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Baupreise: Höchster Anstieg seit 11 Jahren

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Neubaupreise in Deutschland so stark gestiegen wie zuletzt vor elf Jahren. Die Bauindustrie wehrt sich gegen eine Schuldzuweisung.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lagen die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland im November 2018 um 4,8 Prozent über dem Stand vom Vorjahr. Dies sei der stärkste Anstieg der Baupreise gegenüber dem Vorjahr seit November 2007. Alle Preise beziehen sich dabei auf Bauleistungen am Bauwerk einschließlich Umsatzsteuer.

Im Einzelnen zeigte sich, dass sich die Preise für Rohbauarbeiten im entsprechenden Zeitraum um 5,7 Prozent erhöhten. Den größten Anteil an den Rohbauarbeiten und auch am Gesamtindex  für den Neubau von Wohngebäuden haben die Betonarbeiten und die Mauerarbeiten. Betonarbeiten sind gegenüber November 2017 um 6,1 Prozent teurer geworden, Mauerarbeiten um 5,7 Prozent. Für Erdarbeiten erhöhten sich die Preise um 7,6 Prozent, Zimmer- und Holzbauarbeiten waren um 4,6 Prozent teurer als im November 2017, Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten kosteten 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Keine Ausnahme bei Ausbau- und Instandhaltungsarbeiten

Die Preise für Ausbauarbeiten nahmen im November 2018 gegenüber dem Vorjahr um 4,0 Prozent zu. Unter den Ausbauarbeiten haben die Tischlerarbeiten das größte Gewicht am Index für Wohngebäude. Hier erhöhten sich die Preise um 4,2 Prozent. Bei Nieder- und Mittelspannungsanlagen stiegen sie um 5,3 Prozent, bei Heizanlagen und zentralen Wassererwärmungsanlagen um 3,7 Prozent. Die Preise für Wärmedämm-Verbundsysteme erhöhten sich um 4,0 Prozent.

Die Preise für Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden (ohne Schönheitsreparaturen) nahmen gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent zu. Die Neubaupreise für Bürogebäude stiegen um 4,7 Prozent und für gewerbliche Betriebsgebäude um 4,8 Prozent. Im Straßenbau erhöhten sich die Preise binnen Jahresfrist um 7,1 Prozent.

Bauindustrie weist Schuld von sich

„Die steigenden Baupreise, über die in jüngster Zeit vermehrt geklagt wird, können nicht allein den Bauunternehmen angelastet werden. Ausschlaggebend sind vor allem gestiegene Baumaterialkosten, die jüngste Tariflohnerhöhung und zunehmende staatliche Regulierungen.“ Mit diesen Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baupreise.

Babiel machte deutlich, dass – neben der Erhöhung der Tariflöhne in 2018 von 5,7 Prozent – insbesondere die Baumaterialpreise stark angestiegen seien. So habe der Preis für Bitumen, welcher für den Straßenbau benötigt werde, binnen Jahresfrist um 40 Prozent, der Preis für Dieselkraftstoff um 22 Prozent zugelegt. „Aber auch die Preise für Baustahl kennen zurzeit nur eine Richtung – nach oben“, beschrieb Babiel die aktuelle Situation.

„Im Immobilienbereich gibt es noch zusätzliche Kosten, die die Anschaffung von Wohneigentum deutlich verteuert haben“, so Babiel weiter. Zum einen seien die Preise für baureifes Land in den vergangenen acht Jahren um insgesamt 47 Prozent gestiegen. Zum anderen dürfe nicht vergessen werden, dass auch die Kommunen über eine drastische Anhebung der Grundsteuersätze – zur Sanierung ihrer Haushalte – die Baunebenkosten erhöht hätten. Babiel: „Dies passt unseres Erachtens nicht zum politischen Ziel, Bauen und Wohnen wieder bezahlbar zu machen.“

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Steildächer: Ende der Talfahrt in Sicht

Für den deutschen Steildach-Markt sah es die letzten Jahre eher mau aus. Nach 2018 könnte sich dies allerdings nun ändern, wie erste Marktanalysen jetzt zeigen.

Am arg gebeutelten Markt für geneigte Dächer in Deutschland zeigte sich 2018 möglicherweise Licht am Ende des Tunnels: Zwar gaben die Herstellererlöse nochmals leicht nach, für 2019 ist jedoch zumindest mit einem stabilen Ergebnis zu rechnen – zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine aktuelle Marktstudie zu Dachmaterialien in Deutschland von Branchenradar.com.

