Deutschland wird beim Heizen klimafreundlicher

2018 sind erneuerbare Energien erstmals auf Platz 1 der genutzten Beheizung neuer Wohngebäude. Der Energieträger Gas wurde somit von der langbesetzten Spitze verdrängt.

Aus einer Statistik des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass zwei Drittel der 2018 neu errichteten Wohngebäude mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Fast in der Hälfte (etwa 47,2 Prozent) der insgesamt 107.200 neuen Wohngebäude setzt man erneuerbare Energien primär und überwiegend als Energiequelle ein. Das Heizen mit Gas ist somit nicht mehr auf Platz 1: 2018 wurden nur noch 43 Prozent der Wohnungsneubauten primär mit Gas beheizt. 2017 lag dieser Anteil noch bei 47,4 Prozent. Erneuerbare Energien folgten mit einem Anteil von 43,3 Prozent. Der restliche Anteil von 9,8 Prozent geht 2018 an übrige Energiequellen wie Fernwärme, Öl und Strom. 2017 lag dieser Anteil bei 9,3 Prozent.

Von den Wohnungsneubauten, die primär mit erneuerbaren Energien beheizt werden, werden vorrangig, also etwa 71 Prozent, mit Umweltthermieanlagen beziehungsweise Wärmepumpen, die Wärme aus Luft und Wasser entziehen, versorgt. Die restlichen 16 Prozent werden mit Wärme beheizt, die von Geothermieanlagen stammt, die Wärme im Erdinnern nutzen. Gibt es in neuen Wohngebäuden auch eine sekundäre Energiequelle, so wird zu 15,1 Prozent erneuerbare Energie aus dem Energieträger Solarthermie und zu 14,7 Prozent Energie aus Holz genutzt. Insgesamt zählen zu den erneuerbaren Energien für das Heizen die Träger Geothermie und Umweltthermie, Solarthermie, Holz, Biogas beziehungsweise Biomethan und sonstige Biomasse. Konventionelle Energien dahingegen sind zum Beispiel Öl, Gas und Strom. Fernwärme ist eine weitere Energiequelle.

Gibt es bald eine Ablösesumme für Azubis?

Hans Peter Wollseifer schlägt eine Entschädigungszahlung für Unternehmen vor, wenn ihre Azubis nach der Ausbildung den Betrieb wechseln. Die Reaktionen sind gemischt.

Bis zu drei Jahre und viel Geld steckt ein Betrieb in die Ausbildung seiner Azubis. Wechseln diese danach in attraktivere Unternehmen, ist das sehr ärgerlich. Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Hans Peter Wollseifer, schlägt deshalb eine Ablösesumme vor, die die ausbildenden Unternehmen bekommen sollen, wenn ihr frisch eingearbeiteter und geschulter Ausgebildete von anderen abgeworben wird. Zustimmung bekommt er dafür aus der Handwerkskammer Hannover: „Es schmerzt insbesondere kleinere Handwerksbetriebe, wenn der oder die Auszubildende den Betrieb verlässt, sobald die Ausbildung geschafft ist“, sagte der Präsident Karl-Wilhelm Steinmann der Hannoverschen Allgemeinen. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, Matthias Steffen, fügt hinzu: „Wichtig ist vor allem, insbesondere die duale Ausbildung zu stärken. Jungen Menschen, die einen Beruf erlernen, muss die gleiche Wertschätzung entgegengebracht werden, wie denjenigen, die sich für eine akademische Ausbildung entscheiden.“

Rechtliche Bedenken und schwierige Umsetzbarkeit

Der Vorschlag des Handwerkspräsidenten traf aber auch auf viel Kritik. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann erläuterte in einem Interview mit dem Westfälischen Anzeiger: „Ich kann den Gedanken nachvollziehen, auch weil ich weiß, dass gezielt abgeworben wird. Aber ich glaube, dass er in der Praxis nicht umsetzbar sein wird. Der Azubi müsste verpflichtet werden, nach der Ausbildung im Betrieb zu bleiben. Auf der anderen Seite sagt das Handwerk, dass es mit dem Ausbildungsvertrag keine Übernahmegarantie geben will. Für eine Ablösesumme fehlt mir die Idee für eine gerechte und praktische Umsetzung.“

