Gibt es bald Straßen aus Plastik?

Um das Plastikproblem zu lösen, arbeiten mehrere Unternehmen an einem Verfahren, das Recyclingplastik im Straßenbau einzusetzen. Ist das die Lösung für das Müllproblem?

„Plastic Road“ nennt sich das Projekt der niederländischen Straßenbaufirma KWS. Mit mehreren Partnern hat sie ein Stück Fahrradweg von 30 Metern Länge in der niederländischen Provinzhauptstadt Zwolle gebaut. Der Streckenabschnitt enthalte so viel recyceltes Plastik wie 218.000 Plastikbecher oder 500.000 Plastikschraubdeckel, heißt es auf der Website von KWS. Mit dieser Idee wollen viele Unternehmen dazu beitragen, das weltweite Plastikmüllproblem zu lösen. Neben dem hohen Recyclinganteil punkten auch weitere Kennzahlen: So versprechen die Initiatoren eine dreimal so hohe Lebensdauer wie die herkömmlicher Straßen. Man brauche weniger schwere Maschinen, um die Straßen zu bauen, weshalb auch die ökologischen Folgen kleiner seien. Der Bau folge außerdem dem Prinzip einer Kreislaufwirtschaft, denn die Straße lasse sich wieder recyceln und aus dem Material wiederum eine neue Straße bauen. Auch das britische Verkehrsministerium hat bereits Anfang des Jahres 1,6 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt, um den Einsatz von Recyclingplastik bei der Reparatur von Straßen zu testen. In Teilen Indiens ist es schon seit Ende 2015 Pflicht, Recyclingplastik im Straßenbau zu nutzen.

Landet das Material als Mikroplastik in der Umwelt?

Viele Fachleute befürchten, dass durch diese Methode das Material in die Umwelt verteilt wird. „Durch Abrieb und Alterungsprozesse können kleinere Kunststoffteile direkt in die Umwelt gelangen“, sagt Franziska Krüger vom Umweltbundesamt. Dieses Mikroplastik könne das Ökosystem langfristig belasten. Einer der Gründer der britischen Firma MacRebur, Toby McCartney, kann dagegen allerdings plausible Argumente liefern: So werde nicht die ganze Straße aus Plastik gebaut, sondern Plastik ersetzt einen kleinen Teil des zähen Bindemittels Bitumen, das im Asphalt steckt. „Unser Plastik wird auf 180 Grad erhitzt“, sagte McCartney dem Sender CNN, „es vermischt sich dann vollständig mit dem restlichen Bitumen in der Straße, sodass es kein Mikroplastik in unseren Straßen gibt.“ Einen Test, wie lange solche Straßen letztendlich halten, gibt es noch nicht. Das britische Unternehmen MacRebur etwa wurde erst im April 2016 gegründet. Der Inder Vasudevan ließ die erste Straße mit recyceltem Plastik 2002 bauen. Bis heute sei sie ohne Schäden, doch auch 17 Jahre sind für eine Straße noch keine allzu lange Zeit. „In der Regel sollte eine Straße mindestens 30 Jahre halten“, sagt Tommy Mielke vom Institut für Materialwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen gegenüber der Zeit.

Ein optimiertes BIM-Tool im Holzbau

BIM bietet für die Baubranche vielerlei Potenziale und erleichtert und digitalisiert zunehmend wichtige Aufgaben. Jetzt soll das Tool für den Holzbau optimiert werden.

