Gibt es bald Straßen aus Plastik?

Um das Plastikproblem zu lösen, arbeiten mehrere Unternehmen an einem Verfahren, das Recyclingplastik im Straßenbau einzusetzen. Ist das die Lösung für das Müllproblem?

„Plastic Road“ nennt sich das Projekt der niederländischen Straßenbaufirma KWS. Mit mehreren Partnern hat sie ein Stück Fahrradweg von 30 Metern Länge in der niederländischen Provinzhauptstadt Zwolle gebaut. Der Streckenabschnitt enthalte so viel recyceltes Plastik wie 218.000 Plastikbecher oder 500.000 Plastikschraubdeckel, heißt es auf der Website von KWS. Mit dieser Idee wollen viele Unternehmen dazu beitragen, das weltweite Plastikmüllproblem zu lösen. Neben dem hohen Recyclinganteil punkten auch weitere Kennzahlen: So versprechen die Initiatoren eine dreimal so hohe Lebensdauer wie die herkömmlicher Straßen. Man brauche weniger schwere Maschinen, um die Straßen zu bauen, weshalb auch die ökologischen Folgen kleiner seien. Der Bau folge außerdem dem Prinzip einer Kreislaufwirtschaft, denn die Straße lasse sich wieder recyceln und aus dem Material wiederum eine neue Straße bauen. Auch das britische Verkehrsministerium hat bereits Anfang des Jahres 1,6 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt, um den Einsatz von Recyclingplastik bei der Reparatur von Straßen zu testen. In Teilen Indiens ist es schon seit Ende 2015 Pflicht, Recyclingplastik im Straßenbau zu nutzen.

Landet das Material als Mikroplastik in der Umwelt?

Viele Fachleute befürchten, dass durch diese Methode das Material in die Umwelt verteilt wird. „Durch Abrieb und Alterungsprozesse können kleinere Kunststoffteile direkt in die Umwelt gelangen“, sagt Franziska Krüger vom Umweltbundesamt. Dieses Mikroplastik könne das Ökosystem langfristig belasten. Einer der Gründer der britischen Firma MacRebur, Toby McCartney, kann dagegen allerdings plausible Argumente liefern: So werde nicht die ganze Straße aus Plastik gebaut, sondern Plastik ersetzt einen kleinen Teil des zähen Bindemittels Bitumen, das im Asphalt steckt. „Unser Plastik wird auf 180 Grad erhitzt“, sagte McCartney dem Sender CNN, „es vermischt sich dann vollständig mit dem restlichen Bitumen in der Straße, sodass es kein Mikroplastik in unseren Straßen gibt.“ Einen Test, wie lange solche Straßen letztendlich halten, gibt es noch nicht. Das britische Unternehmen MacRebur etwa wurde erst im April 2016 gegründet. Der Inder Vasudevan ließ die erste Straße mit recyceltem Plastik 2002 bauen. Bis heute sei sie ohne Schäden, doch auch 17 Jahre sind für eine Straße noch keine allzu lange Zeit. „In der Regel sollte eine Straße mindestens 30 Jahre halten“, sagt Tommy Mielke vom Institut für Materialwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen gegenüber der Zeit.

So teuer ist energieeffizientes Bauen

Die CO2-Emissionen im Gebäudesektor müssen dringend gesenkt werden. Doch die Bauwerkskosten steigen mit der Energieeffizienz und übersteigen oft das Einsparpotenzial.

Etwa ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland stammt aus dem Gebäudesektor, vor allem das Heizen ist dafür verantwortlich. Dabei gibt es laut Klimaschutz-Experten und Politikern in diesem Sektor ein enormes Potenzial, was das Einsparen der CO2-Emissionen angeht. Bis 2030 sollten diese um rund 40 Prozent auf 72 Millionen Tonnen gesenkt werden. Doch dafür ist längst nicht genug passiert, das Ziel ist in den nächsten zehn Jahren also kaum noch erreichbar. Denn um die Ziele bis 2030 zu erreichen, müssten entweder die CO2-Emissionen von 40 Prozent aller Gebäude auf null sinken oder von rund 80 Prozent aller Gebäude halbiert werden.