Laut dem Westfälischen Anzeiger freue sich der Minister allerdings über die angestoßene Diskussion über den Wert einer Ausbildung. Dahinter stecke das Problem des Fachkräftemangels. Laut Bayrischem Rundfunk (BR) sieht der Hauptgeschäftsführer des Bayrischen Handwerkstages, Frank Hüpers, außerdem auch rechtliche Probleme bei der Ablöse für Azubis: „Die Forderung nach einer Ablösesumme für Ausgebildete ist sicherlich eine interessante Idee, aber ich hätte da schon rechtliche Bedenken, weil sie mit der Freiheit der Berufswahl so nicht vereinbar ist“, sagte er dem BR. Laut Hüpers wäre es erfreulich, wenn alle Azubis des Handwerks auch in dieser Branche bleiben würden, da man so dem Fachkräftemangel entgegenwirken könne.

Selbst dafür sorgen, dass Azubis im Betrieb bleiben

„Ich finde, die Äußerung Wollseifers geht völlig am Thema vorbei. Nicht nur, weil es Gesetze bei uns gibt, die eine freie Berufswahl ermöglichen“, so Bauunternehmer Werner Luther im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. „Anstatt auf den Schutz durch den Staat zu vertrauen, sollten wir Unternehmen aus dem Handwerk selbst dafür sorgen, dass die Leute gerne bei uns arbeiten. Wir müssen attraktiv für unsere Arbeitnehmer bleiben.“ Arbeitsmarktexperte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagte in einem Online-Bericht der Welt: „Unter den Unternehmen, die ausbilden, sind viele, die beim Kampf um Fachkräfte mit Weltkonzernen nicht mithalten können; und sei es nur, weil sie nicht so hohe Löhne zahlen können. Wenn die nach den Investitionen in die Ausbildung ihre Leute verlieren, ist das schwierig.“ Die vorgeschlagene Ablösesumme sieht der Arbeitsmarktexperte allerdings trotzdem skeptisch: „Auf dem Arbeitsmarkt soll jeder Arbeitnehmer möglichst frei die für ihn bestmögliche Position finden, die gut zu seinen Fähigkeiten und Interessen passt. Das ist die Kernfunktion des Arbeitsmarktes. Ablösesummen würden diese Funktion aber erheblich beschränken“, so Weber.

Wollseifer selbst begegnete der Diskussion gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung relativ gelassen. Die Idee sei lediglich ein erster Denkanstoß gewesen und „keineswegs mit konkreten Konzepten“ untermauert. „Das hohe Ausbildungsengagement des Handwerks und seiner Betriebe wird nach meinem Eindruck von vielen für selbstverständlich genommen“, so Wollseifer.

Städte fordern mehr Unterstützung beim Klimaschutz

Eine aktuelle Studie hat 15 europäische Städte zum Thema Klimaschutz befragt. Viele Städte wünschen sich vor allem mehr politische Unterstützung bei dem Klimaproblem.

„Bridging the Climate Gap“ („Überbrückung des Klimaspalts“) heißt die neue Studie, die untersucht, was europäische Städte daran hindert, wichtigen Nachhaltigkeitszielen nachzukommen. Die thinkstep AG und Drees & Sommer haben dazu insgesamt 15 europäische Städte untersucht, darunter beispielsweise Glasgow, Helsinki, München und die schwedische Stadt Växjö. Immerhin sind sich alle Städte einig: die Folgen der globalen Erwärmung sind relevant für alle von ihnen. Das zentrale Ergebnis lautet aber vor allem: Mehr als 60 Prozent der untersuchten Städte fehlt eine stärkere politische Unterstützung.

Im Fokus der Studie stehen Fragen wie „Welche Strategien und Maßnahmen verfolgen Städte und Kommunen für den Klimaschutz?“ oder „Reichen die aktuellen Maßnahmen aus, um unter dem empfohlenen Temperaturanstieg von 1,5 Grad zu bleiben und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern?“ Die beiden Leiter der Studie, Martin Blumberg von der thinkstep AG und Gregor Grassl von Drees & Sommer führten viele Interviews und Umfragen mit den ausgewählten Städten durch.

