Weltweit erstes Gebäude aus Carbonbeton

In Dresden wird momentan das erste Gebäude aus Carbonbeton gebaut. Der Beton ist mit einer Bewehrung aus Kohlenstofffasern nachhaltiger als herkömmlicher Stahlbeton.

Mitten in Dresden soll das neuartige Gebäude die Möglichkeiten des neuartigen Verbundwerkstoffs öffentlichkeitswirksam inszenieren. Stahlbeton steht in Hinblick auf den Klimawandel schon länger in der Kritik: viel zu dicke Betonschichten, die zum Schutz des Stahls benötigt werden und auch der verbrauchte Zement verursacht viel zu viel CO2. Die Technische Universität (TU Dresden) sieht deshalb eine überwiegende Nutzung von sogenanntem Carbonbeton als zukunftsfähige Lösung. Es handelt sich hierbei um einen Materialverbund aus einer nichtrostenden Kohlenstofffaser-Bewehrung und Hochleistungsbeton. So schreibt die TU Dresden, dass der Materialwechsel hin zu Carbonbeton den Energiebedarf und den CO2-Ausstoß bei der Herstellung und Instandsetzung von Bauwerken um bis zur Hälfte reduzieren und wertvolle Ressourcen schonen könnte. Die Ergebnisse ihrer umfangreichen Carbonbeton-Forschungsoffensive will die TU Dresden nun einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Deshalb wird in der Landeshauptstadt Sachsens nun das weltweit erste Gebäude aus diesem Materialverbund entstehen. Bis Ende 2020 soll es fertiggestellt sein. Es entsteht ein 220 Quadratmeter großer Experimentalbau, der gleichzeitig als Versuchsstand dienen soll. Das Gebäude soll „Cube“ heißen und war ursprünglich in Form eines Würfels geplant. Nun werden zwei symmetrisch gegenüber angeordnete Twist-Elemente gleichzeitig den seitlichen sowie oberen Raumabschluss bilden und das außerordentliche Anwendungsspektrum der Carbonbetonweise veranschaulichen.

Initiative Wohnen will nicht mehr reden, sondern handeln

Ganze 24 Unternehmen trafen sich in Berlin, um eine Initiative zu gründen, die endlich das Ziel umsetzen soll, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen.

„Wir wollen nicht mehr über den Klimawandel reden. Wir wollen handeln.“ – So lautet das Motto der Unternehmen der Wohnungswirtschaften, die sich am 28. Januar zur Gründung der Initiative Wohnen.2050 (IW2050) trafen. Initiiert wurde der bundesweite Zusammenschluss von der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt. Der Zusammenschluss hat ein klimapolitisches Bündnis zum Ziel, welches neben der strategischen Kooperation und einem fachlichen Abgleich insbesondere auch wirtschaftliche und finanzielle Belange zur Erreichung der Vorgaben im Blickfeld hat. Schon am Gründungstag vertraten die anwesenden Unternehmen immerhin rund 1.050.000 Wohneinheiten und sechs der zehn größten deutschen Wohnungs-Unternehmen innerhalb des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Eröffnet wurde die Veranstaltung von Alex Gedaschko, dem Präsidenten des GdW: „Für die Wohnungswirtschaft ist Klimaschutz eines der vordringlichsten Themen – und alle Beteiligten leisten seit langem einen kontinuierlichen Beitrag. Um das Zwei-Grad-Ziel und einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 zu erreichen, gilt es den Einsatz noch einmal deutlich zu erhöhen. Die Situation erfordert nicht nur Engagement, sondern Transformation“, erklärte Gedaschko.

