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ZEBRA sorgt für sichere Brücken

Im Rahmen des Forschungsprojekts ZEBRA sollen Radarsensoren und Algorithmen kleinste Schäden an Bauwerken frühzeitig aufspüren und so für weniger (Bau-) Staus sorgen.

Angesichts des Einsturzes der Autobahnbrücke in Genua im August vergangenen Jahres, werden auch in Deutschland Zustand und verbleibende Lebensdauer von Brücken immer wieder öffentlich diskutiert. hForscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickeln jetzt ein neuartiges Konzept zur Zustandsbestimmung von Brücken, um kleinste Veränderungen im Brückenbauwerk frühzeitig aufzuspüren.

Der stark zunehmende Auto- und Lastwagenverkehr belastet die oft in die Jahre gekommenen Bauwerke in einem Ausmaß, das nicht abzusehen war, als sie errichtet wurden. Da Schäden an der Bausubstanz im frühen Stadium auch mit sehr großem Aufwand kaum zu erkennen sind, bleibt der tatsächliche innere Zustand einer Brücke oftmals lange unbestimmt. Sanierungsmaßnahmen werden häufig erst verspätet und unter Zeitdruck ergriffen. Um dem Problem abzuhelfen, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KIT an einer Methode, den wahren Zustand von Brücken rechtzeitig zu ermitteln, ohne in die Bausubstanz eingreifen zu müssen.

Mit ZEBRA Staus vermeiden

Die Aufgabe ist gewaltig: Im Bundesfernstraßennetz nehmen knapp 40.000 Brücken eine Gesamtlänge von etwa 2100 Kilometern ein. Sie überqueren Straßen, Bahntrassen, Gewässer oder Täler und sind ein unersetzbarer Teil der kritischen Verkehrsinfrastruktur. Werden sie beschädigt, so sind Staus, Umwege und damit Belastungen für Umwelt und Wirtschaft die unmittelbare Folge. Eine einfache Methode, ihre Verfassung zu ermitteln, könnte somit sehr viel Geld sparen. Dr. Sina Keller vom Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung des KIT will das Problem im Projekt ZEBBRA mit Radarsensorik in Kombination mit intelligenten Algorithmen angehen.

„Wenn Fahrzeuge auf eine Brücke fahren, versetzen sie diese in Schwingung. Diese Bewegungen zeichnen wir mit hochpräzisen Radargeräten auf“, erklärt die Mathematikerin. Speziell entwickelte Computer-Algorithmen analysieren die Radarsignale, die das Schwingungsverhalten der Brücke wiedergeben. Diese werden unter anderem in Kooperation mit Forscherinnen und Forschern des Instituts für Automation und angewandte Informatik des KIT erarbeitet.

Punktgenaue Schadensüberwachung

„Gibt es dabei Abweichungen von der Norm der Schwingungen der jeweiligen Brücke, ist das ein Hinweis auf Schäden an der Bausubstanz“, so Keller. Mit der Methode lassen sich Veränderungen sehr genau lokalisieren, sodass sich auch Schäden in einzelnen Brückensegmenten wie Pfeilern oder Fahrbahnabschnitten aufspüren lassen.

Neben der neuen Methode wollen die Forscherinnen und Forscher auch leicht zu transportierendes Instrumentarium einsetzen. So können alle Messungen mobil vor Ort im laufenden Betrieb und ohne Verkehrsbehinderungen ablaufen. Es müssen auch keine Sensoren fest installiert werden. Das Prüfverfahren, so die Forscher, werde sich durch geringe Kosten und eine leichte Bedienbarkeit auszeichnen sowie Verkehrs- und Baubehörden die Möglichkeit geben, Sanierungsmaßnahmen längerfristiger und gezielter zu planen.

Das Projekt ZEBBRA läuft bis 2021 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 1,5 Millionen Euro gefördert. Weitere Partner des Projekts sind die ci-Tec GmbH, Karlsruhe, und das Büro für Strukturmechanik, Coburg.

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Nutzen dezentraler Wohnraumlüftung wissenschaftlich bestätigt

Zwei voneinander unabhängige Studien haben nun das Vorurteil widerlegt, dass Pendellüfter für keinen oder nur geringen Austausch verbrauchter Raumluft sorgen würden.

Kontrollierte Wohnraumlüftung ist im Zuge des energieeffizienten Bauens und Sanierens aus der modernen Bauplanung kaum noch wegzudenken. Und so gibt es mittlerweile eine Vielfalt an Konzepten und Produkten zur Wohnraumlüftung. Gelten zentrale Lüftungsanlagen für viele immer noch als das „Non Plus Ultra“ in der Wohnraumlüftung, so sind inzwischen die dezentralen Systeme auf dem Vormarsch und machen mit bemerkenswerten Absatzsteigerungen auf sich aufmerksam: Für den Zeitraum von 2014 bis 2018 geht beispielsweise die Interessengemeinschaft dezentrale Wohnraumlüftung (IGDWL) von einem Wachstum von mehr als 100 Prozent aus – und das bei einer aktuellen Absatzmenge von über 200.000 Stück allein in Deutschland.

Die positive Entwicklung könnte in naher Zukunft noch weitaus stärker ausfallen als derzeitige Prognosen annehmen. Denn aktuell wurde erstmals genauer untersucht, wie sich die alternierende Betriebsweise von dezentralen Push-Pull-Konzepten auf die Effizienz des Luftaustausches im Raum auswirkt: Zwei voneinander unabhängige wissenschaftliche Studien haben dabei das Vorurteil, dass Pendellüfter für keinen oder nur geringen Austausch der verbrauchten Raumluft sorgen würden, widerlegt: Zum einen die Doktorarbeit von Dr. Alexander Merzkirch an der Universität Luxemburg, zum anderen das Forschungsprojekt EwWalt der RWTH Aachen mit der Unterstützung des ITG Dresden.