Das Potenzial, den industrialisierten Holzbau technisch und wirtschaftlich zu revolutionieren und dem Bauen mit Holz zu breiterem wirtschaftlichen Erfolg zu verhelfen, bietet BIM schon lange. Allerdings ist die BIM-Methode für die Anforderungen des modernen Holzbaus noch nicht wirklich optimiert worden. Dieser Aufgabe stellen sich nun die Lehrstühle „Entwerfen und Holzbau“ und „Architekturinformatik“ der Technischen Universität München (TUM). Sie möchten mit ihrem Forschungsprojekt BIMwood nun dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ unterstützt das Projekt finanziell und zusammen mit dem Praxispartner Prause Holzbauplanung, den BIM Experten AEC3, lattkearchitekten und dem Holzbauunternehmen Gumpp & Maier startet das Projekt im August 2019 für zunächst drei Jahre. Mit dem Projekt möchte man herausfinden, wieso das BIM-Tool momentan noch nicht bereit für den Holzbau ist und wo die Herausforderungen liegen. Daraus sollen dann konkrete Vorschläge für eine holzbaugerechte BIM-Anwendung entwickelt werden. In einem Handbuch möchte man diese Ergebnisse danach veröffentlichen. Denn allen Partnern ist klar: Bevor man BIM für den Holzbau fit gemacht hat, bleibt diese Art des Bauens insbesondere beim urbanen und großvolumigen Bauen außen vor und nicht konkurrenzfähig.

Holzbau ist wichtiges Ziel für die Zukunft

In der Charta für Holz 2.0 sieht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bereits eine Steigerung der Holzbauquoten im Wohnungs-, öffentlichen und Industriebau vor. Das BMEL strebt damit eine stärkere und ressourceneffizientere Holzverwendung aus nachhaltiger Forstwirtschaft an, die für mehr Klimaschutz und Wertschöpfung sorgt. Das Projektteam rund um die TU München will nun zügig in die Untersuchungen einsteigen, um der Branche parallel zu den schnell voranschreitenden Entwicklungen in der digitalen Planung neuste Erkenntnisse aus BIMwood zu bieten. Das vom BMEL durchgeführte und vom gleichen Förderprogramm geförderte vorangegangene Projekt „HOLZundBIM“ liefert bereits einige Ergebnisse aus der Branche. Das 9-monatige Vorprojekt liefert die Grundlage für den Beginn der neuen Forschungsarbeit und gibt Aufschluss über die Art und den Umfang der Anwendung von BIM in der gesamten Prozesskette beim Planen und Bauen mit Holz in Deutschland. Die Zwischenresultate aus BIMwood sollen begleitend mit Experten und Forschungskollegen im deutschsprachigen Raum diskutiert und mit dem Stand in anderen Ländern verglichen werden, in denen BIM teilweise schon stärker etabliert ist.

Digitalisierung im Straßenbau: BIM in der Bauindustrie

Building Information Modelling wird in der Bausparte immer wichtiger und ist ein hilfreiches Tool auf dem Bau. Ein „Allheilmittel“ ist es laut Bauindustrie allerdings nicht.

Der Bau von Verkehrswegen wird fast ausschließlich von öffentlichen Bauherren in Auftrag gegeben. Die Hälfte aller öffentlichen Bauaufträge entfiel auf den Bau von Straßen, die Tendenz ist steigend. Das entspricht etwa 13,7 Milliarden Euro, die in öffentlichen Bauaufträgen in den Bau von Straßen fließen. Seit Jahrzehnten staut sich hier ein Investitionsbedarf. In einem aktuellen Positionspapier bezieht die Bauindustrie Stellung zum Building Information Modelling (BIM) im Straßenbau. Hohe Kosten für Energie und Rohstoffe und dazu noch die knappe Personalsituation – das birgt viele Herausforderungen, die vor allem durch die fortschreitende Digitalisierung und ihre Errungenschaften gemeistert werden können. „Wir leisten hier einen konstruktiven Beitrag zur Digitalisierung einer der wichtigsten Bausparten Deutschlands“, betont der Vorsitzende des Lenkungsausschusses Digitalisierung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Klaus Pacher. „Wir freuen uns auf den weiteren Dialog mit unseren Partnern im Straßenbau.“

