Doch kein Förderstopp für Solaranlagen

Eigentlich sollte die gesetzliche Vergütung für Strom aus neuen Photovoltaikanlagen nur noch bis 2020 reichen. Die Bundesregierung hebt diesen Förderdeckel nun aber auf.

Mehr als 1,7 Millionen Solaranlagen in Deutschland lieferten im ersten Halbjahr 2019 rund 24,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW Solar) nennt den Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent einen „neuen Solarstromrekord“. Um die Klimaziele zu erreichen, rechnet aber auch Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig damit, dass der Ausbau noch um ein Vielfältiges beschleunigt werden muss. Über die Entscheidung der Bundesregierung, den geplanten Förderdeckel für die Anlagen abzuschaffen, ist Körnig jedoch mehr als erfreut: „Die Streichung des Förderdeckels für Solardächer wird in letzter Minute einen Markteinbruch abwenden, wenn sie jetzt umgehend gesetzlich fixiert wird.“ Ursprünglich sollte der Förderdeckel dann greifen, wenn die Marke von 52 Gigawatt Leistung, die durch die Solaranlagen erbracht wurden, erreicht ist. Bis vor kurzem rechnete der BSW Solar damit, dass diese Leistung bereits im Frühjahr oder Sommer 2020 erreicht wäre. Die Befürchtung war ein Rückgang des derzeitigen Volumens des Solarausbaus um ein Drittel. Im Rahmen des neuen Klimapakets haben die Union und die SPD jedoch beschlossen, diesen Förderstopp abzuschaffen.

Genaue Regelung für Solarausbau? Fehlanzeige.

Gleich hinter dem Förderdeckel im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) steht, dass „rechtzeitig“ eine Anschlussregelung gefunden werden muss. Zwar will die Bundesregierung Solarstrom von Hausdächern erst einmal fördern, wie bislang. Aus Sicht der BWS Solar bedarf es allerdings noch weiterer Regelungen, als in den neuen Klimabeschlüssen beschrieben: „Unklar bleibt der Umfang der dringend notwendigen Beschleunigung des Photovoltaik-Ausbaus“. Derzeit bekommen Hausbesitzer für den selbst erzeugten aber ungebrauchten Strom, der ins Stromnetz eingespeist wird, 10,5 Cent pro Kilowattstunde. Diese Vergütung ist für 21 Kalenderjahre garantiert und ist nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW das Doppelte des aktuellen Börsenstrompreises. Die Bundesregierung plant, bis 2030 insgesamt 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen und mehr CO2-kräftige Kohlekraftwerke abzuschalten. Laut BSW Solar ist das allerdings in Gefahr, wenn der Solarstrom und auch die Wärmeerzeugung über Solarthermie nicht noch besser vorangetrieben werden.

Intelligente Gebäudetechnik spart Energie für die Zukunft

In einem neuen Interview mit dem CEO von Siemens Smart Infrastructure wird klar, welche wichtige Rolle intelligente Gebäude schon bald bei uns spielen werden.

Wenn die eigenen vier Wände mit einem reden und eigenständig Wärme- und Lichtregulierung betreiben und somit den Energieverbrauch eines Gebäudes drastisch senken – so kann die Zukunft mit intelligenter Gebäudetechnik aussehen. Aber auch, wenn Gebäude intelligent sind und ihre Umgebung verstehen, kommunizieren und lernen, muss immer noch der Mensch im Mittelpunkt stehen. Diese Ansicht vertritt Cedric Neike, CEO von Siemens Smart Infrastructure in einem neuen Interview. Schon 2020 werden voraussichtlich 50 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein, 20 Prozent davon werden zur Gebäudetechnik gehören. Das bedeutet eine große Datenmenge, die für intelligente Gebäude aufbereitet und auch analysiert werden muss. Laut Neike werden aktuell rund 50 Prozent der Energie in einem Gebäude verschwendet. Nach einer aktuellen Studie sei es jedoch möglich, den Energieverbrauch und somit den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes durch Digitalisierung und Vernetzung um satte 80 Prozent zu senken. Längst gibt es für Gebäude nicht mehr nur die Möglichkeit, Energie zu verbrauchen, sondern auch, welche zu erzeugen. Neike bezeichnet diese Art von Gebäude als intelligente „Prosumenten“, die sich mit der Außenwelt austauschen.