Es fehlen Geld und Bildung

Längst nicht alle Städte fühlen sich dazu in der Lage, im Alleingang die notwendigen Maßnahmen durchzusetzen. So gaben mehr als 60 Prozent der Städte an, dass ihnen eine stärkere politische Unterstützung fehle, obwohl diese eigentlich notwendig wäre. „Wenn Sie Politiker fragen würden, würde niemand sagen, dass ihnen die CO2-Einsparung egal ist. Ich glaube jedoch, dass dies in der Praxis nicht die oberste Priorität hat“, so Martin Blumberg. 40 Prozent der befragten Städte sind gar der Ansicht, dass sie nicht über administrative Strukturen für multidisziplinäre Klimaschutzmaßnahmen verfügen. Die größte Gemeinsamkeit haben die Städte anscheinend im Bereich der Finanzierung: 70 Prozent der Städte antworten, dass ihnen die finanziellen Mittel fehlen, um ehrgeizigere Klimaschutzziele zu verfolgen. Außerdem geben zwei Drittel der untersuchten Städte einen Mangel an Personal mit technischem Know-How an. Und sogar noch mehr sehen den Mangel an Bildung, Beratung und Ausbildung als Hindernis. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass wir mehr Mut und ganzheitliche Kompetenz zur Dekarbonisierung unserer Gesellschaft und Industrie brauchen. CO2-arme Technologien sind unsere Geschäftsmodelle von heute und schaffen den Wohlstand von morgen“, so Gregor Grassl.

Ein Lösungsweg

Dass es bereits möglich ist, mehr Nachhaltigkeit in Städten zu verfolgen, zeigt das Positivbeispiel Vaxjö. Hier sehen die beiden Studienautoren die Lösung in Einzelmaßnahmen wie der Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte, dem Bau kreislauffähiger Gebäude oder alternativer Finanzierungsmethoden. Vaxjö zeige, wie „die frühe und breite Einführung von Strategien und Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion zum wirtschaftlichen Wachstum und Wohlstand führen kann“.

Klinker werden immer beliebter

Sowohl Vormauer- als auch Pflasterklinker liegen schwer im Trend: bereits im dritten Jahr in Folge verzeichnet die deutsche Ziegelindustrie einen Produktionszuwachs.

Um ganze fünf Prozent stieg die Menge der Vormauerziegel im Jahr 2018 an, bei den Pflasterklinkern gab es sogar einen Anstieg von knapp 16 Prozent. Das entspricht für 2018 einer wertmäßigen Steigerung von 8,5 Prozent auf etwa 184 Millionen Euro im Bereich Vormauer und bei den Pflasterklinkern von knapp neun Prozent auf ungefähr 63 Millionen Euro.

„Die Kombination aus Wertbeständigkeit und der Möglichkeit mit Klinkern individuell zu gestalten überzeugt immer mehr Architekten, Bauherren und Investoren“, freut sich Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie (BVZI). „Klinker haben eine unbegrenzte Lebensdauer, sind dauerhaft farbecht, wartungsfrei und wertbeständig. Pflasterklinker sind darüber hinaus sehr robust, somit bestens für die täglichen Belastungen durch Verkehr und Fußgänger geeignet.“

Architekten von Bauvorhaben setzen bei der Gestaltung von Fassaden vor allem auf die Vielfalt an Formen, Farben und Oberflächen: „Wir stellen fest, dass Architekten beim Objekt- und Wohnungsbau verstärkt auf individuelle Fassadengestaltung mit Ziegeln setzen“, erläutert Frederichs. Laut dem Hauptgeschäftsführer haben sich die Hersteller von Vormauerziegeln besonders gut auf diese Anforderungen von Architekten und Bauherren eingestellt und sind in der Lage, auch Sonderanfertigungen in der gewünschten Qualität zu produzieren.

Drei Finalisten für nachhaltiges Bauen

In einem durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) initiierten Wettbewerb stehen nun die neun Finalisten fest. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt.

„Sustainability Challenge“ („Nachhaltigkeitsherausforderung“) nennt sich der jährlich stattfindende Wettbewerb, in dem jeweils drei Einreichungen in den Kategorien Forschung, Start-Up, und Produktinnovation gegeneinander antreten. Dieses Jahr beweisen die Finalisten am 25. Juni in Stuttgart das Potential ihrer Innovationen, die Veranstaltung läuft im Rahmen des Tages der Nachhaltigkeit. „Die Finalisten zeigen mit ihren Ansätzen und Lösungen die enorme Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens“, freut sich Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB und Mitglied der Jury. Rund 100 Bewerbungen gingen ein, aus denen die Jury zusammen mit anderen Mitgliedern des DGNB Innovationsbeirats neun Kandidaten ausgewählt hat.

