Bleibt der Corona-Schock aus?

Seit dem deutschlandweiten Lockdown im März ist mittlerweile ein halbes Jahr vergangen. Die Corona-Pandemie hat verschiedene Teile der (deutschen) Wirtschaft unterschiedlich stark getroffen. Zwar ist die Bauwirtschaft bislang vergleichsweise eher schonend davongekommen, doch das Virus beeinflusst noch immer insbesondere die Planungen bevorstehender Projekte. Obwohl die Bauwirtschaft insgesamt zu den wenigen Branchen gehört, bei denen gravierende Folgen des Corona-Geschehens weitestgehend ausgeblieben sind, teilen führende Fachverbände die Einschätzung, dass immer noch die weiterhin nicht ganz unberechtigte Befürchtung einer nachgelagerten Krise im Raum steht.

Um ein aktuelles Stimmungsbild der Baubranche zu erhalten und für alle Beteiligten der Bauindustrie mehr Transparenz über geplante Projektrealisierungen zu schaffen, steht ibau in Kontakt mit einigen tausend Entscheiderinnen und Entscheidern der Bauindustrie. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse fassen wir regelmäßig in unserer Sentiment Analyse zusammen.

Ihre Mithilfe ist gefragt

Für die bevorstehende ibau Sentiment Analyse benötigen wir auch dieses Mal die Unterstützung von Experten wie Ihnen! Schildern Sie uns Ihre Eindrücke, damit wir allen Beteiligten der Bauindustrie eine realistische Einschätzung zu den Entwicklungen der Baubranche zur Verfügung stellen können. Denn besonders Originaltöne aus Fachkreisen bilden die wesentliche Grundlage um realitätsnah die Entwicklungen der Baubranche widerzuspiegeln. Selbstverständlich sind die Ergebnisse kostenfrei erhältlich.

Die aktuelle Stimmungslage

Unsere ibau Sentiment-Analyse im Juni hat ergeben, dass die Beteiligten der Bauindustrie gelernt haben, mit der Krise zu leben. Erkennbar wird dies anhand der Projektumsetzungstendenzen sowie im Handeln der Behörden, obgleich die durch die Corona-Krise aufgedeckten strukturellen Schwächen wie Fachkräftemangel oder mangelnde technische Ausstattung in den Behörden weiterhin existieren. Die Angaben zur Preisentwicklung deuten ebenfalls nicht darauf hin, dass die Baubranche kurzfristig auf eine handfeste Krise zusteuert.

Eine vorsichtige Einschätzung lässt die Annahme einer Normalisierung hinsichtlich der Mengen der neuen Projekte zu. Die bekannten Projekte verschieben sich wieder in Richtung der Realisierungsphasen. Es zeigt sich eine sinkende Tendenz bei Projekten in den auf die Zukunft geprägten Phasen Diskussion und Vorplanung. Diese positive Entwicklung lässt sich in allen überwiegend gewerblichen bzw. privaten Bereichen beobachten. Im Gegensatz dazu stieg der Anteil an längerfristigen Projekten im Bereich der öffentlichen Bauherren an.

Hier finden Sie die vollständigen Ergebnisse sowie unsere letzten ibau Sentiment Analysen:

JUNI: Lässt sich schon wieder eine positive Entwicklung erkennen?

MAI: Was bringt das geplante Konjunkturpaket?

APRIL: Welche Herausforderungen treffen die Branche am stärksten?

MÄRZ: Wie sehr schadet Corona der Bauindustrie?

Influencer sind in der Bauindustrie angekommen

Influencer werben in ihren sozialen Medien für so einiges. Nun scheint das auch in der Bauindustrie angekommen zu sein. Im Februar findet das erste „Baufluencer“-Forum statt.

