Diese Themen bewegten das Handwerk 2018

Fahrverbote, Mindestlohn, Meisterpflicht und DSGVO – das Jahr 2018 war turbulent. In unserem Jahresrückblick zeigen wir, was die Helden am Bau am meisten beschäftigte.

Der Anfang des Jahres stand ganz im Zeichen der neuen Mindestlohnregelungen für Dachdecker und dem Bauhauptgewerbe. Aber auch die neuen Tarifverträge für den Garten- und Landschaftsbau waren ein Gesprächsthema:

„Neuer Mindestlohn für Dachdecker ab Januar 2018“

„Mindestlohn im Bauhauptgewerbe steigt ab 2018“

„Neuer GaLaBau-Tarifvertrag mit sofortiger Lohnerhöhung“

Die zum Januar geänderten Buchführungsgrenzen betrafen ebenfalls viele Handwerker.

Erstes Quartal 2018

Neben den gesetzlichen Änderungen interessierten sich unsere Leser aber auch für globalere Themen. So handelte einer der beliebtesten Artikel im März von schwindendem Sand und künstlich aufgeschütteten Stränden. Schuld daran sei vor allem die Bauwirtschaft sowie die sogenannten Sand-Mafia: „Die Sand-Mafia – Das schmutzige Geschäft mit den Stränden“

Die größte Aufmerksamkeit bekam allerdings das Bundesverwaltungsgericht, das in einem Urteil den Weg für mögliche Diesel-Fahrverbote freimachte. Im Laufe des Jahres zeigte sich, dass viele Städte davon Gebrauch machten – sehr zum Leidwesen des Handwerks: „Handwerk kritisiert Diesel-Urteil“

Ausblick auf viele neue Aufträge machte das im Frühjahr angekündigte Baukindergeld. Wir erklärten die „Vor- und Nachteile des neuen Baukindergeldes“

Zweites Quartal 2018

Zu Beginn des zweiten Quartals stand zunächst alles im Zeichen der Fahrtzeit zur Baustelle. Ein unklar formulierter Tarifvertrag ändert nämlich nichts daran, dass Anfahrtszeit zur Montage in eine andere Stadt wie reguläre Arbeitszeit vergütet werden muss: „Fahrtzeit zur Baustelle ist Arbeitszeit“

Auf besonders großes Interesse stieß bei unseren Lesern in diesem Zusammenhang die vom EU-Parlament beschlossene Ausweitung der Tachographenpflicht: Denn auch Fahrzeuge zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen, die gewerblich genutzt werden, müssen nun mit Fahrtenschreiber ausgestattet sein – mit Folgen für das Handwerk: „EU-Parlament beschließt Ausweitung der Tachographenpflicht“

Zudem gilt seit Juli 2018 eine Maut-Gebühr für Lkw ab 7,5 Tonnen, ähnlich wie auf Autobahnen, auch auf Bundesstraßen: „Maut auf Bundesstraßen kommt im Juli 2018“.

Die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) machte Anfang des Jahres vielen Unternehmen zu schaffen. Umso erfreulicher war für viele Leser Mitte des Jahres die Meldung, dass sich die große Koalition aktiv gegen den entstandenen Abmahnmissbrauch einsetzt: „Handwerk begrüßt DSGVO-Abmahnschutz“

Drittes Quartal 2018

Für Aufsehen sorgte im dritten Quartal eine neue Initiative der Bauwirtschaft, mit der Baukostenexplosionen verhindert werden sollen: „Streit bei öffentlichen Projekten: Jetzt greift Bauindustrie durch!“

Dass nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht zeigte ein Urteil gegen das Edelstahl-Kartell: „205 Millionen Euro Strafe im Edelstahl-Kartell“

Auch organisierte Kriminalität und Schwarzarbeit auf Baustellen nehme laut Bundesvorsitzenden der IG Bau immer weiter zu, was auf großes Interesse unserer Leser stieß: „Baustellen: Organisierte Kriminalität nimmt zu“

Gute Nachrichten gab es hingegen für Dachdecker. So hatte die Sozialkasse der Dachdecker (Soka-Dach) bekannt gegeben, Einpersonenbetriebe künftig keine Berufsbildungsbeiträge mehr zu berechnen und bisherige Zahlungen zurückzuerstatten: „Soka-Dach entlastet Dachdecker“

Die Digitalisierung bringt auch neue Technologien und Werkzeuge für das Handwerk hervor. So nimmt die Anzahl an Drohnen stetig zu. Wir zeigten, was es alles zu beachten gilt: „Drohnen im Handwerk – dies gilt es zu beachten“

Viertes Quartal 2018

Neue Technologien erleichtern aber nicht nur die Arbeit, sie können sie zum Teil sogar ersetzen. Großen Anklang fand in diesem Zusammenhang daher sowohl die Meldung über handwerkende Roboter als auch aus dem 3-D Drucker stammende Häuser:

„Roboter als Handwerker – die Lösung des Fachkräftemangels?“

„Häuser aus dem 3D-Drucker – Das Ende des Handwerks?“

Neben Abmahnanwälten, die die Unsicherheit mit der neuen Datenschutzgrundverordnung auszunutzen versuchen, sorgte eine Warnung der Handwerkskammer vor einer falschen „Datenschutzauskunft-Zentrale“ für Aufsehen: „Falsche „Datenschutzauskunft-Zentrale“ bedroht Handwerk!“

