Beton ohne CO2-Fußabdruck

Der Baustoffproduzent Holcim hat den bundesweit ersten CO2-neutralen Beton entwickelt. Erreicht wird dies unter anderem durch eine veränderte Betonrezeptur.

Widerstand gegen Druck, im Verarbeitungszustand gießbar und somit formbar – diese und viele weitere Vorteile bietet das robuste Baumaterial. José Luis Moros beschreibt in seinem Fachbuch „Baukonstruktion – vom Prinzip zum Detail“ auch, wie Beton es erlaubt, fugenlose monolithische Strukturen in größeren Maßstäben zu schaffen, bis hin zum kompletten Bauwerk. Betrachtet man die Auswirkungen von Beton auf das Klima und die Umwelt, kommen allerdings auch immer mehr Nachteile zum Vorschein. So entstehen bei der Produktion von Beton etwa fünf bis zehn Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Bauwerke allgemein sind sogar für ganze 40 Prozent der Treibhausgasemissionen und des Energieverbrauchs verantwortlich. Auch sorgt die Gebäudesparte für 50 Prozent der Rohstoffentnahme aus der Natur sowie der Abfallmassen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Bauwende Bündnis. Statista, das die Treibhausgasemissionen des deutsche Baugewerbes in den Jahren 1995 bis 2017 ermittelt hat, kommt ebenfalls zu einem solchen Ergebnis: Im Jahr 2017 verursachte das deutsche Baugewerbe rund 4,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Viele Hersteller arbeiten bereits an CO2-neutralem Beton

Alternative Bauweisen, wie beispielsweise die Bauweise mit Holz, nehmen seit jeher zu. Aber auch im Bereich des Zements und Beton geben viele Hersteller nicht auf. So hat der Baustoffproduzent Holcim erst im Januar 2020 bekanntgegeben, dass der bundesweit erste CO2-neutrale Beton entwickelt worden sei. Auch gibt das Unternehmen an, seit 2019 bereits mehr als 90 Prozent seiner Betone mit CO2-reduzierten Zementen zu produzieren. Der Name des Produktes verspricht viel: Ecopact Zero heißt der neuartige Beton. Noch im ersten Quartal 2020 soll er erstmals innerhalb Deutschlands ausgeliefert werden. Eine tragende Rolle bei der Produktion habe der Einsatz klinkerreduzierter Zemente und die Optimierung der Bindemittel-Gehalte gespielt, heißt es von dem Hamburger Unternehmen. Das allein soll allerdings nicht ausgereicht haben. So werde der weiterhin unvermeidbare CO2-Fußabdruck bei der Produktion von Ecopart Zero beispielsweise durch den Erwerb von MoorFutures-Zertifikaten kompensiert. MoorFutures fördert Wiedervernässungs-Projekte von Mooren in verschiedenen Bundesländern. So könne eine Wiedervernässung der drainierten Moore Deutschlands theoretisch bis zu 35 Millionen Tonnen CO2- pro Jahr einsparen, schreibt Stefan Zerbe in seinem Buch „Renaturierung von Ökosystemen im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt“.

Bauindustrie fordert einheitliche Datenstandards

In den Augen von Bauunternehmen und Maschinenherstellern ist die Digitalisierung ohne einheitliche Datenformate und zugängliche Plattformen zum Scheitern verurteilt.

Auf einer Podiumsdiskussion im November 2019 diskutierten zahlreiche Experten über „Smart Construction und die intelligente Baustelle“. So liefern und verarbeiten Baumaschinen bisher bereits eine Unmenge an Daten – diese sind allerdings nicht universell lesbar und ergeben nur im Ökosystem des jeweiligen Herstellers gelesen einen Sinn. Hans Jörg Klingelhöfer, Head of Digitalisation bei der Strabag, stellt fest: „Wir sind auf dem Stand der sechziger Jahre stehen geblieben. Das müssen wir ganz dringend ändern.“ Denn: Idealerweise würden sämtliche im Bauprozess anfallende Daten in einer Baustellencloud gespeichert und in Onlineportalen ausgewertet und aufbereitet werden. Dafür müssten die Daten allerdings ein einheitliches Format besitzen, was bisher nicht möglich ist. Auch unklar ist, bei wem die Verantwortung für den ersten Schritt in die richtige Richtung liegt. Die Industrie sieht die Verantwortung dafür bei den Bauunternehmen, die wiederum nehmen die Industrie in die Pflicht. „Schöner und einfacher ist es natürlich für die Hersteller, wenn Sie integrierte Lösungen im eigenen System haben – wir möchten aber offene Schnittstellen“, sagt Margit Dietz, Geschäftsführerin der Jean Bratengeier Bau GmbH und Sprecherin der Bauunternehmerinnen im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. „Der direkte Austausch mit der Konkurrenz hat keine Tradition in der Bauindustrie“, gibt Strabag-Mann Klingelhöfer zu bedenken. Und auch Dietz‘ Optimismus ist gedämpft: „Aus meiner Sicht wird es noch dauern, bis es Datenstandards für Baustellen geben wird.“

Erste Lösungsversuche

Im Rahmen der Forderungen, einheitliche Datenstandards zu schaffen, hat der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) über seinen Arbeitskreis Telematik die Grundlagen der ISO-Norm 15143-3 zur Datenstandardisierung von Erdbaumaschinen geschaffen, die als Arbeitsgrundlage auf dem Weg zu einer herstellerübergreifenden Standardisierung gedacht ist. Viele Bauunternehmen halten die Schaffung einer Plattform für alle Maschinen schon lange für unabdingbar. „Wenn jeder Hersteller seinen eigenen Standard etabliert, dann werden wir nicht zusammenarbeiten können“, warnt zum Beispiel Dr. Rainer Bareiß, Prokurist der Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG. Außerdem befinden sich verschiedene Hersteller von Anbaugeräten bereits im Austausch und erarbeiten für ihre Daten Schnittstellen und einheitliche Standards.

Bundesverkehrsministerium in der Kritik

Beim Einsatz Öffentlich-Privater Partnerschaften ist sich die Bauwirtschaft uneinig. So übt das Baugewerbe daran Kritik aus, die Bauindustrie weist die Vorwürfe zurück.

Für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hagelt es momentan viel Kritik wegen des geplanten Vorgehens beim Autobahnbau. Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wurde vereinbart, die noch nicht fertiggestellten Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP) der ersten bis dritten Staffel nur dann zu realisieren, „wenn deren Wirtschaftlichkeit auf Basis der mit dem Bundesrechnungshof abgestimmten Regularien transparent nachgewiesen worden ist”. Ferner heißt es: „Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und die Konzessionsverträge werden wir nach Vergabe bei Zustimmung des Konzessionsnehmers im Internet veröffentlichen.” Wie die Tageszeitung „Welt“ berichtet, habe das Verkehrsministerium lediglich mitgeteilt, dass eine mit einem fiktiven Beispiel unterlegte Musterwirtschaftlichkeitsuntersuchung erstellt und veröffentlicht werden solle. Aus Sicht des haushaltspolitischen Sprechers der Grünen, Sven-Christian Kindler, ist das „ein offener Bruch mit dem Koalitionsvertrag”. Aus Sicht des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) entstehe dieser Vorwurf aufgrund einer bisher fehlenden Umsetzung des Auftrags im Koalitionsvertrag, „ÖPP-Verträge offenlegen zu wollen“. So wundert sich HDB-Hauptgeschäftsführer Dieter Babiel: „Ich bewundere jedes Mal aufs Neue die Kreativität der Oppositionsarbeit, bereits nach der ersten Halbzeit das Endergebnis sehen zu wollen.“ Aus Sicht Babiels weisen Projekte mit Öffentlich-Privater-Partnerschaft bereits jetzt ein hohes Maß an Transparenz auf, da jedes Projekt im Bundesfernstraßenbereich mit allen Kosten und für jeden nachlesbar im Bundeshaushalt stehe.

ÖPP-Projekte im Autobahnbau seien intransparent

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) nennt die ÖPP-Projekte im Autobahnbau außerdem intransparent, unwirtschaftlich und mittelstandsfeindlich. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Bundesregierung „die Wirtschaftlichkeit von ÖPP-Projekten nicht anhand konkreter, real existierender Bauvorhaben belegt“, erklärt Felix Pakleppa, der Hauptgeschäftsführer des ZDB. So müssten sich Bauprojekte an der Praxis messen lassen und am konkreten Fall durchgerechnet werden. Ginge es nach Pakleppa, wären ÖPP-Projekte längst Geschichte. Sein Hauptargument liegt dabei vor allem in der wirtschaftlichen Ineffizienz von Öffentlich-Privaten-Partnerschaften. Außerdem würden mittelständische Unternehmen bei einer ÖPP-Ausschreibung aus seiner Sicht vom Bauprozess ausgeschlossen werden. Demnach müsse man die Ausschreibung so ausgestalten, „dass auch mittelständische Firmen und nicht nur internationale Großkonzerne am Autobahnbau beteiligt bleiben“.

Weltweit erstes Gebäude aus Carbonbeton

In Dresden wird momentan das erste Gebäude aus Carbonbeton gebaut. Der Beton ist mit einer Bewehrung aus Kohlenstofffasern nachhaltiger als herkömmlicher Stahlbeton.

Mitten in Dresden soll das neuartige Gebäude die Möglichkeiten des neuartigen Verbundwerkstoffs öffentlichkeitswirksam inszenieren. Stahlbeton steht in Hinblick auf den Klimawandel schon länger in der Kritik: viel zu dicke Betonschichten, die zum Schutz des Stahls benötigt werden und auch der verbrauchte Zement verursacht viel zu viel CO2. Die Technische Universität (TU Dresden) sieht deshalb eine überwiegende Nutzung von sogenanntem Carbonbeton als zukunftsfähige Lösung. Es handelt sich hierbei um einen Materialverbund aus einer nichtrostenden Kohlenstofffaser-Bewehrung und Hochleistungsbeton. So schreibt die TU Dresden, dass der Materialwechsel hin zu Carbonbeton den Energiebedarf und den CO2-Ausstoß bei der Herstellung und Instandsetzung von Bauwerken um bis zur Hälfte reduzieren und wertvolle Ressourcen schonen könnte. Die Ergebnisse ihrer umfangreichen Carbonbeton-Forschungsoffensive will die TU Dresden nun einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Deshalb wird in der Landeshauptstadt Sachsens nun das weltweit erste Gebäude aus diesem Materialverbund entstehen. Bis Ende 2020 soll es fertiggestellt sein. Es entsteht ein 220 Quadratmeter großer Experimentalbau, der gleichzeitig als Versuchsstand dienen soll. Das Gebäude soll „Cube“ heißen und war ursprünglich in Form eines Würfels geplant. Nun werden zwei symmetrisch gegenüber angeordnete Twist-Elemente gleichzeitig den seitlichen sowie oberen Raumabschluss bilden und das außerordentliche Anwendungsspektrum der Carbonbetonweise veranschaulichen.

Initiative Wohnen will nicht mehr reden, sondern handeln

Ganze 24 Unternehmen trafen sich in Berlin, um eine Initiative zu gründen, die endlich das Ziel umsetzen soll, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen.

„Wir wollen nicht mehr über den Klimawandel reden. Wir wollen handeln.“ – So lautet das Motto der Unternehmen der Wohnungswirtschaften, die sich am 28. Januar zur Gründung der Initiative Wohnen.2050 (IW2050) trafen. Initiiert wurde der bundesweite Zusammenschluss von der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt. Der Zusammenschluss hat ein klimapolitisches Bündnis zum Ziel, welches neben der strategischen Kooperation und einem fachlichen Abgleich insbesondere auch wirtschaftliche und finanzielle Belange zur Erreichung der Vorgaben im Blickfeld hat. Schon am Gründungstag vertraten die anwesenden Unternehmen immerhin rund 1.050.000 Wohneinheiten und sechs der zehn größten deutschen Wohnungs-Unternehmen innerhalb des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Eröffnet wurde die Veranstaltung von Alex Gedaschko, dem Präsidenten des GdW: „Für die Wohnungswirtschaft ist Klimaschutz eines der vordringlichsten Themen – und alle Beteiligten leisten seit langem einen kontinuierlichen Beitrag. Um das Zwei-Grad-Ziel und einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 zu erreichen, gilt es den Einsatz noch einmal deutlich zu erhöhen. Die Situation erfordert nicht nur Engagement, sondern Transformation“, erklärte Gedaschko.

Know-how der gesamten Branche wird geteilt

Die Lösungen für vorher gesammelte Probleme werden mit dem gesammelten Know-how der Unternehmen erarbeitet und diskutiert. So sollen auch kleinere Unternehmen die Chance erhalten, sich einzubringen und ihren Standpunkt klarzumachen. „Wir stehen vor der wohl größten Jahrhundertaufgabe unserer Zeit. Deswegen war für uns klar, dass wir eine Brancheninitiative brauchen, um dieser Herausforderung gemeinsam und partnerschaftlich zu begegnen“, so Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt und Vorstand der IW2050, über das Klimaschutz-Engagement. Die vier Hauptziele der Initiative sind neben der einheitlichen Positionierung, um finanzielle Unterstützung für die Klimaziele im Wohnungsbereich einzuwerben unter anderem auch, das Wissen aller Mitglieder für alle zugänglich zu machen und so mit einem reduzierten Ressourcenaufwand zeitnah Lösungen zu entwickeln. Außerdem sollen die Vorreiterrolle und das Klimaschutzengagement der Branche öffentlich gemacht werden. Zu guter Letzt sollen die Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen motiviert, befähigt und aktiviert werden, um zur Klimazielerreichung beizutragen. Auch soll das Thema den Kunden möglichst nahe gebracht werden.

Digitalisierungs-Revolution im Bau ist in vollem Gange

Eine Vielzahl an Veranstaltungen zur Digitalisierung und die Häufigkeit von digitalisierten Instrumenten in der Baubranche zeigen, dass die Digitalisierung angekommen ist.

Immer mehr Fachleute stimmen zu, dass die Digitalisierung Möglichkeiten und Chancen bietet: „Aus ‘Zukunftsmusik’ ist längst Branchenrealität geworden”, erklärt Florian Kaiser, Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Bauzulieferindustrie, Dr. Wieselhuber & Partner. Innovative und digitale Ideen heben Leistungsangebote und Prozesse auf ein ganz neues Niveau. Kunden verlangen mittlerweile klare saubere Abbildungen, detaillierte Kenntnisse und die Verbindung mit einem effizienten Datenmodell. In vielen Baubetrieben ist das allerdings noch keine Realität. Geht es um traditionelle Geschäftsideen wie zum Beispiel die Rolle des Großhandels, werden wertvolle Chancen für eine Digitalisierung oftmals außer Acht gelassen. Neue Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Startup-Messe TECH IN CONSTRUCTION in Berlin oder auch junge Kongresse wie die BIM-World oder das Construction Equipment Forum sensibilisieren für das Thema und geben einen umfangreichen Marktüberblick über die Innovationen der Baubranche. Die sehr gute Auftragslage bei den führenden Herstellern und Verarbeitern bieten nicht Chancen der Digitalisierung, sondern machen sie fast schon nötig, um hinterherzukommen. Kaiser mahnt, dass es in dieser Phase besonders wichtig ist, vorausschauend in die Zukunft zu blicken. Jeder solle unter dem Motto „integrale Planung/Digitalisierung“ seine traditionellen Verhaltensweisen überdenken. Im Februar dieses Jahres findet zum ersten Mal die neue Digitalmesse digitalBAU in Köln statt. Hier wird deutlich gezeigt, dass die Digitalisierung in der Bau-Wertschöpfungskette keine Zukunftsmusik mehr ist. Sie ist längst zur Realität geworden. Den Zeitpunkt für die Messe findet Kaiser optimal, da einige Entscheider durch die vielversprechenden Ansätze „endlich aufgerüttelt“ und motiviert werden wurden, die eigene Zukunftsfähigkeit auszugestalten. So könnte der Bau in fünf bis zehn Jahren von sich selbst behaupten, dass er vollständig digital geworden sei.

Systematischer Betrug auf dem Bau

Schwarzarbeit ist auf dem Bau längst keine Seltenheit mehr. Dem NDR liegen nun erstmals konkrete Zahlen zur systematischen Verschleierung mit gefälschten Rechnungen vor.

So hat der Zoll in Bonn unter 18.000 Ermittlungsverfahren mehr als 1.800 Fälle aufgedeckt, in denen gefälschte Rechnungen zum Einsatz kamen. Diese Zahlen gab die Generalzolldirektion Bonn nun erstmals an das NDR Politikmagazin „Panorama 3“ weiter. Nach Schätzungen von Prof. Friedrich Schneider von der Universität Linz werden jährlich bis zu 120 Milliarden Euro in der Baubranche „schwarz“ verdient. Sogenannte Scheinrechnungen, die in der Branche „Abdeckrechnungen“ genannt werden, gehören zum ausgeklügelten System der Firmen, um „schwarz“ entstandene Kosten abzudecken. Mit diesen illegalen Rechnungen machen sogenannte „Servicegesellschaften“ sogar Geld: Die Bauunternehmen bestellen bei diesen Unternehmen eine Scheinrechnung. Sie überweisen dann die geforderte Rechnungssumme, ohne eine Leistung dafür erbracht zu haben. Später erhalten sie den Betrag abzüglich einer Provision von fünf bis zehn Prozent in bar zurück. Mit dem rückgezahlten Geld bezahlen die Bauunternehmer dann ihre Schwarzarbeiter für die tatsächlich erbrachten Leistungen. 2019 wurde bereits ein Bauunternehmer auf zwei Jahre Haft auf Bewährung verurteilt, der auf diesem Weg Finanzämter und Sozialkassen um mehr als 3 Millionen Euro betrogen hatte. Seine Firma war unter anderem am Bau der Hamburger Umweltbehörde beteiligt. Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Carsten Boddin bezeichnet diese Verflechtung von illegal agierenden Bauunternehmern und Servicegesellschaften im Interview mit dem NDR-Magazin als „Teil der organisierten Kriminalität“. „Dieses System von Servicefirmen, die genutzt werden, um Abdeckrechnungen zu schreiben, besteht ja nicht nur für diesen Fall“, so Boddin, „sondern es wird nach unseren Erkenntnissen in der gesamten Branche genutzt.“

Digitalisierung auf dem Bau hat jetzt ein Zentrum

Das nationale Zentrum „BIM Deutschland“ wurde offiziell eröffnet. Es dient als Kompetenzzentrum und soll einheitliche Vorgaben im Infrastruktur- und Hochbau erstellen.

Das nationale BIM-Kompetenzzentrum wurde am 29. Januar vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Berlin eröffnet. Die selbsterklärte Aufgabe des Zentrums soll es sein, in Sachen digitaler Planungsmethoden (in Bezug auf das Building Information Modeling – BIM) zu beraten, zu schulen und die digitale Transformation zu normen. Die erarbeiteten Informationen, Standards und Produkte sollen offen zur Verfügung gestellt werden. Das Zentrum wird gemeinsam von den Bundesministerien für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beziehungsweise des Innern, für Bau und Heimat (BIM) betrieben. „Mit BIM Deutschland schaffen wir die Grundlagen, die Potenziale der Digitalisierung auszuschöpfen und Synergieeffekte zu nutzen“, sagte die Staatssekretärin des BMI, Anne Katrin Bohle: „Wir wollen im Bundesbau hier eine Vorreiterrolle einnehmen“. Mit „Open BIM“ und über das „BIM-Portal“ sollen alle erarbeiteten Produkte, offenen Standards und Konzepte, Informationen, Muster, Vorgaben und Werkzeuge sowohl dem öffentlichen Bau als auch „der gesamten Wertschöpfungskette Bau“ zur Verfügung gestellt werden, ergänzte die Staatssekretärin des BMVI, Tamara Zieschang.

BIM ab Dezember 2020 verpflichtend

Zumindest für Infrastrukturbauten wird das digitale Planungstool BIM Ende dieses Jahres verpflichtend. Die Bundesregierung hat das bereits im Koalitionsvertrag 2018 vereinbart: Künftig soll bei der Vergabe öffentlicher Aufträge für den Bundesinfrastrukturbau und den infrastrukturbezogenen Hochbau stärker auf die Methode Building Information Modeling (BIM) gesetzt werden, um Kosten zu minimieren und Risiken zu reduzieren. Die Fraktionen CDU/CSU und SPD schreiben zudem, dass mit dem Einsatz der Methode BIM in der Planung, Ausführung und später bei der Bewirtschaftung leichter mit allen Beteiligten kommuniziert werden könne. Die FDP-Bundestagsfraktion geht noch weiter und möchte das Tool spätestens ab 2022 verpflichtend einführen, damit die Bundesregierung den für Infrastrukturbauten entwickelten Stufenplan „Digitales Planen und Bauen“ auf die Hochbauten des Bundes überträgt.

Influencer sind in der Bauindustrie angekommen

Influencer werben in ihren sozialen Medien für so einiges. Nun scheint das auch in der Bauindustrie angekommen zu sein. Im Februar findet das erste „Baufluencer“-Forum statt.

Am 19. Februar versammeln sich 30 sogenannte „Baufluencer“ beim ersten offiziellen „Baufluencer-Forum“ in Berlin. Sie treffen dort auf Unternehmen der Bauindustrie. Bisher erhielt das neue Veranstaltungsformat durchweg positive Resonanz. Sowohl die Influencer als auch die anwesenden Unternehmen freuen sich darauf, sich kennenzulernen und sich über Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen. Die Idee für die Veranstaltung stammt von der Bau-PR-Agentur Brandrevier in Kooperation mit der Messe Berlin. Kriterien bei der Auswahl geeigneter YouTuber, Instagramer und Blogger waren unter anderem die Professionalität und Kompetenz, aber auch die Reichweite und Interaktion mit ihren Abonnenten. Die eingeladenen Influencer haben alle eine Reichweite im sechs- bis siebenstelligen Bereich und sind Amateure beziehungsweise Profis aus den Bereichen Fachhandwerk, Do-It-Yourself und Architektur. Teilnehmende Baufluencer aus dem Bodenbereich sind beispielsweise die Raumausstatterin Silja Kinast („that_flooring_girl“) sowie Ralf Schanze mit dem Fliesen-Online-Magazin 1200Grad. Seitens der Unternehmen werden namhafte Bauproduktehersteller wie Knauf, KS-Original oder Wienerberger anwesend sein. Auch aus den Bereichen SHK oder Elektroinstallation werden Unternehmen wie Stiebel Eltron oder Gira am Forum teilnehmen. Insgesamt haben 24 Bauunternehmen zugesagt.

Unternehmen sehen in Zusammenarbeit mit Influencern großes Potenzial

„Im Vergleich zu Printmedien haben Influencer eine oftmals höhere Reichweite“, sagt Julian Waning, Architektur Media Manager bei Gira Giersiepen. „Hinzu kommt, dass wir über neue Online-Kanäle die Möglichkeit haben, Menschen zu erreichen, die bislang noch nicht mit unserem Unternehmen oder unseren Produkten in Kontakt getreten sind.“ Desirée Lukowski, Social Media Managerin der Hörmann Gruppe, ergänzt: „Influencer-Kommunikation geht über die reine, faktenbasierte Information weit hinaus. Hier kommt es, anders als in der klassischen Unternehmenskommunikation, vor allem auf Authentizität, eine emotionale Bindung und den persönlichen Kontakt an.“ Alle Infos zur Veranstaltung und den Teilnehmern gibt es auf www.baufluencer.de

Ofenbauer legt falsche Fugen und verliert vor Gericht

In einem Streit darum, ob Fugen auf dem Kaminofen eines Münchner Ehepaares gewollt waren oder nicht, verlor ein Ofenbauer den Prozess vor dem Amtsgericht München.

In einem Werkvertrag über 9.000 Euro vereinbarte das Paar mit einem Ofenbauer, in das neue Eigenheim einen Kaminofen einbauen zu lassen. Auf einem Bild zeigte das Paar dem Verkäufer, wie der Ofen später aussehen soll: raumhoch, fugenlos und mit optisch gleichem Putz wie die Wand. Doch schon Monate später bei der Besichtigung des Neubaus durch die Handwerker war umstritten, was die Beteiligten mündlich vereinbart hatten. Nach erneuter Vereinbarung der Leistungen auf der Besichtigung sicherte der Verkäufer dem Ehepaar die problemlose Ausführung der gewünschten Leistung zu. Ein halbes Jahr später hieß es vom Ofenbauer allerdings, dass diese Leistung unmöglich sei. Es entstand ein Kaminofen mit einer Fuge zwischen Mauer und Kaminschürze. Daraufhin trat das Ehepaar vom Werkvertrag zurück, es beharrte auf ihrer ursprünglich verlangten Leistung. Die Handwerksfirma klagte auf Zahlung des vereinbarten Werklohns, abzüglich ersparter Aufwendungen. Sie behauptete, dass von einer fugenlosen Ausführung des Kamins nie die Rede gewesen sei: weder beim Vertragsschluss, noch beim Besichtigungstermin – sondern erst viel später. Da habe man den Kunden außerdem mitgeteilt, dass eine Acryldehnungsfuge zwischen Mauer und Kaminschürze zwingend erforderlich sei, um Risse zu verhindern.

Das Urteil

Das Amtsgericht München schlug sich auf die Seite des Ehepaares. Zwar hätten sowohl das Ehepaar als auch der Verkäufer glaubhafte Aussagen gemacht, jedoch habe man Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Verkäufers, da dieser als Angestellter der Klägerin „erkennbar in deren Lager“ stehe. Die Auftraggeber hätten anfangs das Prospektbild vorgelegt, auf dem ein dreiseitiger Kamin zu sehen sei, der wie die übrige Wand verputzt und nicht durch eine Fuge getrennt sei. Außerdem sei in dem Neubau bereits der Boden für den neuen Kamin vorbereitet gewesen, was ein nachträgliches Bereuen der Bestellung für das Gericht ausschließe. Somit sei das Paar zurecht vom Vertrag zurückgetreten, weil sich die Handwerksfirma weigerte, den Kaminofen so herzustellen, wie es bei Vertragsschluss vereinbart wurde. Die mündlich vereinbarten Leistungen wurden nicht schriftlich festgehalten, weshalb die vielen Missverständnisse aufkamen.