauf, sich kennenzulernen und sich über Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen. Die Idee für die Veranstaltung stammt von der Bau-PR-Agentur Brandrevier in Kooperation mit der Messe Berlin. Kriterien bei der Auswahl geeigneter YouTuber, Instagramer und Blogger waren unter anderem die Professionalität und Kompetenz, aber auch die Reichweite und Interaktion mit ihren Abonnenten. Die eingeladenen Influencer haben alle eine Reichweite im sechs- bis siebenstelligen Bereich und sind Amateure beziehungsweise Profis aus den Bereichen Fachhandwerk, Do-It-Yourself und Architektur. Teilnehmende Baufluencer aus dem Bodenbereich sind beispielsweise die Raumausstatterin Silja Kinast („that_flooring_girl“) sowie Ralf Schanze mit dem Fliesen-Online-Magazin 1200Grad. Seitens der Unternehmen werden namhafte Bauproduktehersteller wie Knauf, KS-Original oder Wienerberger anwesend sein. Auch aus den Bereichen SHK oder Elektroinstallation werden Unternehmen wie Stiebel Eltron oder Gira am Forum teilnehmen. Insgesamt haben 24 Bauunternehmen zugesagt.

Unternehmen sehen in Zusammenarbeit mit Influencern großes Potenzial

„Im Vergleich zu Printmedien haben Influencer eine oftmals höhere Reichweite“, sagt Julian Waning, Architektur Media Manager bei Gira Giersiepen. „Hinzu kommt, dass wir über neue Online-Kanäle die Möglichkeit haben, Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht mit unserem Unternehmen oder unseren Produkten in Kontakt getreten sind.“ Desirée Lukowski, Social Media Managerin der Hörmann Gruppe, ergänzt: „Influencer-Kommunikation geht über die reine, faktenbasierte Information weit hinaus. Hier kommt es, anders als in der klassischen Unternehmenskommunikation, vor allem auf Authentizität, eine emotionale Bindung und den persönlichen Kontakt an.“ Alle Infos zur Veranstaltung und den Teilnehmern gibt es auf www.baufluencer.de

Baugewerbe holt neue Aufträge gerne aus dem Internet

Die sogenannte Mundpropaganda wird in Zeiten des Internets immer weiter verdrängt. So setzen Auftragnehmer und Auftraggeber im Baugewerbe immer mehr auf Online-Plattformen.

Etwa jeder zweite Dienstleister nutzt mittlerweile das Internet zur Auftragsakquise. Das sah 2018 noch ganz anders aus: Hier war es mit 36 Prozent nur jeder Dritte, der seine Kunden durch das Internet fand. Befragt wurden dazu 5.000 Anbieter aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz von der Dienstleistungsplattform ProntoPro. Das Ergebnis: Vor allem Maler, Maurer und Heizungstechniker werden verstärkt online gesucht, persönliche Empfehlungen finden fast gar nicht mehr statt. Auffällig ist die Altersstruktur unter den Handwerkern, die auf den Zug der Online-Akquise aufspringen. So sind dies vor allem Fachleute im Alter von 45 bis 64 Jahren. Im Jahr 2018 waren das noch 25 Prozent, 2019 verdoppelte sich dieser Wert auf etwa die Hälfte der Fachleute aus dieser Altersgruppe. Am meisten profitieren jedoch die Handwerker von diesem Prinzip. Rund 80 Prozent der Klimatechniker finden online ihre Kunden, bei den Fensterprofis sind es 75 und bei den Bauunternehmen immerhin 63 Prozent. Die Elektriker kommen auf einen Anteil von fast 50 Prozent. Unter den befragten Anbietern waren Installateure, Elektriker, Bautischler und Maler.

Durch die Ergebnisse wird deutlich, dass die Digitalisierung längst nicht nur auf dem Bau, sondern auch schon ein paar Schritte vorher, nämlich bei der Auftragsbeschaffung, angekommen ist. Schnelle und unkomplizierte Plattformen machen es sowohl Kunden als auch Fachbetrieben einfach, einen geeigneten Fachmann beziehungsweise interessierte Kunden zu finden. Einen großen Vorteil bietet vor allem die Bewertungsfunktion. Dadurch können sich Fachbetriebe profilieren und Neukunden bekommen einen schnellen Überblick darüber, wie zufrieden andere Kunden mit der Arbeit des Fachmanns waren.

Zustimmung für neue Bau-Mindestlöhne

Nach einer Abstimmung ist nun klar: Der neue Mindestlohn für den Bau kommt. Dem haben die beteiligten Landesverbände der Bauindustrie und des Baugewerbes zugestimmt.

