Recycling auf der Baustelle: es wird!

Gerade auf Baustellen fällt viel Müll an. Mit dem Ergebnis eines aktuellen Projektes zeigt sich aber: bald könnte der erste Kunststoff-Abfall vom Bau recycelt werden.

Bauschaum findet gerade in der Herstellung von Fertighäusern seine Verwendung. Dabei ist die Verwendung nicht gerade umweltfreundlich: Denn der Stoff wird in Dosen gelagert und wenn sie leer sind, sind sie nicht mehr zu gebrauchen – bisher jedenfalls. Im kürzlich abgeschlossenen Pilotprojekt vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) und der Spezialist für stoffliches Recycling PDR wurde deutlich, dass sich Bauschaumdosen durchaus effektiv recyclen lassen. Vom Gesetzgeber werden die Dosen als gefährlicher Abfall eingestuft, die Bilanz des 5-monatigen Versuchs in der Praxis hingegen zeigen neben dem möglichen Recycling sogar auf, dass das Recyclen von PU-Schaumdosen auch noch großflächig organisierbar ist, sodass eine überregionale Baustellenentsorgung möglich wird. Der wichtigste Punkt im Prozess ist dabei die Planung der Entsorgung im Vorfeld. Von insgesamt 5 Fertighausherstellern hat die BDF-Projektgruppe die Rückgabe der PU-Schaumdosen getestet. Verschiedenste Sammelmethode wurden dabei ausprobiert und bewertet. Zur richtigen Planung der Entsorgung gehört vor allem, dass man die Dosen nicht im Baumischcontainer loswerden kann, sondern die Entsorgung bis hin zum Recycling planen muss. Zwar gestaltete sich die Rücknahme der leeren PU-Schaumdosen anfangs etwas schwierig, durch gute Organisation ließ sich später die Anzahl allerdings um das Anderthalbfache zum gesamten Vorjahr steigern.

Der Weg von der Baustelle zur Wiederverwertung

Damit die Kartonabholung von Bauschaum-Dosen reibungslos und kostenlos erfolgen kann, müssen diese zur fachgerechten Entsorgung von der Baustelle zurück zum Werk transportiert werden. Der PDR kann die Dosen dann kostenlos abholen und sie nach Oberfranken transportieren, wo sich die zuständige Recyclinganlage befindet. Dabei kommen auf die Fertighaushersteller keine zusätzlichen Kosten zu. Noch einfacher ist die Rückgabe im Falle der Nutzung eines Baustellenlieferservices: Diese nehmen die leeren Dosen auch kostenlos direkt von der Baustelle wieder mit. 2.900 Rückgabestellen der PDR ermöglichen außerdem eine leichte Rückgabe des Abfalls. Auf der Website der PDR lässt sich die nächste dieser Rückgabestellen finden. Mit der alternativen Entsorgung, die das Projekt möglich gemacht hat, können in Zukunft wichtige und wertvolle Ressourcen geschont werden. Kurze Wege sind dabei das A und O, am besten sollten die leeren Dosen auf direktem Wege von der Baustelle zum Recycling ins Werk transportiert werden. Das spart nicht nur unnötige Lagerkosten, sondern auch weitere Ressourcen.

Gemischte Reaktionen auf Empfehlungen der Baulandkommission

Die Baulandkommission hat nach neun Monaten Arbeit einen Entwurf mit vielen Empfehlungen zur nachhaltigen Baulandmobilisierung und Bodenpolitik vorgelegt.

Die Reaktionen auf das 13-seitige Dokument fallen sehr gemischt aus. Anfang Juli veröffentlichte die Expertenkommission „Nachhaltige Baulandmobilisierung und Bodenpolitik“ (Baulandkommission) ihre Handlungsempfehlungen für den nachhaltigen Bau und die Bodenpolitik. Kernpunkte der empfohlenen Maßnahmen sind vor allem:

– die Umsetzungsunterstützung durch die Länder, um öffentliche Grundstücke von Ländern und Kommunen vergünstigt zur Verfügung stellen zu können,
– die Anpassung der Haushaltsordnungen auf allen öffentlichen Ebenen,
– die Einführung einer Experimentierklausel zum Lärmschutz und Anpassung des Geruchsemissionenschutzes,
– die Erleichterung der Genehmigung begünstigter Vorhaben im Außenbereich bei Umnutzung von landwirtschaftlichen Gebäuden in Wohnungen
– und verstärktes finanzielles Engagement des Bundes und der Länder bei zum Beispiel der Reaktivierung von Branchen und Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer.