In diesem Zusammenhang meldete sich schließlich auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zu Wort und stellte klar, dass die oftmals von Generalunternehmern oder Hausverwaltungen geforderten „Auftragsverarbeitungs-Verträge“ weder nötig noch sachgerecht seien: „Datenschutz im Handwerk oftmals übertrieben“

Mit großem Interesse haben unsere Leser schließlich die Ergebnisse der Kommission zur Aufklärung des Grenfell Tower-Brandes in London verfolgt. Bei dem verheerendem Unglück kamen am 14. Juni 2017 insgesamt 79 Menschen ums Leben. Lange Zeit stand hierbei die Wärmedämmung als Brandursache oder zumindest als Brandbeschleuniger fest. Jetzt zeigte sich aber: „Londoner Hochhausbrand: Wärmedämmung unschuldig!“

Gegen Ende des Jahres sorgte eine Initiative der bayerischen Regierung für Aufsehen und viel Zustimmung im Handwerk. So setzte sich die Landesregierung im Bundesrat für die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) begrüßte die Initiative: „Bayern setzt sich für Meisterpflicht ein“

Ein glücklicher Zufall

Heute, liebe Leserinnen und Leser, möchten wir Ihnen zur Einstimmung auf die Feiertage eine kleine Geschichte erzählen.

Die Geschäfte waren festlich dekoriert, die Lichterketten leuchteten bereits in allen Farben und egal wo man hinkam, konnte man die Leckereien der Weihnachtsmärkte riechen. An vielen Ecken standen die Menschen in Trauben um die kleinen Buden herum, um sich bei einer heißen Schokolade oder einem Punsch die Hände zu wärmen. Andere hetzten von Geschäft zu Geschäft, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Sie traten aus den warmen Läden in den kalten Winternachmittag hinaus, nur um kurz danach wieder schnell im nächsten zu verschwinden.

Unberührt von der ganzen Hektik um ihn herum, trank ein älterer Herr in einem Café ganz in Ruhe seinen Kaffee. Obwohl die Temperaturen bereits gefährlich nahe gegen null gingen, saß er draußen an einem der letzten dort noch aufgebauten Tische. Ein junger Mann, der sich seinen Weg durch die volle Innenstadt bahnte, kam an dem Café vorbei. Wie durch Zufall fiel ihm auf dieser Höhe etwas aus dem Rucksack, so dass der aufmerksame ältere Herr ihm etwas zurief. Der Jüngere drehte sich um und bedankte sich bei dem Herrn. „Alles gut, das ist ja selbstverständlich“, entgegnete er. „Wollen sie sich nicht auf einen Kaffee zu mir setzen und kurz ein wenig durchatmen? Sie sehen ja auch sehr schwer bepackt aus.“ Dem jungen Mann war das Erstaunen deutlich ins Gesicht geschrieben. Aber nach kurzem Überlegen entschied er sich, das Angebot anzunehmen; sah der Herr doch wirklich sehr freundlich aus.

„Wissen Sie was? Das mache ich tatsächlich. Ich bin gerade auf dem Weg zum Bahnhof, um über die Feiertage nach Hause zu fahren. Aber mein Zug geht sowieso erst in einer Stunde. Da habe ich noch Zeit für einen Kaffee. Ich bin übrigens Freddy.“ „Freut mich dich kennenzulernen, Freddy. Mein Name ist Michael“, lächelte der ältere Herr, der ziemlich erstaunt war, dass der junge Mann sich tatsächlich zu ihm setzte. Und so kamen die beiden auf unerwartete Art und Weise ins Gespräch.

Freddy, der direkt zu Beginn das Gefühl verspürt hatte, dass Michael vielleicht jemandem zum Reden brauchte, hörte ihm aufmerksam zu. Michael erzählte, dass er in der Weihnachtszeit ehrenamtlich in der Grundschule arbeitete. Er war gelernter Tischler und freute sich, dass er den Kindern in seinem Ruhestand noch etwas beibringen konnte. „Jedes Jahr ab Mitte November komme ich zweimal in der Woche in die Schule. Die haben dort einen super ausgestatteten Werkraum, da zeige ich den Mädels und Jungs, wie sie mit Holz arbeiten können. Natürlich geht es bei den meisten vor allem darum, Weihnachtsgeschenke für die Eltern, Geschwister oder auch für Oma und Opa zu basteln. Das macht die Sache ganz besonders schön. Zu sehen wie sie so viel Ehrgeiz entwickeln, aber auch die Geduld aufbringen etwas Schönes für ihre Liebsten zu schaffen, das macht mich immer wieder aufs Neue richtig glücklich.“

Während er sprach, wurde sein Lächeln immer breiter. Freddy, dessen Tag bisher nicht so gut gelaufen war, bereute es gar nicht, sich zu ihm gesetzt zu haben. Ihm wurde bei den Erzählungen des älteren Herrn schon viel wärmer ums Herz. „Leider wird es in diesem Jahr wohl das letzte Mal sein, dass ich in der Schule war. So langsam werde ich wohl doch ein wenig zu alt und meine Hände machen nicht immer das, was sie sollen. Manchmal zittern sie so sehr, dass ich Werkzeuge aus der Hand legen muss aus Angst, dass ich sonst etwas fallenlasse.“ Michael wirkte sichtlich bekümmert. „Ich habe das immer so gerne gemacht, das wird mir wirklich fehlen. Aber dafür werde ich die letzte Woche bis zu den Weihnachtsferien nochmal so richtig genießen und nur an tollen Sachen mit den Kindern werkeln. Ich habe sie sogar schon tuscheln hören, dass sie zum Abschied eine Überraschung für mich planen.“ Er kicherte wie ein kleiner Junge, als er das sagte. „Aber wie unhöflich von mir! Quatsche hier die ganze Zeit vor mich hin, ohne dich auch mal zu Wort kommen zu lassen. Was machst du denn eigentlich?“ Erwartungsvoll schaute er Freddy an.

