Städte fordern mehr Unterstützung beim Klimaschutz

Eine aktuelle Studie hat 15 europäische Städte zum Thema Klimaschutz befragt. Viele Städte wünschen sich vor allem mehr politische Unterstützung bei dem Klimaproblem.

„Bridging the Climate Gap“ („Überbrückung des Klimaspalts“) heißt die neue Studie, die untersucht, was europäische Städte daran hindert, wichtigen Nachhaltigkeitszielen nachzukommen. Die thinkstep AG und Drees & Sommer haben dazu insgesamt 15 europäische Städte untersucht, darunter beispielsweise Glasgow, Helsinki, München und die schwedische Stadt Växjö. Immerhin sind sich alle Städte einig: die Folgen der globalen Erwärmung sind relevant für alle von ihnen. Das zentrale Ergebnis lautet aber vor allem: Mehr als 60 Prozent der untersuchten Städte fehlt eine stärkere politische Unterstützung.

Im Fokus der Studie stehen Fragen wie „Welche Strategien und Maßnahmen verfolgen Städte und Kommunen für den Klimaschutz?“ oder „Reichen die aktuellen Maßnahmen aus, um unter dem empfohlenen Temperaturanstieg von 1,5 Grad zu bleiben und die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern?“ Die beiden Leiter der Studie, Martin Blumberg von der thinkstep AG und Gregor Grassl von Drees & Sommer führten viele Interviews und Umfragen mit den ausgewählten Städten durch.

Es fehlen Geld und Bildung

Längst nicht alle Städte fühlen sich dazu in der Lage, im Alleingang die notwendigen Maßnahmen durchzusetzen. So gaben mehr als 60 Prozent der Städte an, dass ihnen eine stärkere politische Unterstützung fehle, obwohl diese eigentlich notwendig wäre. „Wenn Sie Politiker fragen würden, würde niemand sagen, dass ihnen die CO2-Einsparung egal ist. Ich glaube jedoch, dass dies in der Praxis nicht die oberste Priorität hat“, so Martin Blumberg. 40 Prozent der befragten Städte sind gar der Ansicht, dass sie nicht über administrative Strukturen für multidisziplinäre Klimaschutzmaßnahmen verfügen. Die größte Gemeinsamkeit haben die Städte anscheinend im Bereich der Finanzierung: 70 Prozent der Städte antworten, dass ihnen die finanziellen Mittel fehlen, um ehrgeizigere Klimaschutzziele zu verfolgen. Außerdem geben zwei Drittel der untersuchten Städte einen Mangel an Personal mit technischem Know-How an. Und sogar noch mehr sehen den Mangel an Bildung, Beratung und Ausbildung als Hindernis. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass wir mehr Mut und ganzheitliche Kompetenz zur Dekarbonisierung unserer Gesellschaft und Industrie brauchen. CO2-arme Technologien sind unsere Geschäftsmodelle von heute und schaffen den Wohlstand von morgen“, so Gregor Grassl.

Ein Lösungsweg

Dass es bereits möglich ist, mehr Nachhaltigkeit in Städten zu verfolgen, zeigt das Positivbeispiel Vaxjö. Hier sehen die beiden Studienautoren die Lösung in Einzelmaßnahmen wie der Entwicklung und Umsetzung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte, dem Bau kreislauffähiger Gebäude oder alternativer Finanzierungsmethoden. Vaxjö zeige, wie „die frühe und breite Einführung von Strategien und Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion zum wirtschaftlichen Wachstum und Wohlstand führen kann“.

Klinker werden immer beliebter

Sowohl Vormauer- als auch Pflasterklinker liegen schwer im Trend: bereits im dritten Jahr in Folge verzeichnet die deutsche Ziegelindustrie einen Produktionszuwachs.

Um ganze fünf Prozent stieg die Menge der Vormauerziegel im Jahr 2018 an, bei den Pflasterklinkern gab es sogar einen Anstieg von knapp 16 Prozent. Das entspricht für 2018 einer wertmäßigen Steigerung von 8,5 Prozent auf etwa 184 Millionen Euro im Bereich Vormauer und bei den Pflasterklinkern von knapp neun Prozent auf ungefähr 63 Millionen Euro.

