Wie tragfähig und dauerhaft sind Brücken aus Textil?

Vor neun Jahren wurde in Albstadt eine Brücke aus unkonventionellen glasfaser- und carbonbewehrten Materialien gebaut. Nun wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen.

So wie viele andere neue Bauverfahren musste auch dieses Material sich zunächst unter Beweis stellen und wurde mehr als kritisch beäugt. Die am häufigsten gestellten Fragen beziehen sich vor allem auf die Haltbarkeit des Bauprojektes. Denn gerade von Brücken wird eine lange Haltbarkeit erwartet. Die Fußgängerbrücke wurde 2010 in Albstadt-Lautlingen auf der Schwäbischen Alb errichtet. Die alte Brücke aus Stahlbeton stellte mit ihren Rostfahnen vor allem für den Straßenverkehr ein großes Risiko dar. Die Idee für textilbewehrten Beton kam aus der Textilindustrie, die in der Gegend eine lange Tradition hat. Eine Studie zur Verwendbarkeit von Glasfaserbeton und die Eignung für den Bau einer Brücke war das finale Argument für die Stadt, den Versuch zu wagen. Durch Berechnungen und umfangreiche Bauteilversuche fand man heraus, dass die Brücke den geplanten Belastungen standhalte würde. Der größte Vorteil von textilbewehrtem Beton: die fehlende Korrosionsanfälligkeit der nichtmetallischen Bewehrung. So konnte die Betonüberdeckung der Brücke in Albstadt auf nur 1,5 Zentimeter reduziert werden. Bei einem vergleichbaren Stahlbetonbau wären mindestens 5 cm Überdeckung erforderlich gewesen. Auch ist eine Schicht Asphalt zum Korrosionsschutz der Stahlbewehrung auf der neuartigen Brücke nicht notwendig.

Wie macht sich die Brücke 2019?

Nico Köllnick, der bei der Breinlinger Ingenieure Hoch- und Tiefbau GmbH angestellt ist, hat 2019 im Auftrag der Stadtverwaltung Albstadt die Brücke nach DIN 1076 geprüft. So sei die Brücke nach fast zehn Jahren Benutzung in einem sehr guten Zustand. Auch der häufige Einsatz von Tausalz in den harten Wintern der Stadt habe der Brücke bis heute nicht geschadet: Die Oberfläche des Gehweges sei tadellos, genauso wie die Stabilität des gesamten Bauwerks.

Der Wohnungsbau staut sich

Viele genehmigte Wohnungen stehen auf der Warteliste und warten darauf, gebaut zu werden. Dass das nicht passiert, liegt aber nicht an den überforderten Baubehörden.

Von rund 700.000 Wohnungen, die gebaut werden sollen, ist die Rede. Genehmigt sind diese längst. Der sogenannte Genehmigungsüberschuss, also der Bestand an Wohnungen, die bereits genehmigt, mit deren Bau allerdings noch nicht begonnen wurde, wächst stetig. Seit 2008 hat sich dieser mehr als verdoppelt. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes warten damit Aufträge im Wert von gut neun Milliarden Euro auf ihre Bearbeitung. Da die Bauunternehmen zurzeit mehr als ausgelastet sind, ist zu erwarten, dass der Genehmigungsüberschuss auch weiterhin wachsen wird. Im Handwerker-Alltag ist das deutlich zu spüren: Mehr als schwierig gestaltet sich momentan die Suche für Wohnungseigentümer, einen Handwerker zu finden, der zügig Aufträge annimmt und diese ausführt. Zumindest hat der Grund für diese Schwierigkeit einen positiven Hintergrund, denn der zehnjährige Aufschwung am Bau wirkt sich nun mal insofern aus, dass die Nachfrage nach den Leistungen sehr hoch ist. Lediglich das Angebot ist nicht stetig mitgewachsen. So haben sich die Auftragsbestände im Wohnungsbau seit 2008 verdreifacht, während die Zahl der in der Branche Beschäftigten nur um ein Viertel zugenommen hat.

Der Fachkräftemangel bleibt unbesiegt

Dass die Bauunternehmen nicht mehr Leute einstellen, kann mehrere Gründe haben. So spielt der Fachkräftemangel sicherlich eine große Rolle bei dem Problem. Dass es wegen des durch die Wiedervereinigung bedingten Aufschwungs hohe Beschäftigungsrekorde gab, kann ein anderer Grund für die niedrige Beschäftigung sein. So gab es zu den Zeiten des Wiederaufbaus mehr als 700.000 Mitarbeiter in der Bauwirtschaft – davon ist man heute mit weniger als 500.000 Beschäftigten weit entfernt. In der aktuellen Legislaturperiode plant die Bundesregierung den Bau von 1,5 Millionen Wohnungen. Prognosen sagen allerdings voraus, dass diese Vorstellung unrealistisch sei und eine sechsstellige Zahl an Wohnungen fehlen werde. Daran schuld seien nicht nur die kleinen Baukapazitäten, sondern auch die viel zu lang andauernde Ausweisung neuer Baugelände seitens der Behörden. Nötig sind also vor allem Investitionen in den Bau seitens der Städte.

Billig-Löhne aus dem Balkan bedrohen deutschen Bausektor

Als „staatliche Lohnkosten-Trickserei“ betitelt die IG Bau die Machenschaften Sloweniens, europäische Unternehmen zu begünstigen, die ihre Mitarbeiter ins Ausland schickten.

„Die Bauwirtschaft in Europa leidet unter einer Schieflage – mit gravierenden Auswirkungen für den deutschen Markt“, das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt. Es handelt sich bei dem Problem um staatliche Lohn-Subvention. Eine „staatliche Lohnkosten-Trickserei – made by Slovenia“, so die Gewerkschaft. Unternehmen, die ihre Beschäftigten in andere EU-Staaten schickten, wurden von Slowenien begünstigt. Und das schafft unfaire Wettbewerbe. So sei das Entsenden von Mitarbeitern ins Ausland zwar legal, aber längst nicht die Praxis, mit der Slowenien seinen Betrieben dies „wirtschaftlich versüße“. „Wenn ein EU-Mitgliedsstaat seine Unternehmen von einem Großteil der Sozialabgaben befreit und damit die Lohnkosten erheblich senkt, um seinen Unternehmen in anderen EU-Ländern einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, dann ist das staatliche Lohn-Subvention“, ärgert sich der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Dietmar Schäfers. Genau das passiere gerade in Slowenien. „Und es hat spürbare Auswirkungen auf den Bausektor in Deutschland.“[/vc_row]

Unfairer Wettbewerb

Schaut man sich die konkreten Zahlen an, wird deutlich, welcher Schaden hier zustande kommt. So habe die Gewerkschaft ausgerechnet, dass sich der „staatliche Sozialrabatt“ der slowenischen Regierung auf knapp 1.035 Euro pro Bauarbeiter und Jahr im Lohn beläuft. „Das sind für eine durchschnittliche Baustelle mit vierzig Beschäftigten rund 41.400 Euro im Jahr“, erläutert Schäfers. Mit dem geltenden EU-Recht sei dieses „slowenische Geschäftsmodell staatlicher Baukostenregulierung“ nicht vereinbar. Auch habe das Ganze nichts mehr mit einem fairen Wettbewerb zwischen Unternehmen auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu tun. „Es ist nicht die Aufgabe der Regierung in Ljubljana, die Wettbewerbsbedingungen der Baubranche in anderen EU-Staaten zu diktieren“, so Schäfers. So sei es inakzeptabel, eigenen Unternehmen wirtschaftliche Vorteile durch staatlich gesteuerte Billig-Löhne zu verschaffen. Slowenien versuche hier, ein Geschäftsmodell zu etablieren. „Dem muss die EU einen Riegel vorschieben“, meint Schäfers.

Wie man Solaranlagen mit Dachbegrünung kombiniert

Solarstrom und Begrünung erzeugen „grünen“ Strom beziehungsweise Sauerstoff und sind somit gut für das Klima. Beides lässt sich auf Dächern gut miteinander kombinieren.

Sind auf Dächern bereits Photovoltaikanlagen installiert, lassen diese oftmals keinen Platz mehr für Dachbegrünung. Dabei können Pflanzen auf dem Dach viel bewirken. So können begrünte Dächer die oberen Stockwerke im Sommer kühler halten und die Luftqualität verbessern. Nun fanden Forscher heraus, dass eine gewisse Bepflanzung sogar die Stromproduktion nahegelegener Photovoltaikanlagen erhöhen kann. Ein Jahr lang haben Forschende der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW auf einem Flachdach einer Seniorenresidenz in Winterthur gemessen, wie viel Strom beidseitig aktive, senkrechte Solarmodule erzeugen. Denn: Werden die Solarmodule senkrecht auf einem Dach angebracht, bleibt auf dem Boden Platz für eine Dachbegrünung. Demnach produzieren die nach Osten und Westen orientierten Doppelmodule fast genau so viel Strom wie die nach Süden gerichteten Module. Ein Vorteil senkrechter Module ist außerdem, dass sie morgens und abends den meisten Strom liefern – also dann, wenn auch am meisten benötigt wird. Somit könnten Bewohner des Gebäudes den Strom mehr selbst nutzen als ihn ins Netz einzuspeisen. Zudem könnte der zu Randzeiten erzeugte Strom womöglich künftig teurer verkauft werden.

Pflanzen können Stromerzeugung steigern

Die Forscher fanden im Rahmen ihrer Beobachtung heraus, dass eine Bepflanzung mit den richtigen Pflanzen sogar bei der Stromproduktion helfen kann. So steigern sogenannte silberlaubige Pflanzen, die rund um die Solarzellen zum Einsatz kommen, den Stromertrag um bis zu 17 Prozent! Und auch, wenn im Winter Schnee auf dem Dach liegt, beeinträchtigt das nicht die Stromproduktion der Photovoltaikanlagen. Ganz im Gegenteil: Der Schnee unterstützt die Produktion durch die Reflektion der Sonneneinstrahlung, die vom den senkrechten Modulen ebenfalls eingefangen werden kann. Der einzige Nachteil der sich unterscheidenden Anordnung der Zellen ist, dass sich auf gleicher Fläche weniger Module aufbringen lassen, als wenn man die Zellen nach Süden gerichtet und im 30 Grad Neigungswinkel installiert. Der Gesamtertrag pro Dachfläche fällt somit geringer aus. Für die Forscher stand also nicht die Maximierung des Ertrags, sondern eine kombinierte Nutzung im Vordergrund.

Bezeichnung „Bachelor Professional“ in Stein gemeißelt

Lange diskutiert und auch kritisiert wurden die neuen Bezeichnungen für Abschlüsse in der Berufsbildung. „Bachelor Professional“ steht bald für den Handwerksmeister.

Der Bundesrat hat offiziell beschlossen: Absolventen einer Berufsbildung im Handwerk tragen ab Januar 2020 den Titel „Bachelor Professional“ oder „Master Professional“. Der Vorschlag kommt aus den Reihen der CDU – so möchte Bildungsministerin Anja Karliczek mit den neuen Namen die Berufsbildung stärken. Vor allem aus Hochschulen hatte es darauf zuletzt großen Widerstand gegeben. Befürchtet werden daraus resultierende Verwechslungen mit akademischen Abschlüssen. „Die Entscheidung des Bundesrats nehme ich mit Besorgnis zur Kenntnis“, sagte Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, nach dem Bundesratsvotum. Bereits wenige Tage vorher hatte er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung seine Sorgen geäußert: „In der Berufsbildung hat die Praxis das Übergewicht, in der Hochschulbildung die Theorie. Das ist kein Qualitätsunterschied, aber man darf es nicht verwischen. Und das würde mit einem ‘Bachelor Professional’ passieren.“

Auch seitens der FDP kam dem beschlossenen Vorschlag Kritik entgegen. So betitelte der FDP-Bildungspolitiker Jens Brandenburg das Abstimmungsergebnis als „bedauerliches Einknicken der Bundesländer“. „Der Bundesrat hat die Chance vertan, die Fehlentscheidung akademischer Etiketten für die berufliche Bildung im Vermittlungsausschuss zu korrigieren“, sagte er. Karliczek dahingegen ist der Überzeugung, dass jeder, der Zweifel an der neuen Bezeichnung hat, auch Zweifel daran hätte, dass eine Meisterausbildung dem Bachelor gleichwertig ist. Der Hauptgrund für die Veränderung sei ja schließlich, dass die beiden Bildungsstände in ein bedeutsames Gleichgewicht gebracht werden.

Stabiler Hightech-Baustoff durch Destabilisierung?

Einem Forschungsteam ist es gelungen, ein stabiles Holzmaterial zu entwickeln, das sich beliebig verformen lässt und trotzdem dreimal stärker ist, als natürliches Holz.

Die Methode, um diese Stabilität zu erzeugen, ist dabei gleichermaßen verblüffend wie genial. Die Forscher entziehen dem Holz dabei nämlich genau den Teil, der ihm in der Natur seine hohe Stabilität verleiht: Lignin. Die Forschungsgruppe von Ingo Burger an der Empa in der Schweiz und der ETH in Zürich gingen mit ihrer Forschung der Frage nach, wie Holz noch mehr und noch besser im Bau genutzt werden könne. Eine Lösung dieser Frage käme vor allem dem Klimawandel zugute. Möglich wird die Verbesserung des Holzes durch eine „Delignifizierung“ und Verdichtung des Materials. Denn Holz besteht chemisch aus den drei Bestandteilen Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Das Lignin sorgt dafür, dass die langen Zellulosefibrillen im Holz stabilisiert werden und nicht knicken. Genau diesen Stoff entziehen die Forscher dem Holz allerdings. Was übrig bleibt? Weiße Zellulose, die sich im nassen Zustand in jede X-beliebige Form bringen lässt. Diese Verformbarkeit erreicht man durch Zugabe von Wasser, das sich in den Zellen verteilt, wo vorher das Lignin für Stabilität gesorgt hat. Wird das delignifizierte Holz anschließend wieder getrocknet, verhaken sich die Zellen ineinander und sorgen für eine erneut stabile Verbindung. Durch das Pressen danach wird das Material zusätzlich verdichtet und so laut der Empa rund dreimal steifer und zugfester als naturbelassenes Fichtenholz. Durch eine wasserabweisende Beschichtung könne außerdem verhindert werden, dass das Holzinnere wieder feucht wird und das Material somit die gewünschte Form beibehält. Da das Material das Potenzial für weitere Eigenschaftserweiterungen bietet, kommt es vor allem für Innovationen in der Automobilindustrie infrage.

Stoppen geplante Grenzwerte den Straßenbau?

Um Arbeiter davor zu schützen, im Straßenbau zu viele Asphaltdämpfe einzuatmen, soll ein Grenzwert her. Die Branche fürchtet, dass der Betrieb komplett lahmgelegt wird.

Bis zu acht Stunden am Tag im Straßenbau zu arbeiten bedeutet, die ganze Zeit den Dämpfen des frischen Asphalts ausgesetzt zu sein. Aus Sicht des Bundesarbeitsministeriums braucht das allerdings einen besonderen Schutz. Darunter sind unter anderem Maßnahmen, die so streng ausfallen könnten, dass sich Asphalt nicht mehr sinnvoll verarbeiten lässt. Davor warnt zumindest die Bauwirtschaft in einem Brandbrief an das Ministerium. Bei den geplanten Maßnahmen handelt es sich unter anderem um einen Grenzwert für schädliche Dämpfe im Asphalt. Sollte der neue stark verschärfte Grenzwert für Asphaltdämpfe bald in Kraft treten, „müssten wir fast den gesamten Straßenbau einstellen“, heißt es in dem Brief, der an Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ging. Unterzeichnet ist der Brief von den Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes und des Hauptverbandes der Bauindustrie, Reinhard Quast und Peter Hübner. „Wir bitten Sie daher dringend, hier einzugreifen, eine Beschlussfassung zu verschieben oder, so unser Kompromissvorschlag, eine mindestens achtjährige Übergangsfrist bis zum Inkrafttreten des Arbeitsplatzgrenzwertes festzulegen“, mahnen die Präsidenten.

Gesundheitsgefahr als Ursache

Der Ausschuss für Gefahrstoffe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die dem Arbeitsministerium untersteht, hat die Maßnahme ins Rollen gebracht. Das Gremium erstellt Richtlinien gegen Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz. Der Grenzwert für Bitumdämpfe soll dann ab dem kommenden Frühjahr bei 1,5 Milligramm pro Kubikmeter Luft liegen. Laut Bauverbänden liegt der Wert momentan allerdings bei ordnungsgemäßer Verarbeitung von heißem Asphalt bei acht bis 12 Milligramm je Kubikmeter. Je heißer der Asphalt ist, desto höher auch die Werte der freigesetzten Bitumdämpfe. Je höher die Temperatur, desto höher allerdings auch die Qualität des Asphalts. Würde man diese Temperatur also für einen niedrigeren Wert an Bitumdämpfen senken müssen, würde darunter auch die Qualität leiden. Das sei technisch aber unzulässig, betont die Branche. Ein „temperaturabgesenkter Asphalt“ sei anfälliger für Schäden und zudem „nicht vom gültigen technischen Regelwerk des Straßen- und Verkehrswesens abgedeckt“.

Streit um Änderungen in Städteplanung

Die Politik plant Änderungen im Städtebaurecht. Experten machen sich Sorgen, was das für Städte und Gemeinden und die Arbeit von Städteplanern und Architekten bedeutet.

Zuletzt wurden Änderungen im Rahmen der „Düsseldorfer Erklärung“ im vergangenen Mai angekündigt. Grob zusammengefasst enthält sie eine Novellierung der Baunutzungsverordnung. Diese beinhaltet unter anderem die Abschaffung der Dichteobergrenzen und des zweiteiligen Lärmrechts sowie eine Überarbeitung der Nutzungskataloge. In dieser Novellierung sehen die Verfasser der „Düsseldorfer Erklärung“ eine Voraussetzung für schöne und lebensfähige Stadtquartiere. Etwa einen Monat später folgte das Widerspruchspapier „Gegen die Düsseldorfer Deregulierung“. In diesem setzen sich die Unterzeichner für ein Städtebaurecht ein, das im vorstädtischen und ländlichen Raum ebenso wie in der Stadt eine ausgewogene Siedlungsentwicklung sichert und sehen eine Freigabe der Dichteobergrenzen kritisch. Der Bayrische Bund Deutscher Architekten stellt in seinem Debattenmagazin BDAtalk folgende Frage: Behindert die derzeitige Baugesetzgebung zeitgemäße städtebauliche Qualität und das Entstehen lebendiger Quartiere? Bereits seit September werden Antworten in Form einer Umfrage gesammelt. Das Ergebnis: 69 Prozent der 16 Teilnehmer antworteten mit „Ja“, 19 mit „Nein“ und die restlichen 13 Prozent gaben als Antwort ein „Jein“. Insgesamt elf Fachleute, darunter Architektin und Stadtplanerin Sophie Wolfrum, der Dortmunder Architekturtheoretiker Wolfgang Sonne und Hamburgs ehemaliger Oberbaudirektor Jörn Walter haben sich auf der Seite mit ihren bestimmten Statements zum Thema geäußert. Damit reagieren sie auch auf eine veröffentlichte Argumentation des Frankfurter Architekten und Stadtplaners Christoph Mäckler, der die Düsseldorfer Erklärung mitinitiiert hat. Die BDA-Debatte läuft noch bis Ende November, die Teilnahme und Meinungsäußerung anderer Fachleute ist erwünscht.

Innovationen im Straßenbau der Zukunft

Im Rahmen des neuen Verbundprojekts „Straße der Zukunft“ sollen Stadtplanungsprozesse optimiert und energieeffiziente Lösungen für unsere Straßen gesucht werden.

„Den Straßenbau reformieren“ lautet das gesetzte Ziel der Projektpartner des Verbundprojekts „Straße der Zukunft“. Mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung wurde vor kurzem in die Testphase in Ludwigsburg und Erlangen gestartet. Im Vordergrund steht, Stadtplanungsprozesse zu optimieren und die Straßen in Zukunft ressourcenschonend und energieeffizient zu bauen. Denn: Viele Straßen in Deutschland sind alt und entsprechen längst nicht mehr den modernen Anforderungen. Bröckelnder Asphalt, Risse in der Oberfläche und Straßen, die aussehen wie Flickenteppiche. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB stellen sich der Herausforderung, gemeinsam mit Partnern die Nutzungsmöglichkeiten der Straße der Zukunft zu erforschen.

Mit Digitalisierung zum nachhaltigen Straßenbau

Man möchte weg vom Image der glatten grauen Piste, auf der Autos sich von A nach B bewegen. Ein Beispiel dieses Projekts ist die Speicherung von Oberflächenwasser bei Starkregen oder das Erproben neuer Logistiklösungen. Geplant ist eine Lösung, mit der man Grünanagen mit Regenwasser bewässern oder auch Kanäle spülen kann. Digitalisierung spielt bei den Lösungsentwicklungen eine wichtige Rolle. Ludwigsburg und Erlangen sollen die Vorreiter für nachhaltige Straßen sein. Hier sollen Lösungen erprobt werden, die später als Basis dienen, damit andere Kommunen die bewährten Konzepte übernehmen können. Das Projekt wird von den zwei Fraunhofer-Instituten und dem Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen Drees & Sommer koordiniert. Stadtentwicklungsprojekte bekommen dank des Vorhabens konkrete Werkzeuge und Empfehlungen in die Hand, die auch bei der politischen Überzeugungsarbeit helfen können. Durch regelmäßige Workshops der Wissenschaftler bleibt kein Wissen ungenutzt, wird gebündelt und an der entscheidenden Stelle eingebracht. Das Ergebnis ist ein Instrument für die Umsetzung zur Schaffung nachhaltiger Straßenflächen, die mehr sind, als nur ein simpler Untergrund für Autos.

Mietendeckel steht Wohnungsbau im Weg

Der Mietendeckel ist als bloßer Gesetzesentwurf noch nicht einmal beschlossene Sache und doch ist er bereits schädlich für die regionale Bauwirtschaft in Berlin.

Momentan kommt es in Berlin zu heftigen Einbrüchen in der Bauwirtschaft. Das bestätigen der Baustopp des Berliner Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen und die Berliner Wohnungsbau-Genossenschaften. Ihre Neubauvorhaben haben sie zunächst gestoppt. Bezüglich dieses kürzlich bekannt gemachten Baustopps meint Dr. Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg: „Der Mietendeckel ist dabei, den Wohnungsbau in Berlin und damit die regionale Bauwirtschaft auszubremsen.“ Dabei ist das Gesetz noch nicht einmal in Kraft getreten – und hat trotzdem bereits negative Auswirkungen auf den Berliner Wohnungsbau. Der Mietendeckel ist ein Gesetzesentwurf, der eine Mietenbegrenzung vorsieht. Diese Begrenzung wird in Form einer Maximal-Nettokaltmiete festgelegt, die vom Mieter gezahlt werden muss. Der Entwurf muss noch vom Abgeordnetenhaus von Berlin als geltend beschlossen werden, bis dahin kann der bestehende Entwurf aus dem Juni 2019 noch verändert werden.

Stopp von Projekten in Milliardenhöhe

Die Deutsche Wohnen hat den Baustopp für Berliner Projekte in Höhe von rund einer Milliarde Euro bekannt gegeben. Das Landesamt für Statistik hat bereits den Rückgang von Neubaugenehmigungen in Berlin gemeldet – durch den angekündigten Baustopp dürfte sich dieser Rückgang weiter verschlimmern. Dabei werden in Berlin dringend neue Wohnungen benötigt. Durch die aktuelle Entwicklung gehen diese aber verloren, so Schreiner weiter. „Ich befürchte leider, dass die Meldungen der Deutsche Wohnen und der Wohnungsbau-Genossenschaften nur der Auftakt zu einer Welle an Projektstopps in Berlin sind.“ Experten der Baubranche rechnen für nächstes Jahr mit einem Umsatzrückgang von 25 Prozent. Darunter werden besonders die kleinen und mittelständischen Bauunternehmen leiden, denn sie sind auf den Umsatz angewiesen, der aus der Wohnungswirtschaft kommt. Die FG Bau rechnet mit verstärkten Insolvenzen und einem Abbau von Arbeitsplätzen. Insgesamt 23 Verbände haben sich vor dem Gesetzesentwurf an den Senat gewandt und solche Sorgen geäußert.