Marco Wanderwitz (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, möchte die empfohlenen Maßnahmen schnell umsetzen und die Umsetzung an folgenden Punkten anpacken: „Die Umsetzung der Handlungsempfehlungen bedarf des weiteren Engagements der Akteure der Planungs-, Bau- und Bodenpolitik. Wir müssen umgehend die notwendigen Personalkapazitäten in Planungsämtern und weiteren relevanten Einrichtungen auf allen föderalen Ebenen schaffen. Für die anstehenden Aufgaben brauchen wir dauerhaft fachlich gut ausgebildeten Nachwuchs. Die Baulandkommission hat sich für eine Ausbildungs- und Einstellungsoffensive für technische Berufe ausgesprochen. Das ist ein deutliches Signal. Mir ist wichtig, dem fachlichen Nachwuchs verlässliche Perspektiven zu geben und gemeinsam mit den künftigen Nutzern unserer Städte die Zukunft zu gestalten.“

Skepsis vieler Verbände

Anders als Wanderwitz sehen viele Verbände die vorgelegten Vorschläge skeptisch. Der Präsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, sieht neben den guten Ansätzen einen falsch gelegten Fokus: „So zielen die Lösungsempfehlungen vor allem darauf, den Kommunen weitere Möglichkeiten zur Regulierung des Grundstücksmarktes zu verschaffen. Aber nur mit Instrumenten der Marktwirtschaft lässt sich die Wohnungsknappheit beheben. Diese Berücksichtigung fand leider nicht statt.“ Laut IVD müsse das Angebot an bebaubaren Grundstücken deutlich und spürbar ausgeweitet werden, um die Engpässe beim Wohnungsbau zu beseitigen. Auch der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) warnt vor den geplanten Maßnahmen: „Solange Bauland Mangelware bleibt, weil die Kommunen zu wenig und zu langsam Bauland ausweisen, wird es keine gerechte Bodenpolitik und keine Lösung des Wohnraummangels geben. Akuter Wohnraummangel muss daher zu einer Planungspflicht der Kommunen führen. Wer stattdessen zusätzliche dirigistische Eingriffe der Kommunen empfiehlt, verwechselt Ursache und Wirkung und setzt damit falsche Schwerpunkte“.

Handwerk begrüßt Empfehlungen

Anders als die genannten Verbände, reagieren die Zentralverbände des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Deutschen Baugewerbes (ZDB) größtenteils positiv auf die Empfehlungen: „Das heute beschlossene Empfehlungspaket von Bund und Ländern ist als wichtiger Beitrag zu begrüßen, um die Bereitstellung von Wohnbauland zu beschleunigen. Zusammen mit der in der letzten Woche verabschiedeten Sonderabschreibungsmöglichkeit für Mietwohnungsbau ist durch die Empfehlungen der Baulandkommission ein weiterer wichtiger Schritt zur Entspannung des Wohnungsbaumarktes erfolgt. Bund, Länder und Kommunen sind nun aufgefordert, schnellstens alle notwendigen gesetzgeberischen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen“, meint Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH.

Honorarordnung für Architekten und Ingenieure gekippt

Die deutschen Mindest- und Höchstsätze für Architekten und Ingenieure sind unzulässig und tun nichts für den Verbraucherschutz – erklärte der Europäische Gerichtshof.

Nachdem die EU-Kommission bereits Ende 2016 Deutschland verklagte, kippt der Europäische Gerichtshof nun die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Bei der HOAI handelt es sich um festgelegte Mindest- und Höchstpreise für die Planungsarbeit von Architekten und Ingenieuren. Der Mindestsatz darf nur in besonderen rechtlichen Fällen unterschritten werden. Das gleiche gilt für die Überschreitung des Höchstsatzes. Sinn und Zweck dieser Regelung ist es, sowohl dem Architekten beziehungsweise Ingenieur ein angemessenes Honorar zu sichern, als auch die Sicherung der Qualität der erbrachten Leistungen für den Bauherrn.