Häuser als Energiebatterien nutzen

In Kanada erprobt Siemens aktuell bereits die Nutzung intelligenter Gebäudetechniken in Gebieten, in denen Elektroheizungen weit verbreitet sind. Dort wird überschüssige Wärmeenergie in Boilern direkt in den Häusern wie in einer Batterie gespeichert und kommt dann in Zeiten zum Einsatz, in denen die Gebäude weniger Strom erzeugen. Dabei werden mehrere Gebäude zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen und beziehen ihre Energie aus diesen Speichern. Laut Aussagen von Neike würde das den Bau von ein bis zwei Kohlekraftwerken überflüssig machen. Im Rahmen eines anderen Projekts hat Siemens gemeinsam mit dem amerikanischen Start-up LO3 ein Inselnetz in New York aufgebaut, in dem Gebäudeeigentümer überschüssige Solarkapazitäten an ihre Nachbarn verkaufen können. Neike freut sich über die so entstandene Gemeinschaft von Stromhändlern. Eines Tages, so die Hoffnung des Siemens-Managers, werden Gebäude „intelligent genug sein, um die Bedürfnisse der Nutzer vorauszusehen“. Sie wären damit ein Bestandteil von Lebensräumen, die sowohl dem Menschen als auch der Umwelt zu Gute kommen.

So werden alle Gebäudehüllen luftdicht!

Luftdichtheit spielt sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung eine sehr wichtige Rolle. Eine neue kostenlose Broschüre frischt die Kenntnisse in allen Gewerken auf.

„FLiB – Luftdichtheitskonzept“ heißt die neue Broschüre des Fachverbands Luftdichtheit im Bauwesen e.V. Der Verband möchte die Fragen beantworten, was es bei der Planung bis hin zur Umsetzung zu beachten gilt, wenn man ein Gebäude luftdicht machen will. Denn nicht nur im Neubau ist Luftdichtheit ein Standard-Kriterium, sondern auch bei der Sanierung von Bestandsbauten steht sie im Fokus. Auf 26 Seiten werden anhand der beispielhaften Sanierung eines Einfamilienhauses die Angebotsnachfrage, die Planung, Ausführung und die Überprüfung thematisiert, die auf dem Weg zu einer luftundurchlässigen Gebäudehülle wichtig sind. „Eine luftdichte Gebäudehülle verhindert, dass Feuchtigkeit in die Gebäudekonstruktion eindringen kann. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Feuchtigkeit von außen! Bei der normalen Nutzung einer Wohnung wird durch Kochen, Duschen, die Wäschetrocknung aber auch während des Schlafens Feuchtigkeit in die Raumluft eingetragen, die üblicherweise durch eine ausreichende Lüftung (zum Beispiel über manuelles Fensteröffnen) nach draußen abgeführt wird. Sind jedoch Fehlstellen (Leckagen) in der Luftdichtheitsebene vorhanden, kann die Feuchtigkeit dort eindringen“, heißt es auf der ersten Seite der Broschüre. Die Publikation richtet sich laut dem Fachverband an Handwerker, Energieberater, Architekten und Planer. Mithilfe vieler Abbildungen, Grafiken und Skizzen erläutern die Experten, wann Arbeiten wie Dachsanierung, Fenster- oder Haustüraustausch erfolgen und wie man sie aufeinander abstimmt. Erstmals vereint der Fachverband in der Broschüre sämtliche von ihm veröffentlichte Einzelpublikationen zum Thema seit Herbst 2017 und bringt diese gemeinsam auf einen neuen Stand. Das Dokument ist für jedermann frei zugänglich und auf der Website des Fachverbands Luftdichtheit im Bauwesen herunterladbar.