Vielversprechende Innovationen

In der Kategorie „Forschung“ finden sich drei Finalisten. Im Rahmen des Projektes BauCycle wird zusammen mit dem Fraunhofer Institute eine ganzheitliche Verwertungsstrategie für Bauschutt und dessen Feinfraktion erforscht. Heraus kam ein neuer Lösungsansatz für das Baustoffrecycling. Ein weiteres Forschungs- und Entwicklungsprojekt von Arup, Mogu und Ardex entwickelt momentan eine Strategie für die Nutzung von Bioverbundwerkstoff Myzelium und die Agriculture Lighting Facade ermöglicht mit ihrem neuen Projekt den ganzjährigen Gemüseanbau hinter Glasfassaden.

Schon die Kategorie „Forschung“ verspricht also besonders nachhaltige Ideen und Strategien zum Klimaschutz und einer positiven Ökobilanz. In der Kategorie „Start-up“ sticht vor allem eine Innovation von der Vilisto GmbH heraus: sie hat ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Wärmemanagement für Nichtwohngebäude entwickelt. So können Heizkörper vielleicht schon bald vollautomatisch, vorausschauend und bedarfsgerecht gesteuert werden. Die dritte Kategorie „Produktinnovation“ verspricht ebenfalls sehr interessante Ideen. So hat zum Beispiel die Intewa GmbH eine neue Systemlösung für einen fast geschlossenen Wasserkreislauf parat. Dieses System kann Regen und Grauwasser so aufbereiten, dass bis zu 95 Prozent Trinkwasser eingespart werden könnten. Alle Finalisten können mit Namen und Beschreibungen der Innovationen auf der Website vom DGNB eingesehen werden.

Das Publikum entscheidet

Wer sich in den drei Kategorien jeweils als Gewinner durchsetzen wird, zeigt sich am 25. Juni in Stuttgart im Rahmen des DGNB Tages der Nachhaltigkeit. Hier präsentieren sich die Kandidaten ab 14:30 Uhr mit Impulsvorträgen an einem eigenen Ausstellungsstand. Das Publikum bestimmt am Abend dann die Preisträger, die noch am selben Tag bekannt gegeben und ausgezeichnet werden.

Steuerliche Förderung bei Gebäudesanierung

Bundesbauminister Horst Seehofer kündigte Pläne an, Gebäudesanierungen in Zukunft mit einer steuerlichen Förderung zu belohnen. Das Baugewerbe begrüßt diesen Vorschlag.

Um den Klimaschutz voranzutreiben, hat Seehofer konkrete Pläne. So sei es wichtig, den Klimaschutz vor allem im Gebiet Gebäude und Gebäudesanierung endlich voranzutreiben, da der Gebäudebereich in diesem Anliegen bisher viel zu wenig im Mittelpunkt gestanden hätte. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) freut sich über diese Entscheidung: „Die energetische Sanierung des Gebäudebestandes bietet ein riesiges Potenzial, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren und somit einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten”, erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB. „Daher können wir die Ankündigungen des Bundesbauministers, die Sanierung von Altbauten steuerlich zu fördern, nur begrüßen.“

Dass Klimaschutzmaßnahmen bei Gebäuden bisher eher im Hintergrund waren, ist bei den aktuellen Zahlen ziemlich überraschend: so könnten durch die Steuervergünstigungen 3,39 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Würde die Förderung 20 bis 30 Prozent betragen, könnten rund ein Viertel der Einsparungen im Gebäudebereich anfallen. Letztendlich könnte der CO2-Ausstoß mit der Sanierung von Häusern um rund zwei Drittel verringert werden. Bisher standen den gewünschten Änderungen einige Punkte im Weg. So ist im geplanten Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 keine steuerliche Förderung zur Gebäudesanierung vorgesehen. So wie im Entwurf für das Jahr 2019 wird dieser Punkt überhaupt nicht berücksichtigt. Bisher liegt die Sanierungsrate von Altbauten im Jahr nur bei einem Prozent, umso wichtiger werde es laut dem Baugewerbe, die vorgesehene Förderung aus dem Koalitionsvertrag endlich in die Tat umzusetzen.

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Wie sauber werden Solarmodule entsorgt?