Ideales Raumklima

Beide Studien kommen zu dem Schluss, dass die raumweise- und raumübergreifende Lüftung mit dezentralen Pendellüftungssystemen für eine nahezu ideale Durchmischung von alter und neuer Luft sorgt.

Dr. Alexander Merzkirch führte im Rahmen seiner Dissertation „Energieeffizienz, Nutzerkomfort und Kostenanalyse von Lüftungsanlagen in Wohngebäuden: Feldtests von neuen Anlagen und Vorstellung bedarfsgeführter Prototypen“ (Shaker Verlag, 2015) an der Uni Luxemburg eine breit angelegte Analyse zur Funktion von Lüftungsgeräten durch. Dabei ermittelte er in einer Musterwohnung Lüftungseffizienzwerte von dezentralen Push-Pull-Systemen. Der Idealwert einer Mischlüftung von 0,5 wurde mit 0,45 dabei fast erreicht. Dies bedeutet, dass 50 Prozent der verbrauchten Luft bei geringer Strömungsgeschwindigkeit durch frische, sauerstoffhaltige Außenluft ausgetauscht wird und sich die Schadstoffkonzentration im Raum verdünnt. Durch diese Art der Mischlüftung wird durch die relativ niedrigen Luftgeschwindigkeiten für eine hohe gefühlte und tatsächliche Behaglichkeit gesorgt, da Temperaturen nur langsam ansteigen oder abfallen und Zugerscheinungen vermieden werden können.

Ergebnis bestätigt

Kurz danach wurde die Lüftungseffizienz von dezentralen Geräte ein zweites Mal überprüft, diesmal von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Dirk Müller. Das Forschungsvorhaben EwWalt unter dem Titel „Energetische Bewertung dezentraler Einrichtungen für die kontrollierte Wohnraumlüftung mit alternierender Betriebsweise“ forschte ab 2016 zwei Jahre lang zur Lüftungseffizienz und Beeinflussung der Wärmerückgewinnung bei Pendellüftern. Gefördert durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wurden numerische Strömungssimulationen durchgeführt. Dabei wurden u.a. die Lüftungsqualität und die Verweildauer der Luft im Raum gemessen. Das Forschungsprojekt EwWalt kam schließlich zu ähnlichen Ergebnissen wie zuvor Dr. Merzkirch. Außerdem zeigte sich, dass die Positionierung der Push-Pull-Systeme in einer Wohneinheit kaum Einfluss auf die Lüftungseffizienz aufweist und somit die Raumluft eine annähernd perfekte Durchmischung erfährt.

Auf die „Lüftungseffizienz“ kommt es an

Die Lüftungseffizienz beschreibt bei gegebenem Luftvolumenstrom die Wirksamkeit der Lüftung im Raum. Sie ist eine charakteristische Kenngröße, wie die verbrauchte Raumluft sowie Schadstoffe aus dem Raum abgeführt werden. Einen großen Einfluss auf die Lüftungseffizienz hat dabei die Luftführung im Raum. Wichtig ist, dass die frische Zuluft nicht sogleich wieder nach draußen abgeführt wird („Kurzschlusslüftung“), sondern die verbrauchte Raumluft nach und nach ersetzt.

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Gefährliches Radon – Strahlenschutz ab 2019 verpflichtend

Radioaktives Radon entweicht problemlos in die Atemluft. Ein neues Strahlenschutzgesetz verunsichert nun viele Bauherren, denn auch der Keller muss geschützt werden.

„Die Debatte über das radioaktive Edelgas Radon verunsichert zurzeit viele Bauherren und Hauseigentümer“, beobachtet Dipl.-Ing. Marc Ellinger, Sachverständiger beim Verband Privater Bauherren (VPB) und Leiter des VPB-Regionalbüros Freiburg-Südbaden. Auslöser der aktuellen Debatte ist das neue Strahlenschutzgesetz (StrlSchG), das erstmals verbindliche Regelungen zum Radonschutz in Aufenthaltsräumen enthält und Referenzwerte für die Belastung mit Radon festlegt. Als gesundheitlich unbedenklich gilt demnach der Bereich von 100 bis 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³ ) im Jahresmittel.

Das novellierte Strahlenschutzgesetz tritt vollständig am 31. Dezember 2018 in Kraft. Der VPB hat dazu den Ratgeber „Radon“ erstellt.

Radon – die Gefahr aus dem Boden

Radon ist ein radioaktives Edelgas . Es entsteht beim Zerfall von Uran, das in allen Gesteinen und Böden in unterschiedlich hoher Konzentration enthalten ist und Richtung Erdoberfläche aufsteigt. In hohen Konzentrationen ist Radon gesundheitsschädlich. Es gilt heute als Hauptursache für Lungenkrebserkrankungen bei Nichtrauchern in Deutschland. Grund genug, sich beim Bauen Gedanken über das Gas zu machen.

Gingen Experten früher davon aus, Radon komme fast ausschließlich in Bergbauregionen vor, ist heute bekannt, dass die Problematik grundsätzlich ganz Deutschland betrifft; sie ist nicht nur auf die Regionen mit uranhaltigem Muttergestein beschränkt.