Digitalisierung löst nicht alle Probleme

„Wir dürfen allerdings nicht dem Irrglauben verfallen, dass BIM oder Digitalisierung ein Allheilmittel sind, mit denen die vorgenannten Herausforderungen nun problemlos gelöst werden können!“, betont Dr. Walter Fleischer, Vorsitzender der HDB-Bundesfachabteilung Straßenbau. Es sei sicherlich ein sehr gutes Werkzeug, das Verbesserungen und Vorteile bringe. „Jedoch sind unverändert auch künftig Fachleute mit Ingenieurverstand sowie kaufmännischer und juristischer Erfahrung unverzichtbar“, so Dr. Fleischer weiter. Das Positionspapier zeigt auf, „wie digitale Daten im Straßenbau schon jetzt zum Vorteil aller Seiten eingesetzt werden können und welche Voraussetzungen hierfür erfüllt sein müssen“. Die Bauindustrie fordert alle am Straßenbau Beteiligten, also Bauausführende, Planer, Bauherren und Behörden, dazu auf, selbst Hand anzulegen und die Digitalisierung in der Bauindustrie fortschreiten zu lassen. Das Positionspapier „BIM im Straßenbau“ wurde durch ein Redaktionsteam von BIM-Experten der Straßenbauindustrie im Arbeitskreis Digitalisiertes Bauen (AKDB) des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie erstellt. Alle BIM-Broschüren stehen auf www.bauindustrie.de/publikationen kostenlos zum Download zur Verfügung.

Absturzsicherung wird oft nicht ernst genommen

Durch Absturzsicherheitssysteme können schwerwiegende Unfälle auf dem Bau vermieden werden. Aus Kostengründen missachten Betriebe aber häufig wichtige Vorgaben.

In der Statistik über Todesfälle auf Baustellen findet sich Deutschland auf einem der hinteren Plätze wieder. Dafür hat das Land aber die insgesamt fünfthöchste Verletzungsrate – trotz sehr guter Arbeitsschutzgesetze. Die Anwendung und Durchführung dieser Maßnahmen lässt allerdings noch zu wünschen übrig.

Wichtige Parameter bei der Arbeitssicherheit sind die Einhaltung vorgegebener Spezifikationen, die richtige Risikobewertung, die Qualität der Schutzausrüstung und die richtige Schulung zur Entwicklung der Nutzerkompetenz. Von den Unternehmen selbst wird die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften erwartet. Laut der HSA-Krankheits- und Todesfallstatistik für die Jahre 2016 und 2017 hat Deutschland mit 0,97 Todesfällen pro 100.000 Arbeitnehmer eine der niedrigsten Todesfallraten in der EU, allerdings erlitten 2.091 von 100.000 Arbeitnehmern mehr als vier Verletzungen in diesem Zeitraum. Das setzt Deutschland auf den fünften Platz in dieser Statistik. Und auch eine Umfrage bestätigt, dass Arbeitnehmer ihren Arbeitsschutz als nicht ernst genug genommen ansehen: Rund 18 Prozent gaben an, dass ihre Arbeit ihre Gesundheit und Sicherheit gefährden würde. Nur zwei Drittel berichten außerdem von regelmäßigen Sicherheits- und Gesundheitskontrollen.

Fehlende Maßstäbe und Kosteneinsparungen

Selbst, wenn sich Unternehmen von einem Planer bezüglich persönlicher Schutzausrüstung (PSA) beraten lassen, lassen sie oftmals vom Planer empfohlene Herstellerprodukte aus oder ändern diese, um Kosten zu sparen. Das erhöht das Gefahrenrisiko für die Arbeitnehmer. Hersteller werden nicht selten dazu aufgefordert, die Eignung von Befestigungen und Systemen zu klären. Diese Zusammenarbeit ist das A und O, wenn es um die Sicherung des Arbeitsplatzes geht, denn jede Fehlinformation kann schwerwiegende Folgen haben. Wenn diese Absturzsicherung fachkundig konzipiert, hochwertig und streng geprüft wird, bleiben die Sicherheitseinrichtungen für vier Jahre funktionstüchtig. Hat man ein Teil allerdings gegen ein anderes, günstigeres ausgetauscht, birgt das das Risiko von Verschleiß, Produktionsfehlern oder dem schlichten Versagen. Aber auch eine professionelle Montage ist unverzichtbar für die garantierte Sicherheit. Die Sicherheitsausrüstung kann nur dann Unfälle vermeiden, wenn sie auch richtig eingesetzt wird. Eine gründliche vorangegangene Schulung ist also genau so wichtig, wie die Ausrüstung selbst. Außerdem sollte immer ein Rettungsplan für den Fall der Fälle entwickelt werden.

