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Kamine und Holzöfen – wirklich so umweltfreundlich?

Etwa elf Millionen Brennholzöfen sind in Deutschlands Haushalten im Einsatz. Optisch ein Hingucker und vermeintlich gut für die Umwelt. Letzteres ist aber umstritten.

Wegen der fehlenden fossilen Energieträger beim Heizen mit dem Kamin oder Ofen behaupten viele Nutzer, es sei umweltfreundlicher und weniger schädlich für die Gesundheit. Das ZDF-Magazin Frontal 21 räumt mit diesem Fakt allerdings auf. Dabei werden die Brennholzöfen sogar als „unterschätzte Dreckschleudern“ bezeichnet. So erzeugt Holz beim Verbrennen deutlich mehr Feinstaub als die Alternativen Öl und Gas und auch mehr als der Straßenverkehr. Viele Schornsteinfeger sehen diese Einschätzung allerdings als falsch und finden, dass bei der Messung dahinter viele andere wichtige Faktoren an Ausstößen von Autos nicht beachtet wurden. Als Beispiel wurden als Experiment Luft-Messstationen an einer großen Hauptstraße in Berlin und an einem Berliner Stadtrand installiert. Die gemessenen Feinstaub-Werte lagen erschreckend nah beieinander, dafür verantwortlich sei der Feinstaub aus Holzöfen.

Feinstaub-Partikel und die Gesundheit

Die durch die Holzverbrennung freigesetzten Staubpartikel seien laut einem Forscher in dem Beitrag besonders gesundheitsschädlich für den Menschen: sie dringen bis tief in die Lunge ein und kommen im Holzrauch viel stärker vor als zum Beispiel in Dieselabgasen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits vor Jahren einen Grenzwert für das Auftreten von kleinen Feinstaub-Partikeln mit 2,5 Mikrometer Größe aufgestellt. Bei flächendeckenden Messungen in Deutschland lag der Messwert aber deutlich über diesem Grenzwert.

Zu wenige Vorgaben und Regeln für Öfen

Im Beitrag kam dadurch zunehmend die Frage auf, wieso niemand diese Werte und deren Ursprung kontrolliert. Bei Dieselfahrzeugen zum Beispiel gibt es einen Partikelfilter, bei Holzöfen sind sie aber keine Pflicht. Auch wird an Kaminen und Öfen vom Schornsteinfeger nichts direkt gemessen. Laut einem Schornsteinfeger, der für das Magazin im Einsatz war, gibt es keine immissionsschutzrechtlichen Messungen. Es wird stattdessen anhand von verschiedenen Parametern erfragt, was ein Ofen ausstößt. Diese Werte werden vom Hersteller erhoben und angegeben, vorher wurden sie von einer Prüfstelle bestätigt.

Doch auch hier folgt erneut eine Ernüchterung für die Zuschauer: Mitarbeiter des Deutschen Biomasseforschungszentrums haben herausgefunden, dass bei diesen Tests durch die Hersteller und Prüfstellen oftmals die Feinstaubemissionen die Grenzwerte überstiegen haben, obwohl die gemessenen Öfen diesen Wert eigentlich nicht übersteigen dürfen. Dass solche Öfen trotzdem zugelassen sind und sich in täglicher Benutzung befinden, wird im Beitrag folgendermaßen erläutert: So würden die Hersteller die Prüfungen selbst beauftragen und bezahlen und notfalls könne sie sogar wiederholt werden. Außerdem geben die Forscher in dem Beitrag an, dass die Prüfungen darauf abzielen würden, in einer Laborsituation möglichst optimale Bedingungen für die zu messenden Werte zu schaffen.

Der ganze Beitrag geht mit dem Ziel voraus, Fehleinschätzungen bezüglich der momentanen Debatte um saubere Luft aufzuklären und auch andere wichtige Verursacher aufzuzeigen. Kritisiert wird dabei, dass in dieser Debatte der Straßenverkehr und vor allem Dieselfahrzeuge in den Fokus rücken, dass dieser Fokus allerdings häufig zu engstirnig gesetzt wird.