Know-how der gesamten Branche wird geteilt

Die Lösungen für vorher gesammelte Probleme werden mit dem gesammelten Know-how der Unternehmen erarbeitet und diskutiert. So sollen auch kleinere Unternehmen die Chance erhalten, sich einzubringen und ihren Standpunkt klarzumachen. „Wir stehen vor der wohl größten Jahrhundertaufgabe unserer Zeit. Deswegen war für uns klar, dass wir eine Brancheninitiative brauchen, um dieser Herausforderung gemeinsam und partnerschaftlich zu begegnen“, so Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt und Vorstand der IW2050, über das Klimaschutz-Engagement. Die vier Hauptziele der Initiative sind neben der einheitlichen Positionierung, um finanzielle Unterstützung für die Klimaziele im Wohnungsbereich einzuwerben unter anderem auch, das Wissen aller Mitglieder für alle zugänglich zu machen und so mit einem reduzierten Ressourcenaufwand zeitnah Lösungen zu entwickeln. Außerdem sollen die Vorreiterrolle und das Klimaschutzengagement der Branche öffentlich gemacht werden. Zu guter Letzt sollen die Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen motiviert, befähigt und aktiviert werden, um zur Klimazielerreichung beizutragen. Auch soll das Thema den Kunden möglichst nahe gebracht werden.

Systematischer Betrug auf dem Bau

Schwarzarbeit ist auf dem Bau längst keine Seltenheit mehr. Dem NDR liegen nun erstmals konkrete Zahlen zur systematischen Verschleierung mit gefälschten Rechnungen vor.

So hat der Zoll in Bonn unter 18.000 Ermittlungsverfahren mehr als 1.800 Fälle aufgedeckt, in denen gefälschte Rechnungen zum Einsatz kamen. Diese Zahlen gab die Generalzolldirektion Bonn nun erstmals an das NDR Politikmagazin „Panorama 3“ weiter. Nach Schätzungen von Prof. Friedrich Schneider von der Universität Linz werden jährlich bis zu 120 Milliarden Euro in der Baubranche „schwarz“ verdient. Sogenannte Scheinrechnungen, die in der Branche „Abdeckrechnungen“ genannt werden, gehören zum ausgeklügelten System der Firmen, um „schwarz“ entstandene Kosten abzudecken. Mit diesen illegalen Rechnungen machen sogenannte „Servicegesellschaften“ sogar Geld: Die Bauunternehmen bestellen bei diesen Unternehmen eine Scheinrechnung. Sie überweisen dann die geforderte Rechnungssumme, ohne eine Leistung dafür erbracht zu haben. Später erhalten sie den Betrag abzüglich einer Provision von fünf bis zehn Prozent in bar zurück. Mit dem rückgezahlten Geld bezahlen die Bauunternehmer dann ihre Schwarzarbeiter für die tatsächlich erbrachten Leistungen. 2019 wurde bereits ein Bauunternehmer auf zwei Jahre Haft auf Bewährung verurteilt, der auf diesem Weg Finanzämter und Sozialkassen um mehr als 3 Millionen Euro betrogen hatte. Seine Firma war unter anderem am Bau der Hamburger Umweltbehörde beteiligt. Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Carsten Boddin bezeichnet diese Verflechtung von illegal agierenden Bauunternehmern und Servicegesellschaften im Interview mit dem NDR-Magazin als „Teil der organisierten Kriminalität“. „Dieses System von Servicefirmen, die genutzt werden, um Abdeckrechnungen zu schreiben, besteht ja nicht nur für diesen Fall“, so Boddin, „sondern es wird nach unseren Erkenntnissen in der gesamten Branche genutzt.“

Digitalisierung auf dem Bau hat jetzt ein Zentrum

Das nationale Zentrum „BIM Deutschland“ wurde offiziell eröffnet. Es dient als Kompetenzzentrum und soll einheitliche Vorgaben im Infrastruktur- und Hochbau erstellen.

Das nationale BIM-Kompetenzzentrum wurde am 29. Januar vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Berlin eröffnet. Die selbsterklärte Aufgabe des Zentrums soll es sein, in Sachen digitaler Planungsmethoden (in Bezug auf das Building Information Modeling – BIM) zu beraten, zu schulen und die digitale Transformation zu normen. Die erarbeiteten Informationen, Standards und Produkte sollen offen zur Verfügung gestellt werden. Das Zentrum wird gemeinsam von den Bundesministerien für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beziehungsweise des Innern, für Bau und Heimat (BIM) betrieben. „Mit BIM Deutschland schaffen wir die Grundlagen, die Potenziale der Digitalisierung auszuschöpfen und Synergieeffekte zu nutzen“, sagte die Staatssekretärin des BMI, Anne Katrin Bohle: „Wir wollen im Bundesbau hier eine Vorreiterrolle einnehmen“. Mit „Open BIM“ und über das „BIM-Portal“ sollen alle erarbeiteten Produkte, offenen Standards und Konzepte, Informationen, Muster, Vorgaben und Werkzeuge sowohl dem öffentlichen Bau als auch „der gesamten Wertschöpfungskette Bau“ zur Verfügung gestellt werden, ergänzte die Staatssekretärin des BMVI, Tamara Zieschang.

