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Arbeiten im Ausland: Schonfrist für Arbeitgeber

Die A1-Bescheinigung zur Entsendung von Personal ins Ausland, sollte es ab 2019 eigentlich nur noch elektronisch geben. Eine neue Schonfrist kommt dem Handwerk nun entgegen.

Im Zuge der Digitalisierung wurde bereits zu Beginn des letzten Jahres ein elektronisches A1-Bescheinigungsverfahren eingeführt. Seither ist es möglich, A1-Bescheinigungen mit einem Entgeltabrechnungsprogramm oder einer maschinellen Ausfüllhilfe elektronisch zu beantragen. Eine Übergangsregelung erlaubte es Arbeitgebern allerdings noch bis zum 31. Dezember 2018, die Anträge wie bisher in Papierform einzureichen. Zu Beginn dieses Jahres sollte die elektronische Form allerdings obligatorisch werden.

Laut Krankenkasse BIG direkt gesund haben sich die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung nun aber dafür ausgesprochen, dass in begründeten Einzelfällen auch in der Zeit vom 1. Januar 2019 bis zum 30. Juni 2019 weiterhin Antragstellungen in Papierform möglich sind.

Kompliziertes Verfahren

Hintergrund ist, dass insbesondere große Unternehmen derzeit erst die Rahmenbedingungen schaffen, um das neue elektronische Verfahren einsetzen zu können. Allerdings wird bei der Umsetzung vielfach erkennbar, dass umfassende Anpassungen der betriebsinternen Strukturen erforderlich sind. Problematisch für viele Unternehmen ist, dass das Verfahren in der Entgeltabrechnung verortet ist. In vielen Unternehmen wird die Entgeltabrechnung aber aktuell nicht oder erst nach der Entsendung eingebunden. Insoweit müssen Arbeitgeber und Softwarehersteller von Abrechnungsprogrammen Schnittstellenlösungen konzipieren und technisch umsetzen. Zudem sind betriebsinterne Strukturen anzupassen. Daneben sind auch Rechenzentren und Abrechnungsstellen gefordert, die Kommunikationswege zu überprüfen.

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Handwerk geschockt: Fahrverbot auch für neuste Diesel möglich

Die Verwässerung der strengen Euro-6-Grenzwerte für PKW ist laut Europäischem Gericht (EuG) unzulässig. Damit drohen ab 2021 auch Fahrverbote für neueste Diesel.

Handwerker mit Dieselfahrzeuge müssen sich auf neue Unsicherheiten einstellen: Nach einem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichts, könnten ab 2021 auch neuste Diesel der Euro-6-Norm aus europäischen Großstädten verbannt werden. Laut Gericht habe die EU-Kommission bei der Einführung neuer Abgastest die Grenzwerte der Euro-6-Norm zu Unrecht gelockert. Die Luxemburger Richter stimmten damit einer Klage der Städte Paris, Madrid und Brüssel zu. Diese dürften die Grenzwerte nun vor Gericht anfechten und im Zweifel auch Fahrverbote für neuste Diesel verhängen, die zuvor offiziell zugelassen wurden.

Gegen das erstinstanzliche Urteil sind noch Rechtsmittel zum Europäischen Gerichtshof möglich. Die jetzigen Regelungen sollen daher noch rund 14 Monate anwendbar bleiben.

Auswirkungen noch nicht absehbar

Welche Folgen das Urteil für die Praxis hat, ist zurzeit noch unklar. In Stuttgart, wo seit Anfang des Jahres bereits Fahrverbote verhängt wurden, wächst die Unsicherheit nach der Entscheidung aus Luxemburg. „Das Urteil bringt große Unsicherheit für die Handwerker mit sich“, sagt Gesine Kapelle, Diesel-Expertin von der Handwerkskammer Region Stuttgart, gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. „In Stuttgart sollen Handwerker bereits jetzt ihre Flotten erneuern. Lange galt die Euro-6-Norm als sicher. Doch wir raten unseren Betrieben, nur Fahrzeuge mit dem Standard Euro 6d-temp anzuschaffen, da nur diese neueste Version auch im Straßenbetrieb garantiert niedrige NOx-Werte haben. Doch leider sind die Fahrzeuge bisher nur vereinzelt verfügbar.“