Die Lösung für alle dunklen Bäder: künstliches Tageslicht

Für Besitzer eines fensterlosen Badezimmers, die sich trotzdem Tageslicht wünschen, gibt es jetzt die Lösung: Coelux wirkt mit täuschend echtem künstlichen Tageslicht.

Für viele ist ein „Tageslichtbad“ ein Must-have für ein perfektes Zuhause. Die Realität sieht meist aber ganz anders aus, denn kleinere Apartments und viele Altbauten erfüllen diesen Wunsch nur selten. Eine neue LED-Technologie ermöglicht es jetzt aber trotzdem, morgens ein tageslichtdurchflutetes Badezimmer betreten zu können. Mehr als 11 Jahre Forschungsarbeit stecken in „Coelux“. So heißt die Technologie, die mithilfe von LED-Lampen die optische Wirkung von Sonnenlicht imitiert. Dabei reproduziert die LED-Technologie das Spektrum des Sonnenlichts, ein optisches System stellt die Wahrnehmung von Distanz zwischen „Himmel“ und „Sonne“ her und nanostrukturierte Materialien simulieren den gesamten Lichtstreuprozess, der sich in der Atmosphäre abspielt. Das Ganze wirkt so echt, dass die Technik sogar in Krankenhäusern eingesetzt wird, beispielsweise bei Patienten mit Depression, für die Tageslicht sehr wichtig ist.

Nordeuropa, Mittelmeerraum oder doch Tropen?

Das „Fenster“ wird an der Zimmerdecke installiert und wirkt somit wie eine Deckenlampe. Das System hat einen 13 Zentimeter tiefen mattweißen Rahmen, der einzeln oder als Modul angeordnet werden kann. Mindestens ein Meter Decken-Einbautiefe ist für die Einrichtung erforderlich. Das Ergebnis ist dann ein Lichtstrahl, der im perfekten Winkel „Sonnenlicht“ im Bad verteilt und mit der Dimmbarkeit auch noch an die individuellen Bedürfnisse des Benutzers angepasst werden kann, sodass eine natürliche Atmosphäre geschaffen wird. Die zwei Versionen des „Coelux Long Sky“ unterscheiden sich in ihrer Größe und der Verarbeitung des Rahmens. Außerdem kann man unter drei verschiedenen Lichttypen wählen: Entweder man wählt Nordeuropa, den Mittelmeerraum oder die Tropen als Vorbild für das eigene künstliche Sonnenlicht. Das größte Fenster bietet eine Fläche von 1,5 Quadratmetern, außerdem unterscheiden sich die Modelle je nachdem, ob sie für eine Decken- oder für eine Wandinstallation bestimmt sind. Bezogen werden können die Produkte über KAP Personal Systems. Inhaber und technischer Designer, Stephan Koll, ist überzeugt von der innovativen LED-Technik: „Für mich ist Coelux das am natürlichsten wirkende Konzept, welches universell einsetzbar ist und aus dunklen Problemräumen perfekte Tageslichträume schafft.“ Auf die Frage eines Fachplaners des Magazins IKZ (Gebäude- und Energietechnik), ob die Wirkung des Lichts wirklich so beeindruckend ist, wie es in den Broschüren geschrieben steht, antwortet Koll überzeugt: „Ja, absolut. Kunden sind auch oft skeptisch. Die Vorstellung, dass ein „künstliches System“ diese Wahrnehmung erzeugt, ist schwer. Aber der Effekt ist wirklich, als ob man am Strand auf Hawaii in den offenen, unglaublich strahlend blauen Himmel sieht. Das Gefühl ist außergewöhnlich.“

Digitale Revolution am Bau

Die deutsche Bauindustrie wird immer digitaler. Das zeigt unter anderem eine neue Studie darüber, wie aktiv in Deutschland Building Information Modeling genutzt wird.

