So schützen sich Handwerker vor der Abofalle

Handwerksbetriebe werden derzeit vermehrt Opfer von fiesen Betrugsmaschen. Dabei merken sie es oft erst, wenn es zu spät ist – und das kann ziemlich teuer enden.

Sich in einem Register mit dem Titel „Leistungsverzeichnis für das Deutsche Handwerk“ eintragen zu lassen, klingt für einen Handwerksbetrieb nach einer guten Sache. Im Briefkasten vieler Betriebe landen momentan Briefe mit einem solchen Angebot. Was sie nicht wissen: senden sie das Formular ausgefüllt und unterschrieben zurück, haben sie den Vertrag abgeschlossen und werden zur Kasse gebeten. Stolze 1.475 Euro werden für zwei Jahre fällig. Die Handwerkskammer Cottbus warnt und empfiehlt, nicht auf solche Angebote einzugehen und auf keinen Fall zu reagieren. Denn nur wer das Formular unterschrieben zurücksendet, nimmt das Angebot an. Falls es schon zu spät ist, empfiehlt die Kammer folgendes: „Betroffene Betriebe, die das Schreiben bereits zurückgeschickt haben, sollten auf keinen Fall Zahlungen tätigen und den Vertrag schnellst möglich wegen arglistiger Täuschung anfechten und hilfsweise kündigen.“

Weitere Betrugsmaschen im Umlauf

Leider bleibt es nicht nur bei der Betrugsmasche mit einem Eintrag in ein bestimmtes Register. Auch landen die Handwerksbetriebe in einer Falle, wenn sie einen bestimmten Brief beantworten, in dem Daten des Betriebes abgefragt werden. Die Betrüger erwecken beim Betrieb den Eindruck, es handle sich lediglich um einen Datenabgleich und bitten, angegebene Daten abzugleichen und zu berichtigen. Dabei wird jedoch verschleiert, dass es sich bei Rücksendung und Unterschrift des Formulars um den Abschluss eines Vertrages handelt. In dem Glauben, es handle sich um ein öffentliches Verzeichnis, tappen auch hier viele Handwerksbetriebe in die Falle und bekommen Beträge von fast 900 Euro in Rechnung gestellt. Bei den Firmen handelt es sich nämlich, anders als angenommen, um privatwirtschaftliche Unternehmen. Auch hier empfiehlt die Handwerkskammer Cottbus, auf keinen Fall Zahlungen zu tätigen und den Vertrag schnellstmöglich wegen Betruges anzufechten.

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Handwerker haften nicht immer bei Mängeln

Treten Tage oder Wochen nach handwerklichen Leistungen Mängel am Werk auf, können die Handwerker nicht immer dafür haftbar gemacht werden. Worauf man achten muss.

Handwerksbetriebe müssen ein mangelfreies Werk herstellen, das sagt das Werkvertragsrecht. Laut dem Bauvertragsrecht muss ein Werk zusätzlich allgemein anerkannte Regeln der Technik erfüllen, um als mangelfrei zu gelten. Werden diese beiden Punkte eingehalten, gilt ein Werk also als mängelfrei. Oft geben schon die Hersteller bestimmte Vorgaben an, unter denen ein Werk hergestellt werden soll, damit es mängelfrei ist. Aber was passiert, wenn der Handwerker diese Vorgaben beachtet hat und nach Vollendung trotzdem Mängel am Werk auftreten? Das musste das Oberlandesgericht in Hamm in einem aktuellen Fall entscheiden.

Der Fall

So wurde ein Unternehmen damit beauftragt, diverse Bauleistungen für einen Kunden zu erledigen. Dazu gehörte auch die Abdichtung des Kellers. Beim Erfüllen dieses Auftrags befolgten die Auftragnehmer die Vorgaben des Herstellers zum Material und der Verarbeitung. Nachdem das Gebäude allerdings bezogen wurde, zeigte sich Feuchtigkeit im Kellergeschoss. Der Kunde machte Mängelrechte gegen den Unternehmer geltend, die Sache ging vor Gericht.

Das Urteil

Hier war die Entscheidung allerdings eindeutig: der Bauunternehmer habe die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten und ist professionell vorgegangen. Auch hat die Verklebung der Abdichtung den Herstellervorgaben entsprochen. Unter diesen Umständen wurden die Mängelansprüche vom Gericht zurückgewiesen.

