DGNB zertifiziert bald nachhaltige Gebäude und Quartiere

In einer laufenden Kommentierungsphase testet die DGNB, wie gut ihre Änderungen zu Nachhaltigkeitsbestimmungen für ein Zertifikat bei allen Interessierten ankommen.

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat sowohl das System für Gebäude im Betrieb als auch die Kriterienkataloge für Quartiersnutzungen optimiert und letztere zu einem Dokument zusammengeführt. Bei den Änderungen handelt es sich um Optimierungen des Zertifizierungssystems. Zu beiden Weiterentwicklungen hat die DGNB eine Kommentierungsphase gestartet. Bis Ende August haben nun alle interessierten Bauherren, Planer und Auditoren die Möglichkeit, ihre Anmerkungen zu den Kriterien abzugeben. Die Kommentierung ist auf der Website der DGNB möglich. Auch ist eine Anmeldung von Pilotprojekten zur Anwendung der neuen Systemvarianten möglich. Die ersten Zertifikate sollen bereits im Oktober in München verliehen werden. „Bei Weiterentwicklungen geht es nicht allein um die Anpassung an aktuelle Normen und Regularien“, erklärt Johannes Kreißig, Geschäftsführer der DGNB. „Wir nehmen neue, relevante Themen mit auf, lassen aber auch Kriterien weg, bei denen sich die Umsetzung von Anforderungen bereits umfassend in der Praxis etabliert hat.“ Zudem wird mit jeder neuen Version auch die praktische Anwendbarkeit der Zertifizierungssysteme verbessert. Das Zertifikat stärkt die Investitionssicherheit, macht eine Vergleichbarkeit zwischen einzelnen Gebäuden möglich und kann im Bereich des Portfoliomanagements eingesetzt werden.

Die Neuerungen

Das übergeordnete Ziel der Zertifizierung von Gebäuden im Betrieb ist es, diesen den Weg zur Klimaneutralität zu ebnen. Dafür wurde der gebäudeindividuelle Klimaschutzfahrplan erstellt. Außerdem ist das DGNB-System von nun an nutzungsabhängig bei allen Gebäudetypen anwendbar. Vorher gab es nur eigenständige Varianten für Büro- und Verwaltungsgebäude sowie für Shoppingcenter. Bei der Zertifizierung von Quartieren wurden die für Stadtquartiere, Businessquartiere, Event Areale, Gewerbegebiete und Industriestandorte gültigen Kriterienkataloge zusammengeführt. Je nach Nutzungstyp sind rund 30 Kriterien bei der Zertifizierung zu berücksichtigen. Außerdem gibt es nun eine andere Gewichtung der fünf Themenfelder in der Zertifizierung. Dabei fließen insbesondere die Kriterien der Prozessqualität künftig stärker in die Bewertung mit ein. „Damit wird nochmals mehr betont, dass das DGNB-System für Quartiere ein integrales Planungstool ist, mit dem die Nachhaltigkeitsqualität eines Projekts über den gesamten Lebenszyklus optimiert werden kann“, erklärt Herr Kreißig. Auch die Wichtigkeit des Themas Partizipation in der Projektentwicklung wird gestärkt.

An einem Pilotprojekt werden die Kriterien parallel zur Kommentierungsmöglichkeit getestet. Auch hier besteht für Interessierte die Möglichkeit, sich mit eigenen Projekten zu beteiligen. Erste Auszeichnungen wird die DGNB voraussichtlich bereits im Rahmen der Expo Real vom 7. bis 9.Oktober 2019 in München vergeben.

Intelligente Gebäudetechnik spart Energie für die Zukunft

In einem neuen Interview mit dem CEO von Siemens Smart Infrastructure wird klar, welche wichtige Rolle intelligente Gebäude schon bald bei uns spielen werden.

