Städte fordern mehr Unterstützung beim Klimaschutz

Eine aktuelle Studie hat 15 europäische Städte zum Thema Klimaschutz befragt. Viele Städte wünschen sich vor allem mehr politische Unterstützung bei dem Klimaproblem.

„Bridging the Climate Gap“ („Überbrückung des Klimaspalts“) heißt die neue Studie, die untersucht, was europäische Städte daran hindert, wichtigen Nachhaltigkeitszielen nachzukommen. Die thinkstep AG und Drees & Sommer haben dazu insgesamt 15 europäische Städte untersucht, darunter beispielsweise Glasgow, Helsinki, München und die schwedische Stadt Växjö. Immerhin sind sich alle Städte einig: die Folgen der globalen Erwärmung sind relevant für alle von ihnen. Das zentrale Ergebnis lautet aber vor allem: Mehr als 60 Prozent der untersuchten Städte fehlt eine stärkere politische Unterstützung.

Im Fokus der Studie stehen Fragen wie „Welche Strategien und Maßnahmen verfolgen Städte und Kommunen für den Klimaschutz?“ oder „Reichen die aktuellen Maßnahmen aus, um unter dem empfohlenen Temperaturanstieg von 1,5 Grad zu bleiben und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern?“ Die beiden Leiter der Studie, Martin Blumberg von der thinkstep AG und Gregor Grassl von Drees & Sommer führten viele Interviews und Umfragen mit den ausgewählten Städten durch.

Es fehlen Geld und Bildung

Längst nicht alle Städte fühlen sich dazu in der Lage, im Alleingang die notwendigen Maßnahmen durchzusetzen. So gaben mehr als 60 Prozent der Städte an, dass ihnen eine stärkere politische Unterstützung fehle, obwohl diese eigentlich notwendig wäre. „Wenn Sie Politiker fragen würden, würde niemand sagen, dass ihnen die CO2-Einsparung egal ist. Ich glaube jedoch, dass dies in der Praxis nicht die oberste Priorität hat“, so Martin Blumberg. 40 Prozent der befragten Städte sind gar der Ansicht, dass sie nicht über administrative Strukturen für multidisziplinäre Klimaschutzmaßnahmen verfügen. Die größte Gemeinsamkeit haben die Städte anscheinend im Bereich der Finanzierung: 70 Prozent der Städte antworten, dass ihnen die finanziellen Mittel fehlen, um ehrgeizigere Klimaschutzziele zu verfolgen. Außerdem geben zwei Drittel der untersuchten Städte einen Mangel an Personal mit technischem Know-How an. Und sogar noch mehr sehen den Mangel an Bildung, Beratung und Ausbildung als Hindernis. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass wir mehr Mut und ganzheitliche Kompetenz zur Dekarbonisierung unserer Gesellschaft und Industrie brauchen. CO2-arme Technologien sind unsere Geschäftsmodelle von heute und schaffen den Wohlstand von morgen“, so Gregor Grassl.

Ein Lösungsweg

Dass es bereits möglich ist, mehr Nachhaltigkeit in Städten zu verfolgen, zeigt das Positivbeispiel Vaxjö. Hier sehen die beiden Studienautoren die Lösung in Einzelmaßnahmen wie der Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte, dem Bau kreislauffähiger Gebäude oder alternativer Finanzierungsmethoden. Vaxjö zeige, wie „die frühe und breite Einführung von Strategien und Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion zum wirtschaftlichen Wachstum und Wohlstand führen kann“.

Klinker werden immer beliebter

Sowohl Vormauer- als auch Pflasterklinker liegen schwer im Trend: bereits im dritten Jahr in Folge verzeichnet die deutsche Ziegelindustrie einen Produktionszuwachs.

Um ganze fünf Prozent stieg die Menge der Vormauerziegel im Jahr 2018 an, bei den Pflasterklinkern gab es sogar einen Anstieg von knapp 16 Prozent. Das entspricht für 2018 einer wertmäßigen Steigerung von 8,5 Prozent auf etwa 184 Millionen Euro im Bereich Vormauer und bei den Pflasterklinkern von knapp neun Prozent auf ungefähr 63 Millionen Euro.