„Es ist wirklich ein sehr witziger Zufall, dass wir beide uns hier heute über den Weg gelaufen sind und du mir deine Geschichte erzählt hast. Ich mache nämlich gerade eine Ausbildung zum Tischler“, sagte Freddy. „Und wenn ich könnte, würde ich nächstes Jahr mit dir gemeinsam in die Schule gehen, damit du das nicht an den Nagel hängen musst. Das klingt nämlich wirklich nach einer tollen Sache.“

Bei diesen Worten huschte wieder ein Lächeln über Michaels Gesicht. „Das ist lieb von dir, das zu sagen. Aber mit einem Vollzeitjob hättest du ja gar keine Zeit dafür, das wäre ja viel zu viel.“ Doch Freddy ließ der Gedanke nicht los. Den Spaß, den der alte Mann bei seiner Arbeit in der Schule hatte, hatte er sogar bei diesem kurzen Gespräch gespürt. „Das stimmt, ich selber habe leider keine Zeit dafür. Aber weißt du was? Bei mir im Betrieb sind ja auch schon ein paar Leute in den Ruhestand gegangen. Was hältst du davon, wenn ich die mal frage? Ihr würdet euch mit Sicherheit gut verstehen und dann können die Kinder nächstes Jahr Weihnachten doch wieder an Geschenken basteln, werkeln, schnitzen und sägen.“ Jetzt strahlte Michael wie ein Honigkuchenpferd. „Oh junger Mann, du weißt ja gar nicht, was für ein riesiges Weihnachtsgeschenk du mir damit machen würdest.“

Und so tauschten die beiden ihre Telefonnummern aus und gingen ihrer Wege. Der eine völlig beschwingt davon, dass er sein Herzensprojekt doch nicht aufgeben muss, der andere glücklich, dass er jemand anderen pünktlich zu Weihnachten eine große Freude machen konnte.

 

Wir danken Ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen und wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.

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Trinkwassersicherheit bei Baumaterial schwer zu überprüfen

Hierzulande eingebautes Sanitärmaterial muss Vorschriften entsprechen, um die Trinkwassersicherheit zu garantieren. Nicht alle erhältlichen Produkte halten diese ein.

Wenn in deutschen Bädern Armaturen und Sanitärartikel verbaut werden, müssen sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Denn gerade für Bauteile die mit Trinkwasser in Berührung kommen, gelten in Deutschland gewisse Regeln. Und trotzdem gibt es Probleme. Denn Kunden erhalten auf dem deutschen Markt auch Produkte, die offiziell nicht verbaut werden dürfen.

EU strebt einheitliche Reglung an

Obwohl es bereits seit April 2017 Richtlinien für Werkstoffe und Einbauteile aus Metall verbindlich gibt und an Vorgaben für Kunststoffe und andere organische Materialien sowie keramische Werkstoffe gearbeitet wird, sieht das Ganze in der Praxis ganz anders aus: Eine Verpflichtung der Hersteller auf den Bauteilen anzugeben, aus welchem Material sie bestehen und ob sie den deutschen Trinkwasservorgaben entsprechen oder nicht, gibt es nämlich bisher nicht. Die Trinkwassersicherheit ist so kaum oder nur sehr schwer überprüfbar.

Anfang des Jahres legte die EU-Kommission eine Novelle der EU-weiten Trinkwasserrichtlinie vor, die sich genau dieser Schwierigkeit annimmt. Geplant sind genaue Vorgaben für die Materialien der Bauteile die mit Trinkwasser in Berührung kommen, die für alle Länder bindend sind. Die Frage nach einer Kennzeichnungspflicht, die vor allem die Praxis einfacher machen würde, bleibt aber weiterhin offen. Ende Oktober stimmte zumindest das EU-Parlament den Plänen der Kommission zu. Jetzt geht es darum, dass die Mitgliedsländer im Rat über das Thema verhandeln. Laut eines Sprechers des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) sind im Moment unterschiedliche Möglichkeiten im Gespräch: „Entweder eine Regelung über die EU-Bauprodukteverordnung oder über einheitliche Vorgaben für Materialien in Kontakt mit Trinkwasser in der Trinkwasserrichtlinie.“

Rechtliche Folgen für Handwerker bisher noch möglich

Die seit letztem Jahr in Deutschland geltenden verpflichtenden Vorgaben drehen sich um hygienische Anforderungen. Das Umweltbundesamt erarbeitete sie entsprechend der Trinkwasserverordnung. Seitdem sind sie für Bauteile aus Metall wie Wasserleitungen, Armaturen und Wasserhähne für Küchen und Bäder gültig. Trotzdem bleiben Produkte anderer, nicht-deutscher Hersteller, im Handel erhältlich. Nach EU-Gesetz dürfen Hersteller in der EU ihre Waren auch in der gesamten EU vertreiben. Dabei dürfen sie nicht von zu strengen Bestimmungen einzelner Länder beeinflusst werden. Daher sind auf dem deutschen Markt Bauteile käuflich erhältlich, die aber nach deutschem Recht gar nicht eingebaut werden dürfen. Bleibt es für den Heimwerker bei einer Ordnungswidrigkeit, wenn er ein Teil einbaut, das nicht den deutschen Vorschriften entspricht, kann es für den SHK-Handwerker rechtliche Folgen haben.