Inzwischen habe die Landesregierung in Stuttgart zwar zugesagt, keine Fahrverbote für Euro-6-Diesel auszusprechen, in anderen Städten könnte dies aber durchaus eintreten. „Das Urteil besagt nicht, dass Fahrverbote für Euro 6 nun grundsätzlich zulässig oder zwingend notwendig sind. Es ist erst einmal nur ein Urteil, das sich mit dem formalen Weg der Festlegung von Vorgaben bei der Typenzulassung beschäftigt.“, wird Carsten Benke, Verkehrsexperte beim Zentralverband des Deutschen Handwerks, in der Deutschen Handwerkszeitung zitiert. „Grundsätzlich könnte in der Zukunft aber die Möglichkeit bestehen, dass die Städte dann auch für aktuelle Euro-6-Diesel Fahrverbote aussprechen könnten. Das wäre aber überhaupt erst in einigen Jahren denkbar. Zudem ist für fast alle Städte in Deutschland anzunehmen, dass es dann gar keine nennenswerten Immissionsgrenzwertüberschreitungen mehr gibt. Bis dahin müssen sich alle Verantwortlichen massiv anstrengen und die Schadstoffbelastung senken.“

Klar sei allerdings, dass die Unsicherheiten für Dieselfahrer weiter zunehmen, was letztlich auch Fuhrpark-Modernisierungen im Wege stehe.

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Bauverbände.NRW nimmt Arbeit auf

Das nordrhein-westfälische Baugewerbe hat sich neu formiert und zum 1. Januar die neue Dachorganisation Bauverbände.NRW gegründet – mit vielen Neuerungen für die Mitglieder.

Zum Jahresanfang gehören die Baugewerblichen Verbände (BGV) und die Bauverbände Westfalen der Vergangenheit an: Sie haben sich zur gemeinsamen Dachorganisation Bauverbände.NRW zusammengeschlossen und zum 1. Januar mit der Arbeit begonnen. Die Protagonisten versprechen sich hiervon vor allem Vorteile für die Innungen und für die Mitgliedsbetriebe.

Zur Bauverbände.NRW gehören der:

  • Baugewerbe-Verband Nordrhein,
  • Baugewerbeverband Westfalen,
  • Straßen- und Tiefbau-Verband Nordrhein-Westfalen,
  • Fachverband Ausbau und Fassade Nordrhein-Westfalen,
  • Verband Stuck-, Putz-, Trockenbau Westfalen,
  • Zimmerer- und Holzbau-Verband Nordrhein sowie der
  • Deutsche Auslandsbau-Verband.

Damit sind die Berufsgruppen der Maurer und Betonbauer, der Brunnenbauer, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Fliesenleger, Straßen- und Tiefbauer, Stuckateure, wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz-Isolierer sowie der Zimmerer vertreten.

Politisches Schwergewicht

Rüdiger Otto, Präsident der neuen Organisation, bezeichnete die Formation gegenüber der NH-Nachrichten als „politisches Schwergewicht, an dem bei Bauthemen keiner vorbeikommt“. Juristisch fungiert die Formation als eingetragener Verein. Zum Hauptgeschäftsführer wurde bei der konstituierenden Sitzung im Sommer Hermann Schulte-Hiltrop bestimmt, der als Diplom-Ökonom bereits 17 Jahre lang hauptamtlich die Bauverbände Westfalen leitete. Karlgünter Eggermann wurde zum Vizepräsidenten ernannt.

Um „eine durchgehende qualifizierte Betreuung der Betriebe sicherzustellen“, so Schulte-Hiltrop, seien die Berater in den beiden Geschäftsstellen ab sofort übergreifend für alle Mitgliedsfirmen zuständig. Darüber hinaus können nordrheinischen Unternehmen nun auf qualifizierte Unterstützung in Sachen IT und Digitalisierung zurückgreifen und Kollegen im westfälischen Landesteilen stehen Fachberater für die Themen Umwelt und Entsorgung zur Verfügung.

Beiträge bleiben gleich

„In der Gründungsversammlung der neuen Dachorganisation und auch in den Beratungen über den Haushalt der Einzelverbände für 2019 sei immer wieder darauf gedrungen worden, dass die Neugliederung nicht mit Kostensteigerungen für die Innungen einhergehen dürfe“, erklärt der Hauptgeschäftsführer. Aus diesem Grund sollen die Innungsbeiträge 2019 und 2020 stabil bleiben. Kostensparend wirke sich in diesem Zusammenhang beispielsweise das neue Mitgliedermagazin BAU.NRW aus, das an die Stelle der bisherigen Zeitschriften BauInfo und Baudirekt tritt. „Das neue Magazin wird in einem modernisierten, in unserer Sicht leserfreundlichen Layout die gewohnt-informativen Inhalte bringen“, so Schulte-Hiltrop.

