Instandhaltungskosten von Brücken senken mit KI

Das Startup Dynamit Infrastructure hat mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) den Betrieb und die Wartung kritischer Infrastruktur neugestalten.

Das auf KI basierte SaaS-Produkt von Dynamit Infrastructure verarbeitet kontinuierlich frühere und aktuelle Inspektionsberichte und visuelle Darstellung aus allen beliebigen Aufnahmequellen. Auf diese Weise erstellt die Plattform eine „visuelle Krankenkarte“ einer jeden Brücke und eines jeden Tunnels. Durch diese Cloud-basierte Live-Risikoanalyse werden zukünftige Wartungsrisiken und sich entwickelnde Mängel identifiziert. Das Programm warnt automatisch, wenn Änderungen der Wartungsbedingungen festgestellt werden, bevor sie sich zu großflächigen Ausfällen entwickeln. Über einen Browser sind die Daten leicht zugänglich und können, um Wartungsabläufe zu beschleunigen und Budgetausgaben zu optimieren, sofort mit Kollegen und Auftragnehmern geteilt werden.

Branchenführer in Zusammenhang mit Brücken- und Tunnelbetrieb und -wartung

Der in New York, Berlin und Tel Aviv ansässig Betrieb wurde von Branchenfachleuten mit jahrzehntelanger Betriebs- und Wartungserfahrung gegründet. In den letzten Jahren hat er sich zum Branchenführer und zur treibenden Kraft einer Datenrevolution in Entscheidungsprozessen in Zusammenhang mit Brücken- und Tunnelbetrieb und -wartung entwickelt. Derzeit werden Projekte in mehreren Gliedstaaten der USA sowie in Deutschland, der Schweiz, Griechenland und Israel mit privaten und öffentlichen Verkehrsbetrieben realisiert. Die Kunden des Unternehmens betreiben insgesamt 30.000 Anlagen und reichen von nationalen, staatlichen, regionalen und kommunalen Verkehrsbehörden bis hin zu öffentlich-privaten Partnerschaften und privaten Unternehmen.

Der Gesundheitszustand von 74 Brücken auf Long Island soll diagnostiziert werden

Das größte aktuelle Projekt läuft mit dem Public Works Department des New Yorker Suffolk County auf Long Island. Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Pilotprojektes soll der Einsatz auf 74 Brücken im County erweitert werden. „Die jüngste Projekterweiterung zielt darauf ab, bis zum 2. Quartal 2021 den gesamten Bestand mit unserer Technologie abzudecken“, erklärt Saar Dickman, Mitbegründer und CEO von Dynamic Infrastructure. Das Suffolk County sei typisch für die Situation in den USA. Nach Daten der Federal Highway Administration kann man davon ausgehen, dass sich etwa 30 Prozent der Brücken in den USA in mäßigem bis schlechtem Zustand befinden. Die American Society of Civil Engineers bewertet die Infrastruktur der USA mit der Note D+ und mehr als 56.000 Brücken wurden als „strukturell mangelhaft“ eingestuft. „Das System ermöglicht es jedem Betreiber, Inspektor oder Wartungstechniker, verwertbare Informationen zu erhalten, um zu entscheiden, ob, wann und wie die täglichen Wartungs- und Instandhaltungsprojekte durchgeführt werden sollen, indem es sofortige Warnmeldungen über Anomalien liefert“, sagte Kevin Reigrut, Mitglied des Beratergremiums von Dynamic Infrastructure und ehemaliger Exekutivdirektor der Verkehrsbehörde von Maryland.

Womit heizen Eigenheimbesitzer?

Erdgas ist der beliebteste Energieträger bei Eigenheimbesitzern. Insbesondere die Kriterien Wirtschaftlichkeit und Effizienz tragen dazu bei.

35 Prozent der Eigenheimbesitzer würden sich, wenn sie jetzt wählen dürften, für das Heizen mit Erdgas entschieden. Das zeigt eine Umfrage von Management Consult im Auftrag des BDEW. Weitere elf Prozent würden zu einer Kombination aus Erdgas und Solarenergie greifen, sodass fast die Hälfte eine Heizmethode wählen würde, die Erdgas inkludiert. Heizöl ist hingegen nur die Wahl von jedem Zehnten und lediglich neun Prozent würden eine Wärmepumpe wählen. Dies steht allerdings in einem klaren Kontrast dazu, dass Wärmepumpen 2019 ihre Spitzenposition bei neu genehmigten Wohngebäuden verteidigten. Wichtige Entscheidungskriterien sind laut Umfrage die Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz, gefolgt von der Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit. Aber auch der Komfort und die Umweltbilanz werden in den Entscheidungsfindungsprozess mit einbezogen.