Recycling auf der Baustelle: es wird!

Gerade auf Baustellen fällt viel Müll an. Mit dem Ergebnis eines aktuellen Projektes zeigt sich aber: bald könnte der erste Kunststoff-Abfall vom Bau recycelt werden.

Bauschaum findet gerade in der Herstellung von Fertighäusern seine Verwendung. Dabei ist die Verwendung nicht gerade umweltfreundlich: Denn der Stoff wird in Dosen gelagert und wenn sie leer sind, sind sie nicht mehr zu gebrauchen – bisher jedenfalls. Im kürzlich abgeschlossenen Pilotprojekt vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) und der Spezialist für stoffliches Recycling PDR wurde deutlich, dass sich Bauschaumdosen durchaus effektiv recyclen lassen. Vom Gesetzgeber werden die Dosen als gefährlicher Abfall eingestuft, die Bilanz des 5-monatigen Versuchs in der Praxis hingegen zeigen neben dem möglichen Recycling sogar auf, dass das Recyclen von PU-Schaumdosen auch noch großflächig organisierbar ist, sodass eine überregionale Baustellenentsorgung möglich wird. Der wichtigste Punkt im Prozess ist dabei die Planung der Entsorgung im Vorfeld. Von insgesamt 5 Fertighausherstellern hat die BDF-Projektgruppe die Rückgabe der PU-Schaumdosen getestet. Verschiedenste Sammelmethode wurden dabei ausprobiert und bewertet. Zur richtigen Planung der Entsorgung gehört vor allem, dass man die Dosen nicht im Baumischcontainer loswerden kann, sondern die Entsorgung bis hin zum Recycling planen muss. Zwar gestaltete sich die Rücknahme der leeren PU-Schaumdosen anfangs etwas schwierig, durch gute Organisation ließ sich später die Anzahl allerdings um das Anderthalbfache zum gesamten Vorjahr steigern.

Der Weg von der Baustelle zur Wiederverwertung

Damit die Kartonabholung von Bauschaum-Dosen reibungslos und kostenlos erfolgen kann, müssen diese zur fachgerechten Entsorgung von der Baustelle zurück zum Werk transportiert werden. Der PDR kann die Dosen dann kostenlos abholen und sie nach Oberfranken transportieren, wo sich die zuständige Recyclinganlage befindet. Dabei kommen auf die Fertighaushersteller keine zusätzlichen Kosten zu. Noch einfacher ist die Rückgabe im Falle der Nutzung eines Baustellenlieferservices: Diese nehmen die leeren Dosen auch kostenlos direkt von der Baustelle wieder mit. 2.900 Rückgabestellen der PDR ermöglichen außerdem eine leichte Rückgabe des Abfalls. Auf der Website der PDR lässt sich die nächste dieser Rückgabestellen finden. Mit der alternativen Entsorgung, die das Projekt möglich gemacht hat, können in Zukunft wichtige und wertvolle Ressourcen geschont werden. Kurze Wege sind dabei das A und O, am besten sollten die leeren Dosen auf direktem Wege von der Baustelle zum Recycling ins Werk transportiert werden. Das spart nicht nur unnötige Lagerkosten, sondern auch weitere Ressourcen.

Gemischte Reaktionen auf Empfehlungen der Baulandkommission

Die Baulandkommission hat nach neun Monaten Arbeit einen Entwurf mit vielen Empfehlungen zur nachhaltigen Baulandmobilisierung und Bodenpolitik vorgelegt.

