Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle steigt

In den ersten neun Monaten 2020 sind 87 Arbeitnehmer auf den Baustellen Deutschlands ums Leben gekommen – 20 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Das teilt die Berufsgenossenschaft Bau mit. Die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG Bau) sieht die ausgedünnten Kontrollen zur Arbeitssicherheit in manchen Bundesländern als einen wichtigen Grund. IG-Bau-Chef Robert Feiger kritisiert, dass die Ämter für Arbeitsschutz in großen Teilen auf Homeoffice umgestellt haben. „Wenn die, die sich professionell um den Infektionsschutz am Arbeitsplatz kümmern, dies nicht mehr machen dürfen und zu Hause bleiben müssen, dann ist das geradezu absurd. Schützen ist schließlich ihr Job.“ 74 der tödlichen Unfälle haben sich auf den Baustellen selbst ereignet und waren zumeist Abstürze von Dächern, Gerüsten oder Leitern, die anderen 13 haben auf dem Weg stattgefunden.

Arbeitssicherheit ist in den letzten Jahren mehr in den Fokus der Beteiligten getreten

Die Zahl aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist zuletzt leicht auf 115.325 in 2019 gestiegen. Von 1.000 Beschäftigten waren 52 von einem Unfall betroffen. Vergleicht man das allerdings mit den Zahlen von 1995, als 110 von 1.000 Arbeitnehmern betroffen waren, sieht man, dass sich in Sachen Arbeitssicherheit schon einiges getan hat. Laut Angaben des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik haben 80 Prozent der Besichtigungen trotz widriger Umstände in diesem Jahr stattgefunden.

Dekarbonisierung der Zementindustrie

Um die Klimaziele zu erreichen, muss auch die Emission in der Zementindustrie gesenkt werden. Eine neue Studie zeigt die notwendigen Maßnahmen auf.

Um die Klimaziele bis 2050 erreichen zu können, müssen alle Teile der Gesellschaft und Gewerke mit anpacken. „Wir als Branche in Deutschland übernehmen Verantwortung und sind bereit, unseren Beitrag für eine klimaneutrale Zukunft zu leisten”, verspricht Christian Knell, Präsident des Vereins Deutscher Zementwerke (VDZ). Seit 1990 konnten die Emissionen der deutschen Zementindustrie bereits um ein Drittel reduziert werden. Wie der Pfad zu einer umweltfreundlichen Produktion weiter aussieht, wurde in der neuen Studie „Dekarbonisierung von Zement und Beton – Minderungspfade und Handlungsstrategien“ des VDZ ermittelt. Mit konventionellen Maßnahmen können bis 2050 weitere 36 Prozent eingespart werden, was im Vergleich zu 1990 50 Prozent bedeuten würde. Doch für eine vollständig klimaneutrale Zukunft müssten neue Wege in Herstellung und Anwendung gefunden werden. „Für die verbleibenden CO2-Emissionen, die nicht anders gemindert werden können, stellt die CO2-Ab­schei­dung aus heutiger Sicht die einzige Lösung dar“, erklärt Marin Schneider, VDZ-Hauptgeschäftsführer. Langfristiges Ziel müsse daher die Umwallung von CO2 in andere Stoffe und Produkte sein. Bis dahin sei die Entwicklung von Maßnahmen zur Speicherung des Treibhausgases notwendig.

Die notwendigen Schritte für eine umweltfreundlichere Herstellung und Anwendung

„Als Zementindustrie stellen wir uns dieser Herausforderung. Klar ist aber auch, dass wir diesen Kraftakt nicht allein schultern können”, betont VDZ-Prä­si­dent Knell. Dazu müssten alle Akteure der Wertschöpfungskette mitwirken, angefangen bei dem Anlagenbau und den Betonherstellern über die bauausführende Industrie bis hin zu Planern und Architekten. „Nicht zuletzt brauchen wir auch den Schulterschluss mit anderen Industrien sowie mit Politik und Gesellschaft, denn dieser Transformationsprozess wird am Ende nur miteinander gelingen.” Die zentralen Handlungsfelder sind laut der Studie:

1. Ein wirksamer politischer Instrumentenmix, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Technologieführerschaft der deutschen Zementhersteller gewährleistet sowie Innovationen und grüne Leitmärkte fördert.