„Die Kombination aus Wertbeständigkeit und der Möglichkeit mit Klinkern individuell zu gestalten überzeugt immer mehr Architekten, Bauherren und Investoren“, freut sich Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Ziegelindustrie (BVZI). „Klinker haben eine unbegrenzte Lebensdauer, sind dauerhaft farbecht, wartungsfrei und wertbeständig. Pflasterklinker sind darüber hinaus sehr robust, somit bestens für die täglichen Belastungen durch Verkehr und Fußgänger geeignet.“

Architekten von Bauvorhaben setzen bei der Gestaltung von Fassaden vor allem auf die Vielfalt an Formen, Farben und Oberflächen: „Wir stellen fest, dass Architekten beim Objekt- und Wohnungsbau verstärkt auf individuelle Fassadengestaltung mit Ziegeln setzen“, erläutert Frederichs. Laut dem Hauptgeschäftsführer haben sich die Hersteller von Vormauerziegeln besonders gut auf diese Anforderungen von Architekten und Bauherren eingestellt und sind in der Lage, auch Sonderanfertigungen in der gewünschten Qualität zu produzieren.

Drei Finalisten für nachhaltiges Bauen

In einem durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) initiierten Wettbewerb stehen nun die neun Finalisten fest. Das Publikum entscheidet, wer gewinnt.

„Sustainability Challenge“ („Nachhaltigkeitsherausforderung“) nennt sich der jährlich stattfindende Wettbewerb, in dem jeweils drei Einreichungen in den Kategorien Forschung, Start-Up, und Produktinnovation gegeneinander antreten. Dieses Jahr beweisen die Finalisten am 25. Juni in Stuttgart das Potential ihrer Innovationen, die Veranstaltung läuft im Rahmen des Tages der Nachhaltigkeit. „Die Finalisten zeigen mit ihren Ansätzen und Lösungen die enorme Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens“, freut sich Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB und Mitglied der Jury. Rund 100 Bewerbungen gingen ein, aus denen die Jury zusammen mit anderen Mitgliedern des DGNB Innovationsbeirats neun Kandidaten ausgewählt hat.

Vielversprechende Innovationen

In der Kategorie „Forschung“ finden sich drei Finalisten. Im Rahmen des Projektes BauCycle wird zusammen mit dem Fraunhofer Institute eine ganzheitliche Verwertungsstrategie für Bauschutt und dessen Feinfraktion erforscht. Heraus kam ein neuer Lösungsansatz für das Baustoffrecycling. Ein weiteres Forschungs- und Entwicklungsprojekt von Arup, Mogu und Ardex entwickelt momentan eine Strategie für die Nutzung von Bioverbundwerkstoff Myzelium und die Agriculture Lighting Facade ermöglicht mit ihrem neuen Projekt den ganzjährigen Gemüseanbau hinter Glasfassaden.

Schon die Kategorie „Forschung“ verspricht also besonders nachhaltige Ideen und Strategien zum Klimaschutz und einer positiven Ökobilanz. In der Kategorie „Start-up“ sticht vor allem eine Innovation von der Vilisto GmbH heraus: sie hat ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Wärmemanagement für Nichtwohngebäude entwickelt. So können Heizkörper vielleicht schon bald vollautomatisch, vorausschauend und bedarfsgerecht gesteuert werden. Die dritte Kategorie „Produktinnovation“ verspricht ebenfalls sehr interessante Ideen. So hat zum Beispiel die Intewa GmbH eine neue Systemlösung für einen fast geschlossenen Wasserkreislauf parat. Dieses System kann Regen und Grauwasser so aufbereiten, dass bis zu 95 Prozent Trinkwasser eingespart werden könnten. Alle Finalisten können mit Namen und Beschreibungen der Innovationen auf der Website vom DGNB eingesehen werden.

Das Publikum entscheidet

Wer sich in den drei Kategorien jeweils als Gewinner durchsetzen wird, zeigt sich am 25. Juni in Stuttgart im Rahmen des DGNB Tages der Nachhaltigkeit. Hier präsentieren sich die Kandidaten ab 14:30 Uhr mit Impulsvorträgen an einem eigenen Ausstellungsstand. Das Publikum bestimmt am Abend dann die Preisträger, die noch am selben Tag bekannt gegeben und ausgezeichnet werden.

Optimismus für Vakuum-Isolierglas vergangen

Als ein immer noch ungeregeltes und nicht harmonisiertes Bauprodukt scheiterte die breite Etablierung des Vakuum-Isolierglases. Das ift Rosenheim möchte das nun ändern.