Ab dem 1. April 2020 erhöht sich der Mindestlohn 1 um 35 Cent auf 12,55 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 2,9 Prozent. Der Mindestlohn 2 erhöht sich um 1,3 Prozent, also um 20 Cent auf 15,40 Euro. Und auch in Berlin gibt es mit dem Mindestlohn 2 bald 20 Cent mehr, nämlich 15,25 Euro, was ebenfalls einer Erhöhung um 1,3 Prozent entspricht. Dem haben nun neben den Landesverbänden des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) auch die Arbeitgeber die notwendige Zustimmung gegeben.

„Unser Ziel der Schaffung eines einheitlichen und leicht zu kontrollierenden Bau-Mindestlohns wurde nicht erreicht”, räumt HDB-Vizepräsidentin Jutta Beeke als Verhandlungsführerin der Arbeitgeber ein. „Der Vorschlag vermeidet aber eine längere Mindestlohn-Lücke.“ Und auch der alternierende Verhandlungsführer, ZDB-Vizepräsident Uwe Nostitz, hält es für kritisch, dass die Frage der zukünftigen Mindestlohn-Struktur nicht gelöst, sondern nur verschoben wurde. Die IG Bau freut sich wiederum, einen „Angriff auf das bisherige Mindestlohnsystem” abwehren und einen einheitlichen „Mindestlohn light“ auf niedrigem Niveau für den gesamten Bau in Deutschland verhindern zu können. „Das hätte zwangsläufig die Abschaffung vom Mindestlohn 2 – also die Demontage des unteren Lohnsockels für qualifizierte Bauarbeiter – im Westen und in Berlin bedeutet”, erklärte IG Bau-Chef Robert Feiger. „Damit hätten die Arbeitgeber das komplette Mindestlohnsystem auf dem Bau ins Wanken gebracht. Das ist mit dem Schlichterspruch jetzt vom Tisch.“ Nach Angaben der Gewerkschaften profitieren vom neuen Mindestlohn mehr als 200.000 der insgesamt 820.000 Baubeschäftigten. „Das Wichtigste ist, dass es auf dem Bau auch weiterhin zwei Branchen-Mindestlöhne und damit Lohnhaltelinien nach unten – insbesondere für fachliche Arbeiten – geben soll”, so Feiger. „Das hatte für uns oberste Priorität. Und das haben wir geschafft. Dazu noch einen Anstieg beider Mindestlöhne.“

Bahn hat Modernisierungspläne

Die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund und der Deutschen Bahn für Modernisierungen ist unterzeichnet. Das Baugewerbe begrüßt diese Entwicklung.

So meint Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe: „Mit der Verstetigung der Investitionen in die Infrastruktur der Bahn im Rahmen der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung werden die richtigen Weichen gestellt. Mit den zur Verfügung gestellten Finanzmitteln erhalten die mittelständischen Firmen der Bauwirtschaft die erforderliche Planungssicherheit, um nachhaltig Kapazitäten für die anstehenden Bauaufgaben zu schaffen. Daher begrüßen wir die Vereinbarung zwischen dem Bund und der Deutschen Bahn ausdrücklich.“ Pakleppa betont, dass nun allerdings sichergestellt werden müsse, dass diese Gelder auch wirklich verbaut werden, damit die Bahninfrastruktur auch wirklich das geplante Update erhalte. Das betreffe nicht nur das Schienennetz, sondern auch Bahnhöfe, Park & Ride-Parkplätze und andere schienennahe Komponenten aus dem Hoch- und Tiefbau. „Wichtig ist, dass hierbei der heimische Mittelstand eingebunden ist und die Vergabepraxis durch Fach- und Teillosvergabe auch kleinere Bauunternehmen einbezieht. Nur wenn die gesamte Bauwirtschaft, deren Großteil nach wie vor die baugewerblichen Betriebe des Mittelstands ausmachen, an der Umsetzung der Investitionen mitarbeitet, kann es zu einer spürbaren Verbesserung für das Schienennetz kommen.“

Mangel an Erddeponien erhöht CO2-Emissionen

In Hessen hält der Mangel an Erddeponien immer noch an. So müssen viele Firmen ihren Erdaushub zur Entsorgung weit weg transportieren – Klimaschutz sieht anders aus.