Der Beitrag vom 5. März kann kostenlos in der ZDF Mediathek angeschaut werden. https://www.zdf.de/politik/frontal-21/feinstaub-aus-brennholzoefen-100.html

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Wo lohnt sich der Meistertitel?

Das Vergleichsportal Gehalt.de hat in zwölf ausgewählten Handwerksberufen ermittelt, wo der Meistertitel am meisten Geld bringt. Dabei ergaben sich große Unterschiede.

Berechnet wurden immer die Bruttojahresgehälter mit Ausbildung, die entsprechenden Gehälter mit Meistertitel und ebenfalls der Gehaltssprung zwischen diesen beiden Werten. In der Differenz in Euro belegten Elektroniker den ersten Platz: 36.043 Euro brutto verdient der Elektroniker mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Jahr, mit einem Meistertitel steigt dieser Verdienst auf 44.800 Euro. Die Angabe der Gehälter ist hier in Medianwerten und ist demnach nicht mit dem Durchschnittswert zu verwechseln. Das bedeutet in diesem Beispiel, dass die Hälfte aller Elektriker mit Meistertitel mindestens 44.800 Euro oder mehr verdient. Die andere Hälfte der Befragten verdient also weniger. Die Differenz im Gehalt eines Elektrikers mit beziehungsweise ohne Meistertitel beträgt also 8.756 Euro und entspricht einem Unterschied von 24,3 Prozent.

Goldschmiede und Fleischer ganz vorne

Prozentual gesehen machen die Goldschmiede den größten Gehaltssprung: mit einem Meistertitel verdient man in diesem Beruf 33.651 Euro, mit bloß einer abgeschlossenen Ausbildung nur etwa 27.000 Euro. Goldschmied-Meister erhalten mit 6.812 Euro also 25,3 Prozent mehr Geld als Gesellen. Eine Differenz über 20 Prozent erreichen auch die Fleischer. Am schlechtesten schnitten die Friseure ab. Sowohl die niedrigsten Gehälter als auch die niedrigsten Gehaltssprünge ließen sich hier verzeichnen: mit einem Bruttojahresgehalt von 21.813 Euro für Gesellen und 24.191 Euro für Meister-Friseure ergibt das eine kleine Differenz von nicht einmal elf Prozent. Die anderen untersuchten Handwerke sind beispielsweise Lackierer, Maurer, Dachdecker und Bäcker. Die Differenzen liegen hier häufig zwischen 14 und 20 Prozent. „Der erworbene Meistertitel macht sich nicht immer im Gehalt signifikant bemerkbar. Er ermöglicht aber die Gründung eines eigenen Unternehmens, was sich in der aktuellen Situation des starken Fachkräftemangels besonders auszahlt“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

Nach Angaben des Vergleichsportals wurden 11.474 Vergütungsangaben von Beschäftigten in Deutschland aus den vergangenen zwölf Monaten in den zwölf Handwerksberufen analysiert.

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Neue Bauinnovationen auf den Knauf Werktagen 2019

Zum 6. Mal und in sechs Städten veranstaltete die Knauf-Gruppe ihre Werktage. Neue Produkte und Services rund um die Bautechnik und Gestaltung wurden hier präsentiert.

Bereits zum 6. Mal hat Knauf seine eigenen Werktage veranstaltet, anstatt auf der BAU-Messe in München auszustellen und sich die Halle mit anderen Teilnehmern zu teilen. Von Mitte Januar bis Mitte Februar bereiste die Knauf-Gruppe mit ihren 12 Partnerunternehmen Berlin, Mainz, Stuttgart, Düsseldorf, Nürnberg und Hannover.