In der Anklage gegen Deutschland Ende 2016 forderte Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienowksa, dass das Anbieten von Dienstleistungen erleichtert werden soll, sodass Verbraucher mehr Auswahl und niedrigere Preise bekommen. Mit der Honorarordnung würde die Bundesrepublik Unternehmen aber daran hindern, über den Preis miteinander zu konkurrieren, hatte der EU-Gutachter Maciej Szpunar bereits im Februar festgestellt. Für Szpunar sei nicht klar, warum ein Mindestpreis nötig sei, um Verbraucherschutz und hohe Qualität zu sichern. Und obwohl es nach einer entsprechenden EU-Richtlinie möglich ist, Mindest- und Höchstpreise unter bestimmten Bedingungen vorzuschreiben, erklärten die Richter trotzdem, dass die Deutsche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure nicht den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit erfülle. Die Begründung: Die Mindestsätze gelten nur für Architekten und Ingenieure. Da aber auch andere Dienstleister entsprechende Leistungen erbringen können und dafür keine fachliche Eignung nachweisen müssen, seien die Mindestsätze ungeeignet, hohe Qualitätsstandards und den Verbraucherschutz zu sichern.

Aufschrei in der Bundesarchitektenkammer

„Die HOAI in ihrer bisherigen Form verhindern einen ruinösen Preiswettbewerb, um Auftraggebern die bestmöglichen Leistungen zu sichern, deren Qualität kaum im Voraus bewertet werden kann und gleichzeitig besonders großen Einfluss auf das Leben der Menschen hat“, warnt die Bundesarchitektenkammer vor der aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs. „Sowohl für unseren Berufsstand als auch für die Auftraggeber bedeutet diese Entscheidung einen bedeutsamen Einschnitt, da die wissenschaftlich ermittelten Honorarsätze zukünftig nicht mehr verpflichtend gelten, und wir neben Leistung und Qualität verstärkt auch über den Preis verhandeln müssen,“ sagte die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, direkt nach der Entscheidung des EuGh. „Wichtig ist uns, auch weiterhin auf Basis angemessener Honorare arbeiten zu können, um Auftraggebern den ganzheitlichen Leistungsumfang zukommen lassen zu können, der zur optimalen Lösung baulicher Aufgaben notwendig ist, und zwar sowohl im Interesse der Auftraggeber als auch im Interesse der Allgemeinheit, denn Bauen ist nie nur privat. Wie sorgfältig wir unsere Gebäude planen und wie nachhaltig wir sie bauen und betreiben, trägt maßgeblich zur Qualität der gebauten Umwelt und auch zum Klimaschutz bei.“ Man werde in der nächsten Zeit intensive Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium führen, um die Honorarsätze zumindest in einem kleineren Rahmen erhalten zu können.

Kalksandstein als Träger für Wohnbau

Das Baumaterial Kalksandstein wird im mehrgeschossigen Wohnbau nach wie vor am häufigsten verwendet. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Demnach kam der Baustoff insgesamt bei 34 Prozent der Wohngebäude mit mehr als drei Wohneinheiten zum Einsatz, 2017 lag der Anteil bei rund 33 Prozent. Rein auf den räumlichen Anteil der Steine bezogen, wuchs der Anteil auf über 38 Prozent, 2017 lag der Anteil bei 37 Prozent. „Diese Zahlen zeigen einmal mehr, dass Kalksandstein aus dem Wohnungsbau nicht wegzudenken ist“, freut sich Roland Meißner, Geschäftsführer Bundesverband Kalksandsteinindustrie. „Die Massivität des Kalksandsteins bringt hier unter anderem Vorteile im Schallschutz und der Tragfähigkeit. Die Wände können dadurch schlanker gehalten werden. Im Wohnungsbau ein klarer Vorteil.“