Auf den Boden kommt es an

„Entscheidend für die Radonbelastung ist die Durchlässigkeit des jeweiligen Bodens“, erklärt VPB-Sachverständiger Ellinger: „Lockere, gut wasserdurchlässige Böden, lassen auch Radon leicht passieren. Dicht gelagerte, wasserundurchlässige und feuchte Böden sind weniger durchlässig. Und wassergefüllte Bodenschichten stellen für Radon eine nahezu undurchdringliche Barriere dar.“

Diese Kenntnis nutzen Fachplaner bei der Konstruktion der Keller: Ein wasserdichter, sorgfältig erstellter Stahlbetonkeller, bei dem auf die Betonnachbehandlung geachtet wurde, oder eine entsprechend sorgfältig hergestellte wasserdichte Stahlbetonbodenplatte, sind technisch ausreichend, um die beim Neubau geforderten Grenzwerte für die Radonbelastung im Gebäude unter 300 Bq/m³ zu halten. „Aus technischer Sicht ist das Einhalten der Anforderung ein bei Neubauten durchaus erreichbares Schutzziel“, konstatiert Marc Ellinger. Wer einen wasserdichten Stahlbetonkeller baut, bekommt im Regelfall auch einen nahezu radondichten Keller.

Dazu gehören auch vollflächig aufgelegte, dicht miteinander verklebte Bitumenbahnen oder sogar vollflächig verschweißte Bitumenschweißbahnen, wie sie als Trennlage in Wohnräumen auf der Bodenplatte ohnehin üblich sind. „Auf das sorgfältig ausgeführte Anarbeiten an durchdringende Bauteile wie Rohrleitungen muss dabei natürlich besonders geachtet werden“, mahnt der Sachverständige.

Auch Bewohner sind gefragt

Aber auch die Bewohner sollten alles tun, um sich vor Radon zu schützen: „Regelmäßiges Querlüften bei weit geöffneten Fenstern reduziert die Radonbelastung in Wohn-, Arbeits- und Aufenthaltsräumen maßgeblich“, empfiehlt Marc Ellinger, warnt aber gleichzeitig: „Wer eine Lüftungsanlage betreibt muss darauf achten, dass dabei kein Unterdruck entsteht, sonst kann Radon sogar ins Haus gesaugt werden.“

„Radon und seine gasförmigen Zerfallsprodukte sind sehr leicht. Sie folgen, ähnlich wie die Raumluft, den thermischen Strömungen im Gebäude“, gibt der Fachmann zu bedenken. Unvermeidbare Kamineffekte, wie sie sich in offenen Treppenhäusern und Installationsschächten einstellen, transportieren das Radon in der Raumluft bis in die höheren Etagen und unters Dach. VPB-Experte Ellinger rät zur Vorsorge: „Sinnvoll sind deshalb zwei Maßnahmen: Einmal die bauliche Trennung von Keller und Wohnbereich. Und zum Zweiten das dichte Ausbetonieren aller Installationsöffnungen in der Kellerdecke und den übrigen Geschossdecken nach Fertigstellung der Installation. Unterbleibt das sorgfältige Verschließen der Deckendurchbrüche, kann sich Radon in geschlossenen, schlecht belüfteten Hohlräumen, und dazu gehören Gebäude, erheblich aufkonzentrieren.“

„Im Neubau ist Radon technisch durchaus beherrschbar und stellt im Regelfall kein Problem dar“, resümiert Mar Ellinger, „vorausgesetzt, die Bauteile, die das Gebäude zum Erdreich hin abschließen, werden sorgfältig und mangelfrei ausgeführt.“ Das gelinge vor allem im Schlüsselfertigbau erfahrungsgemäß nur, wenn die Bauherren die Baustelle regelmäßig vom Sachverständigen kontrollieren lassen. Darüber hinaus sollten Hausbesitzer die durchschnittliche jährliche Radonbelastung durch das Aufstellen von Exposimetern messen, rät Experte Ellinger. „Die Messdauer dafür beträgt mindestens ein halbes, besser ein ganzes Jahr. Die Kosten hierfür sind vernachlässigbar.“

Der neue VPB-Ratgeber „Radon“ kann kostenlos von der VPB-Website heruntergeladen werden.

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Kein „Efficiency First“ der Regierung in puncto Klimaschutz

Bundesregierung mit leeren Händen in Kattowitz. Mehrere führende Umweltverbände attestieren eine deutliche Blamage vor den Augen der Weltgemeinschaft.

„Ein klimaneutraler Gebäudebestand ist erklärter Kernbaustein der deutschen Klimaschutzstrategie”, stellt der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), Christian Noll, klar. Und genau hier nimmt die Bundesregierung gerade billigend in Kauf, dass energetische Maßnahmen für die Vermieter noch unattraktiver werden. Eine steuerliche Förderung der Gebäudesanierung die auf sich warten lässt sowie die Ankündigung die Sanierungsraten zu drosseln, bescherten der deutschen Regierung in Kattowitz einen peinlichen Auftritt. Die Pariser Klimaziele werden so sicherlich nicht erreicht und durch das Energiesammelgesetz wird die Energiewende in der Bundesrepublik weiter geschädigt. Noll erläuterte weiter, dass die Sanierungsraten, die bereits sehr niedrig seien, jetzt noch weiter sinken würden. Das sei nicht nur blamabel, sondern vor allem auch wirtschaftsschädlich. 600.000 Arbeitsplätze stellen deutsche Unternehmen im Bereich der Energieeffizienzlösungen und befinden sich damit weltweit an der Spitze.