Baubranche warnt vor hohen Kosten für Energieeffizienz

Im Rahmen der aktuellen Diskussion, wie sich Gebäude schnell energieeffizient gestalten lassen, veröffentlichte der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) eine Analyse zu den Baukosten. Das Fazit aus der Studie „Auswirkungen energetischer Standards auf die Bauwerkskosten und die Energieeffizienz im Geschosswohnungsbau in Deutschland“: je effizienter das Haus, desto höher auch die Baukosten. Durchgeführt hat die Studie die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE). Dabei wurden mehr als 35.000 Wohnungen mit über 2,8 Millionen Quadratmetern Wohnfläche berücksichtigt. Die Analyse stellt eine Kostenübersicht für die aktuell gängigen Baustandards nach der Energieeinsparverordnung (EnEV 2016) bis hin zum energiesparendsten Niveau, dem KfW-Effizienzhaus-40-Standard, auf.

Fast 300 Euro mehr pro Quadratmeter

Wie hoch die Kosten liegen, fasst Reinhard Quast, Präsident des ZDB zusammen: „Bei einer Anhebung der Standards von dem derzeit geltenden EnEV 2016 auf das Effizienzhaus 40 steigen allein die Bauwerkskosten um 260 Euro pro Quadratmeter. Das sind bei 100 Quadratmetern Wohnfläche 26.000 Euro.“ Laut der Analyse liegen die Bauwerkskosten im EnEV-2016-Standard bei 1.666 Euro im Median pro Quadratmeter, beim Effizienzhaus steigt der Wert auf satte 1.926 Euro. Und dabei sei das Energiesparpotenzial mit jährlichen 18 Kilowattstunden pro Quadratmeter vergleichsweise gering. „Die Entwicklung bei Kosten und Verbräuchen laufen nicht linear. Bei ambitionierten energetischen Standards steigen die Kosten aufgrund des hohen baukonstruktiven und anlagentechnischen Aufwands exponentiell an, während die Kurve des möglichen Einsparpotenzials beim Energieverbrauch immer weiter abflacht“, sagt Dietmar Walberg, Geschäftsführer der ARGE. Rechnet man zu den Zahlen dann auch noch die Grundstücks-, Erschließungs- und Nebenkosten hinzu, komme man beispielsweise in Hamburg schon mit den heute gängigen Standards auf 4.000 Euro Baukosten pro Quadratmeter, erklärt Walberg. „Das führt dazu, dass sie heute kaum noch einen Mietwohnungsbau hinbekommen, in dem für unter zehn Euro pro Quadratmeter vermietet werden kann.“

Ein optimiertes BIM-Tool im Holzbau

BIM bietet für die Baubranche vielerlei Potenziale und erleichtert und digitalisiert zunehmend wichtige Aufgaben. Jetzt soll das Tool für den Holzbau optimiert werden.

Das Potenzial, den industrialisierten Holzbau technisch und wirtschaftlich zu revolutionieren und dem Bauen mit Holz zu breiterem wirtschaftlichen Erfolg zu verhelfen, bietet BIM schon lange. Allerdings ist die BIM-Methode für die Anforderungen des modernen Holzbaus noch nicht wirklich optimiert worden. Dieser Aufgabe stellen sich nun die Lehrstühle „Entwerfen und Holzbau“ und „Architekturinformatik“ der Technischen Universität München (TUM). Sie möchten mit ihrem Forschungsprojekt BIMwood nun dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ unterstützt das Projekt finanziell und zusammen mit dem Praxispartner Prause Holzbauplanung, den BIM Experten AEC3, lattkearchitekten und dem Holzbauunternehmen Gumpp & Maier startet das Projekt im August 2019 für zunächst drei Jahre. Mit dem Projekt möchte man herausfinden, wieso das BIM-Tool momentan noch nicht bereit für den Holzbau ist und wo die Herausforderungen liegen. Daraus sollen dann konkrete Vorschläge für eine holzbaugerechte BIM-Anwendung entwickelt werden. In einem Handbuch möchte man diese Ergebnisse danach veröffentlichen. Denn allen Partnern ist klar: Bevor man BIM für den Holzbau fit gemacht hat, bleibt diese Art des Bauens insbesondere beim urbanen und großvolumigen Bauen außen vor und nicht konkurrenzfähig.

