Wie sieht der Alltag auf den Baustellen in fünf Jahren aus?

Das Marktforschungsinstitut BauInfoConsult wollte wissen, wie die Beteiligten am Bau die weiteren Entwicklungen der Digitalisierung einschätzen.

Diese Frage wurde im Rahmen der Studie „Kommunikationsmonitor 2020“ rund 600 Architekten und Verarbeitern gestellt. Dabei lässt sich eine sichere Tendenz ausmachen: Das Internet wird immer präsenter. Prozesse zur Materialentscheidung und –beschaffung werden über Building Information Modeling (BIM)-Plattformen laufen. Doch eine Bündelung aller Bauprozesse durch BIM liegt noch in ferner Zukunft. Schon jetzt merkt man aber, wie Medien auf dem Bau einziehen. Das Internet wird als wichtige Quelle für Informationen wahrgenommen, weil es immer aufrufbar ist und schnell die Informationen liefert, die gerade benötigt werden. Aber auch die Kommunikation wird durch das Smartphone erleichtert. Besonders die Corona-Krise hat einen Schub in Sachen Digitalisierung ausgelöst.

Wie sich Hersteller und Händler auf die Veränderungen vorbereiten

Für Hersteller ist es wichtig, sich auf die sich wandelnden Umstände einzustellen und eine Inventur der digitalen Bordmittel zu machen. Die eigene Webseite muss geprüft werden, besonders hinsichtlich der Frage, ob die Kunden schnell zum Ziel ihrer Recherche finden. Auf längere Sicht sollten Informationen zu BIM und E-Commerce in die eigenen Informationsquellen integriert werden. Es stellt sich die Frage, wie lange es noch dauert, bis auch am Bau nur noch online gekauft wird, oder ob der persönliche Kontakt mit Herstellern, Kollegen und Händlern nicht doch zu wichtig ist. 

Mantelverordnung in der Kritik

Die Mantelverordnung für Ersatzbaustoffe und Bodenschutz definiert bundesweite Grundlagen für Baustoffrecycling und den Einsatz recycelter Stoffe.

Doch sowohl der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, als auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sind der Meinung, dass der Anfang Mai 2020 beschlossene Entwurf diese Aufgabe nicht erfüllt.

HDB sieht eine Bremse für die Modernisierung der Infrastruktur

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) erwartet einen Anstieg der Entsorgungskosten, wodurch insbesondere die Modernisierung der Infrastruktur teurer werde. Unter anderem deshalb hält HDB-Präsident Peter Hübner die Verordnung nicht für einen konsistenten, ökologisch verantwortlichen und zugleich wirtschaftlich tragbaren Rechtsrahmen zur Planung und Abwicklung von Bauvorhaben. Hübner sieht den aktuellen Fokus der Beratung auf der Entsorgung von Stoffen wie Stahlwerkschlacke, Material aus Kupferhütten und Asche auf Kohlekraftwerken. Die Verwertung von Bodenaushub und Baustoffrecycling komme zu kurz. Da mehr als 80 Prozent der etwa 275 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle Bauabfälle seien, müssen „praxistaugliche und gut vollziehbare Regelungen für die Entsorgung von mineralischen Bau-Abfällen“ primäre Themen sein. Diese Kritik ändert allerdings nicht die grundsätzlich positive Einstellung gegenüber einer Mantelverordnung. „Die Bauwirtschaft hat ein sehr starkes Interesse an rechtssicheren und bundeseinheitlichen Regelungen für die ordnungsgemäße und schadlose Verwertung mineralischer Bauabfälle und Böden“, heißt es in der Mitteilung des Verbandes.