Die Reaktionen auf das 13-seitige Dokument fallen sehr gemischt aus. Anfang Juli veröffentlichte die Expertenkommission „Nachhaltige Baulandmobilisierung und Bodenpolitik“ (Baulandkommission) ihre Handlungsempfehlungen für den nachhaltigen Bau und die Bodenpolitik. Kernpunkte der empfohlenen Maßnahmen sind vor allem:

– die Umsetzungsunterstützung durch die Länder, um öffentliche Grundstücke von Ländern und Kommunen vergünstigt zur Verfügung stellen zu können,
– die Anpassung der Haushaltsordnungen auf allen öffentlichen Ebenen,
– die Einführung einer Experimentierklausel zum Lärmschutz und Anpassung des Geruchsemissionenschutzes,
– die Erleichterung der Genehmigung begünstigter Vorhaben im Außenbereich bei Umnutzung von landwirtschaftlichen Gebäuden in Wohnungen
– und verstärktes finanzielles Engagement des Bundes und der Länder bei zum Beispiel der Reaktivierung von Branchen und Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer.

Marco Wanderwitz (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, möchte die empfohlenen Maßnahmen schnell umsetzen und die Umsetzung an folgenden Punkten anpacken: „Die Umsetzung der Handlungsempfehlungen bedarf des weiteren Engagements der Akteure der Planungs-, Bau- und Bodenpolitik. Wir müssen umgehend die notwendigen Personalkapazitäten in Planungsämtern und weiteren relevanten Einrichtungen auf allen föderalen Ebenen schaffen. Für die anstehenden Aufgaben brauchen wir dauerhaft fachlich gut ausgebildeten Nachwuchs. Die Baulandkommission hat sich für eine Ausbildungs- und Einstellungsoffensive für technische Berufe ausgesprochen. Das ist ein deutliches Signal. Mir ist wichtig, dem fachlichen Nachwuchs verlässliche Perspektiven zu geben und gemeinsam mit den künftigen Nutzern unserer Städte die Zukunft zu gestalten.“

Skepsis vieler Verbände

Anders als Wanderwitz sehen viele Verbände die vorgelegten Vorschläge skeptisch. Der Präsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, sieht neben den guten Ansätzen einen falsch gelegten Fokus: „So zielen die Lösungsempfehlungen vor allem darauf, den Kommunen weitere Möglichkeiten zur Regulierung des Grundstücksmarktes zu verschaffen. Aber nur mit Instrumenten der Marktwirtschaft lässt sich die Wohnungsknappheit beheben. Diese Berücksichtigung fand leider nicht statt.“ Laut IVD müsse das Angebot an bebaubaren Grundstücken deutlich und spürbar ausgeweitet werden, um die Engpässe beim Wohnungsbau zu beseitigen. Auch der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) warnt vor den geplanten Maßnahmen: „Solange Bauland Mangelware bleibt, weil die Kommunen zu wenig und zu langsam Bauland ausweisen, wird es keine gerechte Bodenpolitik und keine Lösung des Wohnraummangels geben. Akuter Wohnraummangel muss daher zu einer Planungspflicht der Kommunen führen. Wer stattdessen zusätzliche dirigistische Eingriffe der Kommunen empfiehlt, verwechselt Ursache und Wirkung und setzt damit falsche Schwerpunkte“.

Handwerk begrüßt Empfehlungen

Anders als die genannten Verbände, reagieren die Zentralverbände des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Deutschen Baugewerbes (ZDB) größtenteils positiv auf die Empfehlungen: „Das heute beschlossene Empfehlungspaket von Bund und Ländern ist als wichtiger Beitrag zu begrüßen, um die Bereitstellung von Wohnbauland zu beschleunigen. Zusammen mit der in der letzten Woche verabschiedeten Sonderabschreibungsmöglichkeit für Mietwohnungsbau ist durch die Empfehlungen der Baulandkommission ein weiterer wichtiger Schritt zur Entspannung des Wohnungsbaumarktes erfolgt. Bund, Länder und Kommunen sind nun aufgefordert, schnellstens alle notwendigen gesetzgeberischen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen“, meint Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH.

Honorarordnung für Architekten und Ingenieure gekippt

Die deutschen Mindest- und Höchstsätze für Architekten und Ingenieure sind unzulässig und tun nichts für den Verbraucherschutz – erklärte der Europäische Gerichtshof.