Holzbau ist wichtiges Ziel für die Zukunft

In der Charta für Holz 2.0 sieht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bereits eine Steigerung der Holzbauquoten im Wohnungs-, öffentlichen und Industriebau vor. Das BMEL strebt damit eine stärkere und ressourceneffizientere Holzverwendung aus nachhaltiger Forstwirtschaft an, die für mehr Klimaschutz und Wertschöpfung sorgt. Das Projektteam rund um die TU München will nun zügig in die Untersuchungen einsteigen, um der Branche parallel zu den schnell voranschreitenden Entwicklungen in der digitalen Planung neuste Erkenntnisse aus BIMwood zu bieten. Das vom BMEL durchgeführte und vom gleichen Förderprogramm geförderte vorangegangene Projekt „HOLZundBIM“ liefert bereits einige Ergebnisse aus der Branche. Das 9-monatige Vorprojekt liefert die Grundlage für den Beginn der neuen Forschungsarbeit und gibt Aufschluss über die Art und den Umfang der Anwendung von BIM in der gesamten Prozesskette beim Planen und Bauen mit Holz in Deutschland. Die Zwischenresultate aus BIMwood sollen begleitend mit Experten und Forschungskollegen im deutschsprachigen Raum diskutiert und mit dem Stand in anderen Ländern verglichen werden, in denen BIM teilweise schon stärker etabliert ist.

Größtes Holzhochhaus der Welt in Wien

24 Stockwerke auf 84 Metern Höhe mitten in Wien. Der am meisten verwendete Baustoff? Holz. Nach fast drei Jahren Bauzeit können im Herbst die ersten Gewerbe einziehen.

Im Oktober 2016 begann der Bau am Rekordprojekt, im Herbst dieses Jahres ist es endlich soweit und das größte Holzhochaus der Welt, mit dem Namen HoHo, öffnet seine Tore. Mit neuem Platz für Büros, ein Fitnessstudio, Arztpraxen, Geschäfte, ein Restaurant und ein Hotel, bleiben keine Wünsche offen.

Der Holzbauanteil liegt ab dem Erdgeschoss bei ganzen 75 Prozent. Aber ist es im Hinblick auf die Abholzung überhaupt sinnvoll, so viel Holz in einem Gebäude zu verbauen? Dazu hat Caroline Palfy gegenüber dem Spiegel eine klare Haltung: „Ja, allerdings nur, wenn wir nachhaltige Forstwirtschaft betreiben.“ Das Holz müsse außerdem aus der Region kommen. Würde man Holz aus anderen Ländern importieren, hätte es ökologisch wenig Sinn. „Das Holz, das wir für das HoHo verbraucht haben, wächst in österreichischen Wäldern in einer Stunde und 17 Minuten nach.“Palfy ist eine Baumeisterin aus Wien und bekam den Auftrag, die freie Fläche im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Seestadt-Aspern zu gestalten und zu bebauen. „Ich wollte etwas machen, das nachhaltig und umweltfreundlich ist“, erzählt sie dem Spiegel. Diese Nachhaltigkeit erfährt man im Gebäude vor allem mit seinem Geruchssinn, denn in den Räumen duftet es nach Wald. Das Holz solle „erlebbar“ bleiben, meint Palfy. Daher wurde bei der Ausstattung auf Verkleidungen wie Tapete und Lackierung verzichtet.

