Handwerk braucht mehr Arbeitnehmer, die digital fit sind

Acht von zehn Mittelständlern brauchen Mitarbeiter, die sich mit neuen digitalen Technologien auskennen. Dabei kann nur ein Drittel diesen Bedarf überhaupt decken.

Zwar könnte Weiterbildung diese Lücke füllen, doch nur die wenigsten Unternehmen können sich die hohen Kosten und den Arbeitsausfall dafür leisten. E-Learning bietet sich hier als Alternative an. Das sind unter anderem die Kernergebnisse einer Sonderumfrage des KfW zur Digitalisierung des Mittelstandes. So führen immer mehr kleine und mittlere Unternehmen Digitalisierungsprojekte durch. Digitale Prozesse kommen also zunehmend in Prozessen, Produkten und in der Kommunikation vor. Durch die mangelnden Kompetenzen der Mitarbeiter werden die Fortschritte in dem Gebiet aber oftmals ausgebremst. Ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen kann den Bedarf an digitalem Knowhow und Fähigkeiten aktuell nicht decken, heißt es. 38 Prozent der Firmen sahen 2019 fehlende Kenntnisse des Personals als Digitalisierungshürde, so die Forscher der KfW. Zwei Jahre zuvor betrug dieser Anteil noch 29 Prozent. Und dabei ist mittlerweile für acht von zehn Mittelständlern in Deutschland mindestens eine Digitalkompetenz von Bedeutung.

Digitale Endgeräte in Arbeitsalltag integriert

78 Prozent der befragten Mittelständler gaben an, einen großen Bedarf an der Bedienung von Standardsoftware und digitalen Endgeräten zu haben. Onlinekompetenzen wie zum Beispiel Internetrecherchen, Onlinemarketing oder der Umgang mit sozialen Medien sind für die Hälfte der Mittelständler von großer Bedeutung. 45 Prozent finden außerdem die Bedienung von Spezialsoftware oder digitalen Produktionsmaschinen wichtig und immerhin 24 Prozent der mittelständischen Unternehmen benötigen Mitarbeiter mit fortgeschrittenen Digitalkompetenzen wie Programmieren oder statistischer Datenanalyse. Die Hürde, neue Mitarbeiter für diese Kompetenzen zu rekrutieren, ist für kleine Unternehmen besonders hoch. Die Chefvolkswirtin der KfW, Dr. Fritzi Köhler-Geib, rät auf digitale Lernformate zu setzen. Sie seien sind in den letzten Jahren technisch und didaktisch besser geworden und könnten so die berufliche Weiterbildung in Deutschland beleben. „E-Learning ermöglicht flexibles, zeit- und ortsunabhängiges Lernen – damit passt es besonders gut zu den Anforderungen kleiner Unternehmen.“

Akuter Fachkräftemangel betrifft auch Sachverständige

Längere Verfahrenslaufzeiten wegen des Sachverständiger-Mangels betreffen nicht nur die Justiz, sondern auch die Verbraucher. Eine Studie zeigt die Auswirkungen.

Bis zu 15 Prozent weniger tätige öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige wird es voraussichtlich in den nächsten vier bis fünf Jahren geben. Dadurch drohen sich viele Verfahren vor allem in Zivil- und Strafprozessen unnötig in die Länge zu ziehen. Das ergab eine 2018 durchgeführte Studie des Instituts für Sachverständigenwesen e.V. (IfS) in Köln. So betrage der zeitliche Anteil des Sachverständigenbeweises an Gerichtsverfahren mit Sachverständigen in etwa 40 Prozent. Darin enthalten ist auch die Zeit der Suche nach geeigneten Sachverständigen. Steigt die Auslastung bei gleichzeitig weniger tätigen Sachverständigen in den kommenden Jahren, ist mit sinkender Verfahrenseffizienz und damit längeren Verfahrenslaufzeiten zu rechnen. Auch auffällig ist das Ergebnis einer Auswertung im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz aus dem Januar 2019. Demnach sind deutsche öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige in Deutschland durchschnittlich 59 Jahre alt. 2018 befanden sich 59 Prozent der Angestellten innerhalb des Altersintervalls von 51 bis 65 Jahren. 24 Prozent sind sogar älter als 65.