Unter dem Motto „Erleben. Vernetzen. Bauen.“ boten die Ausstellungen allen Fachhandwerkern, Baustofffachhändlern und Architekten viel zu sehen. Dabei konnten sie sich über den aktuellen Stand und neue Techniken in jedem Bereich des Baus informieren. Ob Boden, Wand, Fassade oder Dach – diverse neue Techniken feierten hier ihre Premiere vor interessierten Fachbesuchern. Über 100 anschauliche Modelle zum selbst mit anpacken zeigten neue Lösungen für allerlei Vorgänge auf der Baustelle. Durch die interaktiven Konstruktionen konnten die Fachbesucher außerdem darüber mitdiskutieren, wie sich dadurch die wachsenden Anforderungen an zum Beispiel den Brandschutz, die Akustik und die Energieeffizienz durch die Innovationen realisieren lassen.

Fokus Digital

Im Fokus standen vor allem digitale Lösungen, die am Bau immer wichtiger werden. Hier wurden viele bereits funktionierende Anwendungen vorgestellt. Dazu zählt zum Beispiel die Planung mit dem BIM-Plugin, das das digitale Entwerfen aller Komponenten an einem Bauprojekt vereinfachen und sowohl in 2D als auch 3D anzeigen kann. Auch gibt es einige Apps, die wie „Container +“ beispielsweise das Materialmanagement übernehmen und Übersichten zu benötigten Ressourcen anzeigen können.

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Hilfe gegen Unfälle auf dem Bau

Vor allem die Arbeit am Abbruch und Rückbau birgt viele Gefahren. Eine neue „Branchenregel“ gibt jetzt einen Überblick über die wichtigsten Arbeitsschutzbedingungen.

Ob Arbeit unter viel Lärm, in luftigen Höhen oder mit gesundheitsgefährdenden Stoffen – das potenzielle Verletzungs- und Gesundheitsrisiko auf Baustellen zum Abbruch und Rückbau ist hoch. Die neue Branchenregel 101-603 „Branche Abbruch und Rückbau“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hilft jetzt dabei, wichtige Arbeitsschutzbedingungen einzuhalten und Risiken zu minimieren. Dabei wendet sich das Dokument an die Unternehmer selbst, die für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Angestellten verantwortlich sind. „Das Besondere an dieser Branchenregel ist, dass sie ganz unterschiedliche Gefährdungen bündelt und Hinweise gibt, wie sie vermieden werden können. So hilft sie, Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Gesundheitsschäden zu verhindern“, meint Günter Eisenbrandt, Mitarbeiter des zuständigen Sachgebiets im Fachbereich Bauwesen der DGUV.

Fachleute der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) und weiterer Berufsgenossenschaften (BG Verkehr, BGHM und BGHW) haben intensiv mit Fachleuten aus der Abbruchbranche zusammengearbeitet, um besonders praxisbezogene Regeln aufzustellen und fachkundige Erfahrungen einzubringen. Auch viele Vertreter der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände haben aktiv an der Branchenregel gearbeitet. „Damit ist sichergestellt, dass die in der Branchenregel enthaltenen Beispiele und Lösungsvorschläge sich bereits in der Praxis bewährt haben“, sagt Eisenbrandt. Das Dokument kann kostenlos auf der Seite der DGUV heruntergeladen werden.

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Wer braucht in Deutschland eine Arbeitserlaubnis?

Um Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erhalten, müssen ausländische Nicht-EU-Bürger sich erst um eine Arbeitserlaubnis bemühen. Doch wie hoch stehen die Chancen?

Ein neues Einwanderungsgesetz, das die Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland regeln soll, ist bereits in der Mache. Doch bis das in Kraft tritt, gelten bereits eindeutige Gesetze für ausländische Arbeitskräfte. Somit müssen sich Nicht-EU-Bürger zunächst um eine Arbeitserlaubnis in Deutschland kümmern, bevor sie sich um einen Job bewerben dürfen. Streben sie einen Job in einem Berufsfeld mit Fachkräftemangel und Engpässen an, sind die Chancen relativ hoch, dass sie eine erhalten. Welche Berufe dazu gehören, zeigt eine Positivliste der Bundesagentur für Arbeit. Auf ihr sind Berufe wie die Altenpflege, der Rohrleitungsbau und die Mechatronik aufgelistet. Alle EU-Bürger, die nach Deutschland einwandern, haben uneingeschränkten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt.