Nicht nur diesen Vorteil bietet der vielseitige Baustoff: Auch preislich siegt er gegenüber anderen Baustoffen. Laut Rechnung der Kalksandsteinindustrie kosteten mit Kalksandstein gebaute Wohnungen 2018 durchschnittlich 290 Euro pro Kubikmeter umbauten Raum. Damit bietet er gegenüber in Stahlbeton ausgeführten Wohnungsbauten einen Preisvorteil von 8,5 und gegenüber Holzbauten sogar einen Vorteil von 11,4 Prozent. Mauerwerksbauten aus Kalksandstein leisten somit einen sehr wichtigen Beitrag zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum – sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Das sind gute Rahmenbedingungen für jeden Bauherren. „Doch ohne die breite und nachhaltige Unterstützung aus der Politik geht es nicht“, sagt Meißner. „Die Baulandkommission hat in diese Richtung ein erstes positives Zeichen gesetzt. Sie empfiehlt Bund, Ländern und Kommunen eigene Liegenschaften vergünstigt für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums zur Verfügung zu stellen.“

EU-weite Regeln für Drohnen ab 2020

Drohnen sind längst nicht nur ein Spielzeug: Auch auf Baustellen werden die Multikopter eingesetzt. Ab 2020 gelten EU-weit neue Regeln, die jeder Besitzer beachten muss.

Bereits seit dem 7. April 2017 gibt es klare Regeln für den Betrieb von Drohnen. Dazu zählen zum Beispiel eine Kennzeichnungspflicht und bestimmte Betriebsverbote in sensiblen Bereichen wie an Einsatzorten der Polizei oder der Feuerwehr. Ab einem Gewicht von 2 Kilogramm müssen die Drohnenpiloten außerdem einen „Drohnenführerschein“ machen, auch besteht eine Versicherungspflicht. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat nun neue Bestimmungen veröffentlicht, die bis Juni 2020 in nationales Recht übergeführt werden müssen. Diese Bestimmungen sollen die Regeln für den Betrieb von Drohnen EU-weit vereinheitlichen. Auf 27 Seiten in insgesamt 23 Artikeln werden klare Regeln festgelegt, die nicht zuletzt wegen verschiedener Vorfälle der Störung vom Flugverkehr an Flughäfen aufgestellt wurden.

Was bedeutet das fürs Handwerk?

Die Nutzung von den unbemannten Fluggeräten hat sich längst auch auf das Handwerk ausgebreitet. Besonders Dachdecker, Metallbauer und Maurer nutzen sie, um Schäden an Bauwerken aus der Luft ausfindig zu machen, die nächsten Arbeitsschritte zu planen oder auch, um dem Kunden den aktuellen Stand des Bauvorhabens zu zeigen. Auch für die Drohnen-Besitzer aus dem Handwerk gilt daher, sich über die Neuerungen zu informieren. Denn schon jetzt gelten spezifische Voraussetzungen für die Nutzung. Die Deutsche Flugsicherung stellt diese noch bis zum Juni 2020 geltenden Regeln in einem Flyer  zusammen. Fest steht aber: Schärfer als die ohnehin bereits geltenden Richtlinien werden die neuen EU-weiten Regeln wohl nicht. In jedem Bereich sehen die Bestimmungen der EASA weniger strenge Voraussetzungen vor. Die maximal erlaubte Flughöhe ohne Sondererlaubnis erhöht sich von 100 auf 120 Meter und auch eine Kennzeichnungspflicht bleibt wie bisher gehabt erhalten. Das 27-seitige und ausführliche Dokument zu allen Details rund um die neuen Bestimmungen sind auf der Websitevon EUR-Lex abrufbar.

Meisterpflicht findet nicht nur Befürworter

Nach vielen Überlegungen steht die Möglichkeit der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Raum. Liberale Ökonomen sehen darin einen Eingriff in Markt und Wettbewerb.

„Für eine Rückkehr zur Meisterpflicht gibt es mit Blick auf die derzeit zulassungsfreien Gewerke keine Rechtfertigung“, teilte Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, der Deutschen Handwerks Zeitung mit. Die Monopolkommission ist ein Beratergremium der Bundesregierung. Wambach ist ein Ökonom aus Mannheim und ist in jedem Fall gegen die Wiedereinführung der Meisterpflicht in Handwerksberufen. Zwar stimmt er zu, dass die teilweise Abschaffung der Pflicht vor 15 Jahren zu einem Rückgang der formalen Qualifikation der Betriebsinhaber geführt hat, „tatsächliche Qualitätsdefizite sind aber nicht belegt.“ Die Wiederausweitung der Meisterpflicht wurde vor allem unter Berücksichtigung vieler aktueller Probleme diskutiert. Darunter zählen beispielsweise lange Wartezeiten und hohe Preise für die Verbraucher, unfaire Konkurrenz durch Schwarzarbeit und auch die ungelöste Nachfolgeproblematik. Der Chef der Monopolkommission ist aber der Meinung, dass eine erneute Einführung der Pflicht keines der aktuell bestehenden Probleme beseitigen würde. Wambach spricht sich dafür aus, den Meisterbrief als freiwilliges Qualitätssiegel zu erhalten. Nach vielen Überlegungen steht die Möglichkeit der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Raum. Liberale Ökonomen sehen darin einen Eingriff in Markt und Wettbewerb.