ZDB warnt vor immer länger werdenden Wegen zur Deponierung

Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) warnt vor hohen Entsorgungskosten anlässlich der Diskussion um die Mantelverordnung. Der Verband sieht hohe Barrieren für eine effektive Kreislaufwirtschaft und mahnt ortsnahe Verwertungsmöglichkeiten auf Deponien an. Aufgrund eines immer größeren Mangels an Deponieraum werden immer längere und teurere Transportwege nötig. Das zeigt auch eine Umfrage, die der ZDB im Juni 2020 durchgeführt hat. Über die Hälfte der Befragten gab an, dass die Entsorgungskosten bis zu 25 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, etwa ein Drittel ordnet die Kosten der Entsorgung sogar zwischen 25 und 50 Prozent der Gesamtkosten ein. Insbesondere die Entsorgung von Bodenaushub minderer Qualität stellt ein Problem dar. Da Baustoffrecycling für Böden der Materialklasse II praktisch unmöglich sei, muss dieser Aushub meistens deponiert werden. Mit sinkender Qualität werden die Entsorgungswege immer länger. 20 Prozent der befragten Unternehmen fahren über 100 Kilometer für die Deponie dieses Aushubs. Auch der ZDB mahnt eine Nachbesserung des aktuellen Entwurfs an. „Baustoffrecycling wird eher gehemmt als gefördert.”

Stahlindustrie bekommt Unterstützung

Dumpingspreise, Überkapazitäten auf dem Weltmarkt, Umsatzeinbrüche durch Corona und ein immer teurer Umbau der Produktion für den Klimaschutz.

Das kann die Stahlindustrie nicht alleine stemmen, denn eine nicht elektrifizierbare Branche CO2-neutral zu machen, ist eine Mammutaufgabe. Um diese Schlüsselindustrie und Arbeitsplätze für rund 86.000 Beschäftigte in Deutschland zu halten, hat das Bundeskabinett nun ein „Handlungskonzept Stahl“ beschlossen. Der Umbruch zu einer CO2-armen und letztlich CO2-freien Stahlindustrie soll durch den Einsatz von einem sogenannten grünen Wasserstoff, der mit Hilfe von Ökostrom gewonnen wird, gelingen – allerdings gibt es dazu bisher nur Pilotprojekte. Um die Entwicklung voranzubringen, hat die Regierung erst im Juni eine Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet und im Rahmen des Konjunkturpaketes sind Milliarden für die Entwicklung neuer Technologien eingeplant. Die Stahlindustrie ist zurzeit für 30 Prozent der klimaschädlichen CO2-Emissionen in der Industrie verantwortlich, bei einer langfristigen Umstellung werden Kosten von 30 Milliarden Euro erwartet. Altmaier sprach von einer „erheblichen finanziellen Herausforderung“. Er wolle sich bei künftigen Haushaltsverhandlungen für mehr Mittel einsetzen. Allerdings muss Brüssel das beihilferechtlich genehmigen.

Internationalität gefragt

Viele wichtige Faktoren müssen allerdings auf internationaler Ebene entschieden werden – besonders wenn es um die Chancengleichheit auf den Weltmärkten geht. Durch eine von China getriebene „Stahlschwemme“ geraten die Preise unter Druck. Zu dieser von Altmaier als aggressiv beschriebenen Marktpraktik kommen noch US-Schutzzölle, die den Export erschweren. Obwohl schon lange Gespräche zu eben diesen Themen geführt werden, können die Konflikte nicht gelöst werden. Innerhalb der EU möchte sich die Bunderegierung dafür einsetzten, die Abwanderung von Unternehmen mit hohem Treibhausausstoß zu verhindern.

Konkrete Maßnahmen des Konzepts

Das Konzept plant eine kostenfreie Zuteilung von eigentlich kostenpflichtigen Emissionsrechten und eine angemessene Kompensation von CO2-bedingten Strompreissteigerungen für die Industrie. Zudem soll ein „Grenzausgleich“ für CO2-intensive Produkte beim Import in die EU aus Regionen ohne vergleichbare Klimaschutz-Vorgaben gelten. Allerdings pocht Deutschland darauf, dass dieser Klimazoll mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO konform geht. Zudem möchte sich die Bundesregierung in der EU für einen besseren Schutz vor Billigimporten einsetzen.

„Wir wissen, was wir tun“

Unter diesem Leitsatz zeigen zehn junge Handwerker und Handwerkerinnen in der Imagekampagne des Handwerks, wie stolz sie auf das sind, was sie tun.

Stellvertretend für die 5,5 Millionen Handwerker in Deutschland übermittelt die jungen  Handwerkerinnen und Handwerker auf Plakaten, Bussen, in Einkaufszentren, bei YouTube und in TV-Spots, wie stolz sie auf das sind, was sie schaffen.

