Handwerk und Bau fürchten um Qualitätsstandards

Die EU-Kommission strebt eine Vereinheitlichung aller europäischen Normen an, damit diese europaweit gelten. Bauverbände machen sich Sorgen um die zukünftige Bau-Qualität.

Die Maße eines DIN-A4 Blattes sind wohl die bekannteste Norm, die man als Europäer kennt. Durch diese Norm wird zum Beispiel gewährleistet, dass das Blatt Papier in jeden Drucker, Aktenordner oder auch Kopierer passt. Diese und viele weitere Normen werden durch das Deutsche Institut für Normung (DIN) aufgestellt. Das Institut schätzt den gesamtwirtschaftlichen Nutzen von Normen auf 17 Milliarden Euro pro Jahr. Neue Produkte auf dem Markt können sich schneller etablieren, wenn sich die Kunden auf das Einhalten von Normen verlassen können. Wenn die Stecker von Elektroautos beispielsweise nicht an jede Ladesäule passen, wirkt sich das negativ auf den Absatz von E-Autos auf.

Die EU will einheitliche Normen

Um sich widersprechende, nationale Normen aufzuheben, möchte die EU-Kommission nun eine Vereinheitlichung aller Normen in Europa durchsetzen. „In den vergangenen drei Jahrzehnten ist der Bestand schon von 150.000 auf 20.000 gesunken“, sagt Benjamin Kroupa, Referatsleiter Normung in der Abteilung Europapolitik des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks gegenüber der deutschen Handwerkszeitung. Diese geplante Harmonisierung finden allerdings längst nicht alle positiv. Vor allem Bauhandwerker beklagen, dass dadurch die hohen deutschen Qualitätsstandards verloren gingen.

Ein Urteil des Gerichts der Europäischen Union (EuG) bestärkte diese Befürchtungen: Anfang April wies es eine Klage der Bundesrepublik zurück, die die zwei Normen für Holz- und Sportböden durch zusätzliche nationale Vorschriften verschärfen wollte. Diese Verschärfungen betrafen Emissionen eines gesundheitsschädlichen Baustoffs. Insgesamt sechs Bauverbände, darunter der Zentralverband des deutschen Baugewerbes, finden es jetzt besonders wichtig, bei der bevorstehenden Reform der Bauprodukteverordnung sicherzustellen, dass nationale Regeln im Falle von Lücken in der europäischen Normung möglich werden.

Auch Handwerk hat Bedenken

Auch der Vertreter des Baugewerbeverbandes Westfalen, Oliver Hartmann, macht sich Sorgen um die Folgen der europaweiten Harmonisierung. Er befürchtet, dass durch den zunehmenden Einfluss der Industrie im Normungsprozess immer weniger Stimmen des Handwerks bei der Entwicklung neuer Produkte und Arbeitsweisen erhört werden. „Noch werden wir Handwerker gehört, aber es wird immer schwieriger, Leute für ein Ehrenamt in den Normungsgremien zu gewinnen“, sagt Hartmann. Vor allem im Falle von Putzmörtel beobachtet er zunehmend, dass immer mehr Werkputzmörtel auf den Markt kommen. Bei der Verarbeitung solcher Industrieprodukte sind umfangreiche Beschreibungen zu beachten. Hartmann befürchtet, dass durch immer knappere und konkretere Beschreibungen die Gefahr von Mängeln an den Produkten steigen könnte. Der Vertreter des westfälischen Verbandes hofft deshalb, dass sich ausreichend Praktiker finden, die sich trotz des hohen persönlichen Aufwandes in den Normungsprozess einbinden.

Rückenschmerzen vom Heben und Tragen

Auf dem Bau wird viel Gewicht gehoben und hin- und hergetragen. Das sorgt deutschlandweit für Rückenprobleme. Aber wie viel Gewicht dürfen Arbeitnehmer eigentlich tragen?

Nicht nur auf dem Bau, auch im Büro und an der Supermarktkasse klagen die Angestellten oft über Rückenschmerzen. Dabei sind Arbeitnehmer, die viel heben und tragen müssen, besonders anfällig für solche Schmerzen. 70 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung mindestens einmal jährlich an Rückenschmerzen. Laut der Deutschen Unfallversicherung klagen 40 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen über Schmerzen im unteren Rücken, die Beschwerden über Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich belaufen sich auf 45 Prozent bei den Männern und auf fast 58 Prozent bei den Frauen.