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Elektrogeräte: Hersteller müssen Ersatzteile bereitstellen

Dank einer neuen EU-Ökodesign-Regelung, müssen Hersteller künftig Ersatzteile für Elektrogeräte liefern. Zudem müssen sie Informationen zur Reparatur herausgeben.

Die EU-Kommission hat neue Ökodesign-Regelungen für Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und elektronische Displays vorgestellt. Demnach spielt neben der Energieeffizienz erstmals vor allem auch der Ressourcenschutz eine wichtige Rolle. Hierzu werden Hersteller per Gesetz in die Pflicht genommen, Ersatzteile und Informationen bereitzustellen. Verbraucher und Werkstätte sollen künftig leichter an Informationen gelangen, wie man Ersatzteile austauscht.

Die Abstimmung des Ministerrats für Kühlschränke und Displays fand bereits im Dezember 2018 statt. Für Geschirrspüler und Waschmaschinen ist sie im Januar angesetzt. Die neuen Regeln werden allerdings erst im September 2021 in Kraft treten, da vorher sowohl das EU-Parlament als auch die Mitgliedsstaaten noch zustimmen müssen.

Regelung soll Umwelt und Geldbeutel schonen

Da freie Werkstätte in der Vergangenheit oftmals keine Ersatzteile von den Herstellern oder nur gegen höhere Kosten geliefert bekamen, diktierten nach Auffassung der EU-Kommission vor allem die Anbieter den Markt. Die neuen Regelungen sollen nun Abhilfe schaffen.

Bereits im Oktober 2018 hatte Rundfunk- und Fernsehtechnikermeister Detlef Vangerow die EU-Vorschläge als Experte im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bewertet: „Reparaturen sichern die Existenz der Reparaturwerkstätten und erhalten das technische Know-how in Deutschland! Und Ersatzteile sind der Schlüssel zur Reparatur“, wird der Handwerker im Handwerksblatt zitiert.

Auch Verbraucherschützer zeigen sich zufrieden mit den neuen Normen: „Neben Energie werden damit auch Ressourcen gespart. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel der Verbraucher. Der Ball liegt jetzt bei den EU-Mitgliedstaaten. Sie müssen Maßstäbe beim Ressourcenschutz setzen und die Öko-Designrichtlinie erweitern“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, gegenüber dem Handwerksblatt.

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Neue Kälte-Klima-Richtlinie in Kraft getreten

Am 1. Januar 2019 ist die novellierte Kälte-Klima-Richtlinie im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums in Kraft getreten.

In allen geförderten Anwendungsbereichen dürfen ab sofort nur noch nicht-halogenierte Kältemittel zum Einsatz kommen. Erstmals werden auch CO2-Fahrzeug-Klimaanlagen in Bussen und Bahnen gefördert. Die neuen Förderbedingungen ermöglichen den Umstieg auf zukunftsfähige Anlagen, die das Klima nachhaltig schützen.

Bei den stationären Anlagen ist die Förderung modular und umfassend aufgebaut. Gefördert werden Kälteerzeuger, zugehörige Komponenten und Systeme sowie thermische Speicher. Die geförderten Anlagen müssen besonders energieeffizient sein. Wer seine stationäre Kälte- oder Klima-Anlage noch nachhaltiger und klimaschonender betreiben will und auf eigene Kosten gleichzeitig eine Anlage zur Nutzung regenerativer Energien am Standort errichtet, kann einen Kombinationsbonus in Anspruch nehmen.

Von der Förderung profitieren können Unternehmen ebenso wie Kommunen und weitere Organisationen. Förderanträge zu der Richtlinie nimmt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ab sofort entgegen. Die Antragstellung erfolgt mit dem elektronischen Antragsverfahren.

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Konflikte außergerichtlich klären

Geld, Zeit und Nerven sparen, indem Streitpunkte nicht vor Gericht, sondern in einem Alternative Dispute Resolution-Verfahren beigelegt werden. DGA-Bau will aufklären.