An diesem Fall wird deutlich, was sowohl für alle Handwerker als auch Auftraggeber im Falle von Mängeln zu beachten ist: weist ein Werk einerseits die vereinbarte Beschaffenheit auf und entspricht andererseits den allgemein anerkannten Regeln der Technik (die oftmals den Herstellervorgaben entsprechen), gilt es als mängelfrei und der Kunde kann auch nach Auftreten von Mängeln keine Mängelrechte geltend machen. Alle Auftragnehmer sollten allerdings immer sichergehen, dass die Herstellervorgaben mindestens den allgemein anerkannten Regeln entsprechen. Liegen diese Vorgaben nämlich darunter und werden vom Handwerker befolgt, kann ein Werk als mangelhaft gelten und somit den Auftragnehmer haftbar machen.

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Kampf gegen Schwarzarbeit und Sozialbetrug geht weiter

Der Bundesrat hat dem Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen illegale Beschäftigung und Sozialleistungsmissbrauch zugestimmt. Ein Fortschritt für alle Beteiligten.

Schon über zwei Monate ist es her, dass die Bundesregierung ihren ersten Entwurf eines Gesetzes gegen Schwarzarbeit und Sozialbetrug veröffentlicht hat. Mitte April stimmte der Bundesrat diesem Gesetzentwurf zu, was viele Beteiligte begrüßen. So bezeichnet Dr. Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg (FG-Bau), es als ein „starkes Signal an die mittelständische Bauwirtschaft“. „Wir fordern seit langem eine Personalaufstockung und erweiterte Vollzugsmöglichkeiten der Zollverwaltung zur besseren Bekämpfung von Schwarzarbeit und Sozialleistungsmissbrauch. Dem kommt die Bundesregierung nun nach“, freut sich die Geschäftsführerin.

Der Entwurf sieht es vor, dass die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) als Teil der Zollverwaltung bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit gestärkt wird. „Durch die Schaffung einer Prüfungs- und Ermittlungskompetenz der FKS erhoffen wir uns, dass sowohl das unzulässige Anbieten von häufig geringqualifizierten Arbeitskräften im öffentlichen Raum zur Schwarzarbeitsanbahnung als auch die perfiden Methoden des Sozialleistungsbetrugs endlich wirkungsvoll bekämpft werden“, meint Dr. Schreiner.

„Krebsgeschwür der Bauwirtschaft“

Allein in Berlin und Brandenburg soll mittlerweile fast jeder zweite Euro auf dem Bau durch Schwarzarbeit erwirtschaftet werden. Durch diese illegalen Geschäfte gehen dem Staat jedes Jahr Milliarden Euro an Steuern und Sozialversicherungsabgaben verloren. Dr. Schreiner bezeichnet die Schwarzarbeit als „das Krebsgeschwür der Bauwirtschaft“ und betont, dass dadurch menschenunwürdige Unterkunfts- und Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

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Europäische Schutzausrüstungs-Verordnung eingeführt

Seit dem 21. April findet die neue Verordnung der Europäischen Union zur Persönlichen Schutzausrüstung offiziell Anwendung. Aber was heißt das nun für die Betriebe?

Die Übergangsfrist für die bereits im Jahr 2016 beschlossene neue PSA-Verordnung der Europäischen Union ist am 21. April abgelaufen. Vor allem die Hersteller, Importeure und Händler von Persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) sowie die Prüf- und Zertifizierungsstellen mussten sich umstellen. Aber auch für die Betriebe gilt es einiges zu beachten.

„Die neuen Anforderungen ändern nicht das Sicherheitsniveau von PSA: Persönliche Schutzausrüstung, die nach PSA-Richtlinie in Verkehr gebracht wurden, gelten weiterhin als sicher und müssen nicht ausgetauscht werden“, entwarnt die Deutsche Unfallversicherung (DGUV).