Trotz florierender Baukonjunktur entwickelte sich der Markt für Dachbaustoffe rund um geneigte Dächer in den letzten Jahren rückläufig: Zwischen 2012 und 2017 verlor die Warengruppe erlösseitig nahezu fünfzehn Prozent an Volumen. Auch 2018 gab der Markt nochmals leicht nach. Mit minus 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr bremste sich der Abschwung aber merklich ein. Insgesamt setzten im vergangenen Jahr die Hersteller von Dachmaterial für geneigte Dächer am deutschen Markt 876 Millionen Euro um. Der leichte Umsatzrückgang zog sich weitgehend gleichförmig durch alle Produktgruppen.

Der Umsatz mit Dachziegeln und Faserzement sank um jeweils rund 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Betondachstein und Metalldeckungen lag das Minus bei etwa einem Prozent gegenüber Vorjahr.

Abgesehen vom konstant hohen Preisdruck sorgte einmal mehr das schwache Sanierungsgeschäft für die misslichen Absatzahlen. Dazu hat auch der anhaltende Fachkräftemangel beigetragen – wodurch es dem verarbeitenden Handwerk nicht gelang, ausreichende Personalkapazitäten zur Verfügung zu stellen. Und da die vorhandenen Ressourcen stark im Neubau gebunden waren, konnten vielerorts Sanierungsvorhaben nicht umgesetzt werden.

Architektur wenig Steildach-freundlich

Das Neubaugeschäft wuchs indessen konstant um etwa ein Prozent gegenüber Vorjahr, wobei das Marktpotential allerdings noch deutlich höher gewesen wäre. Der besseren Ausschöpfung standen jedoch die vermehrte Errichtung von Flachdächern sowie gravierende Änderungen in den Dachformen infolge des Trends zu kubischen Baukörpern entgegen. Statt Sattel- oder Walmdächern wurden öfter einfache Pultdächer errichtet, wodurch die zu bedeckende Dachfläche substanziell schrumpfte. Der Trend wird seit etwa zwanzig Jahren beobachtet und ein Ende ist nicht in Sicht.

Nichtsdestotrotz ist für die Anbieter Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Denn mit dem Ergebnis von 2018 sollte die Talsohle erreicht worden sein. Nach Berechnungen von Branchenradar.com Marktanalyse ist im aktuellen Jahr zumindest mit einem stabilen Umsatz zu rechnen.

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4.000 Euro bei bestandener Prüfung

Bremen zahlt seinen Bürgern, die eine Aufstiegsfortbildung erfolgreich absolvieren, einmalig eine Prämie von 4.000 Euro. Auch in anderen Bundesländern gibt es Zuschüsse.

Die Frage nach der Sicherung des Fachkräftnachwuchses stellt sich nicht nur Bremen. Die Freie Hansestadt stellt ihren Bürgern seit dem ersten Januar einen finanziellen Anreiz von 4.000 Euro in Aussicht, wenn sie eine Aufstiegsfortbildung wie den Meister, Fachwirt, Techniker oder Betriebswirt absolvieren. Ebenso soll die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung mehr in den Vordergrund rücken, um mehr junge Menschen für eine Berufsausbildung zu begeistern.

Von der Richtlinie des Bremer Senats profitieren Absolventen, die ihre Fortbildung zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2020 erfolgreich abschließen. Interessierte können sich an den Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen wenden. Dieser ist für die Beratung, Antragsannahme und Bewilligung der Prämie zuständig.

Andere Bundesländer, andere Anreize

Bremen ist allerdings nicht das einzige Bundesland, das seinen Handwerkern einen Zuschuss bei bestandener Fortbildung zahlt. In Bayern gibt es zum Beispiel den sogenannten Meisterbonus mit 2.000 Euro. In NRW gibt es keinen Meisterbonus, dafür aber eine Meistergründungsprämie über 7.500 Euro, die das Land bei Gründung, Übernahme oder der Beteiligung an einem Betrieb auszahlt. In Berlin liegt die Gründungsprämie sogar bei 15.000 Euro. Auch viele andere Länder winken mit finanziellen Boni bei bestandenen Meisterprüfungen oder der Gründung eines Betriebes.