Die Gesichter der Kampagne

Zwei Gesichter der Kampagne gehören zu den Geschwistern Johanna und Lukas Kaiser (23 und 19 Jahre). Sie schätzen als Fahrzeuglackierer die Abwechslung in ihrem Beruf, denn von Foodtruck bis zum Klavier ist alles dabei. „Durch den Job bin ich offener und selbstbewusster geworden“, sagt Johanna, die mit nur 21 Jahren ihren Meisterbrief in der Tasche hatte. Eine weitere Powerfrau im Handwerk ist Jule Janson (20). Als Beton- und Stahlbauerin hat sie sich in einer Männerdomäne durchgesetzt und ihrer Konkurrenz beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks (PLW) überflügelt. Als beste Beton- und Stahlbauerin Deutschlands 2019 bildet sie sich jetzt noch im Studium des Bauingenieurwesens weiter. „Ich bin schon stolz, weil es einfach etwas Außergewöhnliches ist und ich den Männern gezeigt habe, was Frauen alles können und wie gut es funktioniert“. Auch Carina Harders (26) trotzt als Meisterin im Elektro-Handwerk den klassischen Rollenklischees. „Wenn man dann einfach das leuchtende Endergebnis sieht und die strahlenden Kundenaugen – das ist einfach das Schönste.“

„Wir suchen nicht nach einem Sinn im Leben – wir erschaffen ihn“

So heißt es im Werbespot und auch aus den Interviews mit den zehn Repräsentanten des Handwerks lässt sich ein allgemeiner Tenor heraushören: Alle schätzen sie es, dass sie am Ende des Tages sehen, was sie geschaffen haben und dass sie etwas schaffen, was bleibt und Nutzen hat.

Das Unfallrisiko am Bau minimieren

Jährlich ereignen sich auf Baustellen mehr als 100.000 Arbeitsunfälle. Durch digitale Prozesse kann diese Gefahr signifikant reduziert werden.

Deswegen hat sich das DigiRAB Forschungsprojekt „Sicheres Arbeiten auf der digitalisierten Baustelle“ mit digitalen Mitteln der Unfallprävention auseinandergesetzt. „In DigiRAB haben wir digitale Lösungen gefunden, um dieses hohe Unfallrisiko im Baugewerbe signifikant zu reduzieren“, bilanziert RUB-Projektleiter Dr. Jochen Teizer vom federführenden Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Gemeinsam mit den Projektpartner ZÜBLIN, Topcon, thinkproject und Selectronic wurde seit April 2017 an einer Cloud-basierten digitalen Plattform gearbeitet, die den Arbeitsschutz auf den Baustellen erhöhen soll. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Wann konkrete Ergebnisse veröffentlicht werden, ist derzeit unbekannt, da die geplante Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.

Maschinen, die Gefahr selbstständig erkennen

Mit dem dreijährigen Projekt wurde ein großer Beitrag zur Umsetzung des Building Information Modeling (BIM)-Gedankens geleistet. Es wurde ein digitales Warnsystem mit RFID-Technik entwickelt – sprich: ein Sender-Empfänger-System zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen. So können Maschinen bei Gefahr, wie beispielsweise einer unaufmerksamen Person, die sich in einem gefährlichen Bereich aufhält, akustisch und optisch warnen und automatisch stoppen oder verlangsamen. Mit Hilfe von Virtual Reality-Simulationen sollen die Risiken einer Fehlerbedienung realitätsnah eingeschätzt werden können. Dank diesen Technologien lässt sich auch der Umgang mit den Arbeitsmaschinen gefahrlos erlernen. 

Die Entwicklung zu Handwerk 2.0

Trotz voller Auftragsbücher erlebt das Handwerk zur Zeit eine Revolution. Verarbeiten reicht nicht mehr aus – Beratung und Verkauf werden langsam zum Standard.

Neben der Freude bringen die derzeit vollen Auftragsbücher im Handwerk auch eine Herausforderung mit sich. So sind nur jene Betriebe langfristig erfolgreich, die mit der Zeit gehen und ihren Kunden fortlaufend die besten Lösungen anbieten können. Die Erwartungen der Kundschaft reichen mittlerweile über die rein handwerkliche Arbeit hinaus: eine fachmännische Beratung, die Vorstellung innovativer Ideen und der Verkauf zählen mehr und mehr zu den Aufgaben eines jeden Handwerkbetriebs. Die Rede ist von einem sogenannten „Handwerk 2.0”. Mit diesem Wunsch kommt auf die Betriebe allerdings eine große Aufgabe zu, die die meisten gar nicht stemmen können. So fehlt es vielen selbst an Knowhow oder die Hersteller bieten nicht genug Innovationen, die die Handwerker an ihre Kunden weitergeben können.