Die wichtigsten Änderungen

Trotzdem nennt die DGUV einige Dinge, die sich ab sofort im Arbeitsschutz ändern:

  • Die Einstufung von einigen Produkten als PSA ändert sich. Es gibt drei Kategorien, denen unterschiedliche Prüfanforderungen zugeordnet sind. Produkte wie zum Beispiel Gehörschutz, Rettungswesten oder PSA zum Schutz gegen Kettensägenschnitte fallen jetzt unter die Kategorie III. Damit unterliegen sie einer Produktionskontrolle durch eine notifizierte Stelle.
  • Für Schutzausrüstung der Kategorie III gilt in Deutschland die Pflicht zu einer praktischen Unterweisung der Beschäftigten. Hier sind die Unternehmen jetzt gefragt, ihre Unterweisungen entsprechend anzupassen.
  • Hersteller müssen künftig die so genannte Konformitätserklärung jedem einzelnen Produkt beifügen oder über das Internet zur Verfügung stellen. Die Erklärung bestätigt, dass das Produkt den Anforderungen der Verordnung entspricht. Bislang reichte es aus, die Konformitätserklärung “auf Verlangen” vorlegen zu können.
  • Der Geltungsbereich der Verordnung ist umfassender als zuvor. Sie nimmt künftig alle Wirtschaftsakteure in die Pflicht – auch Händler und Importeure.
  • Bislang galten EG-Baumusterprüfungen unbegrenzt. Gemäß der neuen Verordnung werden EU-Baumusterprüfbescheinigungen nur noch für längstens fünf Jahre ausgestellt.

Die komplette Verordnung kann hier nachgelesen werden.

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Europawahl 2019 – Die Erwartungen des Handwerks

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat Wünsche und Erwartungen an die Parteien formuliert, um seine Mitgliedsbetriebe auch auf europäischer Ebene zu vertreten.

Die meisten Gesetzgebungsvorschläge, die Einfluss auf Handwerksbetriebe haben, werden mittlerweile in Brüssel beschlossen – für die gesamte EU. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) möchte genau deswegen natürlich die Interessen seiner Mitgliedsbetriebe auch auf europäischer Ebene vertreten, damit die Interessen möglichst früh in relevante Gesetzgebungsverfahren mit eingebracht werden können. Daher ist auch die im Mai anstehende Europawahl für den ZDH von Bedeutung. Mit dem Papier „In Vielfalt zusammen“ hat der ZDH Forderungen und Vorschläge formuliert und sie in sieben Kernbereiche gegliedert: Zukunft der europäischen Union, Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen, europäischer Binnenmarkt, bessere Rechtsetzung, Fachkräftesicherung und berufliche Bildung, Umweltpolitik sowie regionale Wirtschaft.

Profitieren von Europa

„Deutschland liegt im Herzen Europas. Wir profitieren von Sicherheit und Wohlstrand, die uns Europa bringt“, heißt es darüber hinaus in dem Papier. Der zunehmenden Skepsis gegenüber der europäischen Idee müsse man mit Vorschlägen und Lösungen entgegentreten und nicht zusätzliche Probleme schaffen, besonders in den Bereichen Grenzschutz, Sicherheit und Terrorismusbekämpfung. Auch mit Blick auf den möglichen Brexit müsse die Finanzierung der EU sichergestellt werden. Weiter komme es in der Wirtschaftspolitik darauf an, Stabilisierung mit der Unterstützung von Wachstum in Südeuropa zu verbinden. „Risikominimierung und Strukturreformen müssen der Weg sein, die Wirtschafts- und Währungsunion zu vertiefen. Eine Vergemeinschaftung von Schulden darf es nicht geben“, fordert der ZDH.

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ZDK lehnt Tempolimit auf Autobahnen ab

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe spricht sich gegen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen aus. Die gültige Richtgeschwindigkeit sei völlig ausreichend.

In der Debatte um ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen hat sich nun auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zu Wort gemeldet. Der Verband hält die gültige Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde dabei für völlig ausreichend. „Wer nicht sowieso durch bereits bestehende Tempolimits, durch Baustellen oder das hohe Verkehrsaufkommen automatisch eingebremst wird, sollte weiterhin die Möglichkeit haben, auf freien Abschnitten die Geschwindigkeit selbst zu bestimmen“, so ein ZDK-Sprecher. Dies könne etwa durch eine dynamische und verkehrsabhängige Steuerung des Verkehrsflusses unterstützt werden. Die hohe Qualität moderner Automobile sei auch der Tatsache geschuldet, dass sie für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt seien – mit entsprechenden Sicherheitsreserven.