Arbeiter auf dem Bau sind besonders davon betroffen. „Anders als in Produktionsbetrieben, in denen sich Arbeitsabläufe oft wiederholen, ist es bei Arbeiten auf Baustellen manchmal schwierig, technische Hilfsmittel zur Entlastung einzusetzen“, sagt Dr. Falk Liebers gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Er ist Facharzt für Arbeitsmedizin und arbeitet bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Wie viel dürfen Männer und Frauen tragen?

Da es keine gesetzlichen Richtwerte zur maximalen Traglast gibt, kann der Facharzt lediglich aufgrund von Risikofaktoren schätzen, ab wann es gefährlich wird. „Wir gehen davon aus, dass ab einem Gewicht von 25 Kilogramm bei Frauen und 40 Kilogramm bei Männern bereits beim einmaligen Heben eine Gefährdung der Gesundheit vorliegen kann“, antwortet Dr. Liebers der Deutschen Handwerkszeitung auf diese Frage. Dabei betont er allerdings, dass er damit noch nicht auf individuelle Faktoren wie die Häufigkeit des Hebens oder auch die Körperhaltung und Greifmöglichkeiten eingeht, die eine wichtige Rolle spielen. Die einzigen Grenzwerte, die in einer gesetzlichen Form festgelegt sind, gelten für werdende Mütter und Jugendliche. So dürfen Schwangere keine regelmäßigen Lasten über 5 Kilogramm und keine gelegentlichen Lasten von über 10 Kilogramm tragen. Für Jugendliche gilt eine Grenze von 8 Kilogramm für Frauen und 14 Kilogramm für Männer. Diese Lasten dürfen allerdings nur über eine kurze Strecke getragen werden.

Rückenkurse mit Mitwirkungspflicht

Gerade in körperlich schweren Berufen sollten Arbeitgeber präventive Maßnahmen gegen Rückenprobleme fördern und den Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Mittlerweile gibt es beispielsweise viele Rückenkurse, die von Betriebsärzten oder Berufsgenossenschaften durchgeführt werden. Bei Maßnahmen, die der Arbeitgeber beschlossen hat, haben die Arbeitnehmer zwar keine Teilnehmerpflicht, aber eine gewisse Mitwirkungspflicht. Hilfsmittel, die zur Verfügung stehen, sollten genutzt werden. Oft werden Fehler in der Körperhaltung oder in Arbeitsgewohnheiten aufgedeckt, die dann behoben werden können.

Neues Einwanderungsgesetz gegen Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel in Deutschland wird ein immer ernsteres Problem. Ein neues Gesetz soll noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden und für eine Lockerung sorgen.

Obwohl die Zahl der Auszubildenden jährlich steigt, bleibt immer noch das große Problem des Fachkräftemangels. Viele Betriebe suchen ausgebildete und gute Arbeiter. In einer Zeit, in der viele Schulabgänger lieber studieren gehen als eine Ausbildung im Handwerk zu starten, müssen viele Handwerksbetriebe immer mehr Aufträge schlichtweg ablehnen, weil gerade einfach keine Fachkraft verfügbar ist. Auch der Generalsekretär des Verbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, ist der Meinung: „Mit Akademikern allein werden wir die Zukunft unseres Landes nicht bauen können.“

Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Ende März 2019 kann das Handwerk etwa 36.500 Ausbildungsverhältnisse verzeichnen. Das ist im Vergleich zum März 2018 ein Plus von 5,2 Prozent. „Inzwischen ist zum vierten Mal in Folge die Zahl neuer Ausbildungsverträge gestiegen – trotz sinkender Schulabgängerzahlen und des Trends zum Abitur“, freut sich Schwannecke. Insgesamt sei 2018 die Zahl aller Lehrlinge im Handwerk von 365.182 auf 368.033 gestiegen. Dabei blieben allerdings knapp 17.400 Lehrstellen unbesetzt. Das wiederum sind 2.100 mehr als im Vorjahr. Laut Bundesagentur für Arbeit sind rund 150.000 offene Stellen gemeldet. Der Handwerksverband spricht allerdings von 250.000 gemeldeten unbesetzten Stellen.