2. Eine besser ausgebaute Infrastruktur zur flächendeckenden Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Quellen und für den Transport von CO2 und Wasserstoff.

„Wir haben als Industrie die Dekarbonisierung von Zement und Beton ins Zentrum unseres Handelns gerückt. Wichtig ist dabei ein ganzheitlicher Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette Bau einschließt.”, so Martin Schneider.

„Netzwerk Nachhaltige Unterrichtsgebäude“ initiiert

Das BBSR leistet einen Betrag, Bau und Betrieb eines der primären Aufenthaltsorte von Schülern im Sinne des nachhaltigen Bauens zu gestalten.

Schüler und Studenten verbringen – jedenfalls in Zeiten ohne Corona – einen elementaren Teil ihrer Zeit in Unterrichtsgebäuden. Dort wird gelernt, sozial interagiert und die Persönlichkeit entfaltet. Somit ist es wichtig, Unterrichtsräume und -gebäude im Sinne des nachhaltigen Bauens zu gestalten. Das „Netzwerk Nachhaltige Unterrichtsgebäude“ wurde vom Bundesinstitut für Bau, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ins Leben gerufen, um Beteiligten aus dem Bau- und Bildungsbereich eine Plattform zu bieten, um sich über Wissen und Erfahrungen auszutauschen und bei Fragen des ökologischen, energieeffizienten und ressourcenschonenden Errichtens und Betreibens von Unterrichtsräumen zu unterstützen. Als fachliche Grundlage für die Netzwerkarbeit dient das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes (BNB). Neben ökologischen Fragen sollen auch ökonomische und nutzerbezogene Aspekte aufgegriffen werden. Dazu werden Veranstaltungen geplant, sowie eine Website und weitere Formate, die den Austausch der Akteure unterstützen. Das Netzwerk steht allen Interessierten offen. Es richtet sich speziell an Verantwortliche in Bauverwaltungen, Schul- und Hochschulverwaltungen, Forschung und Lehre, Unternehmen und Verbände. Die Registrierung erfolgt über die Geschäftsstelle des Netzwerkes, die beim Öko-Zentrum NRW angesiedelt ist.

Zugriff auf europaweite Ökobilanzen

Eine gute Ökobilanz von Gebäuden leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Daher liefert eine neue Datenbank Ökobilanzen von Baustoffen.

Das Bundesinstitut Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat 2015 das „Internationale Datennetzwerk für Nachhaltigen Bauen“ (kurz: „InData“) initiiert. Fünf Jahre später wirken daran Experten aus zwölf europäischen Ländern mit – Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlade, Norwegen, Schweden, Spanien, Türkei und Österreich. Als informelle, gemeinnützige Arbeitsgruppe aus verschiedenen Stakeholdern arbeitet die „InData Working Group“ daran, Informationen aus Umweltproduktdeklarationen für die Nachhaltigkeit von Gebäuden zu strukturieren und zu nutzen. Dazu gehören die Bestimmung der CO2-Emissionen, der grauen Energie und des Ressourcenverbrauchs eines Gebäudes. Verantwortlich für die Daten, die allen Nutzern zur Verfügung stehen sollen, ist der Anbieter, der sie bereitstellt und organisiert. Sie werden nach einheitlichen Kriterien auf der InData-Website veröffentlicht. Im Rahmen von BBSR-Forschungsprojekten wurden Entwicklungen für die Ökobaudat-Datensuche erprobt, auf denen auch die Suchfunktion der InData basiert.

Politik muss Weichen für den Ressourcenschutz stellen

Der ZDB mahnt, dass eine ressourcenschonende und damit umweltfreundlichere Bauwirtschaft nur mit der Unterstützung durch die Politik möglich ist.