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Arbeiten im Ausland: Schonfrist für Arbeitgeber

Die A1-Bescheinigung zur Entsendung von Personal ins Ausland, sollte es ab 2019 eigentlich nur noch elektronisch geben. Eine neue Schonfrist kommt dem Handwerk nun entgegen.

Im Zuge der Digitalisierung wurde bereits zu Beginn des letzten Jahres ein elektronisches A1-Bescheinigungsverfahren eingeführt. Seither ist es möglich, A1-Bescheinigungen mit einem Entgeltabrechnungsprogramm oder einer maschinellen Ausfüllhilfe elektronisch zu beantragen. Eine Übergangsregelung erlaubte es Arbeitgebern allerdings noch bis zum 31. Dezember 2018, die Anträge wie bisher in Papierform einzureichen. Zu Beginn dieses Jahres sollte die elektronische Form allerdings obligatorisch werden.

Laut Krankenkasse BIG direkt gesund haben sich die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung nun aber dafür ausgesprochen, dass in begründeten Einzelfällen auch in der Zeit vom 1. Januar 2019 bis zum 30. Juni 2019 weiterhin Antragstellungen in Papierform möglich sind.

Kompliziertes Verfahren

Hintergrund ist, dass insbesondere große Unternehmen derzeit erst die Rahmenbedingungen schaffen, um das neue elektronische Verfahren einsetzen zu können. Allerdings wird bei der Umsetzung vielfach erkennbar, dass umfassende Anpassungen der betriebsinternen Strukturen erforderlich sind. Problematisch für viele Unternehmen ist, dass das Verfahren in der Entgeltabrechnung verortet ist. In vielen Unternehmen wird die Entgeltabrechnung aber aktuell nicht oder erst nach der Entsendung eingebunden. Insoweit müssen Arbeitgeber und Softwarehersteller von Abrechnungsprogrammen Schnittstellenlösungen konzipieren und technisch umsetzen. Zudem sind betriebsinterne Strukturen anzupassen. Daneben sind auch Rechenzentren und Abrechnungsstellen gefordert, die Kommunikationswege zu überprüfen.

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Handwerk geschockt: Fahrverbot auch für neuste Diesel möglich

Die Verwässerung der strengen Euro-6-Grenzwerte für PKW ist laut Europäischem Gericht (EuG) unzulässig. Damit drohen ab 2021 auch Fahrverbote für neueste Diesel.

Handwerker mit Dieselfahrzeuge müssen sich auf neue Unsicherheiten einstellen: Nach einem jüngsten Urteil des Europäischen Gerichts, könnten ab 2021 auch neuste Diesel der Euro-6-Norm aus europäischen Großstädten verbannt werden. Laut Gericht habe die EU-Kommission bei der Einführung neuer Abgastest die Grenzwerte der Euro-6-Norm zu Unrecht gelockert. Die Luxemburger Richter stimmten damit einer Klage der Städte Paris, Madrid und Brüssel zu. Diese dürften die Grenzwerte nun vor Gericht anfechten und im Zweifel auch Fahrverbote für neuste Diesel verhängen, die zuvor offiziell zugelassen wurden.

Gegen das erstinstanzliche Urteil sind noch Rechtsmittel zum Europäischen Gerichtshof möglich. Die jetzigen Regelungen sollen daher noch rund 14 Monate anwendbar bleiben.

Auswirkungen noch nicht absehbar

Welche Folgen das Urteil für die Praxis hat, ist zurzeit noch unklar. In Stuttgart, wo seit Anfang des Jahres bereits Fahrverbote verhängt wurden, wächst die Unsicherheit nach der Entscheidung aus Luxemburg. „Das Urteil bringt große Unsicherheit für die Handwerker mit sich“, sagt Gesine Kapelle, Diesel-Expertin von der Handwerkskammer Region Stuttgart, gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung. „In Stuttgart sollen Handwerker bereits jetzt ihre Flotten erneuern. Lange galt die Euro-6-Norm als sicher. Doch wir raten unseren Betrieben, nur Fahrzeuge mit dem Standard Euro 6d-temp anzuschaffen, da nur diese neueste Version auch im Straßenbetrieb garantiert niedrige NOx-Werte haben. Doch leider sind die Fahrzeuge bisher nur vereinzelt verfügbar.“