BIM ab Dezember 2020 verpflichtend

Zumindest für Infrastrukturbauten wird das digitale Planungstool BIM Ende dieses Jahres verpflichtend. Die Bundesregierung hat das bereits im Koalitionsvertrag 2018 vereinbart: Künftig soll bei der Vergabe öffentlicher Aufträge für den Bundesinfrastrukturbau und den infrastrukturbezogenen Hochbau stärker auf die Methode Building Information Modeling (BIM) gesetzt werden, um Kosten zu minimieren und Risiken zu reduzieren. Die Fraktionen CDU/CSU und SPD schreiben zudem, dass mit dem Einsatz der Methode BIM in der Planung, Ausführung und später bei der Bewirtschaftung leichter mit allen Beteiligten kommuniziert werden könne. Die FDP-Bundestagsfraktion geht noch weiter und möchte das Tool spätestens ab 2022 verpflichtend einführen, damit die Bundesregierung den für Infrastrukturbauten entwickelten Stufenplan „Digitales Planen und Bauen“ auf die Hochbauten des Bundes überträgt.

Influencer sind in der Bauindustrie angekommen

Influencer werben in ihren sozialen Medien für so einiges. Nun scheint das auch in der Bauindustrie angekommen zu sein. Im Februar findet das erste „Baufluencer“-Forum statt.

Am 19. Februar versammeln sich 30 sogenannte „Baufluencer“ beim ersten offiziellen „Baufluencer-Forum“ in Berlin. Sie treffen dort auf Unternehmen der Bauindustrie. Bisher erhielt das neue Veranstaltungsformat durchweg positive Resonanz. Sowohl die Influencer als auch die anwesenden Unternehmen freuen sich darauf, sich kennenzulernen und sich über Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen. Die Idee für die Veranstaltung stammt von der Bau-PR-Agentur Brandrevier in Kooperation mit der Messe Berlin. Kriterien bei der Auswahl geeigneter YouTuber, Instagramer und Blogger waren unter anderem die Professionalität und Kompetenz, aber auch die Reichweite und Interaktion mit ihren Abonnenten. Die eingeladenen Influencer haben alle eine Reichweite im sechs- bis siebenstelligen Bereich und sind Amateure beziehungsweise Profis aus den Bereichen Fachhandwerk, Do-It-Yourself und Architektur. Teilnehmende Baufluencer aus dem Bodenbereich sind beispielsweise die Raumausstatterin Silja Kinast („that_flooring_girl“) sowie Ralf Schanze mit dem Fliesen-Online-Magazin 1200Grad. Seitens der Unternehmen werden namhafte Bauproduktehersteller wie Knauf, KS-Original oder Wienerberger anwesend sein. Auch aus den Bereichen SHK oder Elektroinstallation werden Unternehmen wie Stiebel Eltron oder Gira am Forum teilnehmen. Insgesamt haben 24 Bauunternehmen zugesagt.

Unternehmen sehen in Zusammenarbeit mit Influencern großes Potenzial

„Im Vergleich zu Printmedien haben Influencer eine oftmals höhere Reichweite“, sagt Julian Waning, Architektur Media Manager bei Gira Giersiepen. „Hinzu kommt, dass wir über neue Online-Kanäle die Möglichkeit haben, Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht mit unserem Unternehmen oder unseren Produkten in Kontakt getreten sind.“ Desirée Lukowski, Social Media Managerin der Hörmann Gruppe, ergänzt: „Influencer-Kommunikation geht über die reine, faktenbasierte Information weit hinaus. Hier kommt es, anders als in der klassischen Unternehmenskommunikation, vor allem auf Authentizität, eine emotionale Bindung und den persönlichen Kontakt an.“ Alle Infos zur Veranstaltung und den Teilnehmern gibt es auf www.baufluencer.de

Ökologische Baustoffe in Europa

Bei den Marktchancen und -potenzialen in Bezug auf ökologische Baustoffe gibt es zwischen den einzelnen EU-Ländern große Unterschiede. Das zeigt eine aktuelle Studie.

