Zustimmung für neue Bau-Mindestlöhne

Nach einer Abstimmung ist nun klar: Der neue Mindestlohn für den Bau kommt. Dem haben die beteiligten Landesverbände der Bauindustrie und des Baugewerbes zugestimmt.

Ab dem 1. April 2020 erhöht sich der Mindestlohn 1 um 35 Cent auf 12,55 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 2,9 Prozent. Der Mindestlohn 2 erhöht sich um 1,3 Prozent, also um 20 Cent auf 15,40 Euro. Und auch in Berlin gibt es mit dem Mindestlohn 2 bald 20 Cent mehr, nämlich 15,25 Euro, was ebenfalls einer Erhöhung um 1,3 Prozent entspricht. Dem haben nun neben den Landesverbänden des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) auch die Arbeitgeber die notwendige Zustimmung gegeben.

„Unser Ziel der Schaffung eines einheitlichen und leicht zu kontrollierenden Bau-Mindestlohns wurde nicht erreicht”, räumt HDB-Vizepräsidentin Jutta Beeke als Verhandlungsführerin der Arbeitgeber ein. „Der Vorschlag vermeidet aber eine längere Mindestlohn-Lücke.“ Und auch der alternierende Verhandlungsführer, ZDB-Vizepräsident Uwe Nostitz, hält es für kritisch, dass die Frage der zukünftigen Mindestlohn-Struktur nicht gelöst, sondern nur verschoben wurde. Die IG Bau freut sich wiederum, einen „Angriff auf das bisherige Mindestlohnsystem” abwehren und einen einheitlichen „Mindestlohn light“ auf niedrigem Niveau für den gesamten Bau in Deutschland verhindern zu können. „Das hätte zwangsläufig die Abschaffung vom Mindestlohn 2 – also die Demontage des unteren Lohnsockels für qualifizierte Bauarbeiter – im Westen und in Berlin bedeutet”, erklärte IG Bau-Chef Robert Feiger. „Damit hätten die Arbeitgeber das komplette Mindestlohnsystem auf dem Bau ins Wanken gebracht. Das ist mit dem Schlichterspruch jetzt vom Tisch.“ Nach Angaben der Gewerkschaften profitieren vom neuen Mindestlohn mehr als 200.000 der insgesamt 820.000 Baubeschäftigten. „Das Wichtigste ist, dass es auf dem Bau auch weiterhin zwei Branchen-Mindestlöhne und damit Lohnhaltelinien nach unten – insbesondere für fachliche Arbeiten – geben soll”, so Feiger. „Das hatte für uns oberste Priorität. Und das haben wir geschafft. Dazu noch einen Anstieg beider Mindestlöhne.“

Digitale Plattformen im Handwerk auf dem Vormarsch

Eine Studie hat das Nutzungsverhalten der Handwerksbetriebe auf digitalen Plattformen näher untersucht. Unterschiede in der Nutzung fallen vor allem beim Wohnraum auf.

Der Einsatz von digitalen Plattformen im Handwerk wird immer häufiger. Auffällig ist dabei, dass vor allem in urbanen Räumen häufig die Möglichkeiten solcher Plattformen genutzt werden. Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh Göttingen) hat für die Studie exemplarisch die Auftragsplattform MyHammer und die Bewertungsplattform ProvenExpert untersucht. Am auffälligsten war wohl der Zusammenhang zwischen städtischem beziehungsweise ländlichem Wohnraum und der damit verbundenen Nutzung der Plattformen. So nutzen Kunden im städtischen Umfeld eher digitale Plattformen als diejenigen, die auf dem Land wohnen. Hier werden die Informationen über Handwerker eher über die Meinungen der Nachbarn eingeholt. Während die Digitalisierung in urbanen Räumen also weiter auf dem Vormarsch ist, ist man auf dem Land eher traditionell geprägt. Trotzdem sind Handwerker auf dem Land auf Kunden aus den Städten angewiesen und müssen sich mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen.