Entwicklung zur Zweiklassen-Gesellschaft

Nimmt diese Entwicklung weiter ihren Lauf, führt das zu einer Zweiklassen-Gesellschaft im Handwerk – auf der einen Seite die Betriebe, die im Baumarkt einkaufen gehen, preisgünstige und gleichzeitig gering qualifizierte Arbeiter einsetzen, um nur einfache Arbeiten auszuführen. Auf der anderen Seite jene Betriebe, die Fachkompetenzen, Kreativität und lösungsorientierte Leistungen anbieten. Um diese Gruppe zu unterstützen, müssen Hersteller und Handel mitarbeiten. So müssen die Hersteller sicherstellen, dass sie wieder mehr Spezialprodukte und Innovationen anbieten. Auch das Fachpersonal im Handel muss über fundiertes Fachwissen verfügen, um Handwerksbetriebe optimal beraten zu können. Immer weniger Verkäufer können dieses Praxiswissen aufweisen. 

BIM – Die Planungsmethode der Zukunft

BIM-Spezialisten sind eine Rarität, doch ist ihre Arbeit heiß begehrt, denn sie behalten den Überblick über alle Schritte bei Planung und Umsetzung.

Durch Building Information Modeling, kurz BIM, ist eine bessere Planung, Ausführung und Bewirtschaftung eines Gebäudes möglich. Dabei dreht sich alles um ein digitales 3D Modell, auf das alle Projektbeteiligten zugreifen können, um darin die Daten für ein Vorhaben zu hinterlegen. Dazu wird das Gebäudemodell detailgetreu nachgestellt und über den gesamten Planungsprozess von allen Beteiligten mit Informationen angereichert. Der BIM-Manager hält dabei die Fäden in der Hand: Er koordiniert das Modell und überprüft regelmäßig, ob die mit den Kunden vereinbarten Ziele eingehalten werden. So kann rechtzeitig festgestellt werden, ob Konstruktions-, Zeit-, Material- und Kostenplanung realistisch sind. Zu den Aufgaben eines BIM-Managers gehört beispielsweise, Projekte aus den Bereichen Automotive, Bau und Healthcare zu steuern, Strategien für individuelles BIM zu entwickeln und die Qualitäten der eingesetzten BIM-Methoden zu analysieren. Ingenieure, die sich BIM-Wissen aneignen, sich auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt, da es immer noch an gut ausgebildeten und praxisorientierten BIM-Managern fehlt. Je nach Berufserfahrung verdient ein BIM-Manager zwischen 3.500 und 6.500 Euro brutto monatlich. Allerdings gibt es noch keinen klassischen Ausbildungsweg.

Praxiserfahrung ist das A und O

„Der BIM-Manager ist sozusagen der digitale Bauleiter. Er vereint das Wissen auf der konstruktiven Seite und ist die Schnittstelle zu den Projektbeteiligten und dem Bauherrn“, erklärt Carlos Vicente, Inhaber der Cavicon GmbH. Er selbst bezeichnet sich als BIM-Spezialist. Dabei kommen ihm seine Ausbildungen zum Energieberater, zum technischen Zeichner und zum Gebäudetechniker zugute, das nötige Wissen zum Thema BIM hat er sich allerdings durch tägliche Praxis und Schulungen über Jahre hinweg angeeignet. Auch Christoph Großmann, BIM-Manager beim Architektur- und Ingenieurbüro IPROconsult berichtet, dass er sich das nötige Wissen für seine Position vor allem während und nach seiner Hochschulausbildung durch das Studium von Fachliteratur und durch praktische Arbeit selbst angeeignet hat. An der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft können Interessierte ein Zertifikatsstudium ablegen. Dazu lernen die Teilnehmer den gesamten BIM-Prozess praktisch kennen, beispielsweise in dem Workshop Hochbau, in dem in interdisziplinären Teams selbstständig diverse Planungsschritte für ein Ferienhaus durchgeführt werden sollen. Die Weiterbildung findet zwei Mal jährlich auf dem Campus der Hochschule statt.