„Umweltpolitische Ziele müssen wirtschaftlich gerechtfertigt und in der Baupraxis umsetzbar sein. Die hohe Recyclingquote in der Baubranche zeigt, dass Klimaschutz hier längst zum Alltag gehört. Nun müssen unsere Anstrengungen auch politisch flankiert und durch die richtigen Rahmenbedingungen unterstützt werden“, fordert Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsche Baugewerbe (ZDB). Der Bausektor gehört zu den Wirtschaftszweigen mit dem höchsten Ressourcenverbrauch. Deswegen fordert die Grünen-Fraktion im Bundestag eine Bauwende, mit neuen, an den Prinzipien einer Kreislaufwirtschaft orientierten Ansätzen beim Planen, Bauen und Nutzen von Wohn- und Gewerberaum sowie Infrastruktur. Diese Forderung unterstützt der ZDB, doch fordert er die Politik auf, einen entsprechenden Ordnungsrahmen zu schaffen. „Auf das Baugewerbe ist bei der Entwicklung einer nachhaltigen Baupolitik Verlass. Seit Langem werben wir für einen Ordnungsrahmen, der die Weichen für ressourcenschonendes Bauen stellt.“

Bei der Gesetzgebung werden Aspekte der Kreislaufwirtschaft vernachlässigt

„Nachhaltiges Bauen ist eine Zukunftsfrage, für deren Beantwortung der Baumittelstand in Deutschland bereitsteht. Leider hat es der Gesetzgeber zuletzt wiederholt verpasst, die Rahmenbedingungen für die Umsetzung in die Praxis zu ermöglichen“, gibt Pakleppa zu bedenken. Damit erinnert er an die Beratungen zur Mantelverordnung, bei der die Forderungen der Bauwirtschaft, das Recycling von mineralischen Baustoffen zu fördern, ignoriert wurden. „Es ist kontraproduktiv, wenn in den Umweltministerien der Länder immer strengere Regelungen zum Einsatz von Recyclingbaustoffen auf den Tisch gelegt werden. Diese sorgen nur für eine weitere Verschiebung von recycelbaren Stoffströmen in Richtung Deponie“, mahnt Pakleppa. Auch das vor Kurzem verabschiedete Kreislaufwirtschaftsgesetz habe sein Potenzial zur Förderung von Recycling am Bau verpasst: „Die Regelungen zum bevorzugten Einsatz von Rezyklaten bei Bundesbauten sind nicht konsequent durchsetzbar. Damit wird sich in der Zukunft nichts an der bisherigen Ausschreibungspraxis der öffentlichen Hand ändern.“ Zudem wirbt der ZDB für einen technologieoffenen Wettbewerb beim Einsatz unterschiedlicher Baustoffe, denn so könne eine nachhaltige Bauweise einen enormen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Bauwirtschaft soll reformiert werden

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordert eine Bauwende, um umweltschädliche Einflüsse der Bauwirtschaft drastisch zu reduzieren.

„Mit unserer gegenwärtigen Bautätigkeit verhindern wir die Umsetzung unserer Klima- und Nachhaltigkeitsziele. Wir brauchen eine Bauwende“, warnt Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen. „Der Bausektor ist der Wirtschaftszweig mit dem höchsten Ressourcenverbrauch und weltweit für ein Viertel aller CO2-Emissionen verantwortlich“, erklärt sie weiter. „Die Hälfte unseres Mülls entsteht auf den Baustellen.“ Nur ein Bruchteil werde recycelt. Deswegen nehmen die Grünen in einem jüngst verabschiedeten Antrag die Bauwirtschaft genauer unter die Lupe. Er zielt auf die Wiederverwertung von Baustellenmüll, auf den Einsatz regenerativer Baustoffe und geringere Umweltschäden bei der Rohstoffgewinnung.

Graue Energie soll reduziert werden

Wie Chris Kühn, Grünen-Fraktionssprecher für Baupolitik erklärt, steht die sogenannte Graue Energie beim Bau im Zentrum der Überlegungen. „Graue Energie ist die Primärenergie, die zur Materialgewinnung, Herstellung, Transport und Entsorgung eingesetzt wird.“ Sie trage wesentlich zur Klimakrise bei. „Elf Prozent der globalen CO2-Emissionen entsteht allein bei der Herstellung von Baustoffen“. Um diese zu reduzieren, fordern die Grünen unter anderem einen Ressourcenausweis von Gebäuden. In diesem soll die Umweltbelastung durch das einzelne Haus dokumentiert werden, von Bau bis Abriss. Mit dem Ziel, höhere Energieeffizienzstandards und einen maximalen Verbrauch Grauer Energie festzulegen, soll das Gebäudeenergiegesetz umgeschrieben werden.

