Der Mindestlohn auf dem Bau steigt

Nach mehreren Verhandlungen ist der neue Mindestlohn auf dem Bau endlich in Stein gemeißelt. Ab dem 1. April 2020 profitieren davon mehr als 200.000 Beschäftigte.

Länger als 14 Stunden haben die Verhandlungen gedauert, die Prof. Dr. Rainer Schlegel, Nachfolger von Bundesminister a.D. Wolfang Clement als Schlichter bei Bau-Tarifkonflikten, mit einem Vorschlag beendete, den die Besitzer der Tarifvertragsparteien mehrheitlich mittragen. So steigt die Lohnuntergrenze für Hilfsarbeiten am 1. April um 35 Cent auf 12,55 Euro die Stunde. Facharbeiter in Westdeutschland und Berlin erhalten 20 Cent mehr, also 15,40 beziehungsweise 15,25 Euro pro Stunde. In den ostdeutschen Bundesländern gibt es diesen Facharbeiter-Mindestlohn nicht. Nach Gewerkschaftsangaben werden von rund 820.000 Bau-Beschäftigten etwa 200.000 Arbeiter profitieren. Bis zum 17.01.2020 müssen nun noch die Gremien der Sozialpartner über diesen Schiedsspruch entscheiden.

„Dem Bau geht es gut“, sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger, „Insofern ist es ein kluger Schritt des Schlichters gewesen, das Tarifsystem zu erhalten und Erhöhungen vorzusehen.“ Die Gewerkschaften hätten sich den Fachkräfte-Mindestlohn allerdings eigentlich bundesweit gewünscht. Die Vizepräsidentin des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Jutta Beeke, erklärte: „Unser Ziel der Schaffung eines einheitlichen und leicht zu kontrollierenden Bau-Mindestlohns wurde nicht erreicht. Der Vorschlag vermeidet aber eine längere Mindestlohn-Lücke.“ Der alternierende Verhandlungsführer Dipl.-Ing. Uwe Nostitz, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, merkt kritisch an, dass der Knackpunkt der Verhandlungen – die zukünftige Mindestlohn-Struktur – nicht gelöst sei, sondern nur verschoben wurde. Sollte der Schiedsspruch angenommen werden, werden die Sozialpartner beantragen, dass die Regelungen auf alle im Bauhauptgewerbe in Deutschland tätigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erstreckt werden.

Pro Neubau 29 Mängel zu verzeichnen

Im Rahmen einer Studie im Auftrag des Bauherren-Schutzbunds (BSB) wurde untersucht, wie viele Mängel es an fertiggestellten Bauten gibt. Das Ergebnis ist überraschend hoch.

Untersucht wurden 100 neu gebaute Ein- und Zweifamilienhäuser im Rahmen der Studie „Bauqualität beim Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern“. Insgesamt wurden 700 Baustellenkontrollen an den 100 Bauvorhaben durchgeführt. 20 Mängel wurden dabei im Durchschnitt pro Bau festgestellt – bei der Abnahme kamen pro Bauvorhaben dann noch 9 dazu. 48 Prozent aller Mängel entstehen dabei bereits bis zur Fertigstellung des Rohbaus. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch relativ schnell und einfach zu erkennen, da sie noch an der Oberfläche liegen. BSB-Geschäftsführer Florian Becker weist auf das hohe Schadenspotential der Rohbau-Mängel hin: „Diese Baumängel bilden ein hohes finanzielles Risiko. Werden sie unerkannt überbaut, erwachsen aus kleinen Fehlern schnell immense Schäden.“ Daraus resultierende eindringende Feuchtigkeit und Rissbildungen sind im Nachhinein nur mit hohem finanziellem und zeitlichem Aufwand reparierbar. Und das sprengt häufig den finanziellen Rahmen der Bauherren. Am häufigsten treten Mängel beim Estrich und Innenputz auf. 16 der 100 Bauvorhaben waren von solchen Mängeln betroffen. Ebenfalls hoch sind die Mängel in den Bereichen Rohbau und Statik (12 betroffene Bauvorhaben) und Wärmedämmung mit 11 betroffenen Bauten. Jedes zehnte Haus weist außerdem eine fehlerhafte Gebäudeabdichtung im Kellerbereich und Bodenbereich auf. Die Ursache für die Fehler liegt dabei oft bereits vor Baubeginn vor. Den Studienergebnissen zufolge fehlen in 99 Prozent der Fälle wichtige Planungsunterlagen, ohne die eine auftragsgemäße Umsetzung kaum möglich ist. Bei jedem fünften Haus fehlten außerdem statische Angaben zur Tragwerksplanung. BSB-Geschäftsführer Becker rät zur Kontrolle: „Der Gesetzgeber hat hier klare Vorgaben getroffen. Bauherren sollten ihre Unterlagen von einem unabhängigen Sachverständigen auf Vollständigkeit prüfen lassen und gegebenenfalls Nachforderungen an das Unternehmen richten.“