Wie entwickeln sich diese Zahlen in den nächsten vier Jahren?

In insgesamt vier möglichen Zukunftsszenarien versucht die Studie verlässliche Angaben zur Entwicklung der Anzahl der öffentlich bestellten Sachverständigen in den nächsten vier Jahren in einzelnen Sachgebieten zu geben. Das erste Szenario geht beispielsweise davon aus, dass in den nächsten vier Jahren durchschnittlich genauso viele Sachverständige in den einzelnen Sachgebieten erstmals bestellt werden wie zuvor in den Jahren 2013 bis 2017. Im zweiten Szenario geht man hingegen von einer rückläufigen Anzahl der Neubestellungen von 20 Prozent aus. Die letzten beiden Szenarien sind etwas komplizierter, spielen in Bezug auf das Fazit aber keine wesentliche Rolle, denn: Wenn sich nur ein Teil der vorgestellten Szenarien realisiert, wird es bereits kurzfristig weniger öffentlich bestellte Sachverständige geben. Die Auslastung der Sachverständigen wird längere Bearbeitungszeiten bei der Begutachtung nach sich ziehen, was allgemein längere Verfahrenslaufzeiten bedeuten wird.

Bauindustrie fordert einheitliche Datenstandards

In den Augen von Bauunternehmen und Maschinenherstellern ist die Digitalisierung ohne einheitliche Datenformate und zugängliche Plattformen zum Scheitern verurteilt.

Auf einer Podiumsdiskussion im November 2019 diskutierten zahlreiche Experten über „Smart Construction und die intelligente Baustelle“. So liefern und verarbeiten Baumaschinen bisher bereits eine Unmenge an Daten – diese sind allerdings nicht universell lesbar und ergeben nur im Ökosystem des jeweiligen Herstellers gelesen einen Sinn. Hans Jörg Klingelhöfer, Head of Digitalisation bei der Strabag, stellt fest: „Wir sind auf dem Stand der sechziger Jahre stehen geblieben. Das müssen wir ganz dringend ändern.“ Denn: Idealerweise würden sämtliche im Bauprozess anfallende Daten in einer Baustellencloud gespeichert und in Onlineportalen ausgewertet und aufbereitet werden. Dafür müssten die Daten allerdings ein einheitliches Format besitzen, was bisher nicht möglich ist. Auch unklar ist, bei wem die Verantwortung für den ersten Schritt in die richtige Richtung liegt. Die Industrie sieht die Verantwortung dafür bei den Bauunternehmen, die wiederum nehmen die Industrie in die Pflicht. „Schöner und einfacher ist es natürlich für die Hersteller, wenn Sie integrierte Lösungen im eigenen System haben – wir möchten aber offene Schnittstellen“, sagt Margit Dietz, Geschäftsführerin der Jean Bratengeier Bau GmbH und Sprecherin der Bauunternehmerinnen im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. „Der direkte Austausch mit der Konkurrenz hat keine Tradition in der Bauindustrie“, gibt Strabag-Mann Klingelhöfer zu bedenken. Und auch Dietz‘ Optimismus ist gedämpft: „Aus meiner Sicht wird es noch dauern, bis es Datenstandards für Baustellen geben wird.“

Erste Lösungsversuche

Im Rahmen der Forderungen, einheitliche Datenstandards zu schaffen, hat der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) über seinen Arbeitskreis Telematik die Grundlagen der ISO-Norm 15143-3 zur Datenstandardisierung von Erdbaumaschinen geschaffen, die als Arbeitsgrundlage auf dem Weg zu einer herstellerübergreifenden Standardisierung gedacht ist. Viele Bauunternehmen halten die Schaffung einer Plattform für alle Maschinen schon lange für unabdingbar. „Wenn jeder Hersteller seinen eigenen Standard etabliert, dann werden wir nicht zusammenarbeiten können“, warnt zum Beispiel Dr. Rainer Bareiß, Prokurist der Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG. Außerdem befinden sich verschiedene Hersteller von Anbaugeräten bereits im Austausch und erarbeiten für ihre Daten Schnittstellen und einheitliche Standards.