Mangelnde Verfügbarkeit, kleine herstellbare Abmessungen und der fehlende Nachweis von Dauerhaftigkeit: hat man am Anfang der 2000er noch große Hoffnung in das neuartige Produkt gehabt, ist heute nicht mehr viel von der Euphorie übrig. Die Rede ist vom Vakuum-Isolierglas (VGI). Zwar gibt es bereits die ISO-Norm „Glas im Bauwesen- Vakuum­glas- Teil 1“, in dieser werden jedoch einseitige Klimalasten (also die Temperaturunterschiede der Außen- und Innenscheibe) und zusätzliche Überlagerungen durch Winddruck und Soglasten nicht berücksichtigt. Auch eine CE-Kennzeichnung gibt es nach wie vor nicht. Durch diesen fehlenden Nachweis bekommt der Bauherr kaum Informationen zur Dauerhaftigkeit des Produkts.

Neue Prüfverfahren und Produktionslasten

Das Institut für Fenstertechnik (ift) Rosenheim hat daher bereits vor Veröffentlichung und auf Basis der ISO-Norm an einem neuen Prüfverfahren zum praxisgerechten Nachweis der Dauerhaftigkeit von VIG gearbeitet. Bei den Tests in Rosenheim bogen sich nämlich viele Scheiben durch. Daher jetzt ein neues Prüfverfahren, welches im Praxistest viele zusätzliche Einwirkungen auf das Glas berücksichtigt. Dabei werden Werte wie der Wärmedurchgangskoeffizient, sowie klimatische und mechanische Belastungen ermittelt. Auch die Schalldämmung und die Dauerbelastung durch Feuchte und UV-Strahlung können in den Laboren optimal geprüft werden.

In Europa sind neue Produktionsstätten geplant, die das Vakuum-Isolierglas wesentlich schneller ausliefern und dem Produkt einen Aufwärtstrend bescheren können. Denn viele Vorteile hat das Glas ja nach wie vor: dank des niedrigen Gewichtes und der geringen Bautiefe können die Fenster im Bereich der Renovierung, bei Denkmalfenstern und bei großen Glasflächen punkten. In einigen Bauvorhaben in Europa wurden bereits VIG eingebaut, um es weiter zu etablieren, muss in Zukunft aber noch mehr passieren.

Brandschutz bei Steildächern

Bedachungen müssen nach den Landesbauordnungen gegen Brandbeanspruchungen geschützt sein. Für Steildächer mit PU-Aufsparrendämmung gibt es jetzt eine neue Planungshilfe.

Die großen Herausforderungen bei Dächern sind nicht nur die Gewährleistung einer hohen Dämmleistung und Dauerhaftigkeit, sondern auch eine ausreichende Sicherheit in Brandfällen. Alle Dächer müssen demnach gegen eine Brandbeanspruchung von außen durch Flugfeuer und strahlende Wärme ausreichend lang standhalten. Auf Steildächern wird diese Anforderung meist durch eine „harte Bedachung“, zum Beispiel durch Ziegel oder Betondachsteine, erfüllt.

In bestimmten Fällen, vor allem bei den Gebäudeklassen 4 und 5, sollen Dächer aber auch bei einer Brandeinwirkung von innen (zum Beispiel bei einem Zimmerbrand) die Brandweiterleitung behindern. Für diese Anforderungen gilt die Feuerwiderstandsklasse REI 30 (feuerhemmend) oder auch F 30, beide Klassen werden in einer DIN-Norm geregelt. In der neu aufgelegten Planungshilfe „REI 30 Steildächer mit PU-Aufsparrendämmung“ vom Industrieverband Polyurethhan-Hartschaum (IVPU) sind alle entsprechenden Nachweise der Anforderungen enthalten. PU-Dämmstoffe haben gleichzeitig eine hohe Wärmedämmleistung und thermische Beständigkeit. In den europäischen Brandklassen werden diese Dämmstoffe unter der Klasse B und C (schwerentflammbar) oder D und E (normalentflammbar) eingestuft. Der verwendete Polyurethan-Hartschaum ist nicht schmelzbar und kann somit im Brandfall nicht brennend abtropfen. Glimmbrände können bei PU-Dämmstoffen nicht auftreten.