Das digitale Planen und Bauen hat in letzter Zeit deutlich an Bedeutung gewonnen. Building Information Modeling (BMI) bietet eine Methode der vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mithilfe einer Software. Theoretisch ließe sich in Deutschland ein Neubau in nahezu allen Phasen mit der Digitalisierung realisieren. Im Vergleich zu vor zwei Jahren wird dieses System auch immer mehr zur Optimierung genutzt. Eine aktuelle Studie des Düsseldorfer Marktforschungsinstituts BauInfoConsult zeigt allerdings eine zweigeteilte Meinung über BMI. Zwar findet die Software immer mehr Anwender und es steigt die Hoffnung, dass dadurch eine weitreichende Prozessoptimierung eintreten wird, gleichzeitig ist die Nachfrage auf der Kundenseite allerdings noch sehr gering. BauInfoConsult befragte insgesamt 302 Planer und Verarbeiter. Die Hälfte der Befragten ist der Auffassung, dass sich die Digitalisierung immer mehr am Bau durchsetzen wird, die andere Hälfte hat jedoch Vorbehalte gegen diese neue Technik.

Einsatz von BMI steigt weiter

Die Studienergebnisse zeigen aber: Die Nutzung der Software hat am Bau deutlich zugenommen. Rund 28 Prozent der Befragten arbeiten bereits damit. 2017 lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent. Und auch wenn die Kundennachfrage eher gering ist, stellt sich die Mehrheit der Betriebe auf die Nutzung des Systems ein. Nur ein Viertel der befragten Planer und Verarbeiter gab an, das System nicht zu nutzen. Zwar lässt sich ein Neubau theoretisch bereits quer durch alle Bauphasen mit BIM realisieren, die Studie zeigt allerdings, dass die bereits BIM-nutzenden Akteure die Software am liebsten für die Ausführungsplanung (73 Prozent), die architektonische Entwurfsplanung (65 Prozent) sowie für die gebäudetechnische Fachplanung (61 Prozent) nutzen. Lediglich 36 Prozent der Befragten nutzen das System für die Fachplanung im Bereich der Bauphysik, also für die Planung von beispielsweise Schall-, Brand- und Feuchteschutz. Wie genau die Software in diesen Gebieten zum Einsatz kommt, zeigt die Studie in weiteren Umfragen. So berichten 83 Prozent der BIM-Nutzer, dass sie vor allem auf die 3D-Visualisierung und Animationsdarstellung setzen. 81 Prozent nutzen BIM, um 2D-Zeichnungen aus 3D-Modellen zu erstellen und ganze 71 Prozent handhaben mit dem digitalen Instrument das Kollisionsmanagement und Mengenplanungen.

Honorarordnung für Architekten und Ingenieure gekippt

Die deutschen Mindest- und Höchstsätze für Architekten und Ingenieure sind unzulässig und tun nichts für den Verbraucherschutz – erklärte der Europäische Gerichtshof.

Nachdem die EU-Kommission bereits Ende 2016 Deutschland verklagte, kippt der Europäische Gerichtshof nun die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Bei der HOAI handelt es sich um festgelegte Mindest- und Höchstpreise für die Planungsarbeit von Architekten und Ingenieuren. Der Mindestsatz darf nur in besonderen rechtlichen Fällen unterschritten werden. Das gleiche gilt für die Überschreitung des Höchstsatzes. Sinn und Zweck dieser Regelung ist es, sowohl dem Architekten beziehungsweise Ingenieur ein angemessenes Honorar zu sichern, als auch die Sicherung der Qualität der erbrachten Leistungen für den Bauherrn.

In der Anklage gegen Deutschland Ende 2016 forderte Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienowksa, dass das Anbieten von Dienstleistungen erleichtert werden soll, sodass Verbraucher mehr Auswahl und niedrigere Preise bekommen. Mit der Honorarordnung würde die Bundesrepublik Unternehmen aber daran hindern, über den Preis miteinander zu konkurrieren, hatte der EU-Gutachter Maciej Szpunar bereits im Februar festgestellt. Für Szpunar sei nicht klar, warum ein Mindestpreis nötig sei, um Verbraucherschutz und hohe Qualität zu sichern. Und obwohl es nach einer entsprechenden EU-Richtlinie möglich ist, Mindest- und Höchstpreise unter bestimmten Bedingungen vorzuschreiben, erklärten die Richter trotzdem, dass die Deutsche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure nicht den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit erfülle. Die Begründung: Die Mindestsätze gelten nur für Architekten und Ingenieure. Da aber auch andere Dienstleister entsprechende Leistungen erbringen können und dafür keine fachliche Eignung nachweisen müssen, seien die Mindestsätze ungeeignet, hohe Qualitätsstandards und den Verbraucherschutz zu sichern.