Handwerk fordert mehr Anstrengungen

Schwannecke fordert jetzt, dass nicht nur mehr Frauen und Ältere erwerbstätig werden und mehr Mädchen in MINT-Berufen arbeiten sollen, sondern auch, dass mehr Fachkräfte aus Drittländern gebraucht werden. Dazu gehören für den ZDH-Generalsekretär auch Flüchtlinge. Dadurch lasse sich die Fachkräftelücke allerdings nicht schließen, darüber hinaus sei eine gesteuerte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland nötig. Auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer ist der Meinung: „Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte ist unerlässlich, um dauerhaft Wachstum, Wohlstand und stabile Sozialsysteme in unserem Land zu sichern.“

Steuerliche Förderung bei Gebäudesanierung

Bundesbauminister Horst Seehofer kündigte Pläne an, Gebäudesanierungen in Zukunft mit einer steuerlichen Förderung zu belohnen. Das Baugewerbe begrüßt diesen Vorschlag.

Um den Klimaschutz voranzutreiben, hat Seehofer konkrete Pläne. So sei es wichtig, den Klimaschutz vor allem im Gebiet Gebäude und Gebäudesanierung endlich voranzutreiben, da der Gebäudebereich in diesem Anliegen bisher viel zu wenig im Mittelpunkt gestanden hätte. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) freut sich über diese Entscheidung: „Die energetische Sanierung des Gebäudebestandes bietet ein riesiges Potenzial, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren und somit einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten”, erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB. „Daher können wir die Ankündigungen des Bundesbauministers, die Sanierung von Altbauten steuerlich zu fördern, nur begrüßen.“

Dass Klimaschutzmaßnahmen bei Gebäuden bisher eher im Hintergrund waren, ist bei den aktuellen Zahlen ziemlich überraschend: so könnten durch die Steuervergünstigungen 3,39 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Würde die Förderung 20 bis 30 Prozent betragen, könnten rund ein Viertel der Einsparungen im Gebäudebereich anfallen. Letztendlich könnte der CO2-Ausstoß mit der Sanierung von Häusern um rund zwei Drittel verringert werden. Bisher standen den gewünschten Änderungen einige Punkte im Weg. So ist im geplanten Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 keine steuerliche Förderung zur Gebäudesanierung vorgesehen. So wie im Entwurf für das Jahr 2019 wird dieser Punkt überhaupt nicht berücksichtigt. Bisher liegt die Sanierungsrate von Altbauten im Jahr nur bei einem Prozent, umso wichtiger werde es laut dem Baugewerbe, die vorgesehene Förderung aus dem Koalitionsvertrag endlich in die Tat umzusetzen.

Neues Monopol im Bereich Baustoffe

Ende April gaben die Gebr. Knauf KG und die USG Corporation den Vollzug der Übernahme von USG durch Knauf bekannt. Dadurch wird Knauf zum globalen Branchenführer.

Schon 2013 hatte Knauf die europäischen Geschäftsbereiche der Firma USG Corporate übernommen. Das amerikanische Unternehmen stellt Baumaterialien her, insbesondere Trockenmauerwerk und Fugenmasse. Durch den endgültigen Vollzug wird Knauf nun der weltgrößte Produzent von Gipsbaustoffen. „Diese Transaktion ist die größte Übernahme in der Geschichte von Knauf und bietet dementsprechend bedeutende Gelegenheiten zur Schaffung eines stärkeren und nachhaltigeren Unternehmens für unsere Mitarbeiter, Kunden und Standorte“, teilte Alexander Knauf, persönlich haftender Komplementär von Knauf, mit. „An USG bewundern wir besonders die starken Marken, die führende Marktposition in Nordamerika bei Gipskartonplatten und Deckensysteme.“

Chris Griffin, künftiger CEO von USG, ergänzte: „Ich bin begeistert, wieder bei USG zu sein und mit dem talentierten USG-Team und der Führung von Knauf zusammenzuarbeiten, um diese Kombination zu einem großartigen Erfolg zu machen. Unsere unmittelbaren Prioritäten sind das Sicherstellen eines reibungslosen Übergangs für unsere Mitarbeiter, das Unterstützen unserer Kunden durch volle Konzentration auf ihre Bedürfnisse und das Steigern der betrieblichen Exzellenz im gesamten Unternehmen.“ USG-Aktionäre erhalten 43,50 Dollar in bar für jede gehaltene Stammaktie von USG, die zum Zeitpunkt der Fusion gehalten wurde.