Recycling und nachwachsende Rohstoffe

Um die Kreislaufwirtschaft in der Bauwirtschaft voranzubringen, schlagen die Grünen ein Rücknahmesystem für Baustoffe und eine verbindliche Quote für den Einsatz kreislauffähiger Materialien vor. Durch eine umweltverträglichere Bewirtschaftung der Felder soll zudem der Rohstoff Holz nachhaltiger produziert werden. Und auch andere nachwachsende Rohstoffe wie Stroh, Hanf, Seegras und Pilze sollen verstärkt beachtet werden. Bei der energieintensiven Herstellung von Beton und Zement baue der Antrag auf technologische Innovation.

Umweltschädigung darf nicht weiter subventioniert werden

„CO2-intensive Baustoffe und petrochemische Kunststoffe steuerlich zu subventionieren, ist widersinnig“, erklärt Kühn. Die Herstellung von Baustoffen wie Zement und Keramik wird energie- und steuersubventioniert. Auch Erdöl muss, wenn daraus Materialien wie Baustoffe hergestellt werden, nicht versteuert werden. Doch um den Einsatz dieser umweltschädlichen Baustoffe zurückzufahren, dürfen diese nicht mehr subventioniert werden.

Der „Green Deal“ setzt auch auf den Bausektor

Es ist zwar ungewiss, ob der Antrag tatsächlich zur Beratung kommt, doch die Grünen sind optimistisch. Denn auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen setzt bei ihren ambitionierten Klimazielen auf den Bausektor. Um die EU bis 2050 klimaneutral zu bekommen, will die Kommission die europäische Wirtschaft im Rahmen des „Green Deal“ von Grund auf umbauen. Die Bauwirtschaft befürchtet Überfrachtung, doch sieht darin eine Chance für den Sektor: „Das ist auch ein großer Wachstumsimpuls für zukunftsfähige Jobs in der Bauwirtschaft.“

EEG-Umlage sinkt auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde

Das haben die Übertragungsnetzbetreiber für das kommende Jahr 2021 bekannt gegeben. Im Jahr 2022 soll die EEG-Umlage um weitere 0,5 ct/kWh sinken.

Derzeit beträgt die EEG-Umlage 6,756 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Wie die Übertragungsnetzbetreiber bekannt gegeben haben, wird sie im kommenden Jahr durch einen Bundeszuschuss auf 6,5 ct/kWh abgesenkt. 2022 soll sie auf 6,0 ct/kWh sinken. Zur Finanzierung werden Einnahmen aus der nationalen CO2-Bepreisung und zusätzliche Haushaltsmittel in Höhe von rund elf Milliarden Euro verwendet. „Im Rahmen des Konjunkturprogramms zur Bewältigung der Corona-Folgen hat die Bundesregierung eine Senkung der EEG-Umlage 2021 auf 6,5 ct/kWh versprochen. Dieses Versprechen lösen wir heute ein“, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Der Bundeszuschuss stellt sicher, dass das EEG-Konto im kommenden Jahr wieder einen positiven Stand aufweist. Aufgrund der Corona-Krise, die eine sinkende Stromnachfrage und einen Einbruch der Preise an der Strombörse begründet, gibt es einen Soll-Wert von gut vier Milliarden Euro.

Anreize zur Wärmewende schaffen

Die Fördermittel aus dem Klimaschutzpaket zeigen Erfolg. Nach jahrelangem Stillstand im Wärmemarkt verdreifacht sich die Zahl der Anträge teilweise.

„Das ist eine super Neuigkeit, weil offensichtlich deutlich mehr Interesse generiert wurde – endlich beginnt sich der Sanierungsstau aufzulösen“, kommentierte die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff). Damit ihnen das Geld nicht ausgeht, haben die Förderprogramme eine zusätzliche Finanzspritze über 2,2 Milliarden Euro erhalten, womit das Gesamtbudget bei 5,2 Milliarden Euro liegt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) kündigt für 2021 eine korrespondierende Mittelausstattung an, das genaue Budget ist Teil der Verhandlungen zum Haushalt der Energie- und Klimafonds 2021. Die Nachfrage muss auch in den kommenden Jahren zuverlässig bedient werden, in denen die Deniff sogar mit einem weiteren Anstieg rechnet. Ab diesem Jahr kann die Gebäudesanierung über einen Steuernachlass gefördert werden. Wenn im Herbst 2021 die Einkommenssteuererklärungen abgegeben werden, wird sich zeigen, wie effizient diese Maßnahme ist. Zudem soll die Bedienung der Bundesförderung für effiziente Gebäude ab 2021 einfacher und kundenfreundlicher sein. Wegen der Krise gibt es allerdings Unsicherheiten bei den Einnahmen des Energie- und Klimafonds, der sich aus den Erlösen des europäischen Emissionshandels speist.