„Die Kombination aus Wertbeständigkeit und der Möglichkeit mit Klinkern individuell zu gestalten überzeugt immer mehr Architekten, Bauherren und Investoren“, freut sich Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie (BVZI). „Klinker haben eine unbegrenzte Lebensdauer, sind dauerhaft farbecht, wartungsfrei und wertbeständig. Pflasterklinker sind darüber hinaus sehr robust, somit bestens für die täglichen Belastungen durch Verkehr und Fußgänger geeignet.“

Architekten von Bauvorhaben setzen bei der Gestaltung von Fassaden vor allem auf die Vielfalt an Formen, Farben und Oberflächen: „Wir stellen fest, dass Architekten beim Objekt- und Wohnungsbau verstärkt auf individuelle Fassadengestaltung mit Ziegeln setzen“, erläutert Frederichs. Laut dem Hauptgeschäftsführer haben sich die Hersteller von Vormauerziegeln besonders gut auf diese Anforderungen von Architekten und Bauherren eingestellt und sind in der Lage, auch Sonderanfertigungen in der gewünschten Qualität zu produzieren.

Handwerk und Bau fürchten um Qualitätsstandards

Die EU-Kommission strebt eine Vereinheitlichung aller europäischen Normen an, damit diese europaweit gelten. Bauverbände machen sich Sorgen um die zukünftige Bau-Qualität.

Die Maße eines DIN-A4 Blattes sind wohl die bekannteste Norm, die man als Europäer kennt. Durch diese Norm wird zum Beispiel gewährleistet, dass das Blatt Papier in jeden Drucker, Aktenordner oder auch Kopierer passt. Diese und viele weitere Normen werden durch das Deutsche Institut für Normung (DIN) aufgestellt. Das Institut schätzt den gesamtwirtschaftlichen Nutzen von Normen auf 17 Milliarden Euro pro Jahr. Neue Produkte auf dem Markt können sich schneller etablieren, wenn sich die Kunden auf das Einhalten von Normen verlassen können. Wenn die Stecker von Elektroautos beispielsweise nicht an jede Ladesäule passen, wirkt sich das negativ auf den Absatz von E-Autos auf.

Die EU will einheitliche Normen

Um sich widersprechende, nationale Normen aufzuheben, möchte die EU-Kommission nun eine Vereinheitlichung aller Normen in Europa durchsetzen. „In den vergangenen drei Jahrzehnten ist der Bestand schon von 150.000 auf 20.000 gesunken“, sagt Benjamin Kroupa, Referatsleiter Normung in der Abteilung Europapolitik des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks gegenüber der deutschen Handwerkszeitung. Diese geplante Harmonisierung finden allerdings längst nicht alle positiv. Vor allem Bauhandwerker beklagen, dass dadurch die hohen deutschen Qualitätsstandards verloren gingen.

Ein Urteil des Gerichts der Europäischen Union (EuG) bestärkte diese Befürchtungen: Anfang April wies es eine Klage der Bundesrepublik zurück, die die zwei Normen für Holz- und Sportböden durch zusätzliche nationale Vorschriften verschärfen wollte. Diese Verschärfungen betrafen Emissionen eines gesundheitsschädlichen Baustoffs. Insgesamt sechs Bauverbände, darunter der Zentralverband des deutschen Baugewerbes, finden es jetzt besonders wichtig, bei der bevorstehenden Reform der Bauprodukteverordnung sicherzustellen, dass nationale Regeln im Falle von Lücken in der europäischen Normung möglich werden.

