Die Preisträger des GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Preises 2020

Obwohl die Preisverleihung nicht wie geplant auf der Internationalen Handwerksmesse 2020 stattfinden kann, sollen die Preisträger gewürdigt werden.

Der Wettbewerb GEPLANT+AUSGEFÜHRT kürt die besten Bauten und zeigt damit Beispiele gelungener Architektur. Als einziger Architekturpreis würdigt man hier aber nicht nur die Architekten, sondern auch die Leistungen des Handwerks. Jeder Preis wird in zweifacher Ausführung verliehen: einen an das Architektenbüro und an einen der beteiligten Bauhandwerker. Die diesjährigen Preisträger wurden bereits vor den Einschränkungen durch die Corona-Krise im Rahmen einer Jurysitzung ermittelt. Die Verleihung, die auf der Internationalen Handwerksmesse 2020 geplant war, kann so allerdings nicht stattfinden. Aufgrund des Renommees des Preises ist die Auszeichnung und Bekanntgabe der Siegerprojekte ein wichtiges Ereignis für die Gewinner, deswegen soll die Preisverleihung im Rahmen der ersten Station der GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Wanderausstellung nachgeholt werden.

Erster Platz: Das Feuerwehrzentrum in Köln-Kalk

Feuerwehrzentrum Köln-Kalk (Foto © Roland Halbe)

Das Planungsbüro Knoche Architekten BDA aus Leipzig hatte den Anspruch, städtebaulichen Zielvorstellungen und funktionalen Erfordernissen gleichermaßen gerecht zu werden. Dies ist ihm durch die Konzeption des Feuerwehrzentrums als kraftvolles und markantes Gebäudeensemble um einen Betriebshof gelungen. Durchgeführt wurden die Arbeiten von der Schrag Fassaden GmbH aus Chemnitz und der Franzen Ingenieur und Montagebau GmbH aus Kottenheim. Der fünfgeschossige Hauptbau der Berufsfeuerwehr bildet den baulichen Schwerpunkt. Die Metallfassaden sind aus verzinkten Stahlblechtafeln und stehen für technische Funktionalität. Diese bauliche Manifestation von technischer Solidarität und Beständigkeit ist damit auch ein Sinnbild für die Werte und das Selbstverständnis einer Berufsfeuerwehr.

Zweiter Platz: Dachaufstockung R11_Maxvorstadt

Dachaufstockung R11_Maxvorstadt (Foto © Brigida González)

Diese Dachaufstockung in der Münchner Maxvorstadt hatte neben der Erweiterung der Innenräume das Ziel, großzügige Außenräume und Terrassen zu integrieren, die einen Ausblick in alle Himmelsrichtungen ermöglichen. Geplant wurde sie durch die Pool Leber Architekten aus München. Realisiert wurde die Planung von der Münchner Zimmerei Frank, der Dachdeckerei Erwin Miller aus Krailling, der Markus Lembcke Spenglerei aus München und von Küchenkonzept Humpel aus Feldkirchen-Westerham. Der Bestand aus den 80er Jahren hatte in seinen Fundamenten wenig Reserven. Deswegen musste für zweieinhalb Neubau-Geschosse ein Stahlbeton-Terrassengeschoss abgerissen werden. Die Gewichtsproblematik wurde schließlich mit einer Erweiterung als Holzmassivbau mit hinterlüfteter Stahlfassade und Sichtbeton-Brandwänden gelöst.

Dritter Platz: Bischofsgrablege Sülchenkirche Rottenburg am Neckar

Bischofsgrablege Sülchenkirche Rottenburg a. Neckar (Foto © Adolf Bereuter)

Das Architektenbüro Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH war mit der Planung einer mystisch anmutenden Bischofsgrablage unter dem Kirchenschiff der von 1447 bis 1454 gebauten Sülchenkirche betraut. Ausgeführt wurde diese von der Lehm Ton Erde Baukunst GmbH, der Schlosserei Götz GmbH, der Lenz Steinmetz GmbH und dem Steinmetz und Bildhauermeister Harald Straub. Hintergrund sind Grabungen, bei denen die Fundamente einer vorromanischen Vorgängerkirche aus dem 9. Jahrhundert entdeckt wurden.