Heizen für das Klima

„Für das Erreichen der Klimaziele ist eine Modernisierungsoffensive im Wärmemarkt dringend notwendig“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptge­schäftsführung. „Schnelle CO2-Einsparerfolge lassen sich durch den Austausch alter Heizkessel durch neue CO2-arme Technologien wie Erdgas-Heizungen, Wärmepumpen oder Fernwärme erreichen. So hat beispielsweise die Umstellung von einer alten Öl-Heizung auf eine moderne Gas-Brennwertheizung ein Treibhausgas-Minderungs­po­ten­zial von bis zu 50 Prozent. Durch den Einsatz von klimaneutralen Gasen wie Wasserstoff kann künftig noch mehr CO2 im Wärmemarkt eingespart werden.“

Was ändert sich durch das GEG?

Am 1. November ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft getreten. Die teilweise unrealisierbaren neuen Anforderungen sorgen für Unzufriedenheit.

Die Anforderungen zur Dämmung von Rohrleitungen wurden ohne nennenswerte Änderungen aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) übernommen. Ein Referentenentwurf zum GEG hatte 2017 vorgesehen, dass alle verlegten Rohrleitungen einen längebezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,25 W/mK im Mittel nicht überschreiten sollen. Laut Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) wäre diese Regelung nicht umsetzbar gewesen, sodass gefordert wurde, die Regelung aus dem EnEV 2014 zu übernehmen. Dieser Empfehlung wurde weitestgehend gefolgt und die Anforderungen wurden umgeschrieben.

Dämmniveau für Kälteverteilungsleitungen zu gering

Seitdem 2007 erstmals auch die Klimatechnik in der Energieeinsparungsverordnung berücksichtigt und 2009 konkretisiert wurde, fordern Unternehmen und Fachgremien eine Erhöhung der minimalen Dämmdicke für Kälteverteilungsleitungen. Das ist allerdings auch im GEG nicht geschehen, wodurch das Dämmniveau für Kälteverteilungsleitungen raumlufttechnischer Anlagen weiterhin zu niedrig für eine effiziente Reduzierung der Wärmeverluste bleibt. Da die Erzeugung tiefer Temperaturen in kältetechnischen Anlagen mit einem sehr hohen Energie- und Kostenaufwand verbunden ist, machen sich größere Investitionen in ein höheres Dämmniveau sehr schnell bezahlt.

Gefordertes Dämmniveau für Solarleitungen ist nicht einzuhalten

Grenzen Rohrleitungen direkt an die Außenluft, ist nun eine 200-Prozent-Dämmung vorgeschrieben. Laut ZVSHK wurde bei der Festlegung nicht die Realisierbarkeit beim Anschluss von Sonnenkollektoren beachtet. Im Bereich Anschluss- und Durchführung von Solarleitungen ist eine 200-Prozent-Dämmung nicht einzuhalten, was sich auch dadurch zeigt, dass Solarleitungen heute mit einer maximalen Dämmschichtdicke von 100 Prozent angeboten werden. Bei fehlender Wirtschaftlichkeit bleibt der Eigentümer von einer nachträglichen Dämmung befreit. Bei einer neuen Installation allerdings ist eine Befreiung nur möglich, wenn besondere Umstände zu einem unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise zu einer unbilligen Härte führen. Nach §102 liegt eine unbillige Härte vor, „wenn die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer, bei Anforderungen an bestehende Gebäude innerhalb angemessener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können.“

Oft ist eine höhere Dämmung wirtschaftlicher

Obwohl die Dämmung von Rohren verpflichtend ist, sind viele Heizungsanlagen beziehungsweise -anlagenteile nicht oder nur unzureichend gedämmt. Dies führt nicht nur zu hohen Energieverlusten, sondern auch immer wieder zu Beschwerden und gerichtlichen Auseinandersetzungen. Dabei sind in vielen Fällen sogar Dämmungen sinnvoll, deren Dicke weit über den Anforderungen des GEG liegen. Bei den angegebenen Dämmschichtdicken handelt es sich um Minimalwerte und bei Rohrleitungen, Armaturen, Rohrschellen und Weiterem rechnet sich eine teurere, aber besser Dämmung bereits nach wenigen Monaten.

Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle steigt

In den ersten neun Monaten 2020 sind 87 Arbeitnehmer auf den Baustellen Deutschlands ums Leben gekommen – 20 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Das teilt die Berufsgenossenschaft Bau mit. Die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG Bau) sieht die ausgedünnten Kontrollen zur Arbeitssicherheit in manchen Bundesländern als einen wichtigen Grund. IG-Bau-Chef Robert Feiger kritisiert, dass die Ämter für Arbeitsschutz in großen Teilen auf Homeoffice umgestellt haben. „Wenn die, die sich professionell um den Infektionsschutz am Arbeitsplatz kümmern, dies nicht mehr machen dürfen und zu Hause bleiben müssen, dann ist das geradezu absurd. Schützen ist schließlich ihr Job.“ 74 der tödlichen Unfälle haben sich auf den Baustellen selbst ereignet und waren zumeist Abstürze von Dächern, Gerüsten oder Leitern, die anderen 13 haben auf dem Weg stattgefunden.

Arbeitssicherheit ist in den letzten Jahren mehr in den Fokus der Beteiligten getreten

Die Zahl aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist zuletzt leicht auf 115.325 in 2019 gestiegen. Von 1.000 Beschäftigten waren 52 von einem Unfall betroffen. Vergleicht man das allerdings mit den Zahlen von 1995, als 110 von 1.000 Arbeitnehmern betroffen waren, sieht man, dass sich in Sachen Arbeitssicherheit schon einiges getan hat. Laut Angaben des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik haben 80 Prozent der Besichtigungen trotz widriger Umstände in diesem Jahr stattgefunden.

Dekarbonisierung der Zementindustrie

Um die Klimaziele zu erreichen, muss auch die Emission in der Zementindustrie gesenkt werden. Eine neue Studie zeigt die notwendigen Maßnahmen auf.

Um die Klimaziele bis 2050 erreichen zu können, müssen alle Teile der Gesellschaft und Gewerke mit anpacken. „Wir als Branche in Deutschland übernehmen Verantwortung und sind bereit, unseren Beitrag für eine klimaneutrale Zukunft zu leisten”, verspricht Christian Knell, Präsident des Vereins Deutscher Zementwerke (VDZ). Seit 1990 konnten die Emissionen der deutschen Zementindustrie bereits um ein Drittel reduziert werden. Wie der Pfad zu einer umweltfreundlichen Produktion weiter aussieht, wurde in der neuen Studie „Dekarbonisierung von Zement und Beton – Minderungspfade und Handlungsstrategien“ des VDZ ermittelt. Mit konventionellen Maßnahmen können bis 2050 weitere 36 Prozent eingespart werden, was im Vergleich zu 1990 50 Prozent bedeuten würde. Doch für eine vollständig klimaneutrale Zukunft müssten neue Wege in Herstellung und Anwendung gefunden werden. „Für die verbleibenden CO2-Emissionen, die nicht anders gemindert werden können, stellt die CO2-Ab­schei­dung aus heutiger Sicht die einzige Lösung dar“, erklärt Marin Schneider, VDZ-Hauptgeschäftsführer. Langfristiges Ziel müsse daher die Umwallung von CO2 in andere Stoffe und Produkte sein. Bis dahin sei die Entwicklung von Maßnahmen zur Speicherung des Treibhausgases notwendig.

Die notwendigen Schritte für eine umweltfreundlichere Herstellung und Anwendung

„Als Zementindustrie stellen wir uns dieser Herausforderung. Klar ist aber auch, dass wir diesen Kraftakt nicht allein schultern können”, betont VDZ-Prä­si­dent Knell. Dazu müssten alle Akteure der Wertschöpfungskette mitwirken, angefangen bei dem Anlagenbau und den Betonherstellern über die bauausführende Industrie bis hin zu Planern und Architekten. „Nicht zuletzt brauchen wir auch den Schulterschluss mit anderen Industrien sowie mit Politik und Gesellschaft, denn dieser Transformationsprozess wird am Ende nur miteinander gelingen.” Die zentralen Handlungsfelder sind laut der Studie:

1. Ein wirksamer politischer Instrumentenmix, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Technologieführerschaft der deutschen Zementhersteller gewährleistet sowie Innovationen und grüne Leitmärkte fördert.