Potenziale der Digitalisierung auf dem Bau kaum genutzt

Eine neue Umfrage zeigt: Die Bauunternehmen lassen viele Chancen der Digitalisierung ungenutzt. Die Gründe dafür liegen im hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand.

Bei knapp der Hälfte der Bauunternehmen hat die Digitalisierung eine positive Auswirkung auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das ergibt eine aktuelle Umfrage vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW), das im Auftrag vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und in Zusammenarbeit mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen eine Studie mit dem Titel „Zukunft Bau – Beitrag der Digitalisierung zur Produktivität in der Baubranche” vorgestellt hat. So seien die Chancen der Digitalisierung vielfältig und durchaus bekannt: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsfähigkeit oder höhere Arbeitsproduktivität. Realisiert werden laut Umfrageergebnissen jedoch lediglich grundlegende Digitallösungen wie eine elektronische Rechnungsstellung oder CAD-Anwendungen. Selten angewendet werden dahingegen bauspezifische Technologien. Gerade der hohe Zeit- und Geldaufwand spiele eine Rolle dabei, wieso die Unternehmen die vielfältigen Chancen noch nicht wahrnehmen.

Große Hoffnung auf Zukunftsfähigkeit

Insgesamt 57,5 Prozent der befragten Unternehmen gehe davon aus, dass sich ihre Wettbewerbsfähigkeit in drei Jahren positiv mit der Digitalisierung entwickeln wird. 46,9 Prozent sehen außerdem schon jetzt eine positive Auswirkung der Digitalisierung auf den Unternehmenserfolg, 56 Prozent erwarten diesen Unternehmenserfolg in den kommenden drei Jahren. Beim Einfluss auf die Innovationsfähigkeit liegt das Verhältnis bei 40,7 zu 48,9 Prozent – beim Einfluss auf die Arbeitsproduktivität bei 40,5 zu 47,3 Prozent. Der tatsächliche Anteil an Digitalisierungsinstrumenten in den Unternehmen selbst sieht allerdings verhalten aus. So nutzen zwar 38,5 Prozent die elektronische Rechnungsstellung und 36,2 Prozent verwenden CAD-Anwendungen. Die tatsächlich innovativen Lösungen allerdings bilden in der Branche noch die Ausnahme. So nutzen nur 7,5 Prozent der Unternehmen Virtuelle Realität und 2,8 Prozent den 3D-Scanner. Die Gründe für die seltene oder gar fehlende Nutzung liegen für die Unternehmen mit 62,4 Prozent am zu hohen Investitionsaufwand. 61,5 Prozent sahen einen zu hohen zeitlichen Aufwand. Andere Gründe sind zu strikte Datenschutzregeln (57,5 Prozent), ein unzureichender Breitbandausbau (55,6 Prozent) sowie fehlende Standards und Schnittstellen (54,9 Prozent). In diesen Hindernissen sieht Prof. Dr. Irene Bertschek, Projektleiterin und Leitung des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ eine große Hürde. „Dabei wäre es wichtig, sich auf konjunkturell weniger gute Zeiten vorzubereiten und gerade die Digitalisierung kann dazu beitragen“, so Bertschek.