Auch Handwerk hat Bedenken

Auch der Vertreter des Baugewerbeverbandes Westfalen, Oliver Hartmann, macht sich Sorgen um die Folgen der europaweiten Harmonisierung. Er befürchtet, dass durch den zunehmenden Einfluss der Industrie im Normungsprozess immer weniger Stimmen des Handwerks bei der Entwicklung neuer Produkte und Arbeitsweisen erhört werden. „Noch werden wir Handwerker gehört, aber es wird immer schwieriger, Leute für ein Ehrenamt in den Normungsgremien zu gewinnen“, sagt Hartmann. Vor allem im Falle von Putzmörtel beobachtet er zunehmend, dass immer mehr Werkputzmörtel auf den Markt kommen. Bei der Verarbeitung solcher Industrieprodukte sind umfangreiche Beschreibungen zu beachten. Hartmann befürchtet, dass durch immer knappere und konkretere Beschreibungen die Gefahr von Mängeln an den Produkten steigen könnte. Der Vertreter des westfälischen Verbandes hofft deshalb, dass sich ausreichend Praktiker finden, die sich trotz des hohen persönlichen Aufwandes in den Normungsprozess einbinden.

Rückenschmerzen vom Heben und Tragen

Auf dem Bau wird viel Gewicht gehoben und hin- und hergetragen. Das sorgt deutschlandweit für Rückenprobleme. Aber wie viel Gewicht dürfen Arbeitnehmer eigentlich tragen?

Nicht nur auf dem Bau, auch im Büro und an der Supermarktkasse klagen die Angestellten oft über Rückenschmerzen. Dabei sind Arbeitnehmer, die viel heben und tragen müssen, besonders anfällig für solche Schmerzen. 70 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung mindestens einmal jährlich an Rückenschmerzen. Laut der Deutschen Unfallversicherung klagen 40 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen über Schmerzen im unteren Rücken, die Beschwerden über Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich belaufen sich auf 45 Prozent bei den Männern und auf fast 58 Prozent bei den Frauen.

Arbeiter auf dem Bau sind besonders davon betroffen. „Anders als in Produktionsbetrieben, in denen sich Arbeitsabläufe oft wiederholen, ist es bei Arbeiten auf Baustellen manchmal schwierig, technische Hilfsmittel zur Entlastung einzusetzen“, sagt Dr. Falk Liebers gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Er ist Facharzt für Arbeitsmedizin und arbeitet bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Wie viel dürfen Männer und Frauen tragen?

Da es keine gesetzlichen Richtwerte zur maximalen Traglast gibt, kann der Facharzt lediglich aufgrund von Risikofaktoren schätzen, ab wann es gefährlich wird. „Wir gehen davon aus, dass ab einem Gewicht von 25 Kilogramm bei Frauen und 40 Kilogramm bei Männern bereits beim einmaligen Heben eine Gefährdung der Gesundheit vorliegen kann“, antwortet Dr. Liebers der Deutschen Handwerkszeitung auf diese Frage. Dabei betont er allerdings, dass er damit noch nicht auf individuelle Faktoren wie die Häufigkeit des Hebens oder auch die Körperhaltung und Greifmöglichkeiten eingeht, die eine wichtige Rolle spielen. Die einzigen Grenzwerte, die in einer gesetzlichen Form festgelegt sind, gelten für werdende Mütter und Jugendliche. So dürfen Schwangere keine regelmäßigen Lasten über 5 Kilogramm und keine gelegentlichen Lasten von über 10 Kilogramm tragen. Für Jugendliche gilt eine Grenze von 8 Kilogramm für Frauen und 14 Kilogramm für Männer. Diese Lasten dürfen allerdings nur über eine kurze Strecke getragen werden.

Rückenkurse mit Mitwirkungspflicht

Gerade in körperlich schweren Berufen sollten Arbeitgeber präventive Maßnahmen gegen Rückenprobleme fördern und den Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Mittlerweile gibt es beispielsweise viele Rückenkurse, die von Betriebsärzten oder Berufsgenossenschaften durchgeführt werden. Bei Maßnahmen, die der Arbeitgeber beschlossen hat, haben die Arbeitnehmer zwar keine Teilnehmerpflicht, aber eine gewisse Mitwirkungspflicht. Hilfsmittel, die zur Verfügung stehen, sollten genutzt werden. Oft werden Fehler in der Körperhaltung oder in Arbeitsgewohnheiten aufgedeckt, die dann behoben werden können.