Negative Bewertungen schrecken Betriebe ab

Die Untersuchung zeigt, dass die Dauer der Registrierung von Betrieben auf Bewertungsplattformen davon abhängig ist, wie positiv die Bewertungen durch Kunden ausfallen. So führen negative Bewertungen schnell dazu, dass sich die betreffenden Betriebe wieder von der Plattform abmelden. Umgekehrt bleiben Betriebe, die positive Bewertungen erhalten, länger registriert. Das Problem daran: Wenn sich nun negativ bewertete Betriebe fortlaufend abmelden und irgendwann nur noch positiv bewertete Betriebe auf den Plattformen übrigbleiben, so wird das Ziel der umfassenden digitalen Abbildung aller Betriebe einer Region verfehlt, da dies zu einer hohen Durchschnittsbewertung aller angemeldeten Betriebe auf den Plattformen führt. Negative Bewertungen sind also langfristig ein Ausschlusskriterium für den digitalen Markt. Blickt man auf die vielen bereits etablierten digitalen Plattformen im Handwerk, ist das für die Betriebe erfolgskritisch. Außerdem wird der Druck der Digitalisierung für Betriebe immer größer, denn mit der wachsenden Anzahl an Online-Nutzern führt für die Betriebe kein Weg daran vorbei, solche Plattformen zu nutzen.

Handwerk freut sich über mehr Geld für Weiterbildungen

Die Bundesregierung hat beschlossen, das Weiterbildungsstipendium aufzustocken. Der Generalsekretär des ZDH, Holger Schwannecke, sieht in der Aufstockung viele Vorteile.

Die Rede ist von einer Erhöhung der Förderung für die Höhere Berufsbildung von 7.200 auf 8.100 Euro. Bereits seit dem 1. Januar ist diese Erhöhung wirksam. „Insbesondere angehenden Meistern hilft diese finanzielle Unterstützung der Bundesregierung bei der Vorbereitung auf ihre Prüfung. Gerade vor dem Hintergrund, dass in den nächsten fünf Jahren mindestens rund 100.000 Betriebsnachfolgen anstehen, ist es wichtig, junge Menschen zu einer beruflichen Weiterbildung zu motivieren und finanzielle Barrieren, die sie davon abhalten könnten, möglichst auszuräumen“, so der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Um noch mehr beruflich Hochqualifizierte zu erreichen, müsse das Weiterbildungsstipendium nach Ansicht von Schwannecke allerdings zeitnah grundständig weiterentwickelt werden. In einem ersten Schritt sollte laut ihm die Gruppe der Förderempfänger insgesamt ausgedehnt werden. „Die Zahl der Weiterbildungsstipendien auf derzeit jährlich 6.000 zu begrenzen, stellt eine Benachteiligung der beruflichen Bildung gegenüber den im akademischen Bereich geförderten Stipendienprogrammen dar. Das sollte dringend geändert werden, wenn man es ernst meint mit der Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung.“ Auch fordert Schwannecke die Ausdehnung der Altersgrenze von derzeit 24 auf 27 Jahre, „um die steigende Bedeutung des lebenslangen Lernens zu unterstreichen“. Die Bundesregierung müsse nun mutige Schritte gehen, um die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung Realität werden zu lassen.

Fenster und Türen ohne CE-Kennzeichen sind nicht mangelhaft

Das CE-Siegel dient dazu, EU-einheitlich technische Prüfstandards für Bauprodukte zu definieren. Deshalb sind Türen und Fenster ohne das Siegel auch nicht mangelhaft.

Diesen Entschluss fasste das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg in einem Urteil. Mehrere Hauseigentümer klagten gegen eine Tür- und Fensterbaufirma auf Zahlung von Schadensersatz. Sie behaupteten, die von dem Unternehmen eingebauten Fenster und Türen seien mangelhaft, da sie nicht das CE-Kennzeichen aufwiesen. Das OLG Oldenburg aber entschied: Allein wegen des Fehlens der CE-Kennzeichnung liegt bei den verbauten Teilen kein Mangel vor. So gewährleiste die Kennzeichnung nicht die Bauwerkssicherheit, sondern diene vor allem dazu, die technischen Anforderungen an Bauprodukte europäisch zu harmonisieren und dadurch den Handel mit Bauprodukten im Binnenmarkt zu erleichtern. So definiere die Kennzeichnung allein einheitliche Prüfstandards und biete keinerlei Gewähr dafür, dass das Bauprodukt den nationalen Sicherheitsanforderungen entspricht. Um nach deutschem Recht einwandfrei zu sei, müssen Bauprodukte den hier anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Einen wirklichen Mangel dahingegen stellt zum Beispiel ein nicht zugelassener Baustoff dar. Eine Leistung ist demnach bereits dann mangelhaft, wenn das verwendete Material keine bauaufsichtliche Zulassung hat.