CO2-Einsparptenzial nur gering

Nach Meinung des ZDK sollte die Wirkung eines allgemeinen Tempolimits hinsichtlich der Reduzierung der CO2-Emissionen nicht überschätzt werden. So ergebe sich laut ADAC unter Zugrundelegung des Handbuchs für Emissionsfaktoren (HBEFA) bei einem Tempolimit von 130 Kilometer pro Stunde für die Pkw-Flotte des Jahres 2019 ein CO2-Einsparpotenzial in der Größenordnung von lediglich knapp zwei Prozent der CO2-Emissionen des Pkw-Verkehrs. Gemessen am gesamten CO2-Ausstoß liege dieser Anteil sogar nur bei rund 0,3 Prozent.

Anzahl der Verkehrstoten unterdurchschnittlich

Letztendlich seien Autobahnen noch immer die sichersten Straßen in Deutschland. Nach Angaben des ADAC wurden hier im Jahr 2017 etwa ein Drittel aller Kraftfahrzeugkilometer gefahren. Der Anteil der Verkehrstoten sei im Vergleich dazu mit rund zwölf Prozent unterdurchschnittlich. So läge die Zahl der auf Autobahnen Getöteten pro einer Milliarde Fahrzeugkilometer in Deutschland bei aktuell 1,6. Hierbei zeige sich, dass ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen auch im internationalen Vergleich nicht feststellbar sei: Länder mit genereller Geschwindigkeitsbeschränkung, wie Österreich, Belgien oder die USA, schnitten nicht besser ab als Deutschland.

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Neuartiges Exoskelett soll Handwerker entlasten

Ob Gelenkschmerzen durch falsche Körperhaltung oder Rückenprobleme durch schweres Heben: Eine Fraunhofer-Entwicklung soll Handwerker künftig bei ihrer Arbeit entlasten.

Durch unnatürliche Körperhaltungen, die sich bei manchen Arbeiten nur schwer vermeiden lassen, sind vor allem Rückenschmerzen bei Handwerkern mitunter vorprogrammiert. Werden solche Tätigkeiten über Jahre hinweg ausgeübt, sind dauerhafte Schäden im Alter keine Seltenheit. Auch das permanente Tragen von schweren Lasten, wie es beispielsweise auf Baustellen oft vorkommt, trägt nicht unbedingt zum körperlichen Wohlbefinden bei.

Forscherinnen und Forscher der Berliner Fraunhofer-Institute für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK sowie für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM haben daher ein neuartiges Hilfsmittel für den Bewegungsapparat entwickelt. ErgoJack,die intelligente Soforthese, soll einerseits den Rücken entlasten und andererseits den Arbeitenden dazu animieren, belastende Bewegungsabläufe ergonomisch auszuführen.

Künstliche Intelligenz analysiert Bewegungen in Echtzeit

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der modular aufgebauten Orthese ist die Echtzeit-Bewegungsanalyse, erklärt Dipl.-Ing. Henning Schmidt, Wissenschaftler am Fraunhofer IPK. Die hierfür eigens entwickelten Sensoren und auf Künstliche Intelligenz basierenden Algorithmen, ermöglichen dabei eine Ergonomieanalyse in Echtzeit.

Im Vergleich zu herkömmlichen Exoskeletten ist ErgoJack nicht bloß ein Stützroboter, der lediglich die Belastungskräfte des Trägers aus überlasteten in weniger belastete Körperareale umleitet. Stattdessen erkennt die Bewegungsanalyse der IPK-Orthese ergonomische und unergonomische Bewegungen und meldet dem Träger per Vibrationsalarm in Echtzeit, wenn gesundheitsschädliche Haltungen eingenommen werden.

Hierzu gleicht die in die Weste integrierte Bewegungssensordatenanalyse vorgelernte Bewegungsmuster mit der tatsächlich ausgeführten Bewegung ab und wertet diese in Echtzeit aus. Die erforderlichen Sensoren befinden sich dabei an den Schultern, dem Rücken und den Oberschenkeln. Zudem sind eine robuste, miniaturisierte Elektronik sowie ein Vibrationsmodul und ein Akku in die Orthese integriert. Laut Schmidt wiege all dies zusammen nur wenige Hundert Gramm, so dass die eigentliche Arbeit nicht gestört wird.