Seit längerer Zeit schon macht der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen (VbU) auf den Mangel an Deponien aufmerksam. „Erdaushub, der 2015 von einer Baustelle in Bad Homburg noch einer Verwertung oder Deponierung im Rhein-Main-Gebiet zugeführt werden konnte, muss heute bis nach Wetzlar oder Koblenz gefahren werden“, so Bauunternehmer Thomas Reimann, Vorstandsmitglied im VbU und Vorstandsvorsitzender der ALEA AG aus Frankfurt am Main. Das stößt nicht nur unnötig viel CO2 aus, sondern schlägt sich auch auf die Baukosten nieder. ALEA hat ausgerechnet, dass die Entsorgung des Abfalls beim Bau eines Einfamilienhauses in Bad Homburg mittlerweile 48.000 Euro kostet. Im Jahr 2015 mussten für die Entsorgung lediglich 28.000 Euro veranschlagt werden. Hessener Unternehmen ärgern sich stark über den Umstand. So können die rapide gestiegenen Baukosten kaum mit steigenden Löhnen oder dem Bauboom erklärt werden. Schuld daran seien hauptsächlich die gestiegenen Transportkosten, durch den höheren Dieselverbrauch und durch höhere Kippgebühren.

Bauunternehmen sind keine Entsorgungsbetriebe

Außerdem haben die Berechnungen ergeben, dass für die entstandenen Abfälle auf einer Baustelle etwa 100LKW rund 13.000 Kilometer fahren müssen, um den Schutt zu entsorgen. Dieser Transportweg entspricht etwa einem Drittel des Erdumfangs – der zurückgelegt wurde, um eine einzige Baugrube in Hessen auszuheben. Die Bauunternehmen ärgern sich vor allem darüber, nun gezwungenermaßen auch noch als Entsorgungsbetrieb fungieren zu müssen und sich nicht mehr voll und ganz auf die Arbeit auf der Baustelle konzentrieren zu können. Zahlreiche Deponien wurden in der Vergangenheit geschlossen. Zwar besteht das Problem in ganz Deutschland, Hessen ist wegen Plänen der schwarz-grünen Landesregierung allerdings besonders stark betroffen.

Digitale Plattformen im Handwerk auf dem Vormarsch

Eine Studie hat das Nutzungsverhalten der Handwerksbetriebe auf digitalen Plattformen näher untersucht. Unterschiede in der Nutzung fallen vor allem beim Wohnraum auf.

Der Einsatz von digitalen Plattformen im Handwerk wird immer häufiger. Auffällig ist dabei, dass vor allem in urbanen Räumen häufig die Möglichkeiten solcher Plattformen genutzt werden. Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh Göttingen) hat für die Studie exemplarisch die Auftragsplattform MyHammer und die Bewertungsplattform ProvenExpert untersucht. Am auffälligsten war wohl der Zusammenhang zwischen städtischem beziehungsweise ländlichem Wohnraum und der damit verbundenen Nutzung der Plattformen. So nutzen Kunden im städtischen Umfeld eher digitale Plattformen als diejenigen, die auf dem Land wohnen. Hier werden die Informationen über Handwerker eher über die Meinungen der Nachbarn eingeholt. Während die Digitalisierung in urbanen Räumen also weiter auf dem Vormarsch ist, ist man auf dem Land eher traditionell geprägt. Trotzdem sind Handwerker auf dem Land auf Kunden aus den Städten angewiesen und müssen sich mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen.

Negative Bewertungen schrecken Betriebe ab

Die Untersuchung zeigt, dass die Dauer der Registrierung von Betrieben auf Bewertungsplattformen davon abhängig ist, wie positiv die Bewertungen durch Kunden ausfallen. So führen negative Bewertungen schnell dazu, dass sich die betreffenden Betriebe wieder von der Plattform abmelden. Umgekehrt bleiben Betriebe, die positive Bewertungen erhalten, länger registriert. Das Problem daran: Wenn sich nun negativ bewertete Betriebe fortlaufend abmelden und irgendwann nur noch positiv bewertete Betriebe auf den Plattformen übrigbleiben, so wird das Ziel der umfassenden digitalen Abbildung aller Betriebe einer Region verfehlt, da dies zu einer hohen Durchschnittsbewertung aller angemeldeten Betriebe auf den Plattformen führt. Negative Bewertungen sind also langfristig ein Ausschlusskriterium für den digitalen Markt. Blickt man auf die vielen bereits etablierten digitalen Plattformen im Handwerk, ist das für die Betriebe erfolgskritisch. Außerdem wird der Druck der Digitalisierung für Betriebe immer größer, denn mit der wachsenden Anzahl an Online-Nutzern führt für die Betriebe kein Weg daran vorbei, solche Plattformen zu nutzen.