„Meisterzwang“ löst unsere Probleme nicht

Viele Ökonomen teilen die Ansicht der Monopolkommission. So bezeichnet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Diskussion um die Wiedereinführung der Meisterpflicht eher als „Meisterzwang“ und verspricht sich von einem möglichst schrankenlosen Zugang zu vielen Handwerksberufen mehr Firmengründungen, niedrigere Preise für Verbraucher und neue Jobs. In einem Jahresgutachten schrieb der Sachverständigenrat zuletzt: „Eine Rückkehr zur Meisterpflicht, wie derzeit diskutiert, geht in die falsche Richtung.“

Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Michael Neubert sieht das ähnlich. In einem Aufsatz, der Anfang des Jahres in verschiedenen Politikblogs im Internet verbreitet wurde, schreibt er: „Insgesamt zeigt sich, dass die Hauptargumente für die Wiedereinführung des Meisterzwangs eher schwach sind. Es wäre vielmehr zu wünschen, dass weitere Berufe von diesem befreit werden. So kann für die Zukunft sichergestellt werden, dass es weiterhin genug Handwerker gibt und diese auch für ‚jedermann‘ bezahlbar bleiben.“ Der Ökonom plädiert ebenfalls für die Freiheit eines jeden Handwerkers, den Meisterbrief freiwillig zu erwerben und so die besondere Qualität seiner Leistungen zu betonen. „Er muss sich dann eben auch dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb stellen, um für seine zusätzliche Qualifikation den entsprechenden Preis zu erzielen.“

Mehr Verständnis für Selbstständige gefordert

Unter den Kritikern sind auch einzelne Vertreter des Handwerks. So wünscht sich zum Beispiel Jonas Kuckuk vom Berufsverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker (BUH) vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aber auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Zurückhaltung in der Diskussion. „Der Meisterzwang liegt keineswegs im gesellschaftlichen Gesamtinteresse. Solo-Selbständigkeit ist nicht per se etwas Schlechtes, sie ist die Urzelle der Selbständigkeit“, sagt Kuckuk gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung. Der Reetdachdecker aus Bremen ist der Meinung, Solo-Selbstständige würden schlecht geredet und kritisiert den Vorwurf, dass kleine Unternehmen ohne Meisterbrief schlechte Arbeit leisten würden. Das Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung schließt er allerdings versöhnlich ab: „Sie werden von mir kein schlechtes Wort über den Meisterbrief hören.“

Gibt es bald eine Ablösesumme für Azubis?

Hans Peter Wollseifer schlägt eine Entschädigungszahlung für Unternehmen vor, wenn ihre Azubis nach der Ausbildung den Betrieb wechseln. Die Reaktionen sind gemischt.

Bis zu drei Jahre und viel Geld steckt ein Betrieb in die Ausbildung seiner Azubis. Wechseln diese danach in attraktivere Unternehmen, ist das sehr ärgerlich. Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Hans Peter Wollseifer, schlägt deshalb eine Ablösesumme vor, die die ausbildenden Unternehmen bekommen sollen, wenn ihr frisch eingearbeiteter und geschulter Ausgebildete von anderen abgeworben wird. Zustimmung bekommt er dafür aus der Handwerkskammer Hannover: „Es schmerzt insbesondere kleinere Handwerksbetriebe, wenn der oder die Auszubildende den Betrieb verlässt, sobald die Ausbildung geschafft ist“, sagte der Präsident Karl-Wilhelm Steinmann der Hannoverschen Allgemeinen. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, Matthias Steffen, fügt hinzu: „Wichtig ist vor allem, insbesondere die duale Ausbildung zu stärken. Jungen Menschen, die einen Beruf erlernen, muss die gleiche Wertschätzung entgegengebracht werden, wie denjenigen, die sich für eine akademische Ausbildung entscheiden.“