Holz, wo es Sinn macht

In der Mitte wird das Gebäude von einem Betonkern gestützt, die Wände drum herum sind aus Holz. „Wir haben Holz dort verwendet, wo es Sinn macht“, sagt Palfy. „In den Böden haben wir neben 16 Zentimeter Holz aber auch eine zwölf Zentimeter dicke Schicht Beton, wegen des Schallschutzes. Hätten wir nur Holz verwendet, wäre es sehr hellhörig geworden. Oder wir hätten die Böden viel dicker machen müssen, was sich nicht gerechnet hätte.“ Auch Treppen und Teile des Tragwerks sind aus Beton, um eine gewisse Stabilität zu sichern. Die Betonelemente sind dabei mit Absicht sichtbar, um den Materialmix zu betonen. 4.500 Kubikmeter Fichtenholz wurden insgesamt verwendet, dabei habe der Holzbau im Vergleich zum konventionellen Betonbau fast 3.000 Tonnen CO2 eingespart. Das Energiekonzept des Gebäudes umfasst unter anderem Aufzüge mit Energierückgewinnung, Photovoltaik-Anlagen, Luft-Wasser-Kollektoren für den Pool und ein dezentrales Lüftungssystem mit Konditionierung. Auch eine intelligente Gebäudetechnik verringert die Betriebskosten.

Überdurchschnittlich viele Genehmigungen für Fertighäuser

Bereits im ersten Quartal 2019 schnitt die Holz-Fertigbauweise gut ab. Im zweiten Quartal setzt sie ihren Rekordkurs fort und erreicht erneut hohe Baugenehmigungszahlen.

Insgesamt 49.676 Ein- und Zweifamilienhäuser wurden von Januar bis Juni 2019 insgesamt genehmigt. Davon sind 10.221 in Fertigbauweise entstanden. Diese Zahlen hat das Statistische Bundesamt veröffentlicht. Aus den Zahlen geht hervor, dass der Gesamtmarkt gegenüber dem Vorjahrshalbjahr 0,6 Prozent einbüßte, während die Fertighaushersteller um 6,8 Prozent zulegen konnten. Im ersten Halbjahr 2018 lag die Fertigbauquote bei 19,2 Prozent, 2018 insgesamt bei 19,6 und im ersten Halbjahr 2019 stieg sie auf ganze 20,6 Prozent.

„Die Zahlen stimmen uns zuversichtlich, dass wir im Gesamtjahr 2019 endlich die lange angepeilte 20-Prozent-Zielmarke erreichen“, kommentierte am 1. September Achim Hannott, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF). Für den Rekordkurs der Holz-Fertigbauweise sind vor allem die Baugenehmigungen in Süddeutschland verantwortlich. So wurde allein in Bayern und Baden-Württemberg rund die Hälfte aller Fertighäuser im ersten Halbjahr 2019 genehmigt. „Aber auch in den meisten anderen Bundesländern haben Fertighäuser ihren Marktanteil weiter ausbauen können“, resümierte Herr Hannott.

Handwerk unterstützt neue Regelungen für öffentlichen Dienst

Die Grünen wollen den gehobenen und höheren Dienst im öffentlichen Dienst für Absolventen beruflicher Bildung öffnen. Der Handwerkspräsident befürwortet das Vorhaben.

„Das Handwerk unterstützt ausdrücklich die Initiative der Grünen, Laufbahnregelungen im öffentlichen Dienst so zu ändern, dass bei Stellenausschreibungen für den gehobenen und höheren Dienst auch Bewerberinnen und Bewerber ohne Hochschulabschluss, aber mit gleicher Qualifikation zum Zuge kommen“, erklärt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung dürfe nicht länger nur eine theoretische Forderung sein. Gerade der öffentliche Dienst sollte diese Gleichwertigkeit wo immer möglich vorleben und somit als Vorbild dienen.

Für Wollseifer müsse der öffentliche Dienst auch im gehobenen höheren Dienst zugänglich für Absolventen der beruflichen Bildung sein. „Auch ohne akademischen Abschluss muss der öffentliche Dienst im gehobenen und höheren Dienst für beruflich Qualifizierte geöffnet werden. Nur dann bekommen wir einen Sinneswandel in der Elterngeneration, ihre Kinder zu einer beruflichen Ausbildung zu ermuntern und sie dabei zu unterstützen. Entscheidend sollte die Gleichwertigkeit der Bildungsabschlüsse und nicht das gewählte Bildungssystem sein, das zu diesen geführt hat“, so Wollseifer.