Ausländische Studenten und Azubis

Etwas einfacher als ausländische Einwanderer, die in Deutschland arbeiten wollen, haben es ausländische Studenten. Diese haben nach ihrem Examen 18 Monate Zeit, sich einen Arbeitsplatz zu suchen. Haben sie dies in der Zeit geschafft, erhalten sie automatisch eine Arbeitserlaubnis. Etwas anders sieht es bei den Azubis aus: sie bekommen unter gleichen Bedingungen nur 12 Monate nach Abschluss ihrer betrieblichen Ausbildung Zeit, eine Stelle zu bekommen. Akademiker aus dem Ausland, die einen anerkannten Hochschulabschluss haben, können seit August 2012 die sogenannte „Blaue Karte EU“ erhalten. Sie gilt gleichzeitig als Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass derjenige einen Arbeitsvertrag mit mindestens 46.000 Euro Bruttojahresgehalt und die Zustimmung der Zentralen Auslandsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit bekommen hat.

Was Arbeitgeber tun müssen

Damit der Antragsteller seine Erlaubnis bekommt, muss der zukünftige Arbeitgeber der Bundesagentur für Arbeit gleichzeitig detaillierte Auskunft über den Lohn, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen geben. So wird zum einen gewährleistet, dass die beruflichen Qualifikationen des ausländischen Interessenten mit denen in Deutschland vergleichbar sind, zum anderen werden somit gleiche Beschäftigungsbedingungen angestrebt. Ob ein Betrieb die ausgeschrieben Stelle mit einem ausländischen Staatsbürger besetzen darf, kann er vorher über eine Vorabprüfung durch die ZAV erfahren.

Arbeitserlaubnis für Flüchtlinge

Für Flüchtlinge gelten etwas besondere Umstände: um eine Arbeitserlaubnis beantragen zu dürfen, müssen sie bereits mindestens drei Monate als registrierter Asylbewerber in Deutschland leben. Oft dauert es für diese aber viel länger, eine Stelle zu finden. Das liegt sowohl an den mangelnden Deutschkenntnissen, sowie an der ungewissen Zeit, die ein Flüchtling noch in Deutschland verbringen wird. Davor schrecken die Arbeitgeber oftmals zurück. Auch prüft die Agentur für Arbeit vorher, ob es einen mindestens gleichwertigen Bewerber aus Deutschland beziehungsweise dem EU-Ausland gibt. Ist das nicht der Fall, erhält der Asylbewerber eine Arbeitserlaubnis für den Job.

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Flüchtlinge finden Arbeit im Handwerk

Etwa jeder zehnte Lehrling im Bereich der Handwerkskammer Düsseldorf stammt aus einem der acht Hauptasylherkunftsländer. Die Integration schreitet gut voran.

Insgesamt 617 Lehrlinge aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien haben zum Stichtag des 31. Oktobers eine Lehre im Gebiet um Rhein und Ruhr aufgenommen. Das sind 199 Lehrlinge mehr als im Jahr davor und stellt laut der Handwerkskammer Düsseldorf somit einen Zuwachs von 50 Prozent dar.

„Das regionale Handwerk hat hier in den vergangenen drei Jahren einen kaum zu überschätzenden gesellschaftlichen Beitrag geleistet. Viele Betriebsinhaber setzen sich mit großem persönlichen Einsatz für die Ausbildung junger Menschen mit Fluchthintergrund ein“, erläutert der Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, Dr. Axel Fuhrmann. Er betont, dass diese positive Entwicklung daher rühren dürfte, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen der Agentur für Arbeit, Integrationshelfern und der Kammer selbst besteht. Bei ihren Zwischen- und Abschlussprüfungen werden die ausländischen Azubis außerdem mit zusätzlichem Deutsch- und Nachhilfeunterricht unterstützt.