Nachdem die EU-Kommission bereits Ende 2016 Deutschland verklagte, kippt der Europäische Gerichtshof nun die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Bei der HOAI handelt es sich um festgelegte Mindest- und Höchstpreise für die Planungsarbeit von Architekten und Ingenieuren. Der Mindestsatz darf nur in besonderen rechtlichen Fällen unterschritten werden. Das gleiche gilt für die Überschreitung des Höchstsatzes. Sinn und Zweck dieser Regelung ist es, sowohl dem Architekten beziehungsweise Ingenieur ein angemessenes Honorar zu sichern, als auch die Sicherung der Qualität der erbrachten Leistungen für den Bauherrn.

In der Anklage gegen Deutschland Ende 2016 forderte Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienowksa, dass das Anbieten von Dienstleistungen erleichtert werden soll, sodass Verbraucher mehr Auswahl und niedrigere Preise bekommen. Mit der Honorarordnung würde die Bundesrepublik Unternehmen aber daran hindern, über den Preis miteinander zu konkurrieren, hatte der EU-Gutachter Maciej Szpunar bereits im Februar festgestellt. Für Szpunar sei nicht klar, warum ein Mindestpreis nötig sei, um Verbraucherschutz und hohe Qualität zu sichern. Und obwohl es nach einer entsprechenden EU-Richtlinie möglich ist, Mindest- und Höchstpreise unter bestimmten Bedingungen vorzuschreiben, erklärten die Richter trotzdem, dass die Deutsche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure nicht den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit erfülle. Die Begründung: Die Mindestsätze gelten nur für Architekten und Ingenieure. Da aber auch andere Dienstleister entsprechende Leistungen erbringen können und dafür keine fachliche Eignung nachweisen müssen, seien die Mindestsätze ungeeignet, hohe Qualitätsstandards und den Verbraucherschutz zu sichern.

Aufschrei in der Bundesarchitektenkammer

„Die HOAI in ihrer bisherigen Form verhindern einen ruinösen Preiswettbewerb, um Auftraggebern die bestmöglichen Leistungen zu sichern, deren Qualität kaum im Voraus bewertet werden kann und gleichzeitig besonders großen Einfluss auf das Leben der Menschen hat“, warnt die Bundesarchitektenkammer vor der aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs. „Sowohl für unseren Berufsstand als auch für die Auftraggeber bedeutet diese Entscheidung einen bedeutsamen Einschnitt, da die wissenschaftlich ermittelten Honorarsätze zukünftig nicht mehr verpflichtend gelten, und wir neben Leistung und Qualität verstärkt auch über den Preis verhandeln müssen,“ sagte die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, direkt nach der Entscheidung des EuGh. „Wichtig ist uns, auch weiterhin auf Basis angemessener Honorare arbeiten zu können, um Auftraggebern den ganzheitlichen Leistungsumfang zukommen lassen zu können, der zur optimalen Lösung baulicher Aufgaben notwendig ist, und zwar sowohl im Interesse der Auftraggeber als auch im Interesse der Allgemeinheit, denn Bauen ist nie nur privat. Wie sorgfältig wir unsere Gebäude planen und wie nachhaltig wir sie bauen und betreiben, trägt maßgeblich zur Qualität der gebauten Umwelt und auch zum Klimaschutz bei.“ Man werde in der nächsten Zeit intensive Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium führen, um die Honorarsätze zumindest in einem kleineren Rahmen erhalten zu können.

Kalksandstein als Träger für Wohnbau

Das Baumaterial Kalksandstein wird im mehrgeschossigen Wohnbau nach wie vor am häufigsten verwendet. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Demnach kam der Baustoff insgesamt bei 34 Prozent der Wohngebäude mit mehr als drei Wohneinheiten zum Einsatz, 2017 lag der Anteil bei rund 33 Prozent. Rein auf den räumlichen Anteil der Steine bezogen, wuchs der Anteil auf über 38 Prozent, 2017 lag der Anteil bei 37 Prozent. „Diese Zahlen zeigen einmal mehr, dass Kalksandstein aus dem Wohnungsbau nicht wegzudenken ist“, freut sich Roland Meißner, Geschäftsführer Bundesverband Kalksandsteinindustrie. „Die Massivität des Kalksandsteins bringt hier unter anderem Vorteile im Schallschutz und der Tragfähigkeit. Die Wände können dadurch schlanker gehalten werden. Im Wohnungsbau ein klarer Vorteil.“