Das Handwerk fordert, dass der Deutsche Qualifikationsrahmen wie der Nationale Qualifikationsrahmen in Österreich gesetzlich verankert wird. Damit würde die Gleichwertigkeit der Bildungsabschlüsse einen deutlich höheren Stellenwert erhalten. Die im aktuellen Entwurf des Berufsbildungsmodernisierungsgesetzes vorgeschlagene Einführung international verständlicher  Fortbildungsstufenbezeichnungen (Bachelor Professional und Master Professional) sei ein erster wichtiger Beitrag, um die berufliche Bildung zu stärken, ihre Attraktivität zu steigern und zudem zur Gleichbehandlung von Hochschulbildung und tertiärer Berufsbildung zu kommen.

Weniger Baugenehmigungen 2019

Die Bauindustrie ist enttäuscht von der Halbjahresbilanz: Die Wohnungsbaugenehmigungen sind in den ersten sechs Monaten 2019 um etwa 2,3 Prozent zurückgegangen.

Wurden im ersten Halbjahr 2018 noch 86.110 Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigt, liegt diese Zahl im ersten Halbjahr 2019 bei enttäuschenden 83.400. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 Prozent. Insgesamt sei der Neu- und Umbau von 164.640 Wohnungen genehmigt worden, also 3.850 Wohnungen beziehungsweise 2,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. „Wir sind von der Halbjahresbilanz ziemlich enttäuscht. Insbesondere der Rückgang im Mehrfamilienhausbau sollte – mit Blick auf die anhaltende Wohnungsknappheit in unseren Großstädten – für die Politik ein Warnruf sein. Die anhaltende Diskussion über Enteignung und Mietendeckel, könnte dazu führen, dass sich der Rückgang der Genehmigungen auch im zweiten Halbjahr fortsetzen wird. Denn damit kurbelt man den Wohnungsbau nicht an. Hiermit erreicht man nur, dass sich Investoren zurückziehen.“ Mit diesen Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen.

Babiel kritisiert den Weg, den die Politik geht, um „an den Symptomen herumzudoktern“. Es müsste dagegen zusätzliches Bauland ausgewiesen, innerstädtische Gebäude aufgestockt und Planungskapazitäten in den Kommunalverwaltungen erhöht werden, um für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Auch der Wohnungsbau müsse schneller und effizienter gestaltet werden. Deshalb setzt der Verband auf einen Durchbruch beim seriellen und modularen Wohnungsbau – Stichwort Typengenehmigung und Partnerschaftsmodelle. „Damit verkürzt der serielle Wohnungsbau nicht nur die Planungs- und Bauzeit, sondern kann auch zur Kostensenkung beitragen und die Bauverwaltungen entlasten“, so Babiel.

DGNB zertifiziert bald nachhaltige Gebäude und Quartiere

In einer laufenden Kommentierungsphase testet die DGNB, wie gut ihre Änderungen zu Nachhaltigkeitsbestimmungen für ein Zertifikat bei allen Interessierten ankommen.

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat sowohl das System für Gebäude im Betrieb als auch die Kriterienkataloge für Quartiersnutzungen optimiert und letztere zu einem Dokument zusammengeführt. Bei den Änderungen handelt es sich um Optimierungen des Zertifizierungssystems. Zu beiden Weiterentwicklungen hat die DGNB eine Kommentierungsphase gestartet. Bis Ende August haben nun alle interessierten Bauherren, Planer und Auditoren die Möglichkeit, ihre Anmerkungen zu den Kriterien abzugeben. Die Kommentierung ist auf der Website der DGNB möglich. Auch ist eine Anmeldung von Pilotprojekten zur Anwendung der neuen Systemvarianten möglich. Die ersten Zertifikate sollen bereits im Oktober in München verliehen werden. „Bei Weiterentwicklungen geht es nicht allein um die Anpassung an aktuelle Normen und Regularien“, erklärt Johannes Kreißig, Geschäftsführer der DGNB. „Wir nehmen neue, relevante Themen mit auf, lassen aber auch Kriterien weg, bei denen sich die Umsetzung von Anforderungen bereits umfassend in der Praxis etabliert hat.“ Zudem wird mit jeder neuen Version auch die praktische Anwendbarkeit der Zertifizierungssysteme verbessert. Das Zertifikat stärkt die Investitionssicherheit, macht eine Vergleichbarkeit zwischen einzelnen Gebäuden möglich und kann im Bereich des Portfoliomanagements eingesetzt werden.