Aktuell arbeiten die Wissenschaftler daran, die Elektronik und die Sensorik der Textilversion so zu verkapseln, dass sie waschbar sind und nicht immer aus der Weste genommen werden müssen.

Unterschiedliche Ausführungen verfügbar

In Zukunft soll es zwei Versionen der Orthese geben: Eine rein sensorische Textilweste sowie eine Variante mit Kraftunterstützung. Bei letzterem werden Sensorik und Auswerteeinheit in einem Exoskelett untergebracht, das anstrengende und belastende Bewegungen mit Federmechanismen oder einem Motor unterstützt. Eine weitere Variante zur Rücken- und Hüftunterstützung wurde mit einer minimal nötigen Orthesenbügel-Auflagefläche am Körper konzipiert. Durch ein verstellbares seitliches Hüftgelenk an der Weste lässt sich die Kraftübertragung vom Rücken in die Beine ein- und ausschalten. Durch diesen Mechanismus sind auch wechselnde Tätigkeiten im Stehen und Sitzen möglich.

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Tachopflicht für Handwerker: EU beweist Realitätssinn

Nach viel Gegenwind und langen Diskussionen hat das EU-Parlament neue Reglungen zur Tachographenpflicht beschlossen, die auch Ausnahmen für Handwerksbetriebe beinhalten.

„Die Europaabgeordneten haben Realitätssinn bewiesen“, kommentiert Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) die Entscheidung aus Brüssel. Die Entscheidung das Handwerk durch eine Eingrenzung auf grenzüberschreitenden Warentransport und den Werkverkehr weitestgehend von der Ausweitung der Tachographenpflicht auszunehmen, sei realistisch, da sie sich am Arbeitsalltag der Handwerksbetriebe orientiere, so Schwannecke.

Genaue Reglungen und Ausnahmen

Grundsätzlich hat das Plenum des Europäischen Parlaments den Bericht zum digitalen Paragraphen angenommen und sich nach monatelangen Diskussionen auf einen Kompromiss einigen können. Die Einbaupflicht wurde zwar auf Fahrzeuge zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen ausgeweitet, damit der steigende Speditionsverkehr in dieser Gewichtsklasse reguliert werden kann, die Pflicht beschränkt sich dabei aber auf den grenzüberschreitenden Warentransport. Innerhalb Deutschlands greift die Pflicht erst ab 3,5 Tonnen.

Außerdem wurde die sogenannte Handwerkerausnahme erweitert: Wenn die Fahrzeuge in einem Umkreis von 150 Kilometern vom Unternehmenssitz unterwegs sind, sind sie bis zu einem Gewicht von 7,5 Tonnen von der Tachographenpflicht ausgenommen. Für Handwerker, die mit leichten Nutzfahrzeugen unterwegs sind, gilt die Pflicht nicht. Transporter zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen, die für die Güterbeförderung im Werkverkehr eingesetzt werden, sind ausgenommen, wenn die Haupttätigkeit des Fahrers nicht im Fahren besteht. Die Ausnahme gilt auch, wenn Landesgrenzen überquert werden.

Positive Reaktionen

Besonders für Handwerker mit grenzüberschreitendem Verkehr sei es eine gute Entscheidung. Viele Dachdecker, Bäcker und Tischler in den Grenzgebieten zu Polen, Frankreich und den Niederlanden bieten ihre Produkte und Dienstleistungen auch jenseits der Grenze an. Dafür bräuchten sie pragmatische und realitätsnahe Lösungen, die den tatsächlichen Arbeitsalltag im Handwerk abbilden. „Vor diesem Hintergrund ist die heutige Entscheidung im Grundsatz positiv zu bewerten, insbesondere da weitere Verbesserungen auch für den heute schon betroffenen Gewichtsbereich über 3,5 Tonnen umgesetzt werden“, so der Generalsekretär des ZDH.

„Mit dem Beschluss konnten wir weitere Bürokratie und Belastungen fürs Bäckerhandwerk abwenden“, erklärt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. „Darüber hinaus bewerten wir positiv, dass eine generelle Ausdehnung der Handwerkerausnahme auf 150 Kilometer erreicht wurde, die auch für die Handwerksbäckereien gilt.“ Ein Problem sei aber trotzdem weiterhin die viel zu enge Auslegung der Handwerkerausnahme durch Behörden in mehreren Bundesländern.