Ebenfalls eine große Rolle spielen das „Programm der Willkommenslotsen“ und das Programm „Passgenaue Besetzung“. Beides wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Die Programme helfen Unternehmen jeder Größe bei der Suche nach qualifizierten Arbeitnehmern unter den Flüchtlingen. Inzwischen kommen rund 170 Willkommenslotsen auf knapp 110 Kammern und anderen Organisationen der Wirtschaft.

Hohe Erfolgsquoten – vor allem im Handwerk

Im ganzen Jahr 2018 haben die Willkommenslotsen rund 9.650 Geflüchteten zu einer Beschäftigungsmöglichkeit verholfen. Darunter zählen nicht nur Ausbildungen, sondern auch beispielweise Praktika und Einstiegsqualifikationen. Insgesamt 2.900 junge Flüchtlinge unter allen Vermittelten gingen in eine Ausbildung. Den Handwerksorganisationen stehen insgesamt etwa 70 Willkommenslotsen zur Seite. Von den zehn erfolgreichsten Maßnahmeträgern kommen sechs Organisationen allein aus dem Handwerk. Die Quote der ins Handwerk vermittelten Flüchtlinge ist hoch: bereits im ersten Halbjahr 2018 gab es 2.215 Vermittlungen in diese Branche – das entspricht einem Anteil von 50 Prozent aller Vermittlungen in dem Halbjahr.

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Darum wird Bauen immer teurer

Der Bauindustrieverband NRW hat nach einer Analyse vier Faktoren aufgestellt, die ihrer Meinung nach zu der Baukostensteigerung führen.

Der Grund für die Analyse und die Veröffentlichung dieser vier Gründe liegt in einer anhaltenden Diskussion um die Steigerung der Baukosten im Hoch-, Tief- und Straßenbau: „Die Diskussion um steigende Baupreise nimmt ja mittlerweile in Teilen groteske Züge an. Der Vorwurf, die Bauunternehmen würden sich jetzt die Taschen voll machen, ist geradezu lachhaft und entbehrt jedweder Realität“, meint Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen. Im Wesentlichen ergibt die Analyse folgende vier Faktoren beziehungsweise Ursachen:

  1. Immens anziehende Preise für Rohstoffe und Materialien
  2. Ein weit überdurchschnittlicher Tarifabschluss für 2018
  3. Die Auslastung von Nachunternehmern und Handwerkern
  4. Moderat ansteigende Unternehmenseinnahmen

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien die Kosten für Wohngebäude im vierten Quartal 2018 um rund 4,4 Prozent, die von Bürogebäuden um 3,9 und die von gewerblichen Betriebsgebäuden um etwa 4,5 Prozent gestiegen. So hoch war der Anstieg schon lange nicht mehr.

Engpässe bei der Lieferung

Der anziehende Preis für Rohstoffe ist vor allem mit massiven Lieferengpässen bei Kies, Sand und somit Beton zu erklären. In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage nach Bauleistungen so extrem gestiegen, dass sich Rohstofflieferanten zunächst auf die hohe Nachfrage ausrichten und somit expandieren mussten. Allein Betonstahl kostete im Jahresdurchschnitt 2018 rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der zweite Faktor lässt sich folgendermaßen begründen: Zum Mai 2018 gab es im Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe eine Steigerung von 5,7 Prozent. Bei einem Anteil der Lohn- und Gehaltskosten von 30 Prozent am Bau macht sich diese Entwicklung auch an den Baupreisen bemerkbar.

Die Nachfrage bestimmt den Preis

Durch die hohe Nachfrage im Bau sind kleinere Bauunternehmen und Handwerksbetriebe zunehmend ausgelastet und können die Auslastung nur schwer umverteilen. Treten diese Betriebe dann als Nachunternehmen auf, bestimmen sie die aktuellen Preise. „Die Bauindustrie befindet sich derzeit im Schraubstock zwischen Kritik an steigenden Preisen unserer Auftraggeber und zunehmend selbstbewussten Nachunternehmern“, so die Hauptgeschäftsführerin der nordrhein-westfälischen Bauindustrie, Prof. Beate Wiemann.