Bei einem Bauprojekt sind in der Regel viele verschiedene Parteien beteiligt. Vom Bauherrn, über die Unternehmen bis hin zum Planer. Dabei kommt es aufgrund des hohen Wettbewerbs- und Zeitdrucks sowie der hohen technischen und organisatorischen Komplexität der Projekte nicht selten zu Konflikten. Im Jahr 2017 landeten ganze 100.000 Fälle rund um das Thema Bau vor Gericht. In weiteren 240.000 Verfahren ging es um Mietstreitigkeiten. Ein kosten- und zeitintensiver Gerichtsprozess wäre aber gar nicht immer notwendig gewesen. Der Meinung ist auch die Deutsche Gesellschaft für Außergerichtliche Streitbeilegung in der Bau- und Immobilienwirtschaft (DGA-Bau). Die hatte beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Studie zu den Ursachen für die Bevorzugung von Gerichtsverfahren in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind jetzt da und zeigen deutlich, dass besonders das fehlende Wissen über Alternative Dispute dafür verantwortlich ist, dass viele den Gang zum Gericht vorziehen.

Vorteile überwiegen

Dabei sind gerade im Bausektor effiziente Strategien zur Konfliktbewältigung wichtig. Auf die 100.000 Gerichtsverfahren kamen aber lediglich 2.000 Alternative Dispute Resolution-Verfahren (ADR). Anbieten würden sich zum Beispiel alternative Möglichkeiten wie Schiedsgerichtbarkeit, Adjudikationen und Mediation. Die Vorteile gegenüber gerichtlichen Auseinandersetzungen liegen auf der Hand: geringere Kosten und keine lange Verfahrensdauer. Zudem wachsen dem deutschen Rechtsystem komplexe Bausachprozesse häufig über den Kopf, da es nicht nur um rechtliche sondern auch technische Fragestellungen geht, die Expertise erfordern. Bei einer außergerichtlichen Reglung sind in der Regel Fachpersonen involviert, so dass diese die Nachteile nicht mit sich bringen.

Wissen an die Hand geben

Auf Grundlage der Ergebnisse der Studie hat sich nun die DGA-Bau das Ziel gesetzt, den Anteil von ADR-Verfahren deutlich zu steigern. 40 Prozent der Streitfälle sollen in Zukunft auf außergerichtlichem Weg gelöst werden. Die Strategie der DGA-Bau dabei: Wissen und Kompetenzen vermitteln. Die Autoren der Studie haben hierfür Handlungsempfehlungen verfasst, die sich auf fünf verschiedene Handlungsfelder fokussieren. Zu den Bereichen der Information und Kommunikation, Ausbildung und Weiterbildung, ADR-verfahrensspezifische Maßnahmen, Maßnahmen in der Organisation der Streitparteien und die regulatorischen Maßnahmen zur Förderung von ADR-Verfahren ist umfangreiches Wissen zusammengetragen worden. Zusätzlich sollen in der Weiterbildung Fachanwaltskurse Kompetenzen im Konfliktmanagement vermitteln. Das Thema Konfliktmanagement soll auf lange Sicht ebenfalls in die Bildungspläne der Schulen einbezogen werden.

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Neues Arbeitsprogramm trifft beim ZDH auf Unmut

Der Zentralverband kritisiert die langsame Vorgehensweise der Regierung beim Bürokratieabbau für Unternehmen. Bestehende Potenziale müssten endlich genutzt werden.

Bessere Verständlichkeit von Rechtstexten, praktische Erprobung von Regeln, bevor diese verabschiedet werden und bei der Ausarbeitung von Reglungsvorschlägen sollen diejenigen, die tatsächlich auch betroffen wären, in höherem Maße und von Anfang an beteiligt werden: So lautet der Plan der Bundesregierung, um Bürokratie für Bürger und Unternehmen abzubauen und die Rechtssetzung zu verbessern. Insgesamt 50 Maßnahmen finden sich im „Arbeitsprogramm Bessere Rechtssetzung und Bürokratieabbau 2018“, das jetzt vom Bundeskabinett beschlossen wurde.