Mein neuer Kollege – der Roboter

Auf das Handwerk kommen in Zukunft jede Menge Entwicklungen zu. Auch hier werden Künstliche Intelligenz, Roboter und Co-Working-Spaces den Arbeitsalltag verändern.

„Schon 2022 könnten Cobots in einigen Betrieben das Handwerk unterstützen“, sagt Trendforscher Peter Wippermann voraus. Er hat die relevantesten Zukunftsentwicklungen im Handwerk von 2022 bis 2025 untersucht. Unter anderem auch die sogenannten Cobots – kollaborierende Roboter. Vor allem monotone, sich wiederholende Aufgaben könnten Handwerker in Zukunft diesen Maschinen überlassen um mehr Zeit für die Dinge zu haben, die besonderes handwerkliches Geschick benötigen.

Wegweiser fürs Handwerk

Wipperman hat aus seinen Untersuchungen eine „Trendmap Handwerk“ erstellt. Dort hat er die wichtigsten Entwicklungen strukturiert zusammengebracht. Denn nicht jeder Trend ist für jeden Betrieb relevant. Sein Ziel daher: Handwerkern im Trenddschungel Orientierung zu bieten, damit sie ihre Unternehmensstrukturen frühzeitig anpassen können. „Ich wollte keinen U-Bahn-Fahrplan erstellen, in dem der Handwerker von einem auf den anderen Trend aufspringen kann. Die Trendmap Handwerk zeigt keine Modeerscheinungen, sondern langfristige und nachhaltige Entwicklungen“, sagte der Trendforscher gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Dabei stellt er klar, dass nicht jeder der aufgeführten Trends für jeden Betrieb gleich interessant und wichtig sei. Die Entwicklungen unterscheiden sich teilweise von Branche zu Branche sehr stark.

Künstliche Intelligenz und Co

Die „Trendmap Handwerk“ konzentriert sich dabei auf die vier Hauptthemen Networking, Marketing, Automation und Engagement. In jedem Bereich hat Wippermann bis zu neun Trends aufgespürt und zugeordnet. Künstliche Intelligenz oder 3-D-Druck sind da nicht die einzigen, auch Dinge wie Zero Use Interface oder Smart Speaker könnten in der Zukunft für einige Betriebe interessant und vor allem auch relevant werden. Während beim klassischen Desktop-PC noch eine Maus und eine Tastatur zum Einsatz kommen, kann der Anwender mit Hilfe eines Zero Use Interfaces zum Beispiel nahtlos auf eine Information zugreifen. Die Barriere wird also kleiner. Ein Punkt, der bei der Weiterentwicklung dieser Technologie eine tragende Rolle spielt, ist die intelligente Sprachsteuerung. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das von Amazon angebotene Gerät Alexa. Anwender können über Spracheingabe direkt mit der Künstlichen Intelligenz kommunizieren und Informationen abrufen. SHK-Handwerker, die eine solche Technik in Wohn-und Geschäftshäusern installieren, müssen selbstverständlich das entsprechende Know-How besitzen, wie die Sprachsteuerung installiert und gewartet wird. Dabei kommen die Handwerker auch schnell mit den sogenannten Smart Speakern, internetbasierten Lautsprecher mit eingebautem Mikrofon, in Berührung.

Gewappnet für die Zukunft

Das Handwerk wird sich in der Zukunft also ziemlich verändern. Wippermann rät daher auch Handwerkern, die zurzeit keinen Bedarf sehen, ihre Prozesse zu hinterfragen und sich mit den Trends auseinanderzusetzen. In Zeiten des Fachkräftemangels sollten Betriebe dabei auch die Mitarbeiterzufriedenheit nicht aus den Augen verlieren. „Lehrlinge, Gesellen und Meister werden heute von vielen Seiten umworben, nicht nur vom Handwerk“, so der Experte. Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit werde immer wichtiger und Mitarbeiter hätten genau Vorstellungen davon, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Es sei an den Betrieben kreativ zu werden, passende Angebote zu machen und um jeden Mitarbeiter zu werben.

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Berufliche Bildung im Handwerk stärken

Zum vierten Mal in Folge gibt es ein Plus bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Trotzdem bleiben rund 17.000 Stellen offen. Das Handwerk bleibt optimistisch.