Bald ist es so weit: die erste große Welle an Solarmodulen in Deutschland muss entsorgt werden. Einige enthalten allerdings hochgiftige Materialien. Was passiert damit?

Laut einer aktuellen Prognose soll ab 2020 zwischen 20.000 und 200.000 Tonnen Solarzellenabfall anfallen. Spätestens dann ist die geschätzte Lebensdauer von 25 Jahren der ersten in Deutschland installierten Welle an Photovoltaik-Anlagen erreicht. Nach 2020 sollen die geschätzten Zahlen kontinuierlich steigen und können bis 2035 schon mehrere Millionen betragen. Die Lebensdauer von 25 Jahren kommt deshalb zustande, weil die Module über die Jahre viele kleine Defekte entwickeln können. Dafür verantwortlich sind Schäden durch Wind und Wetter an Kabeln und Oberflächen der Anlagen. Bei solchen Schäden müssen allerdings nicht zwingend die ganzen Module ausgetauscht werden, oftmals sind es nur einzelne Bauteile.

Wohin mit dem Abfall?

Zuständig für die Entsorgung der ausgedienten Module sind grundsätzlich die sogenannten „Erstinverkehrbringer“, nämlich Hersteller und Importeure. Nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz sind sie dazu verpflichtet, die zurückgenommenen Elektroaltgeräte auf eigene Kosten ordnungsgemäß zu entsorgen. Für Privatpersonen und Installationsbetriebe, also nicht-Erstinverkehrbringer, ist die Entsorgung auf einem öffentlich-rechtlichen Wertstoffhof kostenlos. Dort werden die Module von anderen Geräten getrennt und von speziellen Entsorgungsunternehmen abgeholt.

Wie steht es um Recycling?

Seit mehr als 15 Jahren wird bereits an Recyclingverfahren für Solarmodule geforscht. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig, freut sich über die Entwicklung: „Entsorgungsfachbetriebe sind heute in der Lage, Altmodule so zu recyceln, dass die Wertstoffe fast vollständig wieder einem Produktionsverfahren als Sekundärrohstoffe zugeführt werden können.“ Er sieht in den kommenden, zu recycelnden Modulen eine Chance für Deutschland, sich einen technologischen Fortschritt zu erarbeiten.

Auch das Umweltbundesamt kann die Erfolge beim Recycling der Photovoltaik-Anlagen bestätigen. So könne man momentan bereits 70 Prozent des verbauten Materials in Form von Metall und Glas wieder verwenden. „Aufgrund der Zusammensetzung eines PV-Moduls aus überwiegend Glas, Aluminium und Kunststoffen können nach unseren Informationen mehr als 90 Prozent des PV-Moduls recycelt beziehungsweise verwertet werden“, erklärt Axel Strobelt.

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Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises verliehen

Stararchitekt Bjarke Ingels aus Dänemark kann sich über den Ehrenpreis des diesjährigen Deutschen Nachhaltigkeitspreises freuen. Er überzeugt mit besonderen Gebäuden.

„Bjarke Ingels ist der Architekt unserer Zeit“, schwärmt der Initiator der Auszeichnung, Stefan Schulze-Hausmann. „Er nimmt die wichtigsten globalen Strömungen auf und setzt sie in spektakuläre Bauwerke um, die dem Menschen dienen und neue Maßstäbe in puncto Nachhaltigkeit setzen.“

Laut der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis hat sich der Architekt der Bjarke Ingels Group in den letzten Jahren zu einem der erfolgreichsten Architekten entwickelt. Er zeige der Welt, „dass saubere Technologien grenzenlose Möglichkeiten bieten und soziale Verantwortung mit architektonischer Extravaganz zusammengehen kann.“ Zu seinen bekanntesten Werken gehört zum Beispiel das pyramidale Bauwerk VIA 57 im Westen Manhattans, das bereits 2016 den Internationalen Hochhaus Preis gewann. Auch ist er durch die Planung am „2 World Trade Center“ bekannt. Ein besonders nachhaltiges Werk ist das Müllheizkraftwerk „Copenhill“ in Kopenhagen: es wird in Zukunft nicht nur Großteile der Stadt mit Energie versorgen, sondern produziert auch noch mehr sauberes Wasser, als es verbraucht. Außerdem dient es durch die Gestaltung des Dachs als Skipiste und Naherholungsgebiet. Am 22. November 2019 wird der Architekt seinen Preis entgegennehmen.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur

Noch bis zum 7. Juni 2019 können sich Bauherren, Architekten oder Nutzer von Neu- und Bestandsbauten um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur bewerben. Dabei ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung keine Bedingung für eine Bewerbung.