Aufschrei in der Bundesarchitektenkammer

„Die HOAI in ihrer bisherigen Form verhindern einen ruinösen Preiswettbewerb, um Auftraggebern die bestmöglichen Leistungen zu sichern, deren Qualität kaum im Voraus bewertet werden kann und gleichzeitig besonders großen Einfluss auf das Leben der Menschen hat“, warnt die Bundesarchitektenkammer vor der aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs. „Sowohl für unseren Berufsstand als auch für die Auftraggeber bedeutet diese Entscheidung einen bedeutsamen Einschnitt, da die wissenschaftlich ermittelten Honorarsätze zukünftig nicht mehr verpflichtend gelten, und wir neben Leistung und Qualität verstärkt auch über den Preis verhandeln müssen,“ sagte die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, direkt nach der Entscheidung des EuGh. „Wichtig ist uns, auch weiterhin auf Basis angemessener Honorare arbeiten zu können, um Auftraggebern den ganzheitlichen Leistungsumfang zukommen lassen zu können, der zur optimalen Lösung baulicher Aufgaben notwendig ist, und zwar sowohl im Interesse der Auftraggeber als auch im Interesse der Allgemeinheit, denn Bauen ist nie nur privat. Wie sorgfältig wir unsere Gebäude planen und wie nachhaltig wir sie bauen und betreiben, trägt maßgeblich zur Qualität der gebauten Umwelt und auch zum Klimaschutz bei.“ Man werde in der nächsten Zeit intensive Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium führen, um die Honorarsätze zumindest in einem kleineren Rahmen erhalten zu können.

Stabiles Wachstum für elektronische Sicherheitstechnik

Auch 2018 hält ein stabiles Wachstum für den Markt für elektronische Sicherheitstechnik bereit. Der Umsatz liegt für das Jahr somit bei 4,4 Milliarden Euro.

Videoüberwachung, elektronische Alarmtechniken, Türsprechsysteme und Gefahrenmelder – das alles hat die Branche der elektronischen Sicherheitstechnik zu bieten. Um sich vor Einbrüchen, Bränden und anderen Gefahren zu schützen, sind solche Anlagen für viele Deutsche mittlerweile unverzichtbar. Das zeigen auch die Wachstumszahlen aus dem Jahr 2018: um 5,7 Prozent nahm der Umsatz im Vergleich zu 2017 in diesem Segment zu. Das sind etwa 4,4 Milliarden Euro Gesamtumsatz für das erfolgreiche Jahr. Die Branche setzt somit den ständig wachsenden Umsatz fort und zeigt einen stabilen Markt. Auch für die Folgejahre erwartet man einen fortgesetzten Aufschwung. Dennoch gibt es einige Herausforderungen im Geschäft: „Die Auswirkungen des Fachkräftemangels sind enorm. Es dauert oft zwölf bis 15 Monate, bis eine Stelle nachbesetzt wird – das ist doppelt so lange wie noch vor zwei oder drei Jahren“, konstatiert Norbert Schaaf, Vorstandsvorsitzender des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V.

Weitere wichtige Themen der näheren Zukunft seien außerdem die Vernetzung und Digitalisierung sowie die Cybersicherheit der eingesetzten Produkte, Systeme und Dienstleistungen. „Smart Home und Smart Building werden Realität. Im Dreieck aus Komfort, Energieeffizienz und Sicherheit nimmt Cybersicherheit einen zentralen Platz ein. Digitale Technologien müssen sicher und vertrauenswürdig sein – darauf müssen sich die Nutzer verlassen können. Nur so können neue Dienste und Geschäftsmodelle entstehen, die sich am Markt behaupten“, so Uwe Bartmann, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Sicherheit.