Am 10. April ist der diesjährige Berufsbildungsbericht von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) vorgestellt worden. Für Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), ist der Bericht einmal mehr der Beleg dafür, dass das Engagement des Handwerks in der beruflichen Bildung sehr groß sei. „Zum einen ist das Ausbildungsplatzangebot gestiegen, zum anderen verzeichnen wir mittlerweile im vierten Jahr in Folge ein Plus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen – trotz sinkender Schulabgängerzahlen und einer anhaltend hoher Studierneigung bei jungen Menschen.“

Ausbildungsbetriebe engagieren sich

Trotz Wollseifers Optimismus stellt der Bericht fest: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist zwar gestiegen, die Zahl der unbesetzt gebliebenen Ausbildungsstellen aber auch – und zwar noch stärker. Allein im Handwerk sind im letzten Jahr rund 17.000 Stellen unbesetzt geblieben. Vor allem Kleinstbetriebe finden besonders häufig keine Auszubildenden. „Im positiven Sinne zeigt die hohe Zahl angebotener Ausbildungsplätze die weiter hohe Bereitschaft unserer Betriebe, durch eigenes Ausbildungsengagement zur Fachkräftesicherung beizutragen“, meint Wollseifer. Von einer nachlassenden Ausbildungsbereitschaft der Betriebe könne daher keine Rede sein. Der im Bericht angerissene Ansatz für einen Berufsbildungspakt greift aus seiner Sicht allerdings zu kurz. Stattdessen wäre eine strukturelle, institutionelle und finanzielle Stärkung der beruflichen Bildung langfristig der richtige Weg. „Die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung muss künftig auch bei der Bildungsfinanzierung deutlich werden. Berufliche Bildung sollte uns allemal so viel wert sein wie akademische Bildung“, so der ZDH-Präsident weiter.

Handlungsdruck

Die Schlussfolgerung der SPD aus dem Berufsbildungsbericht: Es besteht weiterhin Handlungsdruck. Yasmin Fahimi, zuständige Berichterstatterin der Partei im Bundestag zeigt der Bericht vor allem eine Sache deutlich: „Der Berufsbildungsbericht 2019 gibt uns Rückendeckung. Wir müssen mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes endlich die Berufsausbildung modernisieren und Verbesserungen für die Auszubildenden umsetzen.“ Dies gelte sowohl für Vergütung als auch für Qualität und Rahmenbedingungen der Ausbildung. Es sei unverantwortlich, diese Reform weiter auf die lange Bank zu schieben und die Erfolgsgeschichte der dualen Ausbildung nicht fortzuschreiben.

Weiter kritisiert die SPD-Politikerin, dass laut Bericht die Gesamtanzahl der Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss inzwischen auf über zwei Millionen angewachsen ist. Das sei ein unhaltbarer Zustand. Man müsse mit „gesonderten Programmen“ für diese Gruppe von Betroffenen Brücken in die Zukunft bauen. Das könnte besonders auch für Klein- und Kleinstbetriebe eine Chance sein. „Die im Bericht aufgeführten Maßnahmen für eine erfolgreiche Berufsbildung bestätigen unseren Einsatz.“ Ob dies die Fortführung des Berufsbildungspaktes, die Reform der Pflegeausbildung oder das Qualifizierungschancengesetz betrifft: „Wir werden darauf achten, dass Frau Karliczek die vereinbarten Projekte umsetzt und sie nicht aus der Verantwortung lassen“, fügt die Bildungspolitikerin hinzu.

Ausbildungsplätze für alle

Die Grünen fordern eine umfassende gesetzliche Ausbildungsgarantie. „Des Weiteren wollen wir flächendeckend ein kostengünstiges Azubiticket im Nahverkehr für bessere Mobilität. Um auch vor Ort Wohnraum für Auszubildende anzubieten, fordern wir Azubi-Wohnplätze, angelehnt an das Konzept von Studierendenwohnheimen“, erklärt Beate Walter-Rosenheimer für ihre Partei. Nach ihrer Einschätzung können durch solche Maßnahmen auch im dualen Ausbildungsbereich ausbildungsplatzsuchende Jugendliche und ausbildungsplatzanbietende Betriebe zusammengebracht und regionale Passungsprobleme verringert werden.