So sind diese Potenziale in Norwegen beispielsweise relativ hoch, in Norwegen dahingegen vergleichsweise niedrig. Die Studie erhob Daten über die ökologische Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft. Bei der Einschätzung über die ökologische Nachhaltigkeit werden Aspekte wie die Reduktion von CO2 bei Produktion und Transport, die Höhe des Schadstoffanteils bei den Produkten und der Verzicht auf allergene Inhaltsstoffe berücksichtigt. Für die Umfrage hat das Marktforschungsinstitut B+L Marktdaten über 3.400 Sanierer und Hausbauer sowie mehr als 800 Bauunternehmen, Architekten und Verarbeiter in den untersuchten Ländern befragt und daraus den sogenannten B+L Nachhaltigkeitsindex gebildet. Insgesamt wurden außerdem 14 Länder untersucht. Besonders ökologisch sind nach den Ergebnissen nicht nur Norwegen und Polen, sondern auch Frankreich und die Schweiz. Belgien, Bulgarien, Österreich und Tschechien sind dagegen neben Dänemark Länder mit einem niedrigen B+L-Nachhaltigkeitsindex. Deutschland liegt im Mittelfeld.

Nachfrage auch abhängig von Altersgruppen

Auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle bei der Nachfrage in den untersuchten Ländern. „In einigen Märkten sind es die älteren Zielgruppen aus der Baby-Boomer-Generation, die überdurchschnittlich häufig ökologische Produkte nachfragen”, erklärt Studienautor Marcel Dresse. „In anderen Märkten wird die Nachfrage von der Zielgruppe der Familiengründer oder Early Starter getragen.“ Für ökologisch nachhaltige Produkte sind die Konsumenten sogar bereit, mehr Geld auszugeben. So sind für viele Hausbauer und Sanierer schadstoffarme und anti-allergene Bodenbeläge, Putze oder Farben überdurchschnittlich relevant. Im Durchschnitt würden sie für solche Produkte zwischen fünf und acht Prozent mehr bezahlen. Noch höher ist die Zahlungsbereitschaft zum Beispiel in der Schweiz. Für ökologische Baustoffe im Innenbereich würde ein Drittel der befragten Schweizer mehr als zehn Prozent höhere Preise zahlen.

Lebender Beton bietet viele Vorteile

US-Forscher haben einen Baustoff entwickelt, der Bakterien enthält, dadurch lebt, sich vervielfältigt und so gut wie kein CO2 freisetzt. Ist das die Zukunft des Bauens?

Die alles entscheidende Frage in dem Prozess der Entwicklung dieses Baustoffes war wohl: Warum sollten Materialien nicht lebendig gehalten werden, damit die Vorteile ihrer Biologie genutzt werden können? Diese Frage stellten sich die Forscher an der Universität von Colorado Boulder. Denn biologische Materialien wie Holz sind nicht mehr lebendig, erklärt Will Srubar, Assistenzprofessor am Departement für Bau-, Umwelt- und Architekturingenieurwesen (CEAE) an der Universität von Colorado Boulder. Auf seiner Suche entwickelte das Team ein Material, das Beton ähnelt, aber lebendig ist. Neben einer Mischung aus Sand und Hydrogel wird für das Material auch Gelatine verwendet, in der sogenannte Synechococcus-Bakterien wachsen. Die gelartige Konsistenz des Materials macht es möglich, dass die Bakterien mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgt werden – so bleiben sie am Leben.