Wachstum in allen Segmenten der Sicherheitstechnik

Zwar ist die Brandmeldetechnik nach wie vor das größte Segment der Sicherheitstechnik, aber auch alle anderen Segmente zeigen ein Wachstum. Die Brandmeldetechnik ist sehr von der Baukonjunktur abhängig, der Umsatz in diesem Bereich ist 2018 allerdings um mehr als sechs Prozent auf über zwei Milliarden Euro gestiegen. Nachdem jetzt bundesweit die Rauchwarnmelderpflicht für Privatwohnungen gilt, könnte in diesem Bereich ein Rückgang eintreten. Andererseits müssen in vielen Bundesländern bereits viele alte Rauchmelder ausgetauscht werden. Auch neue Technologien unter den Warnmeldern, wie zum Beispiel die Smart-Home-Fähigkeit, könnten für einen Aufschwung in der Zukunft sorgen. Mit einem Plus von sieben Prozent steigt der Umsatz für die Zutrittssteuerungssysteme 2018 auf 352 Millionen Euro. Auch die Videosicherheit macht mit einem Umsatz von 575 Millionen Euro gegenüber 2017 ein Plus von 6,5 Prozent. Ein etwas geringeres Wachstum gab es für den Bereich der Sprachalarmierungssysteme, diese machten 2018 einen Umsatz von 110 Millionen Euro und verzeichnen für das Jahr somit ein Plus von 3,8 Prozent. Überfall- und Einbruchmeldeanlagen machten mit 860 Millionen Euro 3,6 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr.

Smarte Ideen für zukünftige Elektromobilität gesucht

Innogy sucht im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Elektromobilität“ kreative Antworten auf wichtige Fragen der Zukunft. Preisvergabe ist am 28. November in Dortmund.

Auf Fragen zur Elektromobilität, zur Energie- und Gebäudetechnik und zur Architektur und Informatik sucht innogy gestalterische, technische und auch wirtschaftliche Antworten. Die Fragen sind sehr zukunftsorientiert: Wie sieht das Haus der Zukunft mit smarter Ladeinfrastruktur als integralem Bestandteil aus? Oder auch: Was zeichnet APIs aus, die Elektroauto und Smart Home so verbinden, dass Energieversorgung, Wohnkomfort und Datenschutz gleichermaßen profitieren? Auf diese und noch mehr Fragen sollen kreative Studierende aus allen deutschsprachigen Universitäten, Fachhochschulen und Akademien sowie alle anderen Interessierten aus Bereichen wie zum Beispiel der Energie- und Gebäudetechnik oder der Immobilienwirtschaft kreative Antworten suchen. Innogy bittet dabei um fantasiereiche und ausgefallene Projekte. Die Einsendungen können sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch verfasst sein und müssen bis spätestens zum 25. Oktober 2019 eingereicht werden. Die drei besten Projekte werden ausgewählt und am 28. November ausgezeichnet. Für den ersten Platz gibt es 5.000 Euro Preisgeld, für den zweiten 3.000 und für den dritten Platz winken 2.000 Euro. Die prämierten Ideen werden außerdem in der Fachzeitschrift greenBUILDING präsentiert. Auf der Website des Projekts stehen alle offenen Fragen und Teilnahmebedingungen zum Nachlesen.

Meisterpflicht findet nicht nur Befürworter

Nach vielen Überlegungen steht die Möglichkeit der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Raum. Liberale Ökonomen sehen darin einen Eingriff in Markt und Wettbewerb.