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Solarzellen in die Wand statt aufs Dach

Der größte Anteil der Photovoltaikanlagen in Deutschland ist auf Dächern montiert. Dabei gibt es bereits in die Wand integrierbare Solarmodule, die viele Vorteile bieten.

Der weltweite Markt für sogenannte solare Gebäudehüllen wird immer größer. Befürworter sehen vor allem Vorteile für Städte: mit Solarmodulen in den Wänden anstatt nur auf dem Dach könnten sie ihren Energieverbrauch um einiges nachhaltiger gestalten. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energie haben nun Empfehlungen hervorgebracht, wie sich europäische Hersteller erfolgreicher auf dem Markt behaupten können. Dabei sind vor allem Punkte wie die Integration der Techniken in die Planungswerkzeuge und Prozesse der Baufachleute wichtig.

75 Prozent aller Solarstromanlagen in Deutschland befinden sich auf Dächern, 25 Prozent sind Freiflächenanlagen. Der Anteil von bauwerkintegrierten Solarmodule ist bisher sehr klein. Dieser geringe Anteil scheint bei den vielen Vorteilen allerdings verwunderlich: so übernehmen die direkt integrierten Anlagen, die nicht auf sondern in Dach und Fassade angebracht sind, auch die klassischen Aufgaben wie Wind-, Wetter-, Schall-, und Wärmeschutz.

Eine Analyse zeigt, dass die geeigneten Flächen für integrierte Solarmodule an Gebäuden ausreichend vorhanden sind. Eine Dissertation des Fraunhofer-Instituts aus dem Jahr 2017 zeigt, dass die in Deutschland verfügbaren geeigneten Gebäudeflächen den Photovoltaikbedarf in einem komplett regenerativen Energiesystem um mehr als das Fünffache übersteigen. Zwar sind die gebäudeintegrierten Module teurer als andere Gebäudehüllen – wird die Gebäudehülle später jedoch sowieso saniert oder neu gebaut, reduzieren sich die gesamten Mehrkosten aber deutlich und gleichen sich wieder aus.

Aktuelle Projekte

In dem aktuellen Projekt SolConPro und dem 2018 gestarteten Projekt SCOPE arbeitet das Fraunhofer Institut weiter mit Partnern aus der Bauindustrie und Informationstechnik an der Einbringung von solaren Gebäudebestandteilen ins alltägliche Geschäft von Planern und Architekten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf digitalen Planungswerkzeugen. Das Institut und seine Partner wollen erreichen, dass einem Planer, der eine Fassade sucht, Solarfassaden als Auswahlmöglichkeit zur Verfügung stehen. So soll der bisherige Nischenmarkt sich als Massenmarkt etablieren und die Energiewende wieder in Schwung gebracht werden.

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Achtung: Abwerbeversuche im Handwerk!

Immer öfter kommt es vor, dass Headhunter auch Mitarbeiter von Handwerksbetrieben kontaktieren. Für die vom Fachkräftemangel betroffenen Betriebe keine gute Nachricht.

Ein Fall in der Nähe von Mannheim sorgt für Aufsehen: Vor dem Gelände einer mittelständischen Schreinerei hat ein Headhunter die Mitarbeiter gefragt ob sie denn bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber noch zufrieden seien und ihnen seine Visitenkarte gegeben. Das Ganze fand offenbar im Auftrag eines großen deutschen Automobilherstellers statt. Vor dem Hintergrund des sowieso schon herrschenden Fachkräftemangels in den Handwerksbetrieben eine brisante Situation. Detlev Michalke von der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald ist erstaunt: „Für mich war das neu, ich habe zum ersten Mal gehört, dass Headhunter sich auch für Mitarbeiter von Handwerksbetrieben interessieren.“ Aber er ist auch alarmiert: „Die Betriebe haben bereits immense Probleme ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden, überall fehlen Auszubildende, Gesellen und Meister.“ Laut Bundesagentur für Arbeit sind zurzeit rund 150.000 Stellen im Handwerk offen. Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) geht allerdings von einer viel größeren Dunkelziffer und bis zu 250.000 unbesetzten Stellen aus.