Die Neuerungen

Das übergeordnete Ziel der Zertifizierung von Gebäuden im Betrieb ist es, diesen den Weg zur Klimaneutralität zu ebnen. Dafür wurde der gebäudeindividuelle Klimaschutzfahrplan erstellt. Außerdem ist das DGNB-System von nun an nutzungsabhängig bei allen Gebäudetypen anwendbar. Vorher gab es nur eigenständige Varianten für Büro- und Verwaltungsgebäude sowie für Shoppingcenter. Bei der Zertifizierung von Quartieren wurden die für Stadtquartiere, Businessquartiere, Event Areale, Gewerbegebiete und Industriestandorte gültigen Kriterienkataloge zusammengeführt. Je nach Nutzungstyp sind rund 30 Kriterien bei der Zertifizierung zu berücksichtigen. Außerdem gibt es nun eine andere Gewichtung der fünf Themenfelder in der Zertifizierung. Dabei fließen insbesondere die Kriterien der Prozessqualität künftig stärker in die Bewertung mit ein. „Damit wird nochmals mehr betont, dass das DGNB-System für Quartiere ein integrales Planungstool ist, mit dem die Nachhaltigkeitsqualität eines Projekts über den gesamten Lebenszyklus optimiert werden kann“, erklärt Herr Kreißig. Auch die Wichtigkeit des Themas Partizipation in der Projektentwicklung wird gestärkt.

An einem Pilotprojekt werden die Kriterien parallel zur Kommentierungsmöglichkeit getestet. Auch hier besteht für Interessierte die Möglichkeit, sich mit eigenen Projekten zu beteiligen. Erste Auszeichnungen wird die DGNB voraussichtlich bereits im Rahmen der Expo Real vom 7. bis 9.Oktober 2019 in München vergeben.

Ab wann ein Datenschutzbeauftragter Pflicht wird

Der Bundestag hat ein neues Gesetz zur Datenschutz-Anpassung verabschiedet. Das Handwerk begrüßt die Neuerungen. Was sich für kleine und mittlere Unternehmen nun ändert.

Beschäftigt ein Unternehmen oder ein Verein mehr als zehn Personen, die ständig mit automatisierter Verarbeitung von Personendaten zu tun haben, musste bisher ein Datenschutzbeauftragter bestellt werden. Dank der Neuerungen eines zweiten Datenschutz-Anpassungs- und Umsetzungsgesetzes liegt die Zahl der nötigen Personen für die Bestellung eines solchen Beauftragten nun bei 20 Personen. Diese Änderung wird etwa 90 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland entlasten.

Das Handwerk sieht in der Änderung einen Schritt in die richtige Richtung. Der Schritt packe allerdings nicht am richtigen Problem an. „Der Bundestag setzt mit den beschlossenen Erleichterungen beim Datenschutz ein wichtiges Signal. Die Verdoppelung der zur Bestellung eines Datenschutzbeauftragten relevanten Mitarbeitergrenze auf 20 Personen löst aber nicht das grundlegende Problem“, kommentiert Holger SchwanneckeGeneralsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Das grundlegende Problem sei weiterhin, dass für die Bundesländer verschiedene Bestimmungen gelten. „Es kann nicht sein, dass Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg anders behandelt werden als vergleichbare Betriebe aus Bayern oder Brandenburg. Handwerksbetriebe brauchen Rechtssicherheit“, so Schwannecke. Für ihn sei die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) richtig und ausreichend. Weitergehende Regeln seien überflüssig und sollten seiner Meinung nach gestrichen werden.