„Die Bauindustrie macht sich auf Kosten der Kunden die Taschen voll“

Im Raum steht oft die öffentliche Ansicht, die Bauunternehmen würden sich zugunsten ihrer Kunden bereichern. Betrachtet man allerdings die Umsatzrendite vor Steuern von 3,5 Prozent im Jahr 2016, bekommt man einen ganz anderen Eindruck. Zudem liegt die Preisentwicklung im Bauhauptgewerbe seit mehr als 20 Jahren unterhalb der Entwicklung der Verbraucherpreise.

Prof. Beate Wiemann dazu: „Die Bauindustrie bleibt der ‚Rendite-Zwerg‘ der deutschen Industrie. Für die Renditen, die wir bei Hochkonjunktur erzielen, würden andere wie der Maschinenbau und die Automobilindustrie morgens nicht einmal aufstehen.

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Der Mindestlohn im Baugewerbe steigt

Jeder Arbeitnehmer in der Baubranche hat seit 1997 Anspruch auf den Mindestlohn. Dieser liegt immer über der gesetzlichen Lohnuntergrenze. Jetzt wird er erhöht.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und die beiden Arbeitgeberverbände der Baubranche haben sich geeinigt: Seit dem 1. März 2019 ist der Mindestlohn für Arbeitnehmer im Baugewerbe höher. Da der Mindestlohn im Bau als allgemeinverbindlich gilt, profitieren auch aus dem Ausland entsandte Arbeiter, Hilfsarbeiter und Arbeitnehmer eines tarifgebundenen Unternehmens von der Erhöhung. Nicht betroffen von der Erhöhung sind jugendliche Arbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung und Reinigungskräfte, die für die Reinigungsarbeiten der Räumlichkeiten der Betriebe zuständig sind.

Je nach Tätigkeit variiert der Mindestlohn

Der Mindestlohn im Baugewerbe ist nicht für jeden gleich. Er wird nach zwei Lohngruppen gestaffelt. Dabei bilden Lohngruppe 1 alle Beschäftigten, die einfache Bau- und Montagearbeiten oder einfache Wartungs- und Pflegearbeiten an Baumaschinen und -geräten ausführen. Für diese Tätigkeiten ist keine Regelqualifikation, sondern lediglich die Anweisung einer gelernten Fachkraft nötig. Die Lohngruppe 2 wiederum umfasst alle Beschäftigten, die fachlich begrenzte Arbeiten nach Anweisung ausüben. Dazu zählen zum Beispiel angelernte Spezialtätigkeiten. Die Lohngruppe 2 besteht so allerdings nur in den zehn westdeutschen Bundesländern und in Berlin.

Die Zahlen

Die letzte Änderung des Mindestlohns in dieser Branche liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Seit dem 1. Januar 2018 liegt er in Lohngruppe 1 sowohl in West- als auch in Ostdeutschland bei 11,75 Euro – ab dem 1. März erhöht er sich auf 12,20 Euro. In der Lohngruppe 2 beträgt er seit Anfang 2018 in Westdeutschland noch 14,95 Euro und in Berlin 14,80 Euro. Diese Beträge erhöhen sich im Westen aber jetzt auf 15,20 Euro, beziehungsweise auf 15,05 Euro in Berlin. Diese Steigerungen entsprechen laut den Arbeitgebern einer jährlichen Erhöhung von rund vier Prozent.

Zuschläge oder Zulagen, die für zusätzliche Leistungen des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber berechnet werden, dürfen nicht auf den Mindestlohn angerechnet werden. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden.