Wie tragfähig und dauerhaft sind Brücken aus Textil?

Vor neun Jahren wurde in Albstadt eine Brücke aus unkonventionellen glasfaser- und carbonbewehrten Materialien gebaut. Nun wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen.

So wie viele andere neue Bauverfahren musste auch dieses Material sich zunächst unter Beweis stellen und wurde mehr als kritisch beäugt. Die am häufigsten gestellten Fragen beziehen sich vor allem auf die Haltbarkeit des Bauprojektes. Denn gerade von Brücken wird eine lange Haltbarkeit erwartet. Die Fußgängerbrücke wurde 2010 in Albstadt-Lautlingen auf der Schwäbischen Alb errichtet. Die alte Brücke aus Stahlbeton stellte mit ihren Rostfahnen vor allem für den Straßenverkehr ein großes Risiko dar. Die Idee für textilbewehrten Beton kam aus der Textilindustrie, die in der Gegend eine lange Tradition hat. Eine Studie zur Verwendbarkeit von Glasfaserbeton und die Eignung für den Bau einer Brücke war das finale Argument für die Stadt, den Versuch zu wagen. Durch Berechnungen und umfangreiche Bauteilversuche fand man heraus, dass die Brücke den geplanten Belastungen standhalte würde. Der größte Vorteil von textilbewehrtem Beton: die fehlende Korrosionsanfälligkeit der nichtmetallischen Bewehrung. So konnte die Betonüberdeckung der Brücke in Albstadt auf nur 1,5 Zentimeter reduziert werden. Bei einem vergleichbaren Stahlbetonbau wären mindestens 5 cm Überdeckung erforderlich gewesen. Auch ist eine Schicht Asphalt zum Korrosionsschutz der Stahlbewehrung auf der neuartigen Brücke nicht notwendig.

Wie macht sich die Brücke 2019?

Nico Köllnick, der bei der Breinlinger Ingenieure Hoch- und Tiefbau GmbH angestellt ist, hat 2019 im Auftrag der Stadtverwaltung Albstadt die Brücke nach DIN 1076 geprüft. So sei die Brücke nach fast zehn Jahren Benutzung in einem sehr guten Zustand. Auch der häufige Einsatz von Tausalz in den harten Wintern der Stadt habe der Brücke bis heute nicht geschadet: Die Oberfläche des Gehweges sei tadellos, genauso wie die Stabilität des gesamten Bauwerks.

Der Wohnungsbau staut sich

Viele genehmigte Wohnungen stehen auf der Warteliste und warten darauf, gebaut zu werden. Dass das nicht passiert, liegt aber nicht an den überforderten Baubehörden.

Von rund 700.000 Wohnungen, die gebaut werden sollen, ist die Rede. Genehmigt sind diese längst. Der sogenannte Genehmigungsüberschuss, also der Bestand an Wohnungen, die bereits genehmigt, mit deren Bau allerdings noch nicht begonnen wurde, wächst stetig. Seit 2008 hat sich dieser mehr als verdoppelt. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes warten damit Aufträge im Wert von gut neun Milliarden Euro auf ihre Bearbeitung. Da die Bauunternehmen zurzeit mehr als ausgelastet sind, ist zu erwarten, dass der Genehmigungsüberschuss auch weiterhin wachsen wird. Im Handwerker-Alltag ist das deutlich zu spüren: Mehr als schwierig gestaltet sich momentan die Suche für Wohnungseigentümer, einen Handwerker zu finden, der zügig Aufträge annimmt und diese ausführt. Zumindest hat der Grund für diese Schwierigkeit einen positiven Hintergrund, denn der zehnjährige Aufschwung am Bau wirkt sich nun mal insofern aus, dass die Nachfrage nach den Leistungen sehr hoch ist. Lediglich das Angebot ist nicht stetig mitgewachsen. So haben sich die Auftragsbestände im Wohnungsbau seit 2008 verdreifacht, während die Zahl der in der Branche Beschäftigten nur um ein Viertel zugenommen hat.