Nicht nur diesen Vorteil bietet der vielseitige Baustoff: Auch preislich siegt er gegenüber anderen Baustoffen. Laut Rechnung der Kalksandsteinindustrie kosteten mit Kalksandstein gebaute Wohnungen 2018 durchschnittlich 290 Euro pro Kubikmeter umbauten Raum. Damit bietet er gegenüber in Stahlbeton ausgeführten Wohnungsbauten einen Preisvorteil von 8,5 und gegenüber Holzbauten sogar einen Vorteil von 11,4 Prozent. Mauerwerksbauten aus Kalksandstein leisten somit einen sehr wichtigen Beitrag zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum – sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Das sind gute Rahmenbedingungen für jeden Bauherren. „Doch ohne die breite und nachhaltige Unterstützung aus der Politik geht es nicht“, sagt Meißner. „Die Baulandkommission hat in diese Richtung ein erstes positives Zeichen gesetzt. Sie empfiehlt Bund, Ländern und Kommunen eigene Liegenschaften vergünstigt für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums zur Verfügung zu stellen.“

EU-weite Regeln für Drohnen ab 2020

Drohnen sind längst nicht nur ein Spielzeug: Auch auf Baustellen werden die Multikopter eingesetzt. Ab 2020 gelten EU-weit neue Regeln, die jeder Besitzer beachten muss.

Bereits seit dem 7. April 2017 gibt es klare Regeln für den Betrieb von Drohnen. Dazu zählen zum Beispiel eine Kennzeichnungspflicht und bestimmte Betriebsverbote in sensiblen Bereichen wie an Einsatzorten der Polizei oder der Feuerwehr. Ab einem Gewicht von 2 Kilogramm müssen die Drohnenpiloten außerdem einen „Drohnenführerschein“ machen, auch besteht eine Versicherungspflicht. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat nun neue Bestimmungen veröffentlicht, die bis Juni 2020 in nationales Recht übergeführt werden müssen. Diese Bestimmungen sollen die Regeln für den Betrieb von Drohnen EU-weit vereinheitlichen. Auf 27 Seiten in insgesamt 23 Artikeln werden klare Regeln festgelegt, die nicht zuletzt wegen verschiedener Vorfälle der Störung vom Flugverkehr an Flughäfen aufgestellt wurden.

Was bedeutet das fürs Handwerk?

Die Nutzung von den unbemannten Fluggeräten hat sich längst auch auf das Handwerk ausgebreitet. Besonders Dachdecker, Metallbauer und Maurer nutzen sie, um Schäden an Bauwerken aus der Luft ausfindig zu machen, die nächsten Arbeitsschritte zu planen oder auch, um dem Kunden den aktuellen Stand des Bauvorhabens zu zeigen. Auch für die Drohnen-Besitzer aus dem Handwerk gilt daher, sich über die Neuerungen zu informieren. Denn schon jetzt gelten spezifische Voraussetzungen für die Nutzung. Die Deutsche Flugsicherung stellt diese noch bis zum Juni 2020 geltenden Regeln in einem Flyer  zusammen. Fest steht aber: Schärfer als die ohnehin bereits geltenden Richtlinien werden die neuen EU-weiten Regeln wohl nicht. In jedem Bereich sehen die Bestimmungen der EASA weniger strenge Voraussetzungen vor. Die maximal erlaubte Flughöhe ohne Sondererlaubnis erhöht sich von 100 auf 120 Meter und auch eine Kennzeichnungspflicht bleibt wie bisher gehabt erhalten. Das 27-seitige und ausführliche Dokument zu allen Details rund um die neuen Bestimmungen sind auf der Websitevon EUR-Lex abrufbar.