Auch Emission der Baustoffe muss sinken

Doch reichen diese Förderungen nicht, um den Wärmesektor umweltfreundlich zu machen, denn die Emissionen der Baustoffe werden bisher noch außer Acht gelassen. Deswegen haben die Grünen einen entsprechenden Antrag in den Bundestag eingebracht. Sie fordern einen gesetzlich vorgeschriebenen Ressourcenausweis und eine Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden. Dadurch würde ein Anreiz geschaffen, auf ökologische Dämmstoffe zu setzen.

Anreize für Vermieter zur energetischen Sanierung schaffen

Ein anderes Problem des Wärmemarktes ist das Mieter-Vermieter-Dilemma. Durch eine energetische Sanierung würden nur die Nebenkosten sinken, was lediglich für den Mieter und nicht für den Vermieter attraktiv ist. Also unterbleiben solche Investitionen. Doch nach Ansicht von Agora Energiewende gibt es dafür eine ganz simple Lösung: Die Einführung der Warmmiete. Dann würde die Miete für eine warme Wohnung gezahlt und der Vermieter müsste die Ausgaben für die Heizenergie zahlen – und hat somit einen Anreiz, Heizkosten zu sparen. Agora schlägt ein sogenanntes Temperaturfeedback vor: Mieter und Vermieter vereinbaren eine Raumtemperatur, die während der Wintermonate garantiert wird. Durch eine Messung der Raumtemperatur bei normalem Heizverhalten wird der Referenzverbrauch ermittelt. Übersteigt der Vermieter diesen Verbrauch, zahlt er nach, Spart er, bekommt er eine Rückzahlung. Durch eine energetische Sanierung würde der Referenzverbrauch gesenkt. Der Preis für die vereinbarte Raumtemperatur bleibt allerdings gleich, wodurch der Vermieter von eingesparten Heizkosten profitiert. Schweden hat die Warmmiete bereits 2000 eingeführt und konnte dadurch, in Kombination mit einem CO2-Preis auf Öl und Gas, die Emissionen im Wärmesektor um 95 Prozent senken.

Auch die Vermieter müssten sich am CO2-Preis beteiligen

Ab Januar 2021 wird auch in Deutschland der CO2-Preis auf Öl und Gas kommen und das Verursachen von einer Tonne CO2 im Bereich Gebäude und Verkehr wird 25 Euro kosten. Diesen Preis zahlen zwar die Importeure von Brennstoffen, sie dürfen ihn allerdings an den Verbraucher weitergeben. Deswegen wird ein Liter Heizöl ab Januar 7,9 Cent mehr kosten, was 20 Prozent entspricht. Bei Erdgas sind es lediglich zehn Prozent, sprich 0,6 Cent pro Liter. Bis 2025 soll der CO2-Preis auf 55 Euro pro Tonne steigen. Laut Betriebsverordnung dürfen auch die Vermieter diese Kosten an die Mieter weiterreichen. Doch drei SPD-geführte Bundesministerien wollen das ändern. Indem Mieter und Vermieter sich die Kosten teilen sollen, entsteht erneut ein Anreiz für die Vermieter, in CO2-arme, beziehungsweise -freie Technik zu investieren.

Weniger CO2 durch Bauen mit Holz

Wissenschaftler der RUB entwickeln eine Anwendung, um die positiven Auswirkungen des Bauens mit Holz innerhalb einer Kommune ermitteln zu können.

Das beliebteste Material im Baugewerbe ist Beton, aber mit einem Blick auf die CO-Bilanz wird ganz schnell deutlich: Wir brauchen eine Alternative. Deswegen wollen Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ein traditionelles Material wieder in den Fokus rücken: Holz. Denn Holz nimmt als Kohlenstoffspeicher CO2 aus der Atmosphäre auf und muss als nachwachsender Rohstoff nicht mit hohem Energieeinsatz produziert werden. Doch in Deutschland werden lediglich 18 Prozent der Gebäude aus Holz errichtet. Und das, obwohl die ausgezeichnete Klimabilanz bekannt ist. Bereits 2017 wurde errechnet, wie viel CO2 eingespart werden könnte, wenn 55 Prozent der Einfamilienhäuser und 15 Prozent der Mehrfamilienhäuser aus Holz konstruiert würden. Zwischen 2016 und 2030 wären dies bereits 23,9 Tonnen.