Verpasste Chancen

Auch Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), schloss sich der Meinung des DENEFF an. Seinem Eindruck nach, stand Deutschland den anderen Staaten mit leeren Händen gegenüber. Hätte die Regierung sich ihren Leitspruch „Efficiency First“ wirklich zu Herzen genommen und dafür gesorgt, dass die steuerliche Förderung für Haussanier endlich umgesetzt wird, wäre sie nicht in eine solche Situation gekommen. Nicht nur für Vermieter, auch für Mieter können Sanierungen attraktiv sein. Auch können energetische Sanierungen sozialverträglich sein. Der Energieberaterverband GIH betonte, dass es in der Wohnungswirtschaft viele Unternehmen gibt, die dies hinbekommen würde. An dieser Stelle wäre es die Aufgabe der Bundesregierung gewesen Anreize zu schaffen, damit Vermieter sanieren wollen. Möglichkeiten gäbe es hierfür genug: Eine Neugestaltung des Mietspiegels, steuerliche Anreize oder staatliche Förderungen sind nur ein paar Beispiele.

Rück- statt Fortschritte

In Sachen Klimaschutz macht Deutschland weiter Rückschritte. Energieeffizienzdienstleistern legt die Bundesregierung Steine in den Weg: Die Mietrechtsänderung und auch das Energiesammelgesetz wurden verabschiedet. Neue Belastungen für die Wärme-Kraft-Kopplung und Kürzungen des Mieterstromzuschlags behindern den Klimaschutz. Um einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, muss aber anspruchsvoll saniert werden. Dabei ist es nicht unmöglich Wohnraum sowohl nachhaltig als auch bezahlbar zu gestalten.

Diese Themen bewegten das Handwerk 2018

Fahrverbote, Mindestlohn, Meisterpflicht und DSGVO – das Jahr 2018 war turbulent. In unserem Jahresrückblick zeigen wir, was die Helden am Bau am meisten beschäftigte.

Der Anfang des Jahres stand ganz im Zeichen der neuen Mindestlohnregelungen für Dachdecker und dem Bauhauptgewerbe. Aber auch die neuen Tarifverträge für den Garten- und Landschaftsbau waren ein Gesprächsthema:

„Neuer Mindestlohn für Dachdecker ab Januar 2018“

„Mindestlohn im Bauhauptgewerbe steigt ab 2018“

„Neuer GaLaBau-Tarifvertrag mit sofortiger Lohnerhöhung“

Die zum Januar geänderten Buchführungsgrenzen betrafen ebenfalls viele Handwerker.

Erstes Quartal 2018

Neben den gesetzlichen Änderungen interessierten sich unsere Leser aber auch für globalere Themen. So handelte einer der beliebtesten Artikel im März von schwindendem Sand und künstlich aufgeschütteten Stränden. Schuld daran sei vor allem die Bauwirtschaft sowie die sogenannten Sand-Mafia: „Die Sand-Mafia – Das schmutzige Geschäft mit den Stränden“

Die größte Aufmerksamkeit bekam allerdings das Bundesverwaltungsgericht, das in einem Urteil den Weg für mögliche Diesel-Fahrverbote freimachte. Im Laufe des Jahres zeigte sich, dass viele Städte davon Gebrauch machten – sehr zum Leidwesen des Handwerks: „Handwerk kritisiert Diesel-Urteil“

Ausblick auf viele neue Aufträge machte das im Frühjahr angekündigte Baukindergeld. Wir erklärten die „Vor- und Nachteile des neuen Baukindergeldes“

Zweites Quartal 2018

Zu Beginn des zweiten Quartals stand zunächst alles im Zeichen der Fahrtzeit zur Baustelle. Ein unklar formulierter Tarifvertrag ändert nämlich nichts daran, dass Anfahrtszeit zur Montage in eine andere Stadt wie reguläre Arbeitszeit vergütet werden muss: „Fahrtzeit zur Baustelle ist Arbeitszeit“

Auf besonders großes Interesse stieß bei unseren Lesern in diesem Zusammenhang die vom EU-Parlament beschlossene Ausweitung der Tachographenpflicht: Denn auch Fahrzeuge zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen, die gewerblich genutzt werden, müssen nun mit Fahrtenschreiber ausgestattet sein – mit Folgen für das Handwerk: „EU-Parlament beschließt Ausweitung der Tachographenpflicht“

Zudem gilt seit Juli 2018 eine Maut-Gebühr für Lkw ab 7,5 Tonnen, ähnlich wie auf Autobahnen, auch auf Bundesstraßen: „Maut auf Bundesstraßen kommt im Juli 2018“.

Die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) machte Anfang des Jahres vielen Unternehmen zu schaffen. Umso erfreulicher war für viele Leser Mitte des Jahres die Meldung, dass sich die große Koalition aktiv gegen den entstandenen Abmahnmissbrauch einsetzt: „Handwerk begrüßt DSGVO-Abmahnschutz“

Drittes Quartal 2018

Für Aufsehen sorgte im dritten Quartal eine neue Initiative der Bauwirtschaft, mit der Baukostenexplosionen verhindert werden sollen: „Streit bei öffentlichen Projekten: Jetzt greift Bauindustrie durch!“

Dass nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht zeigte ein Urteil gegen das Edelstahl-Kartell: „205 Millionen Euro Strafe im Edelstahl-Kartell“

Auch organisierte Kriminalität und Schwarzarbeit auf Baustellen nehme laut Bundesvorsitzenden der IG Bau immer weiter zu, was auf großes Interesse unserer Leser stieß: „Baustellen: Organisierte Kriminalität nimmt zu“

Gute Nachrichten gab es hingegen für Dachdecker. So hatte die Sozialkasse der Dachdecker (Soka-Dach) bekannt gegeben, Einpersonenbetriebe künftig keine Berufsbildungsbeiträge mehr zu berechnen und bisherige Zahlungen zurückzuerstatten: „Soka-Dach entlastet Dachdecker“

Die Digitalisierung bringt auch neue Technologien und Werkzeuge für das Handwerk hervor. So nimmt die Anzahl an Drohnen stetig zu. Wir zeigten, was es alles zu beachten gilt: „Drohnen im Handwerk – dies gilt es zu beachten“

Viertes Quartal 2018

Neue Technologien erleichtern aber nicht nur die Arbeit, sie können sie zum Teil sogar ersetzen. Großen Anklang fand in diesem Zusammenhang daher sowohl die Meldung über handwerkende Roboter als auch aus dem 3-D Drucker stammende Häuser:

„Roboter als Handwerker – die Lösung des Fachkräftemangels?“

„Häuser aus dem 3D-Drucker – Das Ende des Handwerks?“

Neben Abmahnanwälten, die die Unsicherheit mit der neuen Datenschutzgrundverordnung auszunutzen versuchen, sorgte eine Warnung der Handwerkskammer vor einer falschen „Datenschutzauskunft-Zentrale“ für Aufsehen: „Falsche „Datenschutzauskunft-Zentrale“ bedroht Handwerk!“

In diesem Zusammenhang meldete sich schließlich auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zu Wort und stellte klar, dass die oftmals von Generalunternehmern oder Hausverwaltungen geforderten „Auftragsverarbeitungs-Verträge“ weder nötig noch sachgerecht seien: „Datenschutz im Handwerk oftmals übertrieben“

Mit großem Interesse haben unsere Leser schließlich die Ergebnisse der Kommission zur Aufklärung des Grenfell Tower-Brandes in London verfolgt. Bei dem verheerendem Unglück kamen am 14. Juni 2017 insgesamt 79 Menschen ums Leben. Lange Zeit stand hierbei die Wärmedämmung als Brandursache oder zumindest als Brandbeschleuniger fest. Jetzt zeigte sich aber: „Londoner Hochhausbrand: Wärmedämmung unschuldig!“

Gegen Ende des Jahres sorgte eine Initiative der bayerischen Regierung für Aufsehen und viel Zustimmung im Handwerk. So setzte sich die Landesregierung im Bundesrat für die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) begrüßte die Initiative: „Bayern setzt sich für Meisterpflicht ein“

Ein glücklicher Zufall

Heute, liebe Leserinnen und Leser, möchten wir Ihnen zur Einstimmung auf die Feiertage eine kleine Geschichte erzählen.

Die Geschäfte waren festlich dekoriert, die Lichterketten leuchteten bereits in allen Farben und egal wo man hinkam, konnte man die Leckereien der Weihnachtsmärkte riechen. An vielen Ecken standen die Menschen in Trauben um die kleinen Buden herum, um sich bei einer heißen Schokolade oder einem Punsch die Hände zu wärmen. Andere hetzten von Geschäft zu Geschäft, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Sie traten aus den warmen Läden in den kalten Winternachmittag hinaus, nur um kurz danach wieder schnell im nächsten zu verschwinden.

Unberührt von der ganzen Hektik um ihn herum, trank ein älterer Herr in einem Café ganz in Ruhe seinen Kaffee. Obwohl die Temperaturen bereits gefährlich nahe gegen null gingen, saß er draußen an einem der letzten dort noch aufgebauten Tische. Ein junger Mann, der sich seinen Weg durch die volle Innenstadt bahnte, kam an dem Café vorbei. Wie durch Zufall fiel ihm auf dieser Höhe etwas aus dem Rucksack, so dass der aufmerksame ältere Herr ihm etwas zurief. Der Jüngere drehte sich um und bedankte sich bei dem Herrn. „Alles gut, das ist ja selbstverständlich“, entgegnete er. „Wollen sie sich nicht auf einen Kaffee zu mir setzen und kurz ein wenig durchatmen? Sie sehen ja auch sehr schwer bepackt aus.“ Dem jungen Mann war das Erstaunen deutlich ins Gesicht geschrieben. Aber nach kurzem Überlegen entschied er sich, das Angebot anzunehmen; sah der Herr doch wirklich sehr freundlich aus.

„Wissen Sie was? Das mache ich tatsächlich. Ich bin gerade auf dem Weg zum Bahnhof, um über die Feiertage nach Hause zu fahren. Aber mein Zug geht sowieso erst in einer Stunde. Da habe ich noch Zeit für einen Kaffee. Ich bin übrigens Freddy.“ „Freut mich dich kennenzulernen, Freddy. Mein Name ist Michael“, lächelte der ältere Herr, der ziemlich erstaunt war, dass der junge Mann sich tatsächlich zu ihm setzte. Und so kamen die beiden auf unerwartete Art und Weise ins Gespräch.

Freddy, der direkt zu Beginn das Gefühl verspürt hatte, dass Michael vielleicht jemandem zum Reden brauchte, hörte ihm aufmerksam zu. Michael erzählte, dass er in der Weihnachtszeit ehrenamtlich in der Grundschule arbeitete. Er war gelernter Tischler und freute sich, dass er den Kindern in seinem Ruhestand noch etwas beibringen konnte. „Jedes Jahr ab Mitte November komme ich zweimal in der Woche in die Schule. Die haben dort einen super ausgestatteten Werkraum, da zeige ich den Mädels und Jungs, wie sie mit Holz arbeiten können. Natürlich geht es bei den meisten vor allem darum, Weihnachtsgeschenke für die Eltern, Geschwister oder auch für Oma und Opa zu basteln. Das macht die Sache ganz besonders schön. Zu sehen wie sie so viel Ehrgeiz entwickeln, aber auch die Geduld aufbringen etwas Schönes für ihre Liebsten zu schaffen, das macht mich immer wieder aufs Neue richtig glücklich.“

Während er sprach, wurde sein Lächeln immer breiter. Freddy, dessen Tag bisher nicht so gut gelaufen war, bereute es gar nicht, sich zu ihm gesetzt zu haben. Ihm wurde bei den Erzählungen des älteren Herrn schon viel wärmer ums Herz. „Leider wird es in diesem Jahr wohl das letzte Mal sein, dass ich in der Schule war. So langsam werde ich wohl doch ein wenig zu alt und meine Hände machen nicht immer das, was sie sollen. Manchmal zittern sie so sehr, dass ich Werkzeuge aus der Hand legen muss aus Angst, dass ich sonst etwas fallenlasse.“ Michael wirkte sichtlich bekümmert. „Ich habe das immer so gerne gemacht, das wird mir wirklich fehlen. Aber dafür werde ich die letzte Woche bis zu den Weihnachtsferien nochmal so richtig genießen und nur an tollen Sachen mit den Kindern werkeln. Ich habe sie sogar schon tuscheln hören, dass sie zum Abschied eine Überraschung für mich planen.“ Er kicherte wie ein kleiner Junge, als er das sagte. „Aber wie unhöflich von mir! Quatsche hier die ganze Zeit vor mich hin, ohne dich auch mal zu Wort kommen zu lassen. Was machst du denn eigentlich?“ Erwartungsvoll schaute er Freddy an.

„Es ist wirklich ein sehr witziger Zufall, dass wir beide uns hier heute über den Weg gelaufen sind und du mir deine Geschichte erzählt hast. Ich mache nämlich gerade eine Ausbildung zum Tischler“, sagte Freddy. „Und wenn ich könnte, würde ich nächstes Jahr mit dir gemeinsam in die Schule gehen, damit du das nicht an den Nagel hängen musst. Das klingt nämlich wirklich nach einer tollen Sache.“

Bei diesen Worten huschte wieder ein Lächeln über Michaels Gesicht. „Das ist lieb von dir, das zu sagen. Aber mit einem Vollzeitjob hättest du ja gar keine Zeit dafür, das wäre ja viel zu viel.“ Doch Freddy ließ der Gedanke nicht los. Den Spaß, den der alte Mann bei seiner Arbeit in der Schule hatte, hatte er sogar bei diesem kurzen Gespräch gespürt. „Das stimmt, ich selber habe leider keine Zeit dafür. Aber weißt du was? Bei mir im Betrieb sind ja auch schon ein paar Leute in den Ruhestand gegangen. Was hältst du davon, wenn ich die mal frage? Ihr würdet euch mit Sicherheit gut verstehen und dann können die Kinder nächstes Jahr Weihnachten doch wieder an Geschenken basteln, werkeln, schnitzen und sägen.“ Jetzt strahlte Michael wie ein Honigkuchenpferd. „Oh junger Mann, du weißt ja gar nicht, was für ein riesiges Weihnachtsgeschenk du mir damit machen würdest.“

Und so tauschten die beiden ihre Telefonnummern aus und gingen ihrer Wege. Der eine völlig beschwingt davon, dass er sein Herzensprojekt doch nicht aufgeben muss, der andere glücklich, dass er jemand anderen pünktlich zu Weihnachten eine große Freude machen konnte.

 

Wir danken Ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen und wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.

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Weihnachtskarten an Kunden in Zeiten der DSGVO?

Seit Anfang des Jahres gilt die DSGVO. Jetzt zum Ende des Jahres sind viele Unternehmen unsicher, ob sie zur Adventszeit weihnachtliche Grüße verschicken dürfen.

Geht es auf die besinnliche Weihnachtszeit zu, ist es für viele Betriebe und Unternehmen selbstverständlich, sich noch einmal bei ihren Kunden zu bedanken – meist in Form von Weihnachtskarten. Mit der Datenschutzgrundverordnung stellt sich aber für viele die Frage, ob das Verschicken von Weihnachtskarten noch erlaubt ist. Nicole Mutschke, Rechtsanwältin und zertifizierte Fachkraft für Datenschutz, schätzt die Lage so ein: „Die Macher der DSGVO hatten sicherlich nicht das Ziel, Unternehmen den Versand von Weihnachtskarten zu verbieten.“ Nichtsdestotrotz sollten die Absender von nun an ein paar Dinge mehr beachten.

Bei bestehenden Kunden berechtigtes Interesse

Mutschke weiß Rat: „Am sichersten wäre es, ausdrückliche Einwilligungen von den Empfängern einzuholen, bevor die Karten verschickt werden. Das ist aber kaum praktikabel. Deshalb kommt bei dieser Frage der Auffangregelung des Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO maßgebliche Bedeutung zu. Danach kann eine Datenverarbeitung auch rechtmäßig sein, wenn sie zur Wahrung von überwiegenden berechtigten Interessen erforderlich ist. Ein solches berechtigtes Interesse kann etwa dann bestehen, wenn die betroffene Person bereits Kunde des Unternehmens ist.“

Eine Sache gilt es aber darüber hinaus noch zu beachten. Der Adressat muss über sein Widerspruchsrecht aufgeklärt worden sein, zum Beispiel mit Hinweisen auf den Datenschutz. Ferner muss er der Verarbeitung seiner Daten zugestimmt haben. Ist der Kunde noch nicht über die Datenschutzhinweise informiert worden, sollte dies spätestens jetzt mit der Weihnachtspost nachgeholt werden.

„Wenn das der Fall ist, muss der Adressat es in Kauf nehmen, dass zum Jahresende weihnachtliche Grüße in seinem Briefkasten landen. Wir gehen aber davon aus, dass die meisten Menschen sich über Weihnachtsgrüße freuen“, so Nicole Mutschke.

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Barrierefreies Bauen

Eine neue Fachinformation des ift gibt konkrete Hinweise an die Hand, wie der Einbau von Türen und Fenster nach DIN 18040-2 rollstuhlgerecht geplant und ausgeführt wird.

Beim Bauen muss vieles beachtet werden. Geht es beispielsweise um Fenster und Türen, sollen diese selbstverständlich auch für Rollstuhlfahrer optimal nutzbar sein. In Deutschland gilt es bei Neubauten und genehmigungspflichtigen Sanierungen die im Baurecht verankerte DIN 18040-2 zu beachten. Die neu erschiene Fachinfo BA-02/1 des Instituts für Forschung, Prüfung, Zertifizierung von Fenstern, Fassaden, Türen, Toren, Glas und Baustoffen (ift) gibt Empfehlungen zur praktischen Umsetzung der Norm. Während sich für Türen konkrete Reglung finden lassen, beinhaltet sie für Fenster nur unvollständige Hinweise. Hier soll die Fachinformation des ift ansetzen.

Kompromisse in der Praxis

Dient die Theorie zwar mit einer Menge Richtlinien und Vorgaben, gilt es in der Praxis häufig verschiedene und teilweise gegenläufige Faktoren einzukalkulieren. Hier müssen Kompromisse gefunden werden. Denn Eigenschaften wie Einbruchhemmung, Schlagregendichtheit oder Schallschutz, gehen nicht immer mit den gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit einher. Auch die Schwellenhöhe von Türen und Fenstertüren muss gesondert betrachtet werden.

Gerade unter Betrachtung der jeweiligen Nutzergruppe gibt die Richtlinie anschauliche Vorschläge. Zum Beispiel für die optische Gestaltung für Sehbehinderte, die Öffnungsarten, Griffe oder die Abmessung. Denn es liegt auf der Hand, dass es einen enormen Unterschied macht, ob die Fenster und Türen in einer Pflegestation für Demenzkranke oder in einer Wohngemeinschaft junger Rollstuhlfahrer eingebaut werden. Es bietet sich an, die Bauteile der jeweiligen Wohnsituation anzupassen, damit sie für die Nutzergruppen den größtmöglichen Komfort bieten.

Stolperfallen vermeiden

Besonders zu beachten sind die Passierbarkeit und die Ausführung von Türschwellen. Vor allem für Menschen die einen Rollator nutzen, können bereits geringe Schwellenhöhen eine Stolperfalle bedeuten. Oder sie sind für sie sogar gänzlich unüberwindbar. Nicht nur die Schwellenhöhe, auch die Schwellengeometrie beeinflusst die Überrollbarkeit. In der ift-Richtlinie BA-01/1 wird die Überrollbarkeit als Kenngröße definiert. Unterstützt wird die Ausschreibung durch Tabellen mit einem Vergleich der normativen Anforderungen (DIN 18040-2) und Empfehlungen des ift.

Planer, Bauherren, Händler und Hersteller die auf der Suche nach konkreten Empfehlungen und wertvollen Praxistipps für die Planung, die Ausschreibung und die Ausführung privater Wohngebäude, Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen sind, werden in der Fachinformation des ift fündig.

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Trinkwassersicherheit bei Baumaterial schwer zu überprüfen

Hierzulande eingebautes Sanitärmaterial muss Vorschriften entsprechen, um die Trinkwassersicherheit zu garantieren. Nicht alle erhältlichen Produkte halten diese ein.

Wenn in deutschen Bädern Armaturen und Sanitärartikel verbaut werden, müssen sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Denn gerade für Bauteile die mit Trinkwasser in Berührung kommen, gelten in Deutschland gewisse Regeln. Und trotzdem gibt es Probleme. Denn Kunden erhalten auf dem deutschen Markt auch Produkte, die offiziell nicht verbaut werden dürfen.

EU strebt einheitliche Reglung an

Obwohl es bereits seit April 2017 Richtlinien für Werkstoffe und Einbauteile aus Metall verbindlich gibt und an Vorgaben für Kunststoffe und andere organische Materialien sowie keramische Werkstoffe gearbeitet wird, sieht das Ganze in der Praxis ganz anders aus: Eine Verpflichtung der Hersteller auf den Bauteilen anzugeben, aus welchem Material sie bestehen und ob sie den deutschen Trinkwasservorgaben entsprechen oder nicht, gibt es nämlich bisher nicht. Die Trinkwassersicherheit ist so kaum oder nur sehr schwer überprüfbar.

Anfang des Jahres legte die EU-Kommission eine Novelle der EU-weiten Trinkwasserrichtlinie vor, die sich genau dieser Schwierigkeit annimmt. Geplant sind genaue Vorgaben für die Materialien der Bauteile die mit Trinkwasser in Berührung kommen, die für alle Länder bindend sind. Die Frage nach einer Kennzeichnungspflicht, die vor allem die Praxis einfacher machen würde, bleibt aber weiterhin offen. Ende Oktober stimmte zumindest das EU-Parlament den Plänen der Kommission zu. Jetzt geht es darum, dass die Mitgliedsländer im Rat über das Thema verhandeln. Laut eines Sprechers des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) sind im Moment unterschiedliche Möglichkeiten im Gespräch: „Entweder eine Regelung über die EU-Bauprodukteverordnung oder über einheitliche Vorgaben für Materialien in Kontakt mit Trinkwasser in der Trinkwasserrichtlinie.“

Rechtliche Folgen für Handwerker bisher noch möglich

Die seit letztem Jahr in Deutschland geltenden verpflichtenden Vorgaben drehen sich um hygienische Anforderungen. Das Umweltbundesamt erarbeitete sie entsprechend der Trinkwasserverordnung. Seitdem sind sie für Bauteile aus Metall wie Wasserleitungen, Armaturen und Wasserhähne für Küchen und Bäder gültig. Trotzdem bleiben Produkte anderer, nicht-deutscher Hersteller, im Handel erhältlich. Nach EU-Gesetz dürfen Hersteller in der EU ihre Waren auch in der gesamten EU vertreiben. Dabei dürfen sie nicht von zu strengen Bestimmungen einzelner Länder beeinflusst werden. Daher sind auf dem deutschen Markt Bauteile käuflich erhältlich, die aber nach deutschem Recht gar nicht eingebaut werden dürfen. Bleibt es für den Heimwerker bei einer Ordnungswidrigkeit, wenn er ein Teil einbaut, das nicht den deutschen Vorschriften entspricht, kann es für den SHK-Handwerker rechtliche Folgen haben.

Wer auf Nummer sicher gehen will muss den Hersteller fragen

Da es eben weder eine Kennzeichnungspflicht noch ein Siegel für das Einhalten der Vorgaben gibt, bleibt es ein großes Problem die genauen verwendeten Materialien herauszufinden. Der Rechtsexperte des Zentralverbandes Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK), Carsten Müller-Oehring, rät Handwerkern beim Hersteller nachzufragen und nur Bauteile zu verwenden, deren Gesetzeskonformität vom Hersteller bestätigt wurde. Zusätzlich stellt der Verband seinen Mitgliedern eine Liste zur Verfügung, auf der sich Hersteller finden die dem Verband bestätigt haben, dass ihre Produkte der gesetzlichen Norm entsprechen. Vollständig ist diese Liste allerdings nicht.

Wenn der Kunde das Material kauft

Sogenanntes beigestelltes Material wird oft verwendet um die Baukosten gering zu halten. Oft werden sie im Internet oder in Baumärkten gekauft und den bestellten Handwerkern zum Einbau zur Verfügung gestellt. „Aufklären muss der Handwerker seinen Kunden dennoch über all die Gefahren, die das Material mit sich bringen kann, also beispielsweise auch, dass eine Armatur nicht zwingend der Trinkwasserverordnung entspricht, wenn der Kunde sie im Baumarkt gekauft hat“, sagt Carsten Müller-Oehring. Gibt es keine Sicherheit für die Trinkwassersicherheit der Produkte und der Handwerker baut sie trotzdem ein, verstößt er gegen geltendes Recht und haftet, da er eine mangelhafte Leistung erbracht hat. Per Vertragsklausel kann der Handwerker eine Haftung wegen Verstoßes gegen eine bestehende Aufklärungs- und Informationspflicht allerdings ausschließen.

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Neue Publikation zur KRL-Methode

Die Korrespondierende relative Luftfeuchte (KLR) ist als materialunabhängige Feuchtemessmethode gegenüber der CM-Messung zu bevorzugen.

Lange galt die CM-Messung im deutschsprachigen Raum als Standard in der Ermittlung des Feuchtegehalts eines Untergrunds. In den letzten Jahren veränderte sich aber die Beurteilung der Messdaten (Grenzwerte) aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen und praktischer Erfahrungen zu feuchtbedingten Schadensfällen, bei denen es trotz Erreichens der empfohlenen Feuchtgrenzwerte zu Schäden am Bodenbelag kam. Bereits geringe Änderungen der Zusammensetzung würden zu Materialveränderungen führen, die trotz der Beachtung der Grenzwerte Feuchteschäden verursachen.

Korrespondierende relative Luftfeuchte

Auf Grundlage dieser Beobachtungen lässt sich festhalten, dass materialunabhängige Feuchtemessmethoden auf jeden Fall vorzuziehen sind. Die Korrespondierende relative Luftfeuchte (KRL) ist eine dieser materialunabhängigen Methoden. In vielen anderen Ländern werden solche Methoden bereits als genormte Verfahren zur Bestimmung der Belegreife von mineralischen Untergründen eingesetzt. Sie funktionieren zuverlässig und das schon über Jahrzehnte hinweg.

Seit ungefähr zehn Jahren ermittelt die Technische Kommission Bauklebestoffe (TKB) Grundlagen zur Messung der korrespondierenden relativen Luftfeuchte von mineralischen Estrichen. Sie soll eine Prüfmethode festlegen, die sowohl baustellen- als auch handwerkstauglich ist. Die TBK nennt die KRL-Methode aus heutiger Sicht praxisreif. Nicht zuletzt, weil bei einem Versuch auf Baustellen mehrere Feuchtemessungen durchgeführt wurden, die die Eignung der Methode bestätigen konnten.

Der große Vorteil der KRL-Messung ist die direkte Aussage über den Feuchtezustand, wobei sie immer materialunabhängig ist. Dadurch erhöht sich für den zuständigen Bodenleger die Garantie bei der Feststellung der Belegreife, besonders im Hinblick auf Estriche mit Zusatzmitteln.