DHZ-Publikumspreis 2020: Sushi-Bar „Aska“ in Regensburg

Sushi-Bar ASKA (Foto © Herbert Stolz)

In der von der PURE GRUPPE Architektengesellschaft GmbH und Laubmeier Innenausbau umgesetzten Sushibar „ASKA“ wird bei nur 12 Sitzplätzen feinstes Edomae-Sushi verköstigt. Dabei befinden sich die Besucher über den Dächern der Regensburger Altstadt. Durch das tiefschwarze Interieur der Bar wird das Bild einer verwitterten, verlassenen Fischerhütte in rauer Natur aufgegriffen.

SOKA-BAU bietet Unterstützung

Besonders in Krisenzeiten leistet SOKA-BAU Unterstützung. Deswegen wurden neue Möglichkeiten zur Personalsuche und Kollegenhilfe geschaffen.

SOKA-BAU bietet Bauunternehmen eine kostenlose Schaltung von Expressanzeigen auf der Jobbörse www.bau-stellen.de. Die Anzeigen gehen innerhalb von 24 Stunden online und sind 30 Tage verfügbar. Dadurch sollen Kurzarbeit und Entlassungen vermieden werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass aufgrund der Krise manche Baubetriebe ihre Arbeitnehmer nicht mehr ausreichend beschäftigen können, während andere händeringend nach Fachkräften suchen. Auf diesem Wege können kurzfristig Arbeitskräfte für einen vorübergehenden Einsatz gewonnen werden.

Kollegenhilfe

Zudem bietet die SOKA-BAU an, die Vermittlungsrolle beim brancheninternen Verleih von Arbeitskräften zu übernehmen. Innerhalb der Branche dürfen Arbeitskräfte verliehen werden, wenn sowohl der verleihende als auch der ausleihende Betrieb seit mindestens drei Jahren unter den gleichen Rahmenbedingungen und Sozialkassentarifverträgen agieren und eine Verleiherlaubnis der Agentur für Arbeit vorliegt. Ein solcher brancheninterner Verleih bedarf nur einer schriftlichen Anzeige bei der Agentur für Arbeit, wenn der verleihende Baubetrieb weniger als 50 Beschäftigte hat und durch den maximal zwölfmonatigen Verleih Entlassungen oder Kurzarbeit vermieden werden sollen. Betriebe, die Beschäftigte kurzfristig einem anderen Unternehmen überlassen möchten, können eine kostenlose Anzeige auf www.bau-stellen.de schalten. Weitere Fragen können jederzeit an jobportal@soka-bau.de adressiert werden. Auch findet sich ein Merkblatt zum Thema Arbeitnehmerüberlassung/Kollegenhilfe auf der Internetseite www.soka-bau.de .

Verzugszinsen und Geltendmachung von Forderungen ausgesetzt

Auch finanzielle Entlastung geht von der SOKA-BAU aus. So werden für die Monate März, April und Mai 2020 keine Verzugszinsen berechnet und – vorläufig bis zum 31.05.2020 – Forderungen nicht durch gerichtliche Verfahren geltend gemacht. Durch Webinare möchte die SOKA-BAU insbesondere neue Baubetriebe über tarifliche Sozialkassenverfahren und weitere Branchenleistungen informieren. Eine Anmeldung ist unter www.soka-bau.de möglich.

Der gewohnte Service wird darüber hinaus aufrechterhalten. Die zusätzlichen Maßnahmen haben keinerlei Auswirkungen auf die Auszahlung von Leistungen oder die Rentenansprüche der Arbeitnehmer, Auszubildenden und Rentner.

Beiträge zur Handwerkerrentenversicherung aussetzen

Selbständige, die sich aufgrund der Corona-Krise in einem finanziellen Engpass befinden, können ihre Beitragszahlungen bis Ende Oktober aussetzen.

Handwerker und andere Selbstständige, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig sind und durch die Corona-Krise in finanziellen Schwierigkeiten sind, können ihre Beitragszahlungen bis zum 31. Oktober 2020 aussetzen. Dies gilt auch für Beiträge, die aufgrund einer Stundungsvereinbarung auf Raten gezahlt werden. Unter Hinweis auf die Pandemie kann sich jeder Betroffene an seinen Rentenversicherungsträger wenden und formlos eine Aussetzung der laufenden Beitragszahlungen beantragen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird die Rentenversicherung das Versicherungsverhältnis rückwirkend überprüfen und die Höhe der Beiträge den tatsächlichen Verhältnissen anpassen. Diese Überprüfung wird im Vorhinein angekündigt.  Weitere Informationen sind schriftlich, telefonisch (Tel.: 0800/10004800) oder auf elektronischem Wege zu erhalten.