Influencer sind in der Bauindustrie angekommen

Influencer werben in ihren sozialen Medien für so einiges. Nun scheint das auch in der Bauindustrie angekommen zu sein. Im Februar findet das erste „Baufluencer“-Forum statt.

Am 19. Februar versammeln sich 30 sogenannte „Baufluencer“ beim ersten offiziellen „Baufluencer-Forum“ in Berlin. Sie treffen dort auf Unternehmen der Bauindustrie. Bisher erhielt das neue Veranstaltungsformat durchweg positive Resonanz. Sowohl die Influencer als auch die anwesenden Unternehmen freuen sich darauf, sich kennenzulernen und sich über Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen. Die Idee für die Veranstaltung stammt von der Bau-PR-Agentur Brandrevier in Kooperation mit der Messe Berlin. Kriterien bei der Auswahl geeigneter YouTuber, Instagramer und Blogger waren unter anderem die Professionalität und Kompetenz, aber auch die Reichweite und Interaktion mit ihren Abonnenten. Die eingeladenen Influencer haben alle eine Reichweite im sechs- bis siebenstelligen Bereich und sind Amateure beziehungsweise Profis aus den Bereichen Fachhandwerk, Do-It-Yourself und Architektur. Teilnehmende Baufluencer aus dem Bodenbereich sind beispielsweise die Raumausstatterin Silja Kinast („that_flooring_girl“) sowie Ralf Schanze mit dem Fliesen-Online-Magazin 1200Grad. Seitens der Unternehmen werden namhafte Bauproduktehersteller wie Knauf, KS-Original oder Wienerberger anwesend sein. Auch aus den Bereichen SHK oder Elektroinstallation werden Unternehmen wie Stiebel Eltron oder Gira am Forum teilnehmen. Insgesamt haben 24 Bauunternehmen zugesagt.

Unternehmen sehen in Zusammenarbeit mit Influencern großes Potenzial

„Im Vergleich zu Printmedien haben Influencer eine oftmals höhere Reichweite“, sagt Julian Waning, Architektur Media Manager bei Gira Giersiepen. „Hinzu kommt, dass wir über neue Online-Kanäle die Möglichkeit haben, Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht mit unserem Unternehmen oder unseren Produkten in Kontakt getreten sind.“ Desirée Lukowski, Social Media Managerin der Hörmann Gruppe, ergänzt: „Influencer-Kommunikation geht über die reine, faktenbasierte Information weit hinaus. Hier kommt es, anders als in der klassischen Unternehmenskommunikation, vor allem auf Authentizität, eine emotionale Bindung und den persönlichen Kontakt an.“ Alle Infos zur Veranstaltung und den Teilnehmern gibt es auf www.baufluencer.de

Baugewerbe holt neue Aufträge gerne aus dem Internet

Die sogenannte Mundpropaganda wird in Zeiten des Internets immer weiter verdrängt. So setzen Auftragnehmer und Auftraggeber im Baugewerbe immer mehr auf Online-Plattformen.