Am 19. Februar versammeln sich 30 sogenannte „Baufluencer“ beim ersten offiziellen „Baufluencer-Forum“ in Berlin. Sie treffen dort auf Unternehmen der Bauindustrie. Bisher erhielt das neue Veranstaltungsformat durchweg positive Resonanz. Sowohl die Influencer als auch die anwesenden Unternehmen freuen sich darauf, sich kennenzulernen und sich über Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen. Die Idee für die Veranstaltung stammt von der Bau-PR-Agentur Brandrevier in Kooperation mit der Messe Berlin. Kriterien bei der Auswahl geeigneter YouTuber, Instagramer und Blogger waren unter anderem die Professionalität und Kompetenz, aber auch die Reichweite und Interaktion mit ihren Abonnenten. Die eingeladenen Influencer haben alle eine Reichweite im sechs- bis siebenstelligen Bereich und sind Amateure beziehungsweise Profis aus den Bereichen Fachhandwerk, Do-It-Yourself und Architektur. Teilnehmende Baufluencer aus dem Bodenbereich sind beispielsweise die Raumausstatterin Silja Kinast („that_flooring_girl“) sowie Ralf Schanze mit dem Fliesen-Online-Magazin 1200Grad. Seitens der Unternehmen werden namhafte Bauproduktehersteller wie Knauf, KS-Original oder Wienerberger anwesend sein. Auch aus den Bereichen SHK oder Elektroinstallation werden Unternehmen wie Stiebel Eltron oder Gira am Forum teilnehmen. Insgesamt haben 24 Bauunternehmen zugesagt.

Unternehmen sehen in Zusammenarbeit mit Influencern großes Potenzial

„Im Vergleich zu Printmedien haben Influencer eine oftmals höhere Reichweite“, sagt Julian Waning, Architektur Media Manager bei Gira Giersiepen. „Hinzu kommt, dass wir über neue Online-Kanäle die Möglichkeit haben, Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht mit unserem Unternehmen oder unseren Produkten in Kontakt getreten sind.“ Desirée Lukowski, Social Media Managerin der Hörmann Gruppe, ergänzt: „Influencer-Kommunikation geht über die reine, faktenbasierte Information weit hinaus. Hier kommt es, anders als in der klassischen Unternehmenskommunikation, vor allem auf Authentizität, eine emotionale Bindung und den persönlichen Kontakt an.“ Alle Infos zur Veranstaltung und den Teilnehmern gibt es auf www.baufluencer.de

Vielseitige Naturfaser als Allrounder-Dämmstoff

Pflegeleicht, atmungsaktiv, antistatisch und robust: Sisal kann nicht nur wunderbar zu Teppichen verarbeitet werden, sondern findet auch auf dem Bau seinen Einsatz.

Die Pflanze aus der Unterfamilie der Agavengewächse wird heute vor allem auf Plantagen in Kenia und Tansania herangezogen. In Teppichen eignen sich die Sisalfasern vor allem für stark besuchte Bereiche wie Eingänge und Korridore. Das zumeist antibakterielle und antistatische Naturmaterial ist atmungsaktiv und sorgt für ein gutes Raumklima. Dabei ist die Agave eine sehr genügsame Pflanze: Bis zu zwölf Jahre kann sie genutzt werden. Lediglich auf die erste Ernte müssen die Bauern drei bis vier Jahre warten. Nachdem die 1,10 bis 1,30 Meter langen Blätter geerntet und der mittlere Ständer der Pflanze übrig gelassen werden, wächst die Pflanze weiter. Nach der Blüte stirbt sie dann ab. Die geernteten Blätter werden in einer Presse ausgedrückt, bis schlussendlich nur noch die Fasern der Blätter ohne jegliches Fruchtfleisch und Wasser übrig bleiben. Die Fasern werden dann getrocknet, gekämmt und geglättet. „In dieser Form sind die Sisalfasern bereit für die Weiterverarbeitung. Für den Versand werden sie deshalb in 250 bis 500 Kilogramm schwere Ballen gepresst. Damit endet der Bearbeitungsprozess in Afrika“, erläutert Axel Riester vom Teppichhersteller Terr’Arte AG.