Der Fachkräftemangel bleibt unbesiegt

Dass die Bauunternehmen nicht mehr Leute einstellen, kann mehrere Gründe haben. So spielt der Fachkräftemangel sicherlich eine große Rolle bei dem Problem. Dass es wegen des durch die Wiedervereinigung bedingten Aufschwungs hohe Beschäftigungsrekorde gab, kann ein anderer Grund für die niedrige Beschäftigung sein. So gab es zu den Zeiten des Wiederaufbaus mehr als 700.000 Mitarbeiter in der Bauwirtschaft – davon ist man heute mit weniger als 500.000 Beschäftigten weit entfernt. In der aktuellen Legislaturperiode plant die Bundesregierung den Bau von 1,5 Millionen Wohnungen. Prognosen sagen allerdings voraus, dass diese Vorstellung unrealistisch sei und eine sechsstellige Zahl an Wohnungen fehlen werde. Daran schuld seien nicht nur die kleinen Baukapazitäten, sondern auch die viel zu lang andauernde Ausweisung neuer Baugelände seitens der Behörden. Nötig sind also vor allem Investitionen in den Bau seitens der Städte.

Hohe Bürokratielasten für Handwerksbetriebe

Vor allem kleine Handwerksbetriebe sehen in den hohen bürokratischen Anforderungen eine große Last. Nun schreckt sogar so mancher Nachfolger vor dieser Hürde zurück.

Zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren versucht die Bundesregierung, Handwerksbetriebe von der Bürokratie zu entlasten. Doch das Bürokratieentlastungsgesetz III (BEG III) erfüllt längst nicht die Erwartungen, die das Handwerk an die Entlastung hat. Seit vielen Jahren staut sich in den Betrieben nunmehr die Belastung an. „Unsere Betriebe brauchen dringend Entlastung, aber die jetzt geplanten Maßnahmen werden die absehbar nicht bringen“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Auch Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, ist unzufrieden mit der momentanen Situation: „Die Beschwerden unserer Betriebe nehmen stark zu.“ In den durchschnittlichen Handwerksbetrieben sind die Belastungen inzwischen gar so hoch, dass viele ihre Freizeit opfern müssen, um die Berge an Bürokratie zu bearbeiten. „Ein größerer Wurf wäre nötig gewesen, um den Unternehmern zu zeigen, ‚wir haben euer Problem erkannt’„, sagt Georg Haber, der als Experte vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages zum BEG III befragt wurde. Auch Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, sieht mit dem BEG III eine verpasste Chance: „Die Regierung hätte eigentlich Tabula rasa machen müssen.“ So seien viele Gesetze mittlerweile so komplex, dass kaum noch jemand den Durchblick behalten könne. Außerdem sei die Umsetzung von EU-Regelungen in Deutschland um einiges strenger ausgestaltet als in anderen EU-Ländern.

Betriebe fühlen sich nicht verstanden

„Die deutsche Regierung setzt den Vorgaben aus Brüssel oft noch eines drauf“, sagt Schneider. Dadurch entsteht bei den Betrieben ein Gefühl der Intransparenz und des Unverständnisses. „Es ist ärgerlich, dass Gesetze nicht so gemacht sind, dass Betriebe sie einfach umsetzen können“, findet auch ZDH-Präsident Wollseifer. Der Jahresbericht des Normenkontrollrates kommt zum gleichen Schluss. Dass ein Bürokratieentlastungsgesetz IV folgt, ist denkbar. Klare Forderungen des Handwerks liegen zum Beispiel in der Abschaffung der Dokumentationspflicht beim Mindestlohn oder auch in der Verkürzung der Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen. Sollte die Kleinunternehmer-Grenze auf 22.000 Euro Vorjahresumsatz angehoben werden, wie es das BEG III vorsieht, würde damit laut Wollseifer und Haber ein falsches Signal gesetzt werden. Dadurch erhöhe sich das Risiko für Schwarzarbeit. Auch ein großes Problem sieht der ZDH darin, dass durch die hohe bürokratische Belastung viele junge Handwerker abgeschreckt werden, einen Handwerksbetrieb zu übernehmen oder zu gründen.