Tool soll Kommunen die verbesserte Klimabilanz vor Augen führen

Deswegen erklärt Anette Hafner vom Lehrstuhl für ressourcenschonendes Bauen der RUB, dass es sich aus Klimaschutzgründen lohnen würde. Doch sei es nicht ausreichend, auf Bundesebene zu beschließen, mehr mit Holz zu bauen. „Die Kommunen müssen dieses Vorhaben auch umsetzen können.“ Und dabei möchte das Team unterstützen. Gemeinsam mit der Firma Disy Informationssysteme entwickeln sie eine Anwendung, mit deren Hilfe Kommunen einschätzen können, wie viel CO2 sie sparen würden, würden sie vermehrt auf Holzhäuser setzen. Das GIS im Namen des Projekts „Holzbau-GIS: Einsparungen von Treibhausgasen durch Bauen und Sanieren mit Holz“ steht dabei für „Geoinformationssystem”. Denn auf Basis eines solchen Tools wird ein digitaler Plan aller Bauwerke einer Kommune erstellt, die straßenweise auf ihr Klimaoptimierungspotential untersucht werden kann. Als Beispielskommune für die Entwicklung dient die Stadt Menden im Sauerland.

Der Waldbestand ist mehr als ausreichend

Als Mitglied des Beirats für Waldpolitik hat Hafner auch nicht aus den Augen verloren, dass unbeschränkte Abholzung schädlich ist. „Wir wissen genau, wie viel Holz man für einen bestimmten Gebäudetyp braucht, und können abschätzen, wie viele Neubauten es in den kommenden Jahren geben wird. So können wir den Holzbedarf ausrechnen, wenn man einen bestimmten Anteil dieser Neubauten aus Holz errichten würde“, erklärt sie. In Kombination mit den Statistiken der Wälder haben Hafner und ihre Mitarbeiter Hochrechnungen bis zum Jahr 2050 erstellt und können sich so sicher sein, dass der Holzbestand ausreicht. Zudem sorgt die Trockenheit der letzten Jahre für einen starken Befall der Fichtenbestände durch den Borkenkäfer. Da für den Bau Nadelholz besser geeignet ist, können die Fichten dafür verwendet werden und die entsprechenden Flächen mit Mischwald wieder aufgeforstet werden, welcher besser zu unserem Klima passt.

Bauwirtschaft kritisiert Vorschläge des EU-Parlaments

Das EU-Parlament fordert, dass alle EU-Staaten bis 2050 klimaneutral werden. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 60 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken.

Die EU-Kommission hatte 50 bis 55 Prozent vorgeschlagen. „Sollten Parlament und Rat in den bevorstehenden Trilogverhandlungen einen Kompromiss nahe der 60-Prozent-Marke vereinbaren, wäre das ein Belastungstest für die Handwerksbetriebe“, warnt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. „Um einen 60-prozentigen Emissionsrückgang bis 2030 zu erreichen, müssten kleine und mittelständische Betriebe ihren CO2-Ausstoß unverhältnismäßig stark senken. Auch die im Gebäudebereich erforderlichen Emissionsreduktionen wären technisch wie ökonomisch nur schwer zu erreichen“.

Die Wirtschaft darf nicht zusätzlich belastet werden

Er mahnt, dass die europäische Initiative die Balance zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen halten müsse. Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Europa dürfe die Wirtschaft keinen zusätzlichen Schaden nehmen. „Das dürfte am ehesten der Fall sein, wenn die Folgenabschätzung der EU-Kommission für eine Entscheidungsfindung herangezogen wird und die dort empfohlene Minderung um 55 Prozent als Richtschnur dient.“ Schwannecke sieht bereits dieses Ziel als sehr ehrgeizig. „Viele Unternehmen kämpfen immer noch damit, sich am Markt zu halten und die Corona-Zeit zu überstehen. Jede zusätzliche Belastung in einer solchen Phase steht diesen Anstrengungen deutlich entgegen.“