Wenn die eigenen vier Wände mit einem reden und eigenständig Wärme- und Lichtregulierung betreiben und somit den Energieverbrauch eines Gebäudes drastisch senken – so kann die Zukunft mit intelligenter Gebäudetechnik aussehen. Aber auch, wenn Gebäude intelligent sind und ihre Umgebung verstehen, kommunizieren und lernen, muss immer noch der Mensch im Mittelpunkt stehen. Diese Ansicht vertritt Cedric Neike, CEO von Siemens Smart Infrastructure in einem neuen Interview. Schon 2020 werden voraussichtlich 50 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein, 20 Prozent davon werden zur Gebäudetechnik gehören. Das bedeutet eine große Datenmenge, die für intelligente Gebäude aufbereitet und auch analysiert werden muss. Laut Neike werden aktuell rund 50 Prozent der Energie in einem Gebäude verschwendet. Nach einer aktuellen Studie sei es jedoch möglich, den Energieverbrauch und somit den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes durch Digitalisierung und Vernetzung um satte 80 Prozent zu senken. Längst gibt es für Gebäude nicht mehr nur die Möglichkeit, Energie zu verbrauchen, sondern auch, welche zu erzeugen. Neike bezeichnet diese Art von Gebäude als intelligente „Prosumenten“, die sich mit der Außenwelt austauschen.

Häuser als Energiebatterien nutzen

In Kanada erprobt Siemens aktuell bereits die Nutzung intelligenter Gebäudetechniken in Gebieten, in denen Elektroheizungen weit verbreitet sind. Dort wird überschüssige Wärmeenergie in Boilern direkt in den Häusern wie in einer Batterie gespeichert und kommt dann in Zeiten zum Einsatz, in denen die Gebäude weniger Strom erzeugen. Dabei werden mehrere Gebäude zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen und beziehen ihre Energie aus diesen Speichern. Laut Aussagen von Neike würde das den Bau von ein bis zwei Kohlekraftwerken überflüssig machen. Im Rahmen eines anderen Projekts hat Siemens gemeinsam mit dem amerikanischen Start-up LO3 ein Inselnetz in New York aufgebaut, in dem Gebäudeeigentümer überschüssige Solarkapazitäten an ihre Nachbarn verkaufen können. Neike freut sich über die so entstandene Gemeinschaft von Stromhändlern. Eines Tages, so die Hoffnung des Siemens-Managers, werden Gebäude „intelligent genug sein, um die Bedürfnisse der Nutzer vorauszusehen“. Sie wären damit ein Bestandteil von Lebensräumen, die sowohl dem Menschen als auch der Umwelt zu Gute kommen.

Digitalisierung im Straßenbau: BIM in der Bauindustrie

Building Information Modelling wird in der Bausparte immer wichtiger und ist ein hilfreiches Tool auf dem Bau. Ein „Allheilmittel“ ist es laut Bauindustrie allerdings nicht.

Der Bau von Verkehrswegen wird fast ausschließlich von öffentlichen Bauherren in Auftrag gegeben. Die Hälfte aller öffentlichen Bauaufträge entfiel auf den Bau von Straßen, die Tendenz ist steigend. Das entspricht etwa 13,7 Milliarden Euro, die in öffentlichen Bauaufträgen in den Bau von Straßen fließen. Seit Jahrzehnten staut sich hier ein Investitionsbedarf. In einem aktuellen Positionspapier bezieht die Bauindustrie Stellung zum Building Information Modelling (BIM) im Straßenbau. Hohe Kosten für Energie und Rohstoffe und dazu noch die knappe Personalsituation – das birgt viele Herausforderungen, die vor allem durch die fortschreitende Digitalisierung und ihre Errungenschaften gemeistert werden können. „Wir leisten hier einen konstruktiven Beitrag zur Digitalisierung einer der wichtigsten Bausparten Deutschlands“, betont der Vorsitzende des Lenkungsausschusses Digitalisierung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Klaus Pacher. „Wir freuen uns auf den weiteren Dialog mit unseren Partnern im Straßenbau.“