Feuerwiderstandsfähigkeit

Die Feuerwiderstandsfähigkeit eines Gebäudes bezieht sich auf die Gesamtkonstruktion. So wird bei der Bestimmung der Dachaufbau in Verbindung mit allen Schichten, Sparren, Dämmstoffen und der Schalung betrachtet. Ausschlaggebend ist die Dauer in Minuten, die das Dach dem Feuer standhält und die Brandausbreitung verhindert. Die Nachweise zur Feuerwiderstandsfähigkeit von Steildachkonstruktionen mit PU-Aufsparrendämmung wurden mithilfe von brandschutztechnischen Prüfungen ermittelt und sind in der Planungshilfe aufgeführt. Dazu gehören das allgemeine bauaufsichtliche Prüfungszeugnis und der Klassifizierungsbericht, die Zuordnung der Feuerwiderstandsklassen zu den bauaufsichtlichen Bezeichnungen und auch die relevanten Konstruktionsvarianten mit PU-Dämmstoffen, die vom IVPU hergestellt und vermarktet werden. Das Dokument ist im Mediacenter auf der Website des Verbandes kostenlos downloadbar.

Steuerliche Förderung bei Gebäudesanierung

Bundesbauminister Horst Seehofer kündigte Pläne an, Gebäudesanierungen in Zukunft mit einer steuerlichen Förderung zu belohnen. Das Baugewerbe begrüßt diesen Vorschlag.

Um den Klimaschutz voranzutreiben, hat Seehofer konkrete Pläne. So sei es wichtig, den Klimaschutz vor allem im Gebiet Gebäude und Gebäudesanierung endlich voranzutreiben, da der Gebäudebereich in diesem Anliegen bisher viel zu wenig im Mittelpunkt gestanden hätte. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) freut sich über diese Entscheidung: „Die energetische Sanierung des Gebäudebestandes bietet ein riesiges Potenzial, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren und somit einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz zu leisten”, erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB. „Daher können wir die Ankündigungen des Bundesbauministers, die Sanierung von Altbauten steuerlich zu fördern, nur begrüßen.“

Dass Klimaschutzmaßnahmen bei Gebäuden bisher eher im Hintergrund waren, ist bei den aktuellen Zahlen ziemlich überraschend: so könnten durch die Steuervergünstigungen 3,39 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Würde die Förderung 20 bis 30 Prozent betragen, könnten rund ein Viertel der Einsparungen im Gebäudebereich anfallen. Letztendlich könnte der CO2-Ausstoß mit der Sanierung von Häusern um rund zwei Drittel verringert werden. Bisher standen den gewünschten Änderungen einige Punkte im Weg. So ist im geplanten Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 keine steuerliche Förderung zur Gebäudesanierung vorgesehen. So wie im Entwurf für das Jahr 2019 wird dieser Punkt überhaupt nicht berücksichtigt. Bisher liegt die Sanierungsrate von Altbauten im Jahr nur bei einem Prozent, umso wichtiger werde es laut dem Baugewerbe, die vorgesehene Förderung aus dem Koalitionsvertrag endlich in die Tat umzusetzen.

Neues Monopol im Bereich Baustoffe

Ende April gaben die Gebr. Knauf KG und die USG Corporation den Vollzug der Übernahme von USG durch Knauf bekannt. Dadurch wird Knauf zum globalen Branchenführer.

Schon 2013 hatte Knauf die europäischen Geschäftsbereiche der Firma USG Corporate übernommen. Das amerikanische Unternehmen stellt Baumaterialien her, insbesondere Trockenmauerwerk und Fugenmasse. Durch den endgültigen Vollzug wird Knauf nun der weltgrößte Produzent von Gipsbaustoffen. „Diese Transaktion ist die größte Übernahme in der Geschichte von Knauf und bietet dementsprechend bedeutende Gelegenheiten zur Schaffung eines stärkeren und nachhaltigeren Unternehmens für unsere Mitarbeiter, Kunden und Standorte“, teilte Alexander Knauf, persönlich haftender Komplementär von Knauf, mit. „An USG bewundern wir besonders die starken Marken, die führende Marktposition in Nordamerika bei Gipskartonplatten und Deckensysteme.“

Chris Griffin, künftiger CEO von USG, ergänzte: „Ich bin begeistert, wieder bei USG zu sein und mit dem talentierten USG-Team und der Führung von Knauf zusammenzuarbeiten, um diese Kombination zu einem großartigen Erfolg zu machen. Unsere unmittelbaren Prioritäten sind das Sicherstellen eines reibungslosen Übergangs für unsere Mitarbeiter, das Unterstützen unserer Kunden durch volle Konzentration auf ihre Bedürfnisse und das Steigern der betrieblichen Exzellenz im gesamten Unternehmen.“ USG-Aktionäre erhalten 43,50 Dollar in bar für jede gehaltene Stammaktie von USG, die zum Zeitpunkt der Fusion gehalten wurde.