Beton kann sich selbst reparieren

Die größte Besonderheit an dem Stoff: Er kann Risse selbstständig flicken. Und nicht nur das: Der Stoff erzeugt nicht nur wenig CO2, er nutzt das Treibhausgas sogar bei seiner Arbeit. Je nach Anforderung kann der Stoff sogar leuchten. In Untersuchungen kam außerdem heraus, dass die mit dieser Technik produzierten Backsteine auch langlebig sind. Unter verschiedenen Feuchtigkeitsbedingungen wiesen die neuartigen Backsteine ungefähr die gleiche Festigkeit auf wie die Backsteine aus herkömmlichem Mörtel. Eine weitere Besonderheit: Wird ein Stein in zwei Hälften geteilt, sorgen die Mikroorganismen dafür, dass aus jeder Hälfte ein neuer Stein entsteht, erklärt Srubar. Nach Berechnungen der Forscher leben nach 30 Tagen und drei Ziegel-Generationen immer noch 9 bis 14 Prozent der Bakterienkolonien – widerstandsfähig sind sie also auch. Bis der Stoff massentauglich ist, müssen noch einige Probleme gelöst werden. So braucht der Beton feuchte Bedingungen, damit die Bakterien überleben können. In besonders trockenen Gebieten ist das allerdings ein Problem. Srubar sieht dennoch großes Potenzial in dem neuen Baustoff. So stellt er sich in ferner Zukunft vor, wie Säcke ausgeliefert werden könnten, die alle Zutaten für den Baustoff in getrockneter Form enthalten. Vor Ort müsste man dann nur noch etwas Wasser hinzugeben, um danach mit dem Bau mikrobieller Häuser anfangen zu können.

Baugewerbe holt neue Aufträge gerne aus dem Internet

Die sogenannte Mundpropaganda wird in Zeiten des Internets immer weiter verdrängt. So setzen Auftragnehmer und Auftraggeber im Baugewerbe immer mehr auf Online-Plattformen.

Etwa jeder zweite Dienstleister nutzt mittlerweile das Internet zur Auftragsakquise. Das sah 2018 noch ganz anders aus: Hier war es mit 36 Prozent nur jeder Dritte, der seine Kunden durch das Internet fand. Befragt wurden dazu 5.000 Anbieter aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz von der Dienstleistungsplattform ProntoPro. Das Ergebnis: Vor allem Maler, Maurer und Heizungstechniker werden verstärkt online gesucht, persönliche Empfehlungen finden fast gar nicht mehr statt. Auffällig ist die Altersstruktur unter den Handwerkern, die auf den Zug der Online-Akquise aufspringen. So sind dies vor allem Fachleute im Alter von 45 bis 64 Jahren. Im Jahr 2018 waren das noch 25 Prozent, 2019 verdoppelte sich dieser Wert auf etwa die Hälfte der Fachleute aus dieser Altersgruppe. Am meisten profitieren jedoch die Handwerker von diesem Prinzip. Rund 80 Prozent der Klimatechniker finden online ihre Kunden, bei den Fensterprofis sind es 75 und bei den Bauunternehmen immerhin 63 Prozent. Die Elektriker kommen auf einen Anteil von fast 50 Prozent. Unter den befragten Anbietern waren Installateure, Elektriker, Bautischler und Maler.

Durch die Ergebnisse wird deutlich, dass die Digitalisierung längst nicht nur auf dem Bau, sondern auch schon ein paar Schritte vorher, nämlich bei der Auftragsbeschaffung, angekommen ist. Schnelle und unkomplizierte Plattformen machen es sowohl Kunden als auch Fachbetrieben einfach, einen geeigneten Fachmann beziehungsweise interessierte Kunden zu finden. Einen großen Vorteil bietet vor allem die Bewertungsfunktion. Dadurch können sich Fachbetriebe profilieren und Neukunden bekommen einen schnellen Überblick darüber, wie zufrieden andere Kunden mit der Arbeit des Fachmanns waren.

Zustimmung für neue Bau-Mindestlöhne

Nach einer Abstimmung ist nun klar: Der neue Mindestlohn für den Bau kommt. Dem haben die beteiligten Landesverbände der Bauindustrie und des Baugewerbes zugestimmt.

Ab dem 1. April 2020 erhöht sich der Mindestlohn 1 um 35 Cent auf 12,55 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 2,9 Prozent. Der Mindestlohn 2 erhöht sich um 1,3 Prozent, also um 20 Cent auf 15,40 Euro. Und auch in Berlin gibt es mit dem Mindestlohn 2 bald 20 Cent mehr, nämlich 15,25 Euro, was ebenfalls einer Erhöhung um 1,3 Prozent entspricht. Dem haben nun neben den Landesverbänden des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) auch die Arbeitgeber die notwendige Zustimmung gegeben.