Rechtliche Bedenken und schwierige Umsetzbarkeit

Der Vorschlag des Handwerkspräsidenten traf aber auch auf viel Kritik. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann erläuterte in einem Interview mit dem Westfälischen Anzeiger: „Ich kann den Gedanken nachvollziehen, auch weil ich weiß, dass gezielt abgeworben wird. Aber ich glaube, dass er in der Praxis nicht umsetzbar sein wird. Der Azubi müsste verpflichtet werden, nach der Ausbildung im Betrieb zu bleiben. Auf der anderen Seite sagt das Handwerk, dass es mit dem Ausbildungsvertrag keine Übernahmegarantie geben will. Für eine Ablösesumme fehlt mir die Idee für eine gerechte und praktische Umsetzung.“

Laut dem Westfälischen Anzeiger freue sich der Minister allerdings über die angestoßene Diskussion über den Wert einer Ausbildung. Dahinter stecke das Problem des Fachkräftemangels. Laut Bayrischem Rundfunk (BR) sieht der Hauptgeschäftsführer des Bayrischen Handwerkstages, Frank Hüpers, außerdem auch rechtliche Probleme bei der Ablöse für Azubis: „Die Forderung nach einer Ablösesumme für Ausgebildete ist sicherlich eine interessante Idee, aber ich hätte da schon rechtliche Bedenken, weil sie mit der Freiheit der Berufswahl so nicht vereinbar ist“, sagte er dem BR. Laut Hüpers wäre es erfreulich, wenn alle Azubis des Handwerks auch in dieser Branche bleiben würden, da man so dem Fachkräftemangel entgegenwirken könne.

Selbst dafür sorgen, dass Azubis im Betrieb bleiben

„Ich finde, die Äußerung Wollseifers geht völlig am Thema vorbei. Nicht nur, weil es Gesetze bei uns gibt, die eine freie Berufswahl ermöglichen“, so Bauunternehmer Werner Luther im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. „Anstatt auf den Schutz durch den Staat zu vertrauen, sollten wir Unternehmen aus dem Handwerk selbst dafür sorgen, dass die Leute gerne bei uns arbeiten. Wir müssen attraktiv für unsere Arbeitnehmer bleiben.“ Arbeitsmarktexperte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagte in einem Online-Bericht der Welt: „Unter den Unternehmen, die ausbilden, sind viele, die beim Kampf um Fachkräfte mit Weltkonzernen nicht mithalten können; und sei es nur, weil sie nicht so hohe Löhne zahlen können. Wenn die nach den Investitionen in die Ausbildung ihre Leute verlieren, ist das schwierig.“ Die vorgeschlagene Ablösesumme sieht der Arbeitsmarktexperte allerdings trotzdem skeptisch: „Auf dem Arbeitsmarkt soll jeder Arbeitnehmer möglichst frei die für ihn bestmögliche Position finden, die gut zu seinen Fähigkeiten und Interessen passt. Das ist die Kernfunktion des Arbeitsmarktes. Ablösesummen würden diese Funktion aber erheblich beschränken“, so Weber.

Wollseifer selbst begegnete der Diskussion gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung relativ gelassen. Die Idee sei lediglich ein erster Denkanstoß gewesen und „keineswegs mit konkreten Konzepten“ untermauert. „Das hohe Ausbildungsengagement des Handwerks und seiner Betriebe wird nach meinem Eindruck von vielen für selbstverständlich genommen“, so Wollseifer.

Handwerk und Bau fürchten um Qualitätsstandards

Die EU-Kommission strebt eine Vereinheitlichung aller europäischen Normen an, damit diese europaweit gelten. Bauverbände machen sich Sorgen um die zukünftige Bau-Qualität.

Die Maße eines DIN-A4 Blattes sind wohl die bekannteste Norm, die man als Europäer kennt. Durch diese Norm wird zum Beispiel gewährleistet, dass das Blatt Papier in jeden Drucker, Aktenordner oder auch Kopierer passt. Diese und viele weitere Normen werden durch das Deutsche Institut für Normung (DIN) aufgestellt. Das Institut schätzt den gesamtwirtschaftlichen Nutzen von Normen auf 17 Milliarden Euro pro Jahr. Neue Produkte auf dem Markt können sich schneller etablieren, wenn sich die Kunden auf das Einhalten von Normen verlassen können. Wenn die Stecker von Elektroautos beispielsweise nicht an jede Ladesäule passen, wirkt sich das negativ auf den Absatz von E-Autos auf.