Wer auf Nummer sicher gehen will muss den Hersteller fragen

Da es eben weder eine Kennzeichnungspflicht noch ein Siegel für das Einhalten der Vorgaben gibt, bleibt es ein großes Problem die genauen verwendeten Materialien herauszufinden. Der Rechtsexperte des Zentralverbandes Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK), Carsten Müller-Oehring, rät Handwerkern beim Hersteller nachzufragen und nur Bauteile zu verwenden, deren Gesetzeskonformität vom Hersteller bestätigt wurde. Zusätzlich stellt der Verband seinen Mitgliedern eine Liste zur Verfügung, auf der sich Hersteller finden die dem Verband bestätigt haben, dass ihre Produkte der gesetzlichen Norm entsprechen. Vollständig ist diese Liste allerdings nicht.

Wenn der Kunde das Material kauft

Sogenanntes beigestelltes Material wird oft verwendet um die Baukosten gering zu halten. Oft werden sie im Internet oder in Baumärkten gekauft und den bestellten Handwerkern zum Einbau zur Verfügung gestellt. „Aufklären muss der Handwerker seinen Kunden dennoch über all die Gefahren, die das Material mit sich bringen kann, also beispielsweise auch, dass eine Armatur nicht zwingend der Trinkwasserverordnung entspricht, wenn der Kunde sie im Baumarkt gekauft hat“, sagt Carsten Müller-Oehring. Gibt es keine Sicherheit für die Trinkwassersicherheit der Produkte und der Handwerker baut sie trotzdem ein, verstößt er gegen geltendes Recht und haftet, da er eine mangelhafte Leistung erbracht hat. Per Vertragsklausel kann der Handwerker eine Haftung wegen Verstoßes gegen eine bestehende Aufklärungs- und Informationspflicht allerdings ausschließen.

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Neues Verfahren für Hochglanzlack soll Raumluft verbessern

Frische Luft ist wichtig – gerade innerhalb von Gebäuden. Ein neues Herstellungsverfahren für Lackmöbel ohne Lösemittel soll dabei helfen, die Raumluft zu verbessern.

Der Geruch von Lösemittel aus Möbeln und Bauprodukten ist in neu ausgestatteten Innenräumen keine Seltenheit. Die Firma Innovative Oberflächentechnologien (IOT, Leipzig) will dies nun vollends verhindern und erhält dabei fachliche und mit rund 332.000 Euro auch finanzielle Unterstützung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Wissenschaftliche Unterstützung kommt zudem vom Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM, Leipzig). „Kann die Idee erfolgreich umgesetzt werden, wird nicht nur die Luftqualität in geschlossenen Räumen verbessert. Sie kann auch helfen, Rohstoffe zu schonen und Energie zu sparen“, erwartet DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Lackfolien ohne Lösemittel

Um Küchen oder andere Möbel auf Hochglanz zu bringen, werden sie in der Regel mit einer speziellen Folie in Klavierlack-Qualität beschichtet. „Dafür wird eine sehr glatte Folie mit speziellem Lack beschichtet, der bis zur Hälfte aus Lösemitteln besteht. Anschließend muss die Folie getrocknet und unter ultraviolettem Licht gehärtet werden“, erläutert Projektleiter Prof. Dr. Reiner Mehnert das bisherige Verfahren. Dieser Vorgang verbraucht jedoch viel Energie und Rohstoffe: allein für den europäischen Möbelmarkt würden 300 bis 500 Tonnen Lösemittel und 1.200 Megawattstunden Energie verbraucht.

Die Idee von IOT und IOM ist es nun, Speziallacke zu entwickeln, die auch ohne Lösemittel auskommen. Zusätzlich soll die Farbe beim Auftragen auf die Folie mechanisch so bearbeitet werden, dass eine für den Hochglanzeffekt verantwortliche, sehr ebene Oberfläche entsteht.

Bekanntes Verfahren soll helfen

„Für den zweiten Schritt – das Aushärten der Lackschicht mit Hilfe von ultraviolettem Licht – wollen wir zudem ein Verfahren nutzen, das wir im Rahmen eines fast abgeschlossenen DBU-Projektes erfolgreich weiterentwickelt haben“, erklärt Prof. Mehnert. „Dank dieses weltweit einzigartigen Verfahrens können wir auf die ansonsten benötigten Rezepturbestandteile zum Start der Aushärtereaktion verzichten. Diese sind teuer, knapp am Markt, und deren Rückstände in der Lackschicht belasten die Luft in den Räumen, in denen die Möbel später stehen.“

Zudem werde insgesamt weniger Lack aufgetragen. Schon jetzt hätten verschiedene Firmen Interesse an diesem Verfahren bekundet, die Verhandlungen würden laufen. DBU-Generalsekretär Bonde: „Das Projekt hat Modellcharakter. Anwendungsmöglichkeiten in anderen Branchen versprechen einen breiten Nutzen und damit große Umweltentlastung.“

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Gesundheitsgefährdende Chemikalien in Teppichböden

Die Deutsche Umwelthilfe prangert Schadstoffe in europäischen Teppichböden an – und sieht darin auch eine verpasste Chance zum Aufbau einer Kreislaufwirtschaft.