Billig-Löhne aus dem Balkan bedrohen deutschen Bausektor

Als „staatliche Lohnkosten-Trickserei“ betitelt die IG Bau die Machenschaften Sloweniens, europäische Unternehmen zu begünstigen, die ihre Mitarbeiter ins Ausland schickten.

„Die Bauwirtschaft in Europa leidet unter einer Schieflage – mit gravierenden Auswirkungen für den deutschen Markt“, das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt. Es handelt sich bei dem Problem um staatliche Lohn-Subvention. Eine „staatliche Lohnkosten-Trickserei – made by Slovenia“, so die Gewerkschaft. Unternehmen, die ihre Beschäftigten in andere EU-Staaten schickten, wurden von Slowenien begünstigt. Und das schafft unfaire Wettbewerbe. So sei das Entsenden von Mitarbeitern ins Ausland zwar legal, aber längst nicht die Praxis, mit der Slowenien seinen Betrieben dies „wirtschaftlich versüße“. „Wenn ein EU-Mitgliedsstaat seine Unternehmen von einem Großteil der Sozialabgaben befreit und damit die Lohnkosten erheblich senkt, um seinen Unternehmen in anderen EU-Ländern einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, dann ist das staatliche Lohn-Subvention“, ärgert sich der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Dietmar Schäfers. Genau das passiere gerade in Slowenien. „Und es hat spürbare Auswirkungen auf den Bausektor in Deutschland.“[/vc_row]

Unfairer Wettbewerb

Schaut man sich die konkreten Zahlen an, wird deutlich, welcher Schaden hier zustande kommt. So habe die Gewerkschaft ausgerechnet, dass sich der „staatliche Sozialrabatt“ der slowenischen Regierung auf knapp 1.035 Euro pro Bauarbeiter und Jahr im Lohn beläuft. „Das sind für eine durchschnittliche Baustelle mit vierzig Beschäftigten rund 41.400 Euro im Jahr“, erläutert Schäfers. Mit dem geltenden EU-Recht sei dieses „slowenische Geschäftsmodell staatlicher Baukostenregulierung“ nicht vereinbar. Auch habe das Ganze nichts mehr mit einem fairen Wettbewerb zwischen Unternehmen auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu tun. „Es ist nicht die Aufgabe der Regierung in Ljubljana, die Wettbewerbsbedingungen der Baubranche in anderen EU-Staaten zu diktieren“, so Schäfers. So sei es inakzeptabel, eigenen Unternehmen wirtschaftliche Vorteile durch staatlich gesteuerte Billig-Löhne zu verschaffen. Slowenien versuche hier, ein Geschäftsmodell zu etablieren. „Dem muss die EU einen Riegel vorschieben“, meint Schäfers.

4-Tage-Woche als Arbeitszeitenmodell im Baugewerbe

Ein Geilenkirchener Handwerksbetrieb setzt seit dem Sommer einen Traum vieler Arbeitnehmer um: eine 4-Tage-Arbeitswoche. Aber wie gut funktioniert dieses Modell?