Digitalisierung löst nicht alle Probleme

„Wir dürfen allerdings nicht dem Irrglauben verfallen, dass BIM oder Digitalisierung ein Allheilmittel sind, mit denen die vorgenannten Herausforderungen nun problemlos gelöst werden können!“, betont Dr. Walter Fleischer, Vorsitzender der HDB-Bundesfachabteilung Straßenbau. Es sei sicherlich ein sehr gutes Werkzeug, das Verbesserungen und Vorteile bringe. „Jedoch sind unverändert auch künftig Fachleute mit Ingenieurverstand sowie kaufmännischer und juristischer Erfahrung unverzichtbar“, so Dr. Fleischer weiter. Das Positionspapier zeigt auf, „wie digitale Daten im Straßenbau schon jetzt zum Vorteil aller Seiten eingesetzt werden können und welche Voraussetzungen hierfür erfüllt sein müssen“. Die Bauindustrie fordert alle am Straßenbau Beteiligten, also Bauausführende, Planer, Bauherren und Behörden, dazu auf, selbst Hand anzulegen und die Digitalisierung in der Bauindustrie fortschreiten zu lassen. Das Positionspapier „BIM im Straßenbau“ wurde durch ein Redaktionsteam von BIM-Experten der Straßenbauindustrie im Arbeitskreis Digitalisiertes Bauen (AKDB) des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie erstellt. Alle BIM-Broschüren stehen auf www.bauindustrie.de/publikationen kostenlos zum Download zur Verfügung.

Weniger Baugenehmigungen 2019

Die Bauindustrie ist enttäuscht von der Halbjahresbilanz: Die Wohnungsbaugenehmigungen sind in den ersten sechs Monaten 2019 um etwa 2,3 Prozent zurückgegangen.

Wurden im ersten Halbjahr 2018 noch 86.110 Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern genehmigt, liegt diese Zahl im ersten Halbjahr 2019 bei enttäuschenden 83.400. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 Prozent. Insgesamt sei der Neu- und Umbau von 164.640 Wohnungen genehmigt worden, also 3.850 Wohnungen beziehungsweise 2,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. „Wir sind von der Halbjahresbilanz ziemlich enttäuscht. Insbesondere der Rückgang im Mehrfamilienhausbau sollte – mit Blick auf die anhaltende Wohnungsknappheit in unseren Großstädten – für die Politik ein Warnruf sein. Die anhaltende Diskussion über Enteignung und Mietendeckel, könnte dazu führen, dass sich der Rückgang der Genehmigungen auch im zweiten Halbjahr fortsetzen wird. Denn damit kurbelt man den Wohnungsbau nicht an. Hiermit erreicht man nur, dass sich Investoren zurückziehen.“ Mit diesen Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen.

Babiel kritisiert den Weg, den die Politik geht, um „an den Symptomen herumzudoktern“. Es müsste dagegen zusätzliches Bauland ausgewiesen, innerstädtische Gebäude aufgestockt und Planungskapazitäten in den Kommunalverwaltungen erhöht werden, um für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Auch der Wohnungsbau müsse schneller und effizienter gestaltet werden. Deshalb setzt der Verband auf einen Durchbruch beim seriellen und modularen Wohnungsbau – Stichwort Typengenehmigung und Partnerschaftsmodelle. „Damit verkürzt der serielle Wohnungsbau nicht nur die Planungs- und Bauzeit, sondern kann auch zur Kostensenkung beitragen und die Bauverwaltungen entlasten“, so Babiel.

Absturzsicherung wird oft nicht ernst genommen

Durch Absturzsicherheitssysteme können schwerwiegende Unfälle auf dem Bau vermieden werden. Aus Kostengründen missachten Betriebe aber häufig wichtige Vorgaben.

In der Statistik über Todesfälle auf Baustellen findet sich Deutschland auf einem der hinteren Plätze wieder. Dafür hat das Land aber die insgesamt fünfthöchste Verletzungsrate – trotz sehr guter Arbeitsschutzgesetze. Die Anwendung und Durchführung dieser Maßnahmen lässt allerdings noch zu wünschen übrig.

Wichtige Parameter bei der Arbeitssicherheit sind die Einhaltung vorgegebener Spezifikationen, die richtige Risikobewertung, die Qualität der Schutzausrüstung und die richtige Schulung zur Entwicklung der Nutzerkompetenz. Von den Unternehmen selbst wird die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften erwartet. Laut der HSA-Krankheits- und Todesfallstatistik für die Jahre 2016 und 2017 hat Deutschland mit 0,97 Todesfällen pro 100.000 Arbeitnehmer eine der niedrigsten Todesfallraten in der EU, allerdings erlitten 2.091 von 100.000 Arbeitnehmern mehr als vier Verletzungen in diesem Zeitraum. Das setzt Deutschland auf den fünften Platz in dieser Statistik. Und auch eine Umfrage bestätigt, dass Arbeitnehmer ihren Arbeitsschutz als nicht ernst genug genommen ansehen: Rund 18 Prozent gaben an, dass ihre Arbeit ihre Gesundheit und Sicherheit gefährden würde. Nur zwei Drittel berichten außerdem von regelmäßigen Sicherheits- und Gesundheitskontrollen.