Inzwischen habe die Landesregierung in Stuttgart zwar zugesagt, keine Fahrverbote für Euro-6-Diesel auszusprechen, in anderen Städten könnte dies aber durchaus eintreten. „Das Urteil besagt nicht, dass Fahrverbote für Euro 6 nun grundsätzlich zulässig oder zwingend notwendig sind. Es ist erst einmal nur ein Urteil, das sich mit dem formalen Weg der Festlegung von Vorgaben bei der Typenzulassung beschäftigt.“, wird Carsten Benke, Verkehrsexperte beim Zentralverband des Deutschen Handwerks, in der Deutschen Handwerkszeitung zitiert. „Grundsätzlich könnte in der Zukunft aber die Möglichkeit bestehen, dass die Städte dann auch für aktuelle Euro-6-Diesel Fahrverbote aussprechen könnten. Das wäre aber überhaupt erst in einigen Jahren denkbar. Zudem ist für fast alle Städte in Deutschland anzunehmen, dass es dann gar keine nennenswerten Immissionsgrenzwertüberschreitungen mehr gibt. Bis dahin müssen sich alle Verantwortlichen massiv anstrengen und die Schadstoffbelastung senken.“

Klar sei allerdings, dass die Unsicherheiten für Dieselfahrer weiter zunehmen, was letztlich auch Fuhrpark-Modernisierungen im Wege stehe.

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Politische Debatte: Zurück zur Meisterpflicht

Eine Reform schaffte 2004 die Meisterpflicht ab. Allerdings nicht ohne Fehler und Probleme. Der Bundestag diskutiert nach über zehn Jahren nun eine Wiedereinführung.

Im Dezember 2018 debattierte der Bundestag zum ersten Mal darüber, ob die Meisterpflicht wieder eingeführt werden sollte. Nach Anträgen der FDP und der AFD setzt sich jetzt der Wirtschaftsausschuss mit der Forderung auseinander.

Durch die Veränderung der Handwerksordnung im Jahr 2004 sei eine der tragenden Säulen des Mittelstands und damit der Wirtschaft geschwächt worden, so der AFD-Abgeordnete Tino Chrupalla, Malermeister aus Sachsen. Weiter wies er darauf hin, dass handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten einen hohen kulturellen Wert hätten. Diesen gelte es zu erhalten – mit dem Wissen und den Traditionen.

Kritik aus den Reihen der anderen Parteien

Gegenstimmen kamen von Seiten der FDP. „Mit diesem Antrag schaden Sie dem deutschen Handwerk mehr als sie ihm nutzen“, kritisierte der Elektromeister Manfred Todtenhausen. Seine Fraktion schloss sich an und forderte vor allem Anerkennung für das Handwerk. Und der Meisterbrief sei unverzichtbarer Bestandteil der beruflichen Bildung. Eine Ausweitung des Meisters auf mehr Berufe müsste außerdem besonnen ablaufen, so Todtenhausen weiter. An Peter Altmaier (CDU) richtete er sich mit einer Forderung: Der Bundeswirtschaftsminister soll bis Mai einen Gesetzentwurf dazu vorlegen.

Auch CDU/CSU will die Fehlentwicklungen korrigieren. Fakt sei, dass man mehr Meister gebrauchen könne, so Astrid Grotelütschen: „Der Meistertitel ist Garant für Qualität und Ausbildung.“ Im Koalitionsvertrag sei auch vereinbart, in Gesprächen mit Handwerkern eine Wiedereinführung des Meisters für einzelne Berufsbilder zu diskutieren, erklärte die Abgeordnete weiter.

Sabine Poschmann (SPD) kritisierte, dass der Antrag der AFD reichlich spät komme, da die Koalition sich bereits mit dem Thema auseinandersetze. Sie merkte auch an, dass nur noch rund 30 Prozent der Beschäftigten nach Tarifvertrag bezahlt würden. „So simpel, wie Sie die Gewerke zur Meisterpflicht zurückführen wollen, ist die Sache nicht.“ Auch den Antrag der FDP lehnte sie mit der Begründung ab, dass es bereits verschiedene Ausarbeitung zu dem Thema gebe und eine erneute Evaluation das ganze Verfahren in die Länge ziehen würde. Klaus Ernst von der Linken schloss sich der Meinung der SPD-Abgeordneten an und ergänzte ihre Rede um die Punkte, der geringen Urlaubstage und schlechten Arbeitsbedingungen, die Jugendliche häufig davon abhalten würden, eine Ausbildung in einem handwerklichen Beruf zu beginnen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung und keinen Schnellschuss forderte Claudia Müller von den Grünen.