Mehr Wohnungen müssen her

Von einer „Austrocknung des Marktes“ spricht das Verbändebündnis Wohnungsbau, wenn es um den Bau von Sozial- und Mietwohnungen geht. Es fordert einen Masterplan.

Am 9. Mai 2019 veranstaltete das Verbändebündnis Wohnungsbau den „Wohnungsbau-Tag 2019“. Auf diesem Branchengipfel, der bereits zum 11. Mal stattfand, forderten die Bündnismitglieder einen „Masterplan für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau“. Das Bündnis besteht aus allen relevanten Organisationen und Verbänden der Bau- und Immobilienbranche, unter anderem der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Gemeinsam kritisiert das Bündnis, dass in Deutschland zu wenig und zu teuer gebaut werde. So sei das Problem des bezahlbaren Wohnens längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Als Mindestanforderung sieht das Verbändebündnis Wohnungsbau den Neubau von mindestens 60.000 Mietwohnungen pro Jahr. Nur gut die Hälfte davon wird allerdings momentan tatsächlich gebaut. Beim sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau müssten gerade der Bund und die Länder „schnell eine Strategie entwickeln und finanziell enorm nachlegen“. Und auch grundsätzlich dürfe es „nicht länger eine Wohnungsbaupolitik kurzfristiger Investitionsprogramme nach Haushalts- bzw. Kassenlage geben“. Zentrale Aspekte der „10-Punkte-Forderung“ sind zum Beispiel, dass mehr Bauland bereitgestellt und eine höhere Dichte und Höhe beim Bau von Wohnraum zugelassen werden muss. Auch fordert das Bündnis, dass der Bund den sozialen Wohnungsbau mehr fördert als bisher. Mit 1,5 Milliarden Euro vom Bund wurden bislang 25.000 neue Sozialwohnungen gebaut – für das Bündnis eindeutig zu wenig.

Wohnungsbau-Tag übte das Verbändebündnis scharfe Kritik an Bund, Ländern und Kommunen: „Es passiert auf allen drei Ebenen viel zu wenig. Der Wohnungsbau kommt nur schleppend voran, weil ein beherztes politisches Zupacken fehlt.“ Bei Bund und Ländern müsse eine deutliche Entschlackung der Bauvorschriften und bei Kommunen zügigere Genehmigungsverfahren stattfinden, etwa durch mehr Personal und Digitalisierung in den Baubehörden. Das Bündnis beauftragte außerdem eine Prognos-Studie, die aufdeckt, in welchen Städten sich welche Möglichkeiten des Wohnungsbaus bieten. Außerdem analysiert die Studie, welche Folgen der Wohnungsmangel langfristig haben wird. Deshalb fordern die Wissenschaftler des Prognos-Instituts ganz klar: „Bei neuen Maßnahmen, Gesetzen oder Förderungen sollte nicht die kurzfristige Perspektive der kommenden zwei bis vier Jahre im Fokus stehen.“ Notwendig sei vielmehr ein strategischer Blick darauf, was für die Wohnungsmärkte mittel- bis langfristig erforderlich ist.

Goldene Verdienstmedaille für Harald Weber

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) hat den langjährigen Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz Harald Weber als engagierten Vordenker geehrt.

Die Goldene Verdienstmedaille darf Harald Weber seit dem 16. Mai 2019 sein Eigen nennen. Reinhard Quast, Präsident des ZDB, und Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB, zeichneten Weber im Rahmen des Bauwirtschaftstages Rheinland-Pfalz in Mainz aus. Mit der Goldenen Verdienstmedaille würdigt der ZDB Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die baugewerbliche Organisation gekümmert und diese vorangebracht haben. Nach dem Ehrenring des Deutschen Baugewerbes ist die Medaille die ranghöchste Ehrung des Verbandes.

Fast 40 Jahre lang war Weber in verschiedensten Funktionen für die baugewerbliche Organisation tätig. Schon 1980 begann er eine Karriere beim ZDB, 1992 wurde er dann Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbands Rheinhessen-Pfalz. Der wichtigste Erfolg, den er seither zu verzeichnen hat, ist die Neustrukturierung der Interessenvertretung der Bauunternehmen in dem Bundesland, die er durch eine Fusion von ursprünglich drei Verbänden zu einem zusammenlegte. Außerdem war Weber verantwortlich für die Vertretung der Interessen des deutschen Baugewerbes in den europäischen Gremien. Diverse Fachpublikationen wurden unter seinem Namen veröffentlicht und auch die Fachhochschulen Köln und Kaiserslautern profitierten langjährig von Webers Lehrtätigkeiten.