Nun lassen sich diese Fasern neben Teppichen auch wunderbar zu Dämmstoff weiterverarbeiten. Die Naturfaser wirkt wärmeisolierend und trittschalldämmend. Dafür wird das Material zu Matten gepresst. Sisal findet bereits in der Schweiz in der Klosterkirche in Menzingen Verwendung. Die Schwestern zum Heiligen Kreuz wünschten sich für den Umbau der Kirche natürliche Baustoffe, die Ruhe, Wärme und Beständigkeit verinnerlichen. Dies brachte den Architekten Herbert Mäder zu dem Schluss, Sisal einzusetzen, 2020 soll das Projekt fertiggestellt werden. „Konstruieren ist ein genetischer Drang. Er liegt den Menschen sozusagen in den Händen und im Blut. Es ist auch die Freiheit, Materialien wählen zu können, sich nicht nur programmiert auf Steine beschränken zu müssen. Somit kommen die Naturfasern ins Spiel“, meint Andrea Deplazes vom Büro Bearth & Deplazes Architekten AG. „Pflanzenfasern lassen sich spielerisch bearbeiten, auch wenn anfangs nicht dieser Sinn im Vordergrund stand.“

Stabiler Hightech-Baustoff durch Destabilisierung?

Einem Forschungsteam ist es gelungen, ein stabiles Holzmaterial zu entwickeln, das sich beliebig verformen lässt und trotzdem dreimal stärker ist, als natürliches Holz.

Die Methode, um diese Stabilität zu erzeugen, ist dabei gleichermaßen verblüffend wie genial. Die Forscher entziehen dem Holz dabei nämlich genau den Teil, der ihm in der Natur seine hohe Stabilität verleiht: Lignin. Die Forschungsgruppe von Ingo Burger an der Empa in der Schweiz und der ETH in Zürich gingen mit ihrer Forschung der Frage nach, wie Holz noch mehr und noch besser im Bau genutzt werden könne. Eine Lösung dieser Frage käme vor allem dem Klimawandel zugute. Möglich wird die Verbesserung des Holzes durch eine „Delignifizierung“ und Verdichtung des Materials. Denn Holz besteht chemisch aus den drei Bestandteilen Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Das Lignin sorgt dafür, dass die langen Zellulosefibrillen im Holz stabilisiert werden und nicht knicken. Genau diesen Stoff entziehen die Forscher dem Holz allerdings. Was übrig bleibt? Weiße Zellulose, die sich im nassen Zustand in jede X-beliebige Form bringen lässt. Diese Verformbarkeit erreicht man durch Zugabe von Wasser, das sich in den Zellen verteilt, wo vorher das Lignin für Stabilität gesorgt hat. Wird das delignifizierte Holz anschließend wieder getrocknet, verhaken sich die Zellen ineinander und sorgen für eine erneut stabile Verbindung. Durch das Pressen danach wird das Material zusätzlich verdichtet und so laut der Empa rund dreimal steifer und zugfester als naturbelassenes Fichtenholz. Durch eine wasserabweisende Beschichtung könne außerdem verhindert werden, dass das Holzinnere wieder feucht wird und das Material somit die gewünschte Form beibehält. Da das Material das Potenzial für weitere Eigenschaftserweiterungen bietet, kommt es vor allem für Innovationen in der Automobilindustrie infrage.

Zuschüsse für altersgerechtes Umbauen verbraucht

Mithilfe des Zuschuss-Programms „Altersgerecht Umbauen“ der KfW werden altersgerechte Umbauvorhaben bezuschusst. Doch der Fördertopf für dieses Jahr ist bereits leer.

Bis zu 6.250 Euro können Bauherren für Umbauten zum altersgerechten Wohnen erhalten. Seit Jahren ist das Programm sehr nachgefragt. Dieses Jahr war die Nachfrage vielleicht etwas zu groß, denn: Die 75 Millionen Euro, die jährlich für das Programm bereitgestellt werden, sind zum wiederholten Mal vor Jahresende aufgebraucht. Für das letzte Quartal 2019 ist ohne Aufstockung der Bundesmittel keine Antragstellung mehr möglich. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BASGO) und der Verband Wohneigentum (VWE) fordern nun, das Zuschuss-Programm der KfW mit schrittweise steigenden, für das ganze Kalenderjahr ausreichenden Finanzmitteln auszustatten. „Die Mittel von 50 Millionen Euro haben 2016 nur bis zur Jahresmitte gereicht. Für 2017 haben wir bereits gefordert, mindestens 100 Millionen Euro bereitzustellen. Und diese Summe sollte in den nächsten fünf Jahren kontinuierlich angehoben werden“, erinnert Manfred Jost, Präsident des Verband Wohneigentums. Franz Müntefering, Vorsitzender der BAGSO, fordert: „Dieses erfolgreiche Zuschussprogramm, das den Bürgerinnen und Bürgern die Vorsorge erleichtert und hilft die Zahl schwerer Stürze im Haushalt zu vermindern, muss gut ausgestattet und lückenlos verstetigt werden.“ Eine Förderung von altersgerechten Umbaumaßnahmen erfolgte zum ersten Mal im Rahmen des „Konjunkturpakets I“ in den Jahren 2010 und 2011. 2014 wurde das Zuschussprogramm der KfW dann wieder aufgelegt. Gestartet wurde mit einem Fördertopf von 54 Millionen Euro, 2016 gab es lediglich 50 Millionen. 2017 wurde er auf 75 Millionen Euro aufgestockt, diese Höhe gilt bis 2022.