Neuste wissenschaftliche Untersuchungen der Vrije Universiteit Amsterdam, der Notre Dame University (USA) und dem Ecology Center (USA) zeigen auf, dass sich in europäischen Teppichböden hormonaktive Substanzen, krebsverdächtige Stoffe und chlorierte Flammschutzmittel finden lassen. Die chemische Behandlung von Teppichen erfolgt, damit sie weich, farbig und fleckenresistent sind. In Auftrag gegeben hatte die Studie die Changing Markets Foundation (CMF). 15 Teppichböden acht großer Hersteller wurden unter anderem auf Bisphenol A, Flammschutzmittel und antimikrobielle Substanzen untersucht. Nur bei drei der Teppichböden konnten keine der untersuchten Schadstoffe nachgewiesen werden.

Schadstoffe haben in Teppichen nichts zu suchen

Die Ergebnisse der Studie haben die Deutsche Umwelthilfe (DHU) auf den Plan gerufen. Sie fordert nun, dass vor allem solche gesundheitsgefährdenden Chemikalien in Teppichböden verboten werden. „Schadstoffe in Teppichböden sind ein Problem und haben dort nichts zu suchen. Chemikalien, die die Gesundheit der Verbraucher gefährden können, müssen verboten werden. EU-weit verbotene Substanzen dürfen nicht in Recyclingmaterialien zugelassen sein, so dass sie den Weg in Produkte finden können, mit denen Verbraucher fast täglich in Kontakt kommen. Substanzen, die in Kinderspielzeug reguliert sind, müssen auch in Teppichböden, denen Kinder beispielsweise beim Krabbeln besonders intensiv ausgesetzt sind, ebenso gesetzlich geregelt werden“, verdeutlicht Barbara Metz, Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin, das Problem. Verbrauchern gibt sie als konkreten Tipp mit auf den Weg, auf das Siegel „Blauer Engel“ zu achten. Das Siegel wird nur an Hersteller vergeben, die die strengen Anforderungen beim Einsatz von Chemikalien beachten.

Die DHU pocht auch darauf, dass das europäische Chemikalienraster REACH angepasst wird und Widersprüche der europäischen Chemikalienpolitik aufgehoben werden. Weiter sollte die EU-Kommission dringend nicht nur die Schadstofffreiheit von Recyclingmaterialien vorschreiben, sondern auch die von Neuware. Denn aktuell können viele Teppichböden nicht wiederverwertet werden, da sie zu viele Schadstoffe aufweisen. So müssen nur in Deutschland jedes Jahr circa 400.00 Tonnen Teppichboden verbrannt werden. Dabei sind das wertvolle Ressourcen die, entsprechend aufbereitet, sinnvoll genutzt werden könnten. „Dass dies möglich ist, zeigen zwei untersuchte Teppichböden mit Anteilen von Recyclingmaterialien, bei denen keiner der untersuchten Schadstoffe gefunden werden konnte“, sagt Elena Schägg, Projektmanagerin des DUH-Fachbereichs Kreislaufwirtschaft.

Hersteller müssen in die Verantwortung genommen werden

Ein weiterer Punkt den die DHU einfordert, ist das Prinzip der Produktverantwortung für die Hersteller. Diese wären dann in Zukunft für eine umweltfreundliche Entsorgung ihrer Produkte verantwortlich. Dann würde auch der Aufbau eines flächendeckenden Sammelsystems und von Recyclinganlagen zu den Aufgaben der Hersteller gehören. Weiter müssten sie für die Schadstofffreiheit und Recyclingfähigkeit ihrer Produkte Sorge tragen.

Weitere Informationen zur Entsorgung von Entsorgung von Teppichen gibt es bei der DHU.

Handwerker aufgepasst: Jetzt abstimmen und gewinnen

Welches Unternehmen hat im Handwerk einen Stein im Brett? Die ibau GmbH ruft erneut zur größten Branchenbefragung auf und verlost Preise im Gesamtwert von 10.000 Euro.

Damit Handwerker gute und zufriedenstellende Arbeit leisten können, müssen sie sich auf Hersteller und entsprechende Marken verlassen können. Aber welcher Hersteller und welche Marke sind in ihrer jeweiligen Branche am beliebtesten und haben im Handwerk einen Stein im Brett? Um dies herauszufinden ruft die ibau GmbH erneut zur größten Branchenbefragung des Handwerks auf. Unter allen Umfrageteilnehmern verlost ibau Preise im Gesamtwert von 10.000 Euro.