Neues Einwanderungsgesetz gegen Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel in Deutschland wird ein immer ernsteres Problem. Ein neues Gesetz soll noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden und für eine Lockerung sorgen.

Obwohl die Zahl der Auszubildenden jährlich steigt, bleibt immer noch das große Problem des Fachkräftemangels. Viele Betriebe suchen ausgebildete und gute Arbeiter. In einer Zeit, in der viele Schulabgänger lieber studieren gehen als eine Ausbildung im Handwerk zu starten, müssen viele Handwerksbetriebe immer mehr Aufträge schlichtweg ablehnen, weil gerade einfach keine Fachkraft verfügbar ist. Auch der Generalsekretär des Verbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, ist der Meinung: „Mit Akademikern allein werden wir die Zukunft unseres Landes nicht bauen können.“

Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Ende März 2019 kann das Handwerk etwa 36.500 Ausbildungsverhältnisse verzeichnen. Das ist im Vergleich zum März 2018 ein Plus von 5,2 Prozent. „Inzwischen ist zum vierten Mal in Folge die Zahl neuer Ausbildungsverträge gestiegen – trotz sinkender Schulabgängerzahlen und des Trends zum Abitur“, freut sich Schwannecke. Insgesamt sei 2018 die Zahl aller Lehrlinge im Handwerk von 365.182 auf 368.033 gestiegen. Dabei blieben allerdings knapp 17.400 Lehrstellen unbesetzt. Das wiederum sind 2.100 mehr als im Vorjahr. Laut Bundesagentur für Arbeit sind rund 150.000 offene Stellen gemeldet. Der Handwerksverband spricht allerdings von 250.000 gemeldeten unbesetzten Stellen.

Handwerk fordert mehr Anstrengungen

Schwannecke fordert jetzt, dass nicht nur mehr Frauen und Ältere erwerbstätig werden und mehr Mädchen in MINT-Berufen arbeiten sollen, sondern auch, dass mehr Fachkräfte aus Drittländern gebraucht werden. Dazu gehören für den ZDH-Generalsekretär auch Flüchtlinge. Dadurch lasse sich die Fachkräftelücke allerdings nicht schließen, darüber hinaus sei eine gesteuerte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland nötig. Auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer ist der Meinung: „Die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte ist unerlässlich, um dauerhaft Wachstum, Wohlstand und stabile Sozialsysteme in unserem Land zu sichern.“

Drei Finalisten für nachhaltiges Bauen

In einem durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) initiierten Wettbewerb stehen nun die neun Finalisten fest. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt.

„Sustainability Challenge“ („Nachhaltigkeitsherausforderung“) nennt sich der jährlich stattfindende Wettbewerb, in dem jeweils drei Einreichungen in den Kategorien Forschung, Start-Up, und Produktinnovation gegeneinander antreten. Dieses Jahr beweisen die Finalisten am 25. Juni in Stuttgart das Potential ihrer Innovationen, die Veranstaltung läuft im Rahmen des Tages der Nachhaltigkeit. „Die Finalisten zeigen mit ihren Ansätzen und Lösungen die enorme Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens“, freut sich Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB und Mitglied der Jury. Rund 100 Bewerbungen gingen ein, aus denen die Jury zusammen mit anderen Mitgliedern des DGNB Innovationsbeirats neun Kandidaten ausgewählt hat.

Vielversprechende Innovationen

In der Kategorie „Forschung“ finden sich drei Finalisten. Im Rahmen des Projektes BauCycle wird zusammen mit dem Fraunhofer Institute eine ganzheitliche Verwertungsstrategie für Bauschutt und dessen Feinfraktion erforscht. Heraus kam ein neuer Lösungsansatz für das Baustoffrecycling. Ein weiteres Forschungs- und Entwicklungsprojekt von Arup, Mogu und Ardex entwickelt momentan eine Strategie für die Nutzung von Bioverbundwerkstoff Myzelium und die Agriculture Lighting Facade ermöglicht mit ihrem neuen Projekt den ganzjährigen Gemüseanbau hinter Glasfassaden.