Fehlende Maßstäbe und Kosteneinsparungen

Selbst, wenn sich Unternehmen von einem Planer bezüglich persönlicher Schutzausrüstung (PSA) beraten lassen, lassen sie oftmals vom Planer empfohlene Herstellerprodukte aus oder ändern diese, um Kosten zu sparen. Das erhöht das Gefahrenrisiko für die Arbeitnehmer. Hersteller werden nicht selten dazu aufgefordert, die Eignung von Befestigungen und Systemen zu klären. Diese Zusammenarbeit ist das A und O, wenn es um die Sicherung des Arbeitsplatzes geht, denn jede Fehlinformation kann schwerwiegende Folgen haben. Wenn diese Absturzsicherung fachkundig konzipiert, hochwertig und streng geprüft wird, bleiben die Sicherheitseinrichtungen für vier Jahre funktionstüchtig. Hat man ein Teil allerdings gegen ein anderes, günstigeres ausgetauscht, birgt das das Risiko von Verschleiß, Produktionsfehlern oder dem schlichten Versagen. Aber auch eine professionelle Montage ist unverzichtbar für die garantierte Sicherheit. Die Sicherheitsausrüstung kann nur dann Unfälle vermeiden, wenn sie auch richtig eingesetzt wird. Eine gründliche vorangegangene Schulung ist also genau so wichtig, wie die Ausrüstung selbst. Außerdem sollte immer ein Rettungsplan für den Fall der Fälle entwickelt werden.

Mitarbeiterwohnungen nicht mehr steuerlich belastend

Das Baugewerbe freut sich über eine aktuelle Entscheidung des Bundeskabinetts: Die verbilligte Vermietung von Wohnungen durch Arbeitgeber wird steuerlich erleichtert.

Wohnen Mitarbeiter in einer Mietwohnung, die durch ihren Arbeitgeber als Mitarbeiterwohnung zur Verfügung gestellt wird, müssen diese einen geldwerten Vorteil versteuern. Der Wert dieses Vorteils wird nach dem ortsüblichen Mietwert bemessen. Wenn die verbilligte Miete allerdings mindestens zwei Drittel dieser ortsüblichen Miethöhe beträgt, dann sollen die Mieter diesen Vorteil ab sofort nicht mehr versteuern müssen. Ziel ist es, das Angebot an bezahlbaren Wohnungen zu vergrößern. Für den Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa, schafft dieser Beschluss genau die richtigen Anreize: „Die Initiative der Bundesregierung, das Mitarbeiterwohnen zu erleichtern, ist richtig und wird mit dazu beitragen, die angespannte Lage am Wohnungsmarkt zu entlasten. Es sind genau solche Investitionsanreize, die wir in der derzeitigen Lage brauchen, um den Wohnungsbau wirksam voranzubringen.“ So habe es in den 70er Jahren noch etwa 450.000 solcher Werkswohnungen gegeben, heute habe sich die private Wirtschaft aus dem Feld fast vollständig zurückgezogen. „Dabei können Mitarbeiterwohnungen ein Modell sein, das gerade Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen hilft, angemessenen Wohnraum zu finden.“ Außerdem biete das Angebot solcher Mitarbeiterwohnungen den weiteren Vorteil, dass Unternehmen diese auf betriebseigenen Grundstücken bauen lassen können, die nicht mehr für den Geschäftsbetrieb erforderlich sind. Das behebe das zentrale Problem des mangelnden Bauplatzes. „Neben der Möglichkeit, sich so als attraktiver Arbeitgeber auf dem hart umkämpften Markt um qualifizierte Fachkräfte zu positionieren, sind die Mitarbeiterwohnungen also einer von vielen wirksamen Hebeln, um der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt Herr zu werden.“

Bildung in Handwerk und Industrie wird modern

NRWs Handwerk, Industrie und die Landesregierung haben einen Pakt unterzeichnet. Eine Investitionsoffensive soll 40 Millionen Euro jährliche Förderung möglich machen.