Pakleppa würdigte Weber als engagierten Vordenker, der sich vor allem für die mittelständischen Betriebe der Bauwirtschaft einsetzte: „Die Auffassungen von Harald Weber, gleich ob tarifpolitischer, rechtlicher oder wirtschaftlicher Natur sind immer ein Kompass für richtige und gut abgewogene Weichenstellungen und Positionierungen in der bundesweiten Verbandsarbeit gewesen.“

Image: Jacqueline Segeth

Es fehlen Ingenieure

Eine neue Umfrage in bayrischen Ingenieursbüros zeigt, dass es immer mehr Stellen als Absolventen gibt. Dabei sind die Einstiegsgehälter so hoch wie nie.

Auch die Ingenieure bleiben anscheinend nicht von dem Fachkräftemangel verschont. Das ergab die neue Konjunktur-Umfrage 2019 der Bayrischen Ingenieurekammer-Bau (BayIK-Bau). Dabei läuft das Geschäft in vielen Betrieben richtig gut: volle Auftragsbücher und steigende Einstiegsgehälter sind in vielen Büros Normalität. Dieses Ergebnis der Umfrage passt allerdings eher weniger zu dem prognostizierten Wirtschaftswachstum seitens der Bundesregierung, die derzeit eine eher abflauende Konjunktur erwartet. Der Präsident der Bayrischen Ingenieurekammer-Bau, Prof. Dr. Norbert Gebbeken, hat dafür aber eine plausible Erklärung: „Die bayerische Ingenieurlandschaft ist mittelständisch geprägt und agiert überwiegend regional. 76 Prozent sind gar nicht im Ausland aktiv. Damit hat beispielsweise der Brexit, der für viele Branchen sehr bedrohlich ist, auf unsere Mitglieder nahezu keine Auswirkungen.“

Gute Geschäftslage – zu viele offene Stellen

Was allerdings doch ein großes Problem für die Branche darstellt, ist der Fachkräftemangel. Aus der Umfrage geht hervor, dass aktuell 50 Prozent der befragten Büros noch offene Stellen zu vergeben haben. Im Vorjahr waren es 51 Prozent, was auf einen bereits länger anhaltenden Mangel an Fachkräften hindeutet. Außerdem geben 71 Prozent (im Vorjahr 75 Prozent) der Befragten an, Schwierigkeiten bei der Besetzung dieser offenen Stellen zu haben. Der Einstellungsbedarf liegt um einiges höher als die Absolventenzahlen, was sich auch an den Einstiegsgehältern bemerkbar macht. Der Anteil an Betrieben, die Einstiegsgehälter über 45.00 Euro zahlen ist von 27 Prozent im Vorjahr um satte 6 Prozent auf 33 Prozent in 2019 gestiegen.

Ein besonders positives Ergebnis gab es bei der Befragung über die momentane Geschäftslage. Hier gaben 85 Prozent der befragten Ingenieurbüros an, dass sie sich in einer allgemein guten Geschäftslage befinden. Nur 14 Prozent nannten eine befriedigende, und 1 Prozent beklagte eine schlechte Geschäftslage. Auch mit der aktuellen Ertragslage sind die meisten zufrieden. Eine Mehrheit von 66 Prozent beschreibt sie als gut, 32 Prozent als befriedigend und nur 3 Prozent bezeichnen sie als schlecht. Außerdem planen für das laufende Jahr 27 Prozent aller Büros, ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Mit 71 Prozent rechnen die meisten mit keiner Veränderung. Lediglich 2 Prozent rechnen mit einer Verringerung der Mitarbeiterzahlen.

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Europäische Schutzausrüstungs-Verordnung eingeführt

Seit dem 21. April findet die neue Verordnung der Europäischen Union zur Persönlichen Schutzausrüstung offiziell Anwendung. Aber was heißt das nun für die Betriebe?

Die Übergangsfrist für die bereits im Jahr 2016 beschlossene neue PSA-Verordnung der Europäischen Union ist am 21. April abgelaufen. Vor allem die Hersteller, Importeure und Händler von Persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) sowie die Prüf- und Zertifizierungsstellen mussten sich umstellen. Aber auch für die Betriebe gilt es einiges zu beachten.