Wie bilden sich Handwerker fort?

Die Corona-Krise scheint Online-Schulungen nicht beliebter zu machen: Handwerker mögen es am liebsten, sich in Präsenzveranstaltungen fortzubilden.

Im Rahmen einer aktuellen Studie der Rudolf Müller Handelsmedien wurden Handwerker gefragt, wie sie sich fortbilden. Trotz des allgemeinen Digitalisierungsschubs, angefeuert durch die Corona-Krise, entscheiden sich immer noch die meisten Handwerker, nämlich 89 Prozent, für Präsenzschulungen. 56 Prozent gaben an, Online-Ratgeber zu Rate zu ziehen, nur 43 Prozent nutzen Online-Schulungsvideos und produktspezifische Apps werden nur von 38 Prozent genutzt. Eher unbekannt scheinen Fortbildungen über Live-Chats zu sein. Nur sieben Prozent nutzen diese, 16 Prozent gaben sogar an, diese Art der Fortbildung sei ihnen nicht bekannt oder würde bei ihnen nicht angeboten. Auch auf die Frage, bei welcher der Fortbildungsmöglichkeiten sich die Handwerker ein größeres Angebot wünschen, antworteten die meisten mit Präsenzschulungen (81 Prozent). Weit dahinter kommt die Nachfrage nach mehr Videos zur Online-Schulung (32 Prozent), mehr produktspezifischen Apps (27 Prozent) und mehr Online-Ratgebern (23 Prozent). Es spiegelt sich auch hier wieder, dass Live-Chat-Funktionen im Handwerk eine sehr geringe Beliebtheit genießen, denn nur drei Prozent der Befragten hätte gerne häufiger die Möglichkeit, diese zu nutzen.

Schadet der Azubimangel der Baubranche?

Mitte August warnte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) vor einem drastischen Azubimangel – aber wie ernst ist diese Krise wirklich?

So hatte die IG Bau beklagt, dass bundesweit nur etwa die Hälfte aller Lehrstellen auf dem Bau besetzt seien. Als Beispiel für dieses ernste Problem führte sie die Situation in der Stadt Hamburg an: Dort seien im Juli noch 70 Prozent aller Ausbildungsplätze im Bauhauptgewerbe unbesetzt gewesen. Im Jahr zuvor lag die Zahl bei nur 42 Prozent. Matthias Maurer von der IG Bau Hamburg betont, dass es den Bauunternehmen daher dringend gelingen muss, Schulabgänger für die Arbeit in ihrem Betrieb anzuwerben, sonst gerate das Fundament der ganzen Branche ins Wanken. Vor diesem Hintergrund spricht sich die Gewerkschaft für attraktivere Arbeitsbedingungen auf Baustellen aus. Die Arbeitgeberseite revidiert diese Bedrohungen und kommt zu einer anderen Einschätzung. So wird die derzeitige Ausbildungsleistung hier, gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, als stark bewertet. Nach Angaben des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) liegen die von der Soka-Bau in den Monaten Januar bis einschließlich Juli erfassten Ausbildungsverträge im 1. Lehrjahr um 6,1 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. So hätten 2019 noch 6180 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen, 2020 seien es 6658.

Ausbildungsbereitschaft bei Baubetrieben weiterhin hoch

„Die Bauwirtschaft ist ein attraktiver Arbeitgeber, auch wenn die IG Bau derzeit versucht, die Branche schlecht zu reden“, erklärte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. „Wir wissen, dass noch viele Ausbildungsplätze unbesetzt sind, wir wissen aber aus der Vergangenheit auch, dass zahlreiche Verträge erst im August oder September abgeschlossen werden. Mit einem Plus von 6 Prozent bei den neuen Lehrverträgen liegen wir aber jetzt schon deutlich über dem Vorjahreswert. Das ist auch das Ergebnis konsequenter Nachwuchsarbeit seitens der Verbände und der Betriebe.“ Und auch die Baubetriebe haben weiterhin eine hohe Ausbildungsbereitschaft, erklärte Thomas Möller, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Hier rechne man im neuen Ausbildungsjahr mit einer ähnlich hohen Anzahl an neu abgeschlossen Lehrverträgen wie 2019. Im Gegensatz zur Gewerkschaft bewertet Möller die aktuelle Entwicklung auf dem Lehrlingsmarkt nicht als Alarmsignal. Er spricht von einer „Verunsicherungskampagne der IG Bau“: „Das eigentliche Problem ist nicht, dass unseren Betrieben die Azubis ausgehen, sondern dass den Gewerkschaften anscheinend die Mitglieder weglaufen. Jetzt versucht man offenbar, sich mit abstrusen Vorwürfen für die bevorstehende Bau-Schlichtungsrunde zu munitionieren. Diese negative Darstellung der Bauberufe und der Arbeitsbedingungen auf dem Bau ist ein ganz durchsichtiges Manöver und schadet der gesamten Branche.“