Die führenden Köpfe des Handwerks und der Industrie Nordrhein-Westfalens haben den „Modernisierungspakt Berufliche Bildung“ unterzeichnet. Zu den entscheidenden Personen gehören Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Andreas Ehlert als Präsident von Handwerk.NRW, der Präsident des Unternehmerverbands Handwerk NRW Hans-Joachim Hering, Hans Hund als Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages und Thomas Meyer von der IHK NRW. Mit dem Modernisierungspakt starten sie in eine Investitionsoffensive an den überbetrieblichen Bildungsstätten (UBS) von Handwerk und Industrie.

Fördermittel werden künftig verdoppelt

Den Kern des Modernisierungspaktes bildet die Verdoppelung der Fördermittel des Landes auf acht Millionen Euro. Ziel ist es, die 120 beruflichen Bildungszentren in den nächsten zehn Jahren zu modernisieren und fit für die Zukunft zu machen. Zusammen mit den Eigenmitteln von Handwerk und Industrie und auch der Bundesförderung können so jährlich etwa 40 Millionen Euro investiert werden. Der erste große Investitionsschub soll bis 2022 passieren. „Wenn wir von der Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung reden, muss diese Gleichwertigkeit auch in politischem Engagement und Investitionsbereitschaft sichtbar sein“, so Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). „Um junge Menschen für die duale Ausbildung zu begeistern und sie bestmöglich zu qualifizieren, brauchen wir moderne Bildungszentren und Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik.“ Gleichzeitig wurde bei der Vereinbarung beschlossen, das Förderverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen, wenn irgendwo zügig Geld gebraucht wird.

Attraktive Bildungszentren

„Mit der öffentlich verantworteten Bildungsinfrastruktur in Trägerschaft des Handwerks leistet unser Wirtschaftsbereich einen sehr wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag für Bildung und Qualifizierung im Land“, betont Hans Hund. „Der Modernisierungspakt ist ein Schlüsselanliegen von uns, um die Bildungszentren attraktiv zu halten und zukunftsfähig zu machen.“ Das ganze Vorhaben sei außerdem sehr eng an den Bedürfnissen der Betriebe organisiert. „Die vielfältige Bildungsinfrastruktur in Trägerschaft von Kammern, Innungen, Kreishandwerkerschaften und Verbänden spiegelt die Bereitschaft der Wirtschaft wider, eigene Angelegenheiten in eigener Verantwortung zu regeln“, so Andreas Ehlert. Die enge Orientierung an den Anforderungen der Betriebe und des Arbeitsmarktes können besser gewährleistet werden, wenn die Bildungseinrichtungen von der Wirtschaft selbst getragen werden, und nicht vom Staat. Es sei deshalb ein starkes Signal, dass die Landesregierung diese Strukturen durch die Erhöhung der Mittel unterstützt. „Mit dem Modernisierungspakt wird eine zentrale Empfehlung der Enquetekommission zur Zukunft von Handwerk und Mittelstand in Nordrhein-Westfalen umgesetzt.“

Dachbegrünung: Über Artenschutz und Klimaanpassung

Wie die Begrünung von Dächern in Zukunft nicht nur den Klimaschutz sichern kann, sondern auch Artenschutz leistet, wird im Herbst in sieben Städten ein großes Thema.

In Würzburg, Saarbrücken, Ingelheim, Erfurt, Wuppertal, Bremen und auf der Insel Mainau ist es ab dem 19. September wieder so weit: Der Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) geht wieder auf Deutschlandtour und stellt in diesen sieben Städten das Thema der Dachbegrünung vor. Bis zum 26. November laufen die Halbtagsseminare, die in Kooperation mit den jeweiligen Städten stattfinden. Das große Thema: Begrünte Dächer und ihre Rolle beim Artenschutz, der Überflutungsvorsorge und der Klimaanpassung. Auch die Förderung und Festschreibung der grünen Dächer werden thematisiert. Die Teilnehmer können sich auf zahlreiche Vorträge zu allgemeinen Planungsgrundlagen von Dachabdichtung, Wärmedämmung und Dachbegrünung und zu speziellen Fachthemen wie zum Beispiel Biodiversität, Solar Gründächer und Regenwasserbewirtschaftung freuen. Unterstützt werden die Foren durch Unternehmen der Branche wie Brauder, FDT, Foamglas, Optigrün, Triflex und Zinco. Auch einige Fachvorträge werden von diesen Unternehmen beigetragen. Außerdem sind die Landesverbände der Landschaftsarchitekten sowie Garten-, Landschafts- und Sportplatzbauern große Kooperationspartner.