Schon die Kategorie „Forschung“ verspricht also besonders nachhaltige Ideen und Strategien zum Klimaschutz und einer positiven Ökobilanz. In der Kategorie „Start-up“ sticht vor allem eine Innovation von der Vilisto GmbH heraus: sie hat ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Wärmemanagement für Nichtwohngebäude entwickelt. So können Heizkörper vielleicht schon bald vollautomatisch, vorausschauend und bedarfsgerecht gesteuert werden. Die dritte Kategorie „Produktinnovation“ verspricht ebenfalls sehr interessante Ideen. So hat zum Beispiel die Intewa GmbH eine neue Systemlösung für einen fast geschlossenen Wasserkreislauf parat. Dieses System kann Regen und Grauwasser so aufbereiten, dass bis zu 95 Prozent Trinkwasser eingespart werden könnten. Alle Finalisten können mit Namen und Beschreibungen der Innovationen auf der Website vom DGNB eingesehen werden.

Das Publikum entscheidet

Wer sich in den drei Kategorien jeweils als Gewinner durchsetzen wird, zeigt sich am 25. Juni in Stuttgart im Rahmen des DGNB Tages der Nachhaltigkeit. Hier präsentieren sich die Kandidaten ab 14:30 Uhr mit Impulsvorträgen an einem eigenen Ausstellungsstand. Das Publikum bestimmt am Abend dann die Preisträger, die noch am selben Tag bekannt gegeben und ausgezeichnet werden.

Optimismus für Vakuum-Isolierglas vergangen

Als ein immer noch ungeregeltes und nicht harmonisiertes Bauprodukt scheiterte die breite Etablierung des Vakuum-Isolierglases. Das ift Rosenheim möchte das nun ändern.

Mangelnde Verfügbarkeit, kleine herstellbare Abmessungen und der fehlende Nachweis von Dauerhaftigkeit: hat man am Anfang der 2000er noch große Hoffnung in das neuartige Produkt gehabt, ist heute nicht mehr viel von der Euphorie übrig. Die Rede ist vom Vakuum-Isolierglas (VGI). Zwar gibt es bereits die ISO-Norm „Glas im Bauwesen- Vakuum­glas- Teil 1“, in dieser werden jedoch einseitige Klimalasten (also die Temperaturunterschiede der Außen- und Innenscheibe) und zusätzliche Überlagerungen durch Winddruck und Soglasten nicht berücksichtigt. Auch eine CE-Kennzeichnung gibt es nach wie vor nicht. Durch diesen fehlenden Nachweis bekommt der Bauherr kaum Informationen zur Dauerhaftigkeit des Produkts.

Neue Prüfverfahren und Produktionslasten

Das Institut für Fenstertechnik (ift) Rosenheim hat daher bereits vor Veröffentlichung und auf Basis der ISO-Norm an einem neuen Prüfverfahren zum praxisgerechten Nachweis der Dauerhaftigkeit von VIG gearbeitet. Bei den Tests in Rosenheim bogen sich nämlich viele Scheiben durch. Daher jetzt ein neues Prüfverfahren, welches im Praxistest viele zusätzliche Einwirkungen auf das Glas berücksichtigt. Dabei werden Werte wie der Wärmedurchgangskoeffizient, sowie klimatische und mechanische Belastungen ermittelt. Auch die Schalldämmung und die Dauerbelastung durch Feuchte und UV-Strahlung können in den Laboren optimal geprüft werden.

In Europa sind neue Produktionsstätten geplant, die das Vakuum-Isolierglas wesentlich schneller ausliefern und dem Produkt einen Aufwärtstrend bescheren können. Denn viele Vorteile hat das Glas ja nach wie vor: dank des niedrigen Gewichtes und der geringen Bautiefe können die Fenster im Bereich der Renovierung, bei Denkmalfenstern und bei großen Glasflächen punkten. In einigen Bauvorhaben in Europa wurden bereits VIG eingebaut, um es weiter zu etablieren, muss in Zukunft aber noch mehr passieren.