Ein Vorschlag lautet unter anderem, dass Rechtsänderungen und Neureglungen immer zum ersten Tag eines Quartals in Kraft treten, sofern es keine Gründe gibt, die dagegen sprechen. So soll der Aufwand, den eine solche Umstellung für Unternehmen mit sich bringt, wirksamer begrenzt werden. Weiter sollen neue Belastungen aus der Wirtschaft in Zukunft nur durch Entlastungen aus der aktuellen Wahlperiode ausgeglichen werden.

Ungenutzte Potenziale

„Die dringend notwendige Entlastung unserer Betriebe braucht mehr Mut und Entschlossenheit, die vorliegenden Vorschläge und Ideen konsequent umzusetzen. Zudem kommt das bisher Erreichte nicht bei den Betrieben an. Insbesondere kleine Betriebe leiden unter immer höheren Anforderungen und fühlen sich zunehmend überfordert. Die Entlastung von Kleinstbetrieben muss endlich Priorität haben. Für das Handwerk wird dieses Thema deshalb im kommenden Jahr zu einem Schwerpunkt“, verdeutlicht Holger Schwannecke, Generalsektretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks dessen Standpunkt. Trotzdem trete die Bundesregierung beim Bürokratieabbau auf der Stelle. „Das lang angekündigte Bürokratieentlastungsgesetz III lässt trotz guter Vorschläge des Handwerks nach wie vor auf sich warten.“ Nicht mehr als ein minimaler Kompromiss sei auch das beschlossene Arbeitsprogramm. Eine Weiterentwicklung der guten Ansätze des One-in/One-out-Prinzips sei bisher ebenfalls nicht geschehen. So blieben Potenziale für die Verringerung von Bürokratie weiterhin ungenutzt.

Diese Themen bewegten das Handwerk 2018

Fahrverbote, Mindestlohn, Meisterpflicht und DSGVO – das Jahr 2018 war turbulent. In unserem Jahresrückblick zeigen wir, was die Helden am Bau am meisten beschäftigte.

Der Anfang des Jahres stand ganz im Zeichen der neuen Mindestlohnregelungen für Dachdecker und dem Bauhauptgewerbe. Aber auch die neuen Tarifverträge für den Garten- und Landschaftsbau waren ein Gesprächsthema:

„Neuer Mindestlohn für Dachdecker ab Januar 2018“

„Mindestlohn im Bauhauptgewerbe steigt ab 2018“

„Neuer GaLaBau-Tarifvertrag mit sofortiger Lohnerhöhung“

Die zum Januar geänderten Buchführungsgrenzen betrafen ebenfalls viele Handwerker.

Erstes Quartal 2018

Neben den gesetzlichen Änderungen interessierten sich unsere Leser aber auch für globalere Themen. So handelte einer der beliebtesten Artikel im März von schwindendem Sand und künstlich aufgeschütteten Stränden. Schuld daran sei vor allem die Bauwirtschaft sowie die sogenannten Sand-Mafia: „Die Sand-Mafia – Das schmutzige Geschäft mit den Stränden“

Die größte Aufmerksamkeit bekam allerdings das Bundesverwaltungsgericht, das in einem Urteil den Weg für mögliche Diesel-Fahrverbote freimachte. Im Laufe des Jahres zeigte sich, dass viele Städte davon Gebrauch machten – sehr zum Leidwesen des Handwerks: „Handwerk kritisiert Diesel-Urteil“

Ausblick auf viele neue Aufträge machte das im Frühjahr angekündigte Baukindergeld. Wir erklärten die „Vor- und Nachteile des neuen Baukindergeldes“

Zweites Quartal 2018

Zu Beginn des zweiten Quartals stand zunächst alles im Zeichen der Fahrtzeit zur Baustelle. Ein unklar formulierter Tarifvertrag ändert nämlich nichts daran, dass Anfahrtszeit zur Montage in eine andere Stadt wie reguläre Arbeitszeit vergütet werden muss: „Fahrtzeit zur Baustelle ist Arbeitszeit“

Auf besonders großes Interesse stieß bei unseren Lesern in diesem Zusammenhang die vom EU-Parlament beschlossene Ausweitung der Tachographenpflicht: Denn auch Fahrzeuge zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen, die gewerblich genutzt werden, müssen nun mit Fahrtenschreiber ausgestattet sein – mit Folgen für das Handwerk: „EU-Parlament beschließt Ausweitung der Tachographenpflicht“

Zudem gilt seit Juli 2018 eine Maut-Gebühr für Lkw ab 7,5 Tonnen, ähnlich wie auf Autobahnen, auch auf Bundesstraßen: „Maut auf Bundesstraßen kommt im Juli 2018“.