Die EU will einheitliche Normen

Um sich widersprechende, nationale Normen aufzuheben, möchte die EU-Kommission nun eine Vereinheitlichung aller Normen in Europa durchsetzen. „In den vergangenen drei Jahrzehnten ist der Bestand schon von 150.000 auf 20.000 gesunken“, sagt Benjamin Kroupa, Referatsleiter Normung in der Abteilung Europapolitik des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks gegenüber der deutschen Handwerkszeitung. Diese geplante Harmonisierung finden allerdings längst nicht alle positiv. Vor allem Bauhandwerker beklagen, dass dadurch die hohen deutschen Qualitätsstandards verloren gingen.

Ein Urteil des Gerichts der Europäischen Union (EuG) bestärkte diese Befürchtungen: Anfang April wies es eine Klage der Bundesrepublik zurück, die die zwei Normen für Holz- und Sportböden durch zusätzliche nationale Vorschriften verschärfen wollte. Diese Verschärfungen betrafen Emissionen eines gesundheitsschädlichen Baustoffs. Insgesamt sechs Bauverbände, darunter der Zentralverband des deutschen Baugewerbes, finden es jetzt besonders wichtig, bei der bevorstehenden Reform der Bauprodukteverordnung sicherzustellen, dass nationale Regeln im Falle von Lücken in der europäischen Normung möglich werden.

Auch Handwerk hat Bedenken

Auch der Vertreter des Baugewerbeverbandes Westfalen, Oliver Hartmann, macht sich Sorgen um die Folgen der europaweiten Harmonisierung. Er befürchtet, dass durch den zunehmenden Einfluss der Industrie im Normungsprozess immer weniger Stimmen des Handwerks bei der Entwicklung neuer Produkte und Arbeitsweisen erhört werden. „Noch werden wir Handwerker gehört, aber es wird immer schwieriger, Leute für ein Ehrenamt in den Normungsgremien zu gewinnen“, sagt Hartmann. Vor allem im Falle von Putzmörtel beobachtet er zunehmend, dass immer mehr Werkputzmörtel auf den Markt kommen. Bei der Verarbeitung solcher Industrieprodukte sind umfangreiche Beschreibungen zu beachten. Hartmann befürchtet, dass durch immer knappere und konkretere Beschreibungen die Gefahr von Mängeln an den Produkten steigen könnte. Der Vertreter des westfälischen Verbandes hofft deshalb, dass sich ausreichend Praktiker finden, die sich trotz des hohen persönlichen Aufwandes in den Normungsprozess einbinden.

Rückenschmerzen vom Heben und Tragen

Auf dem Bau wird viel Gewicht gehoben und hin- und hergetragen. Das sorgt deutschlandweit für Rückenprobleme. Aber wie viel Gewicht dürfen Arbeitnehmer eigentlich tragen?

Nicht nur auf dem Bau, auch im Büro und an der Supermarktkasse klagen die Angestellten oft über Rückenschmerzen. Dabei sind Arbeitnehmer, die viel heben und tragen müssen, besonders anfällig für solche Schmerzen. 70 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung mindestens einmal jährlich an Rückenschmerzen. Laut der Deutschen Unfallversicherung klagen 40 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen über Schmerzen im unteren Rücken, die Beschwerden über Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich belaufen sich auf 45 Prozent bei den Männern und auf fast 58 Prozent bei den Frauen.

Arbeiter auf dem Bau sind besonders davon betroffen. „Anders als in Produktionsbetrieben, in denen sich Arbeitsabläufe oft wiederholen, ist es bei Arbeiten auf Baustellen manchmal schwierig, technische Hilfsmittel zur Entlastung einzusetzen“, sagt Dr. Falk Liebers gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Er ist Facharzt für Arbeitsmedizin und arbeitet bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Wie viel dürfen Männer und Frauen tragen?