Leitlinie für die Asbesterkundung

In älteren Gebäuden ist oft noch der gesundheitsschädliche Stoff Asbest zu finden. Diese Leitlinie gibt Empfehlungen im Umgang mit dem Material.

Bereits seit 1993 ist der Einsatz von Asbest in Deutschland wegen des Gesundheitsrisikos verboten. In älteren Gebäuden ist der Stoff allerdings immer noch zu finden. Aus diesem Grund hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAuA) in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) eine „Leitlinie für die Asbesterkundung zur Vorbereitung von Arbeiten in und an älteren Gebäuden“ veröffentlicht.

Zunächst wird dem Leser ein allgemeiner Überblick über den Stoff Asbest, die Gefahr, die von ihm ausgeht und dessen ehemalige Einsatzgebiete ermöglicht. Danach stellt die Leitlinie eine Planungshilfe dar und leitet von der Erkennung bis zur Entsorgung an. Besonders durch grafische Elemente ist die Leitlinie auch für Laien gut verständlich. Das Dokument steht zum Download auf der Website der BAuA zur Verfügung.

Arbeitsschutzstandards werden Corona angepasst

Die BG Bau begrüßt und unterstützt die neuen Arbeitsschutzstandards, die Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und die DGUV verabschiedet haben.

In den vorgelegten Eckpunkten werden Verhaltensregeln vorgegeben und Hinweise zu organisatorischen Maßnahmen in den Betrieben oder zu Schutzausrüstungen gegeben. „Unsere Versicherten und unsere Mitgliedsbetriebe der Baubranche und der baunahen Dienstleistungen arbeiten seit Beginn der Coronavirus-Epidemie zum Teil mit Einschränkungen weiter. Die BG BAU sieht sich deshalb in einer besonderen Verantwortung“, sagt Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der BG BAU. „Daher haben wir gemeinsam mit unseren Sozialpartnern geeignete Instrumente entwickelt und geben den Unternehmen und Versicherten die in dieser herausfordernden Situation erforderlichen Hilfsmittel und Informationen für die Praxis an die Hand.“

Die konkreten Maßnahmen der BG Bau

Die BG Bau hat umfassende Leitfäden, Handlungsanleitungen und weitere Unterstützungsangebote veröffentlicht, in denen die neuen Arbeitsschutzstandards SARS-CoV-2 berücksichtigt wurden. Auch Besonderheiten in der Interaktion mit Dritten werden beachtet. Sie enthalten neben technischen und organisatorischen Maßnahmen auch Hygieneanforderungen. Sämtliche Unterlagen werden ständig an aktuelle Entwicklungen angepasst und stehen unter www.bgbau.de/coronavirus kostenlos zum Download zur Verfügung.

Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber sinkt

Viele Ingenieur- und Architektenbüros gehen davon aus, die Krise ohne Hilfen zu überstehen. Zu spät beglichene Rechnungen erschweren dieses Vorhaben aber.

Eine Blitzumfrage des Verbandes Beratender Ingenieure (VBI) zeigt, dass bisher nur ein Drittel der Ingenieur- und Architektenbüros Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen oder Soforthilfen in Anspruch nimmt. Die anderen zwei Drittel sind zuversichtlich, die Krise ohne Hilfen überstehen zu können. Allerdings hängt dies stark von der Zahlungsmoral öffentlicher Auftraggeber ab. 25 Prozent der Teilnehmer dieser Befragung melden, dass ihre Rechnungen für bereits erbrachte Leistungen nicht rechtzeitig beglichen wurden. Sieben Prozent berichten, dass sie bisher gar kein Geld gesehen haben. Durch diese Unzuverlässigkeit geraten die Büros fahrlässig in Schieflage. Zudem sind Kommunen und andere Auftraggeber zurückhaltend und wollen die weitere Entwicklung der Krise abwarten, bevor sie Aufträge auslösen. 45 Prozent der Büros berichten von Auftragsrückgängen, viele von ihnen befürchten eine weitere drastische Verschlechterung der Situation.

Europas Architekten rechnen mit Folgen durch Covid-19

Deutsche Architekten sind im internationalen Vergleich noch optimistisch, aber auch hier steigt die Befürchtung von negativen Folgen durch das Virus.