Der Mindestlohn auf dem Bau steigt

Nach mehreren Verhandlungen ist der neue Mindestlohn auf dem Bau endlich in Stein gemeißelt. Ab dem 1. April 2020 profitieren davon mehr als 200.000 Beschäftigte.

Länger als 14 Stunden haben die Verhandlungen gedauert, die Prof. Dr. Rainer Schlegel, Nachfolger von Bundesminister a.D. Wolfang Clement als Schlichter bei Bau-Tarifkonflikten, mit einem Vorschlag beendete, den die Besitzer der Tarifvertragsparteien mehrheitlich mittragen. So steigt die Lohnuntergrenze für Hilfsarbeiten am 1. April um 35 Cent auf 12,55 Euro die Stunde. Facharbeiter in Westdeutschland und Berlin erhalten 20 Cent mehr, also 15,40 beziehungsweise 15,25 Euro pro Stunde. In den ostdeutschen Bundesländern gibt es diesen Facharbeiter-Mindestlohn nicht. Nach Gewerkschaftsangaben werden von rund 820.000 Bau-Beschäftigten etwa 200.000 Arbeiter profitieren. Bis zum 17.01.2020 müssen nun noch die Gremien der Sozialpartner über diesen Schiedsspruch entscheiden.

„Dem Bau geht es gut“, sagte Gewerkschaftschef Robert Feiger, „Insofern ist es ein kluger Schritt des Schlichters gewesen, das Tarifsystem zu erhalten und Erhöhungen vorzusehen.“ Die Gewerkschaften hätten sich den Fachkräfte-Mindestlohn allerdings eigentlich bundesweit gewünscht. Die Vizepräsidentin des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Jutta Beeke, erklärte: „Unser Ziel der Schaffung eines einheitlichen und leicht zu kontrollierenden Bau-Mindestlohns wurde nicht erreicht. Der Vorschlag vermeidet aber eine längere Mindestlohn-Lücke.“ Der alternierende Verhandlungsführer Dipl.-Ing. Uwe Nostitz, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, merkt kritisch an, dass der Knackpunkt der Verhandlungen – die zukünftige Mindestlohn-Struktur – nicht gelöst sei, sondern nur verschoben wurde. Sollte der Schiedsspruch angenommen werden, werden die Sozialpartner beantragen, dass die Regelungen auf alle im Bauhauptgewerbe in Deutschland tätigen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erstreckt werden.

Hohe Bürokratielasten für Handwerksbetriebe

Vor allem kleine Handwerksbetriebe sehen in den hohen bürokratischen Anforderungen eine große Last. Nun schreckt sogar so mancher Nachfolger vor dieser Hürde zurück.

Zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren versucht die Bundesregierung, Handwerksbetriebe von der Bürokratie zu entlasten. Doch das Bürokratieentlastungsgesetz III (BEG III) erfüllt längst nicht die Erwartungen, die das Handwerk an die Entlastung hat. Seit vielen Jahren staut sich in den Betrieben nunmehr die Belastung an. „Unsere Betriebe brauchen dringend Entlastung, aber die jetzt geplanten Maßnahmen werden die absehbar nicht bringen“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Auch Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, ist unzufrieden mit der momentanen Situation: „Die Beschwerden unserer Betriebe nehmen stark zu.“ In den durchschnittlichen Handwerksbetrieben sind die Belastungen inzwischen gar so hoch, dass viele ihre Freizeit opfern müssen, um die Berge an Bürokratie zu bearbeiten. „Ein größerer Wurf wäre nötig gewesen, um den Unternehmern zu zeigen, ‚wir haben euer Problem erkannt’„, sagt Georg Haber, der als Experte vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages zum BEG III befragt wurde. Auch Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, sieht mit dem BEG III eine verpasste Chance: „Die Regierung hätte eigentlich Tabula rasa machen müssen.“ So seien viele Gesetze mittlerweile so komplex, dass kaum noch jemand den Durchblick behalten könne. Außerdem sei die Umsetzung von EU-Regelungen in Deutschland um einiges strenger ausgestaltet als in anderen EU-Ländern.