Die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) machte Anfang des Jahres vielen Unternehmen zu schaffen. Umso erfreulicher war für viele Leser Mitte des Jahres die Meldung, dass sich die große Koalition aktiv gegen den entstandenen Abmahnmissbrauch einsetzt: „Handwerk begrüßt DSGVO-Abmahnschutz“

Drittes Quartal 2018

Für Aufsehen sorgte im dritten Quartal eine neue Initiative der Bauwirtschaft, mit der Baukostenexplosionen verhindert werden sollen: „Streit bei öffentlichen Projekten: Jetzt greift Bauindustrie durch!“

Dass nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht zeigte ein Urteil gegen das Edelstahl-Kartell: „205 Millionen Euro Strafe im Edelstahl-Kartell“

Auch organisierte Kriminalität und Schwarzarbeit auf Baustellen nehme laut Bundesvorsitzenden der IG Bau immer weiter zu, was auf großes Interesse unserer Leser stieß: „Baustellen: Organisierte Kriminalität nimmt zu“

Gute Nachrichten gab es hingegen für Dachdecker. So hatte die Sozialkasse der Dachdecker (Soka-Dach) bekannt gegeben, Einpersonenbetriebe künftig keine Berufsbildungsbeiträge mehr zu berechnen und bisherige Zahlungen zurückzuerstatten: „Soka-Dach entlastet Dachdecker“

Die Digitalisierung bringt auch neue Technologien und Werkzeuge für das Handwerk hervor. So nimmt die Anzahl an Drohnen stetig zu. Wir zeigten, was es alles zu beachten gilt: „Drohnen im Handwerk – dies gilt es zu beachten“

Viertes Quartal 2018

Neue Technologien erleichtern aber nicht nur die Arbeit, sie können sie zum Teil sogar ersetzen. Großen Anklang fand in diesem Zusammenhang daher sowohl die Meldung über handwerkende Roboter als auch aus dem 3-D Drucker stammende Häuser:

„Roboter als Handwerker – die Lösung des Fachkräftemangels?“

„Häuser aus dem 3D-Drucker – Das Ende des Handwerks?“

Neben Abmahnanwälten, die die Unsicherheit mit der neuen Datenschutzgrundverordnung auszunutzen versuchen, sorgte eine Warnung der Handwerkskammer vor einer falschen „Datenschutzauskunft-Zentrale“ für Aufsehen: „Falsche „Datenschutzauskunft-Zentrale“ bedroht Handwerk!“

In diesem Zusammenhang meldete sich schließlich auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zu Wort und stellte klar, dass die oftmals von Generalunternehmern oder Hausverwaltungen geforderten „Auftragsverarbeitungs-Verträge“ weder nötig noch sachgerecht seien: „Datenschutz im Handwerk oftmals übertrieben“

Mit großem Interesse haben unsere Leser schließlich die Ergebnisse der Kommission zur Aufklärung des Grenfell Tower-Brandes in London verfolgt. Bei dem verheerendem Unglück kamen am 14. Juni 2017 insgesamt 79 Menschen ums Leben. Lange Zeit stand hierbei die Wärmedämmung als Brandursache oder zumindest als Brandbeschleuniger fest. Jetzt zeigte sich aber: „Londoner Hochhausbrand: Wärmedämmung unschuldig!“

Gegen Ende des Jahres sorgte eine Initiative der bayerischen Regierung für Aufsehen und viel Zustimmung im Handwerk. So setzte sich die Landesregierung im Bundesrat für die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) begrüßte die Initiative: „Bayern setzt sich für Meisterpflicht ein“

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Undichte Wasserleitung: Installateur haftet

Kommt es nach einer Lochkorrosion an Kupferrohren zu einem Wasserschaden, haftet der SHK-Betrieb, da er die Rohre vor dem Einbau nicht auf Fremdpartikel untersucht hat.

Grundsätzlich trägt ein Handwerker die Verantwortung für sein Werk und die sich daraus ergebenden Folgen. Dass für etwaige Mängel auch andere Ursachen in Frage kommen können, muss er beweisen.