Brandschutz bei Steildächern

Bedachungen müssen nach den Landesbauordnungen gegen Brandbeanspruchungen geschützt sein. Für Steildächer mit PU-Aufsparrendämmung gibt es jetzt eine neue Planungshilfe.

Die großen Herausforderungen bei Dächern sind nicht nur die Gewährleistung einer hohen Dämmleistung und Dauerhaftigkeit, sondern auch eine ausreichende Sicherheit in Brandfällen. Alle Dächer müssen demnach gegen eine Brandbeanspruchung von außen durch Flugfeuer und strahlende Wärme ausreichend lang standhalten. Auf Steildächern wird diese Anforderung meist durch eine „harte Bedachung“, zum Beispiel durch Ziegel oder Betondachsteine, erfüllt.

In bestimmten Fällen, vor allem bei den Gebäudeklassen 4 und 5, sollen Dächer aber auch bei einer Brandeinwirkung von innen (zum Beispiel bei einem Zimmerbrand) die Brandweiterleitung behindern. Für diese Anforderungen gilt die Feuerwiderstandsklasse REI 30 (feuerhemmend) oder auch F 30, beide Klassen werden in einer DIN-Norm geregelt. In der neu aufgelegten Planungshilfe „REI 30 Steildächer mit PU-Aufsparrendämmung“ vom Industrieverband Polyurethhan-Hartschaum (IVPU) sind alle entsprechenden Nachweise der Anforderungen enthalten. PU-Dämmstoffe haben gleichzeitig eine hohe Wärmedämmleistung und thermische Beständigkeit. In den europäischen Brandklassen werden diese Dämmstoffe unter der Klasse B und C (schwerentflammbar) oder D und E (normalentflammbar) eingestuft. Der verwendete Polyurethan-Hartschaum ist nicht schmelzbar und kann somit im Brandfall nicht brennend abtropfen. Glimmbrände können bei PU-Dämmstoffen nicht auftreten.

Feuerwiderstandsfähigkeit

Die Feuerwiderstandsfähigkeit eines Gebäudes bezieht sich auf die Gesamtkonstruktion. So wird bei der Bestimmung der Dachaufbau in Verbindung mit allen Schichten, Sparren, Dämmstoffen und der Schalung betrachtet. Ausschlaggebend ist die Dauer in Minuten, die das Dach dem Feuer standhält und die Brandausbreitung verhindert. Die Nachweise zur Feuerwiderstandsfähigkeit von Steildachkonstruktionen mit PU-Aufsparrendämmung wurden mithilfe von brandschutztechnischen Prüfungen ermittelt und sind in der Planungshilfe aufgeführt. Dazu gehören das allgemeine bauaufsichtliche Prüfungszeugnis und der Klassifizierungsbericht, die Zuordnung der Feuerwiderstandsklassen zu den bauaufsichtlichen Bezeichnungen und auch die relevanten Konstruktionsvarianten mit PU-Dämmstoffen, die vom IVPU hergestellt und vermarktet werden. Das Dokument ist im Mediacenter auf der Website des Verbandes kostenlos downloadbar.

Mehr Wohnungen müssen her

Von einer „Austrocknung des Marktes“ spricht das Verbändebündnis Wohnungsbau, wenn es um den Bau von Sozial- und Mietwohnungen geht. Es fordert einen Masterplan.