Mögliche Richtigstellung der Reform von 2004 Ungefähr 15 Gewerke waren 2004 im Zuge der Novellierung der Handwerksordnung zulassungsfrei geworden. Die große Koalition überlegt nun eine Ausweitung der Meisterpflicht auf diese Gewerke. Dahinter steckt die Absicht, die in 2004 gemachten Fehler zu berichtigen. Seit der Reform können zum Beispiel Rolladenbauer und Fliesenleger ohne berufliche Qualifikation arbeiten. Dagegen benötigen Bäcker oder Schreiner, die ausbilden oder sich selbstständig machen wollen, einen Meisterbrief. Eine Arbeitsgruppe aus SDP und Union beschäftigt sich mit dieser Fragestellung. Ebenso wird überprüft, ob eine Rückkehr zur Meisterpflicht für bestimmte Berufe möglich ist. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) lässt durch ein Gutachten prüfen, ob und wie eine Ausweitung der Meisterpflicht wirtschaftlich sinnvoll und rechtlich möglich ist.

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Bauverbände.NRW nimmt Arbeit auf

Das nordrhein-westfälische Baugewerbe hat sich neu formiert und zum 1. Januar die neue Dachorganisation Bauverbände.NRW gegründet – mit vielen Neuerungen für die Mitglieder.

Zum Jahresanfang gehören die Baugewerblichen Verbände (BGV) und die Bauverbände Westfalen der Vergangenheit an: Sie haben sich zur gemeinsamen Dachorganisation Bauverbände.NRW zusammengeschlossen und zum 1. Januar mit der Arbeit begonnen. Die Protagonisten versprechen sich hiervon vor allem Vorteile für die Innungen und für die Mitgliedsbetriebe.

Zur Bauverbände.NRW gehören der:

  • Baugewerbe-Verband Nordrhein,
  • Baugewerbeverband Westfalen,
  • Straßen- und Tiefbau-Verband Nordrhein-Westfalen,
  • Fachverband Ausbau und Fassade Nordrhein-Westfalen,
  • Verband Stuck-, Putz-, Trockenbau Westfalen,
  • Zimmerer- und Holzbau-Verband Nordrhein sowie der
  • Deutsche Auslandsbau-Verband.

Damit sind die Berufsgruppen der Maurer und Betonbauer, der Brunnenbauer, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Fliesenleger, Straßen- und Tiefbauer, Stuckateure, wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz-Isolierer sowie der Zimmerer vertreten.

Politisches Schwergewicht

Rüdiger Otto, Präsident der neuen Organisation, bezeichnete die Formation gegenüber der NH-Nachrichten als „politisches Schwergewicht, an dem bei Bauthemen keiner vorbeikommt“. Juristisch fungiert die Formation als eingetragener Verein. Zum Hauptgeschäftsführer wurde bei der konstituierenden Sitzung im Sommer Hermann Schulte-Hiltrop bestimmt, der als Diplom-Ökonom bereits 17 Jahre lang hauptamtlich die Bauverbände Westfalen leitete. Karlgünter Eggermann wurde zum Vizepräsidenten ernannt.

Um „eine durchgehende qualifizierte Betreuung der Betriebe sicherzustellen“, so Schulte-Hiltrop, seien die Berater in den beiden Geschäftsstellen ab sofort übergreifend für alle Mitgliedsfirmen zuständig. Darüber hinaus können nordrheinischen Unternehmen nun auf qualifizierte Unterstützung in Sachen IT und Digitalisierung zurückgreifen und Kollegen im westfälischen Landesteilen stehen Fachberater für die Themen Umwelt und Entsorgung zur Verfügung.

Beiträge bleiben gleich

„In der Gründungsversammlung der neuen Dachorganisation und auch in den Beratungen über den Haushalt der Einzelverbände für 2019 sei immer wieder darauf gedrungen worden, dass die Neugliederung nicht mit Kostensteigerungen für die Innungen einhergehen dürfe“, erklärt der Hauptgeschäftsführer. Aus diesem Grund sollen die Innungsbeiträge 2019 und 2020 stabil bleiben. Kostensparend wirke sich in diesem Zusammenhang beispielsweise das neue Mitgliedermagazin BAU.NRW aus, das an die Stelle der bisherigen Zeitschriften BauInfo und Baudirekt tritt. „Das neue Magazin wird in einem modernisierten, in unserer Sicht leserfreundlichen Layout die gewohnt-informativen Inhalte bringen“, so Schulte-Hiltrop.