So hatte in einem Fall ein SHK-Fachbetrieb in einem Gebäude Kupferrohre eingebaut. Nach nur fünf Jahren waren die Wasserleitungen an einigen Stellen korrodiert und undicht. Der Betrieb beseitigte daraufhin zwar kostenlos einige Leckagen, wollte den vom Bauherren verlangten Schadensersatz für die entstandenen Wasserschäden allerdings nicht übernehmen. Als Begründung gab der Unternehmer an, es sei nicht bewiesen, dass ihm bei der Installation ein Fehler unterlaufen sei. So könne als Ursache für die Lochkorrosion in den Leitungen beispielsweise auch die Beschaffenheit des Trinkwassers oder Materialfehler bei den Rohren in Frage kommen.

Ein vom Gericht bestellter Sachverständiger kam allerdings zu dem Ergebnis, dass die Leitungsrohre beim Einbau mit Sand und Baustaub verunreinigt waren. Dies habe zu einer chemischen Reaktion des Metalls und schließlich zur Korrosion geführt. Auf Basis dieses Gutachtens verurteilte das Landgericht den Handwerker zu Schadenersatz.

Das Urteil

Auch in höherer Instanz bestätigte das Oberlandesgericht das Urteil. Laut Richter müsse der Installateur für die Folgen der Korrosion einstehen, weil er die Rohre vor dem Einbau nicht auf Fremdpartikel untersucht und gereinigt habe. So seien Sand und Baustaub ins Leitungsnetz gelangt und hätten die chemische Reaktion ausgelöst. Dass es eventuell noch weitere mögliche Schadensursachen gebe, entlaste den Handwerker nicht.

Selbst wenn mehrere Faktoren zusammenwirten, könnten die Wasserschäden nach Auffassung des Gerichts dem Installateur zugerechnet werden. Denn dass die Verunreinigung der Rohre eine Ursache der Korrosion gewesen sei, stehe fest. Und diese Ursache liege im Verantwortungsbereich des Handwerkers.

Ein glücklicher Zufall

Heute, liebe Leserinnen und Leser, möchten wir Ihnen zur Einstimmung auf die Feiertage eine kleine Geschichte erzählen.

Die Geschäfte waren festlich dekoriert, die Lichterketten leuchteten bereits in allen Farben und egal wo man hinkam, konnte man die Leckereien der Weihnachtsmärkte riechen. An vielen Ecken standen die Menschen in Trauben um die kleinen Buden herum, um sich bei einer heißen Schokolade oder einem Punsch die Hände zu wärmen. Andere hetzten von Geschäft zu Geschäft, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Sie traten aus den warmen Läden in den kalten Winternachmittag hinaus, nur um kurz danach wieder schnell im nächsten zu verschwinden.

Unberührt von der ganzen Hektik um ihn herum, trank ein älterer Herr in einem Café ganz in Ruhe seinen Kaffee. Obwohl die Temperaturen bereits gefährlich nahe gegen null gingen, saß er draußen an einem der letzten dort noch aufgebauten Tische. Ein junger Mann, der sich seinen Weg durch die volle Innenstadt bahnte, kam an dem Café vorbei. Wie durch Zufall fiel ihm auf dieser Höhe etwas aus dem Rucksack, so dass der aufmerksame ältere Herr ihm etwas zurief. Der Jüngere drehte sich um und bedankte sich bei dem Herrn. „Alles gut, das ist ja selbstverständlich“, entgegnete er. „Wollen sie sich nicht auf einen Kaffee zu mir setzen und kurz ein wenig durchatmen? Sie sehen ja auch sehr schwer bepackt aus.“ Dem jungen Mann war das Erstaunen deutlich ins Gesicht geschrieben. Aber nach kurzem Überlegen entschied er sich, das Angebot anzunehmen; sah der Herr doch wirklich sehr freundlich aus.

„Wissen Sie was? Das mache ich tatsächlich. Ich bin gerade auf dem Weg zum Bahnhof, um über die Feiertage nach Hause zu fahren. Aber mein Zug geht sowieso erst in einer Stunde. Da habe ich noch Zeit für einen Kaffee. Ich bin übrigens Freddy.“ „Freut mich dich kennenzulernen, Freddy. Mein Name ist Michael“, lächelte der ältere Herr, der ziemlich erstaunt war, dass der junge Mann sich tatsächlich zu ihm setzte. Und so kamen die beiden auf unerwartete Art und Weise ins Gespräch.

