Beton ohne CO2-Fußabdruck

Der Baustoffproduzent Holcim hat den bundesweit ersten CO2-neutralen Beton entwickelt. Erreicht wird dies unter anderem durch eine veränderte Betonrezeptur.

Widerstand gegen Druck, im Verarbeitungszustand gießbar und somit formbar – diese und viele weitere Vorteile bietet das robuste Baumaterial. José Luis Moros beschreibt in seinem Fachbuch „Baukonstruktion – vom Prinzip zum Detail“ auch, wie Beton es erlaubt, fugenlose monolithische Strukturen in größeren Maßstäben zu schaffen, bis hin zum kompletten Bauwerk. Betrachtet man die Auswirkungen von Beton auf das Klima und die Umwelt, kommen allerdings auch immer mehr Nachteile zum Vorschein. So entstehen bei der Produktion von Beton etwa fünf bis zehn Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Bauwerke allgemein sind sogar für ganze 40 Prozent der Treibhausgasemissionen und des Energieverbrauchs verantwortlich. Auch sorgt die Gebäudesparte für 50 Prozent der Rohstoffentnahme aus der Natur sowie der Abfallmassen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Bauwende Bündnis. Statista, das die Treibhausgasemissionen des deutsche Baugewerbes in den Jahren 1995 bis 2017 ermittelt hat, kommt ebenfalls zu einem solchen Ergebnis: Im Jahr 2017 verursachte das deutsche Baugewerbe rund 4,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Viele Hersteller arbeiten bereits an CO2-neutralem Beton

Alternative Bauweisen, wie beispielsweise die Bauweise mit Holz, nehmen seit jeher zu. Aber auch im Bereich des Zements und Beton geben viele Hersteller nicht auf. So hat der Baustoffproduzent Holcim erst im Januar 2020 bekanntgegeben, dass der bundesweit erste CO2-neutrale Beton entwickelt worden sei. Auch gibt das Unternehmen an, seit 2019 bereits mehr als 90 Prozent seiner Betone mit CO2-reduzierten Zementen zu produzieren. Der Name des Produktes verspricht viel: Ecopact Zero heißt der neuartige Beton. Noch im ersten Quartal 2020 soll er erstmals innerhalb Deutschlands ausgeliefert werden. Eine tragende Rolle bei der Produktion habe der Einsatz klinkerreduzierter Zemente und die Optimierung der Bindemittel-Gehalte gespielt, heißt es von dem Hamburger Unternehmen. Das allein soll allerdings nicht ausgereicht haben. So werde der weiterhin unvermeidbare CO2-Fußabdruck bei der Produktion von Ecopart Zero beispielsweise durch den Erwerb von MoorFutures-Zertifikaten kompensiert. MoorFutures fördert Wiedervernässungs-Projekte von Mooren in verschiedenen Bundesländern. So könne eine Wiedervernässung der drainierten Moore Deutschlands theoretisch bis zu 35 Millionen Tonnen CO2- pro Jahr einsparen, schreibt Stefan Zerbe in seinem Buch „Renaturierung von Ökosystemen im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt“.

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