Betrug mit gefälschten Handwerker-Rechnungen

In einer neuen Betrugsmasche fischen Betrüger echte Handwerker-Rechnungen aus Briefkästen und ändern Kontonummern.

„Ich musste selbst dreimal hinschauen, um die Manipulation an unserer Rechnung zu erkennen“, sagte der Inhaber eines familiengeführten Baubetriebs in Düsseldorf gegenüber dem Handwerksblatt. Er ist einer Masche zum Opfer gefallen, die seit einiger Zeit im Umlauf ist. Die Abzocker fangen Original-Rechnungen von Handwerkern im Briefkasten ab, fertigen eine haargenaue Kopie mit abgeänderten Kontodaten an und kassieren so die Überweisung für die handwerklichen Leistungen. So lief es auch im Fall des Düsseldorfer Betriebes, als er eine offene Rechnung anmahnte: „Der Kunde sagte, dass er gezahlt habe und über 8.000 Euro längst auf unserem Konto eingegangen sein müssten. Also habe ich mir von ihm die besagte Rechnung zuschicken lassen. Und siehe da: Die sah exakt so aus wie unsere, nur rechts unten war die Kontonummer gegen eine andere ausgetauscht! Wahrscheinlich haben die Betrüger das Original eingescannt und dann die falschen Kontodaten eingefügt“, mutmaßt der Firmenchef.

Das Geld kommt so gut wie nie wieder zurück

„Besonders niederträchtig an der Masche ist, dass der Betrug erst Wochen später auffällt“, sagt Martin Klisch, Abteilungsleiter Recht bei der Handwerkskammer Trier, im Interview mit dem Handwerksblatt. Als jemand, der schon vielen Mitgliedsbetrieben durch diesen Betrug geholfen hat, weiß er: Ist das Geld erstmal auf einem fremden Konto gelandet, so kann der Überweisende dies fast nie wieder zurückholen. Laut Verbraucherberatung Rheinland hat die Bank dann keinen Zugriff mehr auf den Betrag. Ein Rücküberweisungsantrag verspricht wenig Erfolg, denn meistens haben die Betrüger ihr Konto bereits leergeräumt. Und Banken sind auch meist machtlos: „Banken haben keine Verpflichtung mehr, Kontoinhaber und Überweisungsempfänger abzugleichen“, betont Klisch.

Meist geht es um sehr hohe Geldsummen. So wurde ein Tischler aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich um 30.000 Euro betrogen, ein Maler aus dem Kreis Trier-Saarburg um 4.500 Euro. In Luxemburg ist sogar der staatliche Wohnungsbaufonds auf diese Abzocke hereingefallen, 800.000 Euro flossen auf ein falsches Konto in Polen, berichtet Klisch.

Tipps für Betriebe und Kunden

Da unklar ist, wann und wie die Täter an die Briefe herankommen, können Betriebe und Kunden mit folgenden Tipps das Risiko, selbst Opfer der Betrugsmasche zu werden, ein wenig eindämmen. So sollten Kontodaten bereits im Vertrag aufgenommen werden. Neutrale Briefumschläge des Betriebs können den Inhalt des Briefs verschleiern, gleichzeitig sollten Betriebe die Rechnungen auch als E-Mail verschicken. Auch können die Rechnungen beim Kunden telefonisch angekündigt werden. Kunden sollten die Kontodaten in jedem Fall abgleichen und den Betrieb auffordern, die Rechnungen auch per E-Mail zu versenden und anzukündigen. Der Briefumschlag sollte immer auf Beschädigungen überprüft werden, bei Auffälligkeiten sollten Kunden immer den Rechnungssteller kontaktieren.