Freddy, der direkt zu Beginn das Gefühl verspürt hatte, dass Michael vielleicht jemandem zum Reden brauchte, hörte ihm aufmerksam zu. Michael erzählte, dass er in der Weihnachtszeit ehrenamtlich in der Grundschule arbeitete. Er war gelernter Tischler und freute sich, dass er den Kindern in seinem Ruhestand noch etwas beibringen konnte. „Jedes Jahr ab Mitte November komme ich zweimal in der Woche in die Schule. Die haben dort einen super ausgestatteten Werkraum, da zeige ich den Mädels und Jungs, wie sie mit Holz arbeiten können. Natürlich geht es bei den meisten vor allem darum, Weihnachtsgeschenke für die Eltern, Geschwister oder auch für Oma und Opa zu basteln. Das macht die Sache ganz besonders schön. Zu sehen wie sie so viel Ehrgeiz entwickeln, aber auch die Geduld aufbringen etwas Schönes für ihre Liebsten zu schaffen, das macht mich immer wieder aufs Neue richtig glücklich.“

Während er sprach, wurde sein Lächeln immer breiter. Freddy, dessen Tag bisher nicht so gut gelaufen war, bereute es gar nicht, sich zu ihm gesetzt zu haben. Ihm wurde bei den Erzählungen des älteren Herrn schon viel wärmer ums Herz. „Leider wird es in diesem Jahr wohl das letzte Mal sein, dass ich in der Schule war. So langsam werde ich wohl doch ein wenig zu alt und meine Hände machen nicht immer das, was sie sollen. Manchmal zittern sie so sehr, dass ich Werkzeuge aus der Hand legen muss aus Angst, dass ich sonst etwas fallenlasse.“ Michael wirkte sichtlich bekümmert. „Ich habe das immer so gerne gemacht, das wird mir wirklich fehlen. Aber dafür werde ich die letzte Woche bis zu den Weihnachtsferien nochmal so richtig genießen und nur an tollen Sachen mit den Kindern werkeln. Ich habe sie sogar schon tuscheln hören, dass sie zum Abschied eine Überraschung für mich planen.“ Er kicherte wie ein kleiner Junge, als er das sagte. „Aber wie unhöflich von mir! Quatsche hier die ganze Zeit vor mich hin, ohne dich auch mal zu Wort kommen zu lassen. Was machst du denn eigentlich?“ Erwartungsvoll schaute er Freddy an.

„Es ist wirklich ein sehr witziger Zufall, dass wir beide uns hier heute über den Weg gelaufen sind und du mir deine Geschichte erzählt hast. Ich mache nämlich gerade eine Ausbildung zum Tischler“, sagte Freddy. „Und wenn ich könnte, würde ich nächstes Jahr mit dir gemeinsam in die Schule gehen, damit du das nicht an den Nagel hängen musst. Das klingt nämlich wirklich nach einer tollen Sache.“

Bei diesen Worten huschte wieder ein Lächeln über Michaels Gesicht. „Das ist lieb von dir, das zu sagen. Aber mit einem Vollzeitjob hättest du ja gar keine Zeit dafür, das wäre ja viel zu viel.“ Doch Freddy ließ der Gedanke nicht los. Den Spaß, den der alte Mann bei seiner Arbeit in der Schule hatte, hatte er sogar bei diesem kurzen Gespräch gespürt. „Das stimmt, ich selber habe leider keine Zeit dafür. Aber weißt du was? Bei mir im Betrieb sind ja auch schon ein paar Leute in den Ruhestand gegangen. Was hältst du davon, wenn ich die mal frage? Ihr würdet euch mit Sicherheit gut verstehen und dann können die Kinder nächstes Jahr Weihnachten doch wieder an Geschenken basteln, werkeln, schnitzen und sägen.“ Jetzt strahlte Michael wie ein Honigkuchenpferd. „Oh junger Mann, du weißt ja gar nicht, was für ein riesiges Weihnachtsgeschenk du mir damit machen würdest.“

Und so tauschten die beiden ihre Telefonnummern aus und gingen ihrer Wege. Der eine völlig beschwingt davon, dass er sein Herzensprojekt doch nicht aufgeben muss, der andere glücklich, dass er jemand anderen pünktlich zu Weihnachten eine große Freude machen konnte.

 

Wir danken Ihnen für das entgegengebrachte Vertrauen und wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.