Für das europäische Architektenbarometer von BauInfoConsult wurden im ersten Quartal 2020 rund 900 Architekten in Europa zu ihrer Umsatz- und Auftragssituation befragt. Aus gegebenem Anlass wurde die Frage mit aufgenommen, ob mit zusätzlichen negativen Effekten wegen der Ausbreitung des Corona-Virus gerechnet würde, in Deutschland rechnen 28 Prozent mit negativen Folgen.

Aber der Stichtag, Freitag, der 13. März, hat die Stimmung auch hierzulande beeinträchtigt. An diesem Wochenende wurden in den meisten europäischen Ländern die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus stark angezogen und den meisten Europäern außerhalb Italiens wurde erst bewusst, wie ernst die Lage ist. So hatten vor dem 13.03. nur 10 Prozent der befragten deutschen Architekten mit negativen Folgen durch das Virus gerechnet, danach waren es 43 Prozent. In den anderen Ländern sieht die Entwicklung ähnlich aus. Auch ist der geschätzte durchschnittliche Umsatzverlust nach dem 13. März von etwa 6 Prozent auf 29 Prozent gestiegen.

Aber die Deutschen sind noch optimistisch

In fünf der acht befragten Länder rechnen mindestens 50 Prozent mit negativen Folgen. In Italien bangen 68 Prozent der Architekten. Somit sind die Deutschen vergleichsweise optimistisch. Was beruhigt, ist, dass es keine große Stornierungswelle gibt. Auch nach dem 13. März wurden nicht mehr Projekte abgesagt als zuvor. Allerdings sind mehr befragte Architekten von Projektaufschüben betroffen, somit kommt es bereits jetzt zu erheblichen Ablaufverzögerungen. Planer haben den Vorteil, dass große Teile ihrer Arbeit im Homeoffice machbar sind. Das Neubaugeschäft muss lange im Voraus geplant werden, sodass Projekte für die Zeit nach der Krise aktuell auf den Schreibtischen der Architekten landen können. Ein langfristiger Nachfrageeinbruch würde aber auch die Architekten hart treffen.

Einwanderungsgesetz kann Handwerk helfen

Bereits seit Anfang März können beruflich Qualifizierte aus Nicht-EU-Staaten leichter in Deutschland arbeiten. Auch das Handwerk profitiert, das Baugewerbe ist optimistisch.

„Unsere Wirtschaft braucht dringend Fachkräfte“, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Das neue Einwanderungsgesetz bezeichnet er deshalb als Meilenstein. Um vor allem in kleinere Fachbetriebe so viele ausländische Fachkräfte wie möglich zu integrieren, sollte man vor allem Qualifizierte gewinnen, die sprachlich und beruflich schnell integrierbar sind. Das Baugewerbe hat angesichts der Pläne derweil noch keine hohen Erwartungen: „Bis Fachkräfte über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz einreisen können, wird es noch geraume Zeit dauern“, sagte Heribert Jöris, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. Der Kammerpräsident für Oberfranken, Thomas Zimmer, befürwortet das neue Gesetz: „Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist ein weiterer – wenn auch kleiner – Baustein, der dazu beitragen kann, den hohen Fachkräftebedarf im Handwerk zu decken.“ Zwar stehe die Gewinnung von Fachkräften aus dem eigenen Land im Vordergrund, dennoch sei der Zuzug von Fachkräften und Ausbildungsinteressierten, egal ob aus der EU oder aus Drittstaaten, notwendig.

Das steht in dem Gesetz

Der wohl wichtigste Aspekt des neuen Gesetzes ist die Abschaffung der Beschränkung auf Engpassberufe und eine Vorrangprüfung. So sind Einwanderer bei ihrer Arbeitssuche nicht mehr auf die so genannten Engpassberufe beschränkt. Beruflich qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten können mit dem Gesetz nach Anerkennung ihrer Qualifikation durch eine zuständige Anerkennungsstelle in Deutschland hier arbeiten. Qualifiziert sind sie dann, wenn sie einen Arbeitsplatz vorweisen und deutsch sprechen können. Und selbst, wer noch keinen festen Arbeitsplatz hat, kann zur Arbeitssuche für sechs Monate einreisen. Das geht allerdings nur für diejenigen, die entsprechende Sprachkenntnisse (B1) vorweisen und ihren Lebensunterhalt selbst aufbringen können. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), freut sich über das Gesetz: „Das deutsche Handwerk wie die Wirtschaft insgesamt brauchen mehr denn je beruflich qualifizierte Fachkräfte – auch aus Drittstaaten. Deshalb ist es gut, dass deren Beschäftigung in Deutschland mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz nun deutlich erleichtert wird.“ Welche Chancen sich aus dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz für das Handwerk ergeben, werde ein Pilotprojekt zur Gewinnung bosnischer Fachkräfte zeigen, das der ZDH zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit im Februar diesen Jahres gestartet hat.