Top-Einbauelemente kommen nach Deutschland

Die Nummer eins im europäischen Markt für Einbauelemente für Dreh- und Schiebetüren kommt nach Deutschland und will den deutschen Markt erobern.

Rund 400.000 produzierte Elemente im Jahr und die besten Absatzzahlen auf dem gesamten europäischen Markt in ihrem Gebiet: Damit lässt sich die Scrigno GmbH in einem Satz zusammenfassen. Mit David Rodrigues Duarte als Geschäftsführer haben sie nun auch einen Standort in Deutschland. Das Unternehmen besteht bereits seit über 30 Jahren und kommt aus der Nähe von Rimini in Italien. Duarte will das Geschäft mit dem neuen Sitz in Frankfurt am Main auch in Deutschland etablieren. Mit einer ganzen Fülle von Schiebetür-Systemen und allerlei Zubehör und Kits für die Einbauelemente, prägt das Unternehmen seit vielen Jahren das gesamte Marktsegment.

Vor rund zwei Jahren beauftragte die Firma eine Unternehmensberatung damit, gezielt nach Persönlichkeiten zu suchen, die der Geschäftsführung in Deutschland mit ausreichend Know-how gewachsen ist. Der Name David Rodrigues Duarte fiel bei der Recherche immer wieder und letztendlich fiel die Wahl auf ihn. Duarte gehört zu einem kleinen Kreis von Experten, die das Thema Einbauelemente für Schiebetüren in Deutschland stark beeinflusst haben. Als Geschäftsführer von Wingburg, einem weiteren Spezialisten für Schiebetüren, hat er sein Unternehmen schnell an den Start gebracht und in wenigen Jahren am Markt platziert. Auch als Vertriebsleiter bei Eclisse, das wie Scrigno auch seine Wurzeln in Italien hat, hat er noch vor seiner Zeit bei Wingburg fachspezifische Erfahrungen gesammelt und das Marktsegment weiter geprägt. Als geschäftsführender Gesellschafter der Scrigno Deutschland GmbH freut sich Herr Duarte „auf die spannendste Funktion, die dieses stark wachsende Marktsegment im Moment zu bieten hat.“

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Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises verliehen

Stararchitekt Bjarke Ingels aus Dänemark kann sich über den Ehrenpreis des diesjährigen Deutschen Nachhaltigkeitspreises freuen. Er überzeugt mit besonderen Gebäuden.

„Bjarke Ingels ist der Architekt unserer Zeit“, schwärmt der Initiator der Auszeichnung, Stefan Schulze-Hausmann. „Er nimmt die wichtigsten globalen Strömungen auf und setzt sie in spektakuläre Bauwerke um, die dem Menschen dienen und neue Maßstäbe in puncto Nachhaltigkeit setzen.“