2. Eine besser ausgebaute Infrastruktur zur flächendeckenden Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Quellen und für den Transport von CO2 und Wasserstoff.

„Wir haben als Industrie die Dekarbonisierung von Zement und Beton ins Zentrum unseres Handelns gerückt. Wichtig ist dabei ein ganzheitlicher Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette Bau einschließt.”, so Martin Schneider.

Künstliche Intelligenz am Bau

Die TU München und die Nemetschek Innovationsstiftung gründen ein Institut zur Förderung von künstlicher Intelligenz im gesamten Lebenszyklus von Gebäuden und Infrastruktur.

Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) kann die Digitalisierung des Bauwesens auf die nächste Stufe gestellt werden, denn KI zählt zu den wesentlichen Säulen des Bauwesens der Zukunft. Die Nutzung digitaler Lösungen ist eine weltweite Herausforderung für die Branche, die bewältigt werden muss, um das Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden und Infrastrukturbauwerken effizienter, kostengünstiger und nachhaltiger zu gestalten. Aus diesem Grund wurde an der Technischen Universität München (TUM) nun ein weltweit einmaliges Forschungs- und Lehrinstitut ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der Nemetschek Innovationsstiftung wurde das Institut für künstliche Intelligenz im Bauwesen, „TUM Georg Nemetschek Institute Artificial Intelligence for the Built World”, gegründet.

Die Fördervereinbarung sieht neben einer Basisförderung zum Aufbau und Betrieb eine Projektförderung vor, die der Förderung hochschulweit ausgeschriebener wettbewerblicher Forschungsprojekte dient, an denen fachlich einschlägige qualifizierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auch im Zusammenwirken mit externen Kompetenzen beteiligt sind. „Der Anspruch, technologische Innovationen im Bauwesen zu erkennen und maßgeblich voranzutreiben, ist bereits mein ganzes Berufsleben lang mein wichtigster Antrieb als Unternehmer und Wissenschaftler. Mit der Gründung des neuen Instituts möchte ich einen nachhaltigen Beitrag leisten, um die Führungsrolle Deutschlands auf dem so wichtigen Zukunftsfeld der künstlichen Intelligenz zu stärken und die Digitalisierung des gesamten Baulebenszyklus auf die nächste Stufe zu heben“, erklärt Prof. Georg Nemetschek.

Klagen gegen Fehmarnbelttunnel abgewiesen

Mit dem Auto oder Zug von Rodby auf Lolland nach Puttgarden auf Fehmarn fahren – spätestens jetzt kann man sicher sein, dass das bald möglich ist.

Der Ostseetunnel ist eines der größten Verkehrsvorhaben Europas. Von 2029 an sollen Autos, LKW und Züge den 18 Kilometer langen Tunnel passieren können. Dänemark investiert 7,1 Milliarden Euro in das Vorhaben, für die Straßen- und Schienenanbindung auf schleswig-holsteinischer Seite kommt der Bund mit 3,5 Milliarden Euro, inklusive 1,1 Milliarden Euro Risikopuffer, auf. Doch das Projekt ist umstritten. Die Verkehrsprognosen für den Auto- und Eisenbahntunnel wurden angezweifelt und insbesondere alles rund um die Umweltauswirkungen wurde in vielfacher Weise diskutiert. Bereits im September und Oktober wurden mehrere Klagen abgewiesen. Das Bundesverwaltungsgericht hat nun weitere sechs Klagen abgewiesen und damit kann das umstrittene Projekt auch auf deutscher Seite gebaut werden. Wie der Vorsitzende Richter Wolfgang Bier bei der Urteilsbegründung in Leipzig erklärte, habe der Planfeststellungsbeschluss der Überprüfung standgehalten.

Gewinner des „Architects‘ Darling” Awards

Zum zehnten Mal in Folge wurden auch in diesem turbulenten Jahr die „Lieblinge der Baubranche“ durch den Architects‘ Darling Award ausgezeichnet.