Neues Gütezeichen für bestimmtes Sicherheitsglas

Heißgelagertes Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) nennt sich das Glas, für das es jetzt ein neues Gütezeichen gibt. Der Hauptgrund ist vor allem die Zukunftssicherung.

Der Bundesverband Flachglas (BF) und die Gütegemeinschaft Flachglas (GGF) wollen mit dem neuen RAL Gütezeichen ESG-HF jetzt sicherstellen, dass heißgelagertes Einscheiben-Sicherheitsglas auch in Zukunft mit geprüfter Sicherheit verwendet werden darf. Zuvor hat bereits die deutsche Bauaufsicht in der Bauregelliste A die zusätzlichen Anforderungen „ESG-H“ an den Heißlagerungsprozess von SG definiert. Wesentliche Punkte, die sich von vorher geltenden Bestimmungen unterscheiden, sind zum einen eine längere Haltezeit mit höherer Temperatur und zum anderen eine obligatorische Fremdenüberwachung.

„Solche nationalen Zusatzanforderungen in der Bauregelliste wurden bekanntlich mit dem Urteil C-100/13 des Europäischen Gerichtshofes vom 16. Oktober 2014 für unzulässig erklärt. Das Produkt ‚ESG-H‘ als deutsche Besonderheit gibt es daher nicht mehr“, bestätigt der GGF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs und führt weiter aus: „Es gibt derzeit unter Experten keine Einigkeit, ob die erhöhten Anforderungen an die Haltezeit tatsächlich die Versagenswahrscheinlichkeit des Produktes durch Spontanbrüche […] verringern. Die Fremdüberwachung wird aber weiterhin als wesentliche Voraussetzung für das in Deutschland angestrebte hohe Sicherheitsniveau angesehen.“ In den Entwürfen „Technische Baubestimmungen“ vom August 2017 und dem Entwurf der DIN 18008 vom Januar 2019 sind einige aktuelle Bestimmungen für ESG festgehalten. Unter anderem wird folgender Punkt ausführlich beschrieben: ESG-Scheiben, deren Oberkante mehr als vier Meter über einer Verkehrsfläche liegt, dürfen nur im Rahmen einer Mehrscheiben-Isolierverglasung verwendet werden. Ansonsten sind konstruktive Maßnahmen zur Gefahrenabwehr im Versagensfall vorzusehen, wie zum Beispiel eine Splittersicherung, Vordächer oder ähnliches. „Damit ist die Verwendung von heißgelagertem ESG also eingeschränkt“, so Herr Grönegräs. Um das Produkt „Heißgelagertes ESG“ weiterhin nutzen zu dürfen, appelliert der GGF-Geschäftsführer an alle betroffenen Hersteller: „Zum einen kann ich nur dazu raten, Mitglied in unserer Gütegemeinschaft zu werden. Außerdem sollten sie sich an eines der genannten Prüfinstitute wenden und mit ihm einen Vertrag über die Fremdüberwachung ihrer Produktion auf der Grundlage der RAL-Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 525 abschließen. Vertragspartner hierfür ist das jeweilige Prüfinstitut direkt. Für die Zukunft hängt die Berechtigung zum Führen des RAL-Gütezeichens dann vom positiven Ergebnis der Fremdüberwachung ab, über das die Prüfinstitute der Gütegemeinschaft berichten.“

Mehr Wohnungen müssen her

Von einer „Austrocknung des Marktes“ spricht das Verbändebündnis Wohnungsbau, wenn es um den Bau von Sozial- und Mietwohnungen geht. Es fordert einen Masterplan.