„Für eine Rückkehr zur Meisterpflicht gibt es mit Blick auf die derzeit zulassungsfreien Gewerke keine Rechtfertigung“, teilte Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, der Deutschen Handwerks Zeitung mit. Die Monopolkommission ist ein Beratergremium der Bundesregierung. Wambach ist ein Ökonom aus Mannheim und ist in jedem Fall gegen die Wiedereinführung der Meisterpflicht in Handwerksberufen. Zwar stimmt er zu, dass die teilweise Abschaffung der Pflicht vor 15 Jahren zu einem Rückgang der formalen Qualifikation der Betriebsinhaber geführt hat, „tatsächliche Qualitätsdefizite sind aber nicht belegt.“ Die Wiederausweitung der Meisterpflicht wurde vor allem unter Berücksichtigung vieler aktueller Probleme diskutiert. Darunter zählen beispielsweise lange Wartezeiten und hohe Preise für die Verbraucher, unfaire Konkurrenz durch Schwarzarbeit und auch die ungelöste Nachfolgeproblematik. Der Chef der Monopolkommission ist aber der Meinung, dass eine erneute Einführung der Pflicht keines der aktuell bestehenden Probleme beseitigen würde. Wambach spricht sich dafür aus, den Meisterbrief als freiwilliges Qualitätssiegel zu erhalten. Nach vielen Überlegungen steht die Möglichkeit der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Raum. Liberale Ökonomen sehen darin einen Eingriff in Markt und Wettbewerb.

„Meisterzwang“ löst unsere Probleme nicht

Viele Ökonomen teilen die Ansicht der Monopolkommission. So bezeichnet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Diskussion um die Wiedereinführung der Meisterpflicht eher als „Meisterzwang“ und verspricht sich von einem möglichst schrankenlosen Zugang zu vielen Handwerksberufen mehr Firmengründungen, niedrigere Preise für Verbraucher und neue Jobs. In einem Jahresgutachten schrieb der Sachverständigenrat zuletzt: „Eine Rückkehr zur Meisterpflicht, wie derzeit diskutiert, geht in die falsche Richtung.“

Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Michael Neubert sieht das ähnlich. In einem Aufsatz, der Anfang des Jahres in verschiedenen Politikblogs im Internet verbreitet wurde, schreibt er: „Insgesamt zeigt sich, dass die Hauptargumente für die Wiedereinführung des Meisterzwangs eher schwach sind. Es wäre vielmehr zu wünschen, dass weitere Berufe von diesem befreit werden. So kann für die Zukunft sichergestellt werden, dass es weiterhin genug Handwerker gibt und diese auch für ‚jedermann‘ bezahlbar bleiben.“ Der Ökonom plädiert ebenfalls für die Freiheit eines jeden Handwerkers, den Meisterbrief freiwillig zu erwerben und so die besondere Qualität seiner Leistungen zu betonen. „Er muss sich dann eben auch dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb stellen, um für seine zusätzliche Qualifikation den entsprechenden Preis zu erzielen.“

Mehr Verständnis für Selbstständige gefordert

Unter den Kritikern sind auch einzelne Vertreter des Handwerks. So wünscht sich zum Beispiel Jonas Kuckuk vom Berufsverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker (BUH) vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aber auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mehr Zurückhaltung in der Diskussion. „Der Meisterzwang liegt keineswegs im gesellschaftlichen Gesamtinteresse. Solo-Selbständigkeit ist nicht per se etwas Schlechtes, sie ist die Urzelle der Selbständigkeit“, sagt Kuckuk gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung. Der Reetdachdecker aus Bremen ist der Meinung, Solo-Selbstständige würden schlecht geredet und kritisiert den Vorwurf, dass kleine Unternehmen ohne Meisterbrief schlechte Arbeit leisten würden. Das Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung schließt er allerdings versöhnlich ab: „Sie werden von mir kein schlechtes Wort über den Meisterbrief hören.“

Gibt es bald eine Ablösesumme für Azubis?

Hans Peter Wollseifer schlägt eine Entschädigungszahlung für Unternehmen vor, wenn ihre Azubis nach der Ausbildung den Betrieb wechseln. Die Reaktionen sind gemischt.