Etwa jeder zweite Dienstleister nutzt mittlerweile das Internet zur Auftragsakquise. Das sah 2018 noch ganz anders aus: Hier war es mit 36 Prozent nur jeder Dritte, der seine Kunden durch das Internet fand. Befragt wurden dazu 5.000 Anbieter aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz von der Dienstleistungsplattform ProntoPro. Das Ergebnis: Vor allem Maler, Maurer und Heizungstechniker werden verstärkt online gesucht, persönliche Empfehlungen finden fast gar nicht mehr statt. Auffällig ist die Altersstruktur unter den Handwerkern, die auf den Zug der Online-Akquise aufspringen. So sind dies vor allem Fachleute im Alter von 45 bis 64 Jahren. Im Jahr 2018 waren das noch 25 Prozent, 2019 verdoppelte sich dieser Wert auf etwa die Hälfte der Fachleute aus dieser Altersgruppe. Am meisten profitieren jedoch die Handwerker von diesem Prinzip. Rund 80 Prozent der Klimatechniker finden online ihre Kunden, bei den Fensterprofis sind es 75 und bei den Bauunternehmen immerhin 63 Prozent. Die Elektriker kommen auf einen Anteil von fast 50 Prozent. Unter den befragten Anbietern waren Installateure, Elektriker, Bautischler und Maler.

Durch die Ergebnisse wird deutlich, dass die Digitalisierung längst nicht nur auf dem Bau, sondern auch schon ein paar Schritte vorher, nämlich bei der Auftragsbeschaffung, angekommen ist. Schnelle und unkomplizierte Plattformen machen es sowohl Kunden als auch Fachbetrieben einfach, einen geeigneten Fachmann beziehungsweise interessierte Kunden zu finden. Einen großen Vorteil bietet vor allem die Bewertungsfunktion. Dadurch können sich Fachbetriebe profilieren und Neukunden bekommen einen schnellen Überblick darüber, wie zufrieden andere Kunden mit der Arbeit des Fachmanns waren.

Zustimmung für neue Bau-Mindestlöhne

Nach einer Abstimmung ist nun klar: Der neue Mindestlohn für den Bau kommt. Dem haben die beteiligten Landesverbände der Bauindustrie und des Baugewerbes zugestimmt.

Ab dem 1. April 2020 erhöht sich der Mindestlohn 1 um 35 Cent auf 12,55 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 2,9 Prozent. Der Mindestlohn 2 erhöht sich um 1,3 Prozent, also um 20 Cent auf 15,40 Euro. Und auch in Berlin gibt es mit dem Mindestlohn 2 bald 20 Cent mehr, nämlich 15,25 Euro, was ebenfalls einer Erhöhung um 1,3 Prozent entspricht. Dem haben nun neben den Landesverbänden des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) auch die Arbeitgeber die notwendige Zustimmung gegeben.

„Unser Ziel der Schaffung eines einheitlichen und leicht zu kontrollierenden Bau-Mindestlohns wurde nicht erreicht”, räumt HDB-Vizepräsidentin Jutta Beeke als Verhandlungsführerin der Arbeitgeber ein. „Der Vorschlag vermeidet aber eine längere Mindestlohn-Lücke.“ Und auch der alternierende Verhandlungsführer, ZDB-Vizepräsident Uwe Nostitz, hält es für kritisch, dass die Frage der zukünftigen Mindestlohn-Struktur nicht gelöst, sondern nur verschoben wurde. Die IG Bau freut sich wiederum, einen „Angriff auf das bisherige Mindestlohnsystem” abwehren und einen einheitlichen „Mindestlohn light“ auf niedrigem Niveau für den gesamten Bau in Deutschland verhindern zu können. „Das hätte zwangsläufig die Abschaffung vom Mindestlohn 2 – also die Demontage des unteren Lohnsockels für qualifizierte Bauarbeiter – im Westen und in Berlin bedeutet”, erklärte IG Bau-Chef Robert Feiger. „Damit hätten die Arbeitgeber das komplette Mindestlohnsystem auf dem Bau ins Wanken gebracht. Das ist mit dem Schlichterspruch jetzt vom Tisch.“ Nach Angaben der Gewerkschaften profitieren vom neuen Mindestlohn mehr als 200.000 der insgesamt 820.000 Baubeschäftigten. „Das Wichtigste ist, dass es auf dem Bau auch weiterhin zwei Branchen-Mindestlöhne und damit Lohnhaltelinien nach unten – insbesondere für fachliche Arbeiten – geben soll”, so Feiger. „Das hatte für uns oberste Priorität. Und das haben wir geschafft. Dazu noch einen Anstieg beider Mindestlöhne.“