„Die neuen Anforderungen ändern nicht das Sicherheitsniveau von PSA: Persönliche Schutzausrüstung, die nach PSA-Richtlinie in Verkehr gebracht wurden, gelten weiterhin als sicher und müssen nicht ausgetauscht werden“, entwarnt die Deutsche Unfallversicherung (DGUV).

Die wichtigsten Änderungen

Trotzdem nennt die DGUV einige Dinge, die sich ab sofort im Arbeitsschutz ändern:

  • Die Einstufung von einigen Produkten als PSA ändert sich. Es gibt drei Kategorien, denen unterschiedliche Prüfanforderungen zugeordnet sind. Produkte wie zum Beispiel Gehörschutz, Rettungswesten oder PSA zum Schutz gegen Kettensägenschnitte fallen jetzt unter die Kategorie III. Damit unterliegen sie einer Produktionskontrolle durch eine notifizierte Stelle.
  • Für Schutzausrüstung der Kategorie III gilt in Deutschland die Pflicht zu einer praktischen Unterweisung der Beschäftigten. Hier sind die Unternehmen jetzt gefragt, ihre Unterweisungen entsprechend anzupassen.
  • Hersteller müssen künftig die so genannte Konformitätserklärung jedem einzelnen Produkt beifügen oder über das Internet zur Verfügung stellen. Die Erklärung bestätigt, dass das Produkt den Anforderungen der Verordnung entspricht. Bislang reichte es aus, die Konformitätserklärung “auf Verlangen” vorlegen zu können.
  • Der Geltungsbereich der Verordnung ist umfassender als zuvor. Sie nimmt künftig alle Wirtschaftsakteure in die Pflicht – auch Händler und Importeure.
  • Bislang galten EG-Baumusterprüfungen unbegrenzt. Gemäß der neuen Verordnung werden EU-Baumusterprüfbescheinigungen nur noch für längstens fünf Jahre ausgestellt.

Die komplette Verordnung kann hier nachgelesen werden.

So schützen sich Handwerker vor der Abofalle

Handwerksbetriebe werden derzeit vermehrt Opfer von fiesen Betrugsmaschen. Dabei merken sie es oft erst, wenn es zu spät ist – und das kann ziemlich teuer enden.

Sich in einem Register mit dem Titel „Leistungsverzeichnis für das Deutsche Handwerk“ eintragen zu lassen, klingt für einen Handwerksbetrieb nach einer guten Sache. Im Briefkasten vieler Betriebe landen momentan Briefe mit einem solchen Angebot. Was sie nicht wissen: senden sie das Formular ausgefüllt und unterschrieben zurück, haben sie den Vertrag abgeschlossen und werden zur Kasse gebeten. Stolze 1.475 Euro werden für zwei Jahre fällig. Die Handwerkskammer Cottbus warnt und empfiehlt, nicht auf solche Angebote einzugehen und auf keinen Fall zu reagieren. Denn nur wer das Formular unterschrieben zurücksendet, nimmt das Angebot an. Falls es schon zu spät ist, empfiehlt die Kammer folgendes: „Betroffene Betriebe, die das Schreiben bereits zurückgeschickt haben, sollten auf keinen Fall Zahlungen tätigen und den Vertrag schnellst möglich wegen arglistiger Täuschung anfechten und hilfsweise kündigen.“

Weitere Betrugsmaschen im Umlauf

Leider bleibt es nicht nur bei der Betrugsmasche mit einem Eintrag in ein bestimmtes Register. Auch landen die Handwerksbetriebe in einer Falle, wenn sie einen bestimmten Brief beantworten, in dem Daten des Betriebes abgefragt werden. Die Betrüger erwecken beim Betrieb den Eindruck, es handle sich lediglich um einen Datenabgleich und bitten, angegebene Daten abzugleichen und zu berichtigen. Dabei wird jedoch verschleiert, dass es sich bei Rücksendung und Unterschrift des Formulars um den Abschluss eines Vertrages handelt. In dem Glauben, es handle sich um ein öffentliches Verzeichnis, tappen auch hier viele Handwerksbetriebe in die Falle und bekommen Beträge von fast 900 Euro in Rechnung gestellt. Bei den Firmen handelt es sich nämlich, anders als angenommen, um privatwirtschaftliche Unternehmen. Auch hier empfiehlt die Handwerkskammer Cottbus, auf keinen Fall Zahlungen zu tätigen und den Vertrag schnellstmöglich wegen Betruges anzufechten.