Laut der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis hat sich der Architekt der Bjarke Ingels Group in den letzten Jahren zu einem der erfolgreichsten Architekten entwickelt. Er zeige der Welt, „dass saubere Technologien grenzenlose Möglichkeiten bieten und soziale Verantwortung mit architektonischer Extravaganz zusammengehen kann.“ Zu seinen bekanntesten Werken gehört zum Beispiel das pyramidale Bauwerk VIA 57 im Westen Manhattans, das bereits 2016 den Internationalen Hochhaus Preis gewann. Auch ist er durch die Planung am „2 World Trade Center“ bekannt. Ein besonders nachhaltiges Werk ist das Müllheizkraftwerk „Copenhill“ in Kopenhagen: es wird in Zukunft nicht nur Großteile der Stadt mit Energie versorgen, sondern produziert auch noch mehr sauberes Wasser, als es verbraucht. Außerdem dient es durch die Gestaltung des Dachs als Skipiste und Naherholungsgebiet. Am 22. November 2019 wird der Architekt seinen Preis entgegennehmen.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur

Noch bis zum 7. Juni 2019 können sich Bauherren, Architekten oder Nutzer von Neu- und Bestandsbauten um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur bewerben. Dabei ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung keine Bedingung für eine Bewerbung.

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Handwerker haften nicht immer bei Mängeln

Treten Tage oder Wochen nach handwerklichen Leistungen Mängel am Werk auf, können die Handwerker nicht immer dafür haftbar gemacht werden. Worauf man achten muss.

Handwerksbetriebe müssen ein mangelfreies Werk herstellen, das sagt das Werkvertragsrecht. Laut dem Bauvertragsrecht muss ein Werk zusätzlich allgemein anerkannte Regeln der Technik erfüllen, um als mangelfrei zu gelten. Werden diese beiden Punkte eingehalten, gilt ein Werk also als mängelfrei. Oft geben schon die Hersteller bestimmte Vorgaben an, unter denen ein Werk hergestellt werden soll, damit es mängelfrei ist. Aber was passiert, wenn der Handwerker diese Vorgaben beachtet hat und nach Vollendung trotzdem Mängel am Werk auftreten? Das musste das Oberlandesgericht in Hamm in einem aktuellen Fall entscheiden.

Der Fall

So wurde ein Unternehmen damit beauftragt, diverse Bauleistungen für einen Kunden zu erledigen. Dazu gehörte auch die Abdichtung des Kellers. Beim Erfüllen dieses Auftrags befolgten die Auftragnehmer die Vorgaben des Herstellers zum Material und der Verarbeitung. Nachdem das Gebäude allerdings bezogen wurde, zeigte sich Feuchtigkeit im Kellergeschoss. Der Kunde machte Mängelrechte gegen den Unternehmer geltend, die Sache ging vor Gericht.

Das Urteil

Hier war die Entscheidung allerdings eindeutig: der Bauunternehmer habe die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten und ist professionell vorgegangen. Auch hat die Verklebung der Abdichtung den Herstellervorgaben entsprochen. Unter diesen Umständen wurden die Mängelansprüche vom Gericht zurückgewiesen.

An diesem Fall wird deutlich, was sowohl für alle Handwerker als auch Auftraggeber im Falle von Mängeln zu beachten ist: weist ein Werk einerseits die vereinbarte Beschaffenheit auf und entspricht andererseits den allgemein anerkannten Regeln der Technik (die oftmals den Herstellervorgaben entsprechen), gilt es als mängelfrei und der Kunde kann auch nach Auftreten von Mängeln keine Mängelrechte geltend machen. Alle Auftragnehmer sollten allerdings immer sichergehen, dass die Herstellervorgaben mindestens den allgemein anerkannten Regeln entsprechen. Liegen diese Vorgaben nämlich darunter und werden vom Handwerker befolgt, kann ein Werk als mangelhaft gelten und somit den Auftragnehmer haftbar machen.

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Tachopflicht für Handwerker: EU beweist Realitätssinn

Nach viel Gegenwind und langen Diskussionen hat das EU-Parlament neue Reglungen zur Tachographenpflicht beschlossen, die auch Ausnahmen für Handwerksbetriebe beinhalten.

„Die Europaabgeordneten haben Realitätssinn bewiesen“, kommentiert Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) die Entscheidung aus Brüssel. Die Entscheidung das Handwerk durch eine Eingrenzung auf grenzüberschreitenden Warentransport und den Werkverkehr weitestgehend von der Ausweitung der Tachographenpflicht auszunehmen, sei realistisch, da sie sich am Arbeitsalltag der Handwerksbetriebe orientiere, so Schwannecke.