Betriebsverbot für Ölheizungen wird verschärft

Der Bundesrat plant, das beabsichtigte Betriebsverbot für Ölheizungen nun auch auf Heizkessel auszuweiten, die mit festen fossilen Brennstoffen betrieben werden.

Grund dafür ist die hohe Treibhausgasbelastung beim Verbrennen der Stoffe. Das geht aus einer Stellungnahme vom 20. Dezember 2019 der 984. Sitzung zu dem geplanten Gebäudeenergiegesetz (GEG) hervor. Die Länder fordern, dass der Wärmesektor auch für synthetische Energieträger geöffnet wird. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssten alle Technologien zum Einsatz kommen. Des Weiteren hat der Bundesrat vor, Grubengas aus dem stillgelegten Steinkohlebergbau den erneuerbaren Energien gleichzusetzen. Das Gas könne ökologisch sinnvoll verwertet werden. Unter anderem bei der Durchführung der Energieberatung und den Angaben im Energieausweis schlägt der Bundesrat praktikablere Lösungen vor, verschärfen will er dahingegen die Stichprobenprüfungen von Klimaanlagen.

Austauschprämie für Ölheizungen

Das geplante Gebäudeenergiegesetz ist Teil des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung. Mit dem Gesetz ist ab 2026 ein Einbauverbot für Ölheizungen verbindlich und Gas- und Ölheizungen, die seit 1991 eingebaut oder aufgestellt wurden, dürfen nur 30 Jahre lang betrieben werden. Wer seine alte Ölheizung durch ein klimafreundlicheres Modell ersetzen will, kann künftig auf eine Austauschprämie (bis zu 45 Prozent) bauen. Die novellierte Richtlinie des Marktanreizprogramms (MAP) „Wärme aus erneuerbaren Energien“ sieht neben der Austauschprämie für Ölheizungen auch noch weitere Verbesserungen vor. So sollen auch energieeffiziente und klimafreundliche Heizungen, die keine alten Ölheizungen ersetzen, finanziell bezuschusst werden. Das bedeutet 35 Prozent Zuschuss für Heizungen, die vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden, 30 Prozent für Gas-Hybridheizungen mit einem Erneuerbaren-Anteil von mindestens 25 Prozent und außerdem 20 Prozent Zuschuss für Gas-Brennwertheizungen, die auf die spätere Einbindung erneuerbarer Energien vorbereitet sind.

„Mit der ‚Austauschprämie für Ölheizungen‘ fördern wir zukunftsfähige Investitionen mit bis zu 45 Prozent der Investitionskosten“, sagt der Präsident des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Torsten Safarik, und ergänzt: „Ab Januar 2020 können Bürgerinnen und Bürger die Austauschprämie beantragen. Der Umstieg auf eine Heizung mit erneuerbaren Energien wird somit deutlich attraktiver.“ Die Investitionszuschüsse für energieeffiziente und klimafreundliche Heizungen können beim BAFA beantragt werden. Die Stellungnahme zum Thema wurde vom Bundesrat bereits an die Bundesregierung weitergeleitet. Sobald sie sich dazu geäußert hat, leitet sie sie einschließlich ihrer Gegenäußerung zur Beratung an den Bundestag weiter.

Digitale Plattformen im Handwerk auf dem Vormarsch

Eine Studie hat das Nutzungsverhalten der Handwerksbetriebe auf digitalen Plattformen näher untersucht. Unterschiede in der Nutzung fallen vor allem beim Wohnraum auf.