Vier Tage arbeiten, drei Tage frei. Dieses alternative Arbeitszeitenmodell wurde bereits in vielen Branchen ausführlich diskutiert. In einer Branche wird das Modell seit Sommer allerdings tatsächlich umgesetzt: Die Arbeitnehmer des Unternehmens Fenster Knaut aus Geilenkirchen arbeiten seit einigen Monaten nur vier Tage in der Woche. Das bietet ihnen nicht nur ein langes Wochenende, sondern steigert die Motivation und sorgt montags für ausgeruhte und entspannte Mitarbeiter. Es bleibt mehr Zeit für die Familie und Termine können auf Freitage gelegt werden. Das Modell komme nicht nur bei den Mitarbeitern gut an, sondern sorgt auch bei den Kunden für zufriedene Gesichter. Denn die Mitarbeiter stehen somit von Montag bis Donnerstag insgesamt länger zur Verfügung und können den Einbau neuer Fenster dementsprechend schneller abschließen.

Seit der Gründung 2003 hat sich Fenster Knaut als Spezialist für hochwertige Fenster auf dem Markt etabliert. Geführt wird das Unternehmen von Meike und Stephan Knaut. Besonders wichtig ist ihnen die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter: „Motivierte, fachlich gut ausgebildete Mitarbeiter sind unser Kapital. Sie führen die Installationen der Fenster und Türen beim Kunden durch, sind seine Ansprechpartner bei Rückfragen und beraten Interessenten in der Ausstellung.“

Neue Maßnahmen gegen Fachkräftemangel

Nicht nur mit dem Arbeitszeitenmodell wollen die Knauts dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Gleichzeitig gebe man allen Bewerben eine Chance, sich im Unternehmen weiterzuentwickeln. Handwerksgesellen stehen dabei zwar im Fokus, aber auch Quereinsteiger sind gerne gesehen. Durch eine Zusammenarbeit auf internationalem Gebiet haben die Mitarbeiter zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung. So kann man sich bei Fenster Knaut beispielsweise auch zur Elektrofachkraft weiterentwickeln. Auch ohne Tischlerausbildung kann man sich zu einem diplomierten Fensterspezialisten ausbilden lassen. Solch unkonventionelle Maßnahmen wie eine 4-Tage-Arbeitswoche sind neue Wege, dem aktuellen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Lange Wochenenden haben eine hohe Anziehungskraft auf potenzielle neue Mitarbeiter.

Milliarden-Verluste durch Schwarzarbeit

Zwar boomt die Baubranche und macht momentan guten Umsatz, das Ganze hat aber auch eine Schattenseite: Schwarzarbeit wird immer häufiger und verursacht riesige Schäden.

Nicht nur die Auftragseingänge sind in der Baubranche 2019 gestiegen, auch Schwarzarbeit verbreitet sich auf dem Bau immer weiter. So schätzt man den dadurch entstandenen Schaden in Berlin auf rund 98,5 Milliarden Euro. Um ganze 7,2 Milliarden Euro sind die Auftragseingänge deutschlandweit gestiegen. Umso auffälliger erscheint es der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau), dass viele Betriebe bei den Sozialkassen angegeben haben, dass ihre Auslastung nur bei 25 Prozent lag. „Das ist ein Indiz dafür, dass man hier von schwarz geleisteten Arbeitsstunden ausgehen kann“, sagt Thomas Herrschelmann, Sprecher der FG Bau, gegenüber dem Tagesspiegel. Läge die Auslastung bei dieser enormen Auftragslage bei lediglich 25 Prozent, so hieße das, dass die Bauarbeiter nach wenigen Stunden nach Hause gehen. „Es gibt aber auf dem Bau keine Teilzeitarbeit“, erklärt Herrschelmann. In Berlin und Brandenburg sind in der FG Bau rund 900 Betriebe vertreten. Die Fachgemeinschaft geht davon aus, dass etliche Firmen davon ihre Mitarbeiter schwarz beschäftigen und somit Sozialbeiträge einsparen. Ein weiteres Indiz für Schwarzarbeit sei laut der FG Bau, dass viele Unternehmen nicht wie üblicherweise mindestens zur Hälfte aus Facharbeitern und zur anderen Hälfte aus geringer qualifizierten „Hilfsarbeitern“ bestehen. „Sobald die Quote von Facharbeitern bei weniger als 50 Prozent liegt, kann man davon ausgehen, dass Schwarzarbeit geleistet wird“, sagt der Sprecher.