Eine passende Fachausstellung der BuGG-Mitglieder sorgt dafür, dass kein Besucher gelangweilt nach Hause geht. Die Veranstaltungen sind allesamt kostenfrei und richten sich an interessierte Planer, Städtevertreter, Unternehmer und Ausführungsbetriebe. Die Anmeldung erfolgt über die Website des Bundesverbandes GebäudeGrün. Auf dem Veranstaltungsplan lässt sich eine Liste mit den sieben Städten finden, in denen die Foren stattfinden werden. Interessierte können sich dann für die gewünschte Veranstaltung anmelden.

Recycling auf der Baustelle: es wird!

Gerade auf Baustellen fällt viel Müll an. Mit dem Ergebnis eines aktuellen Projektes zeigt sich aber: bald könnte der erste Kunststoff-Abfall vom Bau recycelt werden.

Bauschaum findet gerade in der Herstellung von Fertighäusern seine Verwendung. Dabei ist die Verwendung nicht gerade umweltfreundlich: Denn der Stoff wird in Dosen gelagert und wenn sie leer sind, sind sie nicht mehr zu gebrauchen – bisher jedenfalls. Im kürzlich abgeschlossenen Pilotprojekt vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) und der Spezialist für stoffliches Recycling PDR wurde deutlich, dass sich Bauschaumdosen durchaus effektiv recyclen lassen. Vom Gesetzgeber werden die Dosen als gefährlicher Abfall eingestuft, die Bilanz des 5-monatigen Versuchs in der Praxis hingegen zeigen neben dem möglichen Recycling sogar auf, dass das Recyclen von PU-Schaumdosen auch noch großflächig organisierbar ist, sodass eine überregionale Baustellenentsorgung möglich wird. Der wichtigste Punkt im Prozess ist dabei die Planung der Entsorgung im Vorfeld. Von insgesamt 5 Fertighausherstellern hat die BDF-Projektgruppe die Rückgabe der PU-Schaumdosen getestet. Verschiedenste Sammelmethode wurden dabei ausprobiert und bewertet. Zur richtigen Planung der Entsorgung gehört vor allem, dass man die Dosen nicht im Baumischcontainer loswerden kann, sondern die Entsorgung bis hin zum Recycling planen muss. Zwar gestaltete sich die Rücknahme der leeren PU-Schaumdosen anfangs etwas schwierig, durch gute Organisation ließ sich später die Anzahl allerdings um das Anderthalbfache zum gesamten Vorjahr steigern.

Der Weg von der Baustelle zur Wiederverwertung

Damit die Kartonabholung von Bauschaum-Dosen reibungslos und kostenlos erfolgen kann, müssen diese zur fachgerechten Entsorgung von der Baustelle zurück zum Werk transportiert werden. Der PDR kann die Dosen dann kostenlos abholen und sie nach Oberfranken transportieren, wo sich die zuständige Recyclinganlage befindet. Dabei kommen auf die Fertighaushersteller keine zusätzlichen Kosten zu. Noch einfacher ist die Rückgabe im Falle der Nutzung eines Baustellenlieferservices: Diese nehmen die leeren Dosen auch kostenlos direkt von der Baustelle wieder mit. 2.900 Rückgabestellen der PDR ermöglichen außerdem eine leichte Rückgabe des Abfalls. Auf der Website der PDR lässt sich die nächste dieser Rückgabestellen finden. Mit der alternativen Entsorgung, die das Projekt möglich gemacht hat, können in Zukunft wichtige und wertvolle Ressourcen geschont werden. Kurze Wege sind dabei das A und O, am besten sollten die leeren Dosen auf direktem Wege von der Baustelle zum Recycling ins Werk transportiert werden. Das spart nicht nur unnötige Lagerkosten, sondern auch weitere Ressourcen.

Gemischte Reaktionen auf Empfehlungen der Baulandkommission

Die Baulandkommission hat nach neun Monaten Arbeit einen Entwurf mit vielen Empfehlungen zur nachhaltigen Baulandmobilisierung und Bodenpolitik vorgelegt.

