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Höhere bürokratische Hürden für Arbeiten im Ausland

Seine Arbeitnehmer für Austräge ins nahe Ausland zu entsenden, das ist für Handwerksbetriebe in Grenzregionen ganz normal. Doch wird der Aufwand hierfür immer größer.

Die Personenfreizügigkeit und die Dienstleistungsfreiheit in der Europäischen Union machen es möglich: Viele Betriebe in den deutschen Grenzregionen fahren regelmäßig ins benachbarte Ausland und nehmen Aufträge in anderen Staaten an. Was eigentlich reibungslos funktionieren sollte, wird in Realität aber immer schwerer, denn die Auflagen für ausländische Betriebe wurden zum Jahreswechsel noch einmal erhöht.

Höhere Gebühren in Frankreich

Besonders in Frankreich hat der bürokratische Aufwand seit dem 1. Januar 2018 neue Dimensionen angenommen: Ab sofort muss jedes Unternehmen pro Entsendung und Mitarbeiter eine Gebühr von 40 Euro zahlen, wenn ein deutscher Betrieb in Frankreich arbeitet. Wenn mehr als zwei Jahre in Frankreich Aufträge angenommen wurden, muss der Betrieb ein elektronisches Anmeldeverfahren durchführen, das einen Vertreter im Nachbarland aufführt, viele Dokumentationspflichten beinhaltet und nicht auf Deutsch zur Verfügung steht.

Bereits seit März 2017 muss jeder deutsche Arbeitnehmer in Frankreich außerdem die „Carte d’identification professionelle BTP“ (Mitarbeiterausweis) immer dabei haben. Dieser Ausweis kostet Geld und für jeden Auftrag in einem mehrtägigen Prozess beantragt werden. „Kurzfristig Aufträge anzunehmen, ist schwierig. Viele Betriebe verzichten inzwischen auf Aufträge aus Frankreich, weil der bürokratische Aufwand für sie zu groß ist“, wird Elchin Radshabov, Außenwirtschaftsberater der Handwerkskammer Karlsruhe, in der Deutschen Handwerkszeitung zitiert. Vertreter aus Handwerk und Politik arbeiten gerade daran, diese Regelungen wieder zu entschärfen, haben aber noch keine Ergebnisse erzielt.

Schweiz fordert Umsatzsteuernummer

Hohe Hürden baut auch die Schweiz auf, die durch verschiedene Verträge auch zum EU-Binnenmarkt gehört. Seit diesem Jahr ist jedes Unternehmen, das einen Weltumsatz von 100.000 Schweizer Franken (ca. 86.000 Euro) erwirtschaftet, die Führung einer Umsatzsteuernummer Pflicht. Dies bedeutet, dass auch deutsche Betriebe, wenn sie einen Gesamtumsatz dieser Größenordnung haben, eine solche Nummer führen und einen Steuervertreter im Land benennen müssen.

Auf Leistungen, die in der Schweiz erbracht werden, muss dann ein Umsatzsteuersatz von 7,7 Prozent gezahlt und auf der Kunderechnung ausgewiesen werden. Reine Warenlieferungen werden zwar auch mit 7,7 Prozent Einfuhrumsatzsteuer belegt, dafür brauchen Betriebe aber keine Nummer zu beantragen. Hier sollten Unternehmer genau darauf achten, keine anderen Arbeiten durchzuführen, damit die Lieferung nicht als Dienstleistung geführt wird und unter die neuen, strengeren Steuerregelungen fällt.

Zur Absicherung der Mehrwertsteuereinnahmen müssen Betriebe, die in der Schweiz arbeiten, ab diesem Jahr außerdem eine Bargeldeinlage oder Bürgschaft bei einer Schweizer Bank nachweisen. Diese Einlage muss drei Prozent des erwarteten steuerbaren Inlandsumsatzes in der Schweiz, mindestens jedoch 2.000 Schweizer Franken hoch sein.

Betriebe sollten Ausland trotzdem nicht scheuen

Trotz dieser Hürden sollten Betriebe das Annehmen von Aufträgen in anderen Ländern aber nicht ausschließen, sind sich Experten einig. Stattdessen sollten sich Firmen mit den Regelungen im Ausland vertraut machen und sich eventuell Hilfe bei den zuständigen Außenwirtschaftsberatern ihrer Handwerkskammern holen. Denn trotz des Aufwands sei das Arbeiten in anderen Staaten immer noch lukrativ, wenn man sich mit den entsprechenden Regelungen auskenne.

 

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