Der Einsatz von digitalen Plattformen im Handwerk wird immer häufiger. Auffällig ist dabei, dass vor allem in urbanen Räumen häufig die Möglichkeiten solcher Plattformen genutzt werden. Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh Göttingen) hat für die Studie exemplarisch die Auftragsplattform MyHammer und die Bewertungsplattform ProvenExpert untersucht. Am auffälligsten war wohl der Zusammenhang zwischen städtischem beziehungsweise ländlichem Wohnraum und der damit verbundenen Nutzung der Plattformen. So nutzen Kunden im städtischen Umfeld eher digitale Plattformen als diejenigen, die auf dem Land wohnen. Hier werden die Informationen über Handwerker eher über die Meinungen der Nachbarn eingeholt. Während die Digitalisierung in urbanen Räumen also weiter auf dem Vormarsch ist, ist man auf dem Land eher traditionell geprägt. Trotzdem sind Handwerker auf dem Land auf Kunden aus den Städten angewiesen und müssen sich mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen.

Negative Bewertungen schrecken Betriebe ab

Die Untersuchung zeigt, dass die Dauer der Registrierung von Betrieben auf Bewertungsplattformen davon abhängig ist, wie positiv die Bewertungen durch Kunden ausfallen. So führen negative Bewertungen schnell dazu, dass sich die betreffenden Betriebe wieder von der Plattform abmelden. Umgekehrt bleiben Betriebe, die positive Bewertungen erhalten, länger registriert. Das Problem daran: Wenn sich nun negativ bewertete Betriebe fortlaufend abmelden und irgendwann nur noch positiv bewertete Betriebe auf den Plattformen übrigbleiben, so wird das Ziel der umfassenden digitalen Abbildung aller Betriebe einer Region verfehlt, da dies zu einer hohen Durchschnittsbewertung aller angemeldeten Betriebe auf den Plattformen führt. Negative Bewertungen sind also langfristig ein Ausschlusskriterium für den digitalen Markt. Blickt man auf die vielen bereits etablierten digitalen Plattformen im Handwerk, ist das für die Betriebe erfolgskritisch. Außerdem wird der Druck der Digitalisierung für Betriebe immer größer, denn mit der wachsenden Anzahl an Online-Nutzern führt für die Betriebe kein Weg daran vorbei, solche Plattformen zu nutzen.

Der Mindestlohn auf dem Bau steigt

Nach mehreren Verhandlungen ist der neue Mindestlohn auf dem Bau endlich in Stein gemeißelt. Ab dem 1. April 2020 profitieren davon mehr als 200.000 Beschäftigte.

Länger als 14 Stunden haben die Verhandlungen gedauert, die Prof. Dr. Rainer Schlegel, Nachfolger von Bundesminister a.D. Wolfang Clement als Schlichter bei Bau-Tarifkonflikten, mit einem Vorschlag beendete, den die Besitzer der Tarifvertragsparteien mehrheitlich mittragen. So steigt die Lohnuntergrenze für Hilfsarbeiten am 1. April um 35 Cent auf 12,55 Euro die Stunde. Facharbeiter in Westdeutschland und Berlin erhalten 20 Cent mehr, also 15,40 beziehungsweise 15,25 Euro pro Stunde. In den ostdeutschen Bundesländern gibt es diesen Facharbeiter-Mindestlohn nicht. Nach Gewerkschaftsangaben werden von rund 820.000 Bau-Beschäftigten etwa 200.000 Arbeiter profitieren. Bis zum 17.01.2020 müssen nun noch die Gremien der Sozialpartner über diesen Schiedsspruch entscheiden.