Rund 1.900 Architekten und Planer aus ganz Deutschland haben an der bundesweit größten Branchenbefragung ihr kritisches Urteil zu fast 200 Herstellern der Bauindustrie geäußert. Dabei wurde unter anderem nach den besten Leistungen und Produkten gefragt, nach der umfassendsten persönlichen Beratung, sowie nach Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit. 25 Produktbereiche von Bodenbelägen bis zu Wohnraumlüftung wurden bewertet. Zudem hat eine Jury aus Vertretern internationaler Top-Architektenbüros 12 Themen-Awards, wie „Beste Website“, „Bestes Produkt“ oder „Bester Produkt-Konfigurator“, vergeben. Die Gewinner sind auf der Webseite von Heinze einsehbar.

Die Online-Preisverleihung

Die Gewinner wurden am 16. November im Rahmen einer Online-Veranstaltung bekanntgegeben. Dies hatte den Vorteil, dass erstmals auch die Architekten und Planer beiwohnen konnten, die an der Abstimmung teilgenommen haben. Thomas Wagner, Head of Market Research von Heinze und Klaus Füner, Senior Manager Partner Relations von Heine, haben durch den Abend geführt.

Kontroverse um den Berliner Mietendeckel

Seit dem 23.11. gilt der Berliner Mietendeckel. Das bedeutet Aufatmen für zahlreiche Mieter, doch die andere Seite freut sich sicherlich nicht.

Die Miete von etwa 340.000 Wohnungen, die mehr als 20 Prozent über der vom Land Berlin festgelegten Obergrenzen liegt, muss gesenkt werden. Doch wie sich im Gespräch mit rbb verdeutlicht, sehen Immobilienkonzerne und Privateigentümer das Ganze auch als Nachteil für die Mieter. „Aufgrund des Mietendeckels haben wir Modernisierungs- und Neubauprojekte vorerst gestoppt“, erklärt beispielsweise Matthias Wulff, Sprecher von Vonovia für Ostdeutschland. Umfangreiche Modernisierungen seien nicht mehr finanzierbar, denn der Mietendeckel bedeutet für Vonovia jährlich zehn Millionen Euro weniger. „Wir haben auch energetische Modernisierungen stark zurückgefahren“, so Wulff weiter, „wir können Wohnungen bei Neuvermietung nicht mehr renovieren, weshalb wir sie zwar sicher und sauber, aber nicht mehr schön hergerichtet vermieten.“

Renovierungs- und Neubauarbeiten vorerst gestoppt

Auch das Unternehmen „Deutsche Wohnen” hat auf diese Art reagiert. „Bei der Instandhaltung und -setzung machen wir auch unter dem Mietendeckel keine Abstriche“, sagte Marko Rosteck von Deutsche Wohnen dem rbb. „Bei energetischer Sanierung und im Neubau hingegen haben wir geplante neue Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 1 Milliarde Euro zurückgestellt.“ Die mit dem Mietdeckel verbundenen Rechtunsicherheiten wirken sich immens auf Planung und Investition aus, weshalb auf ein rasches Urteil aus Karlsruhe gehofft wird. Mit diesem kann voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 gerechnet werden.

Privatvermieter planen den Verkauf

Doch neben den großen Immobilienkonzernen sind es insbesondere Privatvermieter, die sich um ihren Kontostand sorgen. „Durch den Mietendeckel gehen dem Eigentümer rund 50 Prozent der nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geltend gemachten Modernisierungsmieterhöhung verloren“, sagt Frank Behrend, Vorsitzender des Grundeigentümervereins Berlin-Lichtenrade e.V., wodurch sich Renovierungen erst nach 37 Jahren, statt nach 18,5 Jahren refinanzieren. „Alles in allem eine Situation, in der man sich zweimal überlegt, ob so ein Haus noch energetisch saniert wird.“ Auch hier soll das Urteil abgewartet werden, doch schon jetzt denken viele über einen Verkauf nach, spätestens beim nächsten Auszug des Mieters.

Durch frühzeitige Planung hätten Auswirkungen vermieden werden können

Wohnungsbaugesellschaften sehen dem Ganzen hingegen entspannt entgegen. „Mindereinnahmen durch den Mietendeckel wirken sich nicht unmittelbar auf laufende oder geplante Neubau- und Instandsetzungsmaßnahmen aus“, sagte ein Sprecher der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBW) dem rbb. Langfristig erschweren sie aber grundsätzlich die Finanzierung von Investitionen. Die WBW wird die Mieten für 2.558 Wohneinheiten um durchschnittlich 31,81 Euro monatlich senken. Auch Land und Stadt sehen keine direkten Auswirkungen des Mietendeckels. Die kommunale Gewobag hat das Mietendeckelgesetzt bereits in die mittelfristige Planung einbezogen, sodass dieser keine Auswirkungen auf das Neubauprogramm und auf die Investitionen in laufende Instandhaltungen haben wird.