Direkt zur Umfrage

Wer als Handwerker seine Kunden zufriedenstellen und neue Aufträge generieren will, der braucht neben dem eigenen Know-how vor allem das richtige Material. Gerade für Profis ist es daher besonders wichtig, auf zuverlässige Hersteller und ihre Produkte zurückgreifen zu können. Doch welche Marke gilt als Qualitätsführer? Welche Marke genießt das Vertrauen des Handwerks und wer bietet die besten Verarbeitungsvorteile zum günstigen Preis?

Favoriten nennen und gewinnen

Zur Beantwortung dieser Fragen führt die ibau GmbH regelmäßig die größte Branchenbefragung zum Thema Markenbekanntheit, Markenpräferenz und Markenakzeptanz unter Handwerkern und Fachunternehmern durch. Im Vordergrund steht dabei die Frage, welche Marken und Hersteller bei ihren Kunden einen „Stein im Brett“ haben.

Handwerker und Fachunternehmer haben noch bis zum 30. November die Möglichkeit an der Umfrage teilzunehmen und sich die Chance auf einen Weber Gasgrill “Genesis® II E-410™ GBS™, Black” aus Edelstahl, eine Philips Perfect Draft Bierzapfanlage inklusive zwölf Fässern Bier, einen Kickertisch oder einen Bluetooth Lautsprecher UE Boom 2 zu sichern. Hierzu brauchen lediglich diejenigen Hersteller- und Industrieunternehmen genannt werden, die die besten Produkte und Lösungen in den einzelnen Gewerken bieten. Die Teilnahme an der Umfrage ist kostenlos.

Jetzt teilnehmen 

 

 

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Farbgranulate: Industrie fürchtet Rohstoffengpässe

Hersteller von Masterbatches (Farbgranulaten) fürchten Lieferengpässe, die aus gestiegenen Umweltauflagen und Produktionsstopps in verschiedenen chinesischen Chemieparks resultieren.

Hochlichtechte Farbstoffe basieren häufig auf Anthrachinon oder ähnlichen Vorstufen. Die Produktion dieser Zwischenprodukte für die Farbstoffsynthese wurde in den letzten Jahren aus Europa nach Asien verlagert. Der Masterbatch Verband im Verband der Mineralfarbenindustrie e. V., Frankfurt, sieht die Ursache für den derzeitigen Lieferengpass darin, dass es seit Mai dieses Jahres aufgrund gestiegener Umweltauflagen zu Produktionsstopps in verschiedenen chinesischen Chemieparks kommt.

So sind nach Informationen der Farbstoffhersteller von den Produktionsstopps etwa 300 Firmen betroffen, wobei die Behörden offenbar nicht unterscheiden, ob ein Unternehmen in Verstöße verwickelt ist – oder eben auch nicht. Die Masterbatch-Branche sieht sich deswegen einer verschärften Versorgungslage bei brillanten Gelb-, Orange-, Rot- und Grünfarbstoffen gegenüber. Betroffen sind davon insbesondere Masterbatches, die in die Einfärbung von Kunstfasern, Verpackungen und technischen Kunststoffen gehen.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Mangels europäischer Produktionskapazitäten erwarten die Mitglieder des Masterbatch-Verbandes keine kurzfristige Normalisierung der Verfügbarkeit der obengenannten Farbstoffe. Als bedenklich bewerten sie die Abhängigkeit ihrer Zulieferindustrie von global verlagerten Versorgungsketten. Sie haben keinen eigenen Handlungsspielraum bei unvorhergesehenen Ereignissen.

 

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KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ bis 2022 gesichert

Das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“, mit dem Bäder und Teile der Wohnung barrierefrei gestaltet werden können, wurde im Finanzplan des Bundes bis 2022 finanziert.

455 – eine Aussagelose Zahl, doch bei Hausbesitzern beliebt. Das KfW-Programm 455 mit dem Titel „Altersgerecht Umbauen“ ist nämlich in den vergangenen Jahren eines der beliebtesten Programme der Bank gewesen und musste deshalb immer wieder aufgrund von zu vielen Anfragen schon vor Laufzeitende beendet werden. Der Grund war, dass nur begrenzte Mittel für das Programm bereitgestellt waren, die in mehreren Jahren hintereinander schnell vergriffen waren.

Neue Gelder ab sofort

Nun sind die Töpfe wieder voll: Ende August 2018 teilte die Bundesregierung mit, dass allein für das Jahr 2018 75 Millionen Euro für das Programm bereitgestellt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass möglichst viele Antragsteller auch Zuschüsse bekommen. Auch für die kommenden Jahre soll genug Geld da sein, denn die Regierung hat die Gelder für das Programm bis 2022 im Finanzplan des Bundes verankert.

Ob die Töpfe aber diesmal gut genug gefüllt sind, um das ganze Jahr lang allen Antragstellern ihre Wünsche zu erfüllen, bleibt offen. Sollte es jetzt wieder einen Run auf das Programm geben, könnte es schnell wieder vorbei sein mit der Modernisierungshilfe. Verbände raten deshalb dazu, möglichst schnell einen Antrag auf Förderung zu stellen.

Bekannten Weg nutzen

Zuschüsse bekommt man, wie in den vergangenen Jahren auch, über das Zuschussportal der KfW-Bank, mit dem das Verfahren geregelt wird. Wichtig ist, dass der Antrag zur Förderung einer Maßnahme vor Baubeginn gestellt wird und die Auszahlung erst nach Fertigstellung erfolgt. Die Maßnahme muss durch einen Fachbetrieb durchgeführt werden und bestimmten technischen Mindestanforderungen genügen.