Am 9. Mai 2019 veranstaltete das Verbändebündnis Wohnungsbau den „Wohnungsbau-Tag 2019“. Auf diesem Branchengipfel, der bereits zum 11. Mal stattfand, forderten die Bündnismitglieder einen „Masterplan für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau“. Das Bündnis besteht aus allen relevanten Organisationen und Verbänden der Bau- und Immobilienbranche, unter anderem der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Gemeinsam kritisiert das Bündnis, dass in Deutschland zu wenig und zu teuer gebaut werde. So sei das Problem des bezahlbaren Wohnens längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Als Mindestanforderung sieht das Verbändebündnis Wohnungsbau den Neubau von mindestens 60.000 Mietwohnungen pro Jahr. Nur gut die Hälfte davon wird allerdings momentan tatsächlich gebaut. Beim sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau müssten gerade der Bund und die Länder „schnell eine Strategie entwickeln und finanziell enorm nachlegen“. Und auch grundsätzlich dürfe es „nicht länger eine Wohnungsbaupolitik kurzfristiger Investitionsprogramme nach Haushalts- bzw. Kassenlage geben“. Zentrale Aspekte der „10-Punkte-Forderung“ sind zum Beispiel, dass mehr Bauland bereitgestellt und eine höhere Dichte und Höhe beim Bau von Wohnraum zugelassen werden muss. Auch fordert das Bündnis, dass der Bund den sozialen Wohnungsbau mehr fördert als bisher. Mit 1,5 Milliarden Euro vom Bund wurden bislang 25.000 neue Sozialwohnungen gebaut – für das Bündnis eindeutig zu wenig.

Wohnungsbau-Tag übte das Verbändebündnis scharfe Kritik an Bund, Ländern und Kommunen: „Es passiert auf allen drei Ebenen viel zu wenig. Der Wohnungsbau kommt nur schleppend voran, weil ein beherztes politisches Zupacken fehlt.“ Bei Bund und Ländern müsse eine deutliche Entschlackung der Bauvorschriften und bei Kommunen zügigere Genehmigungsverfahren stattfinden, etwa durch mehr Personal und Digitalisierung in den Baubehörden. Das Bündnis beauftragte außerdem eine Prognos-Studie, die aufdeckt, in welchen Städten sich welche Möglichkeiten des Wohnungsbaus bieten. Außerdem analysiert die Studie, welche Folgen der Wohnungsmangel langfristig haben wird. Deshalb fordern die Wissenschaftler des Prognos-Instituts ganz klar: „Bei neuen Maßnahmen, Gesetzen oder Förderungen sollte nicht die kurzfristige Perspektive der kommenden zwei bis vier Jahre im Fokus stehen.“ Notwendig sei vielmehr ein strategischer Blick darauf, was für die Wohnungsmärkte mittel- bis langfristig erforderlich ist.

Goldene Verdienstmedaille für Harald Weber

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) hat den langjährigen Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz Harald Weber als engagierten Vordenker geehrt.

Die Goldene Verdienstmedaille darf Harald Weber seit dem 16. Mai 2019 sein Eigen nennen. Reinhard Quast, Präsident des ZDB, und Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB, zeichneten Weber im Rahmen des Bauwirtschaftstages Rheinland-Pfalz in Mainz aus. Mit der Goldenen Verdienstmedaille würdigt der ZDB Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die baugewerbliche Organisation gekümmert und diese vorangebracht haben. Nach dem Ehrenring des Deutschen Baugewerbes ist die Medaille die ranghöchste Ehrung des Verbandes.

Fast 40 Jahre lang war Weber in verschiedensten Funktionen für die baugewerbliche Organisation tätig. Schon 1980 begann er eine Karriere beim ZDB, 1992 wurde er dann Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbands Rheinhessen-Pfalz. Der wichtigste Erfolg, den er seither zu verzeichnen hat, ist die Neustrukturierung der Interessenvertretung der Bauunternehmen in dem Bundesland, die er durch eine Fusion von ursprünglich drei Verbänden zu einem zusammenlegte. Außerdem war Weber verantwortlich für die Vertretung der Interessen des deutschen Baugewerbes in den europäischen Gremien. Diverse Fachpublikationen wurden unter seinem Namen veröffentlicht und auch die Fachhochschulen Köln und Kaiserslautern profitierten langjährig von Webers Lehrtätigkeiten.

Pakleppa würdigte Weber als engagierten Vordenker, der sich vor allem für die mittelständischen Betriebe der Bauwirtschaft einsetzte: „Die Auffassungen von Harald Weber, gleich ob tarifpolitischer, rechtlicher oder wirtschaftlicher Natur sind immer ein Kompass für richtige und gut abgewogene Weichenstellungen und Positionierungen in der bundesweiten Verbandsarbeit gewesen.“