Genaue Reglungen und Ausnahmen

Grundsätzlich hat das Plenum des Europäischen Parlaments den Bericht zum digitalen Paragraphen angenommen und sich nach monatelangen Diskussionen auf einen Kompromiss einigen können. Die Einbaupflicht wurde zwar auf Fahrzeuge zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen ausgeweitet, damit der steigende Speditionsverkehr in dieser Gewichtsklasse reguliert werden kann, die Pflicht beschränkt sich dabei aber auf den grenzüberschreitenden Warentransport. Innerhalb Deutschlands greift die Pflicht erst ab 3,5 Tonnen.

Außerdem wurde die sogenannte Handwerkerausnahme erweitert: Wenn die Fahrzeuge in einem Umkreis von 150 Kilometern vom Unternehmenssitz unterwegs sind, sind sie bis zu einem Gewicht von 7,5 Tonnen von der Tachographenpflicht ausgenommen. Für Handwerker, die mit leichten Nutzfahrzeugen unterwegs sind, gilt die Pflicht nicht. Transporter zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen, die für die Güterbeförderung im Werkverkehr eingesetzt werden, sind ausgenommen, wenn die Haupttätigkeit des Fahrers nicht im Fahren besteht. Die Ausnahme gilt auch, wenn Landesgrenzen überquert werden.

Positive Reaktionen

Besonders für Handwerker mit grenzüberschreitendem Verkehr sei es eine gute Entscheidung. Viele Dachdecker, Bäcker und Tischler in den Grenzgebieten zu Polen, Frankreich und den Niederlanden bieten ihre Produkte und Dienstleistungen auch jenseits der Grenze an. Dafür bräuchten sie pragmatische und realitätsnahe Lösungen, die den tatsächlichen Arbeitsalltag im Handwerk abbilden. „Vor diesem Hintergrund ist die heutige Entscheidung im Grundsatz positiv zu bewerten, insbesondere da weitere Verbesserungen auch für den heute schon betroffenen Gewichtsbereich über 3,5 Tonnen umgesetzt werden“, so der Generalsekretär des ZDH.

„Mit dem Beschluss konnten wir weitere Bürokratie und Belastungen fürs Bäckerhandwerk abwenden“, erklärt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. „Darüber hinaus bewerten wir positiv, dass eine generelle Ausdehnung der Handwerkerausnahme auf 150 Kilometer erreicht wurde, die auch für die Handwerksbäckereien gilt.“ Ein Problem sei aber trotzdem weiterhin die viel zu enge Auslegung der Handwerkerausnahme durch Behörden in mehreren Bundesländern.

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Achtung: Abwerbeversuche im Handwerk!

Immer öfter kommt es vor, dass Headhunter auch Mitarbeiter von Handwerksbetrieben kontaktieren. Für die vom Fachkräftemangel betroffenen Betriebe keine gute Nachricht.

Ein Fall in der Nähe von Mannheim sorgt für Aufsehen: Vor dem Gelände einer mittelständischen Schreinerei hat ein Headhunter die Mitarbeiter gefragt ob sie denn bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber noch zufrieden seien und ihnen seine Visitenkarte gegeben. Das Ganze fand offenbar im Auftrag eines großen deutschen Automobilherstellers statt. Vor dem Hintergrund des sowieso schon herrschenden Fachkräftemangels in den Handwerksbetrieben eine brisante Situation. Detlev Michalke von der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald ist erstaunt: „Für mich war das neu, ich habe zum ersten Mal gehört, dass Headhunter sich auch für Mitarbeiter von Handwerksbetrieben interessieren.“ Aber er ist auch alarmiert: „Die Betriebe haben bereits immense Probleme ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden, überall fehlen Auszubildende, Gesellen und Meister.“ Laut Bundesagentur für Arbeit sind zurzeit rund 150.000 Stellen im Handwerk offen. Der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) geht allerdings von einer viel größeren Dunkelziffer und bis zu 250.000 unbesetzten Stellen aus.