Da es keine gesetzlichen Richtwerte zur maximalen Traglast gibt, kann der Facharzt lediglich aufgrund von Risikofaktoren schätzen, ab wann es gefährlich wird. „Wir gehen davon aus, dass ab einem Gewicht von 25 Kilogramm bei Frauen und 40 Kilogramm bei Männern bereits beim einmaligen Heben eine Gefährdung der Gesundheit vorliegen kann“, antwortet Dr. Liebers der Deutschen Handwerkszeitung auf diese Frage. Dabei betont er allerdings, dass er damit noch nicht auf individuelle Faktoren wie die Häufigkeit des Hebens oder auch die Körperhaltung und Greifmöglichkeiten eingeht, die eine wichtige Rolle spielen. Die einzigen Grenzwerte, die in einer gesetzlichen Form festgelegt sind, gelten für werdende Mütter und Jugendliche. So dürfen Schwangere keine regelmäßigen Lasten über 5 Kilogramm und keine gelegentlichen Lasten von über 10 Kilogramm tragen. Für Jugendliche gilt eine Grenze von 8 Kilogramm für Frauen und 14 Kilogramm für Männer. Diese Lasten dürfen allerdings nur über eine kurze Strecke getragen werden.

Rückenkurse mit Mitwirkungspflicht

Gerade in körperlich schweren Berufen sollten Arbeitgeber präventive Maßnahmen gegen Rückenprobleme fördern und den Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Mittlerweile gibt es beispielsweise viele Rückenkurse, die von Betriebsärzten oder Berufsgenossenschaften durchgeführt werden. Bei Maßnahmen, die der Arbeitgeber beschlossen hat, haben die Arbeitnehmer zwar keine Teilnehmerpflicht, aber eine gewisse Mitwirkungspflicht. Hilfsmittel, die zur Verfügung stehen, sollten genutzt werden. Oft werden Fehler in der Körperhaltung oder in Arbeitsgewohnheiten aufgedeckt, die dann behoben werden können.

Neues Einwanderungsgesetz gegen Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel in Deutschland wird ein immer ernsteres Problem. Ein neues Gesetz soll noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden und für eine Lockerung sorgen.

Obwohl die Zahl der Auszubildenden jährlich steigt, bleibt immer noch das große Problem des Fachkräftemangels. Viele Betriebe suchen ausgebildete und gute Arbeiter. In einer Zeit, in der viele Schulabgänger lieber studieren gehen als eine Ausbildung im Handwerk zu starten, müssen viele Handwerksbetriebe immer mehr Aufträge schlichtweg ablehnen, weil gerade einfach keine Fachkraft verfügbar ist. Auch der Generalsekretär des Verbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, ist der Meinung: „Mit Akademikern allein werden wir die Zukunft unseres Landes nicht bauen können.“

Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Ende März 2019 kann das Handwerk etwa 36.500 Ausbildungsverhältnisse verzeichnen. Das ist im Vergleich zum März 2018 ein Plus von 5,2 Prozent. „Inzwischen ist zum vierten Mal in Folge die Zahl neuer Ausbildungsverträge gestiegen – trotz sinkender Schulabgängerzahlen und des Trends zum Abitur“, freut sich Schwannecke. Insgesamt sei 2018 die Zahl aller Lehrlinge im Handwerk von 365.182 auf 368.033 gestiegen. Dabei blieben allerdings knapp 17.400 Lehrstellen unbesetzt. Das wiederum sind 2.100 mehr als im Vorjahr. Laut Bundesagentur für Arbeit sind rund 150.000 offene Stellen gemeldet. Der Handwerksverband spricht allerdings von 250.000 gemeldeten unbesetzten Stellen.

Handwerk fordert mehr Anstrengungen

Schwannecke fordert jetzt, dass nicht nur mehr Frauen und Ältere erwerbstätig werden und mehr Mädchen in MINT-Berufen arbeiten sollen, sondern auch, dass mehr Fachkräfte aus Drittländern gebraucht werden. Dazu gehören für den ZDH-Generalsekretär auch Flüchtlinge. Dadurch lasse sich die Fachkräftelücke allerdings nicht schließen, darüber hinaus sei eine gesteuerte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland nötig. Auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer ist der Meinung: „Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte ist unerlässlich, um dauerhaft Wachstum, Wohlstand und stabile Sozialsysteme in unserem Land zu sichern.“