Barrierefreiheit weiterhin wichtig

Dass in Deutschland noch viel für die Barrierefreiheit im Baubestand getan werden muss, da sind sich die meisten Experten einig. Wie die „Aktion Barrierefreies Bad“, eine Initiative der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), mitteilt, sind nur 17 Prozent der Bäder in deutschen Haushalten einwandfrei barrierefrei und für Senioren ohne Einschränkung nutzbar.

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Küchenstreit – Urteile rund um die Nutzung der Küche in einer Immobilie

Gelegentlich muss sich auch die Rechtsprechung mit der Küche befassen. Der Infodienst Recht und Steuern der LBS hat einige Urteile deutscher Gerichte gesammelt.

Wenn ein Mieter eine Wohnung besichtigt, dann interessiert er sich meistens auch sehr stark für die Ausstattung der Küche. Sind die Geräte neu? Entsprechen sie seinen Bedürfnissen? Ein Mieter in Berlin hatte in dem Zusammenhang ein seltsames Erlebnis: Ihm wurde beim Besichtigungstermin eine hochwertige Einbauküche vorgeführt, doch nach Vertragsabschluss fand sich dort plötzlich ein sehr viel einfacheres, billigeres Modell. Das Landgericht Berlin (Aktenzeichen 65 S 366/04) entschied, dass dies kein korrektes Vorgehen des Eigentümers gewesen sei. Der Mieter habe einen Anspruch darauf, genau das Modell zu erhalten, das zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses in der Wohnung eingebaut gewesen sei.

Abnutzungsdauer beachten

Auch eine Küche kommt ins Alter. Mit fortschreitender Zeit hat der Eigentümer immer geringere Schadenersatzansprüche, wenn der Mieter sie beschädigt oder entfernt. Das musste ein Eigentümer erfahren, als er bei einer über 25 Jahre alten Küche von seinem Mieter Schadenersatz forderte, nachdem dieser die Geräte entfernt hatte. Sein Argument: Die Küche sei nicht abgenutzt gewesen und habe immerhin ursprünglich 15.000 Mark gekostet. Das Landgericht Berlin (Aktenzeichen 62 S 13/01) sah das nicht so. Ein Vierteljahrhundert liege weit über der durchschnittlichen Nutzungsdauer, der Zustand des Objekts sei außerdem nicht substantiiert dargelegt worden, weswegen es keine Entschädigung gebe.

Mietminderung durch defekte Rohre

Wenn aus einem defekten Küchenrohr regelmäßig unangenehme Gerüche austreten, dann muss sich ein Mieter das nicht gefallen lassen. Im konkreten Fall waren die Folgen des Mangels besonders schwerwiegend, weil es sich um eine offene Küche handelte und deswegen die komplette Wohnung von den Ausdünstungen betroffen war. Das Landgericht Berlin (Aktenzeichen 67 S 342/17) entschied, hier sei eine Mietminderung in Höhe von zehn Prozent angebracht. Die Bewohner hatten eigentlich 15 Prozent für angemessen gehalten.

Richtig versteuern

Wenn ein Eigentümer in einem vermieteten Objekt die Einbauküche komplett erneuert (Spüle, Herd, Möbel und Elektrogeräte), dann kann er diese Kosten nicht sofort als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend machen. Er muss sie einem Urteil des Bundesfinanzhofes zu Folge (Aktenzeichen IX R 14/15) in einem Zeitraum von zehn Jahren im Wege der Absetzung für Abnutzung (AfA) abschreiben, was steuerlich weniger attraktiv ist. Es handle sich hier nämlich nicht um einen sofort und vollständig absetzbaren „Erhaltungsaufwand“, entschieden die obersten Finanzrichter.

Instandhaltungspflicht nur für vermietete Küchen

Wenn eine Küche dem Mieter lediglich zur Nutzung überlassen wird und nicht Bestandteil des Mietvertrages ist, dann trifft den Eigentümer keine Instandhaltungs- und Instandsetzungspflicht. Das musste eine Mieterin erfahren, als Kühlschrank und Geschirrspülmaschine kaputt gingen und sie vom Eigentümer eine Reparatur forderte. Das Amtsgericht Neukölln (Aktenzeichen 18 C 182/17) urteilte, hier könne kein Mietmangel vorliegen, weil die Küche im Sinne des Vertrages gar nicht zur Wohnung gehöre. Rechtlich sei eine solche Lösung unbedenklich, denn ein Vermieter sei nicht verpflichtet, eine Einbauküche zur Verfügung zu stellen.

Ist die Küche ein wesentlicher Bestandteil des Hauses…

Zählt eine Einbauküche als wesentlicher Bestandteil eines Grundstücks oder wenigstens als Zubehör? Oder ist das nicht der Fall? Was zunächst nach einer akademischen Frage klingt, kann ganz schnell praktische Bedeutung erlangen. Dann nämlich, wenn eine Zwangsversteigerung des Objekts ansteht. Mieter hatten eine Einbauküche in ihrer Wohnung eingebaut und beim Auszug mitgenommen. Der Erwerber behauptete, das sei nicht rechtmäßig gewesen, weil die Küche eben „wesentlicher Bestandteil“ und damit nicht herauslösbar sei. Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen IX R 180/07) sah das anders. Er bestätigte im Nachhinein das Vorgehen der Mieter. Sie durften ihre Küche behalten.