Betriebe fühlen sich nicht verstanden

„Die deutsche Regierung setzt den Vorgaben aus Brüssel oft noch eines drauf“, sagt Schneider. Dadurch entsteht bei den Betrieben ein Gefühl der Intransparenz und des Unverständnisses. „Es ist ärgerlich, dass Gesetze nicht so gemacht sind, dass Betriebe sie einfach umsetzen können“, findet auch ZDH-Präsident Wollseifer. Der Jahresbericht des Normenkontrollrates kommt zum gleichen Schluss. Dass ein Bürokratieentlastungsgesetz IV folgt, ist denkbar. Klare Forderungen des Handwerks liegen zum Beispiel in der Abschaffung der Dokumentationspflicht beim Mindestlohn oder auch in der Verkürzung der Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen. Sollte die Kleinunternehmer-Grenze auf 22.000 Euro Vorjahresumsatz angehoben werden, wie es das BEG III vorsieht, würde damit laut Wollseifer und Haber ein falsches Signal gesetzt werden. Dadurch erhöhe sich das Risiko für Schwarzarbeit. Auch ein großes Problem sieht der ZDH darin, dass durch die hohe bürokratische Belastung viele junge Handwerker abgeschreckt werden, einen Handwerksbetrieb zu übernehmen oder zu gründen.

Billig-Löhne aus dem Balkan bedrohen deutschen Bausektor

Als „staatliche Lohnkosten-Trickserei“ betitelt die IG Bau die Machenschaften Sloweniens, europäische Unternehmen zu begünstigen, die ihre Mitarbeiter ins Ausland schickten.

„Die Bauwirtschaft in Europa leidet unter einer Schieflage – mit gravierenden Auswirkungen für den deutschen Markt“, das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt. Es handelt sich bei dem Problem um staatliche Lohn-Subvention. Eine „staatliche Lohnkosten-Trickserei – made by Slovenia“, so die Gewerkschaft. Unternehmen, die ihre Beschäftigten in andere EU-Staaten schickten, wurden von Slowenien begünstigt. Und das schafft unfaire Wettbewerbe. So sei das Entsenden von Mitarbeitern ins Ausland zwar legal, aber längst nicht die Praxis, mit der Slowenien seinen Betrieben dies „wirtschaftlich versüße“. „Wenn ein EU-Mitgliedsstaat seine Unternehmen von einem Großteil der Sozialabgaben befreit und damit die Lohnkosten erheblich senkt, um seinen Unternehmen in anderen EU-Ländern einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, dann ist das staatliche Lohn-Subvention“, ärgert sich der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Dietmar Schäfers. Genau das passiere gerade in Slowenien. „Und es hat spürbare Auswirkungen auf den Bausektor in Deutschland.“[/vc_row]

