Bauindustrie fordert einheitliche Datenstandards

In den Augen von Bauunternehmen und Maschinenherstellern ist die Digitalisierung ohne einheitliche Datenformate und zugängliche Plattformen zum Scheitern verurteilt.

Auf einer Podiumsdiskussion im November 2019 diskutierten zahlreiche Experten über „Smart Construction und die intelligente Baustelle“. So liefern und verarbeiten Baumaschinen bisher bereits eine Unmenge an Daten – diese sind allerdings nicht universell lesbar und ergeben nur im Ökosystem des jeweiligen Herstellers gelesen einen Sinn. Hans Jörg Klingelhöfer, Head of Digitalisation bei der Strabag, stellt fest: „Wir sind auf dem Stand der sechziger Jahre stehen geblieben. Das müssen wir ganz dringend ändern.“ Denn: Idealerweise würden sämtliche im Bauprozess anfallende Daten in einer Baustellencloud gespeichert und in Onlineportalen ausgewertet und aufbereitet werden. Dafür müssten die Daten allerdings ein einheitliches Format besitzen, was bisher nicht möglich ist. Auch unklar ist, bei wem die Verantwortung für den ersten Schritt in die richtige Richtung liegt. Die Industrie sieht die Verantwortung dafür bei den Bauunternehmen, die wiederum nehmen die Industrie in die Pflicht. „Schöner und einfacher ist es natürlich für die Hersteller, wenn Sie integrierte Lösungen im eigenen System haben – wir möchten aber offene Schnittstellen“, sagt Margit Dietz, Geschäftsführerin der Jean Bratengeier Bau GmbH und Sprecherin der Bauunternehmerinnen im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. „Der direkte Austausch mit der Konkurrenz hat keine Tradition in der Bauindustrie“, gibt Strabag-Mann Klingelhöfer zu bedenken. Und auch Dietz‘ Optimismus ist gedämpft: „Aus meiner Sicht wird es noch dauern, bis es Datenstandards für Baustellen geben wird.“

Erste Lösungsversuche

Im Rahmen der Forderungen, einheitliche Datenstandards zu schaffen, hat der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) über seinen Arbeitskreis Telematik die Grundlagen der ISO-Norm 15143-3 zur Datenstandardisierung von Erdbaumaschinen geschaffen, die als Arbeitsgrundlage auf dem Weg zu einer herstellerübergreifenden Standardisierung gedacht ist. Viele Bauunternehmen halten die Schaffung einer Plattform für alle Maschinen schon lange für unabdingbar. „Wenn jeder Hersteller seinen eigenen Standard etabliert, dann werden wir nicht zusammenarbeiten können“, warnt zum Beispiel Dr. Rainer Bareiß, Prokurist der Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG. Außerdem befinden sich verschiedene Hersteller von Anbaugeräten bereits im Austausch und erarbeiten für ihre Daten Schnittstellen und einheitliche Standards.

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