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Das effizienteste Gewächshaus aller Zeiten

Das niederländische Unternehmen Technokas hat ein neuartiges Gewächshaus entwickelt, das nicht nur Energie spart, sondern auch gewinnt. Der Schlüssel dazu: Plexiglas.

Das Betreiben eines Gewächshauses kostet den Besitzer viel Geld: gleichmäßige Temperaturen, gleichmäßige Lichtverhältnisse und genügend Sonnenschutz. Das alles braucht die Pflanzen und das alles kostet Geld. Der Ursprung der Idee zu einem neuen Gewächshaus, das diese Probleme löst, lag bei einem der drei Geschäftsführer des Unternehmens, Hans van Tilborgh. Er sah das Problem, dass nicht alle Sonnenstrahlen, die durch das Glas eines Gewächshauses einfallen, auch von den Pflanzen zum Wachsen gebraucht werden. „Unsere Ausgangsfrage war daher: Wie können wir die überschüssige Sonnenenergie, die ein Treibhaus aufnimmt und nicht verbraucht, nutzbar machen?“, so van Tilborgh. Er arbeitet bereits seit 26 Jahren in der Branche und entwickelt Gewächshausprojekte, Klimaanlagen und Geschäftsräume in den Niederlanden.

Die Lösung

Das entwickelte Gewächshaus hat ein Glasdach, welches die überflüssigen Sonnenstrahlen bündelt und in Energie umwandelt. Dennoch lässt es genügend Strahlen ins Innere, welches die Pflanzen benötigen. Die Idee für das so genannte „Daylight Greenhouse“ stand. Dann ging es an die zehn Jahre lange Entwicklungsphase. Entwickelt wurde dabei das entscheidende Hauptglied der Konstruktion: ein spezielles Dach. Dieses Dach „besteht aus Paneelen mit einer gut isolierenden Doppelverglasung mit darin eingeschlossenen Fresnellinsen. Diese konzentrieren das einfallende Sonnenlicht auf einen Kollektor, der auf zwei Achsen dem Lauf der Sonne folgt und wiederum das Licht in Wärmeenergie umwandelt“, so die Beschreibung des Herstellers. „Das Konzept funktioniert nur im Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten“, erläutert van Tilborgh. „Die gewonnene Energie kann dann entweder zum Heizen bei Nacht oder für den Winter gespeichert werden.“

Herausforderungen in der Entwicklung

Als das Konzept mit den gebrauchten Linsen feststand, ging es an die Suche nach einem geeigneten Material für diese Linsen. Nach viele Tests mit verschiedenen Materialien bewiesen dann aber die Linsen des Kunststoffspezialisten Pekago Covering Technology aus Plexiglas Solar ihr Können. „Wir haben uns für Plexiglas entschieden, weil es über eine hohe Lichtdurchlässigkeit verfügt und – besonders im Vergleich zu anderen Kunststoffen – langfristig stabil ist“, erläutert van Tilborgh.

Die Praxis überzeugt

Seit 2014 bewährt sich in den Niederlanden das erste Daylight Greenhouse, das rund 4.000 Quadratmeter groß ist. Es wird vom Betreiber Teer Laak Orchids genutzt, dieser ist begeistert: „Wir sparen dabei nun 40 Prozent bei den Heizkosten und etwa die Hälfte der Energie, die wir noch benötigen, produziert das Gewächshaus selbst“. Wegen des ausgeglichenen Klimas verliert der Betreibe außerdem merklich weniger Pflanzen an Pilze und Krankheiten. Diese Gründe führten dazu, dass Teer Laak Orchids im Sommer letzten Jahres auch noch ein zweites der Gewächshäuser in Betrieb nahm, welches mehr als zehnmal so groß ist, wie das erste.

Außer für Orchideen eigne sich das Daylight Greenhouse auch für andere Pflanzen, die nicht allzu viel Sonnenlicht brauchen und gut im Schatten gedeihen. „Das trifft beispielsweise auf viele Topfpflanzen zu. Gemüse wie Tomaten oder Gurken hingegen benötigen in der Regel so viel Sonnenlicht wie möglich“, so der Gewächshausbauer van Tilborgh.