Mehrere Fälle von Abwerbeversuchen

Der Fall bei Mannheim ist dabei nicht der einzige. Vor einiger Zeit gab es Versuche Fleischerei-Fachverkäufer von Metzgereien abzuwerben, so berichtete die „Schwäbische Zeitung“. Bei einem Elektrobetrieb im Landkreis Freudenstadt legten sich die Headhunter mit fast krimineller Energie ins Zeug. So hatten die Personalberater unter dem Vorwand von der örtlichen Handwerkskammer zu kommen und mit den Angestellten über Qualifizierungsmaßnahmen sprechen zu wollen, die privaten Telefonnummern erfragt. Mitarbeiter, die mit der Weitergabe ihrer Daten einverstanden gewesen waren, wurden im Anschluss von Headhuntern kontaktiert, die sie für ein anderes Unternehmen abwerben wollten. Die zuständige Handwerkskammer Reutlingen hatte dabei rein gar nichts damit zu tun.

Rechtliche Grenzen

Johan-Michel Menke, Fachanwalt für Arbeitsrecht, stellt klar, dass ein Abwerben von Mitarbeitern auf normalen Weg aber nicht verboten sei. Dennoch gebe es Grenzen, die einzuhalten seien. „Unternehmen dürfen Mitarbeiter der Konkurrenz nur abwerben, wenn sie sie auch wirklich einstellen wollen und nicht nur, um die Konkurrenz zu schwächen“, sagte Menke gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Auch Mitarbeiter dazu zu bewegen Vertragsbruch zu begehen, indem sie beispielsweise ohne Grund fristlos oder unter Nichtbeachtung der Kündigungsfrist kündigen, sei nicht zulässig. „Unzulässig ist darüber hinaus das störende Eindringen in die Geschäftssphäre des Konkurrenten zum Zwecke des Abwerbens seiner Mitarbeiter“, ergänzt Menke. Das Betreten des Betriebsgeländes ist Headhuntern also nicht gestattet.

Erhalten Angestellte einen einmaligen Anruf von Headhuntern, stelle dies noch keinen unlauteren Eingriff in den Gewerbebetrieb dar, erläutert der Rechtsexperte. Wiederholen sich die Anrufe bei mehreren Mitarbeitern, sieht die rechtliche Lage hingegen anders aus: Wird ein Betrieb Opfer solcher unlauteren Abwerbeversuche, kann er Unterlassungsansprüche gegenüber dem Abwerbenden geltend machen. Wegen „sittenwidriger Schädigung oder wegen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb“ kommen so unter Umständen sogar Schadensersatzansprüche in Betracht.

Rechte der Arbeitnehmer

Mitarbeiter haben generell natürlich die Möglichkeit, sich mit Vertretern anderer Firmen über ein potenzielles neues Arbeitsverhältnis auszutauschen, macht Niclas Volkening, Unternehmensjurist bei der Reply AG in Gütersloh, die Rechte von Arbeitnehmern deutlich. Finden solche Gespräche aber in der Arbeitszeit statt, gibt es natürlich Grenzen. Angestellte sind nicht verpflichtet ein erstmaliges Gespräch direkt zu beenden. Ein Austausch der Kontaktdaten, damit ein Gespräch außerhalb der Arbeitszeiten stattfinden kann, ist immer möglich. „Vertragswidrig würde sich der Arbeitnehmer hingegen verhalten, wenn er während der Arbeitszeit ein längeres oder gar mehrere Gespräche mit dem potenziellen neuen Arbeitgeber führt“, so Volkening. „Dies würde einerseits einen Verstoß gegen seine Arbeitspflicht während der Arbeitszeit, andererseits aber gegebenenfalls auch gegen seine Treuepflicht darstellen.“

Detlef Michalke von der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald sieht Abwerbeversuche nicht nur als Kompliment für die Mitarbeiter, sondern auch als Weckruf für die betroffenen Unternehmen. Diese müssten sich die Mitarbeiterzufriedenheit genau anschauen und gegebenenfalls mehr für diese tun. Nicht nur das Gehalt, sondern auch der Wohlfühlfaktor und eine gute Arbeitsatmosphäre seien auschlaggebend um Mitarbeiter zu binden und zu halten. „Denn zufriedene Mitarbeiter wollen nicht weg.“