„Dem Bau geht es gut“, sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger, „Insofern ist es ein kluger Schritt des Schlichters gewesen, das Tarifsystem zu erhalten und Erhöhungen vorzusehen.“ Die Gewerkschaften hätten sich den Fachkräfte-Mindestlohn allerdings eigentlich bundesweit gewünscht. Die Vizepräsidentin des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Jutta Beeke, erklärte: „Unser Ziel der Schaffung eines einheitlichen und leicht zu kontrollierenden Bau-Mindestlohns wurde nicht erreicht. Der Vorschlag vermeidet aber eine längere Mindestlohn-Lücke.“ Der alternierende Verhandlungsführer Dipl.-Ing. Uwe Nostitz, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, merkt kritisch an, dass der Knackpunkt der Verhandlungen – die zukünftige Mindestlohn-Struktur – nicht gelöst sei, sondern nur verschoben wurde. Sollte der Schiedsspruch angenommen werden, werden die Sozialpartner beantragen, dass die Regelungen auf alle im Bauhauptgewerbe in Deutschland tätigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erstreckt werden.

Potenziale der Digitalisierung auf dem Bau kaum genutzt

Eine neue Umfrage zeigt: Die Bauunternehmen lassen viele Chancen der Digitalisierung ungenutzt. Die Gründe dafür liegen im hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand.

Bei knapp der Hälfte der Bauunternehmen hat die Digitalisierung eine positive Auswirkung auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das ergibt eine aktuelle Umfrage vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW), das im Auftrag vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und in Zusammenarbeit mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen eine Studie mit dem Titel „Zukunft Bau – Beitrag der Digitalisierung zur Produktivität in der Baubranche” vorgestellt hat. So seien die Chancen der Digitalisierung vielfältig und durchaus bekannt: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsfähigkeit oder höhere Arbeitsproduktivität. Realisiert werden laut Umfrageergebnissen jedoch lediglich grundlegende Digitallösungen wie eine elektronische Rechnungsstellung oder CAD-Anwendungen. Selten angewendet werden dahingegen bauspezifische Technologien. Gerade der hohe Zeit- und Geldaufwand spiele eine Rolle dabei, wieso die Unternehmen die vielfältigen Chancen noch nicht wahrnehmen.

Große Hoffnung auf Zukunftsfähigkeit

Insgesamt 57,5 Prozent der befragten Unternehmen gehe davon aus, dass sich ihre Wettbewerbsfähigkeit in drei Jahren positiv mit der Digitalisierung entwickeln wird. 46,9 Prozent sehen außerdem schon jetzt eine positive Auswirkung der Digitalisierung auf den Unternehmenserfolg, 56 Prozent erwarten diesen Unternehmenserfolg in den kommenden drei Jahren. Beim Einfluss auf die Innovationsfähigkeit liegt das Verhältnis bei 40,7 zu 48,9 Prozent – beim Einfluss auf die Arbeitsproduktivität bei 40,5 zu 47,3 Prozent. Der tatsächliche Anteil an Digitalisierungsinstrumenten in den Unternehmen selbst sieht allerdings verhalten aus. So nutzen zwar 38,5 Prozent die elektronische Rechnungsstellung und 36,2 Prozent verwenden CAD-Anwendungen. Die tatsächlich innovativen Lösungen allerdings bilden in der Branche noch die Ausnahme. So nutzen nur 7,5 Prozent der Unternehmen Virtuelle Realität und 2,8 Prozent den 3D-Scanner. Die Gründe für die seltene oder gar fehlende Nutzung liegen für die Unternehmen mit 62,4 Prozent am zu hohen Investitionsaufwand. 61,5 Prozent sahen einen zu hohen zeitlichen Aufwand. Andere Gründe sind zu strikte Datenschutzregeln (57,5 Prozent), ein unzureichender Breitbandausbau (55,6 Prozent) sowie fehlende Standards und Schnittstellen (54,9 Prozent). In diesen Hindernissen sieht Prof. Dr. Irene Bertschek, Projektleiterin und Leitung des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“ eine große Hürde. „Dabei wäre es wichtig, sich auf konjunkturell weniger gute Zeiten vorzubereiten und gerade die Digitalisierung kann dazu beitragen“, so Bertschek.