Unfairer Wettbewerb

Schaut man sich die konkreten Zahlen an, wird deutlich, welcher Schaden hier zustande kommt. So habe die Gewerkschaft ausgerechnet, dass sich der „staatliche Sozialrabatt“ der slowenischen Regierung auf knapp 1.035 Euro pro Bauarbeiter und Jahr im Lohn beläuft. „Das sind für eine durchschnittliche Baustelle mit vierzig Beschäftigten rund 41.400 Euro im Jahr“, erläutert Schäfers. Mit dem geltenden EU-Recht sei dieses „slowenische Geschäftsmodell staatlicher Baukostenregulierung“ nicht vereinbar. Auch habe das Ganze nichts mehr mit einem fairen Wettbewerb zwischen Unternehmen auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu tun. „Es ist nicht die Aufgabe der Regierung in Ljubljana, die Wettbewerbsbedingungen der Baubranche in anderen EU-Staaten zu diktieren“, so Schäfers. So sei es inakzeptabel, eigenen Unternehmen wirtschaftliche Vorteile durch staatlich gesteuerte Billig-Löhne zu verschaffen. Slowenien versuche hier, ein Geschäftsmodell zu etablieren. „Dem muss die EU einen Riegel vorschieben“, meint Schäfers.

4-Tage-Woche als Arbeitszeitenmodell im Baugewerbe

Ein Geilenkirchener Handwerksbetrieb setzt seit dem Sommer einen Traum vieler Arbeitnehmer um: eine 4-Tage-Arbeitswoche. Aber wie gut funktioniert dieses Modell?

Vier Tage arbeiten, drei Tage frei. Dieses alternative Arbeitszeitenmodell wurde bereits in vielen Branchen ausführlich diskutiert. In einer Branche wird das Modell seit Sommer allerdings tatsächlich umgesetzt: Die Arbeitnehmer des Unternehmens Fenster Knaut aus Geilenkirchen arbeiten seit einigen Monaten nur vier Tage in der Woche. Das bietet ihnen nicht nur ein langes Wochenende, sondern steigert die Motivation und sorgt montags für ausgeruhte und entspannte Mitarbeiter. Es bleibt mehr Zeit für die Familie und Termine können auf Freitage gelegt werden. Das Modell komme nicht nur bei den Mitarbeitern gut an, sondern sorgt auch bei den Kunden für zufriedene Gesichter. Denn die Mitarbeiter stehen somit von Montag bis Donnerstag insgesamt länger zur Verfügung und können den Einbau neuer Fenster dementsprechend schneller abschließen.

Seit der Gründung 2003 hat sich Fenster Knaut als Spezialist für hochwertige Fenster auf dem Markt etabliert. Geführt wird das Unternehmen von Meike und Stephan Knaut. Besonders wichtig ist ihnen die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter: „Motivierte, fachlich gut ausgebildete Mitarbeiter sind unser Kapital. Sie führen die Installationen der Fenster und Türen beim Kunden durch, sind seine Ansprechpartner bei Rückfragen und beraten Interessenten in der Ausstellung.“

Neue Maßnahmen gegen Fachkräftemangel

Nicht nur mit dem Arbeitszeitenmodell wollen die Knauts dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Gleichzeitig gebe man allen Bewerben eine Chance, sich im Unternehmen weiterzuentwickeln. Handwerksgesellen stehen dabei zwar im Fokus, aber auch Quereinsteiger sind gerne gesehen. Durch eine Zusammenarbeit auf internationalem Gebiet haben die Mitarbeiter zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung. So kann man sich bei Fenster Knaut beispielsweise auch zur Elektrofachkraft weiterentwickeln. Auch ohne Tischlerausbildung kann man sich zu einem diplomierten Fensterspezialisten ausbilden lassen. Solch unkonventionelle Maßnahmen wie eine 4-Tage-Arbeitswoche sind neue Wege, dem aktuellen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Lange Wochenenden haben eine hohe Anziehungskraft auf potenzielle neue Mitarbeiter.

Auch Leiharbeiter bekommen fairen Lohn

Das Bundesarbeitsgericht hat einen Grundsatz beschlossen, der eine vergleichbare Bezahlung von Leiharbeitern vorgibt. Damit stärkt man die Rechte von Leiharbeitnehmern.