Modulares Sanieren für das Klima

In den Niederlanden wurden erfolgreich zahlreiche Wohnungen mit vorgefertigten Modulen saniert. Jetzt wird das Prinzip auf Deutschland übertragen.

Kuckuck – ein Viertel von Hameln – ist eigentlich bekannt für heruntergekommene Mehrfamilienhäuser. Doch drei frisch sanierte zweigeschossige Bauten heben sich nun von dieser Umgebung ab. Dank Photovoltaik, Wärmepumpen, Lüftung und Dämmung sollen die Gebäude künftig mehr Energie produzieren, als die Bewohner verbrauchen. Um die Kosten für die Mieter der zwölf neuen Wohnungen so gering wie möglich zu halten, wurden serielle Fassadenteil genutzt. Diese Gebäude gehören zum Projekt „Energiesprong“, initiiert von der Deutschen Energie-Agentur und gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium. Nach niederländischem Modell wollen die 22 beteiligten deutschen Wohnungsunternehmen 17.000 Wohnungen aus ihrem Bestand aus den 50er und 60er Jahren sanieren, denn der Gebäudesektor bietet enormes Energie- und CO2-Einsparungspotential.

CO2-Einsparung durch serielle Fertigung

Etwa ein Drittel der CO2-Emissionen entstehen durch den Energieverbrauch beim Wohnen. Um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, müssen rund 15 Millionen Häuser saniert werden. Dafür wiederum muss die Sanierungsquote verdoppelt werden. Durch den derzeitigen Fachkräftemangel, den mit der Sanierung damit verbundenen hohen Investitionen und der Angst vor Mieterhöhungen geht diese Steigerung kaum voran. Durch serielle Fassadenteile, wie sie die Firma Opitz Holzbau in ihrem Werk in Neuruppin für das Projekt in Hameln gefertigt hat, sollen Sanierungen günstiger und schneller werden. Nach 10 Wochen Arbeit waren die Fassaden mit einer Dämmung aus Recycling-Glaswolle, Fenstern sowie Lüftungselementen mit Wärmerückgewinnung fertig. „So ein Auftrag war für uns neu. Alles hat gut geklappt, wir haben bereits zwei weitere Aufträge für ein ähnliches Projekt in Nordrhein-Westfalen. Mit der gewonnenen Erfahrung wird es diesmal schneller gehen“, sagt Verkaufsleiter Oliver Hering. Er rechnet mit einer weiter steigenden Nachfrage im kommenden Jahr, da Holzelemente gegenüber Bauteilen aus Stein durch die CO2-Steuer attraktiver werden. Innerhalb von 10 Tagen wurden die Fassaden montiert. Durch eine kurze Sanierungsdauer wird vermieden, dass die Mieter umziehen müssen.

Routine soll die Sanierung günstiger mache

Roland Meyer, Bauleiter bei der Berliner Firma Ecoworks, die die Arbeiten für ihren Auftraggeber, die Arsago-Gruppe, geplant und koordiniert hat, sieht künftig auch weitere Einsparungsmöglichkeiten von Finanzmitteln. Die Kosten in Hameln lagen ihm zufolge deutlich höher als bei herkömmlichen Sanierungen, durch steigende Routinisierung können allerdings die Lohnkosten gesenkt werden. „Die Lohnkosten machen 50 Prozent aus. Wichtig ist es, die richtigen Handwerksbetriebe zu finden und sie so zu schulen, dass sie gut miteinander zusammenarbeiten. Das spart enorm an Zeit und Geld.“ Aber auch in technischer Hinsicht sieht er noch Nachbesserungsbedarf. So soll in den Fassadeteilen künftig auch die Gebäudetechnik integriert werden. „Wir geben unsere Erfahrungen aus Hameln jetzt an andere Firmen weiter, die im Rahmen von Energiesprong mit der Sanierung loslegen wollen. Wir selber werden uns mit dem nächsten Projekt Zeit lassen, um noch Verbesserungen zu erreichen.“ Die Miete der 50 Quadratmeter großen Wohnungen liegt bei 300 Euro plus 130 Euro Nebenkosten.