Die Reaktionen auf das 13-seitige Dokument fallen sehr gemischt aus. Anfang Juli veröffentlichte die Expertenkommission „Nachhaltige Baulandmobilisierung und Bodenpolitik“ (Baulandkommission) ihre Handlungsempfehlungen für den nachhaltigen Bau und die Bodenpolitik. Kernpunkte der empfohlenen Maßnahmen sind vor allem:

– die Umsetzungsunterstützung durch die Länder, um öffentliche Grundstücke von Ländern und Kommunen vergünstigt zur Verfügung stellen zu können,
– die Anpassung der Haushaltsordnungen auf allen öffentlichen Ebenen,
– die Einführung einer Experimentierklausel zum Lärmschutz und Anpassung des Geruchsemissionenschutzes,
– die Erleichterung der Genehmigung begünstigter Vorhaben im Außenbereich bei Umnutzung von landwirtschaftlichen Gebäuden in Wohnungen
– und verstärktes finanzielles Engagement des Bundes und der Länder bei zum Beispiel der Reaktivierung von Branchen und Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer.

Marco Wanderwitz (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, möchte die empfohlenen Maßnahmen schnell umsetzen und die Umsetzung an folgenden Punkten anpacken: „Die Umsetzung der Handlungsempfehlungen bedarf des weiteren Engagements der Akteure der Planungs-, Bau- und Bodenpolitik. Wir müssen umgehend die notwendigen Personalkapazitäten in Planungsämtern und weiteren relevanten Einrichtungen auf allen föderalen Ebenen schaffen. Für die anstehenden Aufgaben brauchen wir dauerhaft fachlich gut ausgebildeten Nachwuchs. Die Baulandkommission hat sich für eine Ausbildungs- und Einstellungsoffensive für technische Berufe ausgesprochen. Das ist ein deutliches Signal. Mir ist wichtig, dem fachlichen Nachwuchs verlässliche Perspektiven zu geben und gemeinsam mit den künftigen Nutzern unserer Städte die Zukunft zu gestalten.“

Skepsis vieler Verbände

Anders als Wanderwitz sehen viele Verbände die vorgelegten Vorschläge skeptisch. Der Präsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), Jürgen Michael Schick, sieht neben den guten Ansätzen einen falsch gelegten Fokus: „So zielen die Lösungsempfehlungen vor allem darauf, den Kommunen weitere Möglichkeiten zur Regulierung des Grundstücksmarktes zu verschaffen. Aber nur mit Instrumenten der Marktwirtschaft lässt sich die Wohnungsknappheit beheben. Diese Berücksichtigung fand leider nicht statt.“ Laut IVD müsse das Angebot an bebaubaren Grundstücken deutlich und spürbar ausgeweitet werden, um die Engpässe beim Wohnungsbau zu beseitigen. Auch der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) warnt vor den geplanten Maßnahmen: „Solange Bauland Mangelware bleibt, weil die Kommunen zu wenig und zu langsam Bauland ausweisen, wird es keine gerechte Bodenpolitik und keine Lösung des Wohnraummangels geben. Akuter Wohnraummangel muss daher zu einer Planungspflicht der Kommunen führen. Wer stattdessen zusätzliche dirigistische Eingriffe der Kommunen empfiehlt, verwechselt Ursache und Wirkung und setzt damit falsche Schwerpunkte“.

Handwerk begrüßt Empfehlungen

Anders als die genannten Verbände, reagieren die Zentralverbände des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Deutschen Baugewerbes (ZDB) größtenteils positiv auf die Empfehlungen: „Das heute beschlossene Empfehlungspaket von Bund und Ländern ist als wichtiger Beitrag zu begrüßen, um die Bereitstellung von Wohnbauland zu beschleunigen. Zusammen mit der in der letzten Woche verabschiedeten Sonderabschreibungsmöglichkeit für Mietwohnungsbau ist durch die Empfehlungen der Baulandkommission ein weiterer wichtiger Schritt zur Entspannung des Wohnungsbaumarktes erfolgt. Bund, Länder und Kommunen sind nun aufgefordert, schnellstens alle notwendigen gesetzgeberischen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen“, meint Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH.