Modulares Sanieren für das Klima

In den Niederlanden wurden erfolgreich zahlreiche Wohnungen mit vorgefertigten Modulen saniert. Jetzt wird das Prinzip auf Deutschland übertragen.

Kuckuck – ein Viertel von Hameln – ist eigentlich bekannt für heruntergekommene Mehrfamilienhäuser. Doch drei frisch sanierte zweigeschossige Bauten heben sich nun von dieser Umgebung ab. Dank Photovoltaik, Wärmepumpen, Lüftung und Dämmung sollen die Gebäude künftig mehr Energie produzieren, als die Bewohner verbrauchen. Um die Kosten für die Mieter der zwölf neuen Wohnungen so gering wie möglich zu halten, wurden serielle Fassadenteil genutzt. Diese Gebäude gehören zum Projekt „Energiesprong“, initiiert von der Deutschen Energie-Agentur und gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium. Nach niederländischem Modell wollen die 22 beteiligten deutschen Wohnungsunternehmen 17.000 Wohnungen aus ihrem Bestand aus den 50er und 60er Jahren sanieren, denn der Gebäudesektor bietet enormes Energie- und CO2-Einsparungspotential.

CO2-Einsparung durch serielle Fertigung

Etwa ein Drittel der CO2-Emissionen entstehen durch den Energieverbrauch beim Wohnen. Um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, müssen rund 15 Millionen Häuser saniert werden. Dafür wiederum muss die Sanierungsquote verdoppelt werden. Durch den derzeitigen Fachkräftemangel, den mit der Sanierung damit verbundenen hohen Investitionen und der Angst vor Mieterhöhungen geht diese Steigerung kaum voran. Durch serielle Fassadenteile, wie sie die Firma Opitz Holzbau in ihrem Werk in Neuruppin für das Projekt in Hameln gefertigt hat, sollen Sanierungen günstiger und schneller werden. Nach 10 Wochen Arbeit waren die Fassaden mit einer Dämmung aus Recycling-Glaswolle, Fenstern sowie Lüftungselementen mit Wärmerückgewinnung fertig. „So ein Auftrag war für uns neu. Alles hat gut geklappt, wir haben bereits zwei weitere Aufträge für ein ähnliches Projekt in Nordrhein-Westfalen. Mit der gewonnenen Erfahrung wird es diesmal schneller gehen“, sagt Verkaufsleiter Oliver Hering. Er rechnet mit einer weiter steigenden Nachfrage im kommenden Jahr, da Holzelemente gegenüber Bauteilen aus Stein durch die CO2-Steuer attraktiver werden. Innerhalb von 10 Tagen wurden die Fassaden montiert. Durch eine kurze Sanierungsdauer wird vermieden, dass die Mieter umziehen müssen.

Routine soll die Sanierung günstiger mache

Roland Meyer, Bauleiter bei der Berliner Firma Ecoworks, die die Arbeiten für ihren Auftraggeber, die Arsago-Gruppe, geplant und koordiniert hat, sieht künftig auch weitere Einsparungsmöglichkeiten von Finanzmitteln. Die Kosten in Hameln lagen ihm zufolge deutlich höher als bei herkömmlichen Sanierungen, durch steigende Routinisierung können allerdings die Lohnkosten gesenkt werden. „Die Lohnkosten machen 50 Prozent aus. Wichtig ist es, die richtigen Handwerksbetriebe zu finden und sie so zu schulen, dass sie gut miteinander zusammenarbeiten. Das spart enorm an Zeit und Geld.“ Aber auch in technischer Hinsicht sieht er noch Nachbesserungsbedarf. So soll in den Fassadeteilen künftig auch die Gebäudetechnik integriert werden. „Wir geben unsere Erfahrungen aus Hameln jetzt an andere Firmen weiter, die im Rahmen von Energiesprong mit der Sanierung loslegen wollen. Wir selber werden uns mit dem nächsten Projekt Zeit lassen, um noch Verbesserungen zu erreichen.“ Die Miete der 50 Quadratmeter großen Wohnungen liegt bei 300 Euro plus 130 Euro Nebenkosten.

Die Hälfte der Handwerker-Seiten verschwindet von Google

Bald werden nur noch die Seiten bei Google angezeigt, die für mobile Endgeräte optimiert sind. Viele Handwerker-Websites sind dies jedoch nicht.

Heute wird zum überwiegenden Teil mit mobilen Endgeräten im Internet gesurft. Aus diesem Grund wird Google ab März 2021 nur noch diejenigen Webseiten anzeigen, die für mobile Geräte optimiert sind. Eigene Websites gehören für Handwerksbetriebe heute dazu, doch Christoph Krause, Leiter des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk in Koblenz schätzt, dass knapp die Hälfte nicht für Smartphones geeignet ist.

Doch wie finde ich überhaupt heraus, ob die eigene Seite mobilfreundlich ist?

Das lässt sich in wenigen Minuten eigenständig testen. Dazu muss man nur mit einem Smartphone oder Tablet die eigene Seite aufrufen. Wenn sich die Schriftgröße der Bildschirmgröße anpasst, ist alles gut. Muss man hingegen heranzoomen, um den Text lesen zu können, passt sich die Website mobilen Endgeräten nicht an. Darüber hinaus bietet Google einen kostenlosen Online-Test an, mit dessen Hilfe Seitenbetreiber ihren Online-Auftritt auf Mobilfreundlichkeit überprüfen können.

Wie gestalte ich meine Seite mobilfreundlich?

Wenn ein Laie eine Website eigenständig mobilfreundlich gestalten möchte, dauert dies mehrere Wochen. Deswegen empfiehlt es sich, dafür einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Allerdings fangen die Kosten dafür bei ungefähr 2.500 Euro an. Wer ein komplexes Shopsystem brauch, ist schnell bis zu 15.000 Euro los. Deswegen sollte sich genau überlegt werden, ob eine Umgestaltung überhaupt sinnvoll ist.

Für wen ist der Übergang zu einer mobilfreundlichen Website sinnvoll?

Das hängt insbesondere davon ab, auf welchem Weg man seine Kunden gewinnt. Kleinere Handwerksbetriebe profitieren vor allem von Mund-zu-Mund-Propaganda und sind deswegen nicht darauf angewiesen, dass ihre Seite von potenziellen Kunden einfach gefunden wird. Zudem sollten die lokalen Google-Suchtreffer von der Anpassung unberührt bleiben und wer einen Eintrag bei Google My Business hat und im Online-Verzeichnissen wie der gelben Seite aufgeführt ist, wird kaum beeinträchtigt werden. Bei der Personalsuche sieht das jedoch oft anders aus. Insbesondere junge Arbeitnehmer legen viel Wert auf eine zeitgemäße Online-Präsenz. Insgesamt sollte bedacht werden, dass es immer ratsam ist, im Internet und insbesondere auf Google Präsenz zu zeigen und es somit auf lange Sicht sinnvoll sein kann, sich den wandelnden Anforderungen anzupassen.

Handwerk fordert Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung

Durch das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung müssen die Betriebe Aufträge bis Jahresende abarbeiten und das unter dem Einfluss der zweiten Welle.

„Die befristete Senkung der Mehrwertsteuer im Sommer war als Teil des Konjunkturpakets ein wichtiger Impuls zur Wiederbelebung der Wirtschaft nach den starken Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie”, erklärt Rainer Reichhold, Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkskammertags (BWHT). „Auch wenn nur teilweise Aufträge direkt auf diese Maßnahme zurückzuführen sind – ein Auslaufen der Senkung zum Jahresende wäre in der aktuellen Situation das völlig falsche Signal“. Dadurch würden Betriebe unter starkem Druck stehen, die Aufträge noch in diesem Jahr abzuschließen. Und das, obwohl sie nur bedingt Einfluss auf die Fertigstellung haben, da Lieferzeiten durch die zweite Welle verlängert sind. Zudem sei die Umstellung eine zusätzliche Belastung. Bereits im Sommer zur Mehrwertsteuersenkung war großer Aufwand nötig, dieser würde sich bei längerer Dauer eher lohnen. Durch die neuen Beschränkungen seien die Betriebe erneut verunsichert und in ihrem Tagesgeschäft eingeschränkt. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich für eine Verlängerung aus. Als ideale Frist wurde der 30. Juni 2021 empfunden. Rund die Hälfte erhofft sich dadurch weitere Aufträge. Die andere Hälfte möchte insbesondere die momentanen Aufträge bis dahin abarbeiten. Auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) schlägt eine solche Verlängerung vor. In einem Schreiben an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) weisen ZDK-Präsident Jürgen Karpinski und Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz darauf hin, dass die niedrige Steuer momentan insbesondere den Absatz hochwertiger Güter an Privatkunden erhöhe. Besonders im Bereich der Neuwagen sei es schwierig, Bestellungen bis zum Jahresende auszuliefern, da sich Lieferzeiten verlängern und weder Händler noch Kunden ein Einfluss darauf haben.

3D-Drucker im Handwerk

In der Produktion von Zahnersatz, Schmuck und Hörgeräten sind sie schon längst etabliert. Doch auch für andere Gewerke können sich 3D-Drucker lohnen.

Mit Hilfe von 3D-Druckern können Handwerker vieles selbst produzieren, dabei sind den Materialien heute keine Grenzen mehr gesetzt, denn die Palette reicht von Kunststoff, über Aluminium, Stahl, Silikon, Keramik und Gips bis Holz aus einem Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch. Gegenüber dem Gießen hat das Drucken den großen Vorteil, dass das aufwendige Erstellen von Formen entfällt. Insgesamt sind deutlich weniger Arbeitsschritte erforderlich, sodass das Drucken deutlich zeit- und kostensparender ist. Im Handwerk lohnt sich der Drucker besonders zum Fertigen von Ersatzteilen. So müssen diese nicht mehr im Lager rumliegen und man muss auch nicht auf die Lieferung warten, sondern druckt sie, wenn sie gerade gebraucht werden, einfach aus. Dabei müssen allerdings Urheber-, Patent- und Gebrauchsmusterrechte beachtet werden. Das grundsätzliche Produktionsverfahren beim 3D-Drucker ist die additive Fertigung. Das bedeutet, dass dünne Schichten nach und nach aufgetragen und verfestigt werden. Dazu benötigt man eine Vorlage im STL-Formal (Stereolithography), die entweder über CAD-Programme (Computer Aided Design) selbst entworfen oder per 3D-Scanner automatisch erzeugt werden kann.

Detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse

Doch 3D-Drucker sind teuer. Die Alleskönner kosten nicht selten sechs- bis siebenstellige Summen und sind ausschließlich in der Industrie zu finden. Doch viele ihrer zusätzlichen Anwendungen, wie zum Beispiel die Grenzenlosigkeit bei Objektgröße und Material, sind für kleinere Handwerksbetriebe nicht notwendig. Hier reichen 3D-Printer, die verschiedene Arten von Kunststoffen als Druckmaterial nutzen. Durch Erhitzen wird dieses formbar gemacht und eine Düse, der „Extruder“, formt das Objekt Schritt für Schritt. An verschiedenen Stellen fügen preiswertere Geräte Stützstrukturen ein, die manuell wieder entfernt werden müssen. Hochwertigere Geräte verfügen über eine zweite Druckdüse, die die Stützen aus Material konstruieren, dass sich später in Flüssigkeit auflösen lassen. Eine zweite Düse hat auch den Vorteil, dass verschiedene Materialien oder Farben gleichzeitig eingesetzt werden können, wodurch besondere Geometrien besser erstellt werden. Doch auch diese Geräte kosten meist mehrere tausend Euro, sodass eine detaillierte Kosten-Nutzen-Rechnung unerlässlich ist. Wenn nur vereinzelt Druckaufträge anfallen, sollte gegebenenfalls ein externer Dienstleister bevorzugt werden.

Baubranche erwartet Umsatzplus im Jahr 2020

Corona tangiert die Bauwirtschaft glücklicherweise kaum. Auch die Beschäftigungssituation und die Zukunftsaussichten für 2021 sehen erfreulich aus.

Für das Jahr 2020 geht die Baubranche von einem Umsatzwachstum von zwei Prozent auf 138 Milliarden Euro aus. Dank gut gefüllter Auftragsbücher konnte die Corona-Krise der Branche wenig anhaben. „Die Auftragseingänge zeigten nur im April und Mai ein ‚Corona-Zittern’ und gaben leicht nach. Seither sehen wir wieder eine deutliche Nachfrage“, erklärt Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB). Für das kommende Jahr 2021 wird lediglich mit einem Umsatzrückgang von einem Prozent gerechnet. Quast berichtet, dass sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr jeweils 300.000 Wohnungen fertiggestellt würden. Dieses Segment habe 2020 ein Wachstum von vier Prozent erlebt. Einen entscheidenden Auslöser dafür sieht er in den Maßnahmen zu Sonderabschreibungen im Mietwohnungsbau und zum Baukindergeld und appelliert, diese nicht wie geplant im Laufe des nächsten Jahres auslaufen zu lassen.

Öffentliche Hand muss die Defizite der Wirtschaft ausgleichen

Bei den Bauvorhaben der Wirtschaft sind Auswirkungen der Corona-bedingten Krise festzustellen. Umsatzeinbrüche in Industrie und Dienstleistungen mindern die Investitionsbereitschaft. Seit März liegt die Nachfrage deswegen monatlich unter dem Vorjahresniveau. Kumulativ fehlen fast sechs Prozent, was einem Ordervolumen von 1,3 Milliarden Euro entspricht. „Wir rechnen für 2020 insgesamt mit einem Umsatz, der nominal auf Vorjahresniveau bei gut 49 Milliarden Euro liegt und real einen Rückgang von ca. 2,5 Prozent bedeutet. Aus heutiger Sicht sehen wir die Umsatzentwicklung im Wirtschaftsbau in 2021 insgesamt rückläufig zwischen nominal 2,5 Prozent und 3,5 Prozent“, so Quast. Deswegen sei es notwendig, dass der öffentliche Bau dies ausgleicht. Die aktuelle Haushaltsplanung hält an dem Investitionshochlauf fest und schreibt für die nächsten Jahre das Niveau von 18 Milliarden Euro fort. Dies begrüßt Quast, fordert zugleich aber, dass vor allem im Straßenbau zügig konkrete Projekte vergeben werden. „Investitionshochlauf auf der einen Seite und weniger Aufträge auf der anderen Seite – das passt nicht zusammen!“ Für 2020 wird mit einem Umsatz von knapp 38 Millionen Euro im öffentlichen Bau gerechnet, also einem Plus von drei Prozent.

20 Prozent mehr Beschäftigte am Bau

„Vor zehn Jahren hatten wir im Bauhauptgewerbe etwa 716.000 Beschäftigte. Ende des Jahres 2020 werden es 880.000 sein. Das ist ein Zuwachs um mehr als 20 Prozent. Das zeigt, dass die nachhaltige Baunachfrage den Unternehmen Zuversicht gibt, verstärkt in neue Mitarbeiter zu investieren und diese auch selbst auszubilden“, sagt Quast. Im kommenden Jahr planen Unternehmensbefragungen zufolge 20 Prozent der Unternehmen, die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen.

Fördermittel zur Absturzprävention

Die BG Bau unterstützt die Anschaffung sicherer Arbeitsmittel mit bis zu 10.000 Euro, denn Absturzunfälle gehören zu den folgenreichsten Unfällen.

Im Jahr 2019 ist fast die Hälfte aller tödlichen Arbeitsunfälle auf Abstürze zurückzuführen. Dabei sind diese mit entsprechender Ausrüstung oft leicht zu verhindern. Aus diesem Grund fördert die Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) die Anschaffung von sicheren Arbeitsmitteln mit bis zu 10.000 Euro jährlich. Die Zuschüsse können auch noch für 2020 beantragt werden. Um ein Anrecht auf die erste Förderstufe und bis zu 3.000 Euro zu haben, muss man lediglich ein Beratungsgespräch bei der BG Bau führen, die Gefährdungsbeurteilung besprechen und sich zu den Regeln des Präventionsprogramms „Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich.” bekennen. In der zweiten Förderstufe erhalten die Unternehmen bis zu 5.000 Euro. Unternehmen der dritten Förderstufe, die weitere Bedingungen wie beispielsweise die Teilnahme an einem Seminar zum Thema Absturzprävention erfüllen, erhalten bis zu 10.000 Euro. Insgesamt belaufen sich die Förderungen auf bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten. Neben dem Schutz von Gesundheit und Leben sind gute Arbeitsschutzmaßnahmen auch notwendig, um einen störungsfreien Betrieb und weniger Ausfall zu ermöglichen.

Helmpflicht auf der Baustelle

Auf Baustellen gibt es zahlreiche Unfälle. Um gefährliche Unfälle zu minimieren, gibt es die Helmpflicht. Doch wann muss ein Helm getragen werden?

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat allein in 2019 44.200 meldepflichtige Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen (Augenverletzungen ausgenommen) sowie 91 tödliche Unfälle registriert. In einigen Fälle hätte ein Helm schlimmeres verhindern können, an manchen Unfallorten bestand sogar Helmpflicht, doch es wurde sich darüber hinweggesetzt. Es gibt keine generelle Verordnung darüber, wann das Tragen eines Schutzhelmes verpflichtend ist. Letztendlich legt dies der Arbeitgeber fest. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung nach Paragraph 4 und 5 Arbeitsschutzgesetz muss dieser mögliche Gefahren ermitteln und entsprechende Schutzmaßnahmen umsetzen. Ist es nicht möglich, die Gefahren durch technische oder organisatorische Maßnahmen zu vermeiden, muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. In den berufsgenossenschaftlichen Regeln GUV-R 193 „Benutzung von Kopfschutz“ werden folgende Punkte zur Gefährdungsbeurteilung empfohlen: Gefahr entsteht durch herabfallende, pendelnde, umfallende oder wegfallende Gegenstände sowie durch den Anstoß an Gegenstände. Dementsprechend wird das Fazit sehr häufig so ausfallen, dass eine Helmpflicht besteht. Der Arbeitgeber muss diese kostenfrei zur Verfügung stellen und die Arbeitnehmer sind dazu verpflichtet, die Schutzausrüstung bestimmungsgemäß zu verwenden.

Welcher Helm und wie lange kann er genutzt werden?

Für die Arbeit auf der Baustelle kommen nach DIN EN 397 und EN 14052 zwei Arten von Schutzhelmen in Frage, wobei Industrieschutzhelme nach DIN EN 397 zu den Gängigsten gehören. Welcher Helm getragen werden muss, geht aus der Gefährdungsbeurteilung hervor. Die „Haltbarkeit“ eines Helmes beträgt bei solchen aus thermoplastischem Kunststoff vier Jahre. Handelt es sich um einen dieser Stoffe befindet sich eine der Kennzeichnungen PE, PC, ABS, HDPE, PP, PP-GF oder PC-GF an der Unterseite des Helmschilds. Helme aus duroplastischem Kunststoff sind durch PF-SF oder UP-GF markiert und müssen nach acht Jahren ausgetauscht werden. Nach einem harten Schlag oder sichtbaren Schäden müssen Helme grundsätzlich ersetzt werden. Zwischendurch sollte immer mal ein Knacktest durchgeführt werden, um den Zustand des Helmes grob einschätzen zu können. Dafür drückt man, bei aufgelegtem Ohr, die Helmschale mit den Händen seitlich leicht ein oder biegt den Schirm leicht. Hört man Knister- oder Knackgeräusche, sollte der Helm nicht mehr verwendet werden. Paragraph 15 des Arbeitsschutzgesetztes regelt, dass Arbeitnehmer ihre Helme selbstständig auf Schäden überprüfen müssen, nachdem sie vor der ersten Benutzung unterwiesen wurden, wie man Schäden erkennt, den Helm richtig trägt, anpasst und aufbewahrt.

Kopfschmerzen befreien nicht von der Helmpflicht

Von der Helmpflicht kann man selbst durch ein Attest nicht befreit werden. Bekommt man durch einen schlecht oder eng sitzenden Schutzhelm Kopfschmerzen, muss der Dialog mit dem Arbeitgeber gesucht werden, um einen besser geeigneten Helm zu erbitten. Bei Helmen muss auf eine gute Passform und ein möglichst geringes Gewicht geachtet werden. Zu empfehlen ist ein Verstellmechanismus mit Drehverschluss, da dieses gegenüber einrastenden Verschlüssen den Vorteil hat, dass die Innenausstattung stufenlos eingestellt werden kann. Auch ein Schweißleder ist von Vorteil, weil der Helm trotz engem Sitz angenehmer zu tragen ist. Die Einhaltung der Helmpflicht wird in Deutschland dual kontrolliert. Mitarbeiter der BG BAU und Vertreter der Landesämter für Arbeitsschutz sind dazu auf den Baustellen unterwegs. Sie kontrollieren unangekündigt im Betrieb oder auf den Baustellen. Bei Zuwiderhandlung der Helmpflicht können Bußgelder von mehreren Tausend Euro fällig werden.

Engagieren Sie sich für Ausbildungsanerkennung?

Ausbildungsanerkennung hat für zugewanderte Arbeitnehmer und die Unternehmen Vorteile. Durch ein neues Arbeitgebersiegel wird Engagement belohnt.

Viele Unternehmen brauchen dringend Fachkräfte. Auf der anderen Seite sehen wir aber viele Zugewanderte, deren Bildungsabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt werden. Um Unternehmen aus Industrie und Handwerk dazu zu motivieren, potentielle Arbeitnehmer auf dem Weg zur Ausbildungsanerkennung zu unterstützen, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (GIHK) mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) das Arbeitgebersiegel „Wir fördern Anerkennung“ ins Leben gerufen. Das Arbeitgebersiegel wird im Rahmen des vom Bundesbildungsministerium geförderten Projekts „Unternehmen Berufsanerkennung“ gefördert. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärt die Vorteile: „Für ausländische Fachkräfte bedeutet dies Wertschätzung, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und echte Zukunftsperspektiven.“ Und Unternehmen helfe die Anerkennung, Menschen entsprechend ihrer Ausbildung und Arbeitserfahrung zu beschäftigen.

Unternehmen können sich ab sofort bewerben

Um sich für das kostenlose Siegel zu bewerben, müssen Arbeitgeber einen etwa 15-minütigen Online-Test durchlaufen. In diesem wird nach der Unternehmenskultur gefragt und nach den tatsächlich erbrachten Leistungen in Fragen der Berufsanerkennung. Der Test ist zu finden unter: https://www.siegelcheck.unternehmen-berufsanerkennung.de/index.php

Die BG BAU unterstützt Unternehmen in der Krise

Die Arbeit auf den Baustellen läuft, wie im Frühjahr, ungehindert weiter. Die BG BAU unterstützt Unternehmen bei der Arbeit unter diesen Umständen.

„Die BG BAU unterstützt die Unternehmen von Anfang an dabei, gut durch die Krise zu kommen“, sagt Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Die BG BAU ist für das Baugewerbe der erste Ansprechpartner in Sachen Sicherheit und Gesundheit. „Seit Beginn der Corona-Pandemie war und ist bis heute der Informationsbedarf seitens der Baubranche hoch. Wir waren dabei immer an der Seite unserer Unternehmen und Versicherten – haben vor Ort aufgeklärt und zu notwendigen Maßnahmen beraten“, sagt Bergmann. Aus diesem Grund findet sich auf der Seite der BG Bau zahlreiches Material und auch persönliche Gespräche werden angeboten. Bernhard Arenz, Präventionsleiter der BG BAU, verweist auch auf die verbesserten hygienischen Bedingungen am Bau. „Unsere Aufsichtspersonen bewerten hygienische Zustände auf Baustellen mit einer Ampel. Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie signalisierte diese bei circa einem Drittel der Baustellen Handlungsbedarf durch Rot – darauf wurde reagiert, so dass dieser Anteil nun bereits bei unter zehn Prozent liegt.“ Diese Maßnahme ist sicherlich auch einer der Gründe für das niedrige Infektionsgeschehen auf Baustellen. „Nun heißt es, nicht nachlassen und die jeweils neuesten Erkenntnisse zum Schutz vor dem Coronavirus umzusetzen“, motiviert Bergmann.

Jugendliche an den Bau locken

Der Nachwuchsmangel in der Baubranche ist groß. Doch was wünschen sich Jugendliche von ihrem Berufsleben und was kann die Baubranche ihnen geben?

Warum möchten so wenige junge Schulabgänger eine Ausbildung am Bau machen? Die Baubranche boomt und die Zinsen sind nach wie vor günstig. Doch wie eine Umfrage der SOKA-Bau im August 2020 gezeigt hat, gibt es bei der Hälfte aller Ausbildungsbetriebe noch freie Lehrstellen. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) geht davon aus, dass es am Geld liegt und fordert 100 Euro mehr für Auszubildende und eine Entschädigung für die Wegzeiten. Doch Auszubildende am Bau verdienen bereits deutlich mehr als in anderen Branchen. Fragt man die Jugendlichen, so sind für sie die wichtigsten Faktoren bei der Berufswahl die Karrieremöglichkeiten, die gesellschaftliche Anerkennung und eine abwechslungsreiche Tätigkeit. Also alles Punkte, die eine Berufstätigkeit am Bau bieten kann. Doch das scheint den Jugendlichen nicht bewusst zu sein, weshalb es wichtig ist, sie auf Schulbesuchen und Jobmessen aufzuklären. Noch kann der Mangel an Nachwuchs durch arbeitslose Bauarbeiter und ausländische Kräfte ausgeglichen werden. Doch wie lange dies noch möglich ist, ist fraglich.