„Unser Ziel der Schaffung eines einheitlichen und leicht zu kontrollierenden Bau-Mindestlohns wurde nicht erreicht”, räumt HDB-Vizepräsidentin Jutta Beeke als Verhandlungsführerin der Arbeitgeber ein. „Der Vorschlag vermeidet aber eine längere Mindestlohn-Lücke.“ Und auch der alternierende Verhandlungsführer, ZDB-Vizepräsident Uwe Nostitz, hält es für kritisch, dass die Frage der zukünftigen Mindestlohn-Struktur nicht gelöst, sondern nur verschoben wurde. Die IG Bau freut sich wiederum, einen „Angriff auf das bisherige Mindestlohnsystem” abwehren und einen einheitlichen „Mindestlohn light“ auf niedrigem Niveau für den gesamten Bau in Deutschland verhindern zu können. „Das hätte zwangsläufig die Abschaffung vom Mindestlohn 2 – also die Demontage des unteren Lohnsockels für qualifizierte Bauarbeiter – im Westen und in Berlin bedeutet”, erklärte IG Bau-Chef Robert Feiger. „Damit hätten die Arbeitgeber das komplette Mindestlohnsystem auf dem Bau ins Wanken gebracht. Das ist mit dem Schlichterspruch jetzt vom Tisch.“ Nach Angaben der Gewerkschaften profitieren vom neuen Mindestlohn mehr als 200.000 der insgesamt 820.000 Baubeschäftigten. „Das Wichtigste ist, dass es auf dem Bau auch weiterhin zwei Branchen-Mindestlöhne und damit Lohnhaltelinien nach unten – insbesondere für fachliche Arbeiten – geben soll”, so Feiger. „Das hatte für uns oberste Priorität. Und das haben wir geschafft. Dazu noch einen Anstieg beider Mindestlöhne.“

Mangel an Erddeponien erhöht CO2-Emissionen

In Hessen hält der Mangel an Erddeponien immer noch an. So müssen viele Firmen ihren Erdaushub zur Entsorgung weit weg transportieren – Klimaschutz sieht anders aus.

Seit längerer Zeit schon macht der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen (VbU) auf den Mangel an Deponien aufmerksam. „Erdaushub, der 2015 von einer Baustelle in Bad Homburg noch einer Verwertung oder Deponierung im Rhein-Main-Gebiet zugeführt werden konnte, muss heute bis nach Wetzlar oder Koblenz gefahren werden“, so Bauunternehmer Thomas Reimann, Vorstandsmitglied im VbU und Vorstandsvorsitzender der ALEA AG aus Frankfurt am Main. Das stößt nicht nur unnötig viel CO2 aus, sondern schlägt sich auch auf die Baukosten nieder. ALEA hat ausgerechnet, dass die Entsorgung des Abfalls beim Bau eines Einfamilienhauses in Bad Homburg mittlerweile 48.000 Euro kostet. Im Jahr 2015 mussten für die Entsorgung lediglich 28.000 Euro veranschlagt werden. Hessener Unternehmen ärgern sich stark über den Umstand. So können die rapide gestiegenen Baukosten kaum mit steigenden Löhnen oder dem Bauboom erklärt werden. Schuld daran seien hauptsächlich die gestiegenen Transportkosten, durch den höheren Dieselverbrauch und durch höhere Kippgebühren.

Bauunternehmen sind keine Entsorgungsbetriebe

Außerdem haben die Berechnungen ergeben, dass für die entstandenen Abfälle auf einer Baustelle etwa 100LKW rund 13.000 Kilometer fahren müssen, um den Schutt zu entsorgen. Dieser Transportweg entspricht etwa einem Drittel des Erdumfangs – der zurückgelegt wurde, um eine einzige Baugrube in Hessen auszuheben. Die Bauunternehmen ärgern sich vor allem darüber, nun gezwungenermaßen auch noch als Entsorgungsbetrieb fungieren zu müssen und sich nicht mehr voll und ganz auf die Arbeit auf der Baustelle konzentrieren zu können. Zahlreiche Deponien wurden in der Vergangenheit geschlossen. Zwar besteht das Problem in ganz Deutschland, Hessen ist wegen Plänen der schwarz-grünen Landesregierung allerdings besonders stark betroffen.