Meisterpflicht findet nicht nur Befürworter

Nach vielen Überlegungen steht die Möglichkeit der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Raum. Liberale Ökonomen sehen darin einen Eingriff in Markt und Wettbewerb.

„Für eine Rückkehr zur Meisterpflicht gibt es mit Blick auf die derzeit zulassungsfreien Gewerke keine Rechtfertigung“, teilte Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, der Deutschen Handwerks Zeitung mit. Die Monopolkommission ist ein Beratergremium der Bundesregierung. Wambach ist ein Ökonom aus Mannheim und ist in jedem Fall gegen die Wiedereinführung der Meisterpflicht in Handwerksberufen. Zwar stimmt er zu, dass die teilweise Abschaffung der Pflicht vor 15 Jahren zu einem Rückgang der formalen Qualifikation der Betriebsinhaber geführt hat, „tatsächliche Qualitätsdefizite sind aber nicht belegt.“ Die Wiederausweitung der Meisterpflicht wurde vor allem unter Berücksichtigung vieler aktueller Probleme diskutiert. Darunter zählen beispielsweise lange Wartezeiten und hohe Preise für die Verbraucher, unfaire Konkurrenz durch Schwarzarbeit und auch die ungelöste Nachfolgeproblematik. Der Chef der Monopolkommission ist aber der Meinung, dass eine erneute Einführung der Pflicht keines der aktuell bestehenden Probleme beseitigen würde. Wambach spricht sich dafür aus, den Meisterbrief als freiwilliges Qualitätssiegel zu erhalten. Nach vielen Überlegungen steht die Möglichkeit der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Raum. Liberale Ökonomen sehen darin einen Eingriff in Markt und Wettbewerb.

„Meisterzwang“ löst unsere Probleme nicht

Viele Ökonomen teilen die Ansicht der Monopolkommission. So bezeichnet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Diskussion um die Wiedereinführung der Meisterpflicht eher als „Meisterzwang“ und verspricht sich von einem möglichst schrankenlosen Zugang zu vielen Handwerksberufen mehr Firmengründungen, niedrigere Preise für Verbraucher und neue Jobs. In einem Jahresgutachten schrieb der Sachverständigenrat zuletzt: „Eine Rückkehr zur Meisterpflicht, wie derzeit diskutiert, geht in die falsche Richtung.“

Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Michael Neubert sieht das ähnlich. In einem Aufsatz, der Anfang des Jahres in verschiedenen Politikblogs im Internet verbreitet wurde, schreibt er: „Insgesamt zeigt sich, dass die Hauptargumente für die Wiedereinführung des Meisterzwangs eher schwach sind. Es wäre vielmehr zu wünschen, dass weitere Berufe von diesem befreit werden. So kann für die Zukunft sichergestellt werden, dass es weiterhin genug Handwerker gibt und diese auch für ‚jedermann‘ bezahlbar bleiben.“ Der Ökonom plädiert ebenfalls für die Freiheit eines jeden Handwerkers, den Meisterbrief freiwillig zu erwerben und so die besondere Qualität seiner Leistungen zu betonen. „Er muss sich dann eben auch dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb stellen, um für seine zusätzliche Qualifikation den entsprechenden Preis zu erzielen.“

Mehr Verständnis für Selbstständige gefordert

Unter den Kritikern sind auch einzelne Vertreter des Handwerks. So wünscht sich zum Beispiel Jonas Kuckuk vom Berufsverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker (BUH) vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aber auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Zurückhaltung in der Diskussion. „Der Meisterzwang liegt keineswegs im gesellschaftlichen Gesamtinteresse. Solo-Selbständigkeit ist nicht per se etwas Schlechtes, sie ist die Urzelle der Selbständigkeit“, sagt Kuckuk gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung. Der Reetdachdecker aus Bremen ist der Meinung, Solo-Selbstständige würden schlecht geredet und kritisiert den Vorwurf, dass kleine Unternehmen ohne Meisterbrief schlechte Arbeit leisten würden. Das Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung schließt er allerdings versöhnlich ab: „Sie werden von mir kein schlechtes Wort über den Meisterbrief hören.“