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Bedenklich viel Schnee für Hausdächer

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor massiven Schneefällen in Süddeutschland. Besonders Flachdächer sollten von ihren Besitzern beobachtet werden, so der TÜV Rheinland.

Anhaltender Schneefall und meterweise Neuschnee kennzeichnen in diesem Jahr den Wintereinbruch, vor allem in Süddeutschland. Das wirkt sich nicht nur auf den Straßenverkehr aus, bei so einer Menge Schnee müssen auch Haus- und Immobilienbesitzer aufpassen. An das eingestürzte Dach der Sporthalle in Bad Reichenhall können sich viele noch erinnern. Zwar ist das ein Extrembeispiel, trotzdem gilt es aufmerksam zu sein. Der TÜV Rheinland warnt jetzt, dass der viele Schnee die Dächer folgenreich belasten kann. Daher empfiehlt er Besitzern das Wetter im Blick zu behalten.

Flachdächer unter besonderer Beobachtung

Doch es gilt nicht nur den Schneefall zu beobachten. Abhängig von der gefallenen Menge, kann aus einer im ersten Moment unbedenklichen Schneedecke schnell ein tonnenschweres Gewicht werden. Die Gewichtsunterschiede allein zwischen Pulver- und Neuschnee sind bereits enorm. Friert es dann noch und der Schnee wird zu Eis, muss das Dach 90 Kilogramm tragen – pro Quadratmeter. In erster Linie betrifft das laut TÜV Rheinland große Hallen mit Flachdächern oder leicht geneigte Dächer.

Professionelle Hilfe sinnvoll

Bei Privathäusern mit Spitzdächern ist ein Einsturz eher unwahrscheinlich. Allerdings kann es hier dazu kommen, dass sich die Schneemassen irgendwann lösen und unkontrolliert vom Dach stürzen. Hausbesitzer, die ein Flachdach haben und dieses vom Schnee befreien möchten, sollten aufpassen. Gerade Oberlichter sollten erkennbar sein, um Unfällen vorzubeugen. Genauso müssen Personen, die auf dem Dach arbeiten, gesichert sein. Ratsam ist es außerdem, den Schnee zeitgleich von verschiedenen Seiten zu entfernen, damit es nicht zu einseitigen Belastungen kommt. Liegen Flachdächer großer Hallen voller Schnee, ist es für eine Räumung unbedingt sinnvoll professionelle Hilfe heranzuziehen.

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Elektrogeräte: Hersteller müssen Ersatzteile bereitstellen

Dank einer neuen EU-Ökodesign-Regelung, müssen Hersteller künftig Ersatzteile für Elektrogeräte liefern. Zudem müssen sie Informationen zur Reparatur herausgeben.

Die EU-Kommission hat neue Ökodesign-Regelungen für Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und elektronische Displays vorgestellt. Demnach spielt neben der Energieeffizienz erstmals vor allem auch der Ressourcenschutz eine wichtige Rolle. Hierzu werden Hersteller per Gesetz in die Pflicht genommen, Ersatzteile und Informationen bereitzustellen. Verbraucher und Werkstätte sollen künftig leichter an Informationen gelangen, wie man Ersatzteile austauscht.

Die Abstimmung des Ministerrats für Kühlschränke und Displays fand bereits im Dezember 2018 statt. Für Geschirrspüler und Waschmaschinen ist sie im Januar angesetzt. Die neuen Regeln werden allerdings erst im September 2021 in Kraft treten, da vorher sowohl das EU-Parlament als auch die Mitgliedsstaaten noch zustimmen müssen.

Regelung soll Umwelt und Geldbeutel schonen

Da freie Werkstätte in der Vergangenheit oftmals keine Ersatzteile von den Herstellern oder nur gegen höhere Kosten geliefert bekamen, diktierten nach Auffassung der EU-Kommission vor allem die Anbieter den Markt. Die neuen Regelungen sollen nun Abhilfe schaffen.

Bereits im Oktober 2018 hatte Rundfunk- und Fernsehtechnikermeister Detlef Vangerow die EU-Vorschläge als Experte im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bewertet: „Reparaturen sichern die Existenz der Reparaturwerkstätten und erhalten das technische Know-how in Deutschland! Und Ersatzteile sind der Schlüssel zur Reparatur“, wird der Handwerker im Handwerksblatt zitiert.