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Klimatische Gebäudesanierung: Bundesregierung muss liefern

Die Deutsche Umwelthilfe fordert nach der voraussichtlichen Absage der Gebäudekommission einen neuen Maßnahmenplan zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudebereich.

Um die Klimaziele gemäß Klimaschutzplan bis 2050 erreichen zu können, müssen die CO2-Emissionen im Gebäudesektor von 119 Millionen Tonnen (Stand 2014) auf 70 bis 72 Millionen Tonnen sinken. Dies sei laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) mit den aktuell verabschiedeten Maßnahmen allerdings nicht erreichbar. Aufgrund langer Investitionszyklen müssten daher bereits heute die richtigen Weichen gestellt werden.

Laut Medienberichten möchte die Bundesregierung allerdings die Kommission „Zukunft der Gebäude“ absagen. Nach der langwierigen Diskussion über ihre Einsetzung kritisiert die Deutsche Umwelthilfe diese Entscheidung, da ein Maßnahmenpakt zur Erreichung der Klimaziele notwendig bleibe. Dieser müsse bis spätestens Juli 2019 als Beitrag für das geplante Klimaschutzgesetz vorliegen, da aufgrund langer Investitionszyklen schon früh die richtigen Weichen gestellt werden müssten.

Taten statt Worte

Dazu erklärt Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie und Klimaschutz der DUH: „Uns kommt es auf wirksamen Klimaschutz im Gebäudebereich an. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung Taten angekündigt, geliefert hat sie bis heute nicht. Die Absage der Gebäudekommission ist ein weiterer Tiefpunkt für den Klimaschutz beim Bauen und Wohnen. Dabei drängt die Zeit: Die Bundesregierung und ihre Experten müssen jetzt ihre Hausaufgaben machen und ein konkretes Maßnahmenpaket zur Erreichung der Klimaziele im Gebäudebereich vorlegen.“

Ein Maßnahmenplan für den Gebäudebereich müsse zu einer CO2-Einsparung von mindestens 50 Millionen Tonnen bis 2030 führen. Zu dieser Einsparung hat sich die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzplan verpflichtet. Notwendig sei dafür ein anspruchsvoller Niedrigstenergiestandard für Neubauten, eine deutliche Erhöhung der Sanierungsrate für Bestandsgebäude und eine Wärmeversorgung auf der Basis von erneuerbaren Energien. Da der bereits vorliegende Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes weit hinter diesen Forderungen zurückbleibt, müsse dieser deutlich nachgebessert oder gar ganz zurückgezogen werden.

Aktueller Entwurf unzureichend

Dazu Paula Brandmeyer, Stellvertretende Bereichsleiterin Energie und Klimaschutz der DUH: „Dieser aktuelle Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes hilft nicht, er rückt die Erreichung der Klimaziele in weitere Ferne. Im Entwurf möchte die Bundesregierung den Energiestandard auf dem heutigen Niveau festschreiben. Das ist Irrsinn: Um die Klimaziele zu erreichen, müssten damit auch die Neubauten von heute vor 2050 noch einmal saniert werden. Das kostet zusätzlich und belastet Eigentümer und Mieter.“

Im aktuellen Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes solle lediglich das geltende Anforderungsniveau der Energieeinsparverordnung (ENEV)-2016 fortgeschrieben werden. Dagegen fordert die DUH eine Anhebung auf den KfW-40 Standard. Zudem müssen Schlupflöcher und bürokratische Regelungen aus dem Gesetzentwurf gestrichen werden. Doch nicht nur der Neubau benötige bessere energetische Standards. Um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, sei vor allem eine höhere Sanierungsrate von mindestens zwei Prozent bei Bestandsgebäuden von Nöten. Diese liege aktuell bei unter einem Prozent. Entscheidend sei aber auch die Sanierungstiefe – wenn saniert wird, dann richtig und auf einen guten Standard.