Fast 100 Milliarden Euro Schaden

In den Jahren zwischen 2014 und 2018 soll in Berlin so durch Schwarzarbeit eine etwa 98,5 Milliarden Euro hohe Schadenssumme entstanden sein. „Wir gehen gegen Schwarzarbeit vor, denn wir wollen nicht, dass durch unlautere Mittel die ganze Branche in Verruf gerät“, sagt Herrschelmann. So gehe man das Problem bereits mit sogenannten „Baustellen-Läufern“ an. Diese sind praktisch als Detektive unterwegs und beobachten und recherchieren rund um bestimmte Baustellen. Ihre Ergebnisse geben sie an den Zoll weiter, der bei einem konkreten Verdacht weitere Schritte einleiten kann. „Unsere Baustellen-Läufer kennen die einschlägigen Orte, wo sich Schwarzarbeiter treffen, um dann für bestimmte Tätigkeiten eingesammelt und gezielt zu Baustellen gefahren werden.“ Eine konkrete Zahl, wie viel Schwarzarbeit es in Deutschland gibt, existiert nicht. Anhand von Kontrollen hätten die Zollfahnder allerdings bereits rund eine Milliarde Euro Schaden pro Jahr in Deutschland verhindert.

Auch Leiharbeiter bekommen fairen Lohn

Das Bundesarbeitsgericht hat einen Grundsatz beschlossen, der eine vergleichbare Bezahlung von Leiharbeitern vorgibt. Damit stärkt man die Rechte von Leiharbeitnehmern.

Bereits seit 2017 gibt es einen „Equal-Pay-Grundsatz“ („Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“) im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Nach diesem Ansatz müssen Leiharbeitnehmer nach einer Einarbeitungszeit von neun Monaten genauso viel verdienen wie ein Arbeitnehmer aus der Stammbelegschaft. Ein längeres Abweichen von dem Equal-Pay-Grundsatz ist nur dann möglich, wenn Branchenzuschlagstarifverträge der Zeitarbeitsbranche bestehen. Dann bekommen Leiharbeiter bereits nach einer Einarbeitungszeit von höchstens sechs Wochen stufenweise mehr Gehalt, bis sie nach maximal 15 Monaten genau so viel Geld bekommen, wie ihre Kollegen. Leiharbeiter haben dabei einen gesetzlichen Auskunftsanspruch zum Gehaltsniveau im Entleihunternehmen.

Arbeitnehmer erhielt über ein Jahr lang weniger Geld als seine Kollegen

Mit einem beispielhaften Fall ging ein Leihabeiter mit als Kläger vor Gericht. Er hatte zuvor als Leiharbeiter als Kraftfahrer in der Metalbranche gearbeitet. Sein Arbeitsvertrag enthielt beschlossene Tarifverträge zwischen der DGB-Tarifgemeinschaft und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) mit einer dynamischen Bezugnahmeklausel. Zusätzlich enthielt der Vertrag Regelungen, die teilweise von diesen tariflichen Bestimmungen abwichen. Für seine Tätigkeit von April 2014 bis August 2015 erhielt er einen Stundenlohn von 11,25 Euro brutto und damit weniger als die Stammarbeitnehmer des Betriebs. Vor Gericht klagte er dann einen Ausgleich für die Lohndifferenz ein. Und er bekam Recht: So habe der Verleiher keine gültige zur Abweichung vom Gebot der Gleichbehandlung berechtigte Vereinbarung getroffen. „Diese setzt insbesondere nach Systematik und Zweck der Bestimmungen des AÜG eine vollständige Anwendung eines für die Arbeitnehmerüberlassung einschlägigen Tarifwerks voraus“, heißt es in einer Mitteilung des BAG zum aktuellen Urteil. Dahingegen enthalte der Arbeitsvertrag beider Parteien Abweichungen von den tariflichen Bestimmungen, die nicht ausschließlich zugunsten des Arbeitnehmers wirken.