… oder doch nur Hausrat?

Ebenfalls um die Zugehörigkeit der Küche zu einem Gebäude ging es in einem anderen Fall. Wohnungseigentümer hatten eine Einbauküche individuell auf einen Raum zugeschnitten. Als es später im Zuge eines Brandes zu Schäden kam, wandten sich die Betroffenen an ihre Wohngebäudeversicherung und forderten finanziellen Ersatz. Doch die Assekuranz verweigerte das mit der Begründung, die Küche sei kein fester Bestandteil des Hauses. Das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 5 U 36/92) schloss sich dieser Rechtsmeinung an und betrachtete die vorliegende Küche als Hausrat und nicht als Bestandteil des Gebäudes.

Wann ist ein Brand ein Brand?

Mit zu den schlimmsten Vorfällen, die sich in einer Küche ereignen können, gehört ein Brand. In einem Haushalt in Nordrhein-Westfalen entzündeten sich Speisen in einem Topf und es entstand eine Stichflamme. Ein Rauch- und Rußfilm verschmutzte den Raum, es war eine aufwändige Reinigung nötig. Der Gesamtschaden betrug rund 13.000 Euro. Nach Ansicht des Geschädigten sollte die Hausrat- und Gebäudeversicherung dafür aufkommen. Doch das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 20 W 28/14) urteilte, es handle sich nicht um einen „Brand“ im Sinne der Vertragsbedingungen, denn die Stichflammen hätten keine brennbaren Gegenstände erreicht. Die Versicherung musste nicht einspringen.

Fristen beachten

Nicht immer entspricht eine gelieferte und eingebaute neue Küche den Vorstellungen des Kunden. In diesem Fall kann man als Käufer der Firma eine Nachbesserungsfrist setzen. Aber wie lange muss man dem Unternehmen Zeit lassen? Ein Kunde beanstandete die Leistung und forderte nach mehrwöchigen fruchtlosen Verhandlungen schließlich schriftlich, die Arbeiten innerhalb von zwölf Tagen zu leisten. Die Firma überschritt diese Frist erneut um etwa zwei Wochen. Das schien dem Landgericht Wuppertal (Aktenzeichen 9 S 255/14) zu viel. Der Käufer durfte vom Vertrag zurücktreten und auf eine Rückgabe der angezahlten knapp 5.000 Euro bestehen.

 

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IKEA plant Second-Hand-Shop für eigene Möbel

Gebrauchte IKEA-Möbel soll man demnächst dem Möbelhaus wieder zurückverkaufen können. In manchen Häusern sollen dann Second-Hand-Shops mit günstigen Preisen entstehen.

Die schwedische Möbelhaus-Kette IKEA plant derzeit, gut erhaltene, gebrauchte Möbel von ihren Kunden wieder zurückzukaufen und als Second-Hand-Ware in ihren Filialen anzubieten. Was auf den ersten Blick nach einem aberwitzigen Projekt klingt, soll bald in mehreren Häusern der Kette ganz normal werden. Die Aktion heißt „Zweite Chance“ und soll gebrauchten Möbeln ein zweites Leben in einem neuen Zuhause ermöglichen. Damit will IKEA einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten, die sich gegen das Wegwerfen alter Produkte einsetzt. Wie das Unternehmen mitteilt, möchte es sich in Zukunft mehr in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagieren.

Online-Preisvorschlag

Aber wie funktioniert das Konzept? Bestimme, sehr beliebte Produktgruppen wie KALLAX, MALM oder HEMNES findet man zum Start des Projekts am 1. September 2018 im Online-Portal unter www.ikea.de/zweitechance. Hier gibt man an, welches Produkt man zurückgeben möchte und beantwortet einige Fragen zum Zustand des Möbelstücks. Danach erhält man noch in dem Portal ein Dokument mit Preisvorschlag. Wenn man das Produkt zu diesem Preis an IKEA verkaufen will, nimmt man das Dokument und das aufgebaute Möbelstück in eine der teilenehmenden Filialen. Insofern alle Angaben korrekt waren, kauft IKEA das Produkt zurück.

Der Preis soll nach Angaben des Unternehmens bei 30 bis 50 Prozent des Neuwerts liegen, abhängig vom Zustand des Möbelstücks. Der verkaufende Kunde erhält das Geld allerdings nicht in bar, sondern als Guthabenkarte und kann damit neue IKEA-Produkte kaufen. Das gebrauchte Teil landet in der „Fundgrube“ und wird zum selben Preis oder günstiger weiterverkauft, sodass IKEA an den Gebrauchtmöbeln kein Geld verdient.

Ob „Zweite Chance“ bald in allen Filialen angeboten wird, hängt vom Verlauf der Pilotphase ab. Zunächst einmal wird die Rückkaufoption in den Pilothäusern Berlin Lichtenberg, Kaarst, Siegen, Hannover Expo Park und Würzburg angeboten. „Sobald uns aussagekräftige Zahlen vorliegen und wir sehen, dass unsere Kunden den neuen Service gern in Anspruch nehmen, werden wir die „Zweite Chance“ auf weitere Häuser ausrollen“, erklärt Projektleiterin Cornelia Obitz.