Handwerk nicht mit Amazon und Co. vergleichbar

Dass für handwerkliche Betriebe die gleichen datenschutzrechtlichen Bestimmungen wie für große Internetkonzerne gelten, findet der Generalsekretär unfair: „Handwerksbetriebe stellen kein relevantes Risiko für den Datenschutz dar und sollten geringeren Anforderungen als Internetgiganten und Anbietern sozialer Medien unterstellt werden. Es macht einen Unterschied, ob ein globaler IT-Konzern oder ein regionaler Handwerksbetrieb die Daten seiner Kunden verarbeitet. Diese Unterschiede müssen in Gesetz und Praxis stärker zur Geltung kommen.“, teilt er mit. Die Bundesregierung müsse sich jetzt dafür einsetzen, den Datenschutz risikogerecht, praxisnah und für alle Betriebe umsetzbar zu gestalten. Vor allem seien hierzu Anpassungen der zahlreichen Informations- und Dokumentationspflichten nötig.

Intelligente Gebäudetechnik spart Energie für die Zukunft

In einem neuen Interview mit dem CEO von Siemens Smart Infrastructure wird klar, welche wichtige Rolle intelligente Gebäude schon bald bei uns spielen werden.

Wenn die eigenen vier Wände mit einem reden und eigenständig Wärme- und Lichtregulierung betreiben und somit den Energieverbrauch eines Gebäudes drastisch senken – so kann die Zukunft mit intelligenter Gebäudetechnik aussehen. Aber auch, wenn Gebäude intelligent sind und ihre Umgebung verstehen, kommunizieren und lernen, muss immer noch der Mensch im Mittelpunkt stehen. Diese Ansicht vertritt Cedric Neike, CEO von Siemens Smart Infrastructure in einem neuen Interview. Schon 2020 werden voraussichtlich 50 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein, 20 Prozent davon werden zur Gebäudetechnik gehören. Das bedeutet eine große Datenmenge, die für intelligente Gebäude aufbereitet und auch analysiert werden muss. Laut Neike werden aktuell rund 50 Prozent der Energie in einem Gebäude verschwendet. Nach einer aktuellen Studie sei es jedoch möglich, den Energieverbrauch und somit den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes durch Digitalisierung und Vernetzung um satte 80 Prozent zu senken. Längst gibt es für Gebäude nicht mehr nur die Möglichkeit, Energie zu verbrauchen, sondern auch, welche zu erzeugen. Neike bezeichnet diese Art von Gebäude als intelligente „Prosumenten“, die sich mit der Außenwelt austauschen.

Häuser als Energiebatterien nutzen

In Kanada erprobt Siemens aktuell bereits die Nutzung intelligenter Gebäudetechniken in Gebieten, in denen Elektroheizungen weit verbreitet sind. Dort wird überschüssige Wärmeenergie in Boilern direkt in den Häusern wie in einer Batterie gespeichert und kommt dann in Zeiten zum Einsatz, in denen die Gebäude weniger Strom erzeugen. Dabei werden mehrere Gebäude zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen und beziehen ihre Energie aus diesen Speichern. Laut Aussagen von Neike würde das den Bau von ein bis zwei Kohlekraftwerken überflüssig machen. Im Rahmen eines anderen Projekts hat Siemens gemeinsam mit dem amerikanischen Start-up LO3 ein Inselnetz in New York aufgebaut, in dem Gebäudeeigentümer überschüssige Solarkapazitäten an ihre Nachbarn verkaufen können. Neike freut sich über die so entstandene Gemeinschaft von Stromhändlern. Eines Tages, so die Hoffnung des Siemens-Managers, werden Gebäude „intelligent genug sein, um die Bedürfnisse der Nutzer vorauszusehen“. Sie wären damit ein Bestandteil von Lebensräumen, die sowohl dem Menschen als auch der Umwelt zu Gute kommen.