Mehrere Fälle von Abwerbeversuchen

Der Fall bei Mannheim ist dabei nicht der einzige. Vor einiger Zeit gab es Versuche Fleischerei-Fachverkäufer von Metzgereien abzuwerben, so berichtete die „Schwäbische Zeitung“. Bei einem Elektrobetrieb im Landkreis Freudenstadt legten sich die Headhunter mit fast krimineller Energie ins Zeug. So hatten die Personalberater unter dem Vorwand von der örtlichen Handwerkskammer zu kommen und mit den Angestellten über Qualifizierungsmaßnahmen sprechen zu wollen, die privaten Telefonnummern erfragt. Mitarbeiter, die mit der Weitergabe ihrer Daten einverstanden gewesen waren, wurden im Anschluss von Headhuntern kontaktiert, die sie für ein anderes Unternehmen abwerben wollten. Die zuständige Handwerkskammer Reutlingen hatte dabei rein gar nichts damit zu tun.

Rechtliche Grenzen

Johan-Michel Menke, Fachanwalt für Arbeitsrecht, stellt klar, dass ein Abwerben von Mitarbeitern auf normalen Weg aber nicht verboten sei. Dennoch gebe es Grenzen, die einzuhalten seien. „Unternehmen dürfen Mitarbeiter der Konkurrenz nur abwerben, wenn sie sie auch wirklich einstellen wollen und nicht nur, um die Konkurrenz zu schwächen“, sagte Menke gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Auch Mitarbeiter dazu zu bewegen Vertragsbruch zu begehen, indem sie beispielsweise ohne Grund fristlos oder unter Nichtbeachtung der Kündigungsfrist kündigen, sei nicht zulässig. „Unzulässig ist darüber hinaus das störende Eindringen in die Geschäftssphäre des Konkurrenten zum Zwecke des Abwerbens seiner Mitarbeiter“, ergänzt Menke. Das Betreten des Betriebsgeländes ist Headhuntern also nicht gestattet.

Erhalten Angestellte einen einmaligen Anruf von Headhuntern, stelle dies noch keinen unlauteren Eingriff in den Gewerbebetrieb dar, erläutert der Rechtsexperte. Wiederholen sich die Anrufe bei mehreren Mitarbeitern, sieht die rechtliche Lage hingegen anders aus: Wird ein Betrieb Opfer solcher unlauteren Abwerbeversuche, kann er Unterlassungsansprüche gegenüber dem Abwerbenden geltend machen. Wegen „sittenwidriger Schädigung oder wegen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb“ kommen so unter Umständen sogar Schadensersatzansprüche in Betracht.

Rechte der Arbeitnehmer

Mitarbeiter haben generell natürlich die Möglichkeit, sich mit Vertretern anderer Firmen über ein potenzielles neues Arbeitsverhältnis auszutauschen, macht Niclas Volkening, Unternehmensjurist bei der Reply AG in Gütersloh, die Rechte von Arbeitnehmern deutlich. Finden solche Gespräche aber in der Arbeitszeit statt, gibt es natürlich Grenzen. Angestellte sind nicht verpflichtet ein erstmaliges Gespräch direkt zu beenden. Ein Austausch der Kontaktdaten, damit ein Gespräch außerhalb der Arbeitszeiten stattfinden kann, ist immer möglich. „Vertragswidrig würde sich der Arbeitnehmer hingegen verhalten, wenn er während der Arbeitszeit ein längeres oder gar mehrere Gespräche mit dem potenziellen neuen Arbeitgeber führt“, so Volkening. „Dies würde einerseits einen Verstoß gegen seine Arbeitspflicht während der Arbeitszeit, andererseits aber gegebenenfalls auch gegen seine Treuepflicht darstellen.“

Detlef Michalke von der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald sieht Abwerbeversuche nicht nur als Kompliment für die Mitarbeiter, sondern auch als Weckruf für die betroffenen Unternehmen. Diese müssten sich die Mitarbeiterzufriedenheit genau anschauen und gegebenenfalls mehr für diese tun. Nicht nur das Gehalt, sondern auch der Wohlfühlfaktor und eine gute Arbeitsatmosphäre seien auschlaggebend um Mitarbeiter zu binden und zu halten. „Denn zufriedene Mitarbeiter wollen nicht weg.“