Bis zu drei Jahre und viel Geld steckt ein Betrieb in die Ausbildung seiner Azubis. Wechseln diese danach in attraktivere Unternehmen, ist das sehr ärgerlich. Präsident der Handwerkskammer zu Köln, Hans Peter Wollseifer, schlägt deshalb eine Ablösesumme vor, die die ausbildenden Unternehmen bekommen sollen, wenn ihr frisch eingearbeiteter und geschulter Ausgebildete von anderen abgeworben wird. Zustimmung bekommt er dafür aus der Handwerkskammer Hannover: „Es schmerzt insbesondere kleinere Handwerksbetriebe, wenn der oder die Auszubildende den Betrieb verlässt, sobald die Ausbildung geschafft ist“, sagte der Präsident Karl-Wilhelm Steinmann der Hannoverschen Allgemeinen. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, Matthias Steffen, fügt hinzu: „Wichtig ist vor allem, insbesondere die duale Ausbildung zu stärken. Jungen Menschen, die einen Beruf erlernen, muss die gleiche Wertschätzung entgegengebracht werden, wie denjenigen, die sich für eine akademische Ausbildung entscheiden.“

Rechtliche Bedenken und schwierige Umsetzbarkeit

Der Vorschlag des Handwerkspräsidenten traf aber auch auf viel Kritik. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann erläuterte in einem Interview mit dem Westfälischen Anzeiger: „Ich kann den Gedanken nachvollziehen, auch weil ich weiß, dass gezielt abgeworben wird. Aber ich glaube, dass er in der Praxis nicht umsetzbar sein wird. Der Azubi müsste verpflichtet werden, nach der Ausbildung im Betrieb zu bleiben. Auf der anderen Seite sagt das Handwerk, dass es mit dem Ausbildungsvertrag keine Übernahmegarantie geben will. Für eine Ablösesumme fehlt mir die Idee für eine gerechte und praktische Umsetzung.“

Laut dem Westfälischen Anzeiger freue sich der Minister allerdings über die angestoßene Diskussion über den Wert einer Ausbildung. Dahinter stecke das Problem des Fachkräftemangels. Laut Bayrischem Rundfunk (BR) sieht der Hauptgeschäftsführer des Bayrischen Handwerkstages, Frank Hüpers, außerdem auch rechtliche Probleme bei der Ablöse für Azubis: „Die Forderung nach einer Ablösesumme für Ausgebildete ist sicherlich eine interessante Idee, aber ich hätte da schon rechtliche Bedenken, weil sie mit der Freiheit der Berufswahl so nicht vereinbar ist“, sagte er dem BR. Laut Hüpers wäre es erfreulich, wenn alle Azubis des Handwerks auch in dieser Branche bleiben würden, da man so dem Fachkräftemangel entgegenwirken könne.

Selbst dafür sorgen, dass Azubis im Betrieb bleiben

„Ich finde, die Äußerung Wollseifers geht völlig am Thema vorbei. Nicht nur, weil es Gesetze bei uns gibt, die eine freie Berufswahl ermöglichen“, so Bauunternehmer Werner Luther im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen. „Anstatt auf den Schutz durch den Staat zu vertrauen, sollten wir Unternehmen aus dem Handwerk selbst dafür sorgen, dass die Leute gerne bei uns arbeiten. Wir müssen attraktiv für unsere Arbeitnehmer bleiben.“ Arbeitsmarktexperte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagte in einem Online-Bericht der Welt: „Unter den Unternehmen, die ausbilden, sind viele, die beim Kampf um Fachkräfte mit Weltkonzernen nicht mithalten können; und sei es nur, weil sie nicht so hohe Löhne zahlen können. Wenn die nach den Investitionen in die Ausbildung ihre Leute verlieren, ist das schwierig.“ Die vorgeschlagene Ablösesumme sieht der Arbeitsmarktexperte allerdings trotzdem skeptisch: „Auf dem Arbeitsmarkt soll jeder Arbeitnehmer möglichst frei die für ihn bestmögliche Position finden, die gut zu seinen Fähigkeiten und Interessen passt. Das ist die Kernfunktion des Arbeitsmarktes. Ablösesummen würden diese Funktion aber erheblich beschränken“, so Weber.

Wollseifer selbst begegnete der Diskussion gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung relativ gelassen. Die Idee sei lediglich ein erster Denkanstoß gewesen und „keineswegs mit konkreten Konzepten“ untermauert. „Das hohe Ausbildungsengagement des Handwerks und seiner Betriebe wird nach meinem Eindruck von vielen für selbstverständlich genommen“, so Wollseifer.