Bereits seit 2017 gibt es einen „Equal-Pay-Grundsatz“ („Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“) im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Nach diesem Ansatz müssen Leiharbeitnehmer nach einer Einarbeitungszeit von neun Monaten genauso viel verdienen wie ein Arbeitnehmer aus der Stammbelegschaft. Ein längeres Abweichen von dem Equal-Pay-Grundsatz ist nur dann möglich, wenn Branchenzuschlagstarifverträge der Zeitarbeitsbranche bestehen. Dann bekommen Leiharbeiter bereits nach einer Einarbeitungszeit von höchstens sechs Wochen stufenweise mehr Gehalt, bis sie nach maximal 15 Monaten genau so viel Geld bekommen, wie ihre Kollegen. Leiharbeiter haben dabei einen gesetzlichen Auskunftsanspruch zum Gehaltsniveau im Entleihunternehmen.

Arbeitnehmer erhielt über ein Jahr lang weniger Geld als seine Kollegen

Mit einem beispielhaften Fall ging ein Leihabeiter mit als Kläger vor Gericht. Er hatte zuvor als Leiharbeiter als Kraftfahrer in der Metalbranche gearbeitet. Sein Arbeitsvertrag enthielt beschlossene Tarifverträge zwischen der DGB-Tarifgemeinschaft und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) mit einer dynamischen Bezugnahmeklausel. Zusätzlich enthielt der Vertrag Regelungen, die teilweise von diesen tariflichen Bestimmungen abwichen. Für seine Tätigkeit von April 2014 bis August 2015 erhielt er einen Stundenlohn von 11,25 Euro brutto und damit weniger als die Stammarbeitnehmer des Betriebs. Vor Gericht klagte er dann einen Ausgleich für die Lohndifferenz ein. Und er bekam Recht: So habe der Verleiher keine gültige zur Abweichung vom Gebot der Gleichbehandlung berechtigte Vereinbarung getroffen. „Diese setzt insbesondere nach Systematik und Zweck der Bestimmungen des AÜG eine vollständige Anwendung eines für die Arbeitnehmerüberlassung einschlägigen Tarifwerks voraus“, heißt es in einer Mitteilung des BAG zum aktuellen Urteil. Dahingegen enthalte der Arbeitsvertrag beider Parteien Abweichungen von den tariflichen Bestimmungen, die nicht ausschließlich zugunsten des Arbeitnehmers wirken.

Bezeichnung „Bachelor Professional“ in Stein gemeißelt

Lange diskutiert und auch kritisiert wurden die neuen Bezeichnungen für Abschlüsse in der Berufsbildung. „Bachelor Professional“ steht bald für den Handwerksmeister.

Der Bundesrat hat offiziell beschlossen: Absolventen einer Berufsbildung im Handwerk tragen ab Januar 2020 den Titel „Bachelor Professional“ oder „Master Professional“. Der Vorschlag kommt aus den Reihen der CDU – so möchte Bildungsministerin Anja Karliczek mit den neuen Namen die Berufsbildung stärken. Vor allem aus Hochschulen hatte es darauf zuletzt großen Widerstand gegeben. Befürchtet werden daraus resultierende Verwechslungen mit akademischen Abschlüssen. „Die Entscheidung des Bundesrats nehme ich mit Besorgnis zur Kenntnis“, sagte Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, nach dem Bundesratsvotum. Bereits wenige Tage vorher hatte er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung seine Sorgen geäußert: „In der Berufsbildung hat die Praxis das Übergewicht, in der Hochschulbildung die Theorie. Das ist kein Qualitätsunterschied, aber man darf es nicht verwischen. Und das würde mit einem ‘Bachelor Professional’ passieren.“

Auch seitens der FDP kam dem beschlossenen Vorschlag Kritik entgegen. So betitelte der FDP-Bildungspolitiker Jens Brandenburg das Abstimmungsergebnis als „bedauerliches Einknicken der Bundesländer“. „Der Bundesrat hat die Chance vertan, die Fehlentscheidung akademischer Etiketten für die berufliche Bildung im Vermittlungsausschuss zu korrigieren“, sagte er. Karliczek dahingegen ist der Überzeugung, dass jeder, der Zweifel an der neuen Bezeichnung hat, auch Zweifel daran hätte, dass eine Meisterausbildung dem Bachelor gleichwertig ist. Der Hauptgrund für die Veränderung sei ja schließlich, dass die beiden Bildungsstände in ein bedeutsames Gleichgewicht gebracht werden.