Bauschutt – Die Ressource von Morgen

Wohin mit dem Bauschutt? Diese Frage wird immer schwerer zu beantworten, denn die Kapazitäten werden knapp. Die Lösung: Den Bauschutt recyceln.

Um auch in Zukunft bauen zu können, muss sich die Bau- und Immobilienwirtschaft auf eine zirkuläre Wertschöpfung ausrichten. Anders werden Klimaschutz, Kostenverträglichkeit und Rohstoffproduktivität kaum vereinbar sein. Circular Economy scheint hier das Mittel der Wahl. Der alternative Wirtschaftsansatz beruht darauf, Mittel so lange und so oft wie möglich zu nutzen.

Cradle-to-Cradle, kurz C2C

Dieses Prinzip ist auf eine konsequente Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Chemiker Michael Braungart und Architekt William McDonough nahmen sich bereits vor 30 Jahren die Natur zum Vorbild. Das Ziel: Produkte entwickeln, die entweder vollständig biologisch abbaubar sind oder endlos recycelt werden können. Dazu wird auf einstoffliche Materialien gesetzt. Mittlerweile arbeiten über 30 Bauprodukthersteller nachweislich nach den C2C-Prinzipien. Im C2C LAB in Berlin können sich Planer und Bauherren beraten lassen.

In der Hamburger HafenCity lassen die Landmarken AG und das Architekturbüro kadawittfeld ein Wohnhochhaus in Anlehnung an die C2C-Prinzipien entstehen. Im ‘Moringa’ werden ausschließlich gesunde, unter sozialen Arbeitsbedingungen und bei geringen Energieaufwand hergestellte Materialien verbaut. Diese werden, genau wie der Großteil der Konstruktion, trennbar und recycelbar sein.

Das Urban-Mining Konzept

Das von der Architektin Anja Rosen entwickelte Konzept findet im Rahmen des viel beachteten Modellprojekts „Rathaus Korbach“ Beachtung. Das Vorstandsmitglied der re!source Stiftung, das auch Sachverständige für Nachhaltiges Bauen und DGNB-Autorin ist, geht der Frage nach, wie sich beim Gebäudeabbruch anfallendes Material vor Ort aufbereiten und ressourcenschonend in den Neubau integrieren lässt. Im Falle des Rathauses in Korbach werden 50 Prozent der etwa 5.400 Tonnen Betonabbruch als recycelte Gesteinskörnung Typ 1 für das Tragwerk des Neubaus verwendet und 12 Tonnen Ziegelabbruch fließen in die Fassade des neuen Gebäudes.

Gesundheitsschutz durch weniger Staub

Staub wird als Gefahrenquelle oft unterschätzt. Um die Lungen der Arbeiter zu schützen, werden verbindliche Regeln für staubarmes Arbeiten eingeführt.

Die Gefahr, die für Mitarbeiter von Staub ausgeht, wird häufig unterschätzt. Zudem gibt es bislang nur Empfehlungen der BG Bau und keine verbindlichen Regeln der Technik. Das will der Bundesvorstand des Bundesverbands Ausbau und Fassade jetzt ändern. Der erste Entwurf durchläuft zurzeit eine Prüfung bei der Berufsgenossenschaft. Danach wird die Branchenregel Staub den Unternehmen zur Verfügung gestellt, was für Herbst dieses Jahres geplant ist.

Der Schutz der Beschäftigten im Umgang mit einatembaren und alveolengängigem Staub soll gewährleistet werden. Alveolengängiger Staub ist besonders feiner Staub, der deswegen besonders gefährlich für die Lungen ist. Der Umgang mit asbesthaltigem Staub ist nicht Teil dieser Regelung. Hierfür sollen weitere Regeln folgen.