Am 9. Mai 2019 veranstaltete das Verbändebündnis Wohnungsbau den „Wohnungsbau-Tag 2019“. Auf diesem Branchengipfel, der bereits zum 11. Mal stattfand, forderten die Bündnismitglieder einen „Masterplan für den sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau“. Das Bündnis besteht aus allen relevanten Organisationen und Verbänden der Bau- und Immobilienbranche, unter anderem der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Gemeinsam kritisiert das Bündnis, dass in Deutschland zu wenig und zu teuer gebaut werde. So sei das Problem des bezahlbaren Wohnens längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Als Mindestanforderung sieht das Verbändebündnis Wohnungsbau den Neubau von mindestens 60.000 Mietwohnungen pro Jahr. Nur gut die Hälfte davon wird allerdings momentan tatsächlich gebaut. Beim sozialen und bezahlbaren Wohnungsbau müssten gerade der Bund und die Länder „schnell eine Strategie entwickeln und finanziell enorm nachlegen“. Und auch grundsätzlich dürfe es „nicht länger eine Wohnungsbaupolitik kurzfristiger Investitionsprogramme nach Haushalts- bzw. Kassenlage geben“. Zentrale Aspekte der „10-Punkte-Forderung“ sind zum Beispiel, dass mehr Bauland bereitgestellt und eine höhere Dichte und Höhe beim Bau von Wohnraum zugelassen werden muss. Auch fordert das Bündnis, dass der Bund den sozialen Wohnungsbau mehr fördert als bisher. Mit 1,5 Milliarden Euro vom Bund wurden bislang 25.000 neue Sozialwohnungen gebaut – für das Bündnis eindeutig zu wenig.

Wohnungsbau-Tag übte das Verbändebündnis scharfe Kritik an Bund, Ländern und Kommunen: „Es passiert auf allen drei Ebenen viel zu wenig. Der Wohnungsbau kommt nur schleppend voran, weil ein beherztes politisches Zupacken fehlt.“ Bei Bund und Ländern müsse eine deutliche Entschlackung der Bauvorschriften und bei Kommunen zügigere Genehmigungsverfahren stattfinden, etwa durch mehr Personal und Digitalisierung in den Baubehörden. Das Bündnis beauftragte außerdem eine Prognos-Studie, die aufdeckt, in welchen Städten sich welche Möglichkeiten des Wohnungsbaus bieten. Außerdem analysiert die Studie, welche Folgen der Wohnungsmangel langfristig haben wird. Deshalb fordern die Wissenschaftler des Prognos-Instituts ganz klar: „Bei neuen Maßnahmen, Gesetzen oder Förderungen sollte nicht die kurzfristige Perspektive der kommenden zwei bis vier Jahre im Fokus stehen.“ Notwendig sei vielmehr ein strategischer Blick darauf, was für die Wohnungsmärkte mittel- bis langfristig erforderlich ist.

Goldene Verdienstmedaille für Harald Weber

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) hat den langjährigen Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz Harald Weber als engagierten Vordenker geehrt.

Die Goldene Verdienstmedaille darf Harald Weber seit dem 16. Mai 2019 sein Eigen nennen. Reinhard Quast, Präsident des ZDB, und Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB, zeichneten Weber im Rahmen des Bauwirtschaftstages Rheinland-Pfalz in Mainz aus. Mit der Goldenen Verdienstmedaille würdigt der ZDB Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die baugewerbliche Organisation gekümmert und diese vorangebracht haben. Nach dem Ehrenring des Deutschen Baugewerbes ist die Medaille die ranghöchste Ehrung des Verbandes.

Fast 40 Jahre lang war Weber in verschiedensten Funktionen für die baugewerbliche Organisation tätig. Schon 1980 begann er eine Karriere beim ZDB, 1992 wurde er dann Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbands Rheinhessen-Pfalz. Der wichtigste Erfolg, den er seither zu verzeichnen hat, ist die Neustrukturierung der Interessenvertretung der Bauunternehmen in dem Bundesland, die er durch eine Fusion von ursprünglich drei Verbänden zu einem zusammenlegte. Außerdem war Weber verantwortlich für die Vertretung der Interessen des deutschen Baugewerbes in den europäischen Gremien. Diverse Fachpublikationen wurden unter seinem Namen veröffentlicht und auch die Fachhochschulen Köln und Kaiserslautern profitierten langjährig von Webers Lehrtätigkeiten.

Pakleppa würdigte Weber als engagierten Vordenker, der sich vor allem für die mittelständischen Betriebe der Bauwirtschaft einsetzte: „Die Auffassungen von Harald Weber, gleich ob tarifpolitischer, rechtlicher oder wirtschaftlicher Natur sind immer ein Kompass für richtige und gut abgewogene Weichenstellungen und Positionierungen in der bundesweiten Verbandsarbeit gewesen.“