Aufruf an die Bundeskanzlerin

Eine fehlende Kreislaufwirtschaft befördert nicht nur den Deponienotstand, sondern soll auch mitverantwortlich sein für die Corona-Pandemie.

Die Re!source Stiftung mahnt in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Ressourcenwende an. Sie fordert schonende Rohstoffnutzung und eine echte zirkuläre Wertschöpfung in Bau- und Immobilienwirtschaft als Teil der Maßnahmen eines wirtschaftlichen Wiederaufbaus nach der Krise. Hintergrund ist die These, dass unter anderem eine reduzierte Biodiversität und eine intensive Landnutzung die Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigen. Diese wird vertreten von der Virologin Dr. Sandra Junglen von der Charité Berlin. Forschungsergebnisse der Zoologin Dr. Simone Sommer von der Universität Ulm stützen die These. Da Biodiversitätsverluste laut der Re!source Stiftung zu über 90 Prozent auf die Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen zurückzuführen sind, ist dies indirekt mitverantwortlich für die Corona-Krise.

Die Stiftung zielt mit ihrer Mahnung besonders auf die Bauwirtschaft, die der größte Ressourcenverbraucher und Abfallerzeuger weltweit sei. „Ein Recycling auf hohem Qualitätsniveau findet nur in Ausnahmefällen statt, obwohl es dafür in der Industrie häufig bereits technische Lösungen gibt“, schreibt die Stiftung. Die Stiftung sieht eine deutliche Chance bei einem Wiederaufbau und hält die damit einhergehende Ressourcenwende für unerlässlich. Deswegen fordern sie Angela Merkel dazu auf, Recycling auf hohem Qualitätsniveau zu ermöglichen und zu fördern. Auch fordern sie, dass Anreize für ressourcenschonendes Bauen in die Konjunkturpakete für die „Green Recovery“ aufgenommen werden. Als wichtige Initiativen bezeichnet die Stiftung unter anderem die „Open-Ended Working Group“ der Vereinten Nationen sowie umweltbezogene EU-Großprojekte im Rahmen des „European Green Deal“.

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