Auch Verbraucherschützer zeigen sich zufrieden mit den neuen Normen: „Neben Energie werden damit auch Ressourcen gespart. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel der Verbraucher. Der Ball liegt jetzt bei den EU-Mitgliedstaaten. Sie müssen Maßstäbe beim Ressourcenschutz setzen und die Öko-Designrichtlinie erweitern“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, gegenüber dem Handwerksblatt.

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2018: Weniger Kohle – mehr Erneuerbare

Erneuerbare Energien wechseln auf die Überholspur: 2018 ist die Stromerzeugung aus Kohle zurückgegangen, während die Erneuerbaren Energien weiter auf Wachstumskurs sind.

Nach vorläufigen Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) stieg der Beitrag der regenerativen Energien zum Erzeugungsmix 2018 auf insgesamt 35 Prozent (2017: 33 Prozent). Der Anteil des in Stein- und Braunkohlekraftwerken erzeugten Stroms hingegen sank auf 35 Prozent (2017: 37 Prozent). Damit ziehen die Erneuerbaren mit der Kohleverstromung gleich und wechseln mit Blick auf den weiteren regenerativen Zubau auf die Überholspur. Der Einsatz von Erdgas entspricht dem Vorjahreswert: Knapp 13 Prozent des erzeugten Stroms stammt aus Gaskraftwerken (2017: 13 Prozent). Kernenergie steuerte nahezu unverändert knapp 12 Prozent bei, sonstige Anlagen (u.a. Pumpspeicher- und Heizölkraftwerke) wie im Vorjahr 5 Prozent.

Energiewirtschaft auf Klima-Kurs

Der Rückgang der konventionellen Erzeugung führte 2018 wie in den Vorjahren erneut zu sinkenden Treibhausgas-Emissionen: In diesem Jahr sank der Ausstoß von CO2 gegenüber dem Vorjahr um ca. 11 Millionen Tonnen. „Damit bleibt die Energiewirtschaft auf dem Zielpfad einer Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2020 – im Gegensatz zu anderen Sektoren“, sagte Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, heute in Berlin. „Die beschleunigte Verlagerung der Stromerzeugung aus CO2-intensiven hin zu CO2-armen und nahezu CO2-freien Energieträgern ist in vollem Gang. Die Energiewirtschaft ist mit Blick auf die Energie- und Klimaziele eindeutig auf Kurs.“

Mit Sorge blickte Kapferer auf die von der Bundesregierung veranlasste Verschiebung des Endberichts der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“: „Diese Verschiebung darf nicht dazu führen, dass die Kommission und ihre Arbeit bis zum neuen Abschlussdatum Anfang Februar 2019 in Frage gestellt und zerredet wird. Mit diesem Gremium besteht die vermutlich einmalige Chance auf einen breiten energiepolitischen Konsens mit Blick auf Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit sowie der Vermeidung von Strukturbrüchen in den betroffenen Regionen. Im energiewirtschaftlichen Bereich der Kommission waren wir auf einem guten Weg in Richtung eines tragfähigen Kompromisses. Das darf nicht leichtfertig verspielt werden.“

Netzausbau vorantreiben

Kapferer forderte zudem mehr Tempo beim Erneuerbaren-Ausbau: „Wir brauchen zügig Sonderausschreibungen für Wind offshore – hier wird bisher Potenzial verschenkt. Zudem brauchen wir Planungs- und Investitionssicherheit für Wind onshore-Projekte. Darüber hinaus muss die Förderung der Akzeptanz für Windkraftprojekte und des dringend notwendigen Netzausbaus ganz oben auf der energiepolitischen Agenda stehen.“

Kapferer sprach sich zudem erneut für eine CO2-Bepreisung in den Sektoren aus, die nicht dem europäischen Emissionshandel unterliegen: „Es ist höchste Zeit, dem CO2-Ausstoß auch in den Sektoren Verkehr und Wärme einen Preis zu geben. Außerdem sollte die Stromsteuer gesenkt werden, damit regenerativ erzeugter Strom attraktiver für den Mobilitäts- und Wärmesektor wird. Und wir brauchen endlich eine steuerliche Abschreibung für energetische Gebäudesanierungen, um das gewaltige